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26.01.2009

Dr. Martin Balluch: Fasanerien

Dr. Martin Balluch: Fasanerien

Massentierhaltung für den Jagdspaß

Von Dr. Martin Balluch, Verein gegen Tierfabriken Österreich, VGT


Anfang November begann in ganz Österreich die Jagd auf Fasane. Diese Vögel, obwohl in den außeralpinen Gebieten öfter anzutreffen, sind aber eigentlich hier nicht heimisch. Die mittelalterlichen Feudalherren wollten sich ihren Jagdspaß durch die Einfuhr leicht jagdbarer Vogelarten verschönern, die auch noch bunte Federn haben, und so kam man auf den Kupferfasan, einen Waldvogel aus dem Schwarzmeergebiet. Im Spätmittelalter wurde er nur für die Jagd gezüchtet, ab dem frühen 14. Jahrhundert bereits in Tirol für die Jagd ausgesetzt.

Die Einfuhr und das Aussetzen von Fasanen aus jagdlichen Gründen in Österreich hat den Fasan aber nicht zu einem einheimischen Vogel gemacht. Das Klima und die Landschaft bieten ihm dafür nicht die geeigneten Lebensbedingungen. Der Jagdprüfungsbehelf dazu: »Die gegenwärtige Verbreitung des Fasans und die heutigen Besatzgrößen sind nur durch massive Hegemaßnahmen wie Winterfütterungen und in Lagen über 500 m Seehöhe mehr oder weniger regelmäßiges Aussetzen von Fasanerievögeln zu erhalten. [...] Praktisch in keinem Gebiet, in dem er eingebürgert wurde, kann sich der Fasan ohne mehr oder weniger ständige Hegemaßnahmen halten. [...] Abgesehen von Revieren in klimatisch günstigen Tieflagen sind heute [für die Jagd] angestrebte und erreichte Fasanenbesätze nur durch wiederholtes Nachsetzen zu halten.«

Mit anderen Worten: wollen die Jäger und Jägerinnen weiterhin dem Spaß der Jagd auf Fasane frönen, und sich die lustig-bunten Federn an den Hut stecken, so müssen sie die ausgesetzten Fasane nicht nur regelmäßig füttern, sondern weiterhin Fasane laufend züchten und frisch aussetzen. Und diese Züchtung geschieht in sogenannten Fasanerien. Was das für die Vögel bedeutet, hat der VGT in einer groß angelegten Recherche herausgefunden.

In Österreich gibt es Fasanerien mit bis zu 50.000 Tieren. Insgesamt werden jährlich rund 200.000 Fasane gezüchtet und zum Abschießen ausgesetzt. Manche Jäger bestellen nur Fasaneier und brüten sie selber aus. Andere wiederum lassen sich per Post lebende Fasane schi-cken. Manche davon werden ausgesetzt und gefüttert, andere hebt man sich für die Treibjagden auf. Oder man nutzt sie als sogenannte »Kistlfasane«: Fasane, die in ca. 1 Kubikmeter große Kisten gestopft werden, aus denen sie einzeln durch Öffnen einer Klappe herausgelassen werden. Diese Fasane fliegen - zum ersten Mal in ihrem Leben - auf, und werden von zahlenden JägerInnen gleich aus der Luft geschossen. Wie beim Tontaubenschießen, nur auf lebende Ziele.

Lebende Fasane und Fasane zum Abschuss werden in allen Jagdzeitschriften angeboten.
Die Haltung der Fasane in den Fasanerien ist reine Massentierhaltung. In einzelne Volieren werden Tausende Fasane gepfercht. Die männlichen Tiere sind aber zu aggressiv um so nah mit ihren Geschlechtsgenossen leben zu können. Wie aus der Massentierhaltung zur Genüge bekannt, kann so etwas zu hohen »Ausfällen« führen. Deshalb bohrt man den männlichen Fasanen Löcher in den oberen Schnabel und steckt ihnen Plastik-Plättchen, sogenannte »Blinker«, durch dieses Loch, die beide Augen verdecken. So können die Fasane nicht nach vorne schauen und sich gegenseitig picken. Für die Fasane bedeutet das aber nicht nur die Schmerzen der natürlich unbetäubt durchgeführten Schnabelbohrung, sondern auch eine permanente Einschränkung des Gesichtsfeldes: Nach vorne können sie überhaupt nichts sehen! Eine furchtbare Tierquälerei nur für den Spaß am Todschießen.

Wenn die Fasane zwei Wochen vor der Treibjagd ausgesetzt werden, oder generell um die Populationsgröße für die Jagd zu erhalten, dann sind sie ja dadurch, dass sie aus einer Massentierhaltung stammen und bei uns gar nicht heimisch sind, nicht in der Lage sich gegen Raubtiere wie Füchse zu verteidigen. Damit der Ankauf und die Dauerfütterungen Investitionen seitens der Jägerinnen und Jäger waren, die sich auch in lustige Abschüsse umsetzen lassen, muss also sichergestellt werden, dass die nicht lebensfähigen Fasane auch die Zeit bis zum Abschuss überleben. Dafür werden alle Raubtiere wie Fuchs, Marder, Iltis, Wiesel oder Wildkatze nach Möglichkeit umgebracht, häufig mit Fallen, weil es den meisten Jägerinnen und Jäger zu mühsam ist, wochenlang auf die scheuen Tiere anzusitzen und dann erst nur einen einzigen Schuss abgeben zu können.

Die typischen Folgeschäden der Jagdlust: Ein Jäger möchte gerne auf viele einfache bunte Ziele schießen können. Die unbeholfen fliegenden Fasane bieten sich dafür an. Also werden sie aus dem fernen Asien hierher gebracht, in großer Zahl in Massentierhaltungen gezüchtet, mit allen Begleitumständen wie dem Durchbohren der Schnäbel usw., und dann werden sie ausgesetzt und so die Fauna gefährlich verfälscht. Die lebensunfähigen Vögel sollen nun bis zum Abschuss am Leben erhalten werden. Dafür müssen alle Raubtiere sterben. Und am Schluss heißt es dann: Unsere Jägerschaft schützt die Natur!

Dabei hat eine Studie des Umweltministeriums kürzlich ergeben (siehe Die Presse 12. 9. 2002, sowie eine deutsche Studie im Internet:

http://www.oejv.de/archiv/bleischrot.htm), dass durch die Jagd wesentlich mehr Blei in die Natur ausgebracht wird als durch die gesamte Industrie. Während die Industrie nur für 200 Tonnen Blei pro Jahr verantwortlich ist, schießen die JägerInnen jährlich 400 Tonnen Blei mit ihren Schrotkugeln in die Landschaft. AutofahrerInnen mussten schon längst auf bleifreies Benzin umsteigen, aber JägerInnen haben weiterhin keinerlei solche Auflagen. In Dänemark und Holland wurde die Jagd mit Bleischrot deshalb bereits verboten.

Im übrigen trat am 1.4. 2002 in Holland ein neues »Flora- und Faunagesetz« in Kraft, das die Jagd nur noch auf Hase, Kaninchen, Fasan,
Stockente und Ringeltaube zu bestimmten Jagdzeiten erlaubt. Alle anderen Tiere sind ganzjährig geschützt. Die Jagd im Wildgatter, wie z.B. jeden Herbst im Lainzer Tiergarten in Wien, und das Aussetzen eigens für die Jagd gezüchteter Tiere wurde grundsätzlich untersagt. In Österreich ist es dem Tierschutz bisher praktisch nicht gelungen, auf die Jagdgesetze irgendeinen Einfluss zu nehmen.

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