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12.01.2009

Dülmener Wildpferd



Beim Dülmener Wildpferd handelt es sich um eine Kleinpferderasse, die überwiegend in Dülmen in Westfalen im Merfelder Bruch, einem rund 350 Hektar großen Naturschutzgebiet, lebt. In der Wildpferdebahn leben zur Zeit rund 300 Wildpferde, genauer gesagt Wildlinge dieser Rasse. Die Nachkommen der ungefähr 50 außerhalb des Geländes lebenden Stuten und Hengste werden nicht als Dülmener Wildpferd, sondern als Dülmener bezeichnet. Die sie zu den ältesten deutschen Pferderassen zählenden und ursprünglich Dülmener Brücher genannten Pferde werden seit Februar 1994 auf der Roten Liste der gefährdeten Haustierrassen geführt und sind in die Gefährdungskategorie III, also als stark gefährdet, eingestuft.

Exterieur
Das Dülmener Wildpferd ist eine ursprünglich aussehende Pferderasse von meist braun- oder graufalber Färbung, die den für Wildpferde typischen Aalstrich von der Mähne bis zum Schweif aufweist. Es kommen Falben in allen Schattierungen, aber gelegentlich auch Braune und Rappen vor. Auf Grund der bisherigen Zucht dominieren aber graufalbe und braunfalbe Tiere mit einer Wildzeichnung, Aalstrich und Schulterkreuz. An den Beinen kann es zu dunklen Streifen kommen, die an ein Zebra erinnern. Die sog. Zebrastreifen sind ebenfalls Wildzeichnungen, sie kommen auch oft bei Fjordpferden (Norwegern) vor.

Das Stockmaß des Dülmener Wildpferds liegt zwischen 125 und 135 cm, der Körper ist rechteckig mit wenig ausgeprägtem Widerrist und die Schulter ist schräg. Der Hals sollte nicht zu lang und leicht gebogen sein, wobei ein leichter Unterhals vorhanden sein kann. Der mit einer breiten Stirn versehene Kopf ist mittelgroß, die Ohren sind klein und der Nasenrücken ist gerade oder leicht konkav. Die Hinterhand ist muskulös und gut entwickelt, die Hufe sollten möglichst klein, hart und rundlich sein und die Fessel nicht zu stark ausgeprägt. Die Dülmener Wildpferde (und Nachkommen) haben einen ausgeprägten Behang an den Fesseln. Auch Mähnen- und Schweifhaar ist sehr ausgeprägt.

Interieur
Die Tiere gelten als ausgesprochen robust und widerstandsfähig, dabei als gutmütig, freundlich und bei entsprechender Behandlung als ausgesprochen lernfähig. Sie sind sehr genügsam und gute Futterverwerter.

Zuchtgeschichte



Die erste urkundliche Erwähnung der Tiere stammt aus dem Jahre 1316, als sich Herrman de Merfeld und Johannes de Lette das Recht auf die Jagd, Fischfang und die wilden Pferde sicherten.

Im 19. Jahrhundert mit der fortschreitenden landwirtschaftlichen Nutzung bisher unattraktiver Gegenden, beispielsweise durch Trockenlegungen von Feuchtgebieten, schränkte sich der Lebensraum für wildlebende Pferde immer mehr ein. Vermutlich wären auch die Dülmener Wildpferde nicht zu erhalten gewesen, wenn nicht Alfred von Cro� 1847 zwanzig wildlebende Pferde hätte einfangen lassen, und auf dem Gelände des Merfelder Bruchs mit der Wildpferdebahn auf einem 132 Morgen großen Gebiet, was einer Größe von 33 Hektar entspricht, für ihre Erhaltung gesorgt hätte. Hinzu kam der gesamte Restbestand der Emscherbrücher Wildpferde, der eingefangen und nach Dülmen abtransportiert wurde. Die rasche Vermehrung der Pferdeherde brachte nach und nach eine Ausweitung des Gebiets auf seinen heutigen Stand von rund 350 Hektar mit sich.

Um die Folgen möglicher Inzucht bei diesem ursprünglich sehr kleinen Bestand zu minimieren und in der Absicht, das ursprüngliche, wildpferdähnliche Bild der Tiere zu erhalten, wurde mit der Einzüchtung von anderen Ponyrassen begonnen. Ursprünglich verwendete man Welsh-Ponys, später auch Pony aus der Mongolei oder aus Exmoor, sowie Huzulen und vor allem ab 1957 polnische Koniks, die aus dem Rückzuchtprojekt für das Tarpan stammten. Da seit 1984 nur noch graufalbe Hengste eingekreuzt werden, hat diese Farbe im Bestand stark zugenommen.

Lebensweise und Haltung
Während die kleinen Pferde in vergangenen Jahrhunderten oft als Grubenponys unter Tage verwendet wurden, werden die Dülmener heute als Reit- und Familienpferd eingesetzt, während die Dülmener Wildpferde, möglichst vom Menschen unbeeinflusst, im Merfelder Bruch leben. Lediglich in strengen Wintern werden die Tiere dort zusätzlich mit Futter aus Heu, Stroh und eventuell auch Grassilage versorgt.

Allerdings ist die Zucht geregelt, um die Rasse möglichst unverändert zu erhalten. Zu diesem Zweck werden einmal im Jahr, am letzten Samstag im Mai, die jungen Hengste bei einer viel besuchten Veranstaltung von Hand gefangen und danach versteigert oder von der Herde separiert. Auch die Deckhengste leben lediglich in der Zeit von Mai bis September bei der Herde, um die Geburtstermine der Fohlen zu steuern. Die Herde selbst lebt in Familienverbände aufgeteilt, die aus verwandten Stuten und ihren Fohlen bestehen und jeweils von einer Leitstute geführt werden.

Außerhalb des Merfelder Bruchs werden Dülmener als vielfältige Kleinpferde geschätzt, wobei die Verwendung als Reitpferd für Kinder überwiegt. Sie können in ganzjähriger Offenstallhaltung leben und benötigen nur einen kargen Weidegrund.

Da die Dülmener geschützt vor allen eventuellen Fressfeinden leben und damit alte und schwache Tiere nicht durch Jäger getötet werden, ist die häufigste Todesursache das Verhungern, denn alte Tiere können auf Grund der stark abgenutzten Zähne kaum noch Futter aufnehmen.

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