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26.01.2009

Christian Peter, Anti-Jagd-Forum Schweiz

Christian Peter, Anti-Jagd-Forum Schweiz

Kurzfassung vom Referat zum 2. Internationalen Symposium „Natur ohne Jagd“

Bestrebungen der Schweizerischen Eidgenossenschaft zur Erhaltung der Natur und der Wildtiere

Seit 1997 besteht ein „Landschaftskonzept Schweiz“. Dieses hat unter anderem folgendes zum Ziel:

- Naturlandschaften, natürliche Landschaftsformen und Elemente in ihrer Eigenart, Vielfalt und Schönheit erhalten.

- Freiräume für die Eigenentwicklung und Dynamik der Natur zulassen

- Wasser in der Landschaft aufwerten

- Lebensräume für die Erhaltung der vielfältigen, heimischen Flora und Fauna sicherstellen, aufwerten und vernetzen

Daneben gibt es ein nationales Projekt (REN), welches vorsieht vom Bodensee bis zum Genfersee einen durchgehenden Wildkorridor zu schaffen. Dabei soll auf die Besonderheiten aller Biotope wie Wasser, Trockengebiete, Wald und genutzte Flächen geachtet und die verschiedenen Gebiete so natürlich wie möglich vernetzt werden.
Meine Damen und Herren, der Staat sorgt also durch entsprechende Projektaufträge für die Basis für eine Natur ohne Jagd. Genaugenommen rennen wir da offensichtlich offene Türen ein – mindestens was die Landschaft betrifft.

Wirtschaftliche Seite der Jagd für die politischen Behörden in der Schweiz

In einer Zeit, wo die Budgets immer mehr gekürzt werden, sind die Kantone den Jägern bzw. der Bezahlung der Jagdpatente gegenüber sehr gewogen. In den meisten Kantonen ist daher die Jagdaufsicht auch dem Finanzdepartement unterstellt. Der Kanton Graubünden poliert auf das Jahresende hin die Kasse mit einer sogenannten Winterjagd auf, wobei da vorwiegend an Gäste Patente verkauft werden.

Durch die Gesetzgebung müssen die Kantone einen erheblich grösseren Teil an die von den Bauern gemeldeten Wildschäden bezahlen als der Staat. Dadurch ist bei den regionalen Politikern sehr viel Informationsarbeit zu leisten, damit sie begreifen, dass nach einer Übergangszeit das Geld nicht mehr für Schadensregulierung ausgegeben wird, sondern für die Wertsteigerung und Erhaltung ihrer Region - für die Bewohner, die Natur inkl. der Tierwelt, ja sogar für den Bereich Touristik.

Den Landwirten wird durch den Staat sehr viel Geld als Subvention gegeben, da gibt es von der Bahndammentschädigung über Schlachtpreisstützgelder bis hin zu Brachlandabgeltung.

Wenn all die Subventionen analysiert werden, sieht man, dass sehr viel Geld vorhanden ist um unser Wild zu schützen und den Lebensraum zu erhalten. Die Bauern hätten gleich viel Einnahmen, aber sie würden das Geld für Lebenserhaltung und zur Erhaltung von Lebensräumen bekommen. Die Öffentliche Hand hätte also keine zusätzliche Last, das Geld würde nur umverteilt und zweckbestimmt.

Die politische Akzeptanz von tierschutzrelevanten Themen in der Schweiz

Zur Zeit sind einige Initiativen hängig, unterschriftbereit oder bereits abgegeben mit tierschutzrelevanten Inhalten.

Die Politiker merken, dass tierschutzrelevante Themen zu sehr heissen Diskussionen führen und in diesem Herbst auch zu Wahlthemen werden können. An uns ist es, das Feuer nun noch etwas in diese Richtung zu schüren.

Bereits wurden im Ständerat (kleine Kammer) Motionen zur Jagdbeschränkung abgegeben wie das Verbot der Baujagd bei Füchsen.

Zudem haben sich die Jäger mit ihrer restriktiven Haltung zum neuen Waffengesetz nicht nur Freunde gemacht. Stehen doch noch einige Politiker unter dem Einfluss eines Amokschützen, welcher vor einiger Zeit ins Kantonsparlament von Zug eindrang.
Die grossen Tierschutzorganisationen sind nicht gerade jagdfeindlich, jedoch unter steigendem Druck der Basis immerhin jagdkritisch. Dies führt zur Uneinigkeit zwischen den Jägern und den tonangebenden Tierschutzorganisationen, was wiederum taktisch gut genutzt werden kann, die Basis weiter auf die Antijagdseite zu ziehen. Seit dem Irakkrieg und der anhaltenden Wirtschaftskrise ist auch vermehrt eine Politisierung der Jugend festzustellen, vor allem an den Informationsständen zeigen sich junge Leute wesentlich engagierter.

Die Zeit für eine Verfassungsinitiative zur Abschaffung der Jagd ist reif.

Werdegang des Schweizerischen Jagdgesetzes

Vor dem Jahre 1886 wurde Raubbau an Wald und Wild betrieben. Der Bär, Wolf, Hirsch, Steinbock, das Rebhuhn waren ausgerottet und viele Kleintiere wie Hasen und Biber in bedrohlichem Masse in ihren Beständen dezimiert.

Das 1. Wald und Wildschutzgesetz wurde verabschiedet. Seit diesem 1. Gesetz gab es unzählige Änderungen. Die Gutsbesitzer und der Klerus wollten die Jagd für sich beanspruchen und sorgten dafür, dass es immer mehr Bestimmungen gab, welche die Jagd für den einfachen Bürger verunmöglichte. Mit den 1. Umwelt- und Tierschützern, damals noch Heimatschützer genannt, bekamen die damaligen Jäger einen Gegner mit dem sie umzugehen lernten. Die weiteren Gesetzesänderungen wurden nun dahingehend manipuliert, dass nun der Bund und die Kantone aus dem damaligen Schutzgesetz einen Auftrag an die Jäger formulierten. So können die Jäger bis Heute die Ausrede benutzen, dass sie nur einen Auftrag der Verfassung erfüllen.
Nun ist es höchste Zeit diesen Auftrag zurückzunehmen und wieder zu einem Schutzgesetz zurückzukehren. Denn es hat sich seit 1886 nichts geändert die Zahlen der Hasen und Rebhühner sind wieder auf einem mehr als bedrohlichen Niveau.

Reaktionen, aktuelle Situation und nächste Schritte

Wie ich am letzten Symposium bereits erzählen durfte, haben wir am 4. Juli 2002 das Anti-Jagd-Forum Schweiz gegründet. Am 21. September im letzten Jahr führten wir das 1. Forum in Bern durch. Die Besucherzahl war eher unter unseren Erwartungen, in der Presse wurde jedoch von über 100 BesucherInnen berichtet, was die Jägerschaft nicht gerade beruhigte.

Daraufhin gab es viele Presseberichte, Interviews mit der lokalen Fernsehanstalt, mit der grössten Tageszeitung „Blick“ vergleichbar der Bild-Zeitung und weiteren.
Wir begannen alle öffentlichen Auftritte der Jäger mit Anti-Jagd Plakaten zu begleiten, was für weiteren Stoff für die Journalisten sorgte.
Zur Zeit sind wir daran, eine grosse Spendenaktion durchzuführen um die Initiative zu finanzieren. Es braucht im Minimum 150 000.—sFr., unser Ziel ist nach wie vor eine Million.

Der Initiativtext ist in Bearbeitung und wird bis Ende August einem Professor für Verfassungsrecht zur Prüfung vorgelegt. Danach dauert es ca. 2 Monate, bis er durch die Bundeskanzlei geprüft und in alle Landessprachen übersetzt ist. Der Start für die Unterschriftensammlung (100 000 gültige Unterschriften innerhalb 18 Monaten) ist auf den 1. Januar 2004 geplant.

Im weiteren ist offensive Öffentlichkeitsarbeit geplant, denn kaum einer weiss, dass z.B. eine überlebensfähige Dachspopulation 50 Sippen à 10 Tiere sind und diese 100 2 Lebensraum benötigen oder dass eine überlebensfähige Igelpopulation 300 Tiere innerhalb von 9 km2 sind.

Auch die soziale Struktur der einzelnen Tierarten mit den speziellen Aufgaben einzelner Tiere innerhalb einer Sippe ist kaum bekannt.
Mit Aktionen an Ständen und in Schulen sollen solche Aha-Erlebnisse vermittelt werden und zu einer breiten Basis in der Bevölkerung führen.

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