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20.01.2009

Der Grundgedanke der Tierrechte von Prof. Tom Regan

Der Grundgedanke der Tierrechte von Prof. Tom Regan

In der letzten Ausgabe der Tierbefreiung veröffentlichten wir den ersten Teil von „Der Grundgedanke der Tierrechte“ des Philosophen Tom Regan, deren deutsche Übersetzung uns die Tierversuchsgegner Berlin und Brandenburg zur Verfügung stellten. Im zweiten Teil stellt Regan zehn oft gehörte Vorwürfe gegen den Tierrechtsgedanken vor und formuliert seine Gegenargumente.


Zehn Gründe gegen Tierrechte und die Antworten darauf

1. Ihr setzt die Tiere den Menschen gleich, wo sie sich doch so sehr voneinander unterscheiden.

ANTWORT: Wir sagen nicht, dass Menschen und andere Tiere sich in jeder Hinsicht gleichen. So sagen wir beispielsweise nicht, dass Hunde und Katzen Integralrechnung ausführen oder Schweine und Kühe sich an Poesie erfreuen könnten. Was wir sagen, ist, dass viele andere Tiere, ebenso wie die Menschen, mit einer Psyche ausgestattete Wesen sind, die aus ihren eigenen Erfahrungen lernen, was gut für sie ist. Dies haben sie und wir gemeinsam. In dieser Hinsicht sind sie und wir daher, trotz all unserer Unterschiede, gleich.


2 Ihr sagt, dass alle Menschen und alle anderen Tiere dieselben Rechte haben, was absurd ist. Hühner können nicht das Recht haben zu wählen, und Schweine können kein Recht auf höhere Bildung haben.

ANTWORT: Wir sagen nicht, dass die Menschen und die anderen Tiere immer dieselben Rechte haben. Nicht einmal alle Menschen haben dieselben Rechte. So haben beispielsweise Menschen mit schweren geistigen Schäden kein Recht auf höhere Bildung. Was wir sagen, ist, dass sowohl diese als auch die anderen Menschen mit den anderen Tieren ein grundsätzliches moralisches Recht teilen - nämlich das Recht, mit Achtung behandelt zu werden.


3 Wenn Tiere Rechte haben, so gilt dies auch für Gemüse, und das ist absurd.

ANTWORT: Viele Tiere sind wie wir: sie lernen aus ihren eigenen Erfahrungen, was gut für sie ist. Ebenso wie wir haben diese Tiere daher das Recht, mit Achtung behandelt zu werden. Andererseits haben wir keine Ursache, und ganz sicher keine wissenschaftlich belegte, zu glauben, dass beispielsweise Mohrrüben und Tomaten über eine Ausstrahlung verfügen, die uns das Vorhandensein einer Psyche vermuten ließe. Ebenso wie alle anderen Gemüsesorten weisen auch Mohrrüben und Tomaten nichts auf, was mit einem Gehirn oder einem Zentralnervensystem vergleichbar wäre. Da ihnen diese Merkmale fehlen, gibt es keinen Grund, Gemüse als mit einer Psyche ausgestattete Wesen anzusehen, die in der Lage wären, beispielsweise Freude oder Schmerz zu empfinden. Daher kann man vernünftigerweise Tieren Rechte zusprechen, während man sie dem Gemüse abspricht.


4. Wo soll man die Grenze ziehen? Wenn Primaten und Nagetiere Rechte haben, dann gilt das auch für Schnecken und Amöben, und das ist absurd.

ANTWORT: Es ist häufig nicht einfach zu entscheiden, wo genau man „die Grenze ziehen“ soll. So können wir zum Beispiel nicht genau sagen, wie alt jemand sein muss, um alt, oder wie groß jemand sein muss, um groß zu sein. Dennoch können wir mit Gewissheit sagen, dass jemand, der 88 Jahre alt ist, ein alter Mensch, und dass jemand, der 2,16 m groß ist, ein großer Mensch ist. Ebenso können wir nicht mit Exaktheit sagen, wo man die Grenze ziehen soll, wenn es um die Tiere geht, die eine Psyche besitzen. Und dennoch können wir mit absoluter Sicherheit sagen, dass, wenn diese Grenze auf der Basis wissenschaftlicher Gründe gezogen wird, sich Primaten und Nagetiere auf der einen Seite dieser Grenze (der Seite der Psyche), die Schnecken und Amöben hingegen auf der anderen Seite befinden, was jedoch nicht heißt, dass wir Letztere gedankenlos töten dürfen.


5. Aber nun gibt es doch ganz sicher einige Tiere, die Schmerz empfinden können, die jedoch keine psychische Identität besitzen, die auf einem zentralen Nervensystem beruht. Da diese Tiere nicht das Recht haben, mit Achtung behandelt zu werden, lässt sich aus der Philosophie der Tierrechte für diesen Fall ableiten, dass wir solche Tiere behandeln können, wie immer es uns gefällt.

ANTWORT: Es trifft zu, dass einige Tiere, zum Beispiel Garnelen und Muscheln, möglicherweise Schmerz empfinden können, jedoch kaum eine der übrigen psychischen Fähigkeiten aufweisen. Wenn dies so ist, dann stehen ihnen einige der Rechte, die andere Tiere besitzen, nicht zu. Dennoch kann es keine moralische Rechtfertigung dafür geben, irgendeinem Wesen unnötigerweise Schmerz zuzufügen. Und da es nun einmal nicht nötig ist, dass Menschen Garnelen, Muscheln und ähnliche Tiere essen oder sie auf andere Weise nutzen, kann es auch keine moralische Rechtfertigung dafür geben, ihnen den Schmerz zuzufügen, der mit einer solchen Nutzung unweigerlich verbunden ist.


6. Die Tiere achten unsere Rechte nicht. Daher haben wir Menschen auch nicht die Pflicht, die Rechte der Tiere zu achten.

ANTWORT: Es gibt viele Situationen, in denen ein Individuum, das Rechte besitzt, nicht in der Lage ist, die Rechte anderer zu berücksichtigen. Dies gilt für Säuglinge, kleine Kinder sowie für geisteskranke und geistesschwache Menschen. Im Falle dieser Menschen sagen wir nicht, dass es richtig wäre, uns ihnen gegenüber respektlos zu verhalten, nur, weil sie unsere Rechte nicht achten. Ganz im Gegenteil, wir erkennen sogar an, dass es unsere Pflicht ist, ihnen mit Achtung zu begegnen, obwohl sie selbst nicht verpflichtet sind, uns ebenso zu behandeln.

Was für solche Fälle wie die der Säuglinge, der Kinder und der anderen erwähnten Menschen gilt, gilt nicht weniger für die anderen Tiere. Es ist wahr, dass sie nicht die Pflicht haben, unsere Rechte zu respektieren. Dies enthebt uns jedoch nicht der Pflicht, ihre Rechte zu achten, oder verringert diese Pflicht auch nur.


7. Gott hat den Menschen die Herrschaft über die anderen Tiere gegeben. Daher können wir ihnen alles antun, was uns gefällt, und wir können sie daher auch essen.

ANTWORT: Nicht in allen Religionen werden die Menschen so dargestellt, dass sie die „Herrschaft“ über die anderen Tiere haben, und selbst bei den Religionen, bei denen dies der Fall ist, sollte „Herrschaft“ als selbstloser Schutz und nicht als selbstsüchtige Macht verstanden werden. Die Menschen müssen gegenüber sämtlichen Geschöpfen ebenso liebevoll sein, wie Gott es war, als er sie schuf. Würden wir die Tiere heute so lieben, wie es die Menschen im Garten Eden getan haben, dann würden wir sie nicht essen. Diejenigen, die die Rechte der Tiere achten, sind auf der Reise zurück zum Garten Eden – einer Reise zurück zu einer wahren Liebe für Gottes Schöpfung.

8. Nur die Menschen haben eine unsterbliche Seele. Das gibt uns das Recht, die anderen Tiere so zu behandeln, wie es uns gefällt.

ANTWORT: Viele Religionen lehren, dass alle Tiere, und nicht nur die Menschen, eine unsterbliche Seele haben. Doch selbst, wenn nur die Menschen unsterblich wären, so wäre dies nur ein Beweis dafür, dass wir für immer leben, während die anderen Tiere dies nicht tun. Und diese Tatsache (sofern es eine solche ist) würde es mehr und nicht etwa weniger zu unserer Pflicht machen sicherzustellen, dass dieses Leben – das einzige, das die anderen Tiere besitzen – so lang und so gut wie nur irgend möglich ist.

9. Wenn wir die Rechte der Tiere achten und sie nicht essen oder auf andere Weise ausbeuten, was sollen wir dann mit all diesen Tieren tun? Sie würden dann sehr bald durch unsere Straßen laufen und in unsere Häuser kommen.

ANTWORT: Allein in den Vereinigten Staaten werden jedes Jahr etwa zehn Milliarden Tiere zu Nahrungszwecken aufgezogen und geschlachtet. Der Grund für diese überraschend hohe Zahl ist ein ganz einfacher: es sind Konsumenten da, die sehr hohe Mengen an Tierfleisch essen. Das Angebot an Tieren entspricht der Nachfrage durch die Käufer. Für den Fall jedoch, dass die Philosophie der Tierrechte siegt – und die Menschen vegetarisch leben –, müssen wir keineswegs fürchten, dass Milliarden von Kühen mitten in unseren Städten oder in unseren Wohnzimmern grasen oder ebenso viele Schweine dort ihre Mahlzeit abhalten. Sobald der finanzielle Anreiz für die Aufzucht von Milliarden dieser Tiere schwindet, werden diese Milliarden von Tieren einfach nicht mehr da sein. Dasselbe gilt für die anderen Fälle, zum Beispiel für die Tiere, die für die Forschung gezüchtet werden. Wenn die Philosophie der Tierrechte sich durchsetzt – und diese Art der Nutzung der Tiere ein Ende findet –, wird auch kein finanzieller Anreiz für das Züchten von Millionen dieser Tiere mehr gegeben sein.


10. Selbst, wenn die anderen Tiere moralische Rechte besitzen und geschützt werden sollten, so gibt es doch wichtigere Dinge, die unsere Aufmerksamkeit verlangen, zum Beispiel der Hunger auf der Welt, der Kindesmissbrauch, die Apartheid, Drogen, Gewalt gegen Frauen und das Leid der Obdachlosen. Zuerst müssen wir uns um diese Probleme kümmern, danach können wir an die Rechte der Tiere denken.

ANTWORT: Die Tierrechtsbewegung ist Teil der Menschenrechtsbe-wegung und nicht von dieser isoliert. Dieselbe Philosophie, die auf den Rechten der nicht-menschlichen Tiere beharrt und diese verteidigt, beharrt auch auf den Rechten der Menschen und verteidigt diese. In der Praxis besteht sogar die Entscheidung, die gedankenvolle Menschen zu treffen haben, nicht in der Frage, ob sie den Menschen oder den anderen Tieren helfen sollen. Man kann beides tun. Wir müssen beispielsweise ebenso wenig Tiere essen, um den Obdachlosen zu helfen, wie wir, um Kindern zu helfen, Kosmetik benutzen müssen, die an Tieren getestet wurde. Es ist sogar so, dass Menschen, die die Rechte der nicht-menschlichen Tiere achten, indem sie sie nicht essen, gesünder sind, was sie wiederum in die Lage versetzt, den Menschen besser helfen zu können.

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