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20.01.2009

Der Pelz gehört dem Tier allein

Der Pelz gehört dem Tier allein

Auf den Spuren Manfred Rossbergers zur Abschaffung des Pelzhandels


Der Kampf gegen den Pelzhandel spielt seit der Gründung des Bundesverbandes der Tierbefreier Deutschland 1985 eine wichtige Rolle. Wohl aufgrund der zahlreichen absehbaren und tatsächlichen Erfolge sowie der großen Unterstützung breiter Bevölkerungsschichten wurde dieser Schwerpunkt der Vereinsarbeit von Jahr zu Jahr ausgedehnt. Immer wurde Wert darauf gelegt, Aktionen auf die drei verschiedenen Angriffspunkte des Pelzhandels zu verteilen. 1.) Auf die so genannten Pelzfarmen und deren BetreiberInnen, die Tiere zu Tausenden in winzige Drahtkäfige sperren und mit Gas, Gift oder Strom ermorden. 2.) Auf die PelzhändlerInnen, die in ihren Geschäften die Felle und Häute der Tiere zum Verkauf anbieten und so mit dem Tod und Leiden Profit machen wollen. 3.) Auf die PelzträgerInnen, die entweder aus Ignoranz den Tieren gegenüber oder aus Unwissenheit über die Herkunft ihrer Kleidung, noch nicht auf das Tragen von Echtpelzen verzichten.


Fotos von Autonomen


Angetrieben wurde der Kampf gegen Pelz wie auch in anderen Themenbereichen von autonomen TierrechtlerInnen, die ab Mitte der 80er Jahre zahllose Tiere aus Pelzfarmen befreiten. Nur durch die illegalen Aktionen dieser Menschen gelangten der Bundesverband und andere Vereine an die Informationen und die Fotos aus diesen schrecklichen Tierfolter-Stätten, mit denen anschließend Kampagnen in der Öffentlichkeit geführt werden konnten. Die TierbefreierInnen ließen sich auch durch Morddrohungen nicht von ihrem Handeln abhalten. Im November 1986 etwa schoss der Pelzfarmer Edwin Seng mit seiner Pistole, nachdem er mehrere Eindringlinge auf seiner Nerz- und Iltisfarm in der Nähe von Wehrheim (Hochtaunuskreis) entdeckt hatte.


Befreiung und Freilassung


Der Bundesverband und später die tierbefreier waren einer der wenigen Vereine, die sich stets mit Befreiungen von Wildtieren aus Pelzfarmen solidarisierten. Die jahrelange Erfahrung zeigt heute, dass dies richtig war und die Argumentation, diese Tiere könnten in unserer Umwelt nicht überleben oder aber die heimische Fauna zerstören, reine Propagandalügen der Pelzindustrie sind. Kritisch äußerten sich die tierbefreier lediglich, wenn eine große Anzahl Tiere direkt auf der Farm aus ihren Käfigen gelassen wurden, die eventuell noch in einer Umgebung lag, die den Tieren keine gute Überlebenschance zugestand. Um hier eine Unterscheidung deutlich zu machen, wurde in den letzten Jahren der Begriff Freilassung für solche Aktionen verwendet, während von Befreiung nur gesprochen wurde, wenn die Tiere in artgerechte Lebensräume entlassen wurden. Selbstverständlich muss bei Freilassungen auch positiv beurteilt werden, dass dem Züchter oder der Züchterin unter Umständen ein hoher finanzieller Schaden entsteht, der in der Vergangenheit auch zur Schließung von Farmen geführt hat.


Sympathie der Bevölkerung


Dass der Pelzhandel Anfang der 90er-Jahre einbrach und eine Pelzfarm nach der anderen schließen musste, war dann aber zum Großteil ein Verdienst der umfangreichen Aufklärungskampagnen, die von zahlreichen Tierrechts- aber auch den großen Tierschutz-Organisationen geführt und von der Sympathie in der Bevölkerung getragen wurden. Selbst wer gerne noch Pelze tragen wollte, tat dies nicht, um nicht als TierquälerIn gebrandmarkt zu werden. Wer es trotzdem wagte, machte nicht selten Bekanntschaft mit Farbbeuteln wie übrigens auch die Pelzgeschäfte und Kürschnereien, die nicht nur mit schwindenden Verkaufszahlen kalkulieren mussten, sondern auch mit dem regelmäßigen Austausch von eingeworfenen Schaufensterscheiben.


Kaufhaus-Pelze


Seit einigen Jahren versucht die Pelzbranche einen neuen Boom heraufzubeschwören und setzt dabei vorzugsweise auf Modedesigner, denen Mitgefühl mit Tieren ein Fremdwort ist, und auf die Medien, deren Interesse an immer wiederkehrenden, grausamen Fotos von Tierquälereien auf Pelzfarmen abgeklungen ist. Was einmal gezeigt worden ist, ist uninteressant, auch wenn es weiterhin Realität ist. Realität ist aber auch, dass der Niedergang des Kürschnereihandwerks keineswegs gestoppt ist. Auch AktivistInnen, die regelmäßig Demonstrationen gegen Pelz durchführen, bestätigen, dass Pelztier-Quälerei von den meisten Menschen nicht gewollt wird. Worüber viele jedoch kaum nachdenken, ist, dass auch für relativ billige Produkte häufig Pelztiere sterben müssen, etwa für Kragen, Hüte, Schals oder Innenfutter aus Kaninchen-, Hamster-, Waschbär-, Hunde- oder Katzenfellen, die oft aus den wirklich boomenden Pelzproduktionsändern Asiens stammen und in Deutschland günstig in Kaufhäusern angeboten werden. Dieser Entwicklung, die von der Pelzlobby selbstherrlich als „Demokratisierung des Pelzhandels“ bezeichnet wird, muss Einhalt geboten werden. Deshalb beteiligen sich die tierbefreier an der „Offensive gegen die Pelzindustrie“, einem Zusammenschluss von Tierrechtsgruppen, dem es bereits gelungen ist, die Konzerne Karstadt, C&A und Otto pelzfrei zu machen und viele hunderttausend Menschen durch Demos und Aktionen in Innenstädten über das Tierleid zu informieren.


Nerzfarm Rossberger


Am 31.12.2001 wurde die Nerzfarm von Manfred Rossberger in Willich Schiefbahn geschlossen - einer der größten Erfolge der Anti-Pelzbewegung. In zweieinhalb Jahren zuvor hatte es mehr als 30 angemeldete Demonstrationen gegen die Farm gegeben. Eigens um diese Farm zu schließen, die eine der katastrophalsten in ganz Deutschland war, hatte sich ein Anti-Pelz-Bündnis aus verschiedenen Gruppen und Einzelpersonen gegründet, an dem auch viele Mitglieder der tierbefreier beteiligt waren. Neben großen und kleinen angemeldeten Demos kam es in Willich zu zahlreichen Aktionen des zivilen Ungehorsams. So ketteten sich AktivistInnen beispielsweise an die Toreinfahrt. Mit zigtausenden Flugblättern wurden die AnwohnerInnen in den benachbarten Ortschaften auf die Tierquälerei aufmerksam gemacht. Zahlreiche Strafanzeigen gegen den Nerzzüchter wurden von den Behörden teils wegen „mangelden öffentlichen Interesses“ eingestellt, und das, obwohl vielfach Medien jeglicher Couloer über die Pelzfarm berichteten.Verfahren gegen TierechtlerInnen, etwa wegen angeblicher Beleidigungen, wurden hingegen streng verfolgt und die Betroffenen einmal sogar ohne eine einzige ZeugInnenaussage, mit denen die Vorwürfe belegt worden wären, zu hohen Strafen verurteilt.

Im August organisierten die AktivistInnen unter enormem Aufwand ein dreitägiges Protestzeltcamp in unmittelbarer Nähe zur Farm, an dem sich mehrere hundert Menschen beteiligten. Als letztlich durch Recherchen heraus kam, dass Rossberger seine komplette Farm ohne Genehmigungen im Landschaftsschutzgebiet errichtet hatte, wurde der Druck zu groß. Zwar nicht wegen erwiesener Tierschutzverstöße, aber wegen Boden- und Grundwasserverschmutzung, illegaler Müllbeseitigung und Betreibens einer Anlage ohne Genehmigung wurde die Schließung der Farm verfügt. Skandalös: Seit den 70er-Jahren waren die Verstöße den Kreis- und Stadtbehörden in Willich bekannt, doch erst 20 Jahre später handelten sie - vermutlich, um endlich die TierrechtlerInnen los zu werden und aus der Negativschlagzeilen der Presse zu kommen.


Ende der Pelzfarmen?


In England und Österreich sind Pelzfarmen bereits verboten. In Deutschland ist ein solches Verbot laut Gesetzeslage angeblich nicht möglich. Auf Initiative des Landes Schleswig Holstein hat ein Oberverwaltungsgericht jedoch kürzlich festgestellt, dass Pelzfarmen keine landwirtschaftlichen Betriebe sind und daher eine Genehmigung nach dem Tierschutzgesetz bedürfen. Ein wichtiges Urteil, denn nahezu keine der deutschen Farmen hat eine solche Genehmigung und würde nach den heutigen Begebenheiten auf den Farmen auch keine solche bekommen. Eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Tiere allerdings würde das Aus der Farmen bedeuten, da diese dann nicht mehr konkurrenzfähig wären. Mit Verhandlung vom 9. Dezember 2004 hat nun auch das Bundesverwaltungsgericht die Urteilsausführungen des OVG und zuvor des VG Schleswig bestätigt und die Revision des Pelztierzüchters abgewiesen.

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