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23.12.2008

32 Jahre Washingtoner Artenschutzübereinkommen in Deutschland - Ein Grund zum Feiern?

32 Jahre Washingtoner Artenschutzübereinkommen in Deutschland - Ein Grund zum Feiern?


Bilanz der Stärke und Schwächen der wichtigsten Artenschutzkonvention und ihrer Umsetzung in Deutschland



Am Mittwoch jährt sich zum 32. Mal das Inkrafttreten des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (WA) in Deutschland. Als Bilanz fasst PRO WILDLIFE zusammen: "Mit über 150 Mitgliedsstaaten ist das WA das wichtigste Gremium, um den weltweiten Schutz für bedrohte Arten zu gewährleisten. Deutschland gehört zu den vergleichsweise aktiven Mitgliedsstaaten des WA, versäumt allerdings - als zentraler Absatzmarkt für lebende Wildtiere und -Pflanzen sowie Produkten daraus -- eine konsequente Anwendung des Vorsorgeprinzips beim Import. Zudem wäre ein stärkeres politisches Engagement innerhalb der EU und bei anderen WA-Mitgliedsstaaten wünschenswert." 

1. Zentrale Erfolge des WA:

  • Elefanten: Einer der wichtigsten und bekanntesten Artenschutzerfolge war die strenge Unterschutzstellung afrikanischer Elefanten im Jahr 1989, die dem massenhaften Abschlachten von Elefanten ein Ende setzte. Doch das Handelsverbot für Elfenbein stieß von Anfang an auf erbitterten Widerstand. Deutschland hingegen, ehemals ein bedeutender Verbraucher von Elfenbein, setzte sich aktiv für die Aufrechterhaltung des Handelsverbots ein. 

  • Meeresschildkröten: In zwei Stufen, 1977 und 1981, wurde für alle sechs Arten Meeresschildkröten ein Handelsverbot beschlossen. Doch dieser wichtige Erfolg steht derzeit auf der Kippe, da auf der kommenden WA-Konferenz im November 2002 eine Lockerung des Schutzstatus für die echte Karettschildkröte zur Diskussion stehen wird, bei dem die EU eine fahrlässige Kompromissbereitschaft zeigt. Deutschland, ehemals einer der Hauptabsatzmärkte für Schildkrötensuppe und Schildpatt (dem polierten Panzer), machte sich bereits auf der letzten WA-Konferenz (2000) für die Beibehaltung des höchsten Schutzstatus stark. 

  • Wale: Das absolute Handelsverbot für das Fleisch von Großwalarten (schrittweise in den 70ern und 80ern beschlossen) war eine wesentliche Voraussetzung, damit sich die Bestände der Meeresriesen erholen konnten. In enger Wechselwirkung mit dem Walfangverbot der Internationalen Walfangkommission, brach der Markt für Walprodukte - mit Ausnahme von Japan und Norwegen - weitgehend zusammen. Deutschland hat sich von Anfang an innerhalb des WA für den höchsten Schutzstatus für Wale eingesetzt. 

  • Asiatische Schildkröten: Millionen wildgefangener asiatischer Schildkröten werden jährlich für die Fleischmärkte vornehmlich in China getötet. Viele Arten sind inzwischen akut bedroht. Deutschland hat auf der letzten WA-Konferenz im April 2000 eine Initiative gestartet, um die Ausrottung der asiatischen Schildkröten aufzuhalten. Neun Arten wurden inzwischen in das WA aufgenommen, weitere sollen folgen. 

  • Störe: Die Listung aller Störarten auf Anhang II des WA ("kontrollierter" Handel) auf Initiative Deutschlands war ein wichtiges Signal, da hierdurch erstmals eine Gattung von Speisefischen geschützt wurde - eine Tiergruppe, bei denen insbesondere von Fischereinationen jegliche Handelsbeschränkungen auf das Heftigste bekämpft werden. In der Praxis erweist sich allerdings die Überwachung der Handelsbeschränkungen für Kaviar als schwierig und ineffektiv. Eine Anhang I-Listung (Handelsverbot) wäre die Lösung, wird aber von Deutschland derzeit nicht in Erwägung gezogen. 

    2. Pleiten, Pech & Pannen:
    Zentraler Kritikpunkt von PRO WILDLIFE und anderen Verbänden an der deutschen Artenschutzpolitik ist der fahrlässige Import von Hunderttausenden Wildtieren jährlich:
     Das Vorsorgeprinzip wird hierbei völlig vernachlässigt. Es besagt, dass erst wenn die ökologische Unbedenklichkeit einer Naturentnahme einwandfrei nachgewiesen ist, Importgenehmigungen erteilt werden dürfen. In der deutschen Genehmigungspraxis sieht dies allerdings anders aus: Ungeschützte Arten werden ungehindert und ohne Registrierung eingeführt. Für WA-geschützte Arten werden Importe von Tausenden Tieren bedenkenlos akzeptiert, auch wenn hierdurch Tierbestände bzw. Ökosysteme gefährdet werden können. Dies ist insbesondere unverständlich bei Importen aus Ländern, deren Naturplünderung und Korruption bei den zuständigen Behörden ein offenes Geheimnis ist (z.B. Chamäleons u. Geckos aus Madagaskar, Wildvögel aus Indonesien oder Jagdtrophäen aus Simbabwe).

  • Beispiel: Importe von Chamäleons nach Deutschland (1990-1999): Die Einfuhr von Chamäleons für den Heimtiermarkt hat seit 1997 explosionsartig zugenommen, obwohl diese Tiergruppe bereits seit 1977 dem "kontrollierten Handel" des WA-Anhang II unterliegt. In nur drei Jahren importierte Deutschland 14.047 der bizarren Echsen. Ein großer Teil stammt aus Madagaskar und ist durch Lebensraumzerstörung und Tierhandel akut bedroht. Das WA empfahl deshalb bereits 1995 ein Handelsembargo für alle madagassischen Chamäleons, bis auf vier Arten, für die Exportquoten festgelegt wurden. Allerdings wurden diese alleine in einem Jahr um bis zu 334 Prozent überschritten - doch in Deutschland werden weiterhin Importgenehmigungen erteilt. 

  • Verantwortung als zentraler Absatzmarkt: Deutschland ist noch immer einer der großen "Verbraucher" von Wildtieren: Zwar sind einige Luxusgüter mittlerweile verboten (Elfenbein, Leopardenpelz, Schildkrötensuppe), aber im Import von lebenden Exoten für den Heimtiermarkt, Jagdtrophäen, Kaviar und Korallenschmuck nimmt Deutschland eine führende Rolle ein. Dieser Verantwortung als einer der Hauptkonsumenten wird die Bundesregierung bislang kaum gerecht: Wenngleich heimische Arten durch das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) weitreichend geschützt sind, ist der Plünderung von Wildtierbeständen in Entwicklungshilfeländern für den deutschen Absatzmarkt Tür und Tor geöffnet. Auch in der aktuellen Novellierung des BNatSchG wurde die von Naturschutzverbänden seit Jahren geforderte Umsetzung des Vorsorgeprinzips für nicht-heimische Arten völlig außer Acht gelassen. 

  • Anstieg der WA-Einfuhrgenehmigungen für geschützte Tiere nach Deutschland:Der Import von WA-geschützten Tierarten steigt seit Jahren signifikant an. Dies gilt für Säugetiere (von 1991 bis 1998 mehr als verdoppelt), Vögel (kontinuierlicher, deutlicher Wiederanstieg seit 1995), Reptilien (seit 1991 mehr als verdoppelt, von 1997 auf 1998 16.600 mehr) und Amphibien (seit 1991 verfünffacht). 

  • Vollzugsschwächen: Bei Schmuggeldelikten mit bedrohten Arten wird nur unzureichend durchgegriffen: Vier Fünftel der Ermittlungsverfahren werden frühzeitig durch das Bundesamt für Naturschutz eingestellt, die restlichen Fälle enden mit meist geringen Bußgeldern. Das Fehlen von Auffangstationen für beschlagnahmte lebende Tiere verhindert zudem einen effektiven Vollzug der WA-Bestimmungen und endet oft mit der Unterbringung beschlagnahmter Tiere bei privaten Sammlern oder ggf. sogar bei Tierhändlern. 

  • Unzureichende politische Vorbereitung von WA-Listungsanträgen:Erfreulicherweise stellt Deutschland regelmäßig Anträge, um bedrohte Arten in die Anhänge des WA aufnehmen zu lassen. Doch zum Teil ist die politische Vorbereitung (z.B. im Dialog mit den Herkunftsländern) unzureichend, die zur Erlangung einer Stimmenmehrheit notwendig ist. Bei der letzten WA-Vertragsstaatenkonferenz im April 2000 versäumte die Bundesregierung, gleich für drei eigene Anträge: Quastenflosser (als "Urfisch" bekannt), Quittenwaran (im deutschen Tierhandel erstmals entdeckt) und Teufelskralle (Heilpflanze) im Vorfeld der Konferenz die Herkunftsländer Indonesien und Namibia in seine Pläne mit einzubeziehen - und scheiterte in den letzten beiden Fällen prompt. 

    3. Düstere Zukunft des WA?
    PRO WILDLIFE beobachtet mit Sorge, dass die Diskussionen innerhalb des WA immer weniger von wissenschaftlich begründeten Daten bestimmt werden, sondern von vorgeschobenen Argumenten skrupelloser Geschäftemacher, die bedrohte Wildtiere als reine Ware ansehen. Es ist längst überfällig, dass am Schutz der Artenvielfalt interessierte Staaten diesen fadenscheinigen Strategien eine deutliche Absage erteilen. 

  • "Use it or loose it": Die Nutzung von Wildtieren wird von Interessengruppen aus Jagd und Handel sowie nutzungsorientierten Regierungen zunehmend und auf unverantwortbare Weise als Ausweg aus dem Armutsproblem dargestellt und bietet so den Industrieländern ein "Feigenblatt" für die hemmungslose Ausbeutung der Naturschätze von Entwicklungsländern. Auch Deutschland nimmt hierbei eine ambivalente Position ein: Trotz fehlender zuverlässiger Kriterien, anhand derer sich die tatsächliche "Nachhaltigkeit" einer Nutzung überprüfen ließe, fördert die Bundesregierung Trophäenjagdprojekte und lässt den Import von Jagdtrophäen stark bedrohter Arten (z.B. Breitmaulnashorn, Gepard, Argali-Wildschaf oder Markhor-Wildziege) zu. 

  • "Kontrollierter Handel": Die Listung einer bedrohten Art in Anhang II des WA soll den Handel auf ein naturverträgliches Maß reduzieren. Ob Störe, Chamäleons, Landschildkröten, viele Papageien und andere Ziervögel: In der Praxis zeigen unzählige Beispiele, dass die geforderte Nachhaltigkeit des Handels reine Makulatur ist und Tierbestände, für die dieser Schutzstatus gilt, weiterhin rücksichtslos geplündert werden. Zur Rettung vieler Arten wird deshalb früher oder später eine Hochstufung in Anhang I (Handelsverbot) notwendig (z.B. Afrikanischer Elefant, einige Großwale, Meeresschildkröten, verschiedene Kakadus, Ägyptische Landschildkröte etc.). Doch trotz akuter Bedrohung ließ sich ein Handelsstop für weitere Arten auf den letzten Konferenzen kaum mehr durchsetzen - dank der großen Akzeptanz des gefährlichen "use it or loose it" Prinzips (s.o.). 

  • Systematische Aushöhlung von Schutzbestimmungen: Ob fragwürdige Kontrollsysteme oder Handelserleichterungen für Hobbyzüchter - der Fantasie ist keine Grenze gesetzt, wenn es darum geht, mit Wildtieren Kasse zu machen. Im Vergleich zu früheren Konferenzen wird es immer schwieriger, ein absolutes Handelsverbot (= Anhang I) durchzusetzen bzw. aufrecht zu erhalten. Mit immer neuen Konstrukten wollen Walfänger, Elfenbeinverkäufer, Trophäenjäger und Tierhändler die Mehrheit der 151 WA-Staaten davon überzeugen, das Handelsverbot für hochbedrohte aber begehrte Wildtiere aufzuweichen. Mit Erfolg - wie der Verlauf der letzten WA-Konferenz deutlich machte. 

  • Ausnahmen für "Gefangenschaftszucht": Mit dem Argument, Nachzuchten begehrter Tierarten würden die Wildbestände entlasten, gelten Ausnahmen von dem Handelsverbot für bedrohte Arten. Dies ist für Schmuggler eine ideale Möglichkeit, illegal gefangene Tiere als angebliche Nachzuchten (z.B. Papageien und streng geschützte Schlangen und Schildkröten) gewinnbringend zu verkaufen. 

  • Ausnahmen für sog. "nicht kommerzielle Zwecke": Für wissenschaftliche Einrichtungen, angebliche Zuchtprojekte, Hobbyjäger oder den "Privatgebrauch" sind Ausnahmen für den Import streng geschützter Arten möglich. 

  • "Trophäenjagd": Selbst Tiere, für die ein absolutes Handelsverbot gilt, sind nicht sicher vor Trophäenjägern. Das WA sieht hierfür eine Ausnahme vor, da angeblich nur eine unbedenkliche Zahl von Tieren der Natur entnommen würde. Dabei wird jedoch vernachlässigt, dass die Trophäenjagd auf die kapitalsten und damit ältesten und erfahrensten Exemplare abzielt, die für das Fortbestehen eines Bestandes besonders wichtig sind - ein krasser Widerspruch zu den Selektionskriterien der Natur. 

  • "Nullquote" hieß das Zauberwort der letzten WA-Konferenz. Statt bedrohte Arten in Anhang I aufzunehmen und damit ein absolutes Handelsverbot zu erreichen, wird immer häufiger eine Listung in Anhang II mit Nullquote beschlossen. Auf den ersten Blick scheint dies auf das Gleiche hinauszulaufen, jedoch kann ein Land eine freiwillige Nullquote jederzeit und unbürokratisch fallen lassen. 

  • Fragwürdige "Kontrollsysteme": Für die auf der vorletzten WA-Konferenz (1997) gefällten Entscheidung, die Elefanten-Populationen von drei afrikanischen Ländern herabzustufen und den Handel mit Elfenbein einmalig zuzulassen, war eine der ausschlaggebenden Argumente, das Kontrollorgan MIKE (Monitoring of Illegal Killing of Elephants) könne als Frühwarnsystem einen Anstieg der Wilderei verhindern. Doch MIKE ist bis heute nicht funktionstüchtig - soll aber (u.a. finanziert durch die EU) 13,2 Millionen US Dollar verschlingen. Auch zur Identifikation von lebenden Tieren oder Produkten daraus werden immer wieder angeblich sichere Identifikationssysteme vorgeschlagen, so z.B. die Fotoidentifikation für den Handel mit Schildpatt (Panzer der Meeresschildkröten). In der Praxis erweisen sich diese Kontrollsysteme als untauglich bzw. unpraktikabel. Gerade in ärmeren Ländern ist ein entsprechender Aufwand nicht zu bewerkstelligen. Aber auch in Deutschland werden unsichere oder unpraktikable Methoden akzeptiert, die eine Umgehung der Kontrollen ermöglichen. So will die Bundesregierung zukünftig u.a. die Fotoidentifikation gerade für Reptilienarten akzeptieren, die im illegalen Handel begehrt sind. 
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