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10.01.2009

"Biodiesel" gefährdet Elefanten

"Biodiesel" gefährdet Elefanten
Börsennotiertes deutsches Unternehmen zerstört Wildnisgebiete in Äthiopien für Geschäft mit Agrotreibstoff



Das Münchner Unternehmen Flora Ecopower Holding AG* soll für die Produktion von "Biodiesel" in Äthiopien Wildnisgebiete zerstört haben, unter anderem in einem Elefantenschutzgebiet. Die Artenschutzorganisation PRO WILDLIFE fordert das Unternehmen auf, sich umgehend aus dem Elefantengebiet zurück zu ziehen. In Äthiopien gibt es nur noch 600 bis 1600 Elefanten, einer der letzten Bestände lebt im Babile Elephant Sanctuary, dessen Wildtiere jetzt durch den Biosprit-Anbau gefährdet sind. "Es ist inakzeptabel, für das gewinnträchtige Geschäft mit Agrotreibstoff Natur zu zerstören - und das unter dem Deckmantel des Klimaschutzes", so PRO WILDLIFE-Sprecherin Daniela Freyer.

In Äthiopien gibt es auf nur vier Prozent der Landesfläche Elefanten. Im Babile-Elefantenschutzgebiet, 550 km östlich von Addis Abeba, leben noch 260 Elefanten sowie vom Aussterben bedrohte Afrikanische Wildesel und über 250 Vogel- und Pflanzenarten. Das 7.000 km² große Schutzgebiet wurde 1971 eingerichtet, um den gefährdeten Elefanten-bestand zu sichern. Es liegt in Oromia, dem größten Bundesstaat Äthiopiens. Die lokale Behörde erteilte im Juni 2007 Genehmigungen für den Anbau von Rizinus-Ölsaaten - scheinbar u.a. im Schutzgebiet, ohne Wissen der Regierung.

Die deutsche Flora Ecopower AG hat bereits mit der Kultivierung von insgesamt 13.000 Hektar Land begonnen, teils in bisheriger Wildnis: "Mit Bulldozern wurden bereits große Flächen Buschland platt gemacht", berichtet Freyer. Laut Vorwürfen äthiopischer Umwelt-schützer geschah dies zum Teil illegal im Elefantenschutzgebiet und ohne dass zuvor eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt wurde. "Wo früher Wildnis war wachsen jetzt Monokulturen, das Öl ist für europäische Raffinerien bestimmt. Dieser angebliche Biodiesel verdient seinen Namen nicht," so die PRO WILDLIFE Sprecherin.

Trotz der Proteste ist die Erschließung weiterer Flächen für den Agrotreibstoff-Anbau geplant, insgesamt hat sich Flora Ecopower in Äthiopien 60.000 Hektar Fläche aus Staatsbesitz und von Kleinbauern gesichert. Bis 2011 will das Unternehmen 700.000 Tonnen "Biodiesel" produzieren. In Zeiten von Klimawandel, Verknappung fossiler Brennstoffe und steigender Ölpreise versprechen sich deutsche Anleger ein hohes Wachstums-potential aus dem Geschäft mit alternativen Energie-Rohstoffen sowie eine "nachhaltige" Anlagemöglichkeit. Flora Ecopower AG ist in Frankfurt börsennotiert und u.a. im "Klimawandel-Fonds" vertreten. Doch das Öko-Image wackelt, die Kritik an der oft destruktiven Produktion von Agrotreibstoffen in Entwicklungsländern wird immer lauter: Sei es Rizinusöl aus Äthiopien, Palmöl aus Indonesien, Zuckerrohr aus Uganda oder Ethanol aus Brasilien: Internationale Organisationen kritisieren, dass der Agrarsprit-Boom Ökosysteme zerstört, umweltfeindliche Monokulturen mit hohem Chemikalieneinsatz schafft, traditionelle Bauernkulturen zerstört und durch die Konkurrenz mit dem Nahrungsmittelanbau Hungersnöte riskiert. Die Subventionierung von Agrotreibstoffen in Deutschland und der EU haben zunehmende Importe von "Biodiesel"-Rohstoffen aus Entwicklungsländern zur Folge, das Fehlen von Umweltauflagen verschlimmert das Problem.

Die PRO WILDLIFE-Sprecherin kritisiert: "Das Unternehmen Flora Ecopower betont gerne den Entwicklungshilfeaspekt und nennt soziales Engagement in Äthiopien als eines seiner "Hauptziele". Eine Störung von Elefanten und anderen Wildtieren wird bestritten. Aus Medienberichten sowie firmeneigenen Dokumenten geht jedoch hervor, dass die für die Ölproduktion vorgesehenen Flächen zum Teil bisher ungenutzte Wildnis waren."

*Die Flora Ecopower Holding AG (www.floraecopower.com) ist seit Februar 2007 am Frankfurter Aktienmarkt notiert, Aufsichtsratsvorsitzender ist René Charles Jäggi, Ex-Präsident des 1.FC-Kaiserslautern. Geschäftsführer ist Ex Fiat Manager Clemente Signoroni. Begründer des Unternehmens sind das israelische Agrar-Unternehmen Hovev Group und die schweizerisch-britische Investmentgesellschaft SBFTC.

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