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23.01.2009

Ein reines Gewissen ohne Tierversuche

Ein reines Gewissen ohne Tierversuche
Stand: April 2008


Viele Tiersezierungen, die früher in unseren Schulen stattfanden, sind nun nicht mehr Teil des Lehrplans. Doch einige altmodische Lehrer nutzen dieses Mittel noch immer, obwohl es keine Pflicht ist und lassen ihre Schüler z. B. Kuhaugen oder Fische sezieren. Doch unabhängig von der persönlichen Einstellung müssen Studenten der Biologie, Pharmazie, Medizin und Veterinärmedizin während ihrer weiterführenden Ausbildung Versuche an Tieren durchführen. Verweigern sie dies, wird ihnen vielleicht keine oder eine schlechte Note ausgestellt, sie schaffen ihre Prüfungen nicht und verbauen sich die Karriere. Andererseits, sich dem Druck zu beugen, kann psychologische Probleme und eine Desensibilisierung hinsichtlich Gewalt an Tieren und Menschen nach sich ziehen. (1)

Viele Menschen studieren Veterinärmedizin, weil sie das Leben von Tieren verbessern möchten. Ein bekannter Ausspruch der Veterinärmedizin lautet „Primum Non Nocere“ (zuerst einmal nicht schaden) – dies steht jedoch im Widerspruch mit der Realität der veterinärmedizinischen Ausbildung und häufig finden sich Studenten in einem Zwiespalt: „Muss ich Tieren jetzt Schaden zufügen, um ihnen später zu helfen?“
Die Wahrheit ist jedoch, dass es keinen Grund gibt, Tieren zu irgendeinem Zeitpunkt der Ausbildung zu schaden.

Der Verlust guter Wissenschaftler
Anstatt an verpflichtenden Tierversuchen teilzunehmen, verlassen viele Studenten lieber ihren Kurs. Die Studenten, die Tierversuche durchführen, werden im Laufe ihrer Ausbildung desensibilisiert. Die grausame Verwendung von Tieren verstärkt die Ansicht, ein Leben sei nichts wert oder die Wissenschaft rechtfertige die Opfer, Ethik wird irrelevant. (2)

Viele Studenten, die diese Versuche durchführen mussten, arbeiten danach zu keinem Zeitpunkt ihrer beruflichen Laufbahn mit Tieren. (3) Würden Sie ein geliebtes Tier nicht lieber zu einem Tierarzt bringen, der während seiner Ausbildung die Tiere ausreichend respektierte, um nicht an ihnen zu experimentieren und sie zu töten?
Theo Capaldo ist eine amerikanische Psychologin und verfügt über 25 Jahre Berufserfahrung. Sie hat das Trauma, verursacht durch erzwungene Tiersezierungen, studiert und stellt die Frage: „Warum erinnern sich die Menschen an das Sezieren eines Tieres in der Schule und vergessen alles über Sprachen und Geschichte?“ Ihrer Meinung nach ist diese Tatsache auf das dadurch verursachte Trauma zurückzuführen und sie glaubt, „erzwungene Tierversuche behindern die Bildung – der Schüler wird traumatisiert und lernt weniger.“ (4)

Capaldo ist der Auffassung, dass Schüler und Studenten oft auf eine dieser drei Arten reagieren:

1. Rückzug: Das Gefühl von „Kämpf oder lauf davon“ setzt ein und fühlt sich jemand nicht in der Lage, gegen die Einrichtung zu kämpfen, verlässt er den Kurs.
2. Verfremdung: Studenten nehmen vielleicht an dem Kurs teil, ziehen sich aber innerlich durch die Desensibilisierung gegenüber dem von ihnen verursachten Leid zurück. Oft hört man: „Nur so konnte ich durchkommen. “
3. Vermeidung: Man wechselt entweder den Kurs oder ändert alle beruflichen Pläne. So verlieren wir wichtige und leidenschaftliche Wissenschaftler, da diejenigen mit moralischen Überzeugungen aussteigen. (5)

Warum sollte man keine Tiere benutzen?
Bedenkt man ein Trauma unter Studenten und die Grausamkeiten an Tieren (jeder Versuch an Tieren ist unweigerlich grausam), so sind Tiere einfach keine vorteilhaften Lehrobjekte. (6) Häufig müssen Studenten herausfinden, dass das gewünschte Ergebnis bei den Tieren nicht auftritt. (7)

Wird bei der Sezierung ein Fehler begangen, so muss noch ein Tier getötet werden. (8) Da dies meist nicht geschieht, endet der „Lernprozess“ mit dem ersten Fehler. Häufig lernen die Studenten eine Fähigkeit erste, wenn der Körper vor ihnen liegt, den sie heilen sollen.

Das Züchten, Füttern, Halten und Töten von Tieren ist kostenaufwendig. (9) An Tieren zu experimentieren braucht mehr Zeit als verfügbare Alternativen. (10) Außerdem schreckt die Verwendung von Tieren viele hervorragende Studenten ab und desensibilisiert viele weitere. (11)

Der bessere Weg
Es gibt viele Möglichkeiten, Schülern den medizinischen Lehrstoff zu vermitteln, ohne auch nur einem einzigen Tier Schaden zuzufügen und immer mehr Professoren weltweit entscheiden sich für diese Methoden. Modelle, Simulatoren, Computerpuppen, Filme, interaktive Video- und Multimediacomputersimulationen werden immer beliebter – aus gutem Grund. (12) Sie sind nicht nur ethisch korrekt, sondern erlauben den Studenten auch, Übungen zu wiederholen und in ihrem eigenen Tempo zu lernen.
Eine neue veterinärmedizinische Hochschule in Südkalifornien stellte Professor Lara Rasmussen an, um die dortigen Operationen und Programme der klinischen Fähigkeiten zu entwickeln und überschauen. Sie entwickelte Programme, die Tieren keinen Schaden zufügen, da sie weiß, dass Widerholungen sehr wichtig in der weiterführenden Bildung sind und Versuche an Tieren nicht wiederholt werden können. (13)
Studenten können auch mit dem Selbstexperiment, mit menschlichen Körpern und ethisch vertretbaren Geweben arbeiten. Des weiteren können Studenten der Tiermedizin auch an Tieren in einem klinischen Umfeld lernen, indem sie mit einem qualifizierten Tierarzt zusammenarbeiten und direkte Fälle von Tieren sehen, die eine Behandlung brauchen oder kastriert werden. Auch können Tiere herangezogen werden, die auf natürliche Weise gestorben sind und aus medizinischen Gründen euthanasiert werden mussten.

Der Mythos
Warum also werden noch immer Tiere in der Ausbildung benutzt, wo es doch zahlreiche Alternativmethoden gibt?

Alexey Shandra, Leiter des Normal Physiology Department der Odessa State Medical University in der Ukraine, nennt die traditionelle Denkweise unter älteren Kollegen und den Mangel an Zeit, die damit verbracht wird, neue Techniken einzuführen, als das größte Problem. Sie sehen sie als eine Ablehnung dessen, was sie gelernt haben und neu qualifizierte Lektoren und Professoren versäumen die Einführung neuer Techniken häufig. (14)

Einige Pädagogen halten nicht-tierische Methoden für weniger wertvoll. Laut Jonathan Balcombe der Humane Society der Vereinigten Staaten zufolge, fand man bei einer Durchsicht veröffentlichter Studien, die Alternativen in der Ausbildung bewerteten, heraus, dass „Alternativen genauso gut oder besser als traditionelle Tiermethoden in der allgemeinen Biologie (8 Studien), Physiologie und Pharmakologie (5 Studien), Medizin und anverwandten Berufen (4 Studien) und in der Veterinärmedizin (15 Studien) abschnitten.“ (15)

So sollte es sein
Weltweit gibt es zahlreiche Pädagogen, die sicherstellen, dass ihre Abteilungen oder Universitäten zu 100% ethisch sind. Michael Pfotenhauer der Witten-Herdecke Universität in Witten sollte dort ein neues physiologisches Institut aufbauen und ist nur ein Beispiel dieser humanen Pädagogen. Pfotenhauers Physiologiekurs lief von Anfang an ohne die Verwendung von Tieren. Seine Studenten schreiben die gleichen Prüfungen wie Studenten anderer Universitäten und schneiden immer überdurchschnittlich ab. (16)
Traditionelle Vorlesungen weichen den praktischen Kursen und Diskussionen. Jede klinische Arbeit wird im Labor vorgenommen, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen und praktische Ärzte nehmen alle Studenten auf, um sie mit der täglichen Arbeit in der Medizin vertraut zu machen. (17)
Pfotenhauer sagt: “Es gibt kein Gesetz, das uns vorschreibt, Tiere zu töten um Physiologie zu studieren. Es ist nicht nötig. Wir sind mit unserem Konzept sehr zufrieden werden in unseren Vorlesungen niemals Tiere töten. Unsere Studenten würden das nicht machen.“ (18)

Die Verweigerer
Fallstudie 1:
Thales Trez
Thales Trez hat seinen Abschluss als Biologiewissenschaftler an der Universität von Santa Catarina in Brasilien gemacht. All seine Kurse hindurch, hat er die Nutzung von Tieren in Frage gestellt. Als Ergebnis seiner Proteste wurde die Mehrzahl der Laborversuche mit Tieren an der Universität durch andere Methoden ersetzt und auf anderen Gebieten stark reduziert.

Sein Protest begann, als er sich weigerte, Tiere in Vorlesungen der Zellbiologie zu benutzen. Das Tier wurde trotzdem getötet. In einem Kurs der menschlichen Physiologie sollte er einen Hund töten und weigerte sich erneut. Der Professor sagte zu ihm: „Wenn Sie Wissenschaftler sein wollen, müssen Sie sich zwischen rationellem Denken und emotionalem Verhalten entscheiden.“ Trez klärte seine Kommilitonen auf und von 34 Studenten stimmten nur 4 zu, den Hund zu töten. Während der Durchführung wachte der Hund aus der Narkose auf, als sein Brustkorb noch offen lag; des schockierte die Studenten, die doch teilgenommen hatten. Noch bevor ein weiterer Hund dieses Schicksal erleiden musste, ging Trez in das Labor und brachte den Hund in Sicherheit. Er wurde wegen Diebstahl öffentlichen Eigentums verklagt und argumentierte seinen Fall mit ethischen Gründen. Seine „Strafe“ war die Durchführung von drei Debatten zu Tierversuchen. Sein Mut führte zu der Tatsache, der für die praktischen Vorlesungen des nächsten Semesters vorgesehene Hund durch Videoaufnahmen ersetzt wurde.

Fallstudie 2: Andrew Knight
Knight machte seinen Abschluss in Tiermedizin an der Murdoch Universität in Westaustralien. Im ersten Jahr weigerte er sich, kurz zuvor getötete Ratten zu sezieren, war jedoch auf die darauf folgende Schlacht nicht vorbereitet. Die Akademiker zeigten sich feindlich ihm gegenüber und weigerten sich, Alternativen zu stellen. Im nächsten Jahr führte sein Boykott zu der Schließung des gesamten Labors, doch er erhielt ernstzunehmende Warnungen und verlor Noten.

Knight fand während seiner Nachforschungen viele wissenschaftliche Studien, die die Kompetenz unter ethischen Studenten nachwiesen. Er suchte sich rechtlichen Beistand und begann sein zweites Jahr, in dem Schafe, Kröten und Ratten verwendet wurden. Die schrecklichsten Experimente fanden in den Physiologiestunden statt, dazu gehörten die Injektion von Medikamenten, das Blockieren von Arterien, Durchschneiden von Nerven, Inhalation und Ersticken. Er weigerte sich teilzunehmen und verlor eine weitere Note.
Diesmal lenkte die Universität aus Angst vor schlechter Presse aufgrund Knights Beschwerde an die Equal Opportunities Commission (Kommission für Chancengleichheit) ein. Seine Nachforschungen zu Alternativen in Physiologielaboratorien führten zu der Abschaffung aller Versuchsstunden.

Anstatt im Labor zu arbeiten, stellten er und seine Kommilitonen ihre Arbeit Tierheimen und Kliniken zur Verfügung. Sie führten überwachte Sterilisationen an echten Patienten in wahren Situationen durch und schrieben Berichte.
Knight sagt: „Unsere Ausbildung war umfassend und genau. Zusammen sterilisierten wird 45 Hunde und Katzen (…); dies bot uns fünf Mal so viel chirurgische Erfahrung wie sie andere bekommen. Wir verbrachten mehr Zeit in Kliniken und hatten Teil an vielen interessanten Fällen.“ Er nennt seine Ausbildung einen „durchschlagenden Erfolg“ und ist der Ansicht, er habe die realitätsnaheste Ausbildung erhalten, wie es nur möglich ist.

Woher man Tiere beziehen kann
Tiere aus ethischen Quellen zu “beziehen” bedeutet nicht, Tiere die „überschüssig“ sind zu verwenden. Man meint damit Tiere, die auf natürliche Weise gestorben sind oder aufgrund dauerhafter Krankheit euthanasiert werden mussten.
Sowohl eine ganze Schule, als auch einzelne Studenten können auf diese Weise Tiere beziehen, doch die Planung ist entscheidend. Kleintiere können von Tierkliniken übernommen werden. Hinterlassen Sie Ihre Telefonnummer bei dem Tierarzt und bitten Sie Tierhalter, euthanisierte Tiere zu spenden. Seien Sie dabei taktvoll und mitfühlend. Größere Tiere und „Nutz“tiere bekommt man von Kliniken oder Bauern, die gestorbene Tiere loswerden möchten. Kadaver können aus der Pathologieabteilung von Universitäten stammen, wohin erkrankte Tiere zur Autopsie gebracht werden.
Wichtig dabei ist, die Tiere sofort nach ihrem Tod zu erhalten und sicherzustellen, dass die Körper keine infektiösen Krankheiten in sich tragen. Da der Verwesungsprozess schon 4 bis 10 Stunden nach dem Tod eintritt, müssen Sie sich vorher um die Aufbewahrung kümmern. Unter Anwendung von Formaldehyd und Lagerung in einem Kühlraum, können Sie wenn nötig mir der Sezierung 12 bis 13 Tage lang waren, und sich so mit der Fertigstellung ca. 1 Woche lang Zeit lassen.

Was Sie tun können
- Informieren Sie sich über Alternativmethoden und lesen Sie das Buch From Guinea Pig to Computer Mouse (Vom Meerschweinchen zur Computermaus).
- Lassen Sie sich von den Fallstudien inspirieren und seien Sie mutig. Sie sollten immer daran denken, dass eine einzige Person die Welt verändern kann.
- Sprechen Sie mit anderen Studenten und ermutigen Sie sie, sich mit Ihnen zusammen zu verweigern.
- Versuchen Sie, Tiere aus ethisch vertretbaren Quellen zu beziehen.
- Geben Sie den Kurs nicht einfach auf. Unsere Gesellschaft braucht mitfühlende, ethische Menschen in der Wissenschaft.


Quellenangaben
1) Nick Jukes, “Why Replacement?” Interniche Conference, Brussels, February 2001.
2) Jukes.
3) Jukes.
4) Theo Capaldo, “The Psychosocial Effects on Students of Using Animals in Ways That They See as Ethically, Morally or Religiously Wrong”, Interniche Conference, Brussels, February 2001.
5) Capaldo.
6) Michael Pfotenhauer, “Physiology Courses in Witten/Herdecke Without Animal Experiments”, Interniche Conference, Brussels, February 2001.
7) Nuria Viqas, “Changing Attitudes: Animals and Science Education in Spain”, Interniche Conference, Brussels, February 2001.
8) Jonathon Balcombe, “Beyond Tradition: Why Alternatives Are Better Learning Tools”, Interniche Conference, Brussels, February 2001.
9) Balcombe.
10) Balcombe.
11) Capaldo.
12) Jukes.
13) Lara Rasmussen, “Veterinary Skills Education: Above All Do No Harm”, Interniche Conference, Brussels, February 2001.
14) Alexey Shandra, “The Use of Video in Teaching Students of Physiology”, Interniche Conference, Brussels, February 2001.
15) Balcombe.
16) Pfotenhauer.
17) Pfotenhauer.
18) Pfotenhauer.

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