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20.01.2009

100 Jahre Tierleid bei Hagenbeck

100 Jahre Tierleid bei Hagenbeck

Am 7. Mai 1907 eröffnete Carl Hagenbeck seinen Tierpark in Hamburg Stellingen. Rechtzeitig zum Jubiläum machen sich die beiden Direktoren Joachim Weinlig-Hagenbeck und Stephan Hering-Hagenbeck sowie der Hansestadt Hamburg ein 20,5 Millionen Euro teures Geschenk: Ein gigantisches Tropen-Aquarium, das als zweites Standbein die seit Jahren wirtschaftlich desolate Lage des Tierparks deutlich verbessern soll. Damit das gelingt, werden zusätzlich insgesamt 13 000 Tiere 290 verschiedener Arten aus allen Kontinenten bei Hagenbeck lebenslänglich inhaftiert.



„In einer neuen Wohnung muss ich mich auch immer erst einige Wochen einleben.“

1.000 Tonnen Baustahl, 4.000 Kubikmeter Stahlbeton, 5.000 Quadratmeter Filigranplatten, 110 Kubikmeter Brettschichtholz, 1.200 Quadratmeter UV-durchlässiges Foliendach, 137 Quadratmeter Acrylscheiben, 2 Mio. Liter Wasser verteilt auf drei Etagen und einer Gesamtfläche von 7000 Quadratmetern ergeben den neuen Knast bei Hagenbeck. Hier werden Tiere aus allen Kontinenten inhaftiert, die Massen von zahlungswilligen Schaulustigen anziehen sollen. Hauptattraktion der „faszinierenden terrestrischen und aquatischen Artenvielfalt der Tropen“ sind Haie. Die Hagenbecks träumen von 400.000 zusätzlichen BesucherInnen und hoffen darauf, „..., dass viele Leute nicht widerstehen können und danach noch in den Zoo gehen.“ Geht der Traum auf, könnten die wirtschaftlichen Ausfälle vor allem aus dem letzten Jahr, verursacht durch die Hysterie rund um die Maul- und Klauenseuche und die Vogelgrippe, ausgeglichen werden. Seit Jahren unterstützt die Stadt Hamburg Hagenbeck finanziell, da es als Wahrzeichen Hamburg gilt. So hat sie z.B. aktuell die Hälfte der Kosten des Knastbaus übernommen. „Der Senat hat das Bauwerk erst möglich gemacht. Durch das Tropen-Aquarium erhoffen wir uns eine Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage des Tierparks und gleichzeitig eine Stärkung des Tourismus für Hamburg“, so Joachim Weinlig-Hagenbeck während der nicht-öffentlichen Einweihung am 07. Mai 2007. „Der Tierpark, insbesondere das neue Tropen-Aquarium,“ erinnert der Ehrengast der Einweihungsfeier, Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust, „sei ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, der zahlreiche Besucher in die Hansestadt locke.“ Während des Rundgangs zeigten sich die neuen Insassen nur wenig kooperativ. Die meisten scheuten den neugierigen Blick des Bürgermeisters und versteckten sich. Von Beust hatte dafür vollstes Verständnis. „In einer neuen Wohnung“ so Beust zur Presse, „muss ich mich auch immer erst einige Wochen einleben.“ Der neue Knast ist für die Öffentlichkeit ab Anfang Juni zur Besichtigung freigegeben.

Exotisch. Interessant. Faszinierend. Superlativ!

Durchweg positiv berichteten die Medien im Vorfeld und aktuell von der Eröffnungsfeier. Geht es um die Beschreibung des im Vergleich zu den Meeren mikroskopisch kleinen Hai-Beckens, überschlagen sich die Berichterstatter vor Begeisterung förmlich. Es ist die Rede vom Superlativ der Maße. Aber was sind schon 1,8 Millionen Liter Wasser und 8 Meter Tiefe für einen Hai? Lediglich die Tagesthemen meldeten sich kritisch, jedoch kaum merklich zu Wort. Sie erinnerten in einem kurzen Nebensatz daran, dass bei Hagenbeck auch Menschen inhaftiert und ausgestellt wurden.


Doch zurück zu den Tieren. 13 000. Das ist eine unvorstellbare Zahl. Dahinter verbergen sich atmende, fühlende Lebewesen mit ihren jeweiligen Bedürfnissen, die aus reiner Profitgier einem artgerechten Leben in Freiheit beraubt werden; es sind Tiere wie Haie, Muränen, Krokodile, Schlangen, Lemuren, Flughunde, Fledermäuse, See- und Süßwasserfische, Spinnen, Skorpione, Vögel, Ameisen. Unvorstellbar ist auch das Leid, das mit ihrem „Leben“ im neuen Wahnsinnsknast „Tropen-Aquarium“ unmittelbar verbunden ist. Typische Symptome sind Formen des Hospitalismus. Um das Leben im Knast zu ertragen, bilden die Tiere Handlungsstereotypen in Form von völlig gleichmäßig sich wiederholenden Bewegungsabläufen aus wie z.B. das ununterbrochene Abwandern der Begrenzung des Geheges im immergleichen Ablauf, das Weben, d.h. ständiges, stereotypes Hin- und Herschwingen des Körpers, gleichbleibende Schwimmbewegungen usw. Dieses Verhalten prägt die Tiere bis an ihr Lebensende. Und es gibt Tiere, die anscheinend den Zeitpunkt ihres Todes selbst bestimmen.


Der neue Tierknast „Tropen-Aquarium“ wurde dort gebaut, wo früher einmal das Delfinarium stand. Schon damals versuchte Hagenbeck, mit Meerestieren Kasse zu machen. Die Kunststücke der Delfine, Seelöwen und des Schwertwals wurden begeistert beklatscht. Der Delfin Sindbad starb 1992 während einer Vorführung. Das Publikum war entsetzt, und der Direktor sprach von Rangordnungskämpfen unter den Tieren, die Sindbads plötzlichen Tod verursachten. Schließlich wurde das Delfinarium 1996 wieder geschlossen.

Hagenbeck trauert um toten Schwarzspitz-Riffhai

„Wir müssen erst die Ergebnisse der Untersuchungen abwarten. Wir vermuten aber einen angeborenen Herzfehler.“, könnte Joachim Weinlig-Hagenbeck der Presse bei Fragen zum plötzlichen Tod des Tieres erwidern. Es wird sich zeigen, für welche Schlagzeilen der neue Tierknast „Tropen-Aquarium“ in Zukunft sorgt. Sicher ist aber schon jetzt, dass der Hagenbecksche Größenwahn kein Ende kennt. Eine große Anlage für Tiere aus den Polarregionen, ein „Traum vom Eismeer“ wünscht sich Hagenbeck laut Presse. Die entgültige Schließung aller Zooknäste weltweit; das wünschen sich TierrechtlerInnen nicht nur zum 100jährigen Jubiläum von Hagenbeck. Denn artgerecht ist nur die Freiheit!

Clarissa Scherzer

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