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11.01.2009

Der Palmöl-Skandal - Wie wir Stromkunden Umweltvernichtung finanzieren

Der Palmöl-Skandal - Wie wir Stromkunden Umweltvernichtung finanzieren

Artikel zum Bericht von Inge Altemeier und Mike Lingenfelser für das ARD-Magazin "Report"

Ein Orang Utan in seiner Heimat Indonesien. Doch sein Revier hat dieser Menschenaffe verloren. Verloren an eine Firma, die hier in Borneo Plantagen für Palmöl errichtet. Palmöl, das als subventionierter Biokraftstoff auch in vielen deutschen Blockheizkraftwerken zur Stromerzeugung verbrannt wird. Denn es ist billiger als heimisches Raspsöl. Möglich macht das die gesetzliche Förderung von erneuerbaren Pflanzenkraftstoffen, die alle Verbraucher bezahlen, über erhöhte Strompreise. Welches Ausmaß hat der Palmöl-Skandal und wie viel haben wir dafür bezahlt?

Report MÜNCHEN liegen exklusiv wissenschaftliche Daten des Instituts für Energie in Leipzig vor, mit denen sich die Kosten abschätzen lassen. Daraus berechnet Energieexperte Holger Krawinkel für uns, wie viel Euro alle deutschen Stromkunden zusätzlich bezahlen mussten.

Holger Krawinkel, Verbraucherzentrale Bundesverband: "Der Verbraucher hat allein in 2007 offensichtlich mindestens 50 Millionen Euro für die Subventionierung von Palmöl zur Nutzung in Blockheizkraftwerken bezahlt. Damit hat er nichts anderes finanziert als die Abholzung des Regenwaldes in Südostasien."

Millionen Euro, mit denen die Verbraucher eigentlich Energie aus nachwachsenden Rohstoffen fördern sollen - der sogenannte Nawaro Bonus. Da Palmöl formal betrachtet ein nachwachsender Rohstoff ist, bekommen zum Beispiel auch die Betreiber dieses Kraftwerks in Schwäbisch Hall diesen Bonus. Wir wollen wissen, wie viel Nawaro-Bonus sie für das Verheizen von Palmöl bekommen haben.

Gebhard Gentner, Stadtwerke Schwäbisch Hall: "Ca. zwei Millionen Euro haben wir bisher Nawaro-Bonus für die Anlage erhalten. Wir sind ein sehr ökologisch geprägtes Stadtwerk und unsere Kunden erwarten das auch von uns, dass wir ökologisch Strom produzieren und dass wir jetzt so in die Kritik geraten, ist für uns sehr ärgerlich."

Schwäbisch Hall will raus aus der Palmölfalle. Sie hatten sich auf das Erneuerbare Energien Gesetz verlassen und auf Versprechen des IOI-Konzerns, der sie noch bis Jahresende beliefert, mit Palmöl aus Malaysia. IOI verspricht, so genanntes "nachhaltiges" Palmöl, ohne Regenwald- und Wildtier-Vernichtung, ohne übermäßigen Chemieeinsatz. Wir wollen überprüfen, wie nachhaltig IOI wirklich wirtschaftet. Und zwar in Indonesien, wo IOI sein Palmölgeschäft weiter ausbaut. Diese Bilder zeigen, wie hier im Herzen Borneos ein Zulieferer von IOI Anfang des Jahres eine Plantage mitten im Regenwald errichtet. Und noch etwas tiefer im Regenwald zerstört ebenfalls ein Zulieferer des Palmölkonzerns die letzten Rückzugsgebiete der Orang Utans. Tierschützer betäuben die hilflosen Menschenaffen und retten sie so aus dem Kahlschlag. Wir konfrontieren IOI. Dort distanziert man sich klar von der Zerstörung naturgeschützter Primärregenwälder und der Tötung wild lebender Tiere. Außerdem verweist IOI darauf, dass man Mitglied ist im sogenannten RSPO, dem Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl. Einer Initiativgruppe, die ein Nachhaltigkeitszertifikat für sauberes Palmöl entwickeln möchte. Doch gleichzeitig räumt IOI ein, dass man auch Minderheitsbeteiligungen an Palmölfirmen hält, die nicht nachhaltig produzieren, jedoch nur um diese zur Einhaltung der RSPO-Prinzipien zu bewegen. Genau solche Firmen haben wir offensichtlich im Indonesischen Dschungel gefunden. Und wir finden noch mehr zweifelhafte Geschäftspartner in Indonesien. In Riau auf Sumatra beobachten wir erst vor kurzem, wie ein Arbeiter eines IOI-Zulieferers Unkrautvernichtungsmittel auf der Palmölplantage versprüht. Bei genauerem Hinsehen stellt sich heraus: Der Mann benutzt das gefährliche Herbizid Paraquat. Eine nicht gerade nachhaltige Arbeitsweise. Denn "nachhaltig" gefährdet dieses Herbizid lediglich die Gesundheit der Arbeiter und darf deshalb in Europa seit letztem Jahr nicht mehr angewendet werden. Bei der zuständigen Ölmühle fragen wir den Vorarbeiter, ob man eigentlich weiß, von welcher Plantage welches Öl kommt.

Vorarbeiter: "Nein, das wird dann alles vermischt, das kommt von vielen verschiedenen Plantagen."

Im Palmöl-Hafen kommen uns Zweifel, ob man überhaupt eindeutig nachvollziehen kann, welches Öl von welcher alten oder neuen Plantage aus Indonesien oder Malaysia letztendlich in deutschen Kraftwerken ankommt. Und diese Zweifel bestätigt der Sprecher deutscher Palmölhändler.

Christof Buchholz, Handelverband Öle und Fette: "Das Öl wird aus den verschiedensten Landesteilen am Exporthafen zusammengeführt und dort in Tanks praktisch verladen. Und von daher ist es nicht möglich, jetzt zu sagen, das kommt von der Plantage oder der und der Ölmühle."

Nachweislich nachhaltiges Palmöl gibt es also nicht. Jahrelang haben Politiker dem Palmölskandal zugesehen. Und sich sogar im Urwald erkundigt. Auch aufgrund der report Berichterstattung will man nun das Gesetz ändern. Palmöl, kann demnach ab 2009 nur noch verwendet werden, wenn dessen Nachhaltigkeit belegt werden kann. Doch bis dahin zahlen wir weiter für falschen Ökostrom. Und das, obwohl das Umweltministerium bereits vor anderthalb Jahren selbst davor warnte. Wir wollen vom Ministerium wissen, warum man die Millionen für Palmöl bis heute nicht stoppen konnte. Doch hier kein Interview für report. Stattdessen ein Schreiben:

"Dem Ministerium liegen zum Volumen der auf der Basis von Palmölverstromung tatsächlich ausgezahlten Nawaro-Boni keine belastbaren Zahlen vor."

Holger Krawinkel, Verbraucherzentrale Bundesverband: "Offensichtlich wird darauf gewartet, dass Klage erhoben wird. Und dann bin ich mir ziemlich sicher, dass diese Summen zurückgezahlt werden müssen."

Auf dem Copenhagen Consens Center, wo auch Klimaschutz-Maßnahmen analysiert werden, sprechen wir den Nobelpreisträger Vernon Smith auf die gesetzliche Palmöl-Panne an.

Prof. Vernon Smith, Nobelpreis Wirtschaftswissenschaft 2003: "Das ist ein extrem kostspieliges Beispiel, wie man sehr wenig erreicht. Und am Ende hat man mehr Schaden als Nutzen."

Das Erneuerbare Energien Gesetz - gut gemeint, aber teils schlecht gemacht. Bis Jahresende soll es reformiert sein - für viele Menschenaffen zu spät.Und wir mussten das mitfinanzieren.

Quelle:
Autoren: Inge Altemeier, Mike Lingenfelser

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