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20.01.2009

Die Tierrechtsbewegung in Schweden -

Die Tierrechtsbewegung in Schweden -
Interview mit einem Aktivisten

An einem wunderschön sonnigen Frühlingssonntag in Stockholm. Daniel, einer der aktivsten Tierrechtsaktivisten der Stadt, kommt zu mir zu Besuch. Gemeinsam kochen wir und plaudern – sowohl über seine persönliche Motivation sich für Tiere zu engagieren als auch über die Tierbefreiungsbewegung in Schweden im Allgemeinen.


Wie kam das eigentlich, dass du angefangen hast, Tierrechtsarbeit zu machen?

Daniel: Das war vor fast 20 Jahren, also als ich 10 Jahre alt war. Ich hatte schon immer Tiere geliebt, hatte selbst Katzen und kümmerte mich um heimatlose Tiere. Damals bekam ich einen Flyer der Organisation „Nordiska samfundet till bekämpande av det vetenskapliga djurplågeriet“ (übersetzt „nordische Gesellschaft gegen wissenschaftliche Tierquälerei“)in die Hände. Der Flyer lag ironischerweise in einer Zoohandlung aus, in der ich gerade einkaufen war. In dem Flyer wurde die grausame Realität von Tierversuchen geschildert und nachdem ich ihn gelesen hatte, wurde ich Mitglied bei dieser Gesellschaft. Später benannten sie sich in „Djurens Rätt“ (übersetzt „Rechte der Tiere“) um. Sie waren bereits damals die größte Tierrechtsorganisation Schwedens und sind es auch heute noch.

Mit zehn Jahren, das ist ja ungewöhnlich jung! Warst du damals schon Vegetarier bzw. Veganer? Und wie sah Deine Mitgliedschaft aus? Hast du dich aktiv engagiert oder nur den Mitgliedsbeitrag bezahlt?

Daniel: Ungefähr gleichzeitig mit Beginn meiner Mitgliedschaft begann ich auch vegetarisch zu leben. Schon vorher hatte ich nie Tiere gegessen, wenn diese als solche erkennbar waren; zum Beispiel habe ich niemals Hähnchen gegessen. Ich beteiligte mich damals aktiv an den Aktionen des Vereins, übernahm selbständig kleine Aufgaben wie Flugblätter verteilen und Plakate aufhängen. Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern wann ich dann vegan wurde, vielleicht so drei Jahre später.

Und seit dem bist du kontinuierlich aktiv?

Daniel: Ja.

Kannst du vielleicht ein bisschen über die Geschichte der Tierrechtsbewegung hier in Schweden erzählen? Wann und wie hat sie begonnen?

Daniel: Also, eigentlich fing alles mit der oben erwähnte Organisation „Nordiska samfundet till bekämpande av det vetenskapliga djurplågeriet“ an; die gründete sich bereits 1882 im Stockholmer Schloss. Das erste Mitglied war die damalige Prinzessin Eugenie. 1988 bekam dann Astrid Lindgren zum Geburtstag vom damaligen Staatsminister der Sozialdemokraten, Ingvar Carlsson, ein neues Tierschutzgesetz geschenkt. Sie hatte sich zuvor in vielen Artikeln gegen die Käfighaltung von Hühnern stark gemacht. Ihr Wunsch war es, dass alle Hühner Gras picken und ihre Flügel ausstrecken können. Später in den 90ern gab es dann übrigens auch eine Gruppe, die Hühner befreite und sich „Astrid Lindgrens Kommando“ nannte. In der Theorie war das neue Gesetz auch gar nicht so schlecht; es sah vor, dass alle Tiere auch in Gefangenschaft die Möglichkeit haben sich „ihrer Natur gemäß“ zu verhalten. In der Praxis hat das Gesetz natürlich so gut wie nichts verändert. Die eigentliche Tierrechtsbewegung begann erst in den 80ern, vorher war ja alles eher Tierschutz. Zu Beginn beschäftige sich die Bewegung hauptsächlich mit dem Thema Tierversuche, das war wahrscheinlich ähnlich wie in vielen anderen Ländern auch. In den 90ern rückten dann zum erst mal andere Fragen in den Fokus der Aufmerksamkeit, es ging um Vegetarismus/Veganismus, Pelz und Jagd. Es gab viele Auseinandersetzungen und Diskussionen darüber, ob man als TierrechtsaktivistIn vegetarisch bzw. vegan leben sollte.

Und wie war das mit direkten Aktionen? Man liest ja relativ häufig von direkten Aktionen in Schweden. War das schon immer so?

Daniel: Die erste bekannt gewordene Tierbefreiung in Schweden war relativ früh, 1975. Damals wurden zwei Hunde aus einem Tierversuchslabor in einem Göteborger Krankenhaus befreit. Es war eine radikale Bewegung die im Gegensatz zu heute hauptsächlich aus älteren Personen bestand. Eine Freundin von mir, sie heißt Kerstin, war zum Beispiel schon über 50, als sie 1979 zusammen mit anderen zahlreiche Katzen befreite. Die Katzen wurden für Tierversuche gezüchtet und wurden auf einer sogenannten „Farm“ unter katastrophalen Bedingungen aufgezogen. Während dieser Befreiungsaktion kam plötzlich der Besitzer der Farmer aus dem Haus gerannt und wollte auf die Aktivistinnen losgehen; aber stattdessen musste er einige Schläge von einer der älteren Damen einstecken.

1985 bildete sich die „djurens befrielsefront“ (DBF), die schwedische ALF. Allerdings war das damals so eine komische Sache. Eine Frau Namens Emelie sah sich als Gründerin der DBF an und nahm sich das Recht heraus zu bestimmen, wer mitmachen darf und wer nicht. Man musste sich bei ihr bewerben, wenn man an den Aktionen teilnehmen wollte und keiner unter 18 wurde von ihr zugelassen. Zu dieser Zeit bestand die DBF dann dementsprechend auch hauptsächlich aus fleischessenden TierschutzaktivistInnen. Die Aktivitäten beschränkten sich auf die Befreiung von Tieren, welche für Tierversuche gezüchtet wurden oder in Tierversuchlaboren missbraucht wurden. Ich glaube, 1993 gab es dann zum ersten Mal Aktionen, die etwas anders aussahen. Es wurden Parolen an Mauern und Wände gesprüht, Fensterscheiben von Pelzgeschäften und Metzgereien zerschlagen und Lastwagen von Fleischfirmen abgebrannt. Bis dahin waren die direkten Aktionen auch eher auf Südschweden beschränkt gewesen und nun breiteten sie sich über ganz Schweden aus. 1996 wurde die Gruppe „De vilda minkarna“ (Die wilden Nerze) aktiv, welche hauptsächlich ökonomische Sabotageaktionen gegen Pelzgeschäfte beging. Emelie, die Gründerin der DBF, verurteilte diese Aktionen öffentlich in den Medien; ihrer Meinung nach handelte es sich bei den AktivistInnen um dumme und verwöhnte Kinder. Mit diesen Äußerungen zog sie die Wut der gesamten Tierbefreiungsbewegung auf sich. 1998 gab es endlich eine Presseerklärung, herausgegeben von TierbefreiungsaktivistInnen. In dieser Presseerklärung wurde der Name DBF „zurückerobert“. Die AktivistInnen schrieben, dass ab so fort alle Aktionen bei denen die ALF-Richtlinien eingehalten werden, als DBF Aktionen gelten. Daraufhin verschwand Emelie von der Bildfläche und ab sofort waren DBF und ALF Aktionen das gleiche.

Puh, du weißt aber ganz schön viel über dieses Thema. Wie kommt das?

Daniel: grinst … Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich gerade ein Buch über die Geschichte der radikalen Tierrechtsbewegung in Schweden schreibe.

Jetzt haben wir ja eine ganze Menge über die Geschichte der Tierbefreiungsbewegung in Schweden erfahren. Wie sieht es heute aus? Kannst du ungefähr einschätzen, wie viele AktivistInnen es momentan gibt?

Daniel: Also es war so, dass ungefähr um die Jahrtausendwende herum ganz viele AktivistInnen die Bewegung verließen. Aus der vormals recht großen Bewegung wurde eine sehr kleine Bewegung. Fast alle „Aktiven“ verschwanden plötzlich. Aber jetzt werden es seit ein paar Jahren wieder mehr. In der Stockholmer Abteilung der „Djurrättsalliansen“ (übersetzt „Tierrechtsallianz“), der Gruppe in der ich aktiv bin, sind momentan circa 40-50 wirklich aktiv. Zu kleineren Demonstrationen kommen zwischen 5-20 Leute, das liegt auch viel daran, ob die unter der Woche oder am Wochenende sind. Zu größeren Demos kommen dann schon mal 200-300. Es sind vor allem viele sehr junge AktivistInnen, die neu zur Gruppe stoßen.

Wo du gerade bei Gruppen bist, kannst du mal kurz einen Überblick geben, welche Gruppen momentan in Schweden existieren?

Daniel: Ja, natürlich. Es gibt die bereits erwähnten „Djurens Rätt“ (DR), die größte Tierrechtsorganisation in Schweden. Ihre Mitgliederzahl ist allerdings in den letzten Jahren von 6500 auf 3500 Mitglieder gesunken. Ich selbst habe die Organisation verlassen, nachdem ich seit meinem 10. Lebensjahr dort aktiv war. Ich war nicht der einzige, der nicht mehr bei DR sein wollte – die Organisation ist sehr hierarchisch aufgebaut und es gibt zu viele Vorschriften die von „oben“ kommen. Außerdem verurteilt DR öffentlich direkte Aktionen, sowie Aktionen des zivilen Ungehorsams. Und das geht meiner Ansicht nach natürlich gar nicht! 2005 gründete ich dann zusammen mit ein paar anderen die grassrootsorganisation „Djurrättsalliansen“ (DRA). Zunächst gab es DRA nur in Stockholm, aber heute gibt es sie landesweit, also z.B. auch in Städten wie Malmö, Lund, Linköping und Örebro. Als drittes gibt es noch die „DBF stödgrupp“ (ähnlich „ALF Supporters Group“, nur für Schweden). Sie gründeten sich 1998, nachdem drei AktivistInnen nach einer Nerzbefreiung festgenommen wurden. Sie unterstützen Tierrechtsgefangene und erklären Sinn und Zweck direkter Aktionen in den Massenmedien. Außerdem gibt es auch noch einige kleinere lokale Gruppen, z.B. die „Göteborgs Djurrättsaktivister“ (übersetzt „Göteborgs Tierrechtsaktivisten“).

Und gibt es auch Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen den verschiedenen Gruppen?

Daniel: Wir versuchen uns zu vernetzen, indem wir zweimal im Jahr ein gemeinsames Tierrechts-Gathering innerhalb von Schweden organisieren. Dort gibt es neben inhaltlichen Themenkomplexen auch Raum zum Kennenlernen und gemeinsamen Spaß haben. Wir diskutieren, grillen und feiern.

Wie sieht das eigentlich mit Kampagnen aus? Weltweit hat sich das Kampagnenprinzip innerhalb der Tierrechtsbewegung ja als erfolgreich erwiesen. Wendet ihr das Kampagnenprinzip hier auch an?

Daniel: Ja, die erste Kampagne gab es 1994. Es war eine Kampagne gegen Schwedens letztes Delfinarium. Zunächst sah es auch so aus, als könnte die Kampagne Erfolg haben, nach zwei Jahren hatte sich die Besucherzahl halbiert und das Delfinarium stand kurz vor der Schliessung. Aber dann kaufte die Gemeinde das Delfinarium, um die Arbeitsplätze zu erhalten. Noch heute während dort Delfine gefangen gehalten und zur Schau gestellt.

Hm, das war dann ja kein sehr motivierender Start mit dem Kampagnenprinzip. Und wir in Deutschland haben immer den Eindruck, dass die schwedische Tierrechtsbewegung so viele Erfolge hat. Wann gab es denn die erste erfolgreiche Kampagne?

Daniel: Ich weiß nicht, welche die erste war, aber eine der erfolgreichsten Kampagnen war die gegen die letzte Katzenaufzucht Schwedens in Halmstadt. Die Kampagne bestand aus einer Kombination von legalen Protesten und Direkten Aktionen in Form von Tierbefreiungen. Bereits nach zwei Wochen war die Kampagne beendet, da die Farm geschlossen wurde. Wenn ich darüber nachdenke, kamen die meisten Erfolge letzten Endes durch Direkte Aktionen zustande. Es gab hier immer viele Direkte Aktionen und Tierbefreiungen, auch um das Jahr 2000 herum, als die „legale Tierrechtsbewegung“ relativ schwach war. In Malmö und Stockholm hat sich mittlerweile die Anzahl der Pelzgeschäfte aufgrund von Direkten Aktionen halbiert. Es gab auch zahlreiche erfolgreiche Kampagnen gegen Kaufhausketten, die Pelze im Sortiment hatten, z.B. Kriss, Fjällräven und Lindberg.

Ja, gerade macht ihr ja wieder eine Anti-Pelz-Kampagne gegen die dänische Modekette IC Company (ICC). Kannst du darüber etwas mehr erzählen?

Daniel: Gerne, es ist ja schließlich eine globale Kampagne und vielleicht beteiligen sich auch mehr AktivistInnen in Deutschland, wenn sie etwas über die Kampagne wissen. ICC wurde vor vier Jahren nach einer Kampagne gegen sie pelzfrei, aber nun überlegen sie wieder mit dem Pelzverkauf zu beginnen. Vor ca. zwei Monaten starteten wir also gemeinsam mit der dänischen Tierrechtsgruppe „Anima“ eine erneute Kampagne gegen das Unternehmen. Erste Erfolge gibt es auch schon zu verzeichnen. Nach nur zwei Wochen mit zahlreichen Protesten gab eine der ICC Tochterunternehmen, Peak Performance, bekannt, dass ihr Marke nach reiflichem Überlegen und Abwägen nun doch pelzfrei bleiben wird. Sie begründeten diese Entscheidung mit Umweltbewusstsein, aber in Wirklichkeit war es eine direkte Folge der zahlreichen Proteste in ganz Schweden. Die Kampagne geht natürlich weiter, bis ICC beschließt, komplett pelzfrei zu bleiben. Allerdings muss man bei Anti-Pelz-Kampagnen in Schweden immer dazu sagen, dass ein Ende des Pelzhandels nur erreicht werden kann, wenn auch die zahlreichen Pelzfarmen angegriffen werden.

(Anm.: Kurz nach dem Interview gab das Unternehmen ICC bekannt, auch in Zukunft komplett pelzfrei zu bleiben. Laut dem ICC Mitarbeiter Henrik Theilbjørn ist diese Entscheidung vor allem darauf zurückzuführen, dass die MitarbeiterInnen des Unternehmens sehr unter den Protesten litten und bereits begannen sich unsicher zu fühlen. )

Wie ist das denn mit den Pelzfarmen in Schweden? Ich hatte mal gelesen, dass die bald verboten werden sollen, aber das stimmt dann wohl nicht, oder?

Daniel: Nein, das stimmt nicht. Die ehemalige Regierung hatte jedoch versprochen, das Gesetz zur Haltung von sogenannten „Pelztieren“ so zu verschärfen, dass es für die PelzfarmerInnen unrentabel werden würde. In der Praxis hätte das zur Schließung der meisten, wenn nicht aller „Pelzfarmen“ geführt. Doch als das Gesetz durchgehen sollte, legte Frankreich ein Veto ein, da sie Angst hatten, dass das Gesetz in Zukunft für alle EU-Länder verbindlich werden könnte. Sie verzögerten so die Verabschiedung des Gesetzes. Kurz danach waren hier in Schweden Wahlen und es kam zu einem Regierungswechsel. Nun regieren die Konservativen und eines der Dinge die sie als erstes taten, war, diesen Gesetzesvorschlag abzulehnen. Jetzt ist alles wie vor dem Gesetz. Den PelzfarmerInnen geht es momentan sogar ausgesprochen gut hier, viele junge Leute sollen dazu ermutigt werden, eine Pelzfarm zu eröffnen.

Wie viele Pelzfarmen gibt es denn momentan in Schweden?

Daniel: Es gibt eine Chinchillafarm und ungefähr 130 Nerzfarmen. 90% der Pelze werden exportiert. Es ist also wie gesagt sehr wichtig, auch etwas gegen die Pelzfarmen zu unternehmen und sich nicht ausschließlich auf die pelzverkaufenden Geschäfte zu konzentrieren!

Was hält denn die schwedische Bevölkerung vom Thema Pelz?

Daniel: Es gab vor drei Jahren eine Umfrage und damals sprachen sich 72% der Befragten für ein Verbot von Pelzfarmen aus.

So viel zum Thema Demokratie. Aber um auf aktuelle Kampagnen zurück zu kommen, die ICC-Kampagne ist nicht die einzige laufende Kampagne, oder?

Daniel: Nein, Anfang April dieses Jahres startete eine weitere Kampagne, die „Djursex-Kampagne“ (übersetzt soviel wie „Tiersex-Kampagne“). Es geht darum, dass Sodomie in Schweden nach wie vor legal ist; zu einer Verurteilung nach dem Tierschutzgesetz kann es lediglich kommen, wenn man beweisen kann, dass das Tier verletzt wurde. Die Kampagne gliedert sich in drei Teile. Erstens fordern wir ein Verbot von sexuellen Übergriffen gegen Tiere. Zweitens fordern wir ein Verbot von Sodomie-Pornografie. In Schweden ist es bisher legal, solche Filme anzubieten und zu verkaufen; es werden auch viele solche Filme in Schweden produziert und dann in alle Welt exportiert. Das dritte Ziel ist es, die Homepage der „Tiervergewaltiger“ zu schließen. Sie haben eine völlig legale Homepage, auf der sie sich vernetzen und Tiere anbieten und austauschen. Da sind dann so Annoncen zu lesen wie „Ich habe einen Hund, der ist drei Jahre alt. Wenn du mit ihm Sex haben willst, kannst du ihn mittwochs ausleihen.“ Das ist wirklich schlimm! Unser Ziel ist also, diese Machenschaften zu unterbinden und uns um die betroffenen Tiere zu kümmern. Um dieses Ziel besser erreichen zu können, hab ich mich bei denen eingeschleust. Ich hab auf deren Homepage Interesse bekundet, auf Treffen eingeladen zu werden und Tiere „auszuleihen“ um mit ihnen Sex zu haben. Ich bekam daraufhin viele Anrufe und ein befreundeter Journalist ist unter meinem Namen auf eines ihrer Treffen gegangen. Schon bald wird er einen großen Zeitungsartikel zu diesem Thema veröffentlichen. Danach ändert sich hoffentlich endlich etwas!

Das hört sich ja schrecklich an, mit solchen Menschen telefonieren zu müssen oder sie gar zu treffen. Wie war das für dich?

Daniel: Das ist natürlich eine sehr unangenehme Aufgabe! Man wird oft wütend oder traurig und darf sich nichts anmerken lassen. Aber das ist es aber wert gewesen. Auf diese Weise konnten wir viele Namen und Adressen von Personen herausbekommen, die Tiere missbrauchen. Es war auch nicht das erste Mal für mich, dass ich so etwas gemacht hab. Ich hab schon öfter Undercover gearbeitet. Einmal z.B. als Tierpfleger in einem Tierversuchslabor. Das ist einfach die einzige Möglichkeit, an bestimmte Informationen zu kommen oder bestimmte Fotos bzw. Filme zu machen.

Für Samstag, den 26.04.2008, organisiert die DRA ja eine große Demonstration vor SMI. Kannst Du bitte erläutern, was SMI ist und was die Ziele der Demonstration sind?

Daniel: SMI ist ein staatliches Forschungslabor. Sie erforschen dort hauptsächlich ansteckende Krankheiten und machen in diesem Zusammenhang unzählige Tierversuche, unter anderem an Affen, Schweinen, Ratten, Mäusen, Kaninchen und Meerschweinchen. Weil es sich um ein staatliches Labor handelt, besteht eine Auskunftspflicht, sie müssen Fragen interessierter Bürger beantworten. So ist es relativ leicht, viel über die Versuche zu erfahren. Vor allem im Bezug auf die Affen besteht eine genaue Auskunftspflicht und über die Affenhaltung ist SMI auch besonders angreifbar. Es hat sich gezeigt, dass 10% der Affen an einer Todesursache sterben, die in keinem direkten Zusammenhang mit den Versuchen steht. Viele ersticken bei den Transporten, sterben bei Rivalitätskämpfen oder erhängen sich an Gummis, welche eigentlich zum Spielen gedacht sind. Kürzlich ist ein Affe verhungert, weil er von den anderen Affen im Käfig gemobbt wurde und sie ihn nicht essen ließen. Das Pflegepersonal bekam von all dem nichts mit. Natürlich geht es allen Tieren bei SMI so schlecht, nicht nur den Affen, aber bei den Affen ist es sehr viel leichter, an genaue Informationen zu kommen, da muss genau Rechenschaft abgelegt werden.

Erzähl ein bisschen was zur Demo. Was versprecht ihr euch von einer großen Demo vor dem Labor? Gibt es irgendwelche speziellen Pläne?

Daniel: Da muss ich mal wieder etwas weiter ausholen. 1999 gab es eine Kampagne gegen SMI. Damals waren die Labore noch in einem anderen Gebäude. Es konnten erhebliche Mängel am Tierhaus nachgewiesen werden, so dass das „alte Tierhaus“ 2000 geschlossen werden musste. Eigentlich hätte das das Ende der Tierversuche bei SMI bedeutet, aber leider kam es zu einer Abstimmung im Reichstag darüber, ob man SMI Geld für den Bau eines neuen Tierhauses geben soll. Die „miljöpartiet“ (übersetzt: „Umweltpartei“) verriet bei dieser Abstimmung die Tiere. Obwohl sie laut ihrer Statuten gegen Versuche an Affen sind, stimmten sie für den Bau eines neuen Tierhauses. Dank ihrem Verrat werden nun bei SMI weiterhin Tiere gequält. Seither gab es drei große Demos gegen SMI mit jeweils 150-200 DemonstrantInnen. Hoffentlich werden es dieses Jahr wieder genauso viele oder sogar mehr! Wir werden genau vor dem Labor stehen. Geplant sind Redebeiträge, Musik und eine Theaterperformance. Um den betroffenen Affen ein Stück ihrer Würde zurück zu geben, wollen wir außerdem ihre Namen auf Stoffstreifen schreiben und diese am Laborzaun festknoten.

Da wünsche ich auf jeden Fall, dass alles wie geplant klappt und dass es eine grosse, aussagekräftige Demo wird. Ich werde auf jeden Fall da sein und euch unterstützen.

Daniel: Das weiß ich. Ich hoffe auch, dass alles klappt.

Danke, dass du gekommen bist und dir Zeit für das Interview genommen hast!

Daniel: Kein Problem. Hab ich doch gerne gemacht.

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