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20.01.2009

Andi Wolff – der Mann, der seinen Kopf hinhielt

Andi Wolff – der Mann, der seinen Kopf hinhielt

„Wenn der Gerichtssaal aus allen Nähten platzt, wenn bei Zuschauern und Prozessbeobachtern Tränen über die Backen kullern, wenn Richter schlucken und Staatsanwälte Rührung zeigen, wenn Staranwalt Bossi von alten Damen einen warmen Händedruck spürt, dann wird in Berlin-Moabit Tierschutz verhandelt, dann heißt der Angeklagte Andreas Wolff.“ So begann der Autor der Berliner „taz“ seinen Bericht über einen Prozess gegen Andreas Wolff, den Mann, der wohl wie kein anderer in den 80er Jahren dem Autonomen Tierschutz ein Gesicht gab.

1982 hatte Andi, wie er von seinen FreundInnen genannt wurde, mit ein paar Molotow-Cocktails ein Feuer im Neubau des berüchtigten „Mäusebunkers“, dem Tierversuchlabor der Freien Universität Berlin, gelegt. Ein Jahr später folgte eine ähnliche Aktion gegen das Labor des Oskar-Helene-Heims. Im Vergleich zu einem Brandanschlag auf die Firma Hazleton in Münster (das heutige Covance), der 500.000 Mark Schaden verursachte, hatten die Feuer in Berlin kaum einen nennenswerten finanziellen Effekt. Auch war Andi voll geständig. Er sagte: „Ich bekenne mich schuldig, als verantwortungsvoller, mitfühlender Mensch aus ethisch-moralischer Verpflichtung heraus genötigt und gedrängt worden zu sein, Gesetze zu brechen.“ Dennoch verurteilte ein Gericht Andi Wolff zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zunächst auf Bewährung ausgesetzt wurde.


Geistiger Anführer


Vermutlich dachte die Staatsmacht, auf diese Weise Andreas Wolff einzuschüchtern und mundtot machen zu können. Stattdessen wurde Andi zum Sprecher des Autonomen Tierschutzes in Deutschland. Er gab Interviews und hielt Pressekonferenzen gemeinsam mit vermummten TierbefreierInnen ab. Als es in Berlin zu einer erneuten Befreiungsaktion kam, wurde Andis Bewährung kurzerhand aufgehoben. Er wurde der Mitwisserschaft bezichtigt und galt außerdem als geistiger Anführer.


Asyl-Antrag in Österreich


Am 19. Juni sollte Andi seine Haftstrafe antreten, doch kurz zuvor setzte er sich nach Salzburg ab und beantragt in Österreich öffentlich Asyl als politisch Verfolgter. Die Medien berichteten weit über die Grenzen Deutschlands und Österreichs hinaus über diesen Versuch. Erfolg hatte Andi mit seinem Antrag erwartungsgemäß nicht. Deutschland sei ein demokratisches Land und demnach könne es dort auch keine politisch verfolgten Menschen geben, lautete die schlichte Begründung der österreichischen Justiz, mit der Andi am 5. August in Auslieferungshaft genommen wurde. Kurz darauf stellte er sich freiwillig den deutschen Behörden. Dabei schleppte er ein riesiges Holzkreuz in eine Frankfurter Polizeidienststelle. Damit wollte der gläubige Mann symbolisieren, dass er das „Kreuz der leidenden Tiere“ auf sich nehmen wolle.


Hungerstreik


In Deutschland organisierte vor allem der Bundesverband der Tierbefreier, in dem Andi Mitglied war, viele Solidaritätsaktionen. Unter anderem wurden hunderte Unterschriften gesammelt und Gnadengesuche an den Berliner Senat und den Bundespräsidenten versendet. Doch bevor diese zur Entlassung führten, sah sich Andi erst einmal mit katastrophalen Haftbedingungen im Gefängnis Berlin-Moabit konfrontiert. Um erneut auf seinen Fall aufmerksam zu machen, begann Andi am 7. November 1985 einen Hungerstreik, den er 90 Tage lang durchhielt. Anschließend musste er erschöpft und um 20 Kilogramm leichter auf einer Intensivstation behandelt werden. Nach knapp einem Jahr im Gefängnis, davon über neun Monate in Einzelhaft, wurde er vorzeitig entlassen.


Kurz danach trennten sich die Wege des Bundesverbandes und Andi Wolffs. Wegen unterschiedlicher Auffassungen über Vorgehen und Strukturierung des Vereins trat Andi aus. Später gründete er den Verein „Animal Peace“ und war auch am Aufbau des österreichischen Bundesverbandes der Tierbefreier beteiligt, ehe er sich Anfang der 90er Jahre aus der Tierechtsbewegung gänzlich zurückzog. Im Jahr 2002 nahm Andi Wolff sich in Kolumbien im Alter von 44 Jahren das Leben. Der damalige Vorsitzende der tierbefreier e.V., Markus Schaak, würdigte ihn mit den Worten: „Er gehörte zu den Ersten, die selbst- und respektlos die Käfige aufbrachen und Versuchstiere, Hühner, Nerze und Chinchillas befreiten. Sollte es so etwas wie einen Himmel geben, wird Andi jetzt gemeinsam mit den Tausenden von ihm einst geretteten Tierseelen unsere Arbeit mit Wohlgefallen begleiten.“

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