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23.12.2008

Alte Elefanten stoppen Amoklauf von Jungbullen

Alte Elefanten stoppen Amoklauf von Jungbullen
PRO WILDLIFE kritisiert selektive Eingriffe in Wildtierbestände und Förderung der Trophäenjagd durch die Bundesregierung

Ältere Elefantenbullen halten ihre jüngeren, übermütigen Geschlechtsgenossen im Zaum. Eine jetzt veröffentlichte Studie in Nature zeigt, dass Aggressionen von verwaisten Jungbullen, die im südafrikanischen Pilanesberg-Park 40 Nashörner in nur fünf Jahren töteten, durch die Anwesenheit erwachsener Bullen zu verhindern sind. PRO WILDLIFE verweist auf die Probleme, die bei einem selektiven Eingriff in Wildtierbestände (z.B. Abschuss ganzer Herden mit Ausnahme der Jungtiere, Trophäenjagd) entstehen: "Der Mensch greift in komplexe Selbstregulierungsmechanismen der Natur ein, ohne die verheerenden Folgen abschätzen zu können", so Biologin Daniela Freyer. Die Kritik der Münchner Artenschutzorganisation richtet sich auch gegen die Bundesregierung, die die Trophäenjagd für eine förderwürdige Naturschutzmaßnahme hält. 

Elfenbein-Wilderei und Trophäenjagd reduzierten v.a. die älteren Elefanten in dramatischem Umfang. Doch gerade die reiferen Tiere übernehmen wichtige Funktionen im Sozialverband. Die Rolle erfahrener Elefantenkühe als Leittiere ist bereits seit langem bekannt. Nun belegt eine neue Nature-Studie erstmals die Kontrollfunktion alter Elefantenbullen. Durch ihre pure Anwesenheit wird bei jüngeren männlichen Tieren die "Musth" ** unterdrückt, in deren Verlauf aggressive Übergriffe auf z.B. Nashörner erfolgten. In den letzten Jahren hatte die Tötung von 40 Nashörner durch wildgewordene verwaiste Jungelefanten - Überlebende eines Herdenabschusses - für internationales Aufsehen gesorgt. 

Gerade der selektive Abschuss von alten Tieren durch Trophäenjäger zerstört den natürlichen Altersaufbau und damit die Sozialstruktur von Elefantenpopulationen. "Es ist nicht nachvollziehbar, dass die rot-grüne Bundesregierung 12,6 Millionen DM deutsche Steuergelder in das umstrittene SELOUS-Projekt in Tansania investierte, obwohl die ökologischen Folgen der Trophäenjagd bislang nicht ausreichend untersucht sind", lautet die Kritik der PRO WILDLIFE-Expertin. Neben Löwen und Antilopen werden im SELOUS-Park auch Elefanten zum Abschuss durch reiche Jäger freigegeben. Die vielzitierte "Nachhaltigkeit" der Nutzung von Wildtierbeständen durch die Trophäenjagd wird von PRO WILDLIFE angezweifelt - die Ergebnisse der Nature-Untersuchungen stützen diese Bedenken. 

In einer aktuellen Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der PDS werden sogar Pläne deutlich, ein neues derartiges Projekt zur Wildtiernutzung im südlichen Afrika mit einer Anschubfinanzierung von 5 Mio. DM zu fördern. "Die Regierung sollte ihre Unterstützung für dieses ökologisch mehr als fragwürdige Projekt noch einmal überdenken", so Freyer abschließend. 

** Phase erhöhter Testosteron-Ausschüttung bei männlichen Elefanten, gesteigerte sexuelle und aggressive Aktivität 


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