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26.01.2009

A.K.T.E. - Alles über den Arbeitskreis

A.K.T.E. - Info

Alles über den Arbeitskreis


Vorbemerkungen


Über die Rubrik "A.K.T.E. - Info"


Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

in dieser Rubrik finden Sie eine Zusammenstellung von detaillierten Informationen über den Arbeitskreis Tierrechte & Ethik.

Gerade im Tierschutz und noch mehr in der Tierrecht-Bewegung ist absolute Transparenz deshalb so wichtig, weil sich dadurch Missverständnisse oder spätere Endlosdiskussionen über ideologische oder philosophische Ausgangspunkte, über Positionen zu ethischen Grundsatzfragen oder Arbeitsmethoden oder über die angestrebten Ziele weitgehend vermeiden lassen. Neben dem gedanklichen Fundament sollten Idealzustand und pragmatische Teilziele offen gelegt werden, die sich durch die Realisierung der eigenen Sichtweise und Auslegung des Tierrecht-Gedankens ergeben. Diese Ziele zu verschweigen, weil ihre Erreichung noch in ferner Zukunft liegt, und man eine offene Diskussion in der Gesellschaft über die oft radikalen Auswirkungen durch die Umsetzung der eigenen Position vermeiden will, kann nur als unredliches Taktieren bezeichnet werden.

Wir sind der Meinung, dass unsere Leser/innen ein Recht darauf haben, von vorneherein zu erfahren, was unsere Vorstellungen und Zielsetzungen und ihre eventuellen zukünftigen Auswirkungen im Falle der gesellschaftlichen Akzeptanz und Umsetzung beinhalten.

Wie nicht anders zu erwarten, gibt es in der Tierschutz- und Tierrechtsbewegung leider auch Menschen, die aus Kompensationsgründen und Profilierungssucht und nicht selten mit dem Hintergedanken einer persönlichen Vorteilnahme oder Bereicherung sich engagieren. Kurzfristig kann ihr Engagement sogar von Nutzen sein, denn naturgemäß sind gerade diejenigen Menschen am aktivsten und erfolgreichsten, die von egoistischen Motiven angetrieben werden, und sie gelangen dementsprechend häufiger in einflussreiche Positionen, aber langfristig wird es dem Erfolg unserer Sache schaden. Nicht wenige aktive und hoch motivierte Menschen ziehen sich aus der Tierschutz- und Tierrechtsbewegung frustriert zurück, sobald sie die wahren Motive einzelner hochrangiger Funktionäre durchschaut haben. Deshalb ist Transparenz nicht nur in Beziehung auf das gedankliche Fundament, auf die Zielsetzungen und den angestrebten Idealzustand von Wichtigkeit, sondern auch in Beziehung auf die Menschen, die dafür eintreten, also hinter der Idee und dem Namen stehen.

Der Tierrechtsgedanke ist ein hochbrisantes Thema in unserer Gesellschaft, aber auch innerhalb der Tierschutz- und Tierrechtsbewegung führt er zu kontroversen Diskussionen. Wer unbequeme Fragen stellt, unvoreingenommen neue gedankliche Wege geht oder gar den Mut besitzt, auch einmal die vorherrschende Sichtweise innerhalb der Szene zu tierrechtsrelevanten Teilaspekten kritisch zu hinterfragen, ist nicht selten Anfeindungen bis hin zu öffentlichen Verleumdungen ausgesetzt.

Leider hat auch A.K.T.E. dies in der Vergangenheit schon zu spüren bekommen.

Um zukünftigen Diskreditierungsversuchen entgegenzuwirken, stellen wir in dieser Rubrik detaillierte Informationen über unseren Arbeitskreis zur Verfügung und legen unsere Zielsetzungen und unsere Vorstellungen über Ethik- und Tierrechte offen, einschließlich interner Positionen und Prinzipien, soweit schon ausgearbeitet, damit sich jeder/e Tierrechtler/in und Tierschützer/in sein eigenes Bild über A.K.T.E. machen kann.

Daneben enthält diese Rubrik selbstverständlich auch die Standardinformationen über Redaktion, Mitarbeit im Arbeitskreis und über die Möglichkeit einer finanziellen Unterstützung. Außerdem werden einige "Highlights" unserer Tierrechtsarbeit beschrieben.

Falls weiterer Informationsbedarf zu A.K.T.E. bestehen sollte, sind wir gerne bereit, Ihre Fragen zu beantworten.



Portraitskizze


Wesentliches über A.K.T.E. auf einen Blick



A.K.T.E. ist eine unabhängige, bundesweite Arbeitsgruppe, die sich mit dem Themenkomplex Tierrechte und Ethik und ihrer praktischen Umsetzung in unserer Gesellschaft beschäftigt. Tier-Ethik betrachten wir aber nicht isoliert, sondern als Teilaspekt einer zu entwickelnden universalen Ethik, die als Wegweiser zu einer friedlichen Koexistenz von Mensch und Tier dienen soll. Unser Arbeitskreis ist ein relativ loser Zusammenschluss von Menschen, die sich für ethische Grundfragen interessieren und das Bedürfnis haben, Tierrechte durch ihr persönliches Engagement zu fördern. Sitz des Arbeitskreises Tierrechte & Ethik ist Saarbrücken. Durch seine Mitarbeiter/innen wird A.K.T.E. in verschiedenen Bundesländern vertreten. Der Arbeitskreis ist regional, national und international tätig. Das primäre Medium für Kontakt und Gruppenarbeit ist das Internet.

Die elementaren Interessen der Tiere werden von den meisten Menschen nicht wahrgenommen und brutal übergangen. Mit religiös-dogmatischer Billigung oder dubioser, anthropozentrischer Rechtfertigung werden Milliarden Tiere Jahr für Jahr misshandelt und getötet. Aber dürfen Tiere tatsächlich als "Nutzungsobjekte" und Eigentum des Menschen betrachtet werden, oder sind sie dem Menschen sehr ähnliche leidens- und empfindungsfähige Individuen mit eigenen Lebensinteressen, die wir respektieren sollten? Ist die Forderung nach einem ethischen Tierumgang gerechtfertigt? Wie ist ein ethischer Tierumgang im alltäglichen Leben zu verwirklichen?

Diese und noch viele andere Fragen stehen im Mittelpunkt unserer gedanklichen Auseinandersetzung. Unsere Arbeit beinhaltet deshalb die Untersuchung der Gegenwartsethik und der Ursachen des heutigen Status der Tiere in unserer Gesellschaft, die Analyse verschiedener Tier-Ethik-Konzepte, die Ausarbeitung einer zukunftsorientierten, universalen Ethik, die die elementaren Lebensinteressen und Bedürfnisse von Menschen und Tieren berücksichtigt und die Suche nach geeigneten Maßnahmen, um die Tierrechtsbewegung insgesamt zu stärken. Insbesondere möchte der Arbeitskreis Tierrechte & Ethik der deutschsprachigen Tierrechtsbewegung überzeugende und stichhaltige ethische Argumente durch ein rationales und verifizierbares Konzept einer zeitgemäßen Tier-Ethik zur Verfügung stellen, das einer modernen, multikulturellen und säkularen Gesellschaft gerecht wird. Ferner versucht der Arbeitskreis durch seine Aufklärungsarbeit auf die unerträglichen Lebensbedingungen der "Nutztiere" hinzuweisen, Tierversuche, Jagd und sonstige Formen menschlicher Grausamkeit gegenüber dem wehrlosen Tier anzuprangern sowie einen konstruktiven Dialog mit Politik, Wissenschaft, Kirche, Wirtschaft und den Medien zur Beendigung der inakzeptablen Tierausbeutung zu führen. Selbstverständlich steht der Arbeitskreis im Rahmen seiner Möglichkeiten allen Tierrechts- und Tierschutzorganisationen sowie dem/r einzelnen Tierrechtler/in mit Rat und Tat zur Seite, wenn grundlegende Tierrechte missachtet werden. Selbstverständlich ist A.K.T.E. auch im praktischen Tierschutz tätig. (z.B. Mitglied beim Tierschutz-Notuf e.V. und zuständig für das Saarland)

Ausgehend von der festen Überzeugung, dass biologische Fakten und philosophische Begründungen für einen gerechten, friedfertigen Tierumgang sprechen, fordert A.K.T.E. eine dementsprechend moralische und rechtliche Berücksichtigung aller Lebewesen, also eine zukunftsorientierte, gerechte "Tier- und Menschen-Ethik". A.K.T.E. kämpft damit zugleich gegen die negativen Folgen des Speziesismus für Mensch und Ökosystem Erde, die durch die Tier- und Naturausbeutung verursacht werden. Deshalb kritisiert A.K.T.E. die herkömmliche Ethik, weil sie nicht nur in Bezug auf die Tiere, sondern auch in Bezug auf den Menschen versagt hat.

Die Strategie von A.K.T.E. ist die "Politik der kleinen Schritte", also "Reform und Abschaffung" und die Bündelung aller Kräfte der Tierrechtsbewegung sowie die Kooperation mit traditionellem Tierschutz und Naturschutz, um die Chancen zur Durchsetzung der verschiedenen Einzelziele zu maximieren.

Wir setzen uns für eine Ernährungsweise mit rein pflanzlichen Nahrungsmitteln und für eine ethische Lebensweise ein, die weder Tier- noch Menschenleid verursacht und verantwortungsvoll die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen von Menschen und Tieren berücksichtigt.

Der Arbeitskreis finanziert sich durch die Förderbeiträge seiner Mitarbeiter/innen und durch anderweitige Spenden. Die Arbeit bei A.K.T.E. ist ausschließlich ehrenamtlich.

Auf seinen Webseiten informiert der Arbeitskreis detailliert über die Konsequenzen des Speziesismus für Tier, Mensch und Ökosystem Erde und über pflanzliche Ernährung und Gesundheit. Er informiert über aktuelle Entwicklungen in der Tier-Ethik und der Tierrechtsbewegung und bietet Abhandlungen, Literaturempfehlungen, Flugblätter und Musterbriefe an und vieles mehr.

Durch Stefan Bernhard Eck ist A.K.T.E. vertreten bei:

International Vegetarian Union, United Kingdom
Tierschutz-Notruf e.V.
Stimmen der Tiere e.V.
SASA Japan - Smal Animals Support Association
AG Tierfreunde Dachau
Stimmen der Tiere - Schweiz e.V.

A.K.T.E. - Redaktion / Stefan Bernhard Eck / 01.12.2005



Agenda


Der Arbeitskreis und seine Zielsetzungen

Unsere Botschaft lautet: Be peaceful, be veggie, be happy.

A.K.T.E. ist unabhängig und überkonfessionell.
A.K.T.E. ist demokratisch, undogmatisch und unbürokratisch.
A.K.T.E. ist friedlich, lehnt prinzipiell Gewalt gegen Lebewesen ab.
A.K.T.E. ist antirassistisch, antisexistisch und antispeziesistisch.

Vorbemerkung:

Vor mehr als einem viertel Jahrhundert formierten sich im deutschsprachigen Raum Kräfte aus der Friedens- und Anti-Rassismusbewegung, der Bewegung für die Gleichberechtigung der Frau und aus dem traditionellen Tierschutz, um für die Abschaffung von Tierversuchen, Jagd, Massentierhaltung und anderen Formen der gnadenlosen Ausbeutung und Unterdrückung der Tiere durch den Menschen einzutreten. Dies war die Geburtsstunde der modernen Tierrechtsbewegung (Bewegung für Tierrechte) in Deutschland. Sie besteht heute aus einer Vielzahl von untereinander konkurrierender Dachverbände, Organisationen, Vereinen, Tierbefreiungsgruppen und einzelner Tierrecht-Aktivisten, die sich an unterschiedlichen, oft einander widersprechenden Tier-Ethik-Konzepten oder Partikularthesen orientieren.

Darunter sind Theorien und Ethik-Konzepte zu finden, die

eindeutig die Unterdrückung, Ausbeutung und Tötung von Tieren durch den Menschen rechtfertigen oder begünstigen, (Albert Schweitzer)

eine vegetarische oder vegane Ernährungsweise schlicht ablehnen, (Klaus Michael Meyer-Abich) ein generelles Tötungsverbot von Tieren als unzweckmäßig betrachten, (Joel Feinberg)

von ähnlichen Rechten und zugrunde liegenden inhärenten Werten zwar ausgehen, im Konfliktfall jedoch dem Menschen den kategorischen Vorzug geben. (Tom Regan/Life-Boat-Case)

Eine nicht zu unterschätzende Zahl von Tierrechtler/innen lehnen Tier-Ethik-Konzepte und deren Verfasser auch rundweg ab, weil

sie sich mit Tier-Ethik und philosophischen Grundsatzfragen nicht oder nur oberflächlich auseinandersetzen wollen,

sie es vorziehen, mehr intuitiv als auf einem rationalen philosophischen Fundament zu argumentieren,

sie durch diskreditierende Hetzkampagnen gegen einzelne Philosophen der Tierrechtsbewegung (Bewegung für Tierrechte) und ihre Vorstellungen zu spezifischen Fragen negativ beeinflusst wurden,

oder sie eine religiöse Argumentationsebene wählen und die Heiligkeit des Lebens oder die Existenz einer tierlichen Seele, ohne irgendwelche stichhaltigen Beweise dafür zu erbringen, proklamieren und dergleichen mehr.

Die Tierrechtsbewegung (Bewegung für Tierrechte) stützt sich also auf Ethik-Konzepte, die in Gänze oder in Teilaspekten dem grundlegenden Tierrechtsgedanken widersprechen oder auf unbeweisbare religiöse Thesen, oder es wird aus unterschiedlichen meist persönlichen Gründen ganz darauf verzichtet, rationale Ethik-Konzepte zur argumentativen Unterstützung ihrer Forderungen heranzuziehen.

All dies hat negative Auswirkungen, denn es wirft ein zweifelhaftes Licht auf die Tierrechtsbewegung (Bewegung für Tierrechte) in Beziehung auf das intellektuelle Fundament sowie die Glaubwürdigkeit und Seriosität und hemmt damit letztendlich ihren Erfolg.


Unsere gedanklichen Ausgangspunkte:

Das Leben auf unserem Planeten und die Vielfältigkeit der Lebensformen ist das Produkt einer natürlichen und evolutionären Entwicklung, und nicht durch das Wirken einer höheren Macht entstanden. Die prinzipielle Verwandtschaft aller Lebewesen ergibt sich durch ihre Entstehungsgeschichte und ihrem gemeinsamen Ursprung.

Wir sind deshalb der Überzeugung, dass auch die Unterschiede zwischen Mensch und Tier nur gradueller und nicht essentieller Natur sind, und dass diese Unterschiede – wie etwa der Körperbau, die Anzahl der Beine, die Farbe und Beschaffenheit der Haut oder des Haarwuchses oder die Fähigkeit zu komplexem Denken oder die des Gebrauchs einer Sprache – es nicht rechtfertigen und keine ausreichenden Begründungen liefern, Tiere auszubeuten, zu misshandeln oder zu töten. Wir sind der Meinung, dass ohne absolut zwingende Notwendigkeit der Mensch keine ethisch vertretbare Legitimation hat, Tiere auszubeuten oder zu töten und dementsprechend darauf verzichten sollte. Wir sind der Überzeugung, dass die ähnlichen elementaren Lebensinteressen, die Fähigkeit Leid oder Glück bzw. Wohlsein zu empfinden und die Einzigartigkeit aller Lebewesen es verbieten, gravierende Unterschiede in unseren Wertsetzungen und der moralischen Berücksichtigung zu machen.

Deshalb glauben wir, dass die Forderung einer konsequenten Einbeziehung der Tiere in unsere Ethik und die moralisch gerechte Anerkennung ihrer vitalen Interessen und Bedürfnisse berechtigt ist. Wir glauben, dass das anzustrebende Ideal, dem sich jeder Mensch weitestgehend annähern sollte, darin besteht, die elementaren, arteigenen und individuellen Präferenzen und Fähigkeiten aller Lebewesen im Vorfeld jeder Entscheidung unparteiisch und konsequent zu berücksichtigen, um zu einem verantwortungsvollen, gerechten und ethisch vertretbaren Urteil zu gelangen.

Darüber hinaus sind wir überzeugt, dass auch eine angemessene ethische Berücksichtigung der Pflanzenwelt und der natürlichen Lebensräume angebracht ist, da die Erde die gemeinsame Heimstatt und Grundlage allen Lebens darstellt, die es im Hinblick auf das Wohlbefinden und Überleben ihrer Bewohner zu schützen und zu bewahren gilt.

Ausgehend von diesen Vorüberlegungen und der Tatsache, dass vielerlei biologische Fakten und philosophische Begründungen für einen gerechten, friedfertigen Tierumgang sprechen, will A.K.T.E. versuchen, ein zeitgemäßes Tier-Ethik-Konzept zu entwerfen. Wir stellen uns damit gegen die skrupellose Ideologie der Einzigartigkeit des Menschen, gegen die Ausbeutung, Quälerei und systematische Ermordung der Tiere durch den Menschen und gegen seine verantwortungslose Zerstörung der Umwelt. Wir wollen es nicht länger hinnehmen, dass sämtliche Interessen und Bedürfnisse bewusst lebender und nach Präferenzverwirklichung strebender, leidens- und empfindungsfähiger Individuen für akzidentielle oder triviale Interessen des Menschen brutal übergangen werden, und dass sie nur als bloße Werkzeuge oder reproduzierbare Ressourcen zur Befriedigung menschlicher Interessen angesehen und als solche missbraucht werden.

Wir sind der festen Überzeugung, dass es einer Neubewertung aller Lebensformen bedarf einschließlich unserer Stellung im Naturganzen. Gerechte und rationale Wertsetzungen sollen den Menschen zu einer ethischen Gesinnung des Mitgefühls und der Solidarität mit unseren tierlichen Mitlebewesen anleiten und dementsprechend zu einer konsequenten Respektierung ihrer elementaren Lebensinteressen.


Über unsere Ziele und Strategie:

Wir wollen das Thema Tierrechte-Ethik von Grund auf angehen. Wir wollen aus der Position des unparteiischen Beobachters die Fragen stellen, ob der Mensch das Tier als "Nutzungsobjekt" und Eigentum betrachten darf, und ob die Forderung nach einem ethischen Tierumgang überhaupt zu rechtfertigen ist. Wir wollen mit Hilfe der durch unsere Arbeit gewonnenen Erkenntnisse die bereits bei vielen Menschen bestehende Einsicht, dass es dringender denn je einer universalen Ethik bedarf, welche die grundlegenden Interessen und Bedürfnisse unserer tierlichen Mitlebewesen respektiert, zu einem globalen Bewusstsein erweitern, durch welches dem Menschen auch die Grenzen gesetzt werden, die für das Überleben aller Lebewesen auf der Erde unabdingbar sind. Diese universale Ethik soll sich dabei auf möglichst gesicherte philosophische und naturwissenschaftliche Erkenntnisse stützen.

Daher gehört es zu den vorrangigen Zielen des Arbeitskreises die existierenden Ethik-Konzepte zu analysieren, die sich mit der Frage des moralischen Status der Tiere und unserer gemeinsamen Umwelt beschäftigen. Wir wollen sie auf Wahrheitsgehalt, Angemessenheit und Verwertbarkeit für die Begründung unserer Zielsetzungen und Vorstellungen durchleuchten und sie gegebenenfalls mit eigenen Überlegungen zu einem neuen Konzept zusammenzufügen.

Dabei ist es notwendig, auch die etablierten ethischen und philosophischen Normen, Dogmen und Definitionen, die unsere Wertsetzungen und unser Wertebewusstsein im Laufe der Menschheitsgeschichte geprägt haben, kritisch zu überprüfen.

Ebenso wollen wir der Diskriminierung der Tiere in unserer Alltagssprache durch konsequentes Hinweisen entgegenwirken und diese beseitigen.

Unser Konzept soll eine Alternative zu der herkömmlichen und tierfeindlichen Moral-Philosophie werden und der Ausbeutungsmentalität unserer Gesellschaft entgegenwirken, die Glück und Lebensqualität in einem zweifelhaften Konsum- und Fortschrittsglauben verwirklicht sieht und dabei auf fremdes Leid und auf Naturzerstörung kaum Rücksicht nimmt. Durch die Aufdeckung der Mängel der etablierten Moral-Philosophien und ihrer Wertgrundlagen, durch die Beschreibung ihrer haltlosen und oft irrationalen Begründungen und Ansprüche und durch eine unmissverständliche Kritik soll auf die Notwendigkeit einer zeitgemäßen und universalen Ethik hingewiesen werden. Diese nicht nur auf den Menschen beschränkte Ethik soll neben einer breiten gesellschaftlichen Akzeptanz auch Eingang in den Gesetzeskodex finden.

Als Strategie zur Aufnahme der in unserem Konzept enthaltenen Forderungen in den Gesetzeskodex wählen wir die "Politik der kleinen Schritte". Der Arbeitskreis bekennt sich damit für den Weg der "Reform und Abschaffung".

Um rasche Erfolge zu erzielen, plädieren wir außerdem für die Bündelung sämtlicher Kräfte aus der Tierrecht-, Tierschutz- und Naturschutzbewegung.

Da Tierausbeutungsformen wie die so genannte "Nutztierhaltung", die Verwendung von Tieren zu pseudowissenschaftlichen Versuchen oder der "Jagdsport" mit der Wahrung ihrer Lebensinteressen unvereinbar sind, besteht unter größtmöglicher Berücksichtigung der dadurch betroffenen Tiere eines unserer wichtigsten Ziele in der Hinwirkung auf die Etablierung einer Gesellschaft, die sich rein pflanzlich ernährt und auch von der Verwendung anderweitiger Tierprodukte Abstand nimmt. Dies stellt unserer Meinung nach die Grundvoraussetzung zur Umsetzung einer gerechten, universalen Ethik und einer friedfertigen Lebensweise dar.

Als anzustrebendes Fernziel betrachten wir die Proklamation einer "Charta der Tierrechte" durch die Vereinten Nationen und deren Übernahme in die Verfassungen aller Völker der Erde. Diese "Charta der Tierrechte" soll neben der Respektierung der elementaren Lebensinteressen der Tiere auch den Schutz ihrer jeweiligen natürlichen Lebensräume einfordern. Wir wollen durch unsere Arbeit einen Beitrag für dieses heute noch utopisch erscheinende Ziel leisten.


Zusammenfassung der Arbeitsthemen und Ziele:

Wir wollen im Einzelnen:


durch die Ausarbeitung eines universalen Ethik-Konzeptes eine philosophische Grundlage für die moralische Berücksichtigung der Tiere schaffen,

der Tierrechtsbewegung (Bewegung für Tierrechte) solide Argumente, Beurteilungen und philosophische Ausarbeitungen für ihre gedankliche Auseinandersetzung mit ethischen Grundsatzfragen anbieten,

allen interessierten Organisationen, Gruppen und Personen als Ansprechpartner für tierrechts- und tierschutzrelevante Fragen zur Verfügung stehen und im Rahmen unserer Möglichkeiten Tierrechtsaktionen unterstützen oder initiieren,

in einen ständigen Dialog und Informationsaustausch mit anderen in Tierrecht- oder Tierschutzfragen aktiven Organisationen, Gruppen oder Personen treten und mit diesen kooperieren,

mit Philosophen, die sich mit dem moralischen Status der Tiere in unserer Gesellschaft beschäftigen, einen konstruktiven Gedankenaustausch pflegen und zusammenarbeiten,

Öffentlichkeitsarbeit durch Stellungnahmen, Leserbriefe, medienwirksame Aktionen und durch den Aufbau einer umfangreichen TR-Homepage betreiben

und einen konstruktiven Dialog über Tierrechte und Ethik mit Politik, Wissenschaft, Kirche, Wirtschaft und Medien führen.


Weitere Ziele können dieser Agenda hinzugefügt werden. Unter Umständen können bereits erklärte Zielsetzungen z. B. im Falle von personellen Engpässen gestrichen werden.

Arbeitskreis Tierrechte & Ethik - A.K.T.E. / 01.01.2002



Positionen



Ausgangspunkte und Schlussfolgerungen

Vorbemerkungen

Ausgangspositionen für unsere Arbeit

Strategie und Kurs

Kooperation und Zweckbündnisse

Unser Argumentationsstil

Tierproduktfreier Konsum

Der A.K.T.E.- Kaplan-Konsens

Generelles zu unseren Aussagen

Vorbemerkungen


Der Mensch hat im Lauf der Evolution kraft seiner zunehmenden Kognitionsfähigkeit die Spitzenposition in der Nahrungskette eingenommen. Durch den Gebrauch des Feuers, durch die Herstellung primitiver Werkzeuge und Waffen und durch ausgefeilte Jagdmethoden wurde er zur dominierenden Spezies auf diesem Planeten. Ackerbau und Domestikation von Wildtieren (neolithische Revolution) am Ende der Jungsteinzeit vor rund 10.000 Jahren besiegelten endgültig seine Vormachtstellung in der Natur. An diese Vormachtstellung mit dem gleichzeitigen Herrschaftsanspruch über die Erde und ihre übrigen Bewohner hat sich bis in unsere Tage grundsätzlich nichts geändert.

Aber im Gegensatz zu den prähistorischen Vorfahren sind heute die meisten Menschen nicht mehr auf das Fleisch von Tieren und auf andere Tierprodukte zum Überleben angewiesen, da wohlschmeckende und gesunde pflanzliche Nahrungsmittel über den Bedarf hinaus vorhanden sind.

Trotzdem bleibt der größte Teil der Menschen seiner archaischen Ernährungsweise verhaftet. Das überreiche Angebot an pflanzlichen Nahrungsmitteln hat nicht zu einer Umstellung der Ernährungsweise geführt. Im Gegenteil, nie zuvor war der Konsum von Fleisch und anderen Tierprodukten so hoch wie in diesem Jahrhundert. Nie zuvor hat die Befriedigung menschlicher Interessen zu so viel Leid und dem Tod so vieler Tiere geführt.

In der Bundesrepublik Deutschland fallen pro Jahr rund 450 Millionen "Nutztiere" dem Konsumverhalten unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger zum Opfer. Dabei enthält diese erschreckend hohe Zahl nicht einmal Fische, Schalen- und Weichtiere, denn sie werden nur noch in Tonnen gerechnet. 250 Millionen Schlachttiere werden alljährlich Tausende von Kilometern kreuz und quer durch Europa transportiert, wobei sehr viele Tiere den Transport zum Schlachthof nicht überleben. Zusätzlich leiden und sterben Tiere (etwa 2.1 Millionen im Jahre 2001) Jahr für Jahr in den Laboren der Pharma-, Kosmetik- und Chemiekonzerne, in unseren Universitäten und Forschungseinrichtungen als anatomische Studienobjekte angehender Mediziner/innen oder für die Grundlagenforschung und darüber hinaus in der Kriegswaffenindustrie als Testobjekte zukünftiger Mordwerkzeuge.

Daneben fordert auch die Mode durch die Verarbeitung von Pelzen, Leder und Wolle einen hohen Tribut an Tierleben.

Selbst die Jagd, die in unserem Lande schon seit langer Zeit nicht mehr der überlebensnotwendigen Nahrungsbeschaffung dient, sondern vielmehr als fragwürdige, pseudosportliche Freizeitaktivität oder bestenfalls als Pflege einer uralten Tradition interpretiert werden muss, kostet pro Jahr rund 5 Millionen Wildtieren das Leben.

Die rigorose Tier- und Naturausbeutung verursacht aber auch beträchtliche negative Sekundärfolgen, denn der anthropogene Faunen- und Florenschnitt, das globale Aussterben von Tier- und Pflanzenarten, das sich mit atemberaubender Geschwindigkeit vollzieht, führt für die verbleibenden Tierarten oft zu massivem Leiden oder zu ihrem Tod, da ihre Lebensgrundlagen in dem empfindlichen Ökosystem Erde zerstört wurden.

All dies geschieht ohne zwingende Notwendigkeit, trotz ausreichendem Angebot an wohlschmeckenden, gesunden pflanzlichen Nahrungsmitteln, trotz alternativer Testmethoden, trotz des Vorhandenseins synthetischer und pflanzlicher Textilstoffe, Webpelzen und Lederimitaten und trotz der Möglichkeit, die Ressourcen der Erde verantwortungsvoll und ohne Leidverursachung für Menschen und Tiere zu nutzen.

Da wir an der Glaubwürdigkeit einer religiösen Legitimation zur Ausbeutung der Tiere und der Natur zweifeln, kommen wir auf Grund der oben beschriebenen Fakten zu dem Schluss, dass die Behandlung der Tiere durch den Menschen mit nichts zu rechtfertigen und mit einem großen Fragezeichen zu versehen ist.


Ausgangspositionen für unsere Arbeit

Wir gehen davon aus, dass die Evolution die vielfältigen Lebensformen auf unserem Planeten hervorgebracht hat, und dass alle Lebewesen einen gemeinsamen Ursprung haben. Wir sind deshalb der Überzeugung, dass auch die Unterschiede zwischen Mensch und Tier nur gradueller und nicht essentieller Natur sind, und dass diese Unterschiede wie etwa der Körperbau, die Anzahl der Beine, die Farbe und Beschaffenheit der Haut oder des Haarwuchses oder die Fähigkeit zu komplexem Denken oder der Gebrauch einer Sprache keine ausreichenden Begründungen sind, Tiere auszubeuten, zu misshandeln oder zu töten. Wir sind der Überzeugung, dass die ähnlichen elementaren Lebensinteressen und arteigenen Präferenzen und die Fähigkeit Schmerz oder Wohlsein bzw. Leid oder Glück zu empfinden und die Einzigartigkeit ihres Lebens und ihrer individuellen Erlebnisse es verbieten, gravierende Unterschiede in unseren Wertsetzungen und unserer moralischen Berücksichtigung zwischen Menschen und Tieren zu machen. Tiere sind nicht als bloße Werkzeuge oder reproduzierbare Ressourcen anzusehen und sollten nicht als solche missbraucht werden. Deshalb sollten die Interessen und Bedürfnisse bewusst lebender und nach Präferenzverwirklichung strebender, leidens- und empfindungsfähiger Individuen nicht für triviale Interessen des Menschen übergangen werden.

Wir sind der Meinung, dass ohne absolut zwingende Notwendigkeit der Mensch keine ethisch vertretbare Legitimation hat, Tiere auszubeuten oder zu töten und dementsprechend darauf verzichten sollte.

Wir glauben, dass die Forderung einer konsequenten Einbeziehung der Tiere in unsere Ethik und die moralisch gerechte Anerkennung ihrer vitalen Interessen und Bedürfnisse berechtigt ist.

Darüber hinaus sind wir überzeugt, dass auch eine angemessene ethische Berücksichtigung der Pflanzenwelt und der natürlichen Lebensräume angebracht ist, da die Erde die gemeinsame Heimstatt und Grundlage allen Lebens darstellt, die es im Hinblick auf das Wohlbefinden und Überleben ihrer Bewohner zu schützen und zu bewahren gilt.


Strategie und Kurs

Es ist leider festzustellen, dass einerseits qualitativ und quantitativ unvorstellbares Tierleid durch den Menschen tagtäglich verursacht wird, andererseits es dem Großteil unserer Gesellschaft heute noch an Einsicht und Bereitschaft mangelt, die furchtbare Situation, in der sich "unsere Nutztiere" befinden, konsequent durch die Abschaffung der unterschiedlichen Ausbeutungsformen zu beenden. Ein grundlegender Paradigmenwechsel in Beziehung auf den Tierumgang wird sich aller Voraussicht nach - wenn überhaupt - nur sehr langsam vollziehen. Wir werden das Unrecht, das den Tieren von den Menschen angetan wird, nicht mit einem einzigen Kraftakt beenden können. In der Geschichte der Tierschutz- und Tierrecht-Bewegung hat es aber genügend Beispiele gegeben, dass gerade die "kleinen Aktionen" zu einer Verbesserung der Lebensverhältnisse der betroffenen Tiere beigetragen und in der Bilanz zu einem spürbaren Interessenszuwachs für Tierschutz und Tierrecht in unserer Gesellschaft geführt haben.

Um wenigsten kleine Erfolge zu erzielen und damit das Leiden der Tiere zumindest partiell zu vermindern, halten wir es daher für absolut notwendig, nach der Strategie der "Politik der kleinen Schritte" vorzugehen und den Kurs der "Reform und Abschaffung" einzuschlagen.

Uns ist die Gefahr bewusst, dass durch "Reformen" die Einsicht in das grundsätzliche Unrecht möglicherweise erschwert werden kann, aber als kategorischer Imperativ gilt für uns, dass die unmittelbare Leidensverminderung Vorrang hat.

Wir wissen auch, dass wir uns innerhalb der Tierrechtsbewegung womöglich durch eine Politik, die das unmittelbare Leid vorrangig behandelt, leicht ins Abseits manövrieren können. Es kann auch durchaus vorkommen, dass unsere Motive unbeabsichtigt falsch interpretiert werden. Diese Vorwürfe weisen wir hiermit zurück, denn es geht uns nicht darum, durch unseren Kurs persönlichen trivialen Interessen Vorschub zu leisten, sondern einzig und allein um die Beendigung oder Verminderung des Leidens der Tiere und Menschen. Zur Überprüfung unserer Positionen beachten wir den wichtigen Grundsatz der Universalisierbarkeit ethischer Urteile, der darin besteht, dass wir unsere Aussagen auch dann aufrechterhalten würden, wenn die Betroffenen anstatt der Tiere Menschen wären. Denn: "Was für einen richtig ist, muss auch für jeden anderen mit ähnlichen individuellen Voraussetzungen und unter ähnlichen Umständen richtig sein." (Dietmar von der Pfordten: Ökologische Ethik. Rowohlt, 1996, S. 187)

Die Strategie der "Politik der kleinen Schritte" und der Kurs "Reform und Abschaffung" halten durchaus einer solchen Überprüfung stand.

Denn: Wenn es um Menschen und Menschenleid ginge, stünde es außer Frage, wie unsere Entscheidung ausfallen würde. Beispielsweise behandelt ein redlicher Arzt, der sich seinem hippokratischen Eid verpflichtet fühlt auch den zum Tode verurteilten Kranken, um ihm eine Linderung seiner Schmerzen zu verschaffen. Und wir treten auch dafür ein, dass der Verurteilte vor der Urteilsvollstreckung "menschenwürdig" behandelt wird, dass ihm Schmerzen erspart bleiben, auch wenn es uns unmöglich ist, seine Hinrichtung zu verhindern.

Wer lauthals gegen Speziesismus wettert, aber den Grundsatz der Universalisierbarkeit leichtfertig übergeht, ist weit von einer gerechten Ethik entfernt. Er führt damit den Tierrechtsgedanken schlichtweg ad absurdum, weil er nach wie vor gravierende Unterschiede zwischen Menschen und Tieren macht. Wer ausschließlich auf Abschaffung pocht und grundsätzlich Reformen aus ideologischen oder strategischen Gründen ablehnt, dem ist die eigene auf Papier geschriebene Ethik und die selbstgerechte Glaubwürdigkeit wichtiger als eine Verminderung des Leidens der betroffenen Tiere. Ideologien und an ethischen Grundsätzen überquellende Papierseiten schreien nicht, wenn sie misshandelt werden; sehr wohl aber empfindungsfähige Lebewesen. Wer sich aus fadenscheinigen Gründen hier verweigert, auf den treffen die Worte von Friedrich Nietzsche zu: "Alles ist auf das Selbst gerichtet, jeder Dienst dient dem Selbst, jede Liebe ist Selbstliebe."

Für unsere Entscheidung zur Strategie der "Politik der kleinen Schritte" spielen also nicht nur die Tatsache einer auf Tierausnutzung beharrenden Gesellschaft und die daraus resultierende Unmöglichkeit einer raschen Verwirklichung unserer Ziele eine Rolle, sondern auch gewichtige ethische Aspekte.

"Wir müssen zu allen Zeiten und auf allen Ebenen alles Mögliche tun, um das Leiden zu verringern und das Unrecht zu beenden." (Dr. Helmut F. Kalplan)

Um diese Position mit einem Beispiel ganz deutlich zu machen, greifen wir auf eine Diskussion zwischen Tom Regan, Ingrid Newkirk und Gary Francione ( "Animals' Agenda" Jan./Febr. 1992) zurück. Die Frage lautete: "Sollen Tierrechtler eine Kampagne zur Reform der Regelungen in Schlachthöfen unterstützen, die darauf abzielt, dass die Tiere, die auf das Schlachten bis zu drei Tage lang warten, während dieser Zeit Wasser (Nahrung wurde nicht erwähnt) erhalten? Durch diese Kampagne bestünden berechtigte Aussichten auf Erfolg."

Wir sind der Überzeugung, dass wir gemäß der Strategie der "Politik der kleinen Schritte" und der Maxime "Reform und Abschaffung", für eine Reform der Schlachthofbedingungen aktiv werden sollten, weil die Frage nicht lautet: schlachten oder nicht schlachten, sondern tränken oder nicht tränken. Der augenblickliche Durst der Tiere muss absoluten Vorrang vor allen anderen zukünftigen Aspekten haben.

Abschließend ist zu bemerken, dass strikte "Alles-Oder-Nichts-Propagandisten" in Bezug auf den realen Tierumgang unserer Gesellschaft häufig nichts außer Ablehnung erreichen. Große Worte und Maximalforderungen helfen den ausgebeuteten Tieren wenig, wenn sie so realitätsfern sind, dass sie von der Gesellschaft nicht ernst genommen werden.



Kooperation und Zweckbündnisse


Aus unserer Strategie ergibt sich noch eine andere Konsequenz bezüglich unserer Vorgehensweise. Es wird nämlich dadurch auch die oft gestellte Frage geklärt, ob man als konsequenter Tierrechtler prinzipiell mit Tierschutz- und Tierrechts-Organisationen oder mit im Tierschutz und Tierrecht aktiven Personen kooperieren sollte, auch wenn deren Standpunkte in wichtigen ethischen oder weltanschaulichen Grundsatzfragen von den eigenen Vorstellungen abweichen. Wir vertreten die Position, dass wir zur Erreichung eines spezifischen Einzelzieles oder eines strategischen Teilschrittes im Rahmen unseres Gesamtkonzeptes eine Zusammenarbeit oder ein Bündnis mit Organisationen oder Einzelpersonen befürworten, auch wenn deren Zielsetzungen und ethische Grundaussagen von den unseren abweichen, wenn aber durch ein solches Bündnis oder durch eine solche Zusammenarbeit die berechtigte Aussicht besteht, das Leiden der Tiere zu vermindern oder eine vorübergehende Verbesserung der Lebensbedingungen der betroffenen Tiere zu bewirken.

Eine Befürwortung der Zusammenarbeit mit Organisationen, die vor allem auf punktuelle Verbesserungen der Lebensbedingungen der betroffenen Tiere hinarbeiten oder nur auf eine Humanisierung der Haltungs- oder Tötungsmethoden Wert legen, jedoch die Tierausbeutung im Ganzen nicht als abzulehnendes Unrecht anerkennen, bedeutet unserer Meinung nach keinen Verrat an dem Tierrecht-Gedanken.

Im Gegenteil, wir sind der Auffassung, dass diejenigen, die aus angeblich ethischen Gründen eine Zusammenarbeit oder ein Bündnis mit solchen Organisationen oder Einzelpersonen strikt ablehnen, eine Ethik verfechten, die auf tönernen Füßen steht. Um einen Krieg gegen einen übermächtigen Gegner zu gewinnen, zieht man auch mit jenen Alliierten in eine Schlacht, die im eigenen Lande selbst noch die Tyrannen sind.

Wenn sich uns die Möglichkeit bietet, das Leiden der Tiere zu vermindern, und sei es dadurch, dass wir mit Fehlgeleiteten oder Andersdenkenden zusammenarbeiten, dann sehen wir es als moralische Verpflichtung an, diese Chance wahrzunehmen. Unser erklärtes ethisches Fernziel, die Etablierung einer Gesellschaft, die auf jeglichen Konsum von Fleisch und anderen Tierprodukten verzichtet, verlieren wir deshalb nicht aus den Augen. Auf das fundamentale Unrecht der Tierausbeutung können wir unabhängig von dem spezifischen Ziel eines gemeinsamen Vorgehens hinweisen, so dass sich ein doppelter Gewinn ergeben würde: eine unmittelbare Verminderung des realen Leidens der betroffenen Tiere im Erfolgsfall und die Verbreitung unserer Argumente für eine gerechte Ethik in Bezug auf das Mensch-Tier-Verhältnis.

Die Gefahr, dass wir durch eine Kooperation mit Fehlgeleiteten und Andersdenkenden die Tierrechtsbewegung unterminieren, ist zum heutigen Zeitpunkt übertrieben und irrational, da der Anteil derjenigen Menschen in unserer Gesellschaft, die sich für den Tierrechtsgedanken aktiv einsetzen, prozentual sehr klein ist. Die Weigerung einer Zusammenarbeit mit Andersdenkenden aus Protest- und Glaubwürdigkeitsgründen entspringt vielmehr nur dem selbstgefälligen Elitedenken einer realitätsfernen und verschwindend kleinen Gruppe von Fundamentalisten. Das Motiv ihrer Verweigerung ist im Grunde genommen nur die Eitelkeit und der Starrsinn, einmal aufgestellte Prinzipien zugunsten pragmatischer Kompromisse öffentlich nicht revidieren zu wollen. Dabei ist das Augenmerk unverständlicherweise hauptsächlich auf die Tierrechtsbewegung gerichtet, obwohl die Tierrechte missachtende Gesellschaft eine Korrektur kaum zur Kenntnis nehmen würde.

Erfolgreiche Zweckbündnisse in der Vergangenheit haben bewiesen, dass rational denkende Tierrechtler/innen, sich ohne Glaubwürdigkeitsverlust zu der Position einer prinzipiellen Kooperationsbereitschaft bekennen können. Aber selbst wenn es wider Erwarten zu einem Verlust der Glaubwürdigkeit innerhalb der Tierrechtsbewegung kommen sollte, wäre dies eine unbedeutende Nebensächlichkeit, wenn auf der anderen Seite das Leiden unserer Mitlebewesen vermindert werden könnte. Denn Tierrechtsarbeit dient der Leidensverminderung, nicht dem Selbstzweck, nicht der Eitelkeit und nicht der Profilierungssucht.

Und schließlich und endlich: Wir wollen nicht die "Heiligen" bekehren, sondern die "Heiden". Ein Verlust an Glaubwürdigkeit innerhalb der Tierrechtsbewegung wird kaum Einfluss auf den Erfolg oder Misserfolg unserer Überzeugungsarbeit in einer Gesellschaft haben, die sich kaum mit Tierrechten oder der Tierrechtsbewegung befasst. In Wahrheit verliert derjenige aber seine Glaubwürdigkeit, der um der Glaubwürdigkeit willen nicht bereit ist, auch nur den kleinsten Strohhalm zu ergreifen, der zu einer - wenn auch nur punktuellen - Verbesserung der Lebensbedingungen der Tiere führen könnte.



Unser Argumentationsstil


Das Wort ist unsere Waffe, und mit stumpfer Klinge lassen sich kaum Siege erringen. Deshalb sollten auch unsere Worte nicht der notwendigen Schärfe entbehren. Es ist selbstverständlich, dass sich bei einem so kontroversen und vielschichtigen Thema Konfrontationen und verbale Eskalationen nicht immer vermeiden lassen. Aber wir sollten uns stets unserer Diskussionskultur besinnen und uns rationaler Argumente bedienen. Unsere Argumentationsmethode, unsere Sprache und unsere Diskussionskultur sollten nicht in Dissonanz mit unserem Verständnis einer anzustrebenden Ethik stehen. Unsere Ethik wird nämlich auch daran gemessen, ob sie sich im menschlichen Miteinander als tauglich erweist. Wir sollten mit Herz und Verstand auftreten und in unseren Argumenten und unserem Argumentationsstil den Intellekt und den Wissensstand des jeweiligen Adressaten unserer Botschaft berücksichtigen.

Wissenschaftlichkeit und Allgemeinverständlichkeit sollten stets gleichermaßen berücksichtigt werden, und sei es durch eine zweigleisige Vorgehensweise. Unsere Aussagen sollten vor allem zum Nachdenken anregen, nicht verletzen und stets Freiraum für einen weiteren Dialog offen lassen. Ist es aber offensichtlich, dass die vorgebrachten Argumente, Fakten und Schlussfolgerungen schlichtweg aus egoistischen Motiven ignoriert werden und keine Aussichten auf Konsens oder zumindest auf eine Annäherung bestehen, dann betrachten wir es auch durchaus als legitim, zu einem provozierenden Diskussionsstil überzugehen.

Die moralische Verwerflichkeit des Konsums von Fleisch und anderen Tierprodukten wie Milch, Milcherzeugnisse, Eier, Wolle, Pelz, Leder und dergleichen mehr steht für uns ganz klar außer Frage. Aber es ist strategisch und psychologisch unklug, dem speziesistisch geprägten Menschen permanent mit der "moralischen Keule" zu drohen oder ihm sogar moralische Minderwertigkeit vorzuwerfen. Wir müssen endlich begreifen, dass wir leider nicht die Macht besitzen, unsere Forderungen dieser Gesellschaft zu diktieren. Und solange es nicht möglich ist, unsere Vorstellungen bezüglich einer ethisch korrekten Behandlung der Tiere juristisch einzuklagen, bleiben wir die Bittsteller in einer tierfeindlichen Gesellschaft. Chancen zu einem Erfolg versprechenden Dialog werden in den meisten Fällen durch die Anwendung der "Holzhammermethode" schnell zunichte gemacht.

Dabei besitzen wir genügend stichhaltige Argumente, um zu überzeugen, ohne uns dieser Methode bedienen zu müssen.

Es kommt aber letztendlich darauf an, wen wir vor uns haben. Es geht nicht darum, ob es sich um Täterschaft, Mittäterschaft oder Anstiftung handelt. Es geht auch nicht darum, ob ein ethisch relevanter Unterschied zwischen einem Mord an Menschen oder einem Mord an Tieren tatsächlich besteht oder nicht, oder ob diese Wortwahl berechtigt oder unberechtigt ist. Wichtiger als auf diese Begrifflichkeiten Wert zu legen, ist es doch, Menschen die Einsicht zu vermitteln, dass für ihren Konsum ein Tier ohne zwingende Notwendigkeit und bar jeder ethischen Rechtfertigung gequält und getötet wurde. Und um diese Erkenntnis zu vermitteln, bedarf es in der Regel eines sachlichen und informativen Gespräches.

Die Frage lautet also: Welcher Argumentationsstil bringt uns weiter im Gespräch?

Es gibt subtile Formulierungen, die faktisch den gleichen Gedanken zum Ausdruck bringen, aber den Gesprächspartner nicht so brüskieren, dass er zu einem weiteren Dialog nicht mehr bereit wäre. Außerdem können wir nicht ausschließen, dass auch Kinder oder Jugendliche eine solche Diskussion mitverfolgen oder unsere Druckschriften und Internet-Seiten lesen. Wir sollten uns bewusst machen, dass wir junge Menschen mit Pauschalverurteilungen möglicherweise zu Trotzreaktionen verleiten, und dass psychische Folgen eintreten können, wenn sie sich als Tiermörder oder Tiertotschläger ungerecht beschimpft fühlen. Da sie in der Regel von Erwachsenen, meist von den Eltern, zum Verzehr von Tierprodukten animiert oder sogar gezwungen werden, ist es ohnehin ethisch nicht zu vertreten, ihnen Schuldgefühle zu induzieren. Außerdem können wir Kindern bis zu einem bestimmten Alter keine oder nur eine eingeschränkte Urteils- und Moralfähigkeit zusprechen. Auch dies sollte berücksichtigt werden. Die "Schuld" trifft nicht die Kinder, sondern die Gesellschaft, in der sie aufwachsen und an der sie sich orientieren.

Es existieren also gute Gründe für eine gemäßigte und nuancierte Ausdrucksweise.

In einer sachlich geführten Diskussion mit dem "Normalkonsumenten" von Tierprodukten sollten wir auf die Verwendung persönlich verletzender Begriffe wie Tiermörder oder Tiertotschläger und dergleichen mehr verzichten. Gegenüber den Betreibern der Ausbeutungs-Maschinerie und ihren Lobbyisten, also gegenüber den tatsächlichen Tätern und Mittätern ist jedoch eine härtere Gangart erforderlich. Wir sollten uns aber aus strategischen Gründen der satirischen Formulierungsweise bedienen. Satirische Texte oder illustrierte, satirische Flugblätter und dergleichen mehr bieten die Möglichkeit mit psychologisch durchdachten "Tiefschlägen" zu operieren, die vor allem auf die menschliche Eitelkeit abzielen.

Weil der Mensch aber auf Grund seiner angeborenen Eitelkeit es in der Regel vermeiden wird, das gesellschaftlich akzeptierte - ja sogar geforderte Maß an Selbstironie und Humor - vermissen zu lassen, können auch polemische und harte Töne angeschlagen werden, ohne gleich befürchten zu müssen, dass der Angesprochene sich brüskiert fühlt und eine weiterführende Diskussion ablehnt.

Gegenüber politischen Entscheidungsträgern empfehlen sich größtmögliche Diplomatie im Dialog und realitätsnahe Forderungen neben einer radikalen Aufdeckung der Missstände.



Tierproduktfreier Konsum


Es sollte jedem/r Tierrechtler/in klar sein, dass ein tierproduktfreies Leben in unserem Land fast unmöglich ist. Es werden nämlich drei Probleme meistens verschwiegen! Eine tatsächliche Abkopplung aus dem bestehenden Ausbeutungssystem ist kaum möglich, weil auch durch einen tierproduktfreien Konsum indirekt dazu beigetragen wird, dass auf Grund der Steuer- und Subventionspolitik und undurchschaubarer wirtschaftlicher Verflechtungen dieses Unrechtssystem als Ganzes erhalten bleibt und auch von dem eigenen Konsumverhalten profitiert. Der Konsum von herkömmlich oder ökologisch angebautem Obst und Gemüse ist in vielen Fällen nicht notwendig mit weniger erkauftem Tierleid (Pestizide, Herbizide, Dung, Blutspan etc.) verbunden, als der Konsum einiger nach streng veganer Definition erzeugter Produkte. Die von einigen Hardlinern mit größtem Einsatz angestrebte und verteidigte "Reinheit" ist eine Illusion. Dennoch wird jede mögliche Propagierung eines für alle Menschen alltagstauglichen tierproduktfreien Konsums mit etablierten alternativen Lebensmitteln strikt abgelehnt und verurteilt.

Wer soll entscheiden welcher Aufwand für das Vermeiden welcher fraglichen Menge an Tierprodukten in Nahrungsmitteln zu betreiben ist, um den Tierrechtsgedanken im eigenen Verhalten auch umzusetzen?

Wenn es keine klaren Grenzen gibt, ist auch eine vorschnelle Verurteilung all jener äußerst bedenklich, die dem Prinzip des "Vermeidens des Vermeidbaren" noch nicht ganz gerecht werden. Diskussionen, die weniger den Tieren als vielmehr der Verteidigung theoretischer Konzepte dienen, sind kontraproduktiv für eine rasche Verwirklichung des Tierrechtsgedankens und für eine reale Verbesserung der Lebensverhältnisse der betroffenen Tiere.

Die Gefahr, das zarte Pflänzchen durch "ideologische Überdüngung" zum Verdorren zu bringen, erscheint vielen Hardlinern nebensächlich, solange nur der Glaube an die moralische Überlegenheit unangetastet bleibt. Der Verdacht ist berechtigt, dass es dieser Gruppe in erster Linie um die "Reinheit" moralischer Grundsätze und die Zugehörigkeit zu einer elitären Minderheit geht, aus der ein überlegenes Selbstwertgefühl erwächst, als um reale Veränderungen im Tierumgang unserer Gesellschaft.

Die stete Hervorhebung ihrer Ernährungsweise ähnelt unbewussten Kompensations- und Sublimierungsmustern, als ob der Verzicht auf Tierprodukte für sie ein so großes Opfer bedeuten würde, dass das Gefühl, sich ethisch korrekt zu verhalten nicht mehr ausreicht und als zusätzliche Kompensationen für den Verzicht auf den "Zungenkitzel" ihrer vorveganen Zeit ein elitäres Selbstgefühl und eine radikale moralische Abgrenzung sowohl zu den Fleischessern als auch zu den Ovo-Lakto-Vegetariern vehement angestrebt wird.



Der A.K.T.E.- Kaplan-Konsens
Kursvorgabe zur Vegetarismus/Veganismus-Debatte



Der Aufsatz "Müssen Tierrechtler Veganer sein?" des Tierrechte-Philosophen Dr. Helmut Kaplan führte im Spätsommer des Jahres 2002 zu einer erneuten Eskalation der seit längerer Zeit schwelenden Vegetarismus-Veganismus-Debatte. Die im Internet kursierenden News und E-Mails diesbezüglich waren alles andere als geeignet, die Tierrechtsbewegung im deutschsprachigen Raum, aber auch über die Grenzen hinaus als eine geschlossene Front gegenüber der Tierausbeutungsgesellschaft erscheinen zu lassen. Da wir mit Helmut Kaplan auch damals schon in regem Gedankenaustausch standen, fokussierten wir unsere Gespräche auf dieses hoch brisante Thema, um zusammen mit ihm über die Problematik von Grund auf erneut zu diskutieren. Unser gemeinsamer Wunsch bestand darin, eine akzeptable Lösung zu finden, die einerseits zu einer Entschärfung der destruktiven Auseinandersetzungen innerhalb der Tierrechtsbewegung und der Tierschutz-Szene beitragen sollte, und die andererseits alle ethischen Aspekte, aber auch die politisch-gesellschaftlichen Fakten angemessen berücksichtigt. Wir wollen nicht verschweigen, dass hierbei pragmatische und ethische Gesichtspunkte sich gegenüberstanden und uns eine befriedigende Lösung zeitweise fast unmöglich erschien.

Dank eines sehr offenen und intensiven Gedankenaustausches, der über das übliche Maß einer Kooperation in philosophischen Grundsatzfragen hinausging, erreichten wir zum Jahresende Annährungspunkte, die zu einem tragfähigen Konsens während seines Besuches von Helmut Kaplan in Saarbrücken sich verdichteten. Dieser Konsens soll als Basis für eine fortzuführende und vertiefende Beschäftigung mit diesem Thema dienen, und eine gedankliche Richtschnur für die momentane Beurteilung und Vorgehensweise darstellen, die von allen rational denkenden Vegetariern und Veganern, von Tierrechtlern und "traditionellen Tierschützern" gleichermaßen akzeptiert werden kann.



Folgende Gedankengänge bildeten die Prämissen für den erzielten Konsens:

Leben vollzieht sich stets auf Kosten anderen Lebens. Die Welt wird daher immer eine Werkstatt des Leidens bleiben, eine um ihre Achse rotierende Folterkammer, ein Tummelplatz gequälter und geängstigter Wesen.
(A. Schweitzer, A. Portmann, U. Horstmann, A. Schopenhauer)

Der Mensch ist auf Grund seines speziesistischen Denkens und Handelns maßgeblich an dieser Situation mitschuldig. Ob tatsächlich eine realistische Chance besteht, die Menschen nachhaltig zu bessern, sie zu moralischen Wesen zu machen, ist äußerst fraglich. Es spricht einfach nichts dafür, dass der Mensch noch einmal zur Vernunft, geschweige denn zur Moral käme.
(H. F. Kaplan aus "Wozu Ethik?")

Der Mensch wird vielleicht für immer ein moralisches Mangelwesen bleiben, weil seine angeborenen Egoismen einer moralischen Grundhaltung entgegenwirken. Mit heroischer Resignation akzeptieren wir, dass die Kluft zwischen Sein und Sollen in der heutigen Entwicklungsphase der Menschheit unüberbrückbar ist. Die Distanz zwischen der Realität und der Utopie einer moralischen Welt nötigt uns zur Bescheidenheit. Dadurch relativieren sich aber auch unsere Ansprüche auf eine konsequente Verwirklichung einer Menschen und Tiere berücksichtigenden, gerechten Ethik zu dem bescheidenen Wunsch nach einer erträglicheren Welt, nach einer Welt mit weniger Tier- und Menschenleid. Jedes Denken, das heute darüber hinausgeht, ist Illusion oder Selbsttäuschung.

Deshalb glauben wir, dass wir die Welt zwar nicht gut, aber zumindest weniger schlecht machen können, zwar nicht dauernd, aber vorübergehend.
(Magnus Schwantje)

Die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen hier und heute sind nicht geeignet, um alle Aspekte einzufordern, die sich aus einer Tiere und Menschen gleichermaßen berücksichtigenden Ethik ergeben. In der heutigen Situation können ethisch berechtigte Maximalforderungen den angestrebten Paradigmenwechsel in unserer Gesellschaft auch verzögern.

Die Grausamkeiten, die Tiere durch den Menschen erdulden müssen, sind qualitativ und quantitativ so massiv, dass jede Mithilfe, jede Art von Unterstützung und alle Teilerfolge immens wichtig sind, die zu einer Reduzierung oder zur Beendigung des Leidens der betroffenen Tiere führen. Es kommt deshalb auf jede "gute Tat" an. Damit sollte auch das Engagement jener Tierschützer/innen und Tierfreunde/innen in einem neuen Licht gesehen werden, die selbst zwar noch nicht den ethischen Idealzustand in ihrem eigenen Tierumgang oder ihrer Ernährungsweise erreicht haben, deren Aktivitäten jedoch das Leben von Millionen von Tieren in Tierheimen oder Auffangstationen rund um den Globus erträglicher werden lässt, oder die im Rahmen ihrer Möglichkeiten aktiv gegen Tierversuche, Tiertransporte oder Jagd ankämpfen. Die Forderung einiger Tierrechtler/Innen zur moralischen Abgrenzung bzw. Ausgrenzung dieser Tierschützer und Tierfreunde und ihre permanente Diskreditierung ist verantwortungslos, denn sie schadet auch jenen Tieren, die von dem Engagement dieser Menschen profitieren. Angesichts der Übermacht der Ausbeutungsgesellschaft, für die Tiere nichts anderes als reine "Nutzungsobjekte" sind, kann es uns nur durch eine Politik der kleinen Schritte und der gleichzeitigen Bündelung aller Kräfte aus der Tierrechtsbewegung, der Tierschutzbewegung und des Naturschutzes gelingen, das unbeschreibliche Leiden der Tiere zu reduzieren und irgendwann einmal in ferner Zukunft zu beenden.


Der erzielte Konsens:

Wenn ein Mensch aus ethischen Gründen auf Fleisch verzichtet und zu einer ovo-lakto-vegetarischen Ernährung übergeht, dann zeigt dies, dass ein grundsätzliches Einsehen in die Ungerechtigkeit der Tierausbeutung sich abzeichnet. Dies kann der erste, entscheidende Schritt zu einem ethischen Tierumgang bedeuten. Denn hat ein Mensch erst einmal begonnen, seine Grundeinstellung zu den Tieren zu hinterfragen und erkannt, dass sein Fleischkonsum moralisch nicht zurechtfertigen ist, so wird er sich den logischen Schlussfolgerungen bezüglich der Leidensverursachung durch eine ovo-lakto-vegetarische Ernährungsweise auf Dauer auch nicht entziehen können.

Wir berücksichtigen auch die Tatsache, dass nachweislich die meisten Menschen, die eine tierproduktfreie Ernährungs- und Lebensweise übernommen haben, sich zuvor für eine mehr oder weniger lange Zeitspanne ovo-lakto-vegetarisch ernährten. Der Ovo-Lakto-Vegetarismus ist in der Regel das Sprungbrett zu einem tierproduktfreien Konsumverhalten.

Deshalb schlagen wir vor, unisono den "Vegetarismus/Veganismus" zu propagieren, aber gleichzeitig und ausdrücklich aufmerksam zu machen, dass auch der Ovo-Lakto-Vegetarier durch seinen Konsum noch zu massivem Tierleid beiträgt. Der Ovo-Lakto-Vegetarismus kann aus diesem Grunde nicht als das endgültige ethische Ziel betrachtet werden.

Es ist deshalb notwendig, den Ovo-Lakto-Vegetarier davon zu überzeugen, dass seine momentane Ernährungsweise lediglich als eine Übergangsphase zu einem anzustrebenden tierproduktfreien Konsum begriffen werden sollte. Diese Überzeugungsarbeit vollzieht sich dergestalt, dass wir immer und immer wieder auf die ungerechten und grausamen Lebensbedingungen der betroffenen Tiere hinweisen, die zur Produktion von Milch, Eier, Honig, Wolle, Pelz, Leder und dergleichen mehr missbraucht werden. Wir wollen behutsam die Menschen ermutigen, Schritt für Schritt ihre Ernährungs- und Lebensweise so zu gestalten, bis eine gerechte moralische Berücksichtigung der elementaren Lebensinteressen der Tiere erreicht ist.

Die Vielfalt gleichberechtigter, nebeneinander bestehender Gruppierungen mit unterschiedlichen Graden in der Radikalität bzw. in der konsequenten Forderung nach einem tierproduktfreien Konsumverhalten ist für die Tierrechtsbewegung wichtig. Sie ist ein Spiegelbild der verschiedenen Meinungen, Ideen und Werte und ermöglicht dem Einzelnen, sich in derjenigen Gruppierung zu engagieren, die seinem momentanen ethischen Entwicklungsstand in Sachen Tierrechte entspricht. Dieser Pluralismus wirkt sich förderlich aus, solange die historischen Ziele der Tierrechtsbewegung verfolgt werden. Selbstverständlich bleibt es den einzelnen Gruppierungen der Tierrechtsbewegung überlassen, eigene Schwerpunkte zu setzen und je nach ihrer Sichtweise einen mehr oder weniger radikalen bzw. konsequenten Weg zu einem ethischen Tierumgang zu favorisieren und zu propagieren.

Die Glaubwürdigkeit unserer Ziele und unserer Ethik hängt aber von der eigenen Umsetzung unserer Forderungen und Ziele ab, von der eigenen moralischen Berücksichtigung der Lebensinteressen der Tiere. Vor allem die Tierrechtler/Innen, die leitende Positionen in Tierrechts-Organisationen oder Vereinen innehaben, oder die im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen, sollten sich stets ihrer Verantwortung als Vorbild bewusst sein und sich eine rational vertretbare tierproduktfreie Ernährungs- und Lebensweise zu Eigen machen.

Wir sollten das Wort "Tierrechtler/in" nicht zu einem Synonym für eine elitäre Minderheit machen. Die Inanspruchnahme dieses Begriffes sollte nicht an überstrenge Vorbedingungen geknüpft sein, die von vielen im Tierschutz und Tierrecht engagierten Menschen auf Anhieb nicht zu erfüllen sind. Die Tierrechtsbewegung ist noch so verschwindend klein, dass sie auch als "geistige Heimat" all jenen Menschen offen stehen sollte, die sich zwar grundsätzlich zu dem Tierrechtsgedanken bekennen, auch wenn sie ihn selbst noch nicht bis zur letzten Konsequenz umgesetzt haben.

Die Vegetarismus-Veganismus-Debatte mit spektakulären Auseinandersetzungen und Streitereien wird die Tierrechtsbewegung im Ganzen nicht weiterbringen. Angesichts des massenhaften Tierleides sollten wir sie jetzt beenden und uns wieder unseres tatsächlichen Feindes besinnen, zwar getrennt marschieren, aber vor allem gemeinsam schlagen.

Wir sind der Überzeugung, dass in der heutigen Phase der Tierrechtsbewegung dieser Kompromiss, der nur eine momentane und vorläufige Lösung in der Vegetarismus-Veganismus-Debatte darstellen kann, vielleicht dazu beiträgt, die kontraproduktiven Anfeindungen zwischen Vegetariern und Veganern zu beenden, den Weg zu einem ethischen Tierumgang für viele Menschen zu erleichtern und eine Bündelung aller Kräfte aus Naturschutz, Tierschutz und Tierrechtsbewegung zu ermöglichen, was letztendlich der Reduzierung und der Beendigung der Ausbeutung der Tiere dienen wird.


Generelles zu unseren Aussagen

In unseren philosophischen und tierrechtsrelevanten Betrachtungen und Aussagen sind wir zwar bestrebt, uns der Wahrheit so weit wie möglich anzunähern, aber inwieweit damit eine absolute Wahrheit oder Wirklichkeit beschrieben wird, bleibt dahingestellt. Es wäre vermessen, für unsere Aussagen den Anspruch auf absolute Wahrheit geltend machen zu wollen.

Wir erheben aber Anspruch auf Gültigkeit für das, was wir jetzt kraft unserer Vernunft und mittels der uns zur Verfügung stehenden Beweise als eine vorläufige Annährung an die Wirklichkeit und Wahrheit erachten, bis das Gegenteil stichhaltig bewiesen ist. Denn wenn wir an dem Wahrheitsanspruch unserer Forderung nach einer gerechten moralischen Berücksichtigung der Tiere zweifelten und annehmen würden, dass die Grundlagen dafür sich nicht auf eine philosophische Wahrheit stützen könnten, dann wären unsere Bemühungen und Arbeit zwar emotional noch begründbar und zu vertreten, aber machten auf Dauer wohl wenig Sinn.

Der lebendige Prozess einer Annährung hat zur Folge, dass im Verlauf unserer Arbeit auch immer wieder neue Erkenntnisse und neue Vorstellungen berücksichtigt werden. Das bedeutet auch, dass unsere Texte, die wir auf dieser Homepage publizieren, nur das Ergebnis einer momentanen und vorläufigen Sichtweise widerspiegeln. Deshalb weisen wir ausdrücklich daraufhin, dass im Verlauf unserer gedanklichen Auseinandersetzung mit den vielfältigen Fragen der Tierrechtsethik und Moral-Philosophie und mit den Fragen zur Vorgehensweise zwecks ihrer Umsetzung in unserer Gesellschaft, unsere Positionen und Aussagen und damit auch unsere Texte auf diesen Seiten nachträglich überarbeitet, korrigiert oder revidiert werden können.

Dies ist kein Zeichen von Wankelmütigkeit, sondern vielmehr der Beweis für eine redliche und permanente Auseinandersetzung mit ethischen Grundsatzfragen und ein selbstkritisches Eingeständnis der menschlichen Unvollkommenheit. Wir sind auch gerne bereit, Anregungen von Ihnen aufzugreifen und zu überdenken oder mit Ihnen über unsere Positionen in dem dafür vorgesehenen Forum zu diskutieren.

Es kann auch vorkommen, dass sich auf Grund der vielfältigen Wissensgebiete, mit denen wir uns im Rahmen unserer Arbeit beschäftigen, sachliche Fehler einschleichen oder unser Zahlenmaterial nicht mehr dem neuesten Stand entspricht.

Wir sind für jeden Hinweis auf eingeschlichene Fehler dankbar.

A.K.T.E. - Redaktion / Stefan Bernhard Eck / 14.09.2003

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