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23.12.2008

Anarchie im Elfenbeinhandel

Informationen aus Afrika und Asien: Freigabe von Elfenbeinexporten fahrlässig

Kurz nach der Entscheidung der Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (WA), den Export von 60 Tonnen Elfenbein aus südafrikanischen Ländern zu genehmigen, wird die Tragweite dieser Entscheidung deutlich. Nach Informationen Indiens herrscht auf den internationalen Elfenbeinmärkten Anarchie. Afrikanische Länder beklagen, in die Entscheidung um die Elfenbeinexporte nicht ausreichend einbezogen gewesen zu sein. Die Artenschutzorganisation PRO WILDLIFE, selbst Teilnehmer der Konferenz, bezeichnet die Lage als alarmierend: "Bereits seit 1998 beobachten wir einen Anstieg des Elfenbeinschmuggels. Der Handel mit dem "weißen Gold" hat Mafiastrukturen. Vor diesem Hintergrund den Verkauf von Elfenbein zu legalisieren, ist verantwortungslos", kritisiert Daniela Freyer, Expertin von PRO WILDLIFE. 

Länder mit Elefantenbeständen in Asien und Afrika sowie Artenschützer befürchten, die diesjährige WA-Entscheidung, dem Verkauf von 60 Tonnen Elfenbein aus Namibia, Botsuana und Südafrika zuzustimmen, könnte verheerende Folgen haben. Fraglich ist zudem, ob die ebenfalls beschlossenen Auflagen und Kontrollen für den Verkauf, der erst im Jahr 2004 stattfinden soll, tatsächlich umgesetzt werden: Das angebliche Frühwarnsystem MIKE (Monitoring of Illegal Killing of Elephants), das ursprünglich bereits 1999 die Auswirkungen "experimenteller" Elfenbeinverkäufe dokumentieren sollte ist noch immer nicht einsatzbereit. Der Elfenbeinschmuggel von in Afrika und Asien gewilderten Elefanten v.a. nach China und Japan boomt und ist völlig außer Kontrolle. "Und so bleibt es erneut den vornehmlich armen Ländern in West-, Zentral- und Ostafrika sowie in Asien überlassen, den mit automatischen Waffen ausgerüsteten Wilderern entgegen zu treten und ihre schrumpfenden Elefantenbestände zu schützen", betont die Biologin Freyer. Allein in den vergangenen zwei Jahren wurden weltweit 4.000 Stoßzähne, über 56.000 Schnitzereien und 11.000 kg sonstige Elfenbeinstücke von mehr als 3.000 Elefanten beschlagnahmt. Dies ist nur die Spitze des Eisbergs, da die meisten Schmuggellieferungen unentdeckt bleiben. 

Die Entscheidung für eine begrenzte Freigabe des Elfenbeinhandels gefährdet auch die asiatischen Elefanten: Indien beherbergt über 50% der asiatischen Elefanten. Die indische Regierung, um ihre eigenen Elefantenbestände besorgt, beschrieb auf der WA-Konferenz die Situation in Asien: "Auf den internationalen Elfenbeinmärkten herrscht regelrechte Anarchie. Der legale Elfenbeinhandel wird benutzt, um illegales Elfenbein einzuschleusen. Von dem Verkauf profitieren v.a. die Wilderer, Schmuggler und skrupellose Geschäftemacher." Die lokale Bevölkerung in den Herkunftsländern würde von den Erlösen kaum profitieren. "Der Verkauf von Elfenbein taugt entgegen der Darstellung der Handelslobby nicht zur Armutsbekämpfung in Afrika", so die PRO WILDLIFE Sprecherin. China erklärte auf der WA-Konferenz, dass der Elfenbeinschmuggel im eigenen Land bereits in Folge der 1999 genehmigten Elfenbeinverkäufe angestiegen sei. 

Wegbereiter für die Elfenbeinentscheidung war ein Treffen afrikanischer Staaten direkt im Vorfeld der WA-Konferenz, auf der ein angeblicher "Konsens" zugunsten des Elfenbeinhandels erzielt wurde. Doch dieses entpuppte sich bald als abgekartetes Spiel: Kritische afrikanische Staaten waren zum Teil nicht eingeladen worden (z.B. Swasiland) oder konnten an den in englisch geführten Debatten nicht ausreichend teilnehmen (v.a. die frankophonen Länder in West- und Zentralafrika wie z.B. Kongo). 13 afrikanische sowie alle asiatischen Staaten mit Elefantenbeständen waren von dem "Elfenbein-Konsens" ausgeschlossen und konnten über das Schicksal ihrer Elefantenbestände nicht mitbestimmen. Kritische Stimmen von anwesenden Teilnehmern aus West- und Zentralafrika wurden systematisch ignoriert. 

"Anstatt mit der Entscheidung für den Elfenbeinhandel erneut ein enormes Risiko für die Elefanten in Asien und Afrika heraufzubeschwören hätte sich die WA-Konferenz darauf konzentrieren sollen, Elfenbeinschmuggel und Wilderei unter Kontrolle zu bringen", so die PRO WILDLIFE Sprecherin abschließend. 

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