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26.01.2009

Die Jäger und Ihre Ehrfurcht vor dem Leben

Die Jäger und Ihre Ehrfurcht vor dem Leben

»Das Leben als solches ist das geheimnisvoll Wertvolle, dem ich in Gedanken und Tun Ehrfurcht zu erweisen habe.« Dieser von Albert Schweitzer geprägte Grundsatz ethischen Denkens und Handelns findet unter Jägern so wenig Beachtung, wie das Wort zum Sonntag bei einem Schwerverbrecher. Denn hätten sie auch nur ein wenig Respekt vor anderen Lebensformen, müssten sie ihr Handeln in Frage stellen. Ihre Flinten müssten sie alsbald zu den Speeren stellen und kooperativ an vernünftigen Konzepten für ein friedliches Nebeneinander von Mensch und Tier arbeiten.

Das Einzige was Jäger jedoch in Frage stellen, sind Menschen, die ihre »Ehrfurcht vor dem Leben« im Alltag praktizieren. Und das Einzige woran sie arbeiten, ist die Verschleierung ihrer speziellen Bedürfnisse.

Ihr Trieb

Der Jagdtrieb wird von Jägerseite gerne als ein archaisches Verhalten dargestellt, dem auszuweichen ihnen alles andere als leicht fällt. Schließlich ist er ihnen ja angeboren. Der Drang zum Jagen und Töten wird also auch mit der Verwandtschaft zu den Räubern aus der Tierwelt begründet.

Nun besitzen die Jäger aber den gleichen Stammbaum wie alle anderen Menschen auf dieser Welt auch. Keiner unter ihnen dürfte daran zweifeln. Doch wie kommt es, dass die überwältigende Mehrheit der Menschen - hierzulande sind es 99,6 % der Bevölkerung – ihren Jagdtrieb problemlos in Grenzen halten kann?


Welche Faktoren spielen also wirklich die entscheidende Rolle?
Das Gute an den Jägern ist, dass man sie alle über einen Kamm scheren kann. Auch wenn ihr »Triebleben« auf unterschiedliche Charaktereigenschaften basiert - Psychologen sprechen hier sogar von psychischen Defekten! - vereint sie doch letztlich alle das gleiche Ziel: Das Töten von wildlebenden Tieren!


Als grundlegende Wesenszüge können die folgenden genannt werden: Erhöhtes aggressives Verhalten, Sadismus, Streben nach Macht, fehlender Gerechtigkeitssinn, Unsicherheit und Frustration. Ein weiteres, nicht minder bedeutsames Merkmal fügt Paul Parin, Psychoanalytiker und selbst Jäger hinzu: »Die wirkliche Jagd ist ohne vorsätzliche Tötung nicht zu haben. Seit meinen ersten Jagdabenteuern weiß ich: Jagd eröffnet einen Freiraum für Verbrechen bis zum Mord und für sexuelle Lust, wann und wo immer gejagt wird.«

Wie Kimme und Korn, sind für diesen leidenschaftlichen Jäger Jagd und Sex untrennbar miteinander verbunden. So berichtet er dann auch von einem »... wunderbaren Samenerguss«. Natürlich erzählt nicht jeder unter den sexuell Gesteuerten so ungeniert von seinen Erlebnissen. Die Dunkelziffer dürfte daher auch recht hoch anzusetzen sein.

Ihre Argumente

Jäger scheuen sich keineswegs, die Jagd als angewandten Naturschutz darzustellen. »Luchs, Wolf und Bär gibt es nicht mehr. Die Erhaltung des natürlichen Gleichgewichts ist nun Jägersache!«

Sie machen es sich einfach, zu einfach. Denn als zweibeinige Oberregulatoren haben die auf den Hochsitzen lauernden und mitunter nach Alkohol riechenden Ersatzwölfe mit echten Beutegreifern nichts zu tun. Es handelt sich lediglich um einen von vielen Versuchen, jägertypische Neigungen zu rechtfertigen. Alles andere wäre eine ungeheuerliche Anmaßung. Genauso gut könnte sich ein Hubschrauberpilot für eine Schwalbe halten. Oder glauben die Jäger allen Ernstes, dass der Wolf mit Zielfernrohr und Nachtsichtgerät nach geeigneten Trophäen Ausschau hält?
Viele Argumente haben sich die Nimrode in ihrer Not ausgedacht. An dieser Stelle ist es jedoch unmöglich die komplexe Thematik erschöpfend darzustellen, so dass nur auf Grundsätzliches und nur auf Weniges aus ihrer antiquierten Erfindungskiste eingegangen werden kann.

a) Schadensverhütung und Bestandskontrolle




Mit den Begriffen »Verbiss- und Ernteschäden« rühren die Jäger besonders effizient ihre Werbetrommel. Nicht, dass den Waldbesitzern etwas an ihren Bäumen und den Landwirten etwas an den Früchten ihrer Felder liegen würde. Nein, beiden ist am Profit gelegen. So ist es auch zu verstehen, dass Jäger ein leichtes Spiel haben, denn auch hier gilt das plumpe Prinzip der Einfachheit: Rehe und Hirsche beschädigen junge Bäume und behindern somit eine natürliche Waldverjüngung; Wildschweine wühlen auf den Feldern und beschädigen die Ernte. In beiden Fällen lautet die Antwort:


Abschuss!
Doch wie gesagt, so simpel, wie sich die Grünröcke die Ökologie vorstellen, ist sie nicht. So richtet sich das natürliche Gleichgewicht vielmehr nach Kriterien, die sich mit ihren Bedürfnissen in keinster Weise vereinbaren lassen.

Ein wichtiges Kriterium, auf das die Jäger unmittelbar Einfluss nehmen, ist das Nahrungsangebot. Durch Wildfütterungen wird die Population künstlich in die Höhe getrieben. Schätzungsweise 30 000 Tonnen Futter werden hierzulande alleine an Wildscheine verfüttert. Ähnlich verhält es sich bei den Rehen und Hirschen.
Nicht minder negativ, sowohl für die Entstehung von Wildschäden, als auch für das Populationsverhalten wirkt sich die Bejagung selbst aus. Maßgebend ist hier die enorme Störung des Sozialverhaltens und damit auch der natürlichen, hochsensiblen Regulierungsmechanismen der Wildtiere. Wie sehr die jagenden »Heger und Pfleger« die Tiere zu artuntypischen Verhaltensweisen zwingen, wird an den Beispielen jagdfreier Gebiete deutlich*.

Dort nämlich, wo das Gebaren der Ersatzwölfe zum Erliegen kommt, erwächst in relativ kurzer Zeit anstelle eines künstlich aufrechterhaltenen und zweckorientierten Gleichgewichtes ein natürliches Gleichgewicht. Darüber hinaus kann sich allmählich ein Verhältnis zu den Wildtieren entwickeln, wie es die Menschlichkeit - ganz im Sinne Albert Schweitzers - von uns auch verlangt.

b) Tollwutbekämpfung
Menschen haben Ängste. Das ist normal. Wer aber Ängste zusätzlich schürt, nur um sie dann für sich auszunutzen, ist entweder ein geldgieriger Geschäfts- oder eben ein Jägersmann. Letzterer nutzt seine Möglichkeiten hauptsächlich durch Panikmache vor dem Fuchs, genauer gesagt vor der Tollwut. Erfolgreich, wie man konstatieren muss. Denn dem »Ottonormalverbraucher« kommt die Tollwut in den Sinn, wenn er Fuchs hört. Und ihm fällt zuerst der Abschuss ein, wenn er an die Lösung des Problems denkt.

Nun sterben in Deutschland mehr Menschen durch sogenannte Jagdunfälle, als durch das Tollwutvirus. Die letzten beiden tödlich verlaufenden Tollwutfälle traten 1996 und 2004 auf (einmal wurde in Sri Lanka ein Mann von einem Hund gebissen und ein anderes Mal kam in Indien ein Mann mit streunenden Hunden in Kontakt).

Dass die Gefahr der Infektion in Europa so gering ist – die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung liegt etwa bei 1: 172.000.000 – liegt in erster Linie an der Ausbringung von Impfködern.

Keinesfalls haben wir das geringe Risiko den Jägern zu verdanken. Im Gegenteil. Gäbe es die Bejagung der Füchse nicht, würde sich die Tollwutgefahr noch harmloser darstellen, als sie ohnehin schon ist.

Ein kleiner Blick auf die Übertragungswege des Virus und auf das kleine Einmaleins der Ökologie gibt uns dazu die Erklärung: Der Tollwuterreger findet sich hierzulande hauptsächlich bei Waldtieren, insbesondere beim Fuchs. Der enorme Jagddruck, der auf diesem ebenso schlauen wie schönen Tier lastet, führt zu außerordentlich hohen Geburtenzahlen.

In intakten Familienstrukturen, wie man sie in jagdfreien Gebieten antrifft, ist die Zahl der Nachkömmlinge hingegen beträchtlich kleiner. Eine große Zahl an jungen Füchsen bedeutet aber, dass vermehrt Wanderschaften und Revierkämpfe stattfinden, in denen infizierte Füchse auch von Beißereien nicht zurückschrecken.

Die Folge ist dann die Verbreitung dessen, was Jäger vorgeben zu bekämpfen, nämlich die Tollwut! Jäger kennen natürlich die Zusammenhänge. Doch warum sollten ausgerechnet diejenigen, die sich um das göttliche Gebot »Du sollst nicht töten« nicht scheren, die Forderung »Du sollst nicht lügen« beachten?

Ihre Abschaffung

Den Nimbus einer elitären Gesellschaft hat die Jagd bereits hinter sich. Trotzdem wird noch viel Blei verschossen und viel Blut vergossen werden, bis einmal das letzte Tier einem Hobbymörder zum Opfer gefallen ist.

Zu einflussreich sind noch ihre Fürsprecher in Wirtschaft und Politik. Außerdem hat auch hier das Geld eine enorme Bedeutung. Und wo das der Fall ist, wird so manche Reform auf Eis gelegt. So verhält es sich auch mit der Novellierung des Jagdrechts. Da ist zum einen die Jagdindustrie mit der Herstellung von Munition, Waffen und sonstiger Ausrüstung, vom Fernglas bis zum Filzhut. Zum anderen schlagen die Jagdpachten, die jährlich von wohlhabenden Revierbesitzern in die öffentlichen Kassen fließen, nicht unerheblich zu Buche.

Den Kräften der Jägerlobby und des Geldes kann aber eine noch viel größere Macht gegenüber gestellt werden: Eine Bevölkerung nämlich, die das sinnlose Quälen und Töten wildlebender Tiere abgeschafft haben will!
Die Aufgabe des Tierschutzes ist es daher dafür sorgen, dass immer mehr Menschen mit diesem Wahnsinn »Jagd« konfrontiert werden. Denn je mehr Menschen sich fragen, was das überhaupt für eine Kultur sein soll, die es in ihrer bisherigen Entwicklung nicht schaffte, das steinzeitliche Treiben in den Wäldern und Feldern zu überwinden, desto eher kann es überwunden werden.

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