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23.12.2008

Afrikas seltenster Delfin in Gefahr

Kamerunflussdelfine verhungern und ertrinken - Tiere werden immer seltener gesichtet 

Anlässlich des aktuellen "Jahr des Delfins" hat PRO WILDLIFE den Kamerunflussdelfin* zum Delfin des Monats August gekürt. Der nur vor der Westküste Afrikas vorkommende Meeressäuger ist durch massive Überfischung gleich doppelt gefährdet: "Kamerunflussdelfine verenden nicht nur elend in Fischernetzen, sie finden in den leer gefischten Gewässern auch immer weniger zu fressen", erläutert Dr. Sandra Altherr von PRO WILDLIFE. Kamerunflussdelfine gehören zu den am wenigsten erforschten Meeressäugern. Der mangelhafte Vollzug bestehender Schutzbestimmungen und Fischereiregelungen kommt erschwerend hinzu. 

Kamerunflussdelfine (Sousa teuszii) kommen nur in den Mangrovengewässern und flachen Flussmündungsgebieten Westafrikas vor, von der Westsahara bis Kamerun. Um diese noch kaum erforschte Delfinart machen sich Wissenschaftler und Artenschützer ernsthaft Sorgen: Die Art lebt nur in kleinen, voneinander nahezu isolierten Populationen, wie z.B. 20-25 Tiere im Mündungsbereich des Rio Grande de Buba (Guinea-Bissau), wenige dutzend Tiere in der Bucht von Dahkla oder nur 100 Tiere im Saloum-Delta (Senegal). In jüngster Vergangenheit werden die Kamerunflussdelfine immer seltener beobachtet, ihre Verbreitung wird immer lückenhafter. 

Vor allem die Bestände vor dem Senegal und Gambia, insbesondere in dichter besiedelten Gebieten, sind in den letzten Jahren kollabiert. "Die zunehmend intensive Fischerei bringt den Delfinen den Tod: Sie sterben als Beifang in den Fischernetzen oder verhungern, weil ihre Beutefische verschwunden sind", berichtet Altherr. Selbst vor ausgewiesenen Meeresschutzgebieten machen die Fischer nicht halt. 

In anderen Bereichen seines Verbreitungsgebietes wird der Kamerunflussdelfin zudem aktiv bejagt: Er wird als angeblicher Nahrungskonkurrent gezielt ausgeschaltet bzw. als Fleischquelle genutzt. "Die Delfine haben ihr Hauptverbreitungsgebiet ausgerechnet in einer Region Afrikas, die von Armut, Bevölkerungswachstum und Eiweißmangel gekennzeichnet ist", so die Pro WILDLIFE Sprecherin. 

Vor Mauretaniens Küste am Kap Timiris gibt es dagegen ein positives Beispiel für ein Miteinander von Fischern und Delfinen: Die Fischer haben den Tieren antrainiert, eine bestimmte Fischart (Meeräsche) in flache Gewässer zu treiben. So können sie leicht ihre Netze füllen, und für die Delfine lassen sie genug übrig. "Eigentlich eine klassische Win-Win-Situation, wie sie zwischen Mensch und Delfin jedoch nur allzu selten vorkommt", betont die PRO WILDLIFE-Sprecherin. 

Vier Faktoren machen die Kamerunflussdelfine besonders anfällig für eine Ausrottung: Sie haben ein begrenztes Verbreitungsgebiet, in dem sie nur punktuell vorkommen, eine niedrige Besiedlungsdichte und sie werden durch anhaltende kommerzielle Fischerei in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet bedroht. Selbst in Küstenbereichen, die als Schutzgebiet eingestuft sind, findet intensive Fischerei statt. Der Vollzug der Schutzbestimmungen ist völlig unzureichend, Strafen haben die Fischer nicht zu erwarten. PRO WILDLIFE appelliert deshalb an die Herkunftsländer, den Vollzug ihrer Gesetze zu stärken, die Mangrovenwälder zu erhalten und gegen die illegale Jagd auf die Kamerunflussdelfine vorzugehen. 

* Kamerunflussdelfine werden bis zu 2,5 Meter lang und 150 kg schwer. Charakteristisch sind ihre schiefergraue Körperfarbe, ein langer auffälliger Buckel, die lange schlanke Schnauze und rundliche Flossen. 



Tropenholz und die große Öko-Lüge
Analyse von PRO WILDLIFE zeigt die Bedrohung von Affen durch die Tropenwaldzerstörung und die Gefahren sog. "Ökosiegel" auf 

Ein heute von PRO WILDLIFE veröffentlichter Bericht dokumentiert die verheerenden Folgen des Tropenholzhandels auf Primaten. Während v.a. große Affenarten alarmierende Bestandsrückgänge erleiden, wird in der öffentlichen Wahrnehmung Tropenholz wieder enttabuisiert. In der Kritik stehen dabei auch diverse Ökosiegel, darunter das von der Bundesregierung und einigen Umweltverbänden geförderte FSC-Zertifikat. "Fazit unserer Analyse ist: Umweltbewusste Verbraucher vertrauen auf Ökosiegel, obwohl es derzeit kein zuverlässiges Label gibt, das die Naturverträglichkeit eines Tropenholzproduktes gewährleisten kann", betont Dr. Sandra Altherr, Autorin der Studie. Die Münchner Artenschutzorganisation fordert ein Umdenken bei Konsumenten und Regierung. 

Der PRO WILDLIFE Bericht "Affenschande - Die Vernichtung der Tropenwälder und die Folgen für Primaten" gibt einen Einblick in die nach wie vor zerstörerische Holzwirtschaft in Indonesien, Malaysia, Kamerun und der Demokratischen Republik Kongo. Darüber hinaus werden diverse Ökosiegel und Herstellerangaben zur Herkunft von Tropenhölzern analysiert. Wichtigste Ergebnisse der Studie sind: 

SOS für Affen: Alle sechs Menschenaffen-Arten (Sumatra- und Borneo Orang-Utan, Schimpanse, Bonobo, Westlicher und Östlicher Gorilla) sowie zahlreiche weitere hochbedrohte Primaten (z.B. Nasenaffen, Drills, Preuss-Meerkatzen) leiden direkt an den Folgen des ungebremsten Holzeinschlags 

- Holzeinschlag und Wilderei sind eng miteinander verflochten: Wilderer nutzen die Erschließung unzugänglicher Waldgebiete durch die Holzfällerstraßen. Sie versorgen die Holzfällercamps mit Fleisch, vielerorts sind Affen die bevorzugte Beute. Das gewilderte Fleisch wird mit Holztrucks zu den Absatzmärkten in den Städten transportiert. 

- Unkritische Kunden: Bei einer PRO WILDLIFE Umfrage hielten 58,64% das FSC-Zertifikat für glaubwürdig, 41,35% die Angabe "Kontrollierter Plantagenanbau". Mit Ausnahme von Teak und Mahagoni wissen die Kunden i.d.R. nicht, welche Hölzer aus den Tropen kommen. Balau, Iroko oder Meranti werden nicht als Tropenhölzer erkannt, Produkte entsprechend unkritisch gekauft. 

- Plantagen sind keineswegs ökologisch unbedenklich, sondern haben häufig dramatische Auswirkungen auf die Umwelt: Primärwälder werden eigens für Plantagenanlagen gerodet, Monokulturen laugen die nährstoffarmen Tropenböden aus. Hoher Pestizid-Einsatz belastet das Grundwasser, schnell wachsende tiefwurzelnde Kulturpflanzen (wie z.B. Eukalyptus) senken den Grundwasserspiegel. 

- Das von einigen Umweltverbänden und der Bundesregierung unterstützte FSC-Zertifikat ist kein zuverlässiger Schutz für Tropenwälder: Holzeinschlag darf sogar in Primärwäldern erfolgen, bis 30% des Holzes eines FSC-Produktes darf aus nichtzertifizierten Quellen stammen, bei Produkten aus Holzfasern und -Chips sogar bis 82,5%. FSC steht zudem unter Erfolgsdruck, Marktanteile zu gewinnen. Kritisiert wird in diesem Zusammenhang auch, dass immer wieder Holzfirmen mit illegalen Rodungsaktivitäten das FSC-Zertifikat (Forest Stewardship Council) erhalten. 

- Deutschland ist mit geplanten 125 Mio. Euro / Jahr weltführender Geldgeber für Tropenschutzprojekte. Ein nicht unerheblicher Teil dieser Gelder fließt bislang auch in die Weiterentwicklung des FSC-Siegels sowie in Entwicklungshilfeprojekte in ökologisch hochsensiblen Gebieten. "Damit trägt die Bundesregierung eine ganz besondere Verantwortung, fährt dabei allerdings einen gefährlichen Kurs", so die PRO WILDLIFE-Expertin. 

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