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20.01.2009

Argumentarium - Lebensschutz

Lebensschutz


Ausgangslage

Dass wir Menschen gegenüber der Schöpfung Verantwortung tragen, ist allgemein anerkannt und schlägt sich mittlerweile auch in Tier- und Umweltschutzgesetzen nieder. Bis heute umstritten ist allerdings die Frage, ob Tiere ein grundsätzliches Recht auf Leben haben, oder ob wir Menschen lediglich verpflichtet sind, während ihrer Lebenszeit auf ihr Wohlergehen Rücksicht zu nehmen, wie dies in Art. 1 TSchG geboten ist. In diesem Zusammenhang sind diverse Bereiche der Tiertötung kritisch zu hinterfragen.




Idealbild der Stiftung für das Tier im Recht

Der Schutz des Lebens von Tieren ist grundsätzlich zu gewährleisten. Einschränkungen dieses Grundsatzes sind allein in Bereichen angebracht, in denen sich eine Tiertötung auf ernsthafte und im Interesse des Lebens bzw. der psychischen und physischen Integrität unvermeidbare Gründe im Sinne des Notwehrrechts stützt. Folgende Überlegungen führen zu dieser Konsequenz:

Aus ethischer Sicht lässt sich unserer Meinung nach kein Recht des Menschen auf Tötung von Tieren ableiten. Gleiches soll gemäss seiner Gleichheit gleich, Ungleiches gemäss seiner Ungleichheit ungleich bewertet und behandelt werden. Tiere sind uns darin gleich, dass sie nach Leben streben und dem Tod soweit möglich ausweichen.

Der Tod stellt die einschneidendste Schädigung eines Lebewesens dar. Mit dem Tod nehmen wir dem Tier alles, was es hat. Berücksichtigt man, dass bereits die Nutzung von Tieren nicht als logisch abgeleitetes Recht des Menschen angesehen werden kann, ist erst recht zu fragen, warum der Mensch dem Tier das höchste Gut – sein Leben – nehmen darf.

Ein friedfertiges Zusammenleben ist nur dann möglich, wenn wir uns als Gesellschaft für ein moralisches Verhalten entscheiden, das jeden Hang zur Zerstörung ablehnt, sei dies gegen Menschen oder Tiere.


Kurzfristig realisierbare Forderungen

Gesellschaft und Recht tolerieren das Töten von Tieren in unzähligen Bereichen wie Tierversuch, Schlachtung zur Nahrungsgewinnung, Schädlings- und Tierseuchenbekämpfung, Bestandesregulierung und dergleichen. Selbst überzählige, unerwünschte oder nicht verwendbare Tiere werden in grosser Zahl getötet. So werden in der Schweiz z.B. jährlich zwei Millionen männliche Eintagsküken an ihrem ersten Lebenstag vernichtet, weil sie für die Legehennenzucht nicht in Frage kommen. Zu denken ist aber auch an verhaltensgestörte, gefährliche oder leidende Tiere, denen das Recht auf Leben oftmals bedenkenlos abgesprochen wird. Da ein genereller Verzicht auf derartige Tötungen gesellschaftlich zurzeit (noch) nicht konsensfähig ist, konzentrieren wir uns auf kurzfristig realisierbare Forderungen:

Eine Tiertötung hat in jedem Fall angst- und schmerzfrei zu geschehen. Die Einsparung von Geld, Zeit oder Arbeitskräften zulasten eines schmerz- und angstfreien Todes des Tieres ist inakzeptabel. Wer Tiere tötet, muss überdies über ausreichende entsprechende Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen. Sowohl bei der Vorbereitung als auch beim eigentlichen Tötungsvorgang sind jegliche Aufregung sowie Stress verursachende Fixationen zu vermeiden. Wenn immer möglich muss die Tötung unter schnell eintretender Bewusstlosigkeit erfolgen.

Tiertötungen sind von den Vollzugsorganen der Tierschutzgesetzgebung genauestens auf ihre Unvermeidbarkeit und korrekte Durchführung hin zu kontrollieren.

Eine Tötung ist ein inhumaner Akt und darf stets nur ultima-ratio-Massnahme sein. Alle humanen Alternativen sind vorgängig abzuklären und vorzuziehen. Die Tötung überzähliger Versuchs-, Zirkus- oder Zootiere ist inakzeptabel, da sie nicht unvermeidbar sind. Für die Schädlings- und Tierseuchenbekämpfung sowie die Bestandesregulierung sind die Möglichkeiten sorgfältig abzuwägen.

Wirbellose Tiere haben grundsätzlich dieselbe Daseinsberechtigung wie Wirbeltiere und daher denselben Anspruch auf Schutz des Lebens. Dieser Lebensschutz ist den Wirbellosen nach den Regeln der Vernunft und Durchführbarkeit im Tierschutzgesetz zuzusichern.

Neben der qualvollen ist die mutwillige Tötung gemäss Art. 27 des Schweizer Tierschutzgesetzes untersagt. Unter diesem Aspekt kritisch zu prüfen ist unter anderem das Töten von Tieren aus Aberglaube, Brauchtum und Tradition, zu Unterhaltungszwecken, für Film- oder Fernsehaufnahmen, zur Kunstausübung, infolge einer zu aufwändigen oder kostspieligen Tierhaltung oder zu Protestzwecken, ferner die Tötung zu Demonstrationszwecken verwendeter lebender Futtertiere oder die Jagd auf eigens zu diesem Zweck gezüchtete und ausgesetzte Tiere. Der Begriff des Mutwillens ist zum Schutz der betroffenen Tiere sehr weit auszulegen, entsprechende Handlungen sind auch strafrechtlich zu ahnden.

Bei der Bekämpfung von Schädlingen ist soweit möglich deren Tötung zu vermeiden. Es dürfen nur erforderliche und verhältnismässige Massnahmen getroffen werden. Erscheint eine Tötung der Schädlinge als unvermeidbar, so sind "humane" Tötungsmethoden zu wählen. Leimfallen und Giftpräparate in jeglicher Form sind abzulehnen.

Zur Bestandsregulierung einzelner Tierarten sind Tötungsaktionen in der Regel ungeeignet, weil sie das Problem nur auf kurze Sicht lösen. Die durch die getöteten Individuen entstandenen Lücken werden meistens sehr rasch durch neue Tiere gefüllt. Es handelt sich um einen Regulationsmechanismus der Natur, der bereits bei diversen Tierarten (insbesondere Tauben, Katzen, Hunden, Nagern und Rehwild) beobachtet wurde.


Antworten auf gängige Argumente von Menschen, die Tiertötungen nicht als ethisches Problem verstehen

Tiere sind Augenblicksgeschöpfe und sich ihres Todes daher nicht bewusst.

Tiere haben Erwartungen und sind daher auch zukunftsgerichtet. Ob sie sich Vorstellungen über ihren Tod machen können, ist nicht klar. Das Verhalten der meisten Tiere ist aber darauf ausgerichtet, dem Tod auszuweichen. Offenbar haben Tiere also eine mindestens instinktive Abneigung gegen den Tod und entscheiden sich, haben sie die Wahl, mit Sicherheit für das Leben und gegen den Tod.

Es ist nichts Verwerfliches, die eigene Spezies den übrigen vorzuziehen. Dies ist das Gesetz der Natur; sozial lebende Tiere tun dies auch.

Der Mensch betont gerne seine Sonderstellung innerhalb der Natur und beurteilt die Verhaltensweise der Tiere abwertend als "bestialisch". Es ist jedoch inkonsequent, sich zur Rechtfertigung eines Tuns plötzlich auf die Stufe des "vernunftunbegabten" Tieres zu stellen und es als Vorbild zu nehmen. Die Natur kennt keine Moral. Für den Menschen hat sich die Moral hingegen bewährt, sodass sie sich nicht nur auf die eigenen Reihen beschränken, sondern auch Tiere mit einbeziehen sollte.

Leben und Sterben gehen Hand in Hand.

Das bewusste Töten von Tieren geht über das Akzeptieren des Todes hinaus. Es senkt die allgemeine Hemmschwelle zur Gewalt und führt zur Verrohung. Es ist ein gesellschaftliches Bedürfnis, grundlose Tiertötungen nicht zu tolerieren, sondern zu sanktionieren.

Wir leben in einer Welt, in der das Leben auf Kosten anderer unumgänglich ist.

Wir müssten tatsächlich aufhören zu leben, wollten wir niemandem schaden. Man kann aber zumindest versuchen, den Schaden so gering wie möglich zu halten und Massnahmen zur Verbesserung der teilweise unhaltbaren Zustände in dieser Welt zu treffen. Die von uns Menschen bewusst gehegte Moral gebietet ein solches Verhalten geradezu.

Selbst vom Tötungsverbot gegenüber Menschen gibt es Ausnahmen. Erst recht muss es solche für die Tötung von Tieren geben.

Viele der Ausnahmen, die für die Tötung menschlichen Lebens gelten, sind in der Gesellschaft umstritten. Hierzu gehören die Fristenlösung, die Forschung an embryonalen Stammzellen, die Todesstrafe und der Krieg. Einzig die Notwehr wird unbestritten als rechtfertigende Ausnahme vom Tötungsverbot betrachtet, wenn sie die einzige Massnahme zur Erhaltung des bedrohten eigenen oder nächsten Lebens ist. Dieses Notwehrrecht gilt selbstverständlich auch gegenüber Tieren. Ein generelles Tötungsrecht kann davon jedoch nicht abgeleitet werden.


Weiterführende Hinweise

Virtuelle Bibliothek der Stiftung für das Tier im Recht (http://www.tierimrecht.org/de/bib/); Suchfelder: >> einblenden

- Kategorie (Detail) ist Allgemeines (Tierschutz) oder Ethik/Tierethik/Philosophie (Diverses) oder Tierrechte (Tierschutz) oder Mensch-Tier-Beziehung (Diverses) oder Würde der Kreatur (Juristische Literatur) >> suchen; oder

- Schlagworte enthält ‚Tötung’ oder ‚Leben’ >> suchen.


© Stiftung für das Tier im Recht, Bern/Zürich, 17. Januar 2005

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