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20.01.2009

Aktives Ausland: Schweiz

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Schweizer Bauer berichtet am 13. September 2005

«Klar sadistisch und sexuell motiviert»
Marc Graf ist forensischer Psychiater, stellvertretender Leiter der forensischen Abteilung der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) und berät die Polizei Basel Landschaft im Fall der Tierquälerei.

Schweizer Bauer: Was bringt einen Menschen dazu, einem hilflosen Tier solche Schmerzen zuzufügen, es gar zu Tode zu quälen?
Marc Graf: Verschiedene Motive. Die Verletzungen im Genitalbereich, das sind ganz klar sexuelle, sadistische Motive. Diese Personen, es handelt sich ausschliesslich um Männer, erfahren eine sexuelle Erregung bzw. Befriedigung bei entsprechenden Quälereien. Nicht nur das Einführen von Gegenständen wie Messer in den Analbereich, auch das Abschneiden von Euter-Zitzen sind klar sexuell motivierte Quälereien.

Und die Verletzungen an den Hinterläufen?
Da gibt es die Hypothese der Probeverletzungen, oder aber des Versuches, diese Tiere zu fixieren, zu binden. Ein Pferd oder eine Kuh wird kaum stillhalten, wenn man sich von hinten nähert und dem Tier Verletzungen im Anal- oder Genitalbereich zufügen will.

Wieso werden gerade so grosse Tiere wie die Kuh oder das Pferd als Opfer ausgesucht?
Das Pferd und auch die Kuh haben immer schon einen Bezug gehabt zu der menschlichen Erotik, man denke da zum Beispiel an die griechische Mythologie, an die Mischwesen zwischen Götter und Tieren. Die Stute steht auch seit jeher für Weiblichkeit, Fruchtbarkeit, der Hengst hingegen für Männlichkeit und Zeugungskraft. Ausserdem denken wir, dass man bei Pferden und Kühen das Leiden viel besser sieht …

… und genau das ist für den Sadisten wichtig.
Ja, genau. Er muss das Leiden sehen, das ist ja das, was er sucht. Die Augen, die Mimik, die Gesten dieser Tiere sind dem Menschen viel vertrauter als die von anderen Tieren.

Und wie beurteilen Sie die Fälle der abgeschnittenen Schwänze bei Kühen, Katzen und bei dem Lamm?
Bei diesen Taten, den Katzen und dem Lamm hat er noch den Kopf abgeschnitten, geht es um etwas anderes. Der Sadist will sein Opfer leiden sehen. Durch das Leiden des Opfers erlebt der Sadist euphorisiernde Macht. Seine frühere passive, leidende und duldende Position kehrt er um in Macht. Diese erlebt er beim Quälen des Tieres. Und als Gipfel der Macht empfindet er letztendlich, Gott zu spielen, Herr über Leben und Tod zu sein. Sadisten bringen ihr Opfer oft mehrmals in Todesnähe, bevor sie es wirklich töten. Der Täter möchte das immer wieder erleben, es ist etwas tolles für ihn, auch etwas schreckliches. Er weiss, dass er etwas schreckliches tut, und doch ist der Drang nach der sexuellen Befriedigung stärker. Da er nicht jeden Tag ein Tier umbringen kann, erlebt er dieselbe oder ähnliche Situationen mit Hilfe dieser «Trophäen» in seiner Fantasie wieder und wieder.

Geht es dem Täter eher um das Ausleben des Sadismus als um Sex mit Tieren?
Es muss sich nicht unbedingt um eine Person handeln, die Sex mit Tieren attraktiv findet, man hat meines Wissens noch keine Spuren von sexuellem Verkehr gefunden, das wäre auch schwierig. Wir gehen primär vom Sadismus aus. Sadismus in diesem Ausmass kann man mit Menschen nicht ausleben, es überschreitet gar die Grenzen schwerst masochistisch veranlagter Partner. So weicht er eben zum Beispiel auf Tiere aus. Denn wenn er das am Menschen machen würde, wäre er ja quasi gezwungen, den Menschen nachher umzubringen, die Spuren zu verwischen um nicht ermittelt werden zu können.

Es braucht Fachwissen, Mut und Kraft, ein grosses Tier wie eine Kuh oder ein Pferd auf unbekanntem Terrain anzugreifen. Der gezielte Umgang mit dem Messer, die anatomischen Kenntnisse, lässt das auf ein Täterprofil schliessen?
Wir gehen von zwei Hypothesen aus. Zum einen braucht es in der Tat Fachwissen oder zumindest einen geschulten Umgang mit den Tieren. Das könnte auf einen Täter mit entsprechenden Kenntnissen hinweisen. Auf der anderen Seite dürfen wir nicht vergessen, dass ein Täter in der Suche nach Erfüllung seiner Sexualität oft so verzweifelt ist, dass er unglaubliche Ängste zu überwinden vermag und unglaublichen Einsatz in die Vorbereitungen zu stecken vermag.

Sie schliessen also nicht aus, dass der Täter in seinem Alltag und Beruf gar nichts mit Tieren oder Anatomie zu tun hat?
Genau. Sie müssen sich vorstellen, dass so eine Tat meist das Ergebnis einer langen Leidensgeschichte ist. Wenn ein normaler Mensch ein Bild von Tierquälerei sieht, schaut er angewidert weg. Der spätere Täter schaut länger hin, das Bild erregt ihn, die Spirale fängt sich an zu drehen. Fantasien entstehen, er konsumiert vielleicht Pornografie mit Tieren und er beginnt sich zu überlegen, wie er seine Fantasien Wirklichkeit werden lassen kann. Der Täter tastet sich langsam vor und es ist durchaus denkbar, dass er sich die nötigen Kenntnisse aneignet, zum Beispiel durch ausprobieren und langsames Steigern der Quälereien.

Könnten auch mehrere Täter in Frage kommen?
Davon gehen wir nicht aus. Die Scham ist doch bei Sex mit Tieren deutlich höher als in der «normalen» Sado-Maso-Szene. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich solche Leute finden, untereinander dazu stehen und sich zusammentun, ist sehr gering. Nicht nur die Scham, auch die Unberechenbarkeit der anderen Beteiligten schrecken ab.

Wie gross ist die Gefahr ein, dass der Täter nach den Tieren auch Frauen ins Visier nimmt?
Das kann man nicht quantifizieren. Man weiss von verschiedenen Tätern, dass sie bei einem gewissen Grad von Perversion gestoppt haben, quasi ihre Schwelle «bis hierhin und nicht weiter» streng einhalten. Doch leider wissen wir auch von Tätern, die Menschen aus sexueller Motivation getötet haben, dass sie auch eine Neigung zu Tierquälerei gehabt haben oder eine Experimentierphase mit Tieren erlebt haben. Da gibt es sicher Überschneidungen. Vom gerichtspsychiatrischen Aspekt besteht klar ein Risiko.

Wie stufen Sie die Gefahr von Nachahmungstätern ein?
Die ist da. Je länger man einen Täter nicht erwischt, je mehr er machen kann, desto grösser ist die Gefahr, dass ihm Personen mit ähnlichen Fantasien folgen, wenn sie sehen, dass ein anderer sie in die Tat umsetzt.

Pamela Fehrenbach [13.09.05 17:25]


Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion Schweizer Bauer
Redaktion Schweizer Bauer
Postfach 8135
Dammweg 3
3001 Bern

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