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26.01.2009

Boris Bürgel: Jäger als Ersatzwölfe?

Boris Bürgel: Jäger als Ersatzwölfe?

Jäger als »Ersatzwölfe«?

Von Boris Bürgel


Wenn Jäger sich als Ersatzwölfe bezeichnen, frage ich mich erst einmal, warum denn die Wölfe überhaupt ersetzt werden müssen. Was ist mit den echten Wölfen passiert? Die Antwort darauf lautet meistens "Sie sind ausgestorben". Ausgestorben, das klingt immer so, als hätten sie Selbstmord begangen oder als wären sie halt einfach verdrängt worden, weil ihnen der Lebensraum genommen wurde. Die Wahrheit ist aber, sie sind ausgestorben worden. Genauer gesagt wurden sie systematisch ausgerottet, vor über 100 Jahren. Und zwar von Jägern. Und dafür gibt es schriftliche Beweise:

Das Ludwigsburger Tageblatt veröffentlichte am 31.12.1846 eine amtliche Anordnung und Bekanntmachung des königlichen Forstamtes am Stromberg, in der eine Belohnung für diejenigen ausgesetzt wurde, die an Wolfsjagden mitwirken. Auch in anderen Teilen Deutschlands wurde dem "Raubzeug" mit gnadenloser Härte nachgestellt.

Die illustrierte Jagdzeitung berichtet in der Ausgabe vom 1.11.1876, dass die Finanzverwaltung von Polnisch-Preußen eine Instruktion herausgab, in der es wörtlich hieß: "Zu Ausrottung derer Bären, Wölfe und anderer schädlichen Raubtiere müssen die Forstbediensteten sehr ernstlich angehalten werden." Die Jäger kamen dieser

Aufforderung gerne nach. Wölfe wurden erschossen, vergiftet, erschlagen, in Gruben gefangen und teilweise bei lebendigem Leibe verbrannt.

Das Märchen von Rotkäppchen und dem bösen Wolf, in dem der heldenhafte Jäger am Schluss den Wolf erschießt und damit sowohl Rotkäppchen als auch die Großmutter rettet, kann getrost als pure Jägerpropaganda der damaligen Zeit angesehen werden. Gerade deshalb ist es sehr bedauerlich, dass auch heutzutage viele Eltern ihren Kindern immer noch dieses Märchen vorlesen.

Und heute? Mittlerweile kommen die Wölfe wieder nach Deutschland zurück, ein kleines Rudel ist in der Lausitz heimisch geworden und vor kurzem wurde ein einzelner wilder Wolf im Bramwald in Niedersachsen gesichtet.

Nun könnte man annehmen, dass sich die Einstellung der Jäger gegenüber den Wölfen geändert hat. Tatsächlich geben die meisten von ihnen an, die Rückkehr der Wölfe zu begrüßen oder zumindest zu tolerieren. Wenn man dann aber mal nachhakt wird ziemlich schnell klar, daß die meisten Jäger Wölfe in ihrem Revier nur dann dulden, wenn sie sie auch bejagen dürfen. Dazu muss man wissen, dass deutsche Jäger momentan viel Geld ausgeben um

z.B. in Russland auf Wolfsjagd gehen zu können.
In den letzten Jahren wurden wiederholt aus Osteuropa eingewanderte Wölfe von Jägern erschossen, natürlich nie absichtlich. Nein, es waren Verwechslungen mit wildernden Hunden oder gar Füchsen und in einem Fall wurde es als Hegeabschuss bezeichnet, weil der Wolf angeblich gehumpelt habe. Anfang 2002 wurde in Österreich ein Wolf erschossen - Verwechslung mit einem wildernden Hund, was sonst. Kommentar eines Jägers namens Adolf von Ferlacher:

"Ich verstehe diese Aufregung nicht! Hauptsache der Schuss hat gepasst. Ein exzelennter Schuss aufs Blatt und weg isser. Wer hat schon die Möglichkeit einen Wolf zu schiessen? Die kommt sicherlich nur einmal im Leben."

Ich glaube, das muss man nicht weiter kommentieren.

Seit November 2002 macht ein einzelner Wolf Schlagzeilen, der in Niedersachsen aufgetaucht ist. Das niedersächsische Umweltministerium hat den Wolf unter Schutz gestellt und sogar angeordnet, den Jagdbetrieb stark einzuschränken. Doch dann meldeten sich "Fachleute" zu Wort, die den Wolf doch für gefährlich halten, denn es könne sich um einen entlaufenen Wolf aus einem Gehege handeln, der an Menschen gewöhnt ist und deshalb wurde das Ministerium dazu aufgefordert, den Wolf einfangen zu lassen. Unter dem Gesichtspunkt, dass wegen des Wolfes die Jagd im Bramwald praktisch eingestellt wurde, kann man sich leicht zusammenreimen, wer hinter den sogenannten "Fachleuten" steckt. Nämlich Leute, die den normalen Jagdbetrieb wieder aufnehmen wollen, und da ist der Wolf nur im Weg. Kommentar eines Jägers aus einem Internetforum:

"Das einzig wahre Kaliber für Wölfe ist 20 cm Stahl mit einem kleinen Griff dran. Mit messerschärfendem gruß, rolf"

Im Sommer 2002 wurden im bayrischen Wald 2 Wölfe erschossen, die aus einem Gehege ausgebrochen waren und das, obwohl sie keinem Menschen auch nur ein Haar gekrümmt haben und obwohl die Mehrheit der Bevölkerung gegen einen Abschuss war. Auch hier waren es Jäger, die letztendlich das Todesurteil ausgesprochen und vollstreckt haben.

Es ist schon paradox. Der Mensch ist zum Mond geflogen, hat Atome gespalten, ist aber der Intelligenz zweier unerfahrener Jungwölfe nicht gewachsen. 8 Wochen lang schlugen alle Einfangversuche fehl. Mit dem anschließenden Abschuss der Wölfe unterschrieb die Nationalparkverwaltung ihr eigenes Armutszeugnis. Die beiden Wölfe waren erst 1 Jahr alt. Ihre Verspieltheit und Abenteuerlust kostete sie das Leben.

Der Indianerhäuptling Chief Dan George sagte einmal: "Wenn Du mit den Tieren sprichst, sprechen sie mit Dir, und ihr werdet euch erkennen. Wenn Du nicht mit ihnen sprichst, wirst Du sie nicht erkennen, und was Du nicht kennst, fürchtest Du. Was man fürchtet, vernichtet man!"

Jedes Reh, das von einem Wolf gerissen wird, entgeht dadurch den zweibeinigen Jägern. Am deutlichsten wird die Einstellung der Jäger gegenüber Beutekonkurrenten, wenn man sich vor Augen führt, wie Jäger mit den noch nicht ausgerotteten Beutegreifern in Deutschland umgehen.

Jedes Jahr werden über 600.000 Füchse von Jägern getötet, zum großen Teil noch im Welpenalter vor dem eigenen Bau. Werfen Sie mal einen Blick auf dieses Bild. Das ist ein Container, randvoll mit getöteten Füchsen. Diese schönen und intelligenten Tiere werden das ganze Jahr über erbarmungslos verfolgt und dann wie Müll entsorgt. Das hat nichts mehr mit Naturschutz zu tun und schon gar nicht mit der sogenannten Waidgerechtigkeit. Für diesen Massenmord gibt es einfach keine Rechtfertigung.

Die Jäger haben die Feldhasen an den Rand der Ausrottung gebracht, geben aber den Füchsen die Schuld am Rückgang der Hasenpopulation und stellen sich nun als die Retter des Niederwilds hin, indem sie die Füchse "scharf bejagen" wie es auf jägerlateinisch heißt.

Momentan sind die Wölfe dank internationaler Artenschutzabkommen streng geschützt, aber solange Jäger die Herrscher über Leben und Tod in unseren Wäldern spielen, wird es eine Rückkehr der Wölfe nach Deutschland erst dann wirklich geben können, wenn die Jagd abgeschafft ist. Erst dann kann sich ein natürliches Gleichgewicht herstellen. Und ich persönlich habe bei einem Waldspaziergang überhaupt keine Angst vor Wölfen, weil ich weiß, dass sie äußerst scheu sind und Menschen nicht angreifen. Eher habe ich Angst, dass ich von einem Jäger erschossen werde, der mich z.B. mit einem Wildschwein verwechselt.

Lieber echte Wölfe, statt Ersatzwölfe !

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