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23.01.2009

Ein Blick hinter die Kulissen der Wollindustrie

Ein Blick hinter die Kulissen der Wollindustrie
Stand: Januar 2008


Viele Menschen denken, Schafe zu scheren, würde den Tieren helfen, die sonst unter zuviel Wolle litten. Ohne die Einmischung des Menschen jedoch würden Schafe nur soviel Wolle bekommen, wie sie benötigten, um sich vor extremer Witterung zu schützen. Das Vlies schützt wirksam, weil es sowohl gegen Hitze wie Kälte isoliert. Wolle wurde einst gewonnen, indem man es Schafen in der Zeit der Mauser, also des natürlichen Fellwechsels, auszupfte. Das Züchten zum Erzielen eines ständigen Vlieswachstums begann nach Erfindung der Schermesser (1).


Die Qualen des Scherens und Mulesings
2001 war Australien mit seinen mehr etwa 100 Millionen Schafen der größte Wolllieferant der Welt und produzierte knapp 25 Prozent des gesamten Wollaufkommens. Die Herden bestehen gewöhnlich aus Tausenden von Schafen, was es faktisch unmöglich macht, einem Tier individuelle Aufmerksamkeit zu schenken oder den Bedürfnissen eines Einzelnen nachzukommen. Daher kommt es auch vor, dass jährlich bis zu 6 Millionen Tiere sterben, was von den Schafzüchtern in Kauf genommen wird. Die meist verbreitete Rasse sind die Merinos, Australien stellt etwa 50 Prozent der weltweiten Merinowolle. Dementsprechend ist die Bedeutung für den australischen Export, der – trotz sinkender Schafzahlen – heute noch immer den Weltmarkt mit Wolle versorgt (2, 3).

Merinos sind speziell so gezüchtet, dass sie faltige Haut haben, was noch mehr Wolle pro Tier bedeutet. Dieses unnatürliche Übermaß an Wolle führt dazu, dass Tiere während der heißen Monate an Überhitzung sterben, und in den Falten sammeln sich außerdem Urin und Feuchtigkeit. Von der Feuchtigkeit angezogen legen Fliegen ihre Eier in den Hautfalten ab, und die ausgeschlüpften Larven können die Schafe bei lebendigem Leibe auffressen. Um nun einen solchen „Fliegenbefall“ zu verhindern, nehmen die australischen Farmer eine barbarische Prozedur an den Schafen vor - Mulesing. Dabei werden den Lämmern bei vollem Bewusstsein und ohne Betäubung riesige Fleischstreifen hinten von den Beinen und im Bereich des Schwanzes weg geschnitten. Man will so eine glatte, vernarbte Fläche erhalten, auf der sich keine Fliegen ansiedeln und Eier ablegen, jedoch werden die offenen blutigen Wunden oft noch vor dem Abheilen von Fliegen befallen. Mittlerweile hat sich die australische Wollindustrie dem Druck gebeugt und eingewilligt, das Mulesing Ende 2010 auslaufen zu lassen und andere tierfreundliche Methoden zur Überwachung des Fliegenbefalls einzusetzen. Diese, wie bessere Kontrolle der Herden, Fliegenfallen oder die Verwendung einer anderen, besser an die Umgebung angepassten Rasse, stehen schon heute zu Verfügung. Man muss sich fragen, warum bis 2010 noch Millionen Schafe an dieser grausamen und unnötigen Prozedur leiden müssen (4).

Die Schafe werden in jedem Frühjahr geschoren, nachdem sie die Lämmer bekommen haben, also gerade zu der Zeit, wo sie normalerweise ihr Winterfell abwerfen würden. Das richtige Timing ist hier entscheidend: Schert man zu spät, verliert man Wolle, ist man zu sehr in Eile, sterben viele Schafe, weil sie zu früh geschoren wurden.

Die Scherer werden gewöhnlich nach Masse bezahlt, und nicht pro Stunde. Dies führt dazu, dass schnell gearbeitet und nicht auf das Wohl der Schafe geachtet wird. Erfahrene Arbeiter scheren um die 350 Tiere am Tag, und diese Geschwindigkeit wird bis zu vier Wochen aufrechterhalten. Dieses Scheren im Akkord verursacht immer wieder Verletzungen der brutal fixierten Tiere.


Lebendexport
Werden die Schafe älter und ihre Wollproduktion lässt nach, werden sie zum Schlachten verkauft. Dies führt alljährlich zum grausamen Lebendexport von Millionen Schafen aus Australien in den Nahen Osten und nach Nordafrika. Es gibt eine verdeckte Ermittlung von PETA und Animals Australia aus dem Jahre 2006, die aufdeckt, wie die von Australien exportierten Schafe behandelt und geschlachtet werden.

Die Sterblichkeitsrate an Bord ist hoch, bis zu 10 Prozent der Tiere sterben auf dem langen, anstrengenden Weg – und für jedes Schaf, das stirbt, stehen zahlreiche weitere, die krank werden oder sich verletzen. Tote oder verletzte Schafe werden dann oftmals einfach über Bord geworfen. Und die Tiere, die an ihrem Bestimmungsort ankommen, sehen einem qualvollen Tod entgegen, der auf diese Art in Australien illegal wäre.

Entgegen den Äußerungen der australischen Regierung werden die Schafe nicht human behandelt. Machen Sie sich Ihr eigenes Bild und schauen Sie sich die schockierenden Bilder unter www.Rettet-die-Schafe.de an.


Andere Wollarten
Egal, ob man es nun Wolle, Mohair, Pashima, Shahtoosh oder Kaschmir nennt, jede Art von Wolle bedeutet Leiden für die Tiere.

Entgegen dem, was Verbraucher glauben, ist „shearling“ nicht geschorene Wolle. Der Begriff bezieht sich vielmehr auf das Schaf. Ein „Shearling“ ist ein einjähriges Schaf, das nur einmal geschoren wurde. Shearling-Kleidung ist also gemacht von einem Schaf oder Lamm, unmittelbar bevor es geschlachtet wurde; die Haut wird noch mit der Wolle eingefärbt.

Kaschmir wird aus den feinen Haaren der Kaschmirziege gewonnen. Diese Ziegen werden zu Millionen in China und der Mongolei gehalten und die Wolle – schlicht als Kaschmir oder engl. Cashmere – gilt weltweit als „Luxus“gut. Da aber nicht das Haar von jeder Kaschmirziege die gewünschte feine, hochwertige Wolle ergibt, werden ca. 50-80% der Neugeburten als nicht ertragsträchtig aussortiert und getötet. (5)

Angora-Kaninchen werden auf ein Brett gespannt, um sie zu scheren, wobei sie wild um sich treten aus Protest. So schneiden ihnen die Messer unausweichlich ins Fleisch, was zu blutigen Wunden führt. Angora-Kaninchen haben sehr empfindliche Fußsohlen, was ein Leben in Käfigen auf Maschendraht zur absoluten Qual macht und häufig zu Geschwülsten an den Füßen führt. Da die männlichen Angora-Kaninchen weniger Wolle produzieren, werden sie auf vielen Farmen gleich nach der Geburt getötet, sollten sie nicht zur Zucht benutzt werden (6).

Shahtoosh wird vom Fell der gefährdeten tibetischen Antilope oder Chiru gemacht. Da Chirus nicht domestiziert werden können, müssen sie getötet werden, damit man an ihre Wolle kommt. Obwohl es seit 1975 illegal war, Shahtoosh zu verkaufen oder zu besitzen, sterben jährlich Chirus für Schals, die für tausende Dollar auf dem Schwarzmarkt gehandelt werden. Man braucht 5 Antilopen um einen Schal zu erhalten (7, 8).

Der Markt für Alpaka explodierte in den 80er Jahren, als südamerikanische Alpakas und Lamas weltweit an Unternehmer vermarktet wurden, die die Vision von einer guten Investition in den Markt für ein Luxusmaterial hatten. Die Nachfrage ist noch immer groß, weshalb Herden nun auf tausende von Tieren angestiegen sind. Die meisten Alpacas leben in Peru, aber es wird angenommen, dass Australien den Markt in den nächsten Jahren dominieren wird (9).


Was Sie tun können
Kaufen Sie Kleider von Firmen, die angegeben haben, keine Waren aus australischer Merinowolle zu führen, bis das Mulesing und die Lebendexporte eingestellt werden. Das Beste ist jedoch, vollständig auf Wolle zu verzichten. Es gibt genügend gestylte und tierfreundlichere Alternativen zu Wolle, wie Baumwolle, Baumwollflanell, Polyestervlies, synthetisches Shearling und andere tierfreundliche Fasern. Menschen, die eine Wollallergie haben, setzen schon seit langem auf diese Materialien. Tencel, das atmungsaktiv, haltbar und biologisch abbaubar ist, ist eines der neuesten tierfreundlichen Materialien als Ersatz für Wolle. Polartec Wind Pro, das im Wesentlichen aus recycelten Plastikflaschen gemacht wird, ist ein hochdichtes Vlies mit viermal größerem Windwiderstand als Wolle, das außerdem Feuchtigkeit abweist.


Quellen
(1) Gibson-Roberts, Priscilla: „Scandinavian Sheep”, Knitters Magazine, 2000
(2) ABS: „The Wool Industry“, 2003
(3) AWI: „Australian Wool Production Forecast Report“, 2003
(4) AWI: „The Australian wool industry and alternatives to mulesing – The Facts“, 2007
(5) Cashmere Products of America: „Cashmere Charateristics”, 2006
(6) Lebas, F. et al.: „The rabbit – Husbandry, Health, and Production”, FAO, 1997
(7) Gaw, Julie: „Shahtoosh: the lethal cost of luxury”, 1998, unter: http://www.traffic.org/dispatches/archives/september98/shahtoosh.html
(8) http://www.shahtoosh.com/
(9) The Economist: „A Shaggy Business”, 2005

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