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20.01.2009

COVANCE quält weiter …

COVANCE quält weiter …

300 Menschen demonstrierten gegen
das Vergessen der Gewalt von Tierversuchen von Tina Möller


Es waren ca. 300 Leute, die sich am 22. Juli vor dem Bahnhof versammelt hatten, um erneut auf das schändliche Tierversuchslabor in der schönen Universitätsstadt Münster aufmerksam zu machen. Unter dem Motto ‚COVANCE quält weiter... Kein Vergeben – kein Vergessen!’ hatte die ‚Münsteraner Initiative für Tierrechte e.V.’ zu einem Protestmarsch durch die Innenstadt aufgerufen. Dass die hilflosen Affen und andere so genannten Versuchstiere bei Covance und in anderen Laboren nicht vergessen sind, das zeigte sich deutlich an den vielen Menschen, die sich trotz der erschöpfenden Hitze nach Münster aufgemacht hatten, um sich an der Demonstration zu beteiligen. Viele brachten Transparente, Fahnen und Bildtafeln mit, auf denen Szenen aus dem Covance-Labor abgebildet waren. Grausame Bilder von schreienden Affen, Bilder, die sehr eindringlich das Martyrium der Affen im Versuchslabor transparent machen, Bilder, die schockierend, gleichzeitig aber sehr real sind, weil sie den Alltag im Labor zeigen. Neben der anklagenden Message der Fotos machten auch die stetigen und unüberhörbaren Sprechchöre eindrucksvoll deutlich, dass die Tiere niemals in Vergessenheit geraten werden und weiter gegen ihre Ausbeutung und Ermordung gekämpft wird.


Der Protestmarsch zog vom Bahnhof zuerst zum Münsteraner Stadthaus, vor dem Ulf Naumann, Vorsitzender des Vereins ‚die tierbefreier e.V.’, Covance öffentlich für ihre Gewalt an Tieren anprangerte. Dabei ging er ebenfalls auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ein, die diese Gewalt erst möglich machen: „Solange Tiere als Ressource und Wegwerfmessinstrumente angesehen werden, so lange werden auch Alternativen zu Tierversuchen nur ein Schattendasein führen. Es wäre naiv zu glauben, dass die medizinische Forschung ohne Tierversuche am Ende wäre. Es ist immer wieder erstaunlich, welche wissenschaftlichen Methoden entwickelt werden, wenn die Notwendigkeit dessen gesehen wird. Man muss nur wollen, das hat die Vergangenheit immer wieder gezeigt!“ Tiere beschrieb Naumann als leidensfähige Lebewesen, „sie wollen leben und zwar frei von Angst und Schmerz. Über diese Tatsache wird sich in allen Bereichen in einer grausamen Herrschaftsmanier hinweggesetzt, die unvorstellbare Ausmaße annimmt.“ Für die Tierrechtsbewegung hieße dies, dass der Widerstand gegen diese Gewalt energischer, offensiver und militanter werden müsse. Einen goldenen Weg des Widerstandes gäbe es nicht, aber einen deutlichen: „Den Weg, der den Ausbeutern und den Tätern Grenzen setzt.“


Denise, ein Mitglied der veranstaltenden Gruppe ‚Münsteraner Initiative für Tierrechte e.V.’, berichtete anschließend, dass der Stadt Münster einige Tage vor der Demo Unterschriftenlisten mit insgesamt 40.000 (!) Unterschriften übergeben wurden. Alle Unterzeichneten fordern eine sofortige Schließung des Labors von Covance in Münster. Diese Unterschriften sollten neben den stetigen Protesten ein zusätzlicher Beweggrund für die Stadt Münster sein, endlich tätig zu werden, ihre ökonomischen Interessen der moralischen Verantwortung hinten anzustellen und das Covance-Labor nicht länger zu dulden.


Anschließend zog der Protestzug weiter durch die Innenstadt. Die historischen Fassaden am Prinzipalmarkt und das bedeutende alte ‚Rathaus des westfälischen Friedens’ sind Wahrzeichen der Altstadt in Münster und weltweit bekannt. Doch auch die schönen Fassaden und Bauwerke können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Münster auch hässliche Seiten hat. Eine äußerst hässliche und grausame Seite ist unzweifelhaft das Covance-Tierversuchslabor, das fernab der Innenstadt hinter hohen Stacheldrahtzäunen verborgen liegt, und in denen Tausenden hilflosen Tieren das Leben zur Hölle gemacht wird. Und so machten die Protestierenden lautstark auf diesen Ort der Gewalt und Barbarei aufmerksam. In Sprechchören riefen sie zur Schließung des Labors auf und forderten ein Ende der Ausbeutung von Tieren.


Der Prinzipalmarkt war Haltepunkte für zwei weitere Redebeiträge. Ein Aktivist der ‚Offensive gegen die Pelzindustrie’ verwies auf die Omnipräsenz der speziesistischen Ausbeutung von Tieren in unserer Gesellschaft, gegen die angekämpft werden müsse. Dabei würden sich Kampagnen als erfolgsversprechendste Strategie erweisen. Er stellte die Kampagnenarbeit der ‚Offensive gegen die Pelzindustrie’ vor, die sich zurzeit gegen den Pelzverkauf bei Peek & Cloppenburg richtet, und rief dazu auf, diese zu unterstützen (s. hierzu Titelstory P&C-Kampagne auf S. 4).


Ein Aktivist der ‚Autonomen Tierbefreiungsaktion Hannover (ATAH)’ behandelte in seiner anschließenden Rede das gesellschaftlich manifestierte Mensch-Tier-Machtverhältnis am Beispiel der fleischessenden Gesellschaft. Das Töten und Verspeisen von als essbar definierten Tieren sei für ihn eine sehr prägnante Form des Herrschaftsverhältnisses: „Dieses Töten wird unkenntlich gemacht, indem es am Rand der Gesellschaft hinter verschlossenen Mauern geschieht, und indem das Lebewesen Tier nur noch als entfremdetes Produkt zu erkennen ist.“ Grundsätzlich führte er die vorherrschende hierarchische Grundordnung (der Mensch auf der obersten, das als essbar definierte Tier auf der untersten Sprosse der Leiter) auf die mit der Zivilisation einhergehende Naturbeherrschung des Menschen zurück.


So war die Demonstration definitiv nicht nur eine Anklage an die Tierversuchsindustrie, sondern generell ein Aufruf zur Beendigung der Herrschaft über die Tiere. An der Demoroute gelegene Fleischereien, Fisch- und Jagdgeschäfte wurden dementsprechend mit Sprechchören wie „Jagd ist Mord!“ oder ähnlichem bedacht. Über spontanen und freundlichen Applaus hingegen freute sich der Inhaber einer vegetarischen Falafel-Imbissstube, dessen Laden ebenfalls auf der Demoroute lag.


Der Demozug endete schließlich am Domplatz, auf dem die Münsteraner Initiative für Tierrechte bereits einen kleinen Imbiss für die DemoteilnehmerInnen vorbereitet hatte.

Am Abend nach der offiziellen Demonstration fuhren einige TierrechtlerInnen zum Labor von Covance – das aktuell baulich erweitert wird (!) – und protestierten vor Ort. Zivile Polizisten riefen zwei Streifenwagen herbei und es folgten Personalienfeststellungen und Platzverweise, sodass die Spontan-DemonstrantInnen von dannen zogen.

Während der Demonstration kam es zur Festnahme einer Tierrechtlerin. Sie wurde ins Präsidium gefahren und zu einem angeblichen Hausfriedensbruch bei Covance vor der Demonstration befragt. Angeblich sei sie auf das Baugelände von Covance gegangen. Dabei beruft sich die Polizei auf Videoaufnahmen der Überwachungskameras von Covance und behauptet, die Aufnahmen dieser Tierrechtlerin zuordnen zu können. Nach mehreren Stunden wurde sie wieder freigelassen.

Während Covance nach Beginn der Tierrechtsaktionen Unsummen in Überwachungstechnik ihres Geländes gesteckt hat, haben sie die von den Behörden angeordnete Kameraüberwachung der Versuchsräume zum Zwecke der Kontrolle der Covance ExperimentatorInnen und MitarbeiterInnen unter anderem mit Hinweis auf die hohen Kosten gerichtlich stoppen und untersagen lassen. So ist wohl sichergestellt, dass ihnen die Behörden auch nicht zu sehr auf die Finger schauen. Stattdessen schleusen sie lieber PolitikerInnen und Schulklassen durch ihre Räumlichkeiten, um ihnen eine vermeintlich heile Welt zu präsentieren. Covance hat nach eigenen Angaben in den letzten Jahren mehr als eine Million Euro für Public Relations Arbeit ausgegeben, um zu versuchen, ihr Ansehen wieder reinzuwaschen. Dabei werden sie tatkräftig von der vom Hoff Kommunikation GmbH aus Düsseldorf unterstützt, die versucht, durch beschönigende Pressearbeit Covance in ein positives Licht zu rücken.

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