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10.01.2009

AUSGESTOPFTER BRUNO

AUSGESTOPFTER BRUNO
"Ein Bär zu Gast bei Freunden"

Ausgestopft, mit falschem Gebiss und messerscharfen Krallen: So kehrt Braunbär Bruno, im WM-Sommer 2006 Medienstar und gejagter Liebling der Deutschen, nun als Museumsstück zurück. Tierschützer sprechen von "barbarischer Zurschaustellung".

München - Nein, wie eine blutrünstige Bestie sieht Bruno nicht aus. Eher wie das nette Bärchen aus der Kondensmilchwerbung.

Die Präparatoren haben sich sichtlich Mühe gegeben: Mit den Vordertatzen stützt sich Bruno auf einen Holzstapel, auf Nase und Schleckermaul sitzen Bienen, um seine Füße herum liegen ein paar Schnecken im Gras. Mit seinen braunen Kulleraugen blickt er beinahe schuldbewusst zur Seite, als sei er sich bewusst, dass das Plündern von Bienenstöcken in Bayern verboten ist. Im Hintergrund sind Wiesen mit grasenden Kühen und das Alpenpanorama zu sehen.

BRAUNBÄR BRUNO: COMEBACK EINES TRAURIGEN HELDEN
Es war wohl einer der schöneren Momente in Brunos kurzem Leben, den die Präparatoren des Museums "Mensch und Natur" in München jetzt festgehalten haben.
Damals, an jenem Augusttag in Kochel am See: Ein Augenblick im Leben eines Braunbären, das bald darauf jäh endete. Bruno war zum "Problembär" geworden - er hatte es als erster Artgenosse nach 170 Jahren gewagt, seine Tatzen auf bayerischen Boden zu setzen. Bruno wurde abgeschossen.

"Einfach gelungen", sagt einer der zahlreichen Journalisten, die zur heutigen Bruno-Präsentation geeilt waren. Hinter Glaswänden wird das Tier ausgestellt - damit niemand in Versuchung kommt, sein Fell zu streicheln. Erst auf den zweiten Blick bemerkt der Besucher, warum Meister Petz einst Herrscher der alpinen Welt war: Krallen scharf wie Metzgermesser und riesige Zähne zeigen, dass ein Bär kein kuscheliges Stofftier ist. Ein künstliches Gebiss auf genauer Grundlage des Original-Bruno hat ihm Präparator Dieter Schön außerdem verpasst.

Bruno im Museum - "Kein Bär von der Stange"
"Wir wollten Bruno möglichst realitätsnah darstellen", sagt Schön und blickt dabei stolz auf den König der Alpen, der nun mitten im Schloss Nymphenburg steht. 1400 Stunden bastelten die Präparatoren an Bruno. "Es sollte kein Bär von der Stange werden", schwärmt auch Museumsleiter Michael Apel. Brunos Darstellung soll laut Apel zu einer "Versachlichung der Diskussion" beitragen. Seine anfängliche Idee, den Braunbären beim Reißen eines Schafes zu zeigen, verwarf der Museumsleiter deswegen nach kurzer Zeit wieder.

Sein Haus erwartet für die nächsten Tage einen regelrechten Ansturm. Tatsächlich dürfte die Erinnerung für viele Deutsche an den aufregenden Bruno- und WM-Sommer noch immer groß sein. Bärenfans glaubten damals bereits, dass nun nach dem Luchs und dem Wolf das nächste Raubtier in Deutschland wieder heimisch werden könnte. Doch Bruno machte Ärger: Der in den Bergen umherstreifende Braunbär plünderte Bienenstöcke, knackte Ställe und kam dem Menschen immer näher. Auf seinem Speiseplan: zwei Dutzend Schafe, drei Hühner, drei Tauben, ein Hase und sogar ein Meerschweinchen.
Für den damaligen Umweltminister Werner Schnappauf war deshalb klar: "Aus Meister Petz ist ein Problembär geworden." Tierschützer wollten das nicht hinnehmen und nahmen ihrerseits die bayerischen Behörden ins Visier.

Brunos Rache - ein Bär schlägt zurück
Bis heute kursiert im Internet das Spiel "Brunos Rache - Der Bär schlägt zurück". Auch auf europäischer Bühne blieb der Abschuss nicht folgenlos. Einige Italiener stornierten aus Erschütterung über den Bruno-Abschuss sogar kurzerhand ihren Urlaub. Auch Tierfreund Eicher glaubt bis heute: "Mit einer anderen Taktik hätte man den Bären retten können."

Im Museum sind die Infowände neben Brunos letzter Ruhestätte eher nüchtern gehalten. "JJ1/Bruno" heißt es da in breiten Lettern. JJ1 - diesen strichcodeähnlichen Namen hatten die Behörden Bruno damals gegeben. Anhand von Bildern, Filmen und Texten kann der Besucher Brunos Lebensgeschichte und die Gründe für den Abschuss rekonstruieren.
Außerdem bietet die Ausstellung generelle Informationen zur Biologie der Braunbären und der Geschichte des Bären in Mitteleuropa. Einige Sätze sind für Tierschützer allerdings schwere Kost: "Als Problembär wird in der ersten Fassung des österreichischen Bärenmanagementplans ein Bär bezeichnet, der wiederholt Schäden verursacht hat, die Nähe des Menschen nicht scheut oder eine besondere Vorliebe für die Futtersuche in der Nähe des Menschen besitzt."

"Barbarische Zurschaustellung, Vernebelungsaktion"
Für manche Ökoaktivisten ist der Fall ohnehin klar. "Die Staatsregierung will Bruno möglichst gefährlich darstellen und damit den damaligen Mord rechtfertigen", sagt Kurt Eicher, Sprecher der "Initiative zur Abschaffung der Jagd". Zynisch sei der Umgang des Freistaats mit Bruno. "Nun wird das Opfer, ein unschuldiger, nicht einmal ausgewachsener Braunbär, auch noch durch eine barbarische Zurschaustellung verhöhnt - und der Museumsleiter wird eher unfreiwillig zum Handlanger der bayerischen Vernebelungsaktion um Bruno", poltert Eicher.

Am Donnerstag wollen die Bärenfreunde deshalb eine Mahnwache vor dem Schloss abhalten. Dieser Ankündigung sieht Museumsleiter Apel zwar ruhig entgegen. Die Kritik der Tierschützer will er aber nicht auf sich sitzen lassen. "Wir verzichten bewusst auf eine Kommerzialisierung und Vermarktung Brunos", sagt er.
Tatsächlich fehlen im Sortiment des museumseigenen Shops jegliche Bruno-Devotionalien - aus Rücksicht auf die bis heute anhaltende Trauer vieler Tierfreunde. "Bruno ist zu einem Symbol für alles geworden, was der Mensch der Natur angetan hat", sagt Museumsleiter Apel.

Lediglich in einer Vitrine im Ausstellungsraum findet sich ein T-Shirt mit der Aufschrift: "Ein Bär zu Gast bei Freunden". Aus dem Protokoll:
"Ernährungszustand: gut; Widerristhöhe: ca. 91 cm; Scheitel-Steiß-Länge: 130 cm; Kopflänge 32 cm; Gewicht 110 kg; Fell: bis auf die Einschusslöcher ohne pathologischen Befund."

Tschüss, Bruno! Es tut uns so Leid.

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