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26.01.2009

Christian Peter: Luchsmord in der Schweiz

Christian Peter: Luchsmord in der Schweiz

Von Christian Peter und Gaby Siegenthaler, Anti-Jagd-Forum Schweiz


Der Luchs, die einst einheimische Wildkatze wird in der Schweiz seit 1971 systematisch wieder angesiedelt. Inzwischen wird die Zahl der freilebenden Tiere auf etwa 100 geschätzt. Im Kanton Bern entspricht dies, laut Jagdstatistik 2001, einer Population von einem Tier pro 100 Quadratkilometer.
Der Skandal: Jeden Monat wird im Berner Oberland einer dieser Luchse entweder durch Schrotkugeln, die Kugel eines Sturmgewehrs oder der Jagdflinte erschossen! Mittlerweile sind 40 Luchsmorde zu verzeichnen - und keiner ist bislang geklärt worden.

Wie bei der Mafia

Der Untersuchungsrichter Thomas Wyser aus dem Berner Oberland spricht von den Luchsfrevlern als rede er von der Mafia: “Wenn wir die Leute befragen wird einfach geschwiegen.“ Trotz Anzeigen und Beweismaterial - die Luchsmörder scheuen sich auch nicht, sich mit der Tat zu brüsten: Die Täter schnitten den Luchsen die Pfoten ab und schickten sie an das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft. Das Bundesamt erstatte Anzeige beim Untersuchungsrichter. Doch die sogenannte „Untersuchung“ verliefen in allen 40 Fällen im Sande, bzw. endeten in der Schublade.
Darüber scheint die oberste Jägerin im Kanton Bern, die Regierungsrätin Elisabeth Zölch, nicht unglücklich zu sein, fällt doch so kein Schatten auf die von ihr gepflegte Jägerschaft. Die oberste Jägerin sieht ihre Aufgabe vielmehr darin, sich auch als oberste Schafhirtin feiern zu lassen und den Schafzüchtern zu Munde zu reden, welche die Weideflächen im Oberland massiv übernutzen und in ihrer Profitgier nicht gewillt sind, für geeigneten Schutz für ihre Tiere vor Beutegreifern zu sorgen. Im Berner Oberland arbeit man eben statt Schutzmaßnahmen für Schafe lieber Schutzmaßnahmen für Luchsmörder aus.

Es befremdet in diesem Zusammenhang weiter, dass die Berner Oberländer und Walliser über häufige Risse an Schafen und Ziegen durch den Luchs klagen, während man gleichzeitig aus den Kantonen St. Gallen, Zürich, Thurgau und den beiden Appenzell vernimmt, dass sich die Luchse „fast über Erwarten vorbildlich verhalten“. In dieser Region kam es bisher zu keinen Schafrissen.

Jägerischer Beute-Neid

Der Schweizer Umweltminister Moritz Leuenberger bekräftigte, dass sich die Wiederansiedlung der Luchse im Berner Oberland positiv auf die natürliche Verjüngung des Waldes auswirke. Die Jäger allerdings sehen ihren Konkurrenten, den Luchs, nur ungern in ihren Jagdgründen; er vergälle ihnen die Freude an ihrem Hobby.

Folgt man den Ausführungen des Bernischen Jagdinspektors Rolf Schneeberger wird die ganze Absurdität überdeutlich: “Als erstes wird die Entwicklung des Luchsbestandes intensiv überwacht. (...) Und wenn trotzdem durch den Luchs der Rehbestand im Jurabogen so stark zurückgehen sollte, dass dadurch die Beute der Jäger spürbar geschmälert würde, könnte allenfalls sogar ein Luchsabschuss aus Rücksicht auf den Rehbestand in Erwägung gezogen werden.“

Es bleibt also kein Zweifel: Der Luchs muss sein Leben lassen, wenn er den Jägern die Beute wegfrisst. Geradezu zynisch wirkt das Voranstellen der Rücksichtnahme auf den Rehbestand, wo in Tat und Wahrheit die Rücksichtnahme auf die Jäger und ihr mordlüsternes Hobby gemeint ist. Denn allein in diesem Gebiet des Kantons wurden in den letzten Jahren durch die Jäger zwischen 400 und 700 Rehe pro Jahr getötet – unter dem Vorwand, ein zu hoher Rehbestand würden den Wald gefährden.

Das Jägerlatein im Klartext:: Rehe müssen geschossen werden, weil sie an Bäumen knabbern und den Wald aufessen. Und wenn ein Luchs ein Reh reißt, weil er Hunger hat, muss er geschossen werden, damit die Rehe geschützt werden.

„Die Jagd ist weder logisch verstehen noch biologisch oder ökologisch zu rechtfertigen. Wildtiere schaden niemanden und würden sich selbst optimal regulieren, wenn die Jäger nicht alles durcheinanderbringen“, meint Dr. Fritz Schenk, der die „Initiative zur Abschaffung der Hobbyjagd“ ins Leben gerufen hat. „Grundsätzsichlich geht es bei der Jagd um die reine Lust am Töten. Das ist zu Beginn des 3. Jahrtausends ethisch nicht mehr vertretbar!“

4 Mio. Franken Steuergelder verschwendet

Betrachtet man die finanzielle Seite, fällt auf, dass die Wiederansiedlung eines einzigen Luchses den Steuerzahler ca. sFr. 100.000,- kostet.
Bei bisher 40 ermordeten Luchsen kommen wir auf die stattliche Summe von sFr. 4.000.000, deren Verlust auf das Konto der Jägerschaft geht!
Wie lange noch wollen die Schweizer Bürger mit ihren Steuergeldern den Luchsmord auch noch finanzieren?

Allen Tatsachen zum Trotz meint der Präsident der Thuner Jäger, Christian Kropf: „Wir erfüllen als Jäger eine wichtige Verbindungsfunktion zwischen der Natur und der Bevölkerung. Unsere Funktion und unsere Tätigkeiten sind zum Wohle von Forst, Landwirtschaft, Tourismus, Sport und nicht zuletzt auch der Tierschützer, welche in der Natur Erholung suchen.“ (Aus einem Interview ‚Thuner Tagblatt’ zum 42. Thuner Pelz- und Fellmärit). Doch immer Eidgenossen sehen das anders: „Bei der Hobby-Jagd werden freilebende Tiere hinterhältig und schamlos umgebracht! Solch ein Tun kann niemandem zum Wohle gereichen!“

Berner Initiative: Stopp der Hobby-Jagd!

Das Luchsdebakel brachte dann auch das Fass in Bern zum Überlaufen: Es bildete sich eine Bürgerbewegung zur Abschaffung der Hobby-Jagd im Kanton. Die Berner Jagdgegner veranstalteten Woche für Woche Info-Stände in Schweizer Städten. Seit Dezember 2001 wurden bereits 7000 Unterschriften für die Abschaffung der Hobby-Jagd gesammelt. Innerhalb eines Jahres muss nun der Berner Regierungsrat Antwort auf das Begehren der 7000 Unterzeichner geben. Doch wie auch in Deutschland und in Österreich sind auch in der Schweiz viele Politiker selbst Jäger - und die Jägerlobby ist noch mächtig.
Um ihre Kräfte zu bündeln und gemeinsam für die Wildtiere einzutreten haben sich die Schweizer Jagdgegner nun zusammengeschlossen. Diese gesamtschweizerische Bewegung „Anti-Jagd-Forum Schweiz“ hat sich das Ziel gesteckt, die Jagd nicht nur in einzelnen Kantonen, sondern in der ganzen Schweiz abzuschaffen.

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