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20.01.2009

Die ALF unmaskiert

Die ALF unmaskiert

Interview mit dem ehemaligen Sprecher der ALF
In der heutigen Zeit, in der Terroranschläge mit vielen getöteten Menschen zu den alltäglichen Medienberichterstattungen gehören, ist ‚Terrorismus’ zu einem selbstverständlich benutzten Begriff geworden. Differenziert wird da wahrlich selten. Da liegt es nahe, dass Farbbeutelwürfe gegen Pelzhäuser als ‚Terrorismus’ oder Menschen, die sich schützend vor die Gewehre von JägerInnen stellen, schnell mal als ‚TerroristInnen’ bezeichnet werden. Man will sie stigmatisieren und mit aller Macht diskreditieren, den Hintergrund ihrer ‚Tat’ und ihr moralisch-motiviertes Handeln verdecken.

Bereits Mitte der 90er Jahre betonte der damalige Landesjagd-Verbandspräsident Constantin Freiherr von Heeremann bei einer von JagdgegnerInnen gestörten Treibjagd vor laufender Fernsehkamera: „Ich nenne sie bewusst ‚Terroristen’!“ und meinte damit die bewusst gewaltfreien JagdsaboteurInnen, die allein mit ihrem Erscheinen bei der Jagd JägerInnen am Töten von Wehrlosen hindern.
Heute wird es sicherlich noch einfacher sein, Menschen, die Tiere retten oder Tierleid verhindern wollen, als TerroristInnen zu bezeichnen, denn dieser Begriff als Inbegriff des Bösen, des Schreckens, ist sozusagen zum täglichen Gebrauch freigegeben, sei dies nun in diesem oder jenem Fall gerechtfertigt oder nicht. Die Nutzung dieses Begriffes bietet sich an, auch zur Verschleierung von Verbrechen, die allgemein nicht als Verbrechen angesehen werden – zur Verschleierung der Gewalt gegen Tiere.

Dass die Animal Liberation Front (ALF) in vielen Staaten ebenfalls mittlerweile den Status einer sog. Terrorgruppe einnimmt, verwundert kaum. Umso wichtiger ist es deshalb, die SprecherInnen der ALF zu Wort kommen zu lassen. Wer oder was ist die ALF, welche Ziele verfolgen sie, mit welchen Mitteln? Und vor allem – warum?
Die Tierbefreiung hat bereits häufiger Artikel zur Geschichte und über Hintergründe der weltweit agierenden Animal Liberation Front, die in Deutschland auch unter dem Namen Tierbefreiungsfront agiert, abgedruckt. Diese, wenn auch unregelmäßige Serie, setzen wir hiermit fort. Wir möchten unseren LeserInnen ein etwas älteres Interview mit dem ehemaligen kanadischen ALF-Sprecher David Barbarash vorstellen, von dem wir vor kurzem Kenntnis erhalten, und das wir jüngst für die Tierbefreiung übersetzt haben. Das Interview von 2002 zeigt u.a., was Barbarash unter dem Konzept der Animal Liberation Front-Bewegung versteht, in welcher Relation er sie zu anderen Protestformen gegen Tierunterdrückung sieht und welche langfristigen Visionen er hat.


Interview

Frage: Welche Notwendigkeit sahst du, als Sprecher zu fungieren?

David: Als ich Sprecher der ALF wurde, stand ich unter ständiger Beobachtung der RCMP (kanadische Polizei), die mich fälschlicherweise einiger illegaler Tierrechtsaktionen beschuldigte (alle Anklagepunkte wurden fallen gelassen). Fünf Jahre zuvor hatte ich meine Gefängnisstrafe abgesessen, zu der ich wegen der Befreiung von 29 Katzen aus der Universität in Alberta verurteilt wurde. Ich war auf der Suche nach einem Weg, weiterhin Tierrechtsarbeit zu betreiben und die ALF zu unterstützen, aber ich wusste, dass ich wegen der Beobachtung und der Tatsache, dass ich als verurteilter ALF-Aktivist bekannt war, nicht länger ein aktives Mitglied sein konnte. Als Sprecher für die ALF einzutreten war daher die logische Konsequenz dieser Situation.


Frage: Was ist deine eigene philosophische Position, die du innerhalb der Bewegung vertrittst?

David: Ich sehe die Tierbefreiungsbewegung in einem größeren Kontext. Die Unterdrückung und Ausbeutung der Tiere geschieht nicht in einem Vakuum getrennt von der Unterdrückung und Ausbeutung von Frauen, Minderheiten oder anderer Menschen. Genauso wenig wie es von der Ausbeutung des Planeten getrennt ist. Die Ziele, für die wir kämpfen, richten sich gegen Menschen, die den Planeten für Profit oder zum Vergnügen ausbeuten, und eine Mentalität fördern die man als „Macht-des-Stärkeren“ beschreiben kann. Daher ist die Befreiung der Tiere nur ein Teil eines größeren Problems, welches uns alle betrifft. Für die Rechte der Tiere zu kämpfen muss daher heißen, gegen jegliche Ausbeutung und jegliches Töten zu kämpfen. Es gilt hierbei nicht nur, einzelne Personen mit ihren Taten zu konfrontieren, sondern auch gesellschaftlich verankerte Verhaltensweisen zu hinterfragen. Und es macht keinen Sinn, für das Leben von Wildtieren zu kämpfen ohne gleichzeitig für ihr (und unser) Zuhause zu kämpfen: den natürlichen Lebensraum.


Frage: Welche Position vertritt die ALF in der Frage der ‚nicht-gewaltätigen’ direkten Aktionen?

David: Die ALF hat einen Verhaltenskodex, nach dem ausgeschlossen werden muss, dass Leben, menschliches wie nicht-menschliches, gefährdet oder getötet wird. Dies sind die Richtlinien der „non-violence guideline“ [dt. Gewaltlosigkeits-Richtlinie], die in der Geschichte der ALF noch nie gebrochen wurden. Die Definition von Gewalt, welche die ALF vertritt, besagt, dass einem leblosen Gegenstand, der weder Schmerzen empfinden noch leiden kann, keine Gewalt angetan werden kann. Einen Ziegelstein oder eine Fensterscheibe kann man nicht verletzen. Daher ist die Zerstörung von Dingen nicht als Gewaltausübung anzusehen, auch dann nicht, wenn aggressivere Taktiken wie Feuer angewendet werden. Die ALF ist weiter der Ansicht, dass es gerechtfertigt ist, Gebäude, Werkzeuge und Dinge, mit denen anderen Gewalt zugefügt wird, zu zerstören.



Frage: Warum ist ein legaler Weg für dich keine bessere Wahl?

David: Ich glaube nicht, dass wir sagen können, illegale Aktionen bewirken grundsätzlich mehr als legales Handeln oder umgekehrt. Ich glaube, um unsere Ziele erreichen zu können, müssen wir die jeweiligen Probleme und Aufgaben sorgfältig analysieren, um die richtige Strategie oder Taktik in der jeweiligen Situation anzuwenden. Die ‚Befreiung der Tiere’ wird weder durch illegale noch durch legale Proteste oder Lobbyarbeit alleine erreicht. Wir müssen intelligent genug sein, um verschiedene Taktiken einzusetzen. Wir sollten die legalen Möglichkeiten nicht übersehen noch sollten wir illegale Aktionen grundsätzlich ablehnen, nur weil sie heute in unserer Gesellschaft als illegal eingestuft werden (im Gegensatz zur Legitimierung des Zufügens von Schmerz und Leid bei Tieren). Ich glaube, der erfolgreiche Weg der Tierbefreiungsbewegung wäre ein Zusammenarbeiten verschiedener Gruppen: eine Gruppe versucht Gesetzesänderungen herbeizuführen, eine andere demonstriert und blockiert die Labore, während die ALF in die Labore geht, um Tiere zu retten und Folterwerkzeuge zerstört. Wenn wir solidarisch zusammenarbeiten und den Weg des anderen respektieren würden, würden wir schneller vorankommen.


Frage: Welches Recht hat die ALF, das Eigentum anderer zu zerstören?

David: Wie ich es schon andeutete: Wenn jemand die Absicht hat, unschuldigen Tieren Schmerz, Leid und Tod zuzufügen, ist das Zerstören von Eigentum anderer moralisch gerechtfertigt. Es ist vergleichbar mit Freiheitskämpfern in Nazi-Deutschland, welche die Gaskammern zerstörten . Die ALF ist der Ansicht, dass ein Leben mehr zählt als lebloses Eigentum, und die ALF wird versuchen, Leben zu retten und das Eigentum anderer, welche ausschließlich Leid verursachen, zu zerstören. Eine weitere Begründung ist in den ALF-Richtlinien zu finden. Dort heißt es, dass Tierausbeutern ein möglichst hoher ökonomischer Schaden zugefügt werden soll. Und das nicht, um Ausbeuter zu bestrafen, sondern um Abschreckung zu erzielen. Ich glaube, dass Tierausbeuter nicht aus Spaß Tiere quälen, sondern aus Profitgründen so handeln (natürlich gibt es auch einige die Spaß empfinden wie z.B. Trophäenjäger). Sobald der Gewinn aus der Tierausbeutung ausbleibt, werden einige Firmen schließen oder sich aus dem Geschäft zurückziehen. Zur Frage, welches ‚Recht’ die ALF hat, Eigentum zu zerstören, kann ich nur antworten, woher nehmen sich Menschen das Recht, Leben zu vernichten?


Frage: Die Mainstream-Medien zeichnen ein Bild von Schurken und Terroristen, wenn sie über die ALF berichten. Wie ist deine Sicht?

David: Die Anschläge vom 11. September haben allen das wahre Gesicht des Terrorismus’ gezeigt und es sieht nicht wie eine Gruppe von Tierbefreiern aus!

Ich habe ein vollkommen anderes Bild der ALF, als das, welches die Gesetzgeber und Medien gezeichnet haben. Ein Terrorist ist jemand, der Menschen oder Tiere tötet und entstellt. Tierexperimentatoren, Jäger, Metzger und andere fallen in diese Definition, denn sie entstellen, foltern, terrorisieren und töten. Die ALF rettet Leben, ohne jemanden dabei körperlich zu schaden. Das ist kein Terrorismus. Ich denke der Hauptgrund, warum der ALF der Status von ‚Terroristen’ zugeschrieben wird, ist die Tatsache, dass Eigentum zerstört wird (oder, bei einer Tierbefreiung, ‚Eigentum’ entwendet wird). Es ist reichlich weit hergeholt, dass Dingen ein größerer Wert zugestanden wird als dem Leben. Das Eigentum wird mit aller Macht verteidigt, weil der Status sowohl unserer Gesellschaft als auch einzelner Personen auf dem Erwerb von Sachen basiert. Der Angriff auf das Eigentum ist daher auch ein Angriff auf die Psyche unserer Gesellschaft. Die einfache Wahrheit ist aber, dass Dinge ersetzt werden können, Leben jedoch einzigartig ist.


Frage: Der amerikanische Intellektuelle und Menschenrechtler Noam Chomsky sagte, dass friedlicher Widerstand in manchen Situationen einfach nicht ausreicht. Als Beispiel brachte er Juden in den Konzentrationslagern der Nazis, wo friedliche Aktionen nichts gebracht hätten. Ich denke, dies ist ein gutes Argument für die Anwendung von Gewalt. Was sind deine Erfahrungen?

David: Diejenigen von uns, die das ‚Glück’ haben in der westlichen Welt zu leben, führen ein privilegiertes Leben. Es gibt kein totalitäres System, keine ‚Todesschwadronen’ oder Para-Militärs die vom CIA unterstützt werden. Für die unterdrückten Menschen, die einer solchen Situation gegenüberstehen und extrem verarmt leben, ist Widerstand keine Möglichkeit. Sie sind damit beschäftigt zu überleben. Die Diskussion ‚Gewalt versus keine Gewalt’ stellt sich für die meisten Menschen erst gar nicht; sie stellt sich uns, den Privilegierten, welche die Zeit und den Luxus haben, darüber zu diskutieren. Unser Leben wird nicht durch Gefangenschaft oder Tod bedroht, weil wir Ideen haben oder zu bestimmten Leuten Kontakt pflegen. Wenn dies so wäre, wäre unsere Einstellung gegenüber Gewalt evtl. eine andere.

Ich glaube, dass jeder das Recht besitzt, sich selbst zu verteidigen, welche Mittel auch immer dafür notwendig sind. Wenn man die Ansicht vertritt, dass ein Angriff auf einen ein Angriff auf alle ist - und das schließt die Tiere mit ein - dann kann dies ein Argument für Aktionen sein, die dem Schutz des Lebens dienen und Gewalt beinhalten. Dies gilt auch dann, wenn es um unseren Planeten und unsere Umwelt geht. Doch auch dann, wenn Gewalt eingesetzt wird, sollte sie in erster Linie immer als Selbstverteidigung gelten. Der Wille zum Überleben liegt in der Natur aller Tiere, somit auch der des Menschen, und wir setzen vermutlich alles daran, dies umzusetzen.


Frage: Wie schützt du dich vor staatlichen Repressalien?

David: Man kann nicht viel dagegen unternehmen. Wenn du ein Ziel dieses Staates bist, so wie ich es für sechs Jahre war, musst du es so gut wie möglich ertragen und dabei weiter versuchen, aktiv zu bleiben und nichts Schlechtes oder Belastendes über andere AktivistInnen zu äußern. Wir müssen bedenken, dass wir ein Ziel von Regierungen sein können. Ist uns dies klar, können wir Vorsichtsmaßnahmen treffen. Dies bezieht sich hauptsächlich auf unsere Kommunikation, da die meisten Anklagen auf Informationserfassung basieren. Verschlüsselung ist ein Muss für AktivistInnen, die über das Internet kommunizieren oder organisieren. Ebenso wichtig ist es, die Organisationen und FreundInnen, mit denen man kommuniziert, gut auszuwählen, da viele Aktionen auffliegen, weil TeilnehmerInnen (Spitzel) mit der Polizei zusammenarbeiten.


Eine letzte Frage David: Wie schätzt du die Effektivität von friedlichen Protesten gegenüber eines extrem unbarmherzigen Gegners ein?

David: Friedlicher Protest ist immer das höchste Prinzip, aktiv gegen Ungerechtigkeit vorzugehen. Sehen wir jedoch die Unbarmherzigkeit unseres Gegenübers, so sind wir aufgefordert, unsere philosophische Position der Definition von Gewalt beizubehalten. Manchmal ist es notwendig, mit Gewalt zu antworten. Mit Bezug auf die „Befreiung der Tiere“ ist die Frage schwer zu beantworten, denn wie definiert man einen „extrem unbarmherzigen Gegner“? Jemanden, der nach einem friedlichen Protest gegen seine Aktivitäten [gegen Tiere] noch mehr Tiere tötet? Jemanden, der einem Aktivisten bei einer Demonstration physischen Schaden zufügt? Ich glaube, dass die Ausbeutung der Tiere nicht nur gesellschaftlich sanktioniert ist, sondern auch institutionalisiert ist. Tierausbeuter genießen die Unterstützung der Regierung und (zu einem großen Teil) der Bevölkerung und es besteht kein Grund für sie, „unbarmherziger“ zu werden, um ihre Position und ihre Jobs zu behalten. Veränderungen benötigen Zeit, bis alte Gewohnheiten aussterben, bis sich der Status Quo ändert, und eine mitfühlendere und menschlichere Gesellschaft entsteht. Für die Tierbefreiungsbewegung sind die Kinder und Jugendlichen der Schlüssel zum Erfolg, diejenigen, die mit unserer Hilfe und Anleitung die altertümlichen Ansichten und den terroristischen, gewalttätigen Lifestyle ihrer Eltern hoffentlich ablehnen werden.


Das Interview stammt aus dem Jahre 2002, Interviewerin war:
Claudette Vaughan www.abolitionist-online.com
Übersetzung: Andreas Stratmann und Tina Möller

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