Free counter and web stats

25.01.2009

"Die nächste Weltwirtschaftskrise wird von einem Hedgefond ausgelöst"

"Die nächste Weltwirtschaftskrise wird von einem Hedgefond ausgelöst"
15.03.2007: Transparenz und Regulierung von Hedgefonds ist ein wichtiges Thema beim G8-Gipfel in Heiligendamm. Gerhard Schick (grünes MdB) kritisiert Hedge- und Private-Equity-Fonds als "wesentliche Risikofaktoren für die Stabilität des internationalen Finanzsystems" und fordert, die Fonds besser zu kontrollieren. Ein Interview.

Jakob Ache: Geht von den Hedgefonds tatsächlich eine Gefahr aus, oder handelt es sich hier wieder um ein Ablenkungsmanöver wie bei Müntefering vor der NRW-Wahl?

Gerhard Schick: Die meisten Experten gehen davon aus, dass die nächste Finanzkrise von einem oder mehreren


Hedgefonds ausgehen wird. Einer der erfolgreichsten Investoren, Warren Buffet, hat die Hedgefonds einmal mit "Massenvernichtungswaffen" verglichen. Bundesbank, Europäische Zentralbank und Internationaler Währungsfonds warnen vor zunehmenden Risiken. Ich glaube kaum, dass die alle einer politischen Scheindebatte zum Opfer gefallen sind.
Das kommt darauf an, wie sich die Hedgefonds auf den Märkten verhalten

Genau. Eine Ursache für die Risiken besteht darin, dass Hedgefonds mit hochspekulativen Wertpapieren agieren. Dabei unterscheiden sie sich von Aktienfonds vor allem dadurch, dass sie völlig frei in ihrer Anlagepolitik sind. Viele Fonds nehmen außerdem enorme Kredite auf, um so aus ihren Finanzanlagen eine höhere Rendite zu erzielen. Selbstverständlich will ich die Hedgefonds nicht dämonisieren. Allein die größten einhundert Fonds haben eine Schlagkraft von der Größe des Bruttoinlandsprodukts Deutschlands. Kommt es bei einem oder mehreren dieser Fonds zu einer Krise, sind deshalb auch die Banken betroffen und die Märkte, in denen die Fonds investiert haben. Entwicklungsländer sind solchen Finanzmarktkrisen übrigens besonders stark ausgesetzt. In kürzester Zeit, das hat man an der Asienkrise gesehen, werden dann jahrelange Fortschritte in der Entwicklungspolitik vernichtet.


Links:

Hedge Fonds regulieren - Finanzmärkte stabilisieren - Ausschnitt aus dem Antrag "Eine Welt statt exklusive Acht - Reformen für eine gerechte Globalisierung", den die grüne Bundesdelegiertenkonferenz Anfang Dezember beschlossen hat.
http://www.gruene.de/cms/default/dokbin/159/159977.eine_welt_statt_exklusive_acht_reformen.pdf


Was sind eigentlich Hedgefonds und Private-Equity-Fonds? - Wikipedia weiß die Antwort!
http://de.wikipedia.org/wiki/Hedgefonds
http://de.wikipedia.org/wiki/Private-Equity


www.gerhardschick.net - Gerhards Homepage


Niemand weiß so recht, welche Anlagen die Hedgefonds tätigen und welche Risiken sie abgreifen. Wie kann man dann sicher sein, dass sie reguliert werden müssen?

Gerade deswegen weiß man aber auch nicht, ob sich Risiken irgendwo anhäufen und ob die Fonds im Krisenfall zahlungsfähig sind. Von den befürchteten Insider-Geschäften mal ganz zu schweigen. Richtig ist aber, dass als erstes mehr Transparenz nötig ist. Es ist ja auch nicht so, als seien Hedgefond-Manager so viel klüger als Manager von Aktienfonds. Die extremen Renditen der Hedgefonds lassen sich nur durch die völlig fehlende Regulierung erklären, sie haben im Vergleich zu anderen Fonds die völlige Freiheit. Aber vergleicht doch mal: Jede kleine Sparkasse, von der für die Finanzmarktstabilität kaum Gefahren ausgehen, wird streng beaufsichtigt, und große Hedgefonds mit riskantem Anlageprofil und hoher Kreditfinanzierung sollen unreguliert bleiben? Das leuchtet mir nicht ein.


Welche Rolle spielt da die G8?

Nun, die G8 ist zwar ein informelles Gremium, aber da sitzen die wichtigsten Industrienationen zusammen. Aus diesen Ländern kommt das Geld, das später in Hedgefonds um den Globus zieht. Absolutes Minimum ist eine Übereinkunft zu mehr Transparenz bei Hedgefonds. Aber das geht mir nicht weit genug. Was wir brauchen, sind sowohl Transparenz-Standards als auch direkte Regulierung. Ich denke da an eine Vorgabe zur maximalen Kreditaufnahme und zur Risikostreuung.

Ist es denn realistisch, dass sich alle Staaten der Welt freiwillig solchen Regelungen anschließen?

Nein, das wird nicht einfach. Wir haben es hier mit einem typischen internationalen Problem zu tun. Jedes Land, das allein anfängt, Hedgefonds gut zu regulieren, verliert seine Fonds an "Regulierungsoasen" wie die Cayman-Islands. Finanzmarktstabilität ist ein öffentliches Gut, das alle gemeinsam sicherstellen müssen. Wie heißt es deshalb in Friesland so schön: Wer nicht deichen will, muss weichen. Sprich: Wer sich nicht an der Risikovorsorge durch Deichbau beteiligt, darf auch seine Kühe nicht auf der Wiese hinter dem Deich grasen lassen. Solche Mechanismen braucht es auch bei der Hedgefonds-Regulierung. Ich befürchte allerdings, dass es beim G8-Gipfel in Heiligendamm bei leere Worthülsen bleiben wird und keine verbindlichen Vereinbarungen für ein gemeinsames Handeln der G8-Staaten getroffen werden.

Fragen: Jakob Ache, Sprecher der Grünen Jugend Berlin.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen




Shop Kontakt Newsletter Linkliste Tierfreunde Nord Forum/Community -Tierheim ! Literatur-Tipps Himmlisch-gut.de Tiertafel Global 2000: Die Gebirge Europas + Das Mittelmeerbecken + Die Seen des grossen afrikanischen Grabenbruchs + Die Akaziensavanne Ostafrikas + Das Kongobecken + Die Kappellen + Die Wälder Madagaskars + Die Regenwälder der Malediven, Lakkadiven und Chagos-Inseln + Die Savannen und Grasländer des Terai-Duar + Die Wälder der Sundarbans + Die Sumpfwälder Borneos + Die Daurische Steppe + Die Sibirische Taiga + Das Bering-Meer + Die Wüste im Nordwesten Australiens + Das Great Barrier Reef + Die Wälder Neukaledoniens + Die Wälder der Haweii-Inseln + Die Osterinseln + Die Galapagos-Inseln + Die Prärien Nordamerikas + Die Chihuahua-Wüste + Die grossen Antillen: Kuba + Die Los-Llanos-Savanne in Kolumbien und Venezuela + Das Amazunasbecken + Die Patagonische Steppe + Die antarktische Halbinsel und das Wedell-Meer