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20.01.2009

Der Pelzhandel in Deutschland und die Kampagne gegen Peek & Cloppenburg

Der Pelzhandel in Deutschland und die Kampagne gegen Peek & Cloppenburg

eine Bewertung von Ulf Naumann


Was haben der Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels e.V. und die Umsatzsteuerstatistik gemeinsam? – Sie bescheinigen dem Pelzhandel in Deutschland den Untergang.

Schauen wir uns einmal ein paar Zahlen an!

Umsatz für Pelzwaren in Deutschland:
2001: 152 Mio.e
2002: 144 Mio.e (-5,3%)
2003: 138 Mio.e (-4,2%)
(Quelle: Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels e.V.)

Anzahl Kürschnerunternehmen in Deutschland:
2001: 486
2002: 454 (-6,6 %)
(Quelle: Umsatzsteuerstatistik)

Umsatz dieser Kürschnerunternehmen:
2001: 146,3 Mio.e
2002: 125,9 Mio.e (- 13,9 %)
(Quelle: Umsatzsteuerstatistik)

Dieser Trend hält bereits seit Jahren an. Auch die Anzahl der Aussteller auf der internationalen Pelz- und Ledermesse Fur&Fashion in Frankfurt sinkt von Jahr zu Jahr, von 220 (2001) auf 167 (2002) auf 147 (2003) auf 134 (2004). Entsprechend sank auch die Besucherzahl auf unter 8000.


Die Masche der deutschen Pelzindustrie


Und was tut die Pelzindustrie in Deutschland, allen voran das Deutsche Pelzinstitut e.V. und der Deutsche Pelzverband, der die Fur&Fashion betreibt? Sie versuchen krampfhaft und inzwischen fast schon peinlich, alles schönzureden, negieren die aktuelle Entwicklung, sprechen von guter Stimmung, trotz leichter Rückgänge1 und prognostizieren dem Pelzhandel eine wunderbare Zukunft. Seit Jahren versuchen sie der Öffen-tlichkeit die „Erfolgsstory Pelz“ zu verkaufen. Das Comeback des Pelzes sei da. Es heißt, Pelz sei in den vergangenen Jahren zu selbstverständlichen Materialien für die Mode geworden2, noch nie sei die Sehnsucht so groß gewesen, sich durch „das edle Material“ auszudrücken3. Das in Frankfurt ansässige Deutsche Pelzinstitut teilte 2002 mit, Pelz-Accessoires seien angeblich ein „must-have“, die Alltagstauglichkeit stünde im Vordergrund.


Doch die Realität und die Zahlen sprechen eine deutlich andere Sprache. Von großer Sehnsucht nach dem „edlen Material“ kann ganz und gar nicht gesprochen werden. Modehäuser und -konzerne wie Otto, C&A, Karstadt und Zara sind innerhalb der vergangenen Jahren bereits ausgestiegen, Boecker hat den Anschluss verpasst und ist pleite. Von allen großen Konzernen, die aus dem Pelzhandel komplett ausgestiegen sind (inkl. Pelzbesatz), wurde angegeben, dass die Kundenakzeptanz für das Produkt Pelz nicht gegeben sei. Einige führten zusätzlich ethische Motive an. Die Masche der deutschen Pelzindustrie zielt offensichtlich einzig darauf ab, durch das Vortäuschen eines angeblichen Comebacks des Pelzes eine Akzeptanz dessen in der Bevölkerung vorzugaukeln und somit evtl. tatsächlich ein Herabsetzen der Hemmschwelle gegen das „Produkt“ Pelz bei den VerbraucherInnen zu erzielen.


In diesem Effekt liegt auch die Gefahr, wenn große Modekaufhäuser, die sich an die Allgemeinbevölkerung richten, Pelzprodukte verkaufen. Je mehr Präsenz Pelzartikel im Alltag haben, desto gesellschaftsfähiger werden sie. Deshalb ist es sehr wichtig, dass große Modekaufhäuser zum Ausstieg aus dem Pelzhandel bewegt werden.


Wie kann man nun am Besten vorgehen, um den Pelzhandel in Deutschland so bald wie möglich abzuschaffen?


Die weltweite Pelzindustrie versucht unentwegt, den Pelzumsatz anzukurbeln, beispielsweise indem sie namhafte ModedesignerInnen dazu bewegen, mehr Pelz zu verarbeiten und umfangreiche Anzeigenkampagnen in Zeitschriften wie der „Vogue“ schalten. Dass tatsächlich die Anzahl von ModedesignerInnen, die Pelz mit verarbeiten, evtl. steigt, sagt jedoch zunächst nichts über den Pelzhandel an sich aus, denn was auf den extravaganten Laufstegen isolierter pompöser Kreise gezeigt wird, hat mit dem wirklichen Textileinzelhandel im Grunde nichts zu tun. „Mode wechselt, die Kunden nicht“ lautet die Überschrift eines Artikels in der Fachzeitschrift TextilWirtschaft, wonach bei einem dreijährigen Langzeittest durch die Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg (GfK) festgestellt wurde, dass die Einstellung zur Mode sehr statisch ist.


Obwohl die allgemeinen Zahlen für den Verkauf von „Pelzwaren“ in Deutschland sinken, scheinen „Produkte“ wie Pelzkragen, Pelzstolen und pelzbesetzte Hüte tatsächlich eine gewisse Akzeptanz zu genießen. Generell ist der Markt für Damenoberbekleidung mit Pelzbesatz in Deutschland zu einem überlebenswichtigen Faktor geworden. So schreibt auch der Deutsche Pelzverband e.V. (Vorsitz: Herbert Würker) im März 2004: „Neben dem Kürschnerhandwerk und den Pelzkonfektionären zählen Damenoberbekleidungshersteller (DOB) heute zu den wichtigen Verarbeitern von Pelzfellen. In Deutschland ist die DOB in den letzten Jahren zu einem mengenmäßig bedeutenden Produktionsfaktor geworden. Sie fertigt ... überwiegend Bekleidung im Material-Mix, d. h. mit Pelz besetzte und gefütterte Teile...“.

Und diese werden natürlich vor allem auch in größeren Modekaufhäusern umgesetzt.


Daher sollten zwei Strategien gefahren werden, um dem Pelzhandel und den Bemühungen dessen, aus seinem Loch herauszukommen, etwas entgegenzusetzen:


1. Mode- und Kaufhäuser


Einerseits - und das halte ich zunächst für den wichtigsten Aspekt - sollte versucht werden, noch vorhandene Pelzwaren (Komplettpelze, Kleidung mit Pelzbesatz und kleinere Pelzartikel) aus dem Alltagsleben zu verdrängen. Hier sind vor allem Mode- und Kaufhäuser gemeint, die die Allgemeinbevölkerung ansprechen. Kampagnen gegen C&A, Karstadt und Zara waren hier bereits erfolgreich und auch Otto hat nach Protesten seine letzten Pelzartikel aus den Regalen entfernt. Die laufende Kampagne gegen Peek & Cloppenburg setzt genau da an. Zwar scheint Peek & Cloppenburg noch etwas zäher als die oben genannten Konzerne, was vermutlich daran liegt, dass die allgemeine Zielgruppe von P&C eine leicht andere ist. Langfristig hat P&C einer derart breit gefächerten Kampagne allerdings nichts entgegenzusetzen. Auf dem hart umkämpften Modemarkt kann sich im Grunde niemand eine intensive Protestkampagne leisten, und der allgemeine Umsatzrückgang der letzten Jahre bei P&C ist bereits höher, als der seiner Konkurrenten.


2. Die isolierte exklusive Modewelt


Andererseits sollte versucht werden, zu verhindern, dass Pelz in den isolierten exklusiven Modekreisen zunehmend an Einfluss gewinnt. Das Pelztreiben dort sollte so weit wie möglich direkt im Keim erstickt werden, bevor es womöglich langfristig gesehen doch einen Schaden durch einen allmählich in die Bevölkerung durchsickernden Sinneswandel sorgt. Hier sind vor allem öffentlichkeitswirksame Aktionen bei Pelzmodenschauen oder Veranstaltungen von Pelzverbänden wie des D.P.I. effektiv. Auch über Leserbriefe besteht eine Möglichkeit, sich in der Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen, gegenüber aktiveren Protestformen sollte diese Option jedoch zurückstehen.


Wenden wir uns nun der seit Ende 2002 in Deutschland laufenden Protestkampagne gegen den Pelzhandel bei Peek & Cloppenburg zu.


Chronologie


Ende 2002 beschließt die Offensive gegen die Pelzindustrie, dass Peek & Cloppenburg das nächstes Kampagnenziel werden soll. In den Jahren zuvor konnte zunächst C&A und dann Karstadt dazu gebracht werden, auf den Verkauf von Pelz zu verzichten, nachdem sie Kampagnenziel geworden waren.

In den ersten drei Monaten der Kampagne gibt P&C gegenüber der Öffentlichkeit überhaupt kein Statement ab. Nach zwei spektakulären Aktionen in P&C Filialen, nämlich einer Kunstblutaktion mit Vordachbesetzung in der Dortmunder Filiale und einer Ankettung auf mehreren Etagen in der Düsseldorfer Filiale, beschließt P&C, dass sie nicht weiter schweigen können. Sie geben eine Presseerklärung heraus, in der sie erstens schreiben, dass sie nicht auf den Verkauf von Pelzwaren verzichten werden und zweitens, dass sie in Punkto Tierschutz in ständigen intensiven Gesprächen mit dem Deutschen Pelzinstitut stünden.


P&Cs Presseerklärung und das Deutsche Pelzinstitut


Das Deutsche Pelzinstitut als Tierschutzkontrollinstanz anzugeben, ist nicht nur eine Frechheit sondergleichen, die Öffentlichkeit soll hier offensichtlich gezielt für dumm verkauft werden. Das Deutsche Pelzinstitut ist ein erbärmlicher Lobby- und Funktionärsverein, dessen einziger Zweck darin besteht, den Pelzabsatz in Deutschland anzukurbeln. Die Tiere und deren Schicksal sind dieser skrupellosen Verbrecherbande vollkommen egal.

Seitdem Peek & Cloppenburg ihre schwache Presseerklärung herausgegeben hat, haben sie keinen weiteren Kommentar abgegeben, außer dass sie ab und zu auf diese Presseerklärung verweisen. Doch sie brauchen auch gar keinen Kommentar abgeben, denn die Fakten über Tierquälerei und Pelz sind allseits bekannt, da helfen auch keine Rechtfertigungsversuche. Und die erhoffte Wirkung hat die Presseerklärung auch nicht erzielt, denn die Medien, die in Deutschland zunehmend auf die Kampagne aufmerksam werden, haben diese sinnleere Angabe in keinem einzigen Fall übernommen.


Die Kampagne


Zu weiteren Stellungnahmen sind sie gegenüber den Medien und der Öffentlichkeit derzeit nicht bereit, und die VerkäuferInnen haben die Instruktion, bei Anfragen zu diesem Thema anzugeben, dass Pelz so lange verkauft würde, so lange die Kundschaft danach fragt. Das Verhalten des P&C Vorstands, sich kategorisch nicht zu äußern und das komplette Ablehnen des Führens von Verhandlungsgesprächen macht jedoch eher den Eindruck, als seien hier Dickköpfe am Hebel, die sich noch in der störrischen Reaktionsphase auf die Kampagne befinden. Denn der Verkauf von Pelzwaren ist für P&C keinesfalls überlebensnotwendig, auf der anderen Seite haben sie es aber mit einer intensiv geführten Kampagne zu tun. Seit Ende 2002 wurden mehr als 150.000 Flugblätter gegen den Pelzhandel bei P&C verteilt, mehr als 40.000 Unterschriften wurden gesammelt, und es fanden ca. 750 Aktionen statt, darunter Ankettungen und weitere Aktionen des zivilen Ungehorsam. Das Interesse der Medien steigt und auch durch die inzwischen immer öfter stattfindenden direkten Aktionen, wie Verätzen der Schaufensterscheiben und Buttersäureattacken auf die Häuser von P&C Vorstandsmitgliedern und deren Umfeld, bekommen sie viel Ärger.


Die wirtschaftliche Lage von P&C (West)


Doch nicht nur die Hartnäckigkeit der Kampagne wird zu ihrem Erfolg führen, denn Peek & Cloppenburg West (ca. 75% aller P&C Filialen) geht es gar nicht mal so gut, wie man vielleicht meint. 2003 hatten sie ein Umsatzminus von 5,5 % gegenüber 2002. Das ist das negativste Umsatzminus der 18 größten deutschen Textileinzelhändler (P&C West auf Platz sieben). Und bereits ein Jahr zuvor, also 2002, war Harro Uwe Cloppenburg, der Geschäftsführer von P&C West, unzufrieden über die Umsatzentwicklung: „Wir liegen schlechter als in den vergangenen beiden Jahren.“ Die Folge: Das „Personalkarussell“ drehte sich sowohl in höheren Etagen als auch bei der Belegschaft. 2003 waren 9108 MitarbeiterInnen beschäftigt im Vergleich zu 10114 in 2002. Trotz zwischenzeitlicher Expansionsversuche mussten 2003 auch Häuser schließen.

Wie sehr sich die Kampagne bei den Umsatzzahlen 2003 nun bemerkbar gemacht hat, kann man schwer sagen, Fakt ist jedoch, dass die Kampagne dem Konzern im Nacken sitzt und jedes weitere Umsatzminus für Peek & Cloppenburg mit Schrumpfung statt Expansion verbunden ist. Im allgemein hart umkämpften Textilienmarkt kann sich P&C das nicht leisten.


Fazit


Peek & Cloppenburg kann sich die Kampagne gegen sie nicht leisten!

Ihr Umsatz ist sowieso schon rückläufig, und Pelz wird in Deutschland immer mehr abgelehnt und das in einem dauerhaften, seit Jahren anhaltenden Trend.

Deshalb wird die Kampagne zum Erfolg führen, egal ob in ein, in zwei oder in drei Jahren!

Allerdings täte Peek & Cloppenburg gut daran, so bald wie möglich aus dem Pelzhandel auszusteigen, denn dann sparen sie sich erheblichen weiteren Ärger. Sie sparen sich viele weitere Aktionen und Proteste, und sie sparen sich weitere negative Publicity, denn sie können sich sicher sein, dass die Kampagne mit unermüdlichen Kräften weitergeführt wird.


Aktiv gegen den Pelzhandel und P&C


Deshalb auch ein Appell an alle TierschützerInnen und -rechtlerInnen: Lasst Euch etwas einfallen, um P&C das Leben schwer zu machen. Seid phantasievoll im Kampf gegen den Pelzhandel. Je intensiver sich an der Kampagne beteiligt wird, desto schneller wird sie zum Erfolg führen.


Notes:
1 Pressemitteilung der Fur&Fashion Frankfurt Messe GmbH vom 15.03.04. Die Fur&Fashion Frankfurt Messe GmbH ist eine GmbH des Deutschen Pelzverband e.V.

2 Pressemitteilung der Fur&Fashion Frankfurt Messe GmbH vom 10.04.03.

3 Pressemitteilung der Fur&Fashion Frankfurt Messe GmbH vom 21.11.02

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