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20.01.2009

Bericht vom Aktionstag gegen Tierversuche am 21.04.07 auf dem Marienplatz in München

Bericht vom Aktionstag gegen Tierversuche am 21.04.07 auf dem Marienplatz in München

Zum „Internationalen Tag zur Abschaffung aller Tierversuche“ (24. April) organisierte das „Bündnis TierRechte“ in Zusammenarbeit mit der Vereinigung „Ärzte gegen Tierversuche“ und dem „Bundesverband – Menschen für Tierrechte“ den Aktionstag in München.

Unterstützt wurde die Veranstaltung von über 30 Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. An 14 Infoständen konnten sich die PassantInnen über Tierversuche allgemein und speziell über Versuche an Primaten informieren. Zudem gab es weitere Informationen über aktuelle Tierversuche, tierversuchsfreie Testverfahren, Kosmetik ohne Tierversuche, Tierversuche in Studium und Ausbildung, sowie die Kampagnen ‚AAP’ (Aktion zur Abschaffung des Primatenhandels) ‚It`s my life’ (Für ein Verbot von Affenversuchen) und ‚Affenschande in München – Stoppt die Tierversuche’. Anhand von Videofilmen zeigten die Vereine den Alltag im Versuchslabor. Drei „Schimpansen“ (AktivistInnen im Tierkostüm) im Käfig dienten als Blickfang, ebenso ein „Primatenstuhl“, der beklemmend aufzeigte, wie Affen im Tierversuch leiden. Am Stand des vietnamesischen Restaurant „AU-LAC“ gab es vegane Verpflegung. Zwischen den einzelnen Redebeiträgen begeisterte die Münchner Band „Museless“ die ZuhörerInnen.


Um 11.00 Uhr startete die Kundgebung mit der Vorstellung der drei Kampagnen: „Affenschande in München – Stoppt die Tierversuche“, „It`s my life – Für ein Verbot von Affenversuchen“ und „AAP – Aktion zur Abschaffung des Primatenhandels“.


Margit Brücklmeier (Vorsitzende von animal 2ooo – Menschen für Tierrechte Bayern) stellte die regionale Kampagne „Affenschande in München“ vor. Sie schilderte einen Primatenversuch, welcher in ähnlicher Form auch im Klinikum Großhadern durchgeführt wurde. München ist eine der Metropolen für Tierversuche in Deutschland. An 95 Einrichtungen werden Tierversuche durchgeführt, an einigen auch Versuche an Primaten. Dazu zählen die Neurologische Klinik im Klinikum Großhadern und das Institut für Medizinische Psychologie der Ludwig-Maximilians Universität.

Margit Brücklmeier berichtete weiter von einem erfreulichen Vorgang. Ethikkommission und Regierung von Oberbayern lehnten erstmals Versuche an Affen ab! Die wissenschaftliche und medizinische Notwendigkeit des Versuches im Verhältnis zu den Leiden der Tiere sei nicht erkennbar. Die Forscher aus der Arbeitsgruppe um den Großhaderner Neurologie-Professors Ulrich Büttner legten Widerspruch gegen den Ablehnungsbescheid ein. Die Behörde blieb hart und lehnte den Einspruch ab. Das wollten die „Wissenschaftler“ nicht akzeptieren. Als auch der Widerspruch mit Hinweis auf die Zweifel an der Notwendigkeit zurückgewiesen wurde, erhoben die Antragsteller dagegen Klage beim Verwaltungsgericht. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus.

Alternativen sind möglich! Die moderne Medizin hat heute bereits viel bessere Möglichkeiten, schonend, schmerz- und nebenwirkungsfrei direkt in das menschliche Gehirn zu blicken. Die Hirnforschung von Prof. Förstl am Klinikum rechts der Isar zum Beispiel kommt völlig ohne Tierversuche aus, weil die Ärzte dort mit Kernspin- und Positronen-Emissions-Tomographie arbeiten.

Als nächster Redner stellte Dr. Kurt W. Simons, Vorsitzender des „Bundesverbandes Menschen für Tierrechte“, die Kampagne „It`s my life“ vor. Diese Kampagne fordert ein sofortiges bundesweites Verbot von Affenversuchen. Dieses Verbot sehen die „Menschen für Tierrechte“ als ersten Schritt auf dem Weg zur vollständigen Beendigung aller Tierversuche. Sie lehnen Tierversuche aus ethischen und wissenschaftlichen Gründen gänzlich ab.


Als dritte Rednerin berichtete Valeska Siegert von den „Tierversuchsgegnern München“ vom leidvollen Leben eines wildgefangenen „Versuchstieres“. Auf eindrucksvolle Weise schilderte sie die Angst, den Schmerz, die Trauer und die Verzweifelung des von den Forschern gefolterten Tieres. Im zweiten Teil ihrer Rede wurde sie kämpferisch und forderte von den ZuhörerInnen eindringlich das eigene Verhalten zu überdenken und zu handeln. Lasst uns Teil einer weltweiten Kampagne gegen Tierversuche werden. Denn Kampagnen bündeln und kanalisieren unsere Kräfte und sie sprechen die einzige Sprache, die solche Unternehmen verstehen. Es ist die Sprache von Gewinn und vor allem von Verlust! Mit Aktionen des zivilen Ungehorsam, Blockade- und Ankettaktionen, mit Demos und Fax- Telefonprotest-Aktionen verursachen wir Kosten und stören den normalen Geschäftsablauf. Aber vor allem schaden wir ihrem öffentlichen Ansehen. Wie solche Aktionen im einzelnen aussehen und was sie bewirken können, schilderte Valeska am Beispiel der „Shac“-Kampagne.

Sie schloss ihre Rede mit dem afrikanischen Sprichwort: „Wenn viele kleine Menschen, an vielen kleinen Orten, viele kleine Dinge tun, können sie das Angesicht der Welt verändern“.


Als nächstes sprach der Biologe Dr. David Gennep aus den Niederlanden. Er berichtete von der Auffangstation „Stichting Aap“. In dieser europaweit einzigartigen Einrichtung in der Nähe von Amsterdam leben rund 150 verschiedene Affen in natürlichen Kolonien. Sie stammen zum größten Teil aus Versuchslaboren oder aus dem illegalen Tierhandel. Falls das Verwaltungsgericht die umstrittenen Versuche stoppt, könnten die Affen aus Großhadern sofort in die Auffangstation übersiedeln. Dr. Gennep weiter: „In Holland haben wir erreicht, dass Menschenaffen nicht mehr als Versuchstiere eingesetzt werden dürfen“. Diesen ersten Erfolg gilt es nun auch in Deutschland einzufordern und schnellstens umzusetzen.

Auch die Landtagsabgeordnete Barbara Rütting steht vehement hinter dieser Forderung. „Allein in Bayern sei die Anzahl der Tierversuche innerhalb von nur vier Jahren sprunghaft von knapp 92 000 auf weit über 200 000 angestiegen. Statt Millionen von Steuergeldern in Tierversuche zu stecken, müsse das Geld in die Entwicklung von Alternativmethoden ohne Tierversuche fließen“, so Rütting.


Am Demozug durch die Innenstadt beteiligten sich über 500 TeilnehmerInnen. Die Kundgebung auf dem Marienplatz wurde auch während des Demozuges fortgesetzt, hier betreuten rund 50 AktivistInnen die Infostände. Insgesamt erhielt die Veranstaltung durchweg positiven Zuspruch durch die Bevölkerung. Die Infostände wurden geradezu überrannt. Mit dazu beigetragen hat sicher auch die positive Berichterstattung im Vorfeld der Veranstaltung. So hat z.B. die tz-München am Freitag in einem ganzseitigen Artikel über die Tierversuche in Großhadern berichtet. Zudem war auf der Titelseite ein Foto von einem Affen im Versuchslabor. Am Montag dann noch einmal ein halbseitiger Bericht mit großem Foto von der Veranstaltung. Mit der Unterzeile: Rund 2000 Münchner demonstrierten am Samstag gegen die Affenversuche am Klinikum Großhadern. Über diesen Bericht haben sich die Klinikbetreiber sicher sehr gefreut.

Bericht: Jürgen Kunz – Bündnis TierRechte
(www.tie-re.de)





Hintergrund

Grausame Versuche

Besonders grausam: die Hirnforschung in Großhadern. Den Affen wird ein Loch in den Schädel gebohrt. Darüber werden ein Metallbolzen und eine verschließbare Kammer auf den Kopf geschraubt. In die Augen werden Metallspulen eingepflanzt. Die Affen werden in einem „Affenstuhl“ festgeschnallt, ihr Kopf wird unbeweglich mit dem Bolzen an einem Gestell angeschraubt. Elektroden werden durch die Kammer in das Gehirn getrieben, während die Tiere mit ihren Augen auf einem Bildschirm einen springenden Punkt verfolgen müssen. In anderen Versuchen werden über die Elektroden Hirnströme gemessen, während der „Affenstuhl“ mit dem Tier zur Seite oder nach hinten rotiert.


Fragwürdige Ergebnisse
Angeblich, so heißt es, soll die Hirnforschung dazu beitragen, das menschliche Gehirn besser zu verstehen, um eines fernen Tages Therapien gegen Alzheimer und Parkinson entwickeln zu können. Tatsächlich dient die Hirnforschung aber nur dem Einstreichen von Forschungsgeldern und der Profilierung einzelner Experimentatoren. Auch wenn uns Affen in vieler Hinsicht ähnlich sind, die Unterschiede sind doch so groß, dass eine Übertragung der Ergebnisse vom Tier auf den Menschen nicht möglich ist. Die Gehirne von Menschen und Affen unterscheiden sich in Struktur und Funktion deutlich. So haben Affen keine Bereiche im Gehirn, die durch Singen, Sprechen, Lesen, Gedichte schreiben oder abstrakte Gedanken stimuliert werden. Letztendlich wissen wir nach einem Tierversuch immer nur, wie das jeweilige Tier reagiert hat. Ob es beim Menschen genauso sein wird, bleibt reine Spekulation.


Der bessere Weg
Die heutigen Technologien erlauben den Forschern das Gehirn bis ins kleinste Detail zu untersuchen. Schon allein deswegen ist es wichtig, das „Zielgehirn“ zu untersuchen und nicht das einer anderen Tierart. Ethisch vertretbare Forschung am Zielorgan, dem menschlichen Gehirn, ist möglich. Mit modernen bildgebenden Verfahren wie Magnetresonanz- oder Positronen-Emissions-Tomographie kann die Verarbeitung von neuronalen Reizen im Gehirn von Probanden untersucht werden. Diese Art der Forschung liefert relevante Daten, die menschlichen Patienten, die an Alzheimer, Parkinson oder anderen neurologischen Erkrankungen leiden, tatsächlich helfen können.

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