Free counter and web stats

23.12.2008

Affenschande



Affenschande

Zusammenfassung
Schimpansen und Drills in Kamerun, Gorillas und Bonobos in der Demokratischen Republik Kongo, Nasenaffen und Orang-Utans in Indonesien und Malaysia - Diese charismatischen Affen haben zwei Dinge gemeinsam: Ihre Bestände sind stark rückläufig. Und sie sind Stellvertreter für eine immense Artenvielfalt, die mit ihnen zu verschwinden droht. Eine Schlüsselrolle beim Rückgang dieser Primaten spielt der Tropenholzhandel, der nach den Boykottaufrufen der späten 80er Jahre inzwischen in Deutschland wieder "salonfähig" geworden ist. Gartenmöbel, Türen und Parkettböden sind wieder allgegenwärtig in Kaufhäusern, Möbelläden, Gartencentern und Baumärkten. Die Kunden haben die Wahl zwischen Meranti, Iroko, Yellow Balau oder Sipo. Kaum jemand weiß allerdings, was sich dahinter verbirgt. Selbst die lange verpönten Teakhölzer sind wieder präsent - versehen mit Labeln, die die Herkunft aus Plantagen und die ökologische Unbedenklichkeit versichern. Die Bundesregierung fördert mit dem Ziel, die Tropenwälder zu schützen, das Ökosiegel FSC. Doch sind Tropenhölzer wirklich ökologisch vertretbar? Der vorliegende Bericht zeigt anhand konkreter Beispiele die Folgen der boomenden Abholzung für bedrohte Arten. Er nimmt Ökosiegel und Herstellerauskünfte kritisch unter die Lupe und kommt zu dem Ergebnis: Derzeit gibt es kein zuverlässiges Label, das dem Käufer wirklich die Naturverträglichkeit eines Tropenholzproduktes gewährleisten kann. Die einzige Devise für Verbraucher, um die letzten Regenwälder der Erde zu bewahren, muss deshalb lauten: Hände weg von Produkten aus Tropenholz! Und für die Bundesregierung stellt sich die Frage, ob die derzeitige Tropenschutzpolitik nicht kritisch überdacht werden muss.




Inhalt
1. Einführung
2. Hintergründe zum Tropenholzhandel
3. Situation in den Herkunftsländern
3.1. Indonesien
3.2. Malaysia
3.3. Kamerun
3.4. Demokratische Republik Kongo
4. Primaten in Gefahr
4.1. Indonesien
4.2. Malaysia
4.3. Kamerun
4.4. Demokratische Republik Kongo
5. Wie glaubwürdig sind Öko-Siegel und Handelsauskünfte?
5.1. Ökozertifikate und Auskünfte von Herstellern
5.2. Grenzen und Gefahren des FSC-Siegels
6. Schlussfolgerungen und Empfehlungen
6.1. Konsequenzen für Verbraucher
6.2. Empfehlungen an die Bundesregierung

Danksagung
Tierfreunde-Nord möchte sich bei den folgenden Organisationen für hilfreiche Hintergrundinformationen und Fotomaterial bedanken: PRO WILDLIFE, Environmental Investigation Agency, Rettet den Regenwald, Pro Regenwald, Rainforest Foundation und Born Free Foundation. 

1. EINFÜHRUNG
Dass der Einschlag von Tropenholz die Regenwälder massiv schädigen kann, ist weitgehend bekannt: Bei einer Umfrage von PRO WILDLIFE unter Besuchern einer Gartenmesse1 bejahten 95,3% die Nachfrage nach einem solchen Zusammenhang, nur 3,7% verneinten dies. Entsprechend hoch ist auch der Anteil derer, die einen Boykott von Tropenholzprodukten unterstützen würden, nämlich 79% (s. Abb. 2). Doch was ist überhaupt Tropenholz? Während Mahagoni 99,48% und Teak 95,81% der Befragten bekannt sind, erkennen nur 11,52% Meranti, 7,33% Balau und 5,23% Iroko als Tropenhölzer (s. Abb. 3). Entsprechend unkritisch werden Produkte aus diesen unbekannten Tropenhölzern gekauft. Die aus den gemäßigten Breiten stammende Robinie wurde dagegen mehrheitlich für ein Tropenholz gehalten. 



Von den Bürgern, die einen Tropenholz-Boykott ablehnen (5,24%), wird immer wieder als Grund genannt, dass die Bevölkerung in den tropischen Ländern auf die Einkünfte angewiesen sei. Doch die Realität in den Herkunftsländern sieht oft anders aus: In vielen Ländern West- und Zentralafrikas dominieren Firmen aus Europa und zunehmend aus Südostasien die Holzwirtschaft, heimische Unternehmen stehen im Hintertreffen. In wichtigen Herkunftsländern für Tropenhölzer herrschen noch immer politische Instabilität, Korruption, illegaler Holzeinschlag und Interesse an kurzfristigen Profiten aus dem Holzeinschlag (s. Kapitel 3). Die Auswirkungen eines solchen Raubbaus auf die Artenvielfalt werden in Kapitel 4 am Beispiel der Primaten aufgezeigt. 


Wenn es um die Zuverlässigkeit von Herstellerangaben zur ökologischen Verträglichkeit der Holzgewinnung geht, vertraut über die Hälfte der von PRO WILDLIFE befragten Personen (58,64%) dem FSCZertifikat, das auch von diversen Umweltverbänden empfohlen wird. Für 41,36% ist die Angabe "kontrollierter Plantagenanbau" glaubwürdig, für 17,8% die Aussage "staatliche Kontrolle der indonesischen Regierung" und immerhin jeder Zehnte (10,99%) gibt sich mit dem Hinweis "aus naturbelassenem Teakholz" zufrieden. Selbst die nichtssagende Formulierung "nur allerbeste Hölzer aus Burma" war für immerhin 6,28% der Befragten eine solide Aussage zur Naturverträglichkeit. Nur gut ein Viertel der Befragten (26,7%) traut keiner dieser Herstellerauskünfte (s. Abb. 4). In Kapitel 5 werden Ökosiegel für Tropenholzprodukte sowie gängige Aussagen von Herstellern und Regierungen wichtiger Herkunftsländer kritisch analysiert. Kapitel 6 enthält schließlich Empfehlungen an Verbraucher und die Bundesregierung, die sich aus der aktuellen Situation der Tropenholzproblematik und Deutschlands führender Rolle als Geldgeber im Tropenschutz ergeben.


2. HINTERGRÜNDE ZUM TROPENHOLZHANDEL
Weltweit werden jährlich etwa 20 Mio. Hektar Regenwald vernichtet2. Zwar wird ein Großteil der Hölzer direkt in den Herkunftsländern verbraucht, doch die Exporte in alle Welt halten an. Tropenhölzer sind oft preiswerter, lassen sich maschinell gut verarbeiten und bieten einen Hauch von Exotik. Sie werden für die Herstellung von Gartenmöbeln, Bilderrahmen, Fenstern und Parkettböden, aber auch für Spanplatten, Bau- und Sperrholz sowie Papier verwendet. Die Nachfrage boomt und wird nach Ansicht von Experten künftig sogar noch weiter steigen: Denn die letzten großen Waldgebiete, z.B. in Indonesien und Brasilien, sind aufgrund der massiven Holzeinschläge auf dem Rückzug.

Nur sehr wenige Tropenhölzer wie Mahagoni, Afrormosia oder Rosenholz, sind über das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA) auf internationaler Ebene geschützt. Weil das WA als einzige Artenschutzkonvention verbindlich und konkret ist, wird nur der weltweite Handel mit diesen Hölzern registriert und kontrolliert. Viele weitere Baumarten würden internationalen Schutz benötigen, um den Handel auf ein umweltverträgliches Maß zu reduzieren.

Zwar haben einzelne Herkunftsländer eigene Schutzbestimmungen oder gar Exportverbote, doch über Nachbarländer mit schwächeren Gesetzen oder Kontrollen werden die nationalen Schutzbemühungen häufig unterwandert. Dreiviertel des Holzeinschlags in Brasilien, über 50% in Kamerun4 und etwa 70% in Indonesien sind illegal. Korruption und der unzureichende Vollzug von Schutzbestimmungen sind hierfür verantwortlich. Unter illegaler Abholzung sind Rodungen außerhalb von Konzessionen (d.h. Gebieten, für die eine Rodungsgenehmigung vorliegt), ohne Genehmigung (z.B. innerhalb von Schutzgebieten), überschrittene Konzessionsmengen sowie Erwerb von Konzessionen durch Korruption zu verstehen. Immer wieder sind auch deutsche Firmen, v.a. in Afrika, in diese illegalen Machenschaften verwickelt, sei es durch eigene illegale Rodungen oder als Abnehmer solcher Hölzer. Andere Unternehmen betreiben völlig legale Konzessionen, sind aber in die illegale Jagd auf Wildtiere, darunter Primaten, verwickelt, um ihre Mitarbeiter billig mit Fleisch zu versorgen (s. Kapitel 4). Doch auch legaler Holzeinschlag hat in vielen Ländern verheerende Folgen, da oft eine rücksichtslose und kurzfristige Forstpolitik betrieben wird.

Deutschland gehört nach Frankreich, Italien, Spanien, Portugal und China zu den größten Importeuren afrikanischer Tropenhölze. Fast alle 2002 importierten Rohhölzer (98%) kamen aus Afrika, der Rest vornehmlich aus Burma. Hauptlieferanten bei den afrikanischen Ländern sind Kamerun (42%), Gabun (16%), Liberia (13%) und die Republik Kongo (13%). Zwar ist der Import tropischer Rohhölzer nach Deutschland seit einigen Jahren rückläufin. Doch diese positive Nachricht wird relativiert durch die Tatsache, dass in den letzten Jahren die Importe zugeschnittener Hölzer aus einigen afrikanischen Ländern wie z.B. Kamerun, anstiegen. 


3. SITUATION IN DEN HERKUNFTSLÄNDERN
Der vorliegende Bericht stellt die Tropenholzproblematik am Beispiel von vier Ländern dar, die aufgrund ihrer politischen Verhältnisse, ihrer Bedeutung für den internationalen Tropenholzmarkt sowie ihrer Artenvielfalt - v.a. im Hinblick auf Primaten - eine immense Rolle spielen: Indonesien, Malaysia, Kamerun und Demokratische Republik Kongo (DRC).

3.1. INDONESIEN
Fläche: 1,9 Mio. km² auf insgesamt 13.677 Inseln Einwohner: 219 Mio. (Stand 2000), v.a. auf Java und Madura, die zu den am dichtesten besiedelten Regionen der Welt gehören. Kommerziell genutzte Holzarten: (Yellow) Balau, Bangkirai, Daru Daru, Kempas, Keruing, Lauan, Melapi, (Red, white oder yellow) Meranti, Merbau, Ramin, Virola Mit mehr als 100 Mio. Hektar befinden sich 10% aller verbliebenen tropischen Regenwälder in Indonesien. Doch die jährliche Verlustrate für Wälder in Indonesien beträgt nach aktuellen Angaben der Regierung 3,8 Mio. Hektar pro Jahr - die höchste weltweit8. Noch vor wenigen Jahren betrug die zerstörte Fläche "nur" 1 Mio. Hektar jährlich.

Über 70% der ursprünglichen Waldfläche sind inzwischen bereits vernichtet, und jedes Jahr verschwindet eine weitere Fläche von der Größe Taiwans10. Indonesien gehört mit 17% aller Vogel-, 16% aller Reptilien-, 12% aller Säuger- und 10% aller Pflanzenarten zu den artenreichsten Ländern der Erde. Hier leben mehr vom Aussterben bedrohte Arten als irgendwo sonst auf der Erde. Auf dem Papier gibt es 37 Nationalparks und eine Gesamtfläche von Schutzgebieten von über 19 Mio. Hektar, doch extensiver Holzeinschlag findet auch hier nahezu ungehindert statt. So werden z.B. im Tanjung Puting Nationalpark in Zentral-Kalimantan (dem indonesischen Teil Borneos) in großem Umfang kommerziell interessante Bäume wie Ramin (Gonystylus spp.) oder Meranti (Shorea spp.) illegal gefällt11. Dieser über 400.000 Hektar große Park ist ein wichtiges Rückzugsgebiet für Orang-Utans (s.a. 4.1.). Ähnlich fatal ist die Situation im Gunung Leuser-Nationalpark (890.000 Hektar, s. Abb. 6) auf Sumatra, der neben Orang-Utans auch das Sumatra-Nashorn, Elefanten und Nebelparder beherbergt. Besonders betroffen in beiden Nationalparks sind Sumpfwälder, in denen wertvolle Hölzer wie Ramin vorkommen.
Im Süden Sumatras wurden innerhalb einer Woche 62.000 illegal gefällte Baumstämme und 42 nichtgenehmigte Sägemühlen entdeckt12. Problematisch ist auch die Papierproduktion: Zwischen 1988 und 2000 wurden ca. 120 Mio. m³ Holz zu Zellstoff verarbeitet, nur 10 Prozent kamen dabei aus Plantagen13. Angesichts der schwindenden Wälder sollen künftig die Plantagenflächen mit schnell wachsenden und nicht-heimischen Hölzern wie Pinie, Akazie und Eukalyptus massiv ausgeweitet werden. Die Papierindustrie sucht ständig nach zu rodenden Waldflächen, um die Plantagen zu vergrößern. Die Bundesregierung war in der jüngsten Vergangenheit durch die großzügige Vergabe von Hermes- Bürgschaften in Höhe von über 500 Mio. Euro aktiv an der Ausweitung der Papierindustrie in Indonesien beteiligt. Auf mehr als einer Mio. Hektar ehemaligem Regenwald wachsen nun Plantagenbäume für die Papierproduktion14. Neben Rodungen für Holz- und Papierexporte ist auch die Ausweitung von Palmölplantagen eklatant: Zwischen 1990 und 1998 hat sich deren Fläche auf 2,4 Mio. Hektar mehr als verdoppelt. Die globale Nachfrage nach Palmöl steigt weiter massiv an, um etwa 7% jährlich. Dieses pflanzliche Fett wird zur Herstellung von Margarine, Keksen, Kosmetik, Seifen bis hin zur Plastikerzeugung verwendet. Indonesien plant den Ausbau seiner Palmölplantagen von derzeit 2,5 Mio. auf 5,5 Mio. Hektar, wofür große Flächen Naturwald verschwinden sollen15. Indonesien ist nach Malaysia der zweitgrößte Palmöl-Produzent weltweit (s.a. Kapitel 5.1. zu den negativen Auswirkungen von Plantagen auf die Umwelt).

Über 100 holzgewinnende und -verarbeitende Firmen sind in Indonesien aktiv, mit einer Produktion von ca. 45 Mio. m³ pro Jahr16. Mehr als 70% der Rodungen sind illegal, Militär und hohe Beamte sind am Holzhandel beteiligt: Militärfahrzeuge werden für den Transport gefällter Hölzer benutzt, Beamte stellen falsche Konzessionen aus und vereiteln die Strafverfolgung. Die Situation ist völlig außer Kontrolle, v.a. auf Sumatra und Kalimantan. So fiel z.B. der Einschlag des kostbaren Holzes Ramin von 1,5 Mio. m³ jährlich in den frühen 70ern auf 24.000 m³ seit 199718 - Folge einer extensiven Plünderung der Bestände, die v.a. in den Sumpfwäldern Kalimantans und dem Südosten Sumatras vorkommen. Die Regierung unternimmt in jüngster Zeit erste Anstrengungen, um der katastrophalen Situation Herr zu werden: Seit 2000 haben Forst- und Umweltminister diverse Maßnahmen gegen illegalen Holzeinschlag zugesagt, doch vieles scheitert bislang an dem immensen Einfluss der Holzbarone19. Im August 2001 beschloss Indonesien jedoch eine Kontrolle durch Aufnahme von Ramin, das sonst nur noch im Nachbarland Malaysia vorkommt, in Anhang III des WA20. Dies erlaubt Exporte nur noch mit ausdrücklichen Genehmigungsdokumenten der indonesischen Regierung und zwingt auch Malaysia, die Herkunft eigener Exporte zu bescheinigen. Im Dezember 2001 schließlich erließ Indonesien - mit Ausnahme einer Firma - ein Exportverbot für Ramin. Doch ein intensiver Schmuggel über die indonesischmalaysische Grenze mit einem geschätzten Umfang von 120.000 m³ jährlich unterwandert die Schutzbemühungen. Im Juni 2002 folgte ein generelles Exportverbot für Hölzer aus Indonesien, Malaysia konterte im selben Monat mit einem Importverbot für indonesische Hölzer, doch die Schmuggelrouten nach Malaysia werden weiterhin intensiv genutzt. Indonesien belegt auf der Liste der korruptesten Länder Platz sechs: Nach Angaben der Weltbank versickerten etwa 30% ihrer Entwicklungshilfegelder für Indonesien in dunklen Kanälen. Allgegenwärtige Korruption bedingt eine mangelhafte Umsetzung von Gesetzen und fehlende Strafverfolgung. Absatzmarkt Deutschland: Von 1982 bis 2000 haben sich die Holzimporte aus Indonesien nach Deutschland auf 179.000 Tonnen mehr als verzehnfacht. Zwar ging die Gesamtmenge bis 2002 wieder auf 136.000 Tonnen zurück, doch stieg in den letzten Jahren die Importmenge an Palmöl aus Indonesien massiv an und betrug 2002 knapp 100.000 Tonnen. Bei den Holzimporten ist der Anteil Rohhölzer zugunsten verarbeiteter Produkte wie Furnier-, Sperrholz, Leisten, Türen etc. massiv zurückgegangen. Red Meranti, Keruing, White Lauan und Virola sind die häufigsten Importhölzer aus Indonesien. 

3.2. MALAYSIA
Fläche: 329.758 km²
Einwohner: 21,8 Mio.
Kommerziell genutzte Holzarten: (Yellow) Balau,
Bangkirai, Keruing, (White) Lauan, Melapi, (Red,
White oder Yellow) Meranti, Ramin u.a.

Malaysia ist mit Abstand der größte Exporteur von Tropenhölzern weltweit. Das Land führt mehr Rohhölzer und Produkte aus, als Afrika und Südamerika zusammen. Malaysia ist sehr bemüht, die heimische Holzwirtschaft als nachhaltig darzustellen und hat hierfür ein eigenes Zertifikat des MTCC (Malayan Timber Certification Council) entwickelt. Dies wird von den meisten Umweltverbänden allerdings abgelehnt. Die heimischen Waldflächen sind als Folge einer massiven Plünderung der Waldbestände inzwischen dramatisch dezimiert und die Entwicklung geht ungebremst weiter. In Sabah und Sarawak befinden sich Malaysias größte Urwaldflächen, die Bestände gehören zu den ältesten der Welt. Sarawak ist der weltgrößte Exporteur von Tropenhölzern, die Hauptabsatzmärkte sind in Japan, Korea und Taiwan. Vor allem in Sarawak wurde der Rohholzexport seit 1980 verdoppelt und nimmt fast 30% des Weltexportes an Nutzholz ein. Eine Studie der ITTO (International Timber Trade Organisation) warnte bereits 1990, dass bei Aufrechterhalten des damals aktuellen Holzeinschlags von 13 Mio. m³ Holz jährlich die Wälder auf Sarawak innerhalb weniger Jahre vollständig vernichtet seien24. ITTO empfahl eine maximal vertretbare Grenze von 6,3 Mio. m³, doch die tatsächliche Rodungsrate blieb mehr als doppelt so hoch. Hinzu kommt, dass die Fällmethoden destruktiv sind: Pro gezielt gefälltem Baum werden fünf weitere durch die schweren Maschinen umgeknickt. Durch die großflächige Zerstörung der Pflanzendecke kommt es zu heftigen Erosionen.

Umfasste der heimische Holzeinschlag Malaysias Anfang der 90er Jahre noch 40 Mio. Kubikmeter, halbierte er sich nahezu auf 22 Mio. im Jahr 1999. Die holzverarbeitende Industrie im Land dagegen hielt ihre Produktion konstant und verarbeitet zunehmend Hölzer aus anderen Ländern, z.B. aus Zentralafrika. Diese Holzfällaktivitäten in Übersee werden von der malaysischen Regierung massiv unterstützt. 

Aktuelle Studien zeigen, dass nur etwa 60% des in Malaysia verarbeiteten Holzes aus legalen Quellen stammen. Der große Rest stammt aus illegalen Importen, z.B. aus dem Nachbarland Indonesien. Die englische Organisation Environmental Investigation Agency (EIA) konnte nachweisen, dass Ramin in großem Maßstab von Indonesien nach Malaysia geschmuggelt wird - Holz, dass größtenteils aus den Nationalparks stammt. Zwar gibt es seitens Malaysias seit Juni 2002 ein Importverbot für Holz aus Indonesien, doch die Umsetzung ist mehr als lückenhaft: In nur einer Stunde beobachteten Umweltschützer 32 Schiffe mit geschmuggeltem Tropenholz aus Indonesien in einem malaysischen Hafen. Die Schmuggelrouten enden auf Sabah und Sarawak26. Aufgrund des massiven Schmuggels von Ramin aus Indonesien nach Malaysia forderte die indonesische Regierung im Oktober 2003 sogar die internationale Staatengemeinschaft auf, keine Tropenhölzer mehr aus Malaysia zu akzeptieren.

Verschärft wird die Situation der Wälder durch die massive Ausweitung von Palmölplantagen. Auch bei Palmöl ist Malaysia weltgrößter Exporteur. Konflikte zwischen den einflussreichen Holzkonzernen und Plantagenbesitzern einerseits und der lokalen Bevölkerung andererseits, die von den Wäldern abhängig ist, verschärften sich in den letzten Jahren. Doch bei diesen Auseinandersetzungen unterstützt die Regierung die Konzerne.

Absatzmarkt Deutschland: Während die Holzlieferungen aus Malaysia nach Deutschland stark rückläufig sind und 2002 nur noch 35.400 Tonnen betrugen, haben sich die Palmölimporte seit 1982 vervierfacht und betrugen 2002 mehr als 250.000 Tonnen. Wichtigste Importhölzer sind Red Meranti, White Lauan und Keruing. 

3.3. KAMERUN Fläche: 475.442 km², davon 196-228.000 km² Wald Einwohner: 15,9 Mio. (Stand 2000) Kommerziell genutzte Holzarten: Von den 300 heimischen Holzarten werden 80 kommerziell gefällt, v.a. Ayous, Limba, Macoré, Obechi, Sapeli, Sipo. 

Der Handel mit Tropenholz ist nach Öl, Kakao und Kaffee das wichtigste Exportgut. Kamerun ist der sechstgrößte Holzexporteur der Welt und der drittgrößte in Afrika29. In über Dreiviertel der Waldfläche des Landes fand bereits Holzeinschlag statt bzw. ist er vorgesehen. Seit den 70er Jahren dringt der Einschlag in die letzten intakten Waldgebiete im Süden und Osten des Landes vor30. Ein Fünftel der Landesfläche Kameruns ist nach dem Gesetz als geschützt eingestuft, es gibt sieben Nationalparks und neun Reservate. Doch Konzessionen breiten sich auch in unmittelbarer Nähe von Schutzgebieten aus, so z.B. dem Korup-Nationalpark im Südwesten Kameruns31 und dem Dja-Reservat im Südosten. Dies ist umso bedenklicher, da kommerzieller Holzeinschlag die Ausbreitung von Wilderei erleichtert und mit dieser logistisch eng verzahnt ist (s. Kapitel 4). Das Dja-Reservat ist inzwischen von angrenzenden aktiven Konzessionen umringt, die größtenteils illegal sind32. Die Holzfällerstraßen kommen bis auf 500 Meter an das Reservat heran33. Entsprechend kritisch beurteilten Umweltverbände 1999 Pläne der EU, mit 55 Mio. Euro Reparaturen von Straßen in dieser Region zu finanzieren, die v.a. von den Holztransportern beschädigt wurden. Die EU besserte schließlich nach und forderte einen Umweltplan und Maßnahmen gegen die illegale Abholzung in Kamerun. Doch die Zweifel an der ökologischen Verträglichkeit bleiben. Deutschland fördert vier Naturschutzprojekte in Kamerun, darunter den Korup- Nationalpark sowie ein Projekt "Schutz der Naturwälder im Südosten Kameruns".

Zwischen 1992 und 1996 hat sich Kameruns Tropenholzexport verdoppelt, die Rundholzproduktion ist um 35% seit 1980 angestiegen. 1997 exportierte Kamerun 1,7 Mio. m³ Tropenholz, 10% der Weltproduktion. Abnehmer sind v.a. Frankreich, Italien, China und Japan. Die Regierung Kameruns sieht in der Ausweitung der Holzindustrie einen wichtigen Beitrag zum Ausbau der Infrastruktur in abgelegene Gebiete, obwohl der Einschlag nahezu unkontrolliert verläuft und wichtige Steuergelder verloren gehen35. Kameruns Holzindustrie wird von Tochterfirmen europäischer Unternehmen dominiert (z.B. Thanry, Bolloré, Coron, Rougier und Pallisco aus Frankreich, deutsch-holländische Firma Wijma), die knapp 50% der Holzproduktion des Landes abdecken. Doch zunehmend spielen auch asiatische Firmen, v.a. aus Malaysia, eine Rolle. 1996 waren nur 23 der insgesamt 150 genehmigten Konzessionen im Besitz kamerunischer Firmen.

In Kameruns Holzwirtschaft ist weniger der Kahlschlag üblich, als ein "selektiver Holzeinschlag", bei dem nur die wertvollsten Bäume entfernt werden. Diese vermeintlich umweltschonende Methode bedeutet aber die selektive Übernutzung bestimmter Arten, greift massiv in die ökologischen Wechselwirkungen ein und verändert die Zusammensetzung des Pflanzenwuchses. Umfassende Straßennetzwerke sind nötig, um die gefällten Urwaldriesen aus den verschiedenen Gebieten abzutransportieren (s. Abb. 7). Fällen und Abtransportieren der Urwaldriesen mit schweren Maschinen lassen riesige Verwüstungsschneisen entstehen. Entlang dieser Schneisen roden Farmer mit Feuer ausufernde Flächen für den Wanderfeldbau (sog. "slash and burn agriculture"). 

1997 deckten erteilte Konzessionen 18% der Wälder Kameruns ab. Ein Großteil des Holzeinschlags ist illegal: Bei über der Hälfte der abgelaufenen Lizenzen wurde nach Regierungsangaben der Holzeinschlag erwiesenermaßen fortgesetzt, doch in vielen Fällen wird die Strafverfolgung durch einflussreiche Personen vereitelt. In weniger als einem Drittel der Konzessionen wurden die Auflagen eingehalten. Ein neues Lizenzvergabesystem der Regierung ab 2000 soll für einige Probleme Abhilfe schaffen, doch ob diese Maßnahmen greifen, wird erst die Zukunft zeigen.


Absatzmarkt Deutschland: Die Holzimporte aus Kamerun nach Deutschland von 1982 bis 2002 sind gesamt gesehen rückläufig (88.600 vs. 55.000 Tonnen), die Menge der Schnitthölzer hat dabei jedoch deutlich zugenommen (9.118 vs. 15.555 Tonnen). Wichtigste Holzarten waren Sapeli, Acajou, Iroko, Sipo, Keruing, Limba, Azobe, Obeche und Makore. 

3.4. DEMOKRATISCHE REPUBLIK KONGO
Fläche: 2,34 Mio. km², davon 1,3 Mio. km² Wald Einwohner: 52 Mio. (Stand 2000) Kommerziell genutzte Holzarten: Insgesamt 80 kommerziell interessante Baumarten kommen in der DRC vor, darunter Afrormosia, Agba, Iroko, Padouk, Sapeli, Sipo, Tima, Tola und Wenge u.a.

Die Demokratische Republik Kongo (DRC, ehemals Zaire) verfügt mit 1,3 Mio. km² bei weitem über die größten verbliebenen tropischen Waldflächen Afrikas. 18 Schutzgebiete decken 7,69% der Landesfläche ab - zumindest auf dem Papier41. Die unsichere Situation während der langen Bürgerkriegswirren brachte die wenigen vorhandenen Holzkonzessionen zum Erliegen, es gab praktisch keinen kommerziellen Holzeinschlag, lediglich der Abbau von Bodenschätzen wie Diamanten, Coltan oder Gold wurde von den Kriegsparteien vorangetrieben42. Die Tropenholzexporte betrugen in den 90er Jahren mit durchschnittlich 90.000 m³ jährlich nur 0,6% der Weltproduktion43. 40% der kommerziellen Holzproduktion deckte allein die Tochterfirma SIFORCO des deutschen Unternehmens Danzer ab44. Nach einer Studie des World Resources Institute arbeitete allerdings keine der aktiven Konzessionen ökologisch verantwortungsvoll. Holzeinschlag fand auch in Schutzgebieten statt, z.B. wurden 1995 täglich 7- 10.000 m³ Holz aus dem Virunga Nationalpark abtransportiert. 

Nach Kriegsende und Einsatz einer Übergangsregierung hat nun die Weltbank dem Land Kredite im Gegenzug zu großangelegten Rodungen in Aussicht gestellt. Bis Oktober 2004 sollen alle Waldflächen des Landes in Nutzungskategorien eingeteilt werden. Nach Ansicht der Weltbank kann die Holzproduktion bis zu 100fach gesteigert werden, auf sechs bis 10 Mio. m³/Jahr. Eine Fläche von über 60 Mio. Hektar, etwas größer als Frankreich, wird von der Weltbank als möglicher "Produktionswald" anvorhandenen Waldflächen des Landes! Begehrte Hölzer in der DRC sind Sipo, Sapeli, Tola, Iroko, Afrormosia, Tima und Wenge, die v.a. in EU-Ländern wie Portugal, Deutschland und Frankreich reißenden Absatz finden. Die größten Bestände kommerziell interessanter Baumarten befinden sich in den immergrünen Flachlandwäldern, den Sumpfwäldern und den östlichen Bergwäldern.

Die Auswirkungen eines solch gigantischen Kahlschlags, wie von der Weltbank vorgesehen, auf die Tier- und Pflanzenwelt der DRC, aber auch auf die indigenen Völker, die in diesen Wäldern leben, wären verheerend. Rund 1.000 Vogel- und 400 Säugetierarten, darunter so seltene Tiere wie Waldelefant und Grauer-Gorilla, sind in den Wäldern der DRC beheimatet. Die Hälfte aller in Afrika vorkommenden Tier- und Pflanzenarten lebt im Kongo-Becken, viele von ihnen kommen nur hier vor. Nicht zum erstenmal entpuppt sich die Entwicklungspolitik der Weltbank als ökologisch und sozial unverantwortlich. Nichtsdestotrotz haben zahlreiche Industrieländer auf einem Geberländertreffen im Dezember 2003 über die Entwicklungsstrategie der Weltbank für die DRC verhandelt, darunter auch Deutschland48. Malaysische, französische, belgische, thailändische und andere Holzfirmen haben bereits Ansprüche auf Konzessionen angemeldet49. Zu den derzeitigen Konzessionären zählen u.a. die o.g. SIFORCO (deutsch), SOFORMA (Schweizer Unternehmen), PARCAFRIQUE (im Besitz der italienischen Firma PRIMEX), SODEFOR (verknüpft mit portugiesischer Firma), SICOBOIS und SOCINEX (belgisches Unternehmen)50. Europäische Firmen haben somit ein enormes Interesse an der Ausbeutung der Regenwälder in der DRC.

Konzessionen werden in mehreren Schritten genehmigt: Eine Firma legt einen Rodungsplan für ein ausgewähltes Gebiet vor. Wird dieser akzeptiert, hat die Firma drei Jahre Zeit, um die erforderliche Infrastruktur (Straßen) anzulegen. Dann kann sie starten und hat meist für 25 Jahre Nutzungsrechte51. Die politischen Verhältnisse in der DRC sind nach wie vor instabil: Auch im Frühjahr 2004 kam es erneut zu blutigen Unruhen im Land. Minister und hohe Beamte der derzeitigen Übergangsregierung sind teilweise identisch mit der alten Regierung. Dass die vorgesehenen Steigerungen des Holzeinschlags in der DRC naturverträglich abgewickelt werden und die Kontrolle des Holzhandels unabhängig und zuverlässig funktioniert, muss bezweifelt werden. Das Tempo, mit dem Weltbank und Übergangsregierung die Einteilung der Nutzungskategorien sämtlicher Waldflächen vorantreiben, lässt keinen Platz für umfassende Umweltverträglichkeitsprüfungen.

Absatzmarkt Deutschland: Betrugen die Holzimporte aus der DRC 1982 noch 25.523 Tonnen, gingen sie bis 1992 auf 11.856 und infolge der Bürgerkriegssituation im Jahr 2000 sogar auf nur 5.698 Tonnen zurück. Der weitaus größte Teil der Importe waren Rohhölzer, nur wenige Hölzer waren bearbeitet. Wichtigste Holzarten aus der DRC sind Sipo, Okoume, Limba, Sapeli, Acajou, Iroko, Tiama, Mansonia und Ilomba.

4. PRIMATEN IN GEFAHR
In den vergangenen Jahren ist die Zahl wissenschaftlich beschriebener Affenarten von etwa 275 auf weit über 300 gestiegen, und immer wieder werden neue Arten beschrieben. Doch dies ist kein Grund zur Entwarnung, denn etwa die Hälfte von ihnen ist als bedroht eingestuft, in Süd- und Ostasien sind es sogar 90%.

Die Zukunft der meisten Affen hängt eng mit dem Zustand der Tropenwälder zusammen. 90% von ihnen leben in tropischen Regionen. Alljährlich verschwinden in Ländern mit Primatenbeständen über 125.000 km² Wald. Diese Fläche würde theoretisch 32 Mio. Affen Lebensraum bieten54. Während einige Arten auch in degradierten Gebieten zurechtkommen, sind die meisten Primaten direkt von intakten Wäldern abhängig, die ihnen als Nahrungsquelle und Schutz dienen. Dies gilt v.a. für große Affenarten und solche, die sich größtenteils von Früchten ernähren. Somit kommen die Allesfresser Schimpansen besser mit Abholzung zurecht als die Vegetarier Orang- Utans. Nichtsdestotrotz wurde in West- und Ostafrika ein Rückgang der Schimpansenbestände infolge Holzeinschlags nachgewiesen55. Einige Arten wie Roter Stummelaffe (43%), Diana-Meerkatze (20%) und Schwarz-weißer Kolobus (25%) ernähren sich zu großen Teilen von Baumarten, die für die kommerzielle Holzwirtschaft interessant sind. Verschiedene Affenarten erholen sich auch unterschiedlich schnell nach Ende des Holzeinschlags: Während der Bestand einiger Arten schon nach wenigen Jahren wieder zunimmt, bleiben die Bestände anderer Primaten weiter rückläufig.

Die Zerstörung der Regenwälder durch Abholzung und Brandrodung bedroht Arten in Südamerika, Zentralafrika und Südostasien. Großflächige Rodungen zerstören nicht nur die Nahrungsgrundlage der Tiere, sondern machen auch den Weg frei für Jäger und Wilderer. Wo Holzeinschlag stattfindet, nimmt die Jagd nachweislich zu - beides ist eng miteinander verflochten57: Die Jäger nutzen sowohl die neuen Zufahrtswege der Holzwirtschaft, um an die Wildtiere zu gelangen, als auch die Holzlaster, mit denen sie das Fleisch der erlegten Tiere in die weit entfernten Städte transportieren. Einen Teil des Fleisches liefern sie zudem direkt an die Holzfäller58. Andererseits können sich Holzfäller mit der Buschfleischjagd ein erhebliches Zusatzeinkommen verdienen, das in einem Camp in Nordkongo bis zu 40% des Einkommens ausmachte.


Der kommerzielle Handel mit sogenanntem "Buschfleisch" (s. Abb. 8) ist v.a. in Zentralafrika zu einer der größten Gefahren für das Überleben vieler Arten geworden. Allein in Kameruns Hauptstadt Yaoundé werden monatlich 70-90 Tonnen Buschfleisch umgesetzt. Macht die Jagd auf Affen zur Selbstversorgung von Dörfern nur 7% aus, stellen Primaten mit über 15% einen nicht unerheblichen Teil des Buschfleisches auf den städtischen Märkten dar60. Eine Studie in Gabun belegte, dass bei den Bewohnern eines Holzcamps der Anteil von Affen am Buschfleisch sogar über 40% ausmachte61. Diese Unterschiede liegen in den Jagdmethoden begründet: Für die Selbstversorgung wird v.a. traditionell mit Schlingen gejagt, durch die weniger Affen erbeutet werden - die kommerzielle Jagd für die Märkte in den Städten und für Holzfällercamps erfolgt dagegen mit Schusswaffen. Jäger berichten, dass sie dabei lieber große Affenarten schießen als kleinere62, da sie pro Patrone mehr Fleisch bekommen. In manchen Regionen werden jährlich 5-7% der Gesamtpopulation von Schimpansen und Gorillas gejagt63 - Verluste, die die Bestände nicht verkraften.

Im Hinblick auf die größte Primatenvielfalt sind Brasilien, DRC, Indonesien, Madagaskar, Kamerun, Peru und Kolumbien die wichtigsten Länder. Die ersten vier Länder gehören generell zu den artenreichsten der Welt und zeichnen sich durch einen hohen Grad an endemischen Affenarten aus: 100% in Madagaskar, 51% in Brasilien, 53% in Indonesien und 8% in DRC. In diesen Ländern ist die Waldvernichtung massiv vorangeschritten und die Folgen für die Affenbestände sind fatal.

4.1. INDONESIEN

Primatenvorkommen: Kalimantan (indonesischer Teil Borneos): Nasenaffe, Borneo-Orang-Utan (Pongo pygmaeus), Weißhandgibbon, Grauer Gibbon, Schweinsaffe, diverse Languren
Sumatra: Sumatra-Orang-Utan (Pongo abelii), Siamang, Weißhandgibbon, Schweinsaffe, diverse Languren, Javaneraffe, Plumplori, Sunda-Koboldmaki
Java: Java-Gibbon, diverse Languren
Sulawesi: u.a. Koboldmaki; Mohrenmakak, Schopfmakak, Grauarm-Makak, Tongeanamakak

Zu den besonders bedrohten Arten in Indonesien gehören nach der aktuellen Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN (2003) u.a. Nasenaffen auf Borneo, Borneo-Orang-Utan und Java-Gibbon. Sumatra-Orang-Utan und Sunda-Langur (Presbytis comata) gelten sogar als unmittelbar vom Aussterben bedroht.

Die Inselwelt Indonesiens beherbergt eine einzigartige Artenvielfalt, viele Arten kommen nur auf einer einzigen Insel vor. So gibt es mindestens sieben Arten Makaken64 und drei Arten Koboldmakis, die lediglich auf Sulawesi leben. Einige dieser Arten sind aufgrund von Abholzung und Jagd stark rückläufig, wie die Bestände des Schopfmakaken, die innerhalb von nur sechs Jahren selbst in Schutzgebieten um über 40% zurückgingen65. Auch auf Java sind Primaten durch den Holzeinschlag in den verbliebenen Waldgebieten stark gefährdet, darunter endemische Arten wie der nur hier vorkommende Java- oder Silbergibbon66. Er ist der bedrohteste Gibbon und kommt nur noch in ungeschützten, voneinander isolierten Waldinseln in der westlichen Hälfte Javas vor. Auf Java sind die Regenwaldflächen inzwischen fast vollständig vernichtet.

Als Nebenprodukte des Holzeinschlags und der hierdurch erschlossenen Waldgebiete werden kleinere Primatenarten wie Schweinsaffen, Javaneraffen, Languren und Plumploris auf Märkten in Nordsumatra als Haustiere oder für den Fleischmarkt verkauft67. Auch junge Orang-Utans werden hier angeboten - sie sind häufig Waisen, deren Mütter wegen der schwindenden Wälder auf Futtersuche in Plantagen eindrangen und hier von Farmern erschossen wurden. 

Nach neuesten Studien gibt es noch ca. 50-60.000 Orang-Utans auf Sumatra und Borneo. Doch diese Zahl stimmt nur auf den ersten Blick optimistisch, denn die Geschwindigkeit des Bestandsrückgangs ist immens - innerhalb der letzten 10 Jahre um ein Drittel68. Neben der vornehmlich illegalen Abholzung, die v.a. in den letzten Jahren deutlich anstieg, ist die rasante Ausbreitung von Ölpalmen-Plantagen die größte Gefahr für die Orang-Utans. Der Lebensraum von Orang-Utans auf Sumatra und Borneo ist in den letzten 20 Jahren um 80% zurückgegangen. Die größten Bestände leben in den Wäldern und Sümpfen im Flachland.

Orang-Utans sind von Flachlandgebieten abhängig, sie sind selten über 1000 Metern anzutreffen. Gerade Wälder in niedrigeren Lagen sind für die Holzwirtschaft interessanter, da leichter zugänglich. Orang- Utans reagieren auf Holzeinschlag sehr empfindlich: In Konzessionsgebieten wurde ein Rückgang der Bestände um 60-90% verzeichnet. Dies ist u.a. auf einen Rückgang von früchtetragenden Bäumen durch die Rodungsaktivitäten zurückzuführen, diese Bäume stellen eine wesentliche Nahrungsquelle für die asiatischen Menschenaffen70. In Gebieten mit Holzkonzessionen wird nur selten die vorgeschriebene anschließende Pause von 30-40 Jahren eingehalten, der Einschlag geht unvermindert weiter, doch nun illegal, bis alle ökonomisch interessanten Bäume gefällt sind. Aus solchen Gebieten verschwinden die Orang-Utans fast völlig. Auch wenn Orang-Utans nicht territorial leben, sind sie weit weniger flexibel als angenommen: Sie brauchen große Habitate mit Bäumen in unterschiedlichen Höhenlagen, um die asynchrone Fruchtreife in den verschiedenen Jahreszeiten auszuschöpfen71. Ein adultes Weibchen benötigt 900 Hektar, ein Männchen sogar 4.000 Hektar Primärwald, da die Dichte der fruchttragenden Bäume gering ist.

Für das langfristige Überleben großer Primaten wie Orang-Utans, Nasenaffen und Siamangs sind deutlich größere Bestände notwendig als für die kleineren Arten, wie z.B. Makaken. Die Schwellenpopulation für Sumatra- und Borneo- Orang-Utans wird auf je 20.000 Tiere geschätzt, für Nasenaffen gar auf 100.000 Tiere72. Sie sind auf spezifische Lebensräume angewiesen, während Makaken Generalisten sind, die auch in Kulturflächen gut zurechtkommen. 

4.1.1. Sumatra
Bei einer aktuellen Feldstudie konnten nur noch in drei von ehemals 23 Habitaten Orang-Utans nachgewiesen werden: im Leuser-Ökosystem, Sibolga Gebiet und den Lumut-Küstensümpfen, in allen anderen waren sie verschwunden. Auf Sumatra bieten nur der Gunung-Leuser Nationalpark (8000 km²) sowie der Kerinci Seblat Nationalpark (14.850 km²) ausreichend große geschützte Flächen, um überlebensfähige Orang-Utan Populationen zu beherbergen. In letzterem gibt es allerdings keine Orang-Utans. Im Leuser-Ökosystem befindet sich die größte aller Orang-Utan Populationen der Insel, doch sie ist innerhalb von sechs Jahren (1993-1999) um circa 45% dezimiert worden. Hauptursache hierfür sind die massiven legalen und illegalen Rodungen im Gebiet74. Auf Sumatra wurden in den letzten 10 Jahren zahlreiche neue Holzkonzessionen vergeben, zusätzlich wurden große Flächen in Agrarland, v.a. Palmölplantagen, umgewandelt. Zwischen 1993 und 1999 hat das LeuserÖkosystem von seinen ehemals 12.000 Orang-Utans etwa 5.550 (d.h. 46%) verloren, davon 2.500 in den offiziellen Holzeinschlagsgebieten und 2.850 in den Küstensumpfwäldern mit starkem illegalen Holzeinschlag75. Damit verursacht der Holzeinschlag einen Rückgang der Sumatra-Orang-Utans von fast 1.000 Tieren pro Jahr! Dies ist u.a. durch das Verschwinden wichtiger früchtetragender Bäume bedingt: 50-66% der Neesia-Bäume und 25-33% der Sandoricum-Bäume sind bereits verschwunden. 


Derzeit findet in allen per Straßen oder Schifffahrtswegen erschlossenen Regionen legaler oder illegaler Holzeinschlag statt, unabhängig vom jeweiligen Schutzstatus des Gebietes77. Die meisten Sägemühlen rund um den Gunung-Leuser-Park arbeiten ohne Genehmigung. Für keine der Konzessionen im Leuser- Ökosystem wurde zuvor eine unabhängige Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt78. Derzeit sind die Orang-Utans im Gunung-Leuser-Park durch einen Gürtel mit menschlichen Siedlungen in zwei voneinander isolierte Populationen getrennt79. Im günstigsten Fall wird die Zahl der Orang-Utans hier innerhalb der nächsten 10 Jahre auf 4.500, realistisch allerdings eher auf weniger als 1.500 Tiere zurückgehen, die zudem in weitere Populationen aufgesplittert werden.

4.1.2. Kalimantan auf Borneo
Auf Borneo leben drei Unterarten von Orang-Utans in 61 Waldregionen, die meisten außerhalb von Schutzgebieten. Kaum eines der vorhandenen Schutzgebiete zeigt die nötigen Größen auf, um langfristig überlebensfähige Populationen zu sichern80. Zwar könnten auch mehrere kleine Reservate gemeinsam eine überlebensfähige Population beherbergen, aber die fortschreitende Waldzerstörung selbst in geschützten Gebieten lässt wenig Raum für Hoffnung. Das vielversprechendste Gebiet für Orang-Utans ist das Danau Sentarum Reservat nahe der Kapuas-Seen in West-Kalimantan. Hier sollen noch mehr als 2.000 Tiere leben, bis zu einem Fünftel des Gesamtbestandes auf Borneo81. Auch im Sebangau, vom ehemaligen Holzeinschlaggebiet jüngst zum Nationalpark erklärt, lebt mit derzeit 2.500-4.500 Tieren eine wichtige Orang-Utan-Population. Im Nationalpark Tanjung-Puting leben neun der 13 Primatenarten Borneos, darunter noch ca. 1.000 Nasenaffen, 1/10 des Gesamtbestandes83, sowie noch etwa 500 bis maximal 2.000 Borneo-Orang-Utans. Letztere kommen auch im Kutai-Nationalpark vor. Ausgerechnet in diesen beiden Schutzgebieten finden massiver illegaler Holzeinschlag84 sowie die rasante Ausbreitung von Ölpalm-Plantagen statt85, mit gravierenden Folgen für sowohl Orang-Utans als auch Nasenaffen. 

4.2. MALAYSIA
Primatenvorkommen auf Borneo (Sarawak und Sabah): Nasenaffe, Borneo-Orang-Utan, diverse Languren, Schweinsaffe, Plumplori, Weisshandgibbon, Siamang

Etwa 1000 Nasenaffen, 10% des Gesamtbestandes, leben noch in Sarawak, 300 davon in geschützten Gebieten87. In Sarawak, dem am stärksten von Holzeinschlag betroffenen Bundesstaat Malaysias, verursachte Holzeinschlag einen umgehenden Rückgang um 35-70% bei Gibbons und Languren88. Auch auf Peninsular Malaysia, dem Festland, sind Weißhandgibbons und Siamangs durch kommerzielle Rodungen bedroht.

Die Orang-Utan-Vorkommen in Malaysia sind auf Sarawak und Sabah beschränkt: Die Bestände auf Sabah umfassen ca. 13.000 Tiere, auf Sarawak sind nur noch 1-2.000 Tiere ansässig89. Auf Sarawak ist das Verbreitungsgebiet seit 1980 auf zwei zentrale Bereiche reduziert worden: die Wälder zwischen den Flüssen Sadong und Lupar sowie das Lanjak- Entimau-Schutzgebiet.

Auf Sabah gibt es eine größere Orang-Utan- Population, die derzeit vom illegalen Holzeinschlag noch nicht stark beeinträchtigt zu sein scheint. Das Verbreitungsgebiet ist allerdings fragmentiert und umfasst u.a. das Sepilok-Waldreservat und das Kulamba- Reservat92. Die Folgen einer Fragmentierung des Habitats auf die Orang-Utan Bestände sind in 4.1. detailliert beschrieben.

4.3. KAMERUN
Primatenvorkommen: Westlicher Flachland-Gorilla, West- und Zentralafrikanischer Schimpanse, Drill, Mandrill, Schwarzer Kolobus, Kamerun-Stummelaffe, Haubenmangabe, Halsband-Mangabe, Mantelmangabe, diverse Meerkatzen, Bärenmaki, Potto, diverse Buschbabys u.a. 


Kamerun gehört zu den artenreichsten Ländern Afrikas und hat mit mindestens 31 Arten die zweitgrößte Vielfalt an Affenarten in Afrika93. Die meisten Primatenarten leben in den Regenwäldern im Zentrum und Westen des Landes. Als besonders bedroht gelten nach der aktuellen Roten Liste der IUCN Preuss- Meerkatze, beide hier vorkommenden Schimpansen- Unterarten, Kamerun-Stummelaffe, Drill sowie die beiden Unterarten des Westlichen Gorillas, Westlicher Flachlandgorilla (Gorilla gorilla gorilla) und Cross-River-Gorilla (Gorilla gorilla diehli). Von letzterem gibt es nur noch weniger als 200 Tiere in vier voneinander isolierten Populationen an der Grenze zwischen Nigeria und Kamerun94. Die Zahl der Westafrikanischen Schimpansen in Kamerun wird auf 3-5.000 Tiere, die der Zentralafrikanischen Schimpansen auf 31-39.000 Tiere geschätzt. 

70 bis 90 Tonnen Buschfleisch werden monatlich allein auf den Märkten von Yaoundé angeboten, 90% davon stammen aus Wilderei. In einem einzigen Distrikt im Südosten Kameruns werden schätzungsweise 800 Gorillas jährlich getötet, insgesamt geht die Zahl in die tausende. 

Gerade in Schutzgebieten, in deren Nähe sich Siedlungen befinden, wird intensiv Jagd auf Primaten gemacht. Dorfbewohner am Rand des Korup- Nationalparks im Südwesten Kameruns berichteten, dass die Affen in den Schutzgebieten weniger scheu seien als außerhalb und deshalb wesentlich leichter zu jagen. 182 Dörfer sind um den Park angesiedelt, fünf von ihnen sogar im Park. Im Park leben mindestens 17 Primatenarten, darunter der nur hier lebende Kamerun-Stummelaffe, Schimpanse und Drill. Im angrenzenden Gebiet um den Korup-Nationalpark wurden Kamerun-Stummelaffe und Drill stark dezimiert und stehen nun vor der lokalen Ausrottung97. In Gebieten mit Holzeinschlag sind die Gruppendichten von Schimpansen, Rotschopf-Mangaben, Mona- Meerkatzen und Großen Weißnasenmeerkatzen innerhalb der letzten Jahre deutlich zurückgegangen, in Gebieten ohne Holzeinschlag dagegen nicht. In Gebieten ohne Einschlag war die Gruppengröße bei Schimpansen 12-20 Tiere, in Holzfällgebieten dagegen nur 6-15 Tiere98. Ursachen sind Jagd, Vertreibung durch die menschlichen Aktivitäten sowie Zersplitterung und Veränderung des Lebensraumes. Bereits auf 5-10 km Entfernung zu einem Holzfällercamp werden Schimpansen durch den Lärm vertrieben und wandern in benachbarte Gebiete, wo es häufig zu heftigen Konflikten mit den dort ansässigen Schimpansenverbänden kommt. Selektiver Holzeinschlag und hierdurch bedingte direkte und indirekte Veränderungen der Pflanzenzusammensetzung beeinträchtigen die Ernährung von Schimpansen, die etwa 130 Lianen-, Palmen- und Baumarten umfasst. 

Drills (Abb. 10) gelten aufgrund ihres geringen und zudem stark fragmentierten Verbreitungsgebietes (nur Kamerun, Nigeria und die Insel Bioko) sowie der intensiven Bejagung als die bedrohteste Affenart Afrikas100. Alle Festlandhabitate des Drills sind durch Abholzungsaktivitäten und Landwirtschaft zerschnitten oder ganz zerstört, so z.B. durch neue Holzfällerstraßen in der Südwest-Provinz Kameruns, dem Kerngebiet des Drill-Habitats101. Der besonders dramatische Bestandsrückgang im Korup-Gebiet der Drills wird auf den zunehmenden Einsatz von Jagdhunden zurückgeführt. Mit ihnen werden die Drills auf Bäume gejagt, wo sie leicht geschossen werden können. Die Bestände der häufigeren Mona- Meerkatzen und Großen Weißnasenmeerkatzen nahmen im Korup-Gebiet dagegen zu, da die größeren und überlegenen Nahrungskonkurrenten Drills und Rotschopfmangaben auf dem Rückzug sind. 

Das Dja-Reservat im Südosten des Landes, als Weltnaturerbe eingestuft, beherbergt 14 Primatenarten103, darunter Schimpansen, Westliche Flachlandgorillas, Haubenmangabe und Schwarzer Kolobus104. Holzfirmen im Süden des Reservats stellen eine große Gefahr dar, denn für die Versorgung der Holzfäller werden Wildtiere gejagt, zudem werden neue Waldgebiete erschlossen. In einem einzigen Dorf im Norden des Dja-Reservates wurden in nur zwei Monaten 13 Tonnen Buschfleisch erjagt, fast alle erlegten Tiere stammten aus dem Reservat. 

Holzeinschlag und Wilderei sind eng miteinander verflochten (s.o.): Im Südosten Kameruns sind 75% der Wilderer ehemalige Holzfäller106. Verbindungen zwischen professionellen Jägern und Holzfällercamps konnten auch für die französische Firma Pallisco nachgewiesen werden, die u.a. im Norden des Dja-Reservates Konzessionen innehält107. Im Südosten Kameruns wird 85% des gewilderten Buschfleisches von Holz-Trucks in die Städte transportiert (s.a. Kapitel 3.3). 

Über 60% der Hartholzexporte Kameruns kommen aus den Wäldern im Südosten des Landes, in denen die Primatenvielfalt besonders groß ist. Ausgerechnet hier gibt es bedeutende Bestände an Schimpansen und Gorillas. Über 29 Holzfirmen, darunter v.a. französische und andere europäische Unternehmen, sind hier aktiv. Weitere von Abholzung bedrohte artenreiche Gebiete sind die Bakoussi-Berge, in denen u.a. Schimpansen und Drills leben, das Takamanda- Reservat mit seinen hochbedrohten Cross-River- Gorillas und das Douala-Edea-Reservat mit seiner bedeutenden Population des seltenen Schwarzen Kolobus.

4.4. DEMOKRATISCHE REPUBLIK KONGO
Primatenvorkommen: Berggorilla, Westlicher Flachland- Gorilla, Grauer-Gorilla, Ostafrikanischer Schimpanse, Zentralafrikanischer Schimpanse, Bonobo, diverse Kolobus-Arten, diverse Meerkatzen, Husarenaffe, Mantelmangabe, Thomas-Buschbaby, Matschie's Buschbaby, Zwerggalago u.a.

Die Demokratische Republik Kongo (DRC) gehört zu den artenreichsten Ländern der Welt110 und ist mit mindestens 33 das Land mit den meisten Affenarten Afrikas. So leben im Ituri Wald im Nordosten des Landes die meisten tagaktiven Primaten Afrikas111. Einige Arten wie Bonobo, Dryas-Meerkatze, Matschie's Buschbaby oder der Grauer-Gorilla sind endemisch, d.h. sie leben nur in der DRC. Auch die vom Aussterben bedrohten Berggorillas kommen in der DRC vor, es soll derzeit insgesamt nur 674 Tiere geben.

90% aller Ostafrikanischen Schimpansen, ca. 100.000 Tiere, leben in der DRC, die Bestandsgröße des Zentralafrikanischen Schimpansen im Land ist unbekannt112. Die Auswirkungen von Holzeinschlag auf Schimpansengruppen sind in Kapitel 4.3. beschrieben.

Der Bonobo-Bestand wird auf 10-25.000 Tiere geschätzt113, manche Forscher gehen sogar von nur mehr 5.000 Tieren aus114. Diese auch als Zwergschimpansen bezeichneten Menschenaffen sind v.a. durch Abholzung und die Jagd für den Buschfleischmarkt bedroht115. Der Salonga-Nationalpark, größtes Regenwaldreservat Afrikas, ist das einzige Territorium mit Bonobo-Vorkommen, das zumindest auf dem Papier als Schutzgebiet erklärt ist116. Feldstudien im Park zeigten, dass die Schlafnester der Bonobos ausschließlich in Urwald, nicht aber in Sekundärwald vorkamen, wenngleich die Tiere letzteren zur Nahrungssuche nutzen. Weitere wichtige Bonobo-Populationen leben im Lomako-Wald, Yalosidi, in Wamba und Lilungu. Die letzten beiden liegen in den Provinzen Bandundu und Équateur, in denen kommerzieller Holzeinschlag bereits etabliert ist. Im als Reservat vorgeschlagenen Lomako-Wald kommen außerdem diverse Meerkatzenarten, Schwarzweißer Kolobus und Zwerggalago vor117. In unmittelbarer Umgebung des Lomako-Waldes hält die deutsche Firma Danzer eine Konzession. Ende der 90er Jahre wurde die Verwicklung von Holzfällerteams der Danzer-Gruppe in den Transport von gewildertem Buschfleisch aufgedeckt118. Das Waldgebiet ist derzeit nicht akut durch Holzfällaktivitäten gefährdet, dies kann sich allerdings durch die Pläne der Weltbank, 60 Mio. Hektar als "Produktionswald" freizugeben (s. Abschnitt 3.4.), schnell wieder ändern. 

Im Kahuzi-Biega-Nationalpark (KBNP) leben 13-15 Affenarten, darunter Hamlyn-Meerkatze, Vollbartmeerkatze, Angola-Stummelaffe, Grauer-Gorilla und Ostafrikanischer Schimpanse119. Die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) fördert Schutzmaßnahmen dieses als Weltnaturerbe eingestuften Parks. Bislang investierte die Bundesregierung 19 Mio. � für den KBNP120. Ausgerechnet hier kam es Ende der 90er Jahre zu einem massiven Abbau von Bodenschätzen, darunter dem Erz Coltan, das zu Tantal verarbeitet für Microchips in Computern und Mobiltelefonen benötigt wird. Zum Höhepunkt des High-Tech-Booms waren 15.000 Minenarbeiter im Kahuzi-Biega-Nationalpark. Zur Fleischversorgung der Minenarbeiter wurden die Wildtiere des Parks und des angrenzenden Kasese-Waldes massiv bejagt, von den 8.000 Grauer-Gorillas und 3.600 Elefanten des Parks überlebte nur ein Bruchteil121. Die größte Grauer-Gorilla-Population wurde auf weniger als 1.000 Tiere reduziert.

Die Auswirkungen der geplanten massiven Holzeinschläge in der DRC auf die als bedroht eingestuften Zwergschimpansen und andere Primaten sind nicht abschätzbar. Bereits in den 90er Jahren beeinträchtigten die wenigen aktiven Konzessionen die Bonobo- Bestände. So berichteten Jäger, dass sie Buschfleisch, darunter auch von Bonobos, an das Holzfällercamp der Firma SIFORCO verkauften und mit deren Hilfe auch das Fleisch auf die Märkte in der Hauptstadt Kinshasa transportierten122. Neben der direkten Jagd wird auch der massive Eingriff in den Lebensraum durch die umfangreichen Rodungen die Primatenbestände massiv unter Druck setzen.

5. WIE GLAUBWÜRDIG SIND ÖKOSIEGEL UND HANDELSAUSKÜNFTE?
Für Käufer von Gartenmöbeln aus Tropenholz ist laut einer Umfrage von PRO WILDLIFE in erster Linie die Robustheit der Möbel entscheidend (32,46%), gefolgt von Schönheit (21,47%), Umweltverträglichkeit (16,23%), Naturprodukt (15,71%), dem günstigen Preis (12,57%) und dem Hauch von Exotik (5,24%), s.a. Abb. 12. Die Umweltverträglichkeit machen viele Verbraucher an Herstellerauskünften und dem Vorhandensein von "Ökosiegeln" fest. So vertrauen fast 59% der Befragten dem FSC-Zertifikat, über 41% halten Produkte "aus kontrolliertem Plantagenanbau" für unbedenklich (s. Kapitel 1 und Abb. 4). Doch inwieweit sind diese Auskünfte zuverlässig?

In den frühen 80er Jahren kamen Tropenhölzer in Verruf, Umweltverbände riefen zum Boykott von Tropenholzprodukten auf, und die Importe gingen Ende der 80er Jahre auch deutlich zurück. Um dem Konsumenten bei der Wahl zwischen "guten" Hölzern aus nachhaltiger und "schlechten" aus destruktiver Holzwirtschaft zu helfen, entwickelte die englische Organisation Friends of the Earth 1985 als erstes ein ökologisches Holzzertifizierungssystem ("Good Wood System"). Sie forderte die Internationale Tropenholzorganisation ITTO auf, ein weltweites offizielles System zu etablieren. Dies scheiterte am massiven Widerstand der Holzwirtschaft, aber die Idee eines "Ökosiegels" für Holz wurde von den Verbrauchern aufgegriffen. Einige Umweltverbände gründeten gemeinsam mit Vertretern indigener Völker, der Holzwirtschaft und Forstwirten schließlich 1993 den Forest Stewardship Council (FSC), in dessen Vorstand sie bis heute vertreten sind. FSC entwickelte 10 Prinzipien (s. Kasten) und 56 Kriterien für ein verbessertes Waldmanagement und wurde zum bekanntesten "Ökosiegel" für Holz.

Die Zertifizierung von Wäldern hat in den letzten 10 Jahren massiv zugenommen, über 50 Labels sind weltweit aufgetaucht, viele davon gelten national oder regional. Das FSC ist das einzige Ökozertifikat, das weltweit gilt. Mehr als 29 Mio. Hektar Wald in 56 Ländern rund um den Globus sind derzeit nach FSC zertifziert123. Doch innerhalb der Umweltverbände ist das Zertifikat umstritten: Während WWF, Greenpeace und einige andere Verbände das FSC fördern und durch ihre Teilnahme im FSC-Vorstand sogar maßgeblich mitgestalten, misstrauen andere, so z.B. die Rainforest Foundation Norwegen, die Schwedische Naturschutzgesellschaft SSNC sowie Rettet den Regenwald der Zuverlässigkeit des FSC (s. Kapitel 5.2) und fordern z.B. den Boykott aller indonesischer Hölzer aufgrund der Korruption und dem Ausmaß illegaler Rodungen.

Neben FSC gibt es noch eigene Labels der Holzwirtschaft sowie diverser Regierungen, die zwar die Nachhaltigkeit der Holzproduktion belegen sollen, denen aber sehr unterschiedliche Standards zugrunde liegen.

5.1. ÖKOZERTIFIKATE UND AUSKÜNFTE VON HERSTELLERN
Der Anspruch einer nachhaltigen Waldnutzung ergibt sich aus dem klassischen Forstverständnis in Europa: "Es darf nur soviel geerntet werden wie nachwächst". Dieser rein quantitative Ansatz berücksichtigt allerdings nicht die komplexen Wechselwirkungen der immensen Artenvielfalt v.a. in tropischen Primärwäldern sowie die ökologisch verträgliche Nutzung durch indigene Waldvölker.

Viele Umweltsiegel im Handel sind pauschale Erklärungen, die von Regierungen oder Holzfirmen selbst ausgestellt werden, und sind entsprechend wenig glaubwürdig. Die Malaysische Regierung stellt ein eigenes "Ökolabel" des Malaysischen Holzzertifzierungsrates MTCC (Malayan Timber Certification Council) aus. Aus der Zertifizierung zogen sich die nationalen Umweltverbände 2001 zurück, da ihre Einwände ignoriert wurden und erhebliche Zweifel an der Nachhaltigkeit blieben124.

In Myanmar (ehemals Burma) wird die Abholzung von der Myanmar Timber Enterprise überwacht - einer staatlichen Organisation. Die Militärdiktatur profitiert direkt von den Holzexporten, die Umweltverträglichkeit ist nicht gewährleistet, Umweltverbände warnen vor dem Raubbau an den Wäldern des Landes: Seit Ende der 80er Jahre schrumpften die Waldflächen von 48% auf unter 35%125. Trotzdem bieten deutsche Firmen Gartenmöbel aus Burma an und verweisen auf die angebliche Plantagenherkunft. 

Auch das Label PEFC ("Programme for the endorsement of forest certification schemes", das 1999 von Holz- und Papierindustrie sowie Waldbesitzern gegründet wurde, gibt keine zuverlässige Auskunft über die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder. Produkte mit diesem Label können aus Kahlschlägen in Urwäldern stammen126.

Die Formulierung "aus staatlich betriebener oder kontrollierter Forstwirtschaft" soll ebenfalls Vertrauen beim Kunden wecken. Doch in Ländern wie Indonesien (s.a. Abschnitt 3.1.) oder Burma mit seiner Militärherrschaft ist die staatliche Kontrolle wohl kaum ein Gütesiegel.

In den letzten Jahren werden zunehmend Produkte aus "Plantagen" angeboten. Doch zum einen werden Plantagen teils auf Flächen angelegt, wo zuvor Wälder standen (s. Abb. 13), zum anderen sind Plantagen meist als Monokultur mit nur einer Baumart angelegt. Zur Papierproduktion wird häufig das schnell wachsende Eukalyptus angepflanzt, das mit seinen tiefen Wurzeln den Grundwasserspiegel senkt und anderen Pflanzen das Wasser entzieht. Häufig werden in Plantagen Pestizide eingesetzt, um die für Schadinsekten und Krankheitserreger anfälligen Monokulturen zu schützen. Zudem bedingt die Monokultur und die permanente Entnahme großer Holzmengen eine einseitige Auslaugung der ohnehin nährstoffarmen Tropenböden, was sie mittelfristig für eine Nutzung unbrauchbar macht127.

Ein aktueller Vergleich der europäischen Organisation FERN zu diversen Holzsiegeln kritisierte diverse nationale Zertifikate aus Australien, Brasilien, Chile, Malaysia sowie PEFC (s.u.) als unglaubwürdig, da Mindeststandards fehlten und die Labels ausschließlich von der Forstwirtschaft gestaltet würden128. Nach der FERN-Studie ist das FSC-Siegel von allen untersuchten am glaubwürdigsten. Doch auch FSC zeigt zahlreiche Schwachstellen auf (s. 5.2.).

5.2. GRENZEN UND GEFAHREN DES FSCSIEGELS
Die Lobeshymnen für FSC sind vollmundig: "Vom Wald bis zum Produkt garantiert ökologisch" 129, "das derzeit einzige weltweit funktionierende Umwelt- Gütezeichen"130, das "den Ausschluss von illegal geschlagenem Holz garantiert"131. Immer mehr Handelsketten und Baumärkte schließen sich der Kampagne an und erweitern ihr FSC-Sortiment: Obi, Hornbach, IKEA sowie der Metro-Konzern - bei genauerem Hinsehen jedoch wird schnell deutlich, dass die werbewirksamen Zusagen in den meisten Firmen nicht das gesamte Sortiment betreffen.

Auch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt die Zertifizierung durch FSC über Projekte der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ)132. In einer Broschüre der GTZ heißt es: "Das FSC-Siegel besagt, dass das Holz für diesen Stuhl aus einem Wald kommt, in dem die Produktion im Einklang steht mit dem Naturschutz und mit den Interessen der Arbeitnehmer und der lokalen Bevölkerung. .... dass eine unabhängige Organisation den Wald und dessen Bewirtschaftung daraufhin geprüft und anerkannt hat. .... dass die Regeln für die Vergabe des Siegels und die Kompetenz der Prüfer international von FSC festgelegt sind, und ihre Einhaltung überwacht wird." 

Auf den ersten Blick überzeugt das Konzept des FSC, kritischen Kunden eine Möglichkeit zu geben, naturverträglich hergestellte Holzprodukte zu kaufen. Doch die Kritik wird stärker. Die englische Rainforest Foundation bezweifelte z.B. in einem 2002 erschienenen Bericht anhand mehrerer Fallstudien die Glaubwürdigkeit des FSC Siegels und kritisierte die Rolle der hieran beteiligten Umweltverbände133. Ihre Haupt-Kritikpunkte am FSC-Zertifikat sind: 

Die Auflagen sind uneindeutig definiert: Die Zertifizierung fällt je nach beurteilender Person unterschiedlich aus. Zudem fehlt die Definition von K.O.-Kriterien, die eine Zertifizierung ausschließen. 

Der Anteil des FSC am Weltmarkt soll unter großem zeitlichen Druck vergrößert werden: Laut einer Vereinbarung von 1998 zwischen Weltbank und dem WWF sollen bis 2005 etwa 200 Mio. Hektar Wald weltweit aus zertifizierter Bewirtschaftung stammen - Im Dezember 1999 waren allerdings erst 16 Mio. Hektar Wald zertifziert. Kritiker fürchten, dass der Zertifizierungsprozess in heiklen Ländern wie Indonesien, China und einigen osteuropäischen Ländern entsprechend oberflächlich durchgeführt wurde. 

Es gibt wirtschaftliche Verflechtungen zwischen zertifizierenden Organisationen und Forstmanagern. 

Die Zertifizierung deckt nicht die gesamte Vermarktungskette bis hin zum Groß- und Einzelhändler ab und lässt somit Spielraum für das Einschleusen von Hölzern aus Raubbau. 

Das FSC-Siegel ist für ein Produkt auch dann zulässig und bescheinigt damit eine angebliche Naturverträglichkeit, wenn das Produkt zu mindestens 70% aus FSC-Holz hergestellt wurde. Dies bedeutet, dass bis zu 30% der verarbeiteten Hölzer aus anderen Quellen stammen dürfen. Bei Produkten aus Holzfasern oder Holzchips kann dieser Anteil eines FSCzertifizierten Produkts sogar bis 82,5% betragen! 

Die Zertifizierung von Teakholz-Plantagen in Indonesien und Thailand sorgte für Verwirrung auf dem internationalen Teak-Absatzmarkt und verwischte für kritische Verbraucher die Grenzen zwischen "gutem" und "schlechtem" Teak. Die zertifizierten Firmen warben mit FSC, obwohl das Zertifikat jeweils nur für einen Bruchteil ihrer Plantagen (3,5% bei Forest Industry Organisation in Thailand und 6-13% bei Perum Perhutani in Indonesien) galt. Das ehemals in Verruf geratene Teak wurde enttabuisiert. 

Die Realität der FSC-Zertifizierung ist enttäuschend: Bereits mehrfach mussten erteilte Zertifikate zurückgezogen werden oder bleiben fragwürdig:

Die Zertifizierung für den deutschen Sperrholzplattenhersteller Glunz AG in Gabun konnte 1997 nur aufgrund massiven Drucks von Umweltverbänden in letzter Minute verhindert werden, da Verwicklungen in die Wilderei auf Menschenaffen nachgewiesen wurden134. 

Auch das Zertifikat für die PT Diamond Raya in Indonesien, erst im April 2001 erteilt, wurde bereits wenige Monate später scharf kritisiert: Eine Umweltverträglichkeitsprüfung für die 51.000 Hektar Rodungsflächen auf Sumatra war versäumt worden, schließlich wurden auch noch illegaler Einschlag und Konflikte mit der lokalen Bevölkerung nachgewiesen135. Trotzdem wurde das FSC-Zertifikat für Rodungen ausschließlich in Naturwald bislang noch nicht aberkannt. 

Die staatliche indonesische Forstfirma Perum Perhutani, die über eine Mio. Hektar Teakplantagen bewirtschaftet, hatte zwischenzeitlich FSC-Zertifikate für über 90.000 Hektar Naturwald und 51.350 Hektar Plantagen136. Sie hatte 1998 erste Zertifizierungen bereits bekommen, bevor sie alle Bedingungen erfüllte. Konflikte mit der lokalen Bevölkerung und illegaler Holzeinschlag blieben Realität bei allen fünf zertifizierten Teak-Plantagen auf Java137. In einigen Distrikten wurde bis zu sieben mal soviel Teak eingeschlagen wie erlaubt138. 36 Gartenmöbelhersteller waren von Perhutani-Teakholz abhängig139, ein Großteil der in Deutschland verkauften Gartenmöbel stammte von Perhutani- Plantagen140. Seit Aberkennung der Zertifikate im Oktober 2001 gibt es kein FSC-zertifziertes Teak aus Indonesien mehr. 

In Malaysia gibt es drei FSC-Konzessionen mit insgesamt 65.000 Hektar in Naturwald (Perak ITC Sdn. Bhd und Sabah Forestry Department- Deramakot Forest Reserve) und 12.400 Hektar mit Plantagen (Golden Hope Plantations Berhad)141. Eine der Konzessionen liegt in Perak und zwar ausgerechnet in einem Urwaldbereich, der möglicherweise von "hohem Schutzwert" ist. Solche Wälder dürften nach FSC-Kriterien eigentlich nicht geschlagen werden, doch eine entsprechende Überprüfung blieb aus und die Rodungen unter FSC-Label begannen. 

Einige große Eukalyptusplantagen in Südamerika tragen das FSC-Siegel, obwohl sie sowohl Umwelt als auch Lebensbedingungen der lokalen Bevölkerung massiv beeinträchtigen143 

Aufgrund solch heikler Zertifizierungen und mangelnder Transparenz im FSC trat der Verein Rettet den Regenwald, ehemals FSC-Mitglied, aus. 

Der Markt für FSC-zertifizierte Produkte ist begrenzt: Abholzungsfirmen haben eine achtfach höhere Profitabilität, wenn sie ihre Konzessionen für radikale Kahlschläge und Umwandlung in Agrarland nutzen, im Vergleich zu nachhaltiger Waldnutzung144. Umweltbewusste Käufer in Westeuropa und den USA würden einen höheren Preis von maximal 10% für zertifiziertes Holz zahlen145. Doch die Mehrheit der Kunden, v.a. in den wachsenden Absatzmärkten in Asien, ist nicht bereit, einen höheren Preis für Produkte mit "Ökolabeln" zu zahlen. Ob umweltbewusste Kunden in Europa für FSC-Produkte einen höheren Preis zahlen würden, wenn ihnen der hohe erlaubte Anteil von Holz nicht-zertifzierten Ursprungs bekannt wäre, darf bezweifelt werden. 

FSC kann aufgrund der weltweit vergleichsweise geringen Nachfrage nach zertifiziertem Holz und dem hohen Marktanteil illegalen Holzes nur wenig dazu beitragen, die verbliebenen Regenwälder zu schützen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die unkritische und aktive Förderung des FSC durch einige Umweltverbände sowie die Bundesregierung zu rechtfertigen ist.

6. SCHLUSSFOLGERUNGEN UND EMPFEHLUNGEN

Tropenholzprodukte haben in den letzten zwei Jahrzehnten in der öffentlichen Wahrnehmung an Akzeptanz gewonnen, u.a. durch "Ökosiegel" und diverse Herstellerangaben zur Naturverträglichkeit. Doch exzessiver Holzeinschlag in den ökologisch besonders sensiblen Tropenwäldern und die Anlage von Plantagen haben weiterhin fatale Folgen für die Artenvielfalt. Als Fazit des vorliegenden Berichtes ist zusammenzufassen:

6.1. KONSEQUENZEN FÜR VERBRAUCHER

1. FSC und andere "Ökosiegel" bzw. Herstellerauskünfte können keine Naturverträglichkeit von Tropenholzprodukten gewährleisten und wiegen den Verbraucher in einer falschen Sicherheit. Dies gilt auch für Holz aus Plantagenwirtschaft.

2. Die Zertifizierung nach FSC oder anderen "Ökosiegeln" mag in politisch stabilen Ländern mit geringer Korruption funktionieren. Doch gerade in armen Ländern, deren wertvollste Ressourcen ihre Urwälder sind und in denen politisch instabile Verhältnisse vorherrschen, ist die Kontrollierbarkeit einer nachhaltigen Bewirtschaftung und der gesamten anschließenden Handelskette äußerst unsicher.

3. Dem gegenüber steht die gefährliche Signalwirkung der Werbung für zertifizierte Tropenhölzer, die von der Bevölkerung als generelle Entwarnung verstanden wird. Damit öffnen FSC und andere "Ökosiegel" die Tropenholzmärkte in Europa, die Anfang der 90er Jahre weitgehend verschlossen waren: Die Folge: Die Tropenholzimporte nach Deutschland gehen zwar für Rohhölzer zurück, zugeschnittene Hölzer und Holzprodukte aus ökologisch kritischen Ländern halten jedoch auf einem unverantwortlich hohen Level an.

Die einzig logische Konsequenz für Verbraucher ist somit: Hände weg von Tropenholzprodukten! Nur so kann der umweltbewusste Kunde sichergehen, nicht an der Zerstörung der letzten Regenwälder mitverantwortlich zu sein.

6.2. EMPFEHLUNGEN AN DIE BUNDESREGIERUNG

Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren wiederholt ihr Engagement für den Erhalt der Tropenwälder betont. In diesem Zusammenhang unterstützt sie ausdrücklich das FSC Siegel, z.B. durch ein eigenes Zertifizierungsprojekt der GTZ148. 2002 hat die Bundesregierung ihr Engagement zum Schutz der Wälder des Kongobeckens erweitert149. Zukünftig will sie 125 Mio. pro Jahr für den Tropenwaldschutz ausgeben und damit führender Geber in diesem Sektor werden150. Darüber hinaus beteiligt sich die Bundesregierung derzeit auf EU-Ebene an der Ausarbeitung eines Aktionsplans zur "Rechtsdurchsetzung, Politikgestaltung und Handel im Forstsektor" (sog. "FLEGT-Aktionsplan")151. Dieser Plan hat sich zum Ziel gesetzt, durch ein Zertifizierungssystem und den Aufbau von Kontrollinstanzen Importe in die EU für illegal eingeschlagene Hölzer zu stoppen. Das für Forstwirtschaft zuständige Bundeslandwirtschaftsministerium berichtet: "Außerdem überprüft die Bundesregierung derzeit, wie in Deutschland selbst die Bekämpfung des illegalen Holzeinschlags verstärkt werden kann, z.B. im Rahmen der Maßnahmen der Geldwäsche, der Vergabe von Krediten oder im Rahmen einer freiwilligen Selbstverpflichtung des Importhandels152. 

Wenngleich v.a. die bisherigen Aktivitäten und Finanzhilfen zu begrüßen sind, reichen diese Maßnahmen aus Sicht von PRO WILDLIFE bei weitem nicht aus, um dem Problem der massiven Regenwaldzerstörung zu begegnen: So beschäftigt sich der FLEGT-Aktionsplan lediglich mit der Bekämpfung illegal geschlagener Hölzer. Doch ein Großteil der Rodungen in wichtigen Herkunftsländern ist völlig legaler Raubbau. Das aktuelle Beispiel der Demokratischen Republik Kongo (s. Abschnitt 3.4.) zeigt, dass eine Regierung in Afrika mit aktiver Unterstützung der Weltbank riesige Rodungsflächen freigeben will, ohne dass in der kurzen Zeit der Vorbereitungen unabhängige und gründliche Umweltverträglichkeitsprüfungen durchgeführt werden. Damit könnten schon in Kürze große Teile des wichtigsten verbliebenen Regenwaldes in Afrika für legale Rodungen geöffnet werden. Dieser Raubbau würde durch den EU-Aktionsplan nicht vereitelt.

Als Konsequenz aus den hier zusammengetragenen Hintergründen und Entwicklungen empfiehlt PRO WILDLIFE der Bundesregierung:

- ihre bisherige aktive Förderung von FSC als einem Garanten für nachhaltige Holzproduktion kritisch zu überdenken. Die Praxis hat wiederholt gezeigt, dass die Zuverlässigkeit dieses Siegels in tropischen Regionen, insbesondere in Ländern mit instabiler politischer Lage oder massiver Korruption, versagt. Zudem ist die Unterstützung des FSC-Siegels ein falsches Signal an die Verbraucher, die dies vielfach als Entwarnung für die Tropenholzproblematik generell verstehen und sich bei ihrer Kaufentscheidung auch auf andere angebliche "Ökolabels" und Herstellerauskünfte verlassen.

- sich einzusetzen, dass der FLEGT-Aktionsplan der EU nicht nur die Legalität der Einschläge berücksichtigt, sondern auch die Umweltverträglichkeit. 

- die Vergabekriterien für sog. Hermesbürgschaften zu verschärfen, um sicherzustellen, dass die Bundesregierung keine umweltschädigenden Projekte durch solche Bürgschaften unterstützt. Bislang müssen lediglich die Umweltstandards im jeweiligen Exportland erfüllt werden153. In den 90er Jahren finanzierte die Bundesregierung über Hermes-Deckungen von über 350 Mio. Euro den Ausbau der Zellstoff- und Papierproduktion in Indonesien mit. Derzeit prüft die Regierung einen solchen Bürgschaftsantrag in China154 

- den Import von Tropenholzprodukten stärker zu reglementieren. Die Bundesregierung verweist hier bislang auf die fehlenden Möglichkeiten einer nationalen Eigeninitiative und der nötigen Regelung auf EU-Ebene. Artikel 95 des EGVertrages sieht allerdings durchaus die Möglichkeit eines nationalen Alleingangs vor. Die EU- Kommission ist nach Absatz 7 sogar ausdrücklich verpflichtet, zu überprüfen, ob eine Anpassung auf EU-Ebene an die nationale Maßnahme erforderlich ist155 

- Sanktionsmöglichkeiten für deutsche Firmen zu schaffen, die an illegalen Rodungen direkt (durch eigene Aktivitäten) oder indirekt (wissentliche Abnahme illegal gewonnener Hölzer) beteiligt sind. Eine freiwillige Selbstkontrolle des Handels allein reicht nicht aus, um der Beteiligung deutscher Firmen an illegalen Rodungen entgegenzutreten. 

- zu prüfen, ob Projektförderungen in ökologisch sensiblen Gebieten aus Naturschutzsicht unbedenklich sind. Deutschland hat beispielsweise seit 2001 an die neue Regierung in der DRC 40 Mio. gegeben156 und sollte entsprechend kritisch auf die aktuellen Abholzungspläne der Weltbank (s. Kapitel 3.4 und 4.4.) reagieren. 

- zukünftig verstärkt ihre diplomatische Einflussnahme geltend zu machen, um naturschädigende Projekte zu korrigieren bzw. zu stoppen. 






Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen




Shop Kontakt Newsletter Linkliste Tierfreunde Nord Forum/Community -Tierheim ! Literatur-Tipps Himmlisch-gut.de Tiertafel Global 2000: Die Gebirge Europas + Das Mittelmeerbecken + Die Seen des grossen afrikanischen Grabenbruchs + Die Akaziensavanne Ostafrikas + Das Kongobecken + Die Kappellen + Die Wälder Madagaskars + Die Regenwälder der Malediven, Lakkadiven und Chagos-Inseln + Die Savannen und Grasländer des Terai-Duar + Die Wälder der Sundarbans + Die Sumpfwälder Borneos + Die Daurische Steppe + Die Sibirische Taiga + Das Bering-Meer + Die Wüste im Nordwesten Australiens + Das Great Barrier Reef + Die Wälder Neukaledoniens + Die Wälder der Haweii-Inseln + Die Osterinseln + Die Galapagos-Inseln + Die Prärien Nordamerikas + Die Chihuahua-Wüste + Die grossen Antillen: Kuba + Die Los-Llanos-Savanne in Kolumbien und Venezuela + Das Amazunasbecken + Die Patagonische Steppe + Die antarktische Halbinsel und das Wedell-Meer