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20.01.2009

Direkte Aktionen – richtig oder falsch?

Direkte Aktionen – richtig oder falsch?

von Dave Palmer, General Manager der „Veganen Gesellschaft“ in England und Chef der Abteilung Marketing und IT

Jeglicher Protest oder Akt des zivilen Ungehorsams, der im Namen der Tierrechtsbewegung ausgeübt wird, gilt als Extremismus – wenn man der britischen Regierung und den Medien Glauben schenkt. Ohne Zweifel gibt es in der Tat extremistische Aktionen (wie in jeden Kampf für gesellschaftlichen Wandel), aber die Mehrheit der Tierrechtsaktionen fällt in zwei Kategorien: Befreiung von gefangenen Lebewesen und ökonomische Sabotage gegen diejenigen, die von der Versklavung und Ermordung dieser fühlenden Wesen profitieren.

Es wird oft gesagt, dass Aktionen wie das Zünden von Brandbomben unter Autos von Vivisektoren eine negative Auswirkung auf die Bewegung haben, weil die Medien sich auf solche extremistischen Minderheitsaktionen stürzen, anstatt unsere Argumente für die Anerkennung von nichtmenschlichen Tieren als Mitgeschöpfe statt als Rohstoffe zu hören.

Dieses Bild würde dann von der Bevölkerung als repräsentativ für alle Tierrechtler und Veganer wahrgenommen und nicht als Ausnahmeerscheinung.

Die gegenteilige Sicht argumentiert, dass sowohl die Regierung als auch die Medien finanzielle oder andere Verbindungen zu Unternehmen haben, die z.B. Tierversuche durchführen oder in Auftrag geben und davon profitieren. Von daher gäbe es ohne die extremistischen Aktionen nur sehr wenige Berichte über die Tierrechtsbewegung - wenn überhaupt. Ein Beweis dafür ist die Hysterie über den Angriff gegen den Direktor des Tierversuchslabors Huntingdon Life Sciences. Im Gegensatz dazu sehen wir ein komplettes mediales Verschweigen von hunderten tätlicher Angriffe auf Tierrechtler (besonders gegen Jagdsaboteure) in den letzten 30-40 Jahren inklusive dreier, die tödlich endeten.

Ganz bestimmt werden die Massenmedien nie zu freundlich über jegliche Philosophie berichten, die für die Mehrzahl ihrer Anzeigenkunden negative Konsequenzen hat.

Für diejenigen von uns, die schon in den 80er und 90er Jahren aktiv waren, ist eine der lebhaftesten Erinnerungen die von einem Konvoi von Tiertransportern, der in Shoreham von einer großen Menge besorgter Bürger aufgehalten wurde. Mehrere Aktivisten kletterten auf einen Tiertransporter und zerstörten die Windschutzscheibe. Ein Bild eines Demonstranten, der mit einem Stein in der Hand über dem LkW hängt, um Scheiben einzuschlagen, ging um die Welt, weil sich längst auch in Länder außerhalb Großbritanniens die Menschen für die Kampagne gegen Lebendexporte interessierten.

Diese Aktion mündete nicht in einer massenhaften Verurteilung durch die Bevölkerung. Der fotografierte Aktivist mit dem Stein wurde von zahlreichen TV-Sendern interviewt und in Talkshows eingeladen. Dieses Beispiel einer Direkten Aktion zeigt, dass dadurch immer mehr Menschen aktiv wurden, nicht nur in Shoreham, sondern auch in anderen Hafenstädten. Durch die vorurteilsfreie Berichterstattung in der damaligen Zeit wurde etwas erreicht. Lebendexporte wurden bald auf allen englischen Häfen und Flughäfen verboten (auch wenn sie später im Hafen von Dover wieder aufgenommen wurden). Wenn nur genug Leute aufstehen, dann wird es eine Veränderung geben.

Neben den Medien gibt es auch Bedenken aus der Tierrechtsbewegung selbst, dass Direkte Aktionen dem Ziel der Bewegung eher schaden als nutzen. Oft wird argumentiert, dass es nicht hilft, ein paar hundert Tiere aus einem Labor, von einem Züchter oder aus einer Legebatterie zu befreien. Demnach macht es keinen Unterschied, weil Milliarden Tiere für diese Industrien jedes Jahr gezüchtet und getötet werden – und jene die befreit wurden, werden lediglich durch andere ersetzt.

Das Argument, dass durch Befreiungen mehr Tiere gezüchtet werden, ist allerdings haltlos, ganz einfach weil eh schon sehr viel mehr Tiere gezüchtet werden als notwendig wären. Daher werden jährlich Zigtausende, wenn nicht Millionen Tiere nur deshalb von Züchtern getötet, weil sie von Tierquälern oder der Fleisch essenden Bevölkerung nicht benötigt werden. Einen kleinen Prozentsatz dieser Tiere aus diesem Wahnsinn zu retten, scheint eine unbedeutende Handlung zu sein, doch ist es eine sehr bedeutende Handlung für jedes Individuum, das aus einem Leben der Entbehrung, der Schmerzen und des Leidens genommen und in ein liebevolles neues Zuhause übergeben werden kann.

Tierbefreiungen geben der Bewegung psychologische Anschübe. Jede erfolgreiche Befreiung erhöht die Moral und dient als Erinnerung, dass man einen Unterschied auf der individuellen Ebene ausmachen kann, auch wenn ein Ende der industrialisierten Tierausbeutung dadurch nicht in Sicht kommt. Jedes befreite Tier symbolisiert die Ziele der Tierrechtsbewegung.

Ein differenziertes Bild zeigen

Was während einer Diskussion zum Thema „Direkte Aktionen“ mit Menschen aus der normalen Bevölkerung gemacht werden muss ist, ein differenziertes Bild dieses Begriffes mit seiner großen Bandbreite möglicher Aktionen aufzuzeigen. Während viele Menschen vermutlich eine Grabschändung als abschreckende Tat bezeichnen würden, hätten viele dieser Personen vermutlich keine Abscheu gegen eine Aktion, bei der ein Schloss geknackt wird, um leidende Lebewesen zu befreien.

Ausgewogene Folgerungen über die Effekte von Tierrechtsaktionen können nur dann gezogen werden, wenn alle Aspekte der jeweiligen Situation in Betracht gezogen werden. Das Leiden der Tiere, das Ausmaß des verursachten Schadens, die folgende Hysterie in der Presse usw. Als Campaigner und Aktivisten ist es nicht unsere Aufgabe, diejenigen zu beurteilen, die sich entschieden haben, ihre Freiheit zu riskieren, um fühlende Lebewesen aus Qual und Gefangenschaft zu retten. Es ist unsere Aufgabe, der Öffentlichkeit alle möglichen Informationen über Tierausbeutung zugänglich zu machen, so dass sich die Menschen, die sich durch die voreingenommen Medien nicht blenden lassen, selbst ihre Meinung bilden können.



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