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23.12.2008

Affentragödie in Lateinamerika

Affentragödie in Lateinamerika

Neuer Bericht zeigt: Millionen Primaten landen jährlich im Kochtopf, dutzende Arten stehen vor dem Aus !

Zu Beginn der Hauptjagdsaison warnen PRO WILDLIFE und Care for the Wild International (CWI) vor der drohenden Ausrottung der Affenwelt Mittel- und Südamerikas: Ca. 3 Mio. Affen jährlich werden allein im Amazonasgebiet illegal gejagt, die Gesamtzahl in den Tropenwäldern Lateinamerikas liegt weit höher. Ein neuer Bericht der beiden Organisationen illustriert die fatalen Folgen für die Artenvielfalt. Vor allem großwüchsige Arten wie Woll-, Brüll-, Klammer- und Kapuzineraffen sind inzwischen vielerorts verschwunden. "Gerade jetzt ist wieder eine Eskalation der Affenjagd zu erwarten, weil die Tiere nach der Regenzeit besonders gut genährt sind", so PRO WILDLIFE-Sprecherin Dr. Sandra Altherr. Und Dr. Barbara Maas von CWI ergänzt: "Während die Jagd auf Gorillas und Schimpansen in Afrika seit Jahren in den Schlagzeilen ist, ist die drohende Ausrottung von Affen in Lateinamerika nahezu unbekannt".



In mindestens 16* von 22 Ländern in Mittel- und Südamerika werden Affen intensiv bejagt, in ganzen Regionen sind sie bereits ausgerottet. Während Affen in Mittel- und Südamerika seit Jahrhunderten zur Selbstversorgung bejagt wurden, änderte sich die Situation in den letzten Jahrzehnten dramatisch: "Nahezu alle indigenen Gruppen verwenden inzwischen statt traditioneller Blasrohre die effektiveren Gewehre. Und durch den Ausbau der Infrastruktur werden selbst abgelegene Rückzugsgebiete für Affen den Jägern zugänglich", erläutert die PRO WILDLIFE-Sprecherin. Auch Siedler in ländlichen Gebieten und die Stadtbevölkerung konsumieren wachsende Mengen Affenfleisch. Im Durchschnitt werden pro Kopf Siedler und Indianer jährlich 2.4 Kapuzineraffen, 1.4 Wollaffen, 0.8 Klammeraffen, 0.5 Klammeraffen, 0.47 Springaffen und 0.4 Brüllaffen verzehrt. Die Konsequenzen für die Primatenbestände sind fatal: 

20 Affenarten der Neuen Welt gelten auf der Roten Liste inzwischen als vom Aussterben bedroht, 14 als stark gefährdet und 27 als gefährdet. Der Gelbschwanzwollaffe (Oreonyx flavicauda) ist mit weniger als 250 Tieren einer der bedrohtesten Primaten weltweit.
In weiten Teilen des Amazonasgebietes sind größere Arten bereits extrem selten oder gar lokal ausgerottet, da sie aufgrund der Fleischmenge pro eingesetzter Gewehrkugel besonders begehrt sind. So sind in Brasilien die Bestände von Wollaffen (4-10 kg) durch die Jagd vielerorts um fast 90% zurückgegangen.
Jäger in Peru berichten, dass sie inzwischen mehrtägige Touren in abgelegene Gebiete unternehmen müssen, um Affen zu jagen, die früher überall anzutreffen waren. Das Verschwinden der Affen hat weit reichende Folgen für die gesamte Artenvielfalt lateinamerikanischer Tropenwälder: Primaten ernähren sich großteils von Früchten und verbreiten so die Samen hunderter Pflanzenarten. Fehlt dieser wichtigste Samenverbreiter, verändert sich die Zusammensetzung der Pflanzenwelt massiv. 

PRO WILDLIFE und CWI fordern von internationalen Artenschutzgremien, endlich gegen die drohende Ausrottung dutzender Affenarten vorzugehen. "Letztlich kann nur ein Verbot der Affenjagd in Kombination mit einem konsequenten Vollzug die Ausrottung der Primaten in Mittel- und Südamerika aufhalten", so Dr. Maas von CWI abschließend. 

* Bolivien, Brasilien, Costa Rica, Ecuador, Französisch-Guayana, Guatemala, Guyana, Honduras, Kolumbien, Mexiko, Panama, Paraguay, Peru, Surinam, Trinidad und Venezuela. 

Quellen:
http://www.prowildlife.de/de/Projekte/Affenschutz/Affen_Sudamerika/affen_sudamerika.html





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