Free counter and web stats

20.01.2009

Die Vier von Newchurch

Die Vier von Newchurch

Hohe Haftstrafen als Reaktion auf erfolgreiche Kampagne - Politik, Justiz und Tierversuchsindustrie nutzen in England jede Gelegenheit zur Kriminalisierung und erhalten Schützenhilfe vom Tierschutz von Mary Brady und Thomas Fitzgerald


Im Verlauf der jahrelangen Kampagne gegen die Meerschweinchenfarm mit unzähligen Demos, Mahnwachen und Sabotage-Aktionen wurden auch die sterblichen Überreste der Schwiegermutter des Farmbetreibers Chris Hall aus ihrem Grab ausgegraben und einige Knochen an anderer Stelle versteckt (TIERBEFREIUNG berichtete mehrfach). Eine Aktion, die letztlich den Ausschlag für die Tierzüchter gab, ihr Geschäft zu beenden, so zumindest wurden sie in der Presse zitiert.

Ein Großteil der Öffentlichkeit und sogar einige Tierrechtler und Veganer glauben nun, dass die drei Männer schuldig gesprochen wurden, weil sie das Grab der Gladys Hammond geschändet hätten. Tatsache ist jedoch, dass sie nicht wegen Grabräuberei verurteilt worden sind. Auch wenn jede Zeitung und jeder TV-Sender sie als Grabräuber bezeichnet hat. Jonny Ablewhite war ein hoch engagierter und weithin bekannter Vertreter der Kampagne „Save the Newchurch Guinea Pigs/SNGP“ (Rettet die Newchurch Meerschweinchen). Er wurde als „Bandenführer“ und Ideengeber der Grabräuberei bezeichnet. Doch auch er wurde nicht für dieses Vergehen bestraft, eine Tatsache, die von den Medien ignoriert wurde, schließlich brauchten sie jemanden, den sie an den Pranger stellen konnten.

Ein politisches Urteil

Die „Vier von Newchurch“ befinden sich in einer sehr ernsten Situation. Die Vorurteile der Justiz haben ihnen die Chance auf eine faire Behandlung geraubt. Sie wurden in der Presse für ein Verbrechen schuldig gesprochen, für das sie nicht einmal angeklagt waren und der Richter hat sie zu einer Strafe verurteilt, als wären sie tatsächlich Grabräuber. Die wenigsten Vergewaltiger bekommen Strafen in Höhe von zwölf Jahren – dieses Urteil ist ein hochgradig politisches.

Natürlich haben auch die Politiker in Großbritannien ein sehr großes Interesse daran, Sündenböcke abzuurteilen, um die einflussreiche pharmazeutische Industrie zu beschwichtigen, die sich durch Tierrechtsaktivitäten zunehmend bedroht fühlt. Der illustre Premierminister Tony Blair – übrigens der meist gehasste britische Landesführer seit 100 Jahren – hat es sich nicht nehmen lassen, öffentlich seine Unterstützung für Tierversuche kundzutun. Eine Interessengruppe, angeführt von einer wohlhabenden Minderheit von Vivisektoren und Pharmabossen, versucht, die moralische Debatte über Tierversuche zu verhindern und von ihrem extrem gewalttätigen Tiermissbrauch abzulenken. Sie starteten mit viel Medienrummel die „Petition des Volkes“, eine Internet-Aktion, bei der sich Befürworter von Tierversuchen in Listen eintragen konnten. Trotz internationaler Unterstützung kamen in einem Monat lediglich 18.000 Unterzeichner zusammen, darunter Tony Blair. Das ist verglichen mit dem Aufwand schon wenig. Hinzu kommt, dass Internet-Petitionen nichts wert sind, denn jeder Mensch kann durch das Ausschalten sog. „Cookies“ an seinem PC so oft er will an der Petition teilnehmen. Es handelt sich also um klägliche Versuche, um die Tatsache zu verschleiern, dass die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung Tierversuchen gegenüber negativ eingestellt ist.

Was nun können Tierrechtler tun in Anbetracht dessen, dass Politik und Justiz schon soweit gehen, das Schreiben von Protestbriefen zu kriminalisieren? Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Regeln von Unternehmen bestimmt werden, die wir niemals unterstützen würden. Politiker geben vor, an unseren Meinungen interessiert zu sein, doch letztendlich setzen sie doch immer ihre ursprünglichen Pläne durch.

Kritik von Tierschützern

Sollen Tierrechtler den Methoden der Tierschutzbunde folgen? Oder Gruppen wie der BUAV (British Union for the Abolition of Vivisection) – Tierversuchsgegnern, die regelmäßig den Medien gegenüber die Aktionen von „Tierextremisten“ verurteilen? Die BUAV hat Bereiche auf ihrer Internet-Webseite über die so genannten extremistischen Taten von Tierrechtlern, bei denen Menschen eingeschüchtert und bedroht würden. Wie man sich leicht vorstellen kann, werden diese Seiten viel mehr von den Medien frequentiert als die Seiten, auf denen die Tierquälerei in Versuchslaboren thematisiert wird. Die Journalisten nehmen diese Vorlage natürlich mit Freude auf. Sie fühlen sich bestätigt in der Annahme, alle Basis-Tierrechtsgruppen seien extremistisch – „wenn sogar die Tierversuchsgegner das sagen”! Egal, ob in England oder Deutschland, halten es große Tierschutzverbände offenbar immer wieder für nötig, sich von Tierrechten zu distanzieren. Dabei ist die Distanz doch eigentlich gar nicht mehr zu vergrößern. Der Deutsche Tierschutzbund z.B. ist Mitbegründer des Vereins Neuland und preist dessen „Biofleisch”-Erzeugnisse als Ernährungs-Alternative an. Das heißt, diese „Tierschützer“ sprechen sich einerseits gegen die Einschüchterung von Menschen aus, andererseits werben sie aber aktiv für das Schlachten von Tieren. Offensichtlich denken sie, dass es Tieren egal ist, ermordet zu werden, wenn sie nur zuvor in einem komfortablen Käfig leben konnten.

Diese Gruppen schaffen es offenbar nicht, etwas gegen die Grausamkeit, den Extremismus und die Brutalität von Menschen wie Theodore Dalrymple zu sagen, der die „Vier von Newchurch“ in einem Artikel der London Times kritisierte und glaubte, ihre Motive im Kampf gegen die Meerschweinchenfarm zu verstehen: „Es gibt nur wenig Zweifel, dass diese vier Besessenen eine sadistische Freude an ihrem Kreuzzug hatten. Ihre Zerstörung des Friedens und der Ruhe anderer Menschen gab ihnen eine große persönliche Befriedigung. Das ist sehr primitiv. Ich erinnere mich noch an die jugendliche Freude am Übergießen von Ameisennestern mit kochendem Wasser, vorgeblich, um die Wände des Hauses zu schützen, doch in Wirklichkeit war es die Freude an der Gewalt gegen andere Lebewesen.“ Herr Dalymple begann seinen Artikel mit der Erklärung, dass er sich die Polizeifotos der vier Verurteilten angesehen hätte und „sofort erkannt habe, dass sie ihre pelzigen Freunde niemals so sehr lieben könnten wie sie die Menschheit hassten“. Offenbar ließ sich der Richter auf ähnliche Momentaufnahmen bei seinen Entscheidungen ein. Jonny Ablewhite ist recht groß und sportlich und hat einen Ziegenbart – also ein klassischer Anführer von Kriminellen. Und der ebenfalls verurteilte Kerry Whitburn hat ein Meerschweinchen als Tätowierung auf dem Arm – offensichtlich ein Zeichen seines Menschenhasses. Zumindest für den Richter.

Kriminalisierung jeder Protestform

Die in den Medien unglaublich hysterisch geführte Debatte über den Newchurch-Prozess sollte nicht noch angeheizt werden durch Kommentare von schlecht informierten Vertretern der großen Tierschutzvereine. Warum sollte jeder Mensch, der gerne mit seinem Hund spazieren geht, sich vor einer kleinen Gruppe von Tierausbeutern rechtfertigen müssen? Gruppen wie BUAV haben nichts mit radikalen Tierrechtskampagnen zu tun. Sie haben nichts zum Thema beizusteuern und deshalb ist es eine Schande, dass sie es ständig tun.

Aber es muss auch gesagt werden, dass obwohl die BUAV der Tierversuchsindustrie in 108 Jahren seit ihrer Gründung nicht mal eine kleine Schramme beibringen konnte, sie ihre Herzen immer noch am rechten Fleck zu haben scheinen. Es ist jedoch bedauerlich, dass sie glauben, dass die Taktiken, mit denen sie ein Jahrhundert lang gescheitert sind, jetzt plötzlich effektiv sein werden. Lasst uns ruhig weiter die Abgeordneten bequatschen; schreibt weiter Briefe… es sei denn, die Bestürzung von Premierminister Blair über einige Protestbriefe an den Pharmakonzern GlaxoSmithCline führt zur Kriminalisierung aller Briefkampagnen.

In Wirklichkeit ist es doch so, dass genug Platz ist für alle Formen des Aktivismus und dass jeder einzelne selbst entscheiden kann, was zu tun ist. Noch ist es legal, einen Beschwerdebrief an eine Firma oder eine Person zu senden, von der man annimmt, dass sie unmoralisch handelt. Die Politiker wollen diese Leute vor den Konsequenzen ihres Handelns schützen. Es ist aber auch wirklich so was von beunruhigend, einen Beschwerdebrief während des Frühstücks lesen zu müssen – das ist wirklich nicht weniger schlimm als Terrorismus. Doch noch ist es uns gestattet, unsere Gefühle friedfertig auf ein Stück Papier zu schreiben. Das mag sich ändern… Wir wissen nicht, wie BUAV darauf reagieren wird. Sie müssten sich fragen, was sie falsch gemacht haben in den letzten 100 Jahren. Doch was ist mit der Tierrechtsbasis? Was werden wir tun?

Weiterkämpfen

Wir werden einfach dort weitermachen, wo wir sind. Wir werden immer neue Wege finden, um die Öffentlichkeit zu unterrichten. Wir werden weiterhin kreative Kampagnen durchführen, auch gegen mächtigen Widerstand. Selbst wenn man uns das Recht auf jeglichen Protest nehmen sollte, wird die Wahrheit ihren Weg hinaus finden. Tony Blair hasst es, kritisiert zu werden. Für ihn ist es nahezu traumatisch, wenn er vor dem Parlamentsgebäude am Friedensaktivisten Brian Haw vorbeifahren muss, der dort seit Beginn des Irakkriegs ausharrt. Wenn eine einzige Person nur durch ihre ständige Sichtbarkeit und ihre Weigerung aufzugeben einen so großen Einfluss auf den Seelenfrieden des Premierministers hat, dann stelle man sich vor, wozu tausende von uns in der Lage sind – nur dadurch, dass wir hier sind; dadurch dass wir die Wahrheit sprechen und das tun, was wir tun können.

Alles, was wir tun können, ist weiterzukämpfen für jedes einzelne Tier, das gegen seinen Willen eingesperrt ist. Die mächtigen Unternehmen mögen mehr Geld haben als wir und sie mögen ganze Regierungen in ihrer Hand halten. Aber wir haben die Wahrheit.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen




Shop Kontakt Newsletter Linkliste Tierfreunde Nord Forum/Community -Tierheim ! Literatur-Tipps Himmlisch-gut.de Tiertafel Global 2000: Die Gebirge Europas + Das Mittelmeerbecken + Die Seen des grossen afrikanischen Grabenbruchs + Die Akaziensavanne Ostafrikas + Das Kongobecken + Die Kappellen + Die Wälder Madagaskars + Die Regenwälder der Malediven, Lakkadiven und Chagos-Inseln + Die Savannen und Grasländer des Terai-Duar + Die Wälder der Sundarbans + Die Sumpfwälder Borneos + Die Daurische Steppe + Die Sibirische Taiga + Das Bering-Meer + Die Wüste im Nordwesten Australiens + Das Great Barrier Reef + Die Wälder Neukaledoniens + Die Wälder der Haweii-Inseln + Die Osterinseln + Die Galapagos-Inseln + Die Prärien Nordamerikas + Die Chihuahua-Wüste + Die grossen Antillen: Kuba + Die Los-Llanos-Savanne in Kolumbien und Venezuela + Das Amazunasbecken + Die Patagonische Steppe + Die antarktische Halbinsel und das Wedell-Meer