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20.01.2009

Drama um die Althoff-Tiere

Drama um die Althoff-Tiere

Harter Kampf um die Befreiung der Elefanten und Pferde


Den ganzen Sommer über bestimmte besonders ein Zirkus-Thema die Schlagzeilen. Im Mittelpunkt ein altbekannter Tierquäler: Giovanni Althoff. Gegen den gleichnamigen Zirkus wurde im Juli ein Auftrittsverbot verhängt und ihm die Reiseerlaubnis entzogen. Seitdem sitzt er in Hessen fest. Eine Beschlagnahme der fünf asiatischen Elefanten konnte der Zirkus mit viel juristischer Trickserei und mit Hilfe profilierungssüchtiger Lokalpolitiker bisher verhindern.


Tradition in der Elefantenqual


Bereits Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre fiel der Zirkus Giovanni Althoff immer wieder selbst den Behörden wegen besonders schwerer Tierschutz-Verstöße auf. Besonders den Elefanten ging es oft schlecht. Psychische Verhaltensstörungen wurden genauso festgestellt wie Verletzungen und Krankheiten zum Beispiel abgefrorene Ohren oder chronische Schäden des Bewegungsapparats. Schon 1992 starb die afrikanische Elefantenkuh Lulu im Alter von nur zehn Jahren. Weil trotz der Warnungen vieler ExpertInnen nichts geschah, ereilte 1997 Siam (19) und Nadi (17) das gleiche Schicksal. Afrikanische Elefanten haben eine Lebenserwartung von ca. 50 Jahren. 2003 stirbt die indische Elefantenkuh Samba an einer Nierenerkrankung. Als für ihre kranke Schwester Sikim ein Reiseverbot erlassen wird, übergibt Althoff das Tier dem Osnabrücker Zoo. Die Zoo-Tierärztin bezeichnete Sikims Zustand als „schockierend“ und stellte eine eklatante Unterernährung und Arthrose fest. Außerdem sei die Elefantenkuh offenbar ständig angekettet gewesen. Sikim entging nur knapp der Einschläferungsspritze.


Zirkus festgesetzt


In diesem Jahr griffen die Osnabrücker Behörden endlich durch. Im März verhängten sie ein Auftrittsverbot wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz und wegen wirtschaftlicher Unzuverlässigkeit. Der Zirkus hatte wohl zahlreiche Rechnungen nicht begleichen können. Die Stadt Osnabrück ist zuständig, weil die Besitzerin des Zirkus', Barbara Rothmund, und die Althoffs in Osnabrück gemeldet sind. Im Juli wurde das Auftritts und Reiseverbot von einem Gericht bestätigt und damit wirksam. Der Zirkus hing in der kleinen Stadt Oppenheim am Rhein südlich von Mainz fest. Kurz zuvor hatten beim Gastspiel in Dietzenbach einige TierschützerInnen noch gravierende Gesundheitsschäden bei den fünf Elefanten Diana, Maja, Vicky, Belinda und Pira sowie den Pferden und Ponys dokumentiert. Dafür waren sie von Zirkusleuten körperlich angegriffen worden. In Oppenheim versuchten die Zirkusleute zunächst, das Auftrittsverbot zu ignorieren. 30 PolizistInnen waren nötig, um weitere Vorstellungen zu verhindern.

Aus Tätern werden Opfer


Geschickt verstand es der Zirkus in der Zeit danach, die örtliche Bevölkerung, die Lokalpresse und dadurch auch die auf Wählerstimmen bedachten PolitikerInnen auf seine Seite zu ziehen. Plötzlich standen alle Tiere auf der grünen Wiese. An die Bevölkerung wurde appelliert, doch bitte den Tieren mit Futterspenden zu helfen. Die Tierrechtsorganisationen, die eine Be-schlagnahme der Tiere forderten, waren plötzlich die bösen Arbeitsplatz-Vernichter genau wie die Behörden, die dafür verantwortlich waren, dass die Zirkusleute nicht ihrer glühenden Glitzer-Leidenschaft nachgehen konnten. Aus Tätern wurden Opfer, aus TierquälerInnen die fürsorglichsten TierfreundInnen. Oppenheims Bürgermeister Marcus Held stimmte ins Wehklagen mit ein, zum einen, um sich bei seinen WählerInnen nicht unbeliebt zu machen, um sich als engagierter Tierfreund zu präsentieren, aber zum anderen sicher auch, um den Zirkus möglichst schnell wieder los zu werden. Immerhin drohten der Kommune die Kosten für Sozialhilfe, Tierfutter evtl. anfallende Arzt- und Krankenhauskosten u.v.m..

Bündnis gegründet


Letztere Hoffnung erfüllte sich jedoch zunächst nicht. Eine ganze Reihe von Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen schlossen sich zum „Bündnis für die Befreiung der Althoff-Tiere“ zusammen. Dem Bündnis gelang es, dass das Thema nicht einschlief und so still und heimlich alles bleiben konnte wie es war. Ein Gutachten des Wiener Zoologen Dr. Harald Schwammer bestätigte die gravierenden Mängel in der Elefantenhaltung. Daraufhin prahlten Zirkusfreunde damit, dass sie Privatdetektive auf Schwammer und den Mitarbeiter des Osnabrücker Ordnungsamts Jürgen Wiethäuper angesetzt hätten. Beide hätten Kontakte zur Tierschutzorganisation PETA. Daraus schloss der Anwalt des Zirkus', ein Herr Ernst Fricke aus Landshut, dass die Behörden und Gutachter befangen seien. Die bis zum 10. August verfügte Auflösung des gesamten Tierbestandes wurde dadurch verhindert. Die Lokalpresse veröffentlichte zu diesem Zeitpunkt schon lange nur noch Fotos von lächelnden Feuerwehrleuten, die aus Solidarität mit dem Zirkus die Elefanten abspritzten. Am 1. August fand erstmalig eine Demonstration des Bündnisses im Zentrum von Oppenheim statt. Auch Bürgermeister Held ließ sich sehen und überraschte mit der Idee, in der Nähe eine Auffangstation für Elefanten zu gründen. Leere Versprechungen eines Politikers wie sich später herausstellen sollte.

Umzug nach Bodenheim


In der Woche nach der Demo duellierten sich Zirkus-FreundInnen und GegnerInnen weiter per Leserbriefe und im Internet. Vorübergehend sollte ein Platz in der Nähe von Pirmasens in Rheinland-Pfalz den Zirkus beherbergen. Doch dieses Vorhaben scheiterte genauso wie die von Bürgermeister Held vermutlich nie ernsthaft gewollte Auffangstation. In einer Nacht und Nebelaktion verließ der Zirkus dann Oppenheim, um ein paar Kilometer weiter rheinabwärts in Bodenheim ein neues Gelände zu besetzen. Angeblich wollte die Stadt Oppenheim ihren Festplatz endlich wieder anderweitig nutzen. Der Umzug war weder von den Bodenheimer Behörden noch vom Osnabrücker Ordnungsamt genehmigt. Jürgen Wiethäupter drohte wegen dieser Unzuverlässigkeit erneut mit der Beschlagnahmung der fünf Elefanten und 18 Ponys, doch erneut wehrte sich der Zirkus juristisch und legte Widerspruch ein. Immerhin: Am 20. August transportierte die Staatsanwaltschaft Hanau zwei besonders geschädigte Ponys, die nun ein neues Leben beginnen durften. Dabei glänzten die Zirkus-Leute wieder einmal mit tätlichen Angriffen und üblen Beleidigungen. Für einen Skandal sorgte im Nachhinein die Stadt Oppenheim, die trotz der offensichtlichen Verletzungen der Ponys Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs gegen die Landestierschutz-Beauftragte des Landes Hessens, Madeleine Martin, stellte, weil sie bei der Beschlagnahmung dabei gewesen war. Die Stadt Oppenheim hatte das Gelände für den Zirkus gepachtet.

Aktuelle Situation


In Bodenheim bezahlt nach wie vor die Stadt Oppenheim die Platzmiete. Das Futter für die Tiere wird aus einem Spendenkonto gedeckt. Dass diese Situation auf Dauer nicht so bleiben kann, muss allen Beteiligten klar sein. Das Bündnis für die Befreiung der Althoff-Tiere hat geeignete Plätze für alle Pferde und Elefanten gefunden. Dennoch sind der Staatsanwaltschaft die Hände gebunden, solange die Gerichte nicht entschieden haben. Der Zirkus und seine Anwälte möchten nun mit der Gründung eines neuen Unternehmens die Reise und Auftrittsgenehmigung zurück erhalten. In dieser neuen Firma sollen neue Verantwortliche das Sagen haben. Bis zum 30. Oktober durfte Althoff in Bodenheim bleiben. Anschließend hätte ein Winterquartier in der Nähe von Krefeld zur Verfügung gestanden. Aktuelle Informationen über den Zirkus Althoff gibt es auf der Internetseite des Bündnis für die Befreiung der Althoff-Tiere.

www.althofftiere.tirm.de

Wolfgang Siebert

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