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25.01.2009

Eine Welt - ein Klima

Eine Welt - ein Klima
02.06.2007: Endfassung des Leitantrags zum Thema Klima und Globalisierung, den die GRÜNE JUGEND bei ihrem 28. Bundeskongress in Halle beschlossen hat.


Wir wollen raus aus Kohle und Atomkraft!
Zukunft der Energienetze: Netze entflechten
Verkehr und Bauen
Öffentlicher Verkehr
Güter auf die Schiene
Flächenverbrauch und Siedlungswachstum stoppen!
Grüne Häuser und Grünes Wohnen
Agrarwende ist Klimaschutz
Mehr Ökolandbau
Weniger Tierhaltung
Die Wirtschaft muss grün werden!
Für einen globalen Emissionshandel
Die Ökologisierung der Steuersysteme muss weiter gehen!
Mehr Effizienz
Klimaschutz global gestalten
Das neue Klimaschutzabkommen
Pro-Kopf-Emissionsrecht
Globale Umweltorganisation
Kompromissloser Schutz der Tropenwälder!
Der persönliche Konsum
Umfassender, individueller Klimaschutz funktioniert nur mit sozialer Sicherheit
Wir brauchen eine neue Verzichtsdebatte


Umweltbildung
Die letzten Klimaberichte der Vereinten Nationen (VN) haben trotz des Einstimmigkeitsprinzip offen und klar die Fakten dargelegt: Der Mensch ist für den Klimawandel verantwortlich. Der größte Teil der Emissionen des Klimagases CO2 geht vor allem auf die Industrieländer zurück. Die größten Schäden haben jedoch die armen Länder des Südens zu tragen. Allein in Bangladesch, Nigeria und Vietnam werden in den nächsten Jahren 100 Millionen Menschen von Fluten betroffen sein. Diese global ungerechte Verteilung der Schäden macht internationale Solidarität notwendig. Klimaschutz ist somit zur sozialen Frage geworden. Zwischenstaatliche Solidarität muss sich etablieren, weshalb die GRÜNE JUGEND eine gute internationale Klimapolitik immer auch als gute Weltinnenpolitik versteht. Statt national beschränkter Sichtweisen brauchen wir einen internationalen Blick auf die Dinge!

Die Folgekosten des Klimawandels würden bis zu 20 Prozent des globalen Bruttoinlandproduktes beanspruchen, effektiver Klimaschutz hingegen nur ein Prozent. Doch statt konkretem Handeln kommt es in Deutschland lediglich zu einem Anstieg der Klimarhetorik - nicht aber der Handlungsbereitschaft. Die EntscheidungsträgerInnen müssen den Mut zur Tat haben.

WissenschaflerInnen aller Nationen haben spätestens mit dem vierten Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) deutlich gemacht, dass wir sofort handeln müssen. Die Grenze der WissenschaftlerInnen und das Ziel der EU, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, ist in Gefahr, wenn nicht in den nächsten zehn Jahren entscheidende Umwälzungen geschehen. Um das Ziel zu erreichen, oder noch besser die Erwärmung unter zwei Grad zu halten, müssen wir die Emissionen der Treibhausgase, insbesondere von CO2, deutlich verringern. Bis 2020 müssen mindestens 50 Prozent weniger Treibhausgase emittiert werden als noch 1990, bis 2040 sogar mindestens 80 Prozent weniger.

Veränderungen sind in allen Bereichen unseres Lebens angesagt - Energiegewinnung, Wirtschaft und der Verkehr müssen sich wandeln, internationale Verpflichtungen, mindestens auf Ebene der Europäischen Union (EU), sind dringend nötig. Doch auch der Lebensstil jedes einzelnen Menschen muss hinterfragt werden - wir brauchen ein neues Gesellschaftsverständnis. Als GRÜNE JUGEND fordern wir die Warnungen der internationalen ExpertInnen ernst zu nehmen und dem globalen Klimawandel einen umfassenden Politik- und Lebensstilwandel entgegen zu setzen.

Wir wollen raus aus Kohle und Atomkraft!

Der deutsche Kraftwerkspark sieht bisher ziemlich dreckig aus. 27 Prozent des erzeugten Stroms stammen aus nuklearen Brennstoffen, 26 Prozent aus Braunkohle, 22 Prozent aus Steinkohle, elf Prozent aus Erdgas und zwei Prozent aus Öl. Nur etwa zehn Prozent werden mit erneuerbaren Energien erzeugt, die restlichen drei Prozent aus sonstigen Energieträgern. Selbst wenn Erdgas als "weniger klimaschädlich" außen vorgelassen wird, werden heute mehr als drei Viertel des verbrauchten Stroms auf der Basis fossiler oder nuklearer Brennstoffe erzeugt. Energieträger, die keinesfalls zukunftsträchtig sind und so schnell wie möglich abgelöst werden müssen.

Einsparen, Effizienz, Erneuerbare! Ein wesentlicher Bestandteil der Reduktionen muss in der Energieerzeugung stattfinden. Unser ambitioniertes Ziel lässt sich jedoch nur im Dreiklang der "E´s" erreichen: Energieeinsparung, Effizienzsteigerung und Energiewende. Den heutigen verschwenderischen Energieverbrauch in nicht allzu ferner Zukunft durch erneuerbare Energien zu decken, ist illusorisch. Wir müssen mindestens 50 Prozent unseres heutigen Energieverbrauchs durch höhere Effizienz und Einsparungen decken. Deswegen ist die Energiewende auf das Erzielen von Einsparungen und Effizienzsteigerungen angewiesen. Wir müssen für sie genauso kämpfen, wie für den Ausbau regenerativer Energien. Der noch vorhandene fossile Kraftwerkspark muss umstrukturiert werden, um den Weg ins Zeitalter der erneuerbaren Energien frei zu machen und veraltete Strukturen, die auf fossile Rohstoffe setzen, abzuschaffen.

Erneuerbare ausbauen! Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Energieproduktion ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Trotzdem wird nur ein Bruchteil des Potentials ausgeschöpft. Bis 2020 soll sich der Anteil Erneuerbarer mindestens verdreifachen und 2040 bei 80 Prozent liegen. Dies schließt sowohl den Bereich der Strom- als auch der Wärmeproduktion mit ein.

Um dieses Ziel zu erreichen, muss als erstes die Nutzung erneuerbarer Energien zur Wärmeproduktion gesetzlich gefördert werden. Analog zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das den Anteil der regenerativen Energieträger an der Stromproduktion enorm erhöht hat, aber eben nicht für Wärmeproduktion gilt, soll es ein solches Gesetz für "Erneuerbare Wärme" geben. Trotz der gewaltigen Potenziale beträgt der Anteil von Solar-, Bio- und Erdenergie an der Wärmeversorgung derzeit erst vier Prozent. Wir wollen, dass bis 2020 25 Prozent der Wärmeversorgung erneuerbar ist. Bis 2050 ist sogar eine Vollversorgung aus natürlichen Energieträgern möglich.

Ebenso wichtig ist der weitere Ausbau der Energieerzeugung mit Biomasse. Insbesondere im Bereich von Abfällen und Restprodukten gibt es noch große Potentiale. Doch Skepsis ist angebracht, wenn Bioenergie als Allheilmittel die fossilen Brennstoffe ablösen soll. Biomasse steht nicht unbegrenzt zur Verfügung, wenn wir weder die Nahrungssicherheit noch die biologische Vielfalt mit intensiven Monokulturen und/oder Gentechnik durch den Anbau von Energiepflanzen gefährden wollen. Bioenergie braucht Ökostandards, die im EEG geregelt werden müssen. Im Bereich der Geothermie können enorme Potentiale ausgeschöpft werden. Deren Potentiale liegen selbst in nicht vulkanischen Regionen nach neueren Studien zwischen 25 und 200 Prozent der heutigen Stromerzeugung!

Weiterhin müssen ungenutzte Potentiale der Windkraft ausgeschöpft werden. Während die Windkraft On-Shore (Windkraftanlagen auf dem Festland) vor allem durch Repowering (den Ersatz alter Anlagen durch moderne am selben Standort) enorme Effizienzpotentiale hat, bietet die Nutzung von Off-Shore (Windkraftanlagen auf See) noch extremere Möglichkeiten: Bis 2020 können mehr als 40 Terawattstunden pro Jahr mit Off-Shore Windkraftanlagen produziert werden (zum Vergleich: Energieproduktion aus Laufwasser und Windanlagen On-Shore heute: circa 50 Terawattstunden/Jahr). Die Umweltverträglichkeit solcher Anlagen muss jedoch geprüft werden.

Konventionellen Kraftwerkspark umstrukturieren Die Energieerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist die Hauptursache der Treibhausgasemissionen und muss so schnell wie möglich abgebaut werden. Der Anteil der Energie aus Braun- und Steinkohle, die klimaschädlichsten Energieträger überhaupt, muss dringend verkleinert werden. Ein Abbau aller klimaschädlichen Subventionen könnte allein im Bundeshaushalt bis zu 30 Milliarden Euro jährlich für andere Maßnahmen freisetzen. Der Emissionshandel muss alle Energieträger gemäß ihrer CO2-Emissionen gleich behandeln. Die Ausnahmeregelungen für Stein- und Braunkohle müssen sofort beendet werden. Mit solch einem konsequenten Emissionshandel würden sich neu gebaute Kohlekraftwerke auch nicht mehr rentieren.

Wir wollen uns aber nicht nur auf die Wirksamkeit des Emissionshandels verlassen. Deshalb fordert die GRÜNE JUGEND ein Verbot für den Neubau von Kohlekraftwerken. Kohle ist der klimaschädlichste Energieträger, den es gibt, außerdem entstehen beim Abbau enorme ökologische Schäden. Bestehende Kohlekraftwerke sollen abgebaut und durch Leistungen anderer Kraftwerke ersetzt werden. Auch dürfen staatliche Forschungsgelder nicht mehr in die Weiterführung fossiler Energieerzeugung gesteckt werden! Um die Energieversorgung sicher zu stellen, hält die GRÜNE JUGEND Erdgas für einen sinnvollen Übergangsträger. Bei der Verbrennung dieses fossilen Rohstoffs wird nur etwa halb so viel CO2 ausgestoßen wie bei der Verbrennung von Steinkohle. Außerdem können Erdgaskraftwerke auf Biogas umgestellt werden und wären so im Gegensatz zu Kohle- oder Atomkraftwerken eine nachhaltige Investition.

Um die Effizienz der noch bestehenden fossilen Kraftwerke so weit wie möglich zu steigern, muss die Technologie der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) deutlich ausgebaut werden. Die KWK lässt die Effizienz eines Kraftwerks auf 90 Prozent steigern. Mit steigenden Sommertemperaturen steigt auch die Nachfrage nach Kraft-Kälte-Kopplung, die ebenso gefördert werden muss. Hierbei wird im Sommer überschüssige Wärme zum Betrieb von Kältemaschinen genutzt, um Kälte herzustellen. Anreize für beides kann mit dem Emissionshandel geschaffen werden. KWK muss wirtschaftlicher sein als getrennte Strom- und Wärmeproduktion!

Als möglichen Ausweg aus der Klimakatastrophe preisen vor allem Kohlelobby und Energiekonzerne gerne die CO2-Abscheidung, auch CCS (carbon capture and storage) genannt. Diese Technologie soll ein Abscheiden des Klimagases aus den Rauchgasen der Kraftwerke ermöglichen. Das abgeschiedene CO2 soll dann - ähnlich wie Atommüll - in einem Endlager deponiert werden. Das Verfahren soll "CO2-freie" Kraftwerke ermöglichen. Die BefürworterInnen erhoffen sich mit CCS eine sorglose Nutzung fossiler Brennstoffe. Als mögliche Endlager werden etwa leer gepumpte Gas- oder Ölfelder, Kohle- und Salzstöcke oder die Ozeane diskutiert. Wir halten alle diese Möglichkeiten für grob fahrlässig: Eine vollständige Sicherheit der Lager kann in keinem Fall gewährleistet werden. Ein Entweichen der Gase würde die Gefahr der Klimakatastrophe deutlich verschlimmern, ein plötzliches Entweichen großer Mengen CO2, etwa durch Erdstöße, wäre eine tödliche Gefahr für BürgerInnen in der Umgebung. Das Einleiten der Gase in den Ozean wäre eine ökologische Katastrophe: Schon jetzt drohen die ozeanischen Ökosysteme unter dem steigenden CO2-Gehalt zu kollabieren; bei einer vorsätzlichen Einleitung großer Mengen CO2 könnten wir diese lebenswichtigen Ökosysteme komplett abschreiben. Hinzu kommt, dass sich der Wirkungsgrad der Kraftwerke bei einer CO2-Abscheidung merklich verringern würde; im schlimmsten Fall würden sogar mehr Klimagase produziert als ohne Abscheidung. CCS ist ein enormes Problem, das wir nachfolgenden Generationen nicht ohne Lösungsansatz hinterlassen wollen. Auch als Brückentechnologie lehnt die GRÜNE JUGEND sie deshalb ab. Notwendige Forschungsgelder, die in die Technologien zur CO2-Abscheidung fließen, fehlen auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien. In den nächsten zehn bis zwanzig Jahren steht eine großflächige Erneuerung des deutschen Kraftwerksparks an: Hier dürfen keine neuen Kohlekraftwerke mit dem Argument der CO2-Sequestrierung gebaut werden, hier muss in regenerative Energien investiert werden.

Die Atomkraft kann keinen Beitrag zur Lösung des Klimaproblems leisten. Die Atomenergie trägt derzeit nur zu 2,3 Prozent der weltweiten Energieversorgung bei. Ein relevanter Ausbau ist technisch und wirtschaftlich nicht machbar. Je aufwendiger das Uran gefördert werden muss, desto unattraktiver wird der Preis und desto größer werden die Folgen der Förderung für Umwelt und Menschen. Wir müssen den Ausstieg aus der Atomenergie weiter und so rasch wie möglich voran treiben. Jeder Tag, an dem Atomreaktoren weiter im Betrieb sind, erhöht die Menge an radioaktivem Müll, für den wir bis heute kein schlüssiges Konzept zur Lagerung haben. Jeder Tag erhöht das Risiko einer nuklearen Katastrophe. Deswegen müssen wir den Klimawandel bekämpfen und gleichzeitig aus der Nutzung der Atomenergie aussteigen. Dazu müssen wir die Privilegien der Atomindustrie abschaffen. Unternehmensgelder, die für den Rückbau der Anlagen und die Lagerung des Mülls zurückgestellt werden müssen, dürfen nicht in risikoreiche Geldanlagen gesteckt werden. Diese Rückstellungen müssen bei einer Treuhandgesellschaft sicher verwaltet werden. In diesem Sinne ist ein Skandal, dass die EU für die Atomforschung immer noch doppelt so viele Fördergelder verwendet wie für die Forschung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien zusammen. Es dürfen keine Forschungsgelder mehr in die Weiterführung der Atomkraft gesteckt werden. Deshalb gehört der Euratom-Vertrag abgeschafft und durch eine europäische Solarunion ersetzt, die die Forschung und Implementierung von erneuerbaren Energien in den Mitgliedsstaaten und Kooperationsartnern unterstützt und bewirbt.



Zukunft der Energienetze: Netze entflechten

Die vier Strom-Oligipolisten RWE, Eon, EnBW und Vattenfall erzeugen nicht nur den Löwenanteil der in Deutschland verbrauchten Energie, sie sind auch EigentümerInnen der Netze, über die Strom und Wärme geleitet werden. Durch horrende Einleitungspreise ins Netz können die Stromriesen beispielsweise kleinere ÖkostromanbieterInnen zu höheren Preisen zwingen. Diese Ungerechtigkeit gehört abgeschafft. Die GRÜNE JUGEND fordert eine Zerschlagung der großen Energiekonzerne: Wer Strom produziert, darf nicht gleichzeitig die Netze betreiben. Durch ein Entflechten von EnergieerzeugerInnen und NetzbetreiberInnen wäre auf dem Strommarkt endlich die Chance auf einen fairen Wettbewerb gegeben, in dem auch kleine ÖkostromanbieterInnen bestehen können.

Energieversorgung effizienter gestalten - Stärken der einzelnen Energieformen gezielt nutzen

Der Umstieg auf eine zukunftsfähige Energieversorgung stellt eine große Herausforderung dar, bietet aber auch große Chancen. So haben die verschiedenen Formen der Energienutzung aus erneuerbaren Energien individuelle Stärken, die uns helfen können, den Umstieg schnell und effizient zu gestalten. Biomasse und Erdgas können in kleinen dezentralen Blockheizkraftwerken einen Wirkungsgrad von mehr als 90 Prozent erreichen. Im Vergleich zu herkömmlichen Großkraftwerken und selbst modernen KWK-Anlagen kann durch diese Effizienzsteigerung unser Energiebedarf stark gesenkt werden. Windparks und solarthermische Kraftwerke in den sonnenreichen Gegenden können dagegen im großen Maßstab die Energie der Sonne effektiv nutzen. Im Verbund mit Speichertechnologien können sie eine ausfallsichere und kontinuierliche Versorgung sicher stellen. Eine solche Mischung aus vor allem dezentraler Energiegewinnung und großen Anlagen kann einen schnellen Übergang zu einem System der erneuerbaren Energien und gleichzeitig die Versorgungssicherheit gewährleisten.

Außerdem fordert die GRÜNE JUGEND:

die Neugestaltung des KWK-Gesetzes, um eine staatliche Förderung sicher zu stellen.
eine starke Förderung der Solarforschung um den Anteil der Photovoltaik zu steigern und den Anstieg der Lernkurven zu beschleunigen.
den Austausch veralteter auf fossilen Rohstoffen basierender Heizsysteme.


Verkehr und Bauen

Der Verkehrssektor ist ein Sorgenkind des Klimaschutzes. Hier sind die CO2-Emissionen in Deutschland seit 1990 signifikant angestiegen, das Problem wird jedoch von einflussreichen LobbyistInnen kleingeredet. Die GRÜNE JUGEND strebt revolutionierte Mobilitätsstrukturen an. Hierzu ist die Politik in ihrer Eigenschaft als Rahmensetzerin gefordert. Sie muss neue Richtungen aufzeigen und nötige Instrumente zur Veränderung entwickeln. Andererseits ist ein Mentalitätswechsel in der Gesellschaft- gerade in Deutschland - von Nöten.



Öffentlicher Verkehr

Die Mobilitätsstruktur in Deutschland steht auf zwei Beinen: dem Personen- und dem Güterverkehr. In beiden Bereichen braucht es eine radikale Kehrtwende. Der motorisierte Individualverkehr soll durch einen massiven Ausbau von Öffentlichem Verkehr (ÖV) praktisch unnötig werden. Dies muss sozial verträglich gestaltet sein. Mobilität muss in Zukunft für alle Bevölkerungsschichten jederzeittagtäglich möglich sein - das ist dank des Primats motorisierten Individualverkehrs heute nicht der Fall.

Diese Ziele wollen wir mit einem massiven staatlichen Investitionsprogramm auf der Basis von drei Säulen erreichen: Als erste Säule sollen PKWs aus sämtlichen deutschen Großstädten verdrängt werden. Dafür muss der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in allen Teilen der Stadt Tag und Nacht zur Verfügung stehen. Parallel dazu müssen die Kapazitäten des Fernverkehrs so ausgebaut werden, dass es unnötig wird, mit dem Auto zwischen Städten hin und her zu fahren. Als zweite Säule müssen die Pläne für Großstädte auf alle Städte ab 20.000 EinwohnerInnen übertragen werden. Auf Straßen, die sich von PKWs befreit haben, wird genug Platz für einen bedarfsorientierten kurztaktigen Straßenbahn- und Busverkehr sein. Darüber hinaus ist für dringende Fälle ein Taxiservice vorzuhalten.Als dritte Säule wird mit einem durchdachten Busfahrplan und einem ergänzenden Taxibetrieb auf Minibusbasis der motorisierte Individualverkehr auch in ländlichen Regionen unnötig gemacht. Insbesondere in diesem Bereich ist allerdings eine reibungslose Not-und Grundversorgung zu gewährleisten."

Die Regionalisierungsmittel vom Bund müssen vollständig und zielgerichtet in den ÖPNV fließen. Auf kommunaler Ebene müssen Konzepte entwickelt werden, um beispielsweise mit einer "Monatskarte für Alle" den ÖPNV für alle kostenlos zu gestalten. Bis dieses Ziel nicht erreicht ist, hält die GRÜNE JUGEND Schwarzfahren für eine legitimierte und gewünschte Form des Widerstandes. Weiterhin werden wir uns für eine umfangreiche Einrichtung von Radfahrstreifen, Fahrradwegen und hindernisfreie Fahrradstraßen einsetzen. Um die Attraktivität von CO2-armen Fortbewegungsmethoden zu steigern, müssen sie durch integrierte Konzepte eine größere Vernetzung mit den herkömmlichen Mobilitätsträgern (Auto, Bus, Bahn) erfahren.

Von diesen revolutionären Veränderungen erhoffen wir uns nicht nur Erfolge beim Umweltschutz, sondern auch ein Erstarken demokratischer Kultur und die Milderung sozialer Probleme. Die Städte werden ruhiger, sicherer und gesünder werden. Die vielen freien Flächen in den großen und kleinen Städten werden kulturelle Veränderungen mit sich bringen, die wir heute noch nicht absehen können, auf die wir uns aber freuen.

Doch wir wollen nicht nur die Straßen entlasten, sondern auch den besonders klimaschädlichen Flugverkehr eindämmen: Flugtickets dürfen nicht weiter von der Mehrwertsteuer befreit sein, das extrem klimaschädliche Flugbenzin muss mit einer drastischen Kerosinsteuer belegt werden. Innerdeutscher Personen-Flugverkehr ist für die GRÜNE JUGEND nicht verantwortbar; die Deutsche Bahn und andere Verkehrsanbieter schaffen meist vergleichbare Mobilitätsangebote. Deshalb fordern wir als ersten Schritt hin zu einem flugfreien Deutschland das Verbot aller privaten innerdeutschen Linienflüge. Gleichzeitig muss ein europaweites Fernstreckennetz für den Bahnverkehr aufgebaut und zügig vorangetrieben werden. Dabei müssen die verschiedenen Bahnsysteme harmonisiert und zu sozialverträglichen Preisen angeboten werden.



Güter auf die Schiene

Die GRÜNE JUGEND spricht sich wiederholt für eine Reduzierung des straßengebundenen Gütertransports und für eine Umlagerung auf die Schiene aus. Die 70 Prozent Verkehrsleistung, welche allein der LKW am deutschen Güterverkehr hat, sind zu viel. Eine steuerliche Begünstigung des Bahnverkehrs ist als gesamtwirtschaftlicher Teil der ökologischen Steuerreform einzuführen. Der derzeitige Trend sieht jedoch anders aus. Straßengüterverkehr wird europaweit bis 2013 um fast 60 Prozent zunehmen, weshalb eine Ausweitung und Anhebung der LKW-Maut auch auf die Bundes- und Landstraßen unbedingt erforderlich ist. Weil weder die Binnenschifffahrt noch der Bahntransport annähernd so flexibel sind wie LKWs, setzen wir auf einen Ausbau des kombinierten Verkehrs. LKW-Verkehr soll nur noch auf den ersten und letzten Kilometern stattfinden. Da LKW-Verkehr nicht ganz vermeidbar ist, müssen diese einer kontinuierlichen umwelttechnischen Verbesserung unterliegen.

Die MobilitätsträgerInnen der Zukunft werden trotz aller Einsparungen noch Brennstoffe brauchen. Als GRÜNE JUGEND sehen wir in der Entwicklung der Biomassenutzung große Chancen. Es darf jedoch nicht zu einem Konflikt mit der globalen Ernährungssicherheit kommen, weshalb eine kritische Begleitung von größter Wichtigkeit ist. Weiterhin setzen wir langfristig auf eine wirtschaftliche und ökologische Form des Hybridantriebes. Eine weitere Entwicklung der emissionsfreien oder neutralen halten wir auch angesichts des weiterhin in gewissen Maßen notwendigen beruflichen Fahrzeugverkehres für notwendig.


Flächenverbrauch und Siedlungswachstum stoppen!

Der beste Weg zu einer nachhaltigen Verkehrsinfrastruktur ist neben einer Steigerung der Verkehrseffizienz die Verkehrsvermeidung. Ein großes Problem ist hierbei die weiterhin stark anhaltende Flächeninanspruchnahme. Im Moment werden täglich 105 Hektar neu bebaut - das sind 140 Fußballfelder! Mit jedem zusätzlich verbrauchten Quadatmeter steigt auch das Verkehrsaufkommen - die Siedlungsstruktur dünnt sich immer weiter aus. CO2 wird unnötig erzeugt. Wo früher in der Innenstadt eingekauft wurde, wird heute auf die Grüne Wiese gefahren. Diese Art der Siedlungsstruktur sorgt für immer höhere ökologische und ökonomische Kosten. Die GRÜNE JUGEND fordert hier ein Umdenken: Wir wollen eine Siedlungsstruktur der kurzen Wege. Mit einer Flächenverbrauchssteuer muss die Flächenerschließung deutlich verteuert und dadurch verringert werden. Städte und Regionen haben ausreichende Entwicklungspotentiale im Bereich von Brachflächen, zum Beispiel Industriebrachen. Wenn trotzdem neue Flächen erschlossen werden müssen, muss für diese eine ÖPNV-Verträglichkeitsprüfung gemacht werden. Nur Flächen, die ohne große ökologische Probleme an den ÖPNV angeschlossen werden können, dürfen neu erschlossen werden. Mit der Konkurrenz zwischen großen Kernstädten und dem Umland muss endlich Schluss sein. Kleine Gemeinden müssen aufhören mit großen und preiswerten Flächenausweisungen zu versuchen, BewohnerInnen aus den großen Städten abzuwerben. Wir fordern die großen Städte und ihre Umlandgemeinden auf Hand in Hand zu arbeiten und diesen ökologisch und politisch sinnlosen Konkurrenzkampf zu beenden.

Grüne Häuser und Grünes Wohnen

Im Moment nimmt die Bundespolitik viel Geld in die Hand, um die baulichen Strukturen der Städte zu verändern. Die bisherigen Programme haben viele gute Ansätze, jedoch fehlt hier eindeutig die ökologische Komponente. Die Stadt muss nicht nur sozial und baulich erneuert werden, es muss auch die ökologische Erneuerung vorangetrieben werden. HauseigentümerInnen sollten durch Kampagnen, Informationsmaterial, in Bauunternehmen vermehrt auf ökologische Gesichtspunkte hingewiesen und auf deren Vorteile aufmerksam gemacht werden. Derzeit profitieren jedoch vor allem MieterInnen durch ein Sinken der Heizkosten von einer effizienten Dämmung. HauseigentümerInnen sollten daher durch eine stärkere staatliche Förderung der Altbausanierung zur Investition in ökologische Modernisierung motiviert werden. Passivhäuser und sehr gut gedämmte Alt- und Neubauten müssen zum Standard werden. Baugenehmigungen dürfen nur noch für Passivhäuser erteilt werden. Dies ist auch wirtschaftlich sinnvoll: Von den Investitionen profitiert gerade das ortsansässige Handwerk. Der ab dem 1. Januar 2008 verpflichtende Gebäudepass sollte zudem ausschließlich bedarfsorientiert sein, da nur so eine objektive Beurteilung des Gebäudezustands möglich ist.

Außerdem fordert die GRÜNE JUGEND:

- ein Tempolimit auf Autobahnen von 100 km/h, auf Landstraßen von 70 und in Orten von 30.
- die schrittweise, sozialverträgliche Anhebung der Mineralölsteuer auf mindestens 3 Euro pro Liter sowie die Senkung und Neuausrichtung der KFZ-Steuer am CO2-Ausstoß, wobei der ÖVim Sinne eines günstigen konkurrenzfähigen Fahrpreis von steuerlichen Belastungen nach Möglichkeit zu befreien ist..
- dass alternative Treibstoffe die von Rot-Grün angedachten Fördersätze erhalten und eine staatliche Bezuschussung der Forschung.
- die Komplettprivatisierung der Bahn sowie den Verkauf einzelner Netzteile zu verhindern.
- eine verpflichtende Emissionsbegrenzung von maximal 150 Gramm CO2/km je Fahrzeug und 100 Gramm CO2/km im Flottendurchschnitt eines Herstellers für neue PKW ab 2010, welche sukzessive weiter abgesenkt wird.
- eine Kerosinsteuer, eine Flugticketabgabe, die Aufhebung der Mehrwertsteuerbefreiung - auf internationale Flüge, die Einbindung des Flugverkehrs in den Emissionshandel, sowie den Baustopp von Regionalflughäfen.
- die Einbindung des motorisierten Straßen, Schiffs- und Flugverkehrs in den Emmissionshandel.
- innerorts die Einrichtung von Shares Space (gemeinsam genutzte Fläche aller VerkehrsteilnehmerInnen) wo es sich als sinnvoll erweist.
- die steuerliche Begünstigung von Car-Sharing Modelle, um die Anzahl der PKW weiter zu reduzieren.
- die Unterstützung von Mitfahre rzentralen für PendlerInnen.
- die Mehrwertst euerbefreiung für Bahnfahrkarten
- dass die Einnahmen aus der Erhöhung der Mineralölsteuer in die Vergünstigung und den Ausbau des ÖPNV investiert werden.


Agrarwende ist Klimaschutz

Die konventionelle Landwirtschaft verursacht ohne Berücksichtigung von Reisanbau und Urwaldabholzung 15 Prozent der Gesamtemissionen an klimawirksamen Gasen und hat damit einen erheblichen Anteil am Klimawandel. 6,2 Prozent der gesamten CO2-Emissionen entstehen durch allgemeinen Energieverbrauch, wie Bearbeitungsenergie, Transport und Herstellung von Mineraldünger, Pestiziden und Futtermitteln. Aus den Emissionen der Viehhaltung von Wiederkäuern und durch die Emissionen von Gülle entsteht Methan (CH4), das pro Tonne 23 mal soviel zum Treibhauseffekt beiträgt wie Kohlenstoffdioxid. Der geschätzte Anteil der Landwirtschaft an der Gesamtemission von Methan beträgt zwischen 32 und 75 Prozent. Außerdem fallen durch die Viehhaltung Ammoniak und Nitrat an. Aufgrund der Stickstoffdüngung entsteht Lachgas (N2O), das ein 300 mal höheres Treibhauspotenzial als Kohlendioxid hat. Der Anteil der Landwirtschaft an der Gesamtemission von Lachgas wird auf 63 Prozent geschätzt.



Mehr Ökolandbau

Die konventionelle Landwirtschaft trägt einen erheblichen Anteil zum Klimawandel bei. Einmal mehr wird somit unser Leitbild einer umweltgerechten Landwirtschaft durch den ökologischen Landbau bestätigt. Denn die Umstellung auf eine ökologische Landwirtschaft nutzt dem Klima durch Beschränkung des Ressourceneinsatzes, optimierte Nutzung des Dungs, Fruchtfolge, zeitweilige Flächenstilllegung (Brache), Extensivierung, Umweltschutzmaßnahmen, reduzierte Viehbestände, Verzicht auf Mineral- und Stickstoffdünger (Hauptverursacher von Lachgas) auf vielfältige Weise. Pflanzen haben zusätzlich weniger Wasserbedarf, es wird weniger Energie bei Herstellung und Transport benötigt und es gibt weniger Importe von Futtermitteln über lange Strecken. Allein durch den Verzicht von Mineraldünger, Pestiziden und den Ersatz von Zukauf-Futtermitteln ergibt sich in der Ökolandwirtschaft in Relation zur konventionellen Landwirtschaft eine Energieeinsparung von 65 Prozent und damit eine Reduzierung der klimarelevanten CO2-Emissionen von 60 Prozent. Umgerechnet bedeutet das, dass ein Kilogramm Brot aus Ökogetreide nur 66 Prozent der Primärenergie eines konventionell hergestellten Brotes verbraucht.


Weniger Tierhaltung

Soll der durch die Landwirtschaft verursachte Klimawandel durch Veränderungen in der Landwirtschaft zurückgehen, ist dies nur durch einen drastischen Rückgang des Fleisch- Milch- und Eierkonsums, statt einer Verdoppelung bis 2050 wie von der Welternährungsorganisation (FAO) prognostiziert, möglich. Zur zusätzlichen Einsparung von Emissionen durch Transporte, muss die dezentrale Schlachthofstruktur, soweit sie in den letzten Jahren nicht zerschlagen wurde, erhalten werden. Die Transporte von Schlachttieren dürfen dabei nur zum nächstgelegenen Schlachthof erfolgen. Die GRÜNE JUGEND lehnt Pläne, die Emissionen der Landwirtschaft durch mehr Leistung der einzelnen Tiere (zum Beispiel Milchproduktion) zu verringern, um insgesamt weniger Tiere halten zu müssen, ab. Eine höhere Milchleistung hätte auch höhere CH4-Emissionen der Exkremente zur Folge. Nur durch eine höhere Lebensleistung und ein höheres Herdendurchschnittsalter werden Emissionsminderungen erreicht.

Außerdem fordert die GRÜNE JUGEND:

eine Flächenbindung von 1,5 bis 2 Großvieheinheiten pro Hektar in der Tierhaltung.
dass ein Mindestanteil der Futtermittel aus eigener Produktion kommen, um Transportemissionen zu verringern.
ein vollständiges Verbot grüner Gentechnik.
die Erstellung von Nutzungskonzepten für die Landwirtschaft, die dem regionalen Wasserhaushalt angepasst sind.


Die Wirtschaft muss grün werden!

Der ökologisch unregulierte Wirtschaftsmarkt berücksichtigt den Klimawandel nicht, da die Allgemeinheit und nicht der/die VerursacherIn/ProduzentIn die Auswirkungen von Umweltschäden, Ressourcenknappheiten und letztendlich dem Klimawandel zu tragen hat. Im Gegensatz zu einer Internalisierung (finanziellen Einbeziehung) der ökologischen Kosten wird der Marktmechanismus außer Kraft gesetzt und es entstehen Marktpreise, die nicht die wahren Kosten darstellen. Dies hat zur Folge, dass die Anreize für ressourcen- und energieeffizientes Wirtschaften erst dann ausreichend stark sind, wenn der Klimawandel unaufhaltbar ist. Die damit einhergehenden Kosten der Umweltschäden lassen sich berechnen und sind heute teurer als umweltpolitische, präventive Maßnahmen. Ökologisches Handeln ist notwendig für eine langfristige, ökonomische Ausgeglichenheit. Gerade hier müssen wir die Endlichkeit der Ressourcen miteinbeziehen. Deshalb ist es an der Zeit unsere soziale Marktwirtschaft - um enge ökologische Schranken und funktionsfähige Sanktionsmechanismen zu ergŠnzen.


Für einen globalen Emissionshandel

Der wichtigste Schritt ist dabei, über staatliche Regulierung zu erzielen, dass die Marktpreise endlich die Wahrheit über ökologische Folgekosten sagen. Ein theoretisch großartiges Instrument dafür ist der Emissionshandel wie er zum Beispiel im Kyoto-Protokoll verankert wurde. Doch derzeit wird der Emissionshandel politisch pervertiert: In seiner jetzigen Form ist er als Instrument gegen den Klimawandel untauglich. Deswegen fordert die GRÜNE JUGEND den Emissionshandel grundlegend zu reformieren. Dringend nötig ist es, die Anzahl ausgegebener Zertifikate zu reduzieren, um unsere anspruchsvollen Klimaschutzziele durchzusetzen. Noch wichtiger ist jedoch, die Zuteilung der Zertifikate grundlegend zu verändern. Bisher erhalten Unternehmen kostenlos Zertifikate, teils sogar mehr als sie eigentlich brauchen - ein staatlicher Freifahrtsschein, das Klima zu zerstören. Da diese Unternehmen ihre Zertifikate verkaufen können und darüber hinaus teilweise den Wert ihrer Zertifikate durch Preiserhöhungen an die VerbraucherInnen weitergeben, hat der jetzige Emissionshandel die Profite einzelner Branchen deutlich erhöht - der Staat schenkt den Unternehmen quasi Geld. So bekommt die Energiewirtschaft zur Zeit durch die kostenlose Zertifikate staatliche Geschenke von fünf bis zehn Milliarden Euro.

Damit muss Schluss sein. Die GRÜNE JUGEND setzt sich dafür ein, dass in Zukunft alle Zertifikate versteigert werden. Dies würde eine wirklich effiziente Allokation der Zertifikate sicher stellen. Außerdem würden damit die Einnahmen aus dem Emissionshandel der Allgemeinheit und nicht einzelnen Konzernen zufließen - und nichts anderes ist akzeptabel, schließlich gehört das Klima allen und nicht der Industrie. Das Geld aus dem Emissionshandel könnte für verschiedene Projekte eingesetzt werden: Ein Teil sollte an Entwicklungsländer gehen, um diese bei ihren Klimaschutzzielen und Anpassungsbemühungen gegen nicht mehr zu verhindernde Klimaänderungen zu unterstützen. Der Rest der Einnahmen sollte für Klimaschutz, Bildungs- und Sozialausgaben verwendet werden.


Die Ökologisierung der Steuersysteme muss weiter gehen!

Neben einem globalen Emissionshandel müssen wir gleichzeitig die ökologischen Steuern weiter vorantreiben. Trotz Bemühungen der rot-grünen Koalition, wie der Einführung der Ökosteuer, ist das deutsche Steuersystem hinsichtlich ökologischen Kriterien immer noch zutiefst ungerecht. Die GRÜNE JUGEND spricht sich daher für eine Weiterentwicklung der Ökosteuer aus, die auch eine weitere Erhöhung der Steuersätze beinhaltet. Die zum Teil sehr weit reichenden Ausnahmeregelungen für das produzierende Gewerbe müssen auf ein Mindestmaß begrenzt werden. Zeitgleich mit der Einführung der Ökosteuer hat die rot-grüne Bundesregierung 1999 eine Stromsteuer als neue Verbrauchssteuer eingeführt, von der Strom aus regenerativen Energiequellen frei gestellt wurde. Die GRÜNE JUGEND will diese für Strom aus fossiler Energie weiter erhöhen um eine Stärkung des erneuerbaren Energiesektors zu erreichen.

Eine Reform des nationalen Steuersystems, darf sich aber nicht allein auf den Energiesektor beschränken. Die GRÜNE JUGEND setzt sich für eine umfassende ökologische Steuerreform ein, die alle Güter und Produkte umfasst und externe Kosten, die durch die Herstellung und den weiteren Lebensweg von Produkten an der Umwelt entstehen, sichtbar macht. Eine grundlegende Umgestaltung der Mehrwertsteuer zu einer Umweltverbrauchssteuer, die anhand ökologischen Kriterien bestimmt wird, scheint uns hierfür der richtige Weg. Der Verbrauch von Energie, Fläche und weiteren nicht nachwachsenden Ressourcen sowie das Ausmaß an Schadstoffen, welche bei Produktion, Gebrauch und Entsorgung eingesetzt werden oder entstehen, müssen hierfür als Berechnungsgrundlage dienen. Dieser "ökologische Rucksack", den jedes Produkt mit sich trägt, verursacht Kosten, die meist nicht von der HerstellerIn eines Produktes bezahlt werden. Dieses Prinzip des Wirtschaftens ist unsolidarisch und sperrt sich gegen eine Entwicklung, die klimagerechte Lebens- und Konsumweisen in der Gesellschaft stärken will. Eine ökologische Steuerreform kann so dazu beitragen, einen schrittweisen Strukturwandel in der Wirtschaftsweise zu erzielen. Sie kann ein Motor für mehr Energieeffizienz sein, indem sie finanziell zu Investitionen in klimafreundliche Technologien anregt. Und auch die Wirtschaft muss sich nicht ärgern, denn sie profitiert von neu entstehenden Arbeitsplätzen und einer verbesserten Wettbewerbsfähigkeit.


Mehr Effizienz

Doch auch jenseits des großen Rahmens braucht es politische Regulierung. Viele ökologische Erfolge der Vergangenheit wurden nicht mit großen politischen Instrumenten, sondern im Kleinen - mit Verordnungen und Verboten einzelner Technologien oder Verfahren - erreicht. Beides muss daher in einer grünen Klimaschutz-Strategie vorkommen. Dabei müssen Regeln für einen effizienteren Energieeinsatz und energieeffizientere Produkte gesetzt werden. Dazu fordert die GRÜNE JUGEND eine zunächst EU-weite Einführung eines Top-Runner-Systems, wie es beispielsweise in Japan zur Anwendung kommt. Ein solches System sieht vor, dass zu einem bestimmten Stichtag eine Marktübersicht beispielsweise über Elektrogeräte erstellt wird. Der Verbrauch der effizientesten unter den gesichteten Geräten wird zum Standard für die Branche erhoben, der zu einem gewissen Zeitpunkt in der Zukunft erreicht werden muss, etwa in fünf oder sieben Jahren. Kann eine Herstellerin nach Ablauf der Frist nicht die neuen Effizienzstandards erfüllen, so sollte sie zuerst mit Strafzahlungen und nach einer weiteren Frist mit einem Verkaufsverbot belegt werden.

Den Klimawandel werden wir ohne massive Effizienzsteigerungen und ohne eine stetige Verbesserung erneuerbarer Energieerzeugung nicht stoppen können. Dazu braucht es erhöhte Forschungsanstrengungen. Neben direkten öffentlichen Forschungsanstrengungen sollte auch die Forschung von Unternehmen in diese Richtung prämiert werden. Die GRÜNE JUGEND fordert deshalb die Einrichtung eines "Klima-Forschungsfonds". Dieser sollte regelmäßig Preise für bestimmte Forschungsleistungen in den Bereichen Energieeffizienz und erneuerbare Energien ausloben.

Außerdem fordert die GRÜNE JUGEND:

umfangreiche Berichtspflichten für den Finanzmarkt, in welche Bereiche KundInnengelder fließen


Klimaschutz global gestalten

Das VerursacherInnenprinzip muss zum Leitbild einer ökologischen Reform der internationalen Politik werden. Die HauptverursacherInnen des jetzigen Klimawandels müssen am meisten zur Reduktion beitragen. Ohne die aufstrebenden Schwellenländer China, Indien und Brasilien mit ins internationale Klimaschutzboot zu holen, wird sich effektiver Klimaschutz jedoch nicht realisieren lassen.

Die Industrieländer müssen gemäß ihrer Verantwortung die Entwicklungsländer für entstehende Klimaschäden entschädigen. Sie müssen Schwellen- und Entwicklungsländern helfen nicht die gleichen Fehler zu begehen, sondern von Anfang an auf erneuerbare Energien und effiziente Technologien zu setzen. Nur so lässt sich der Wunsch nach Wohlstand und Klimaschutz verbinden. Den Lebensstil der westlichen Welt lässt sich nicht auf die ganze Erde übertragen. Deshalb müssen die Industrieländer ihren Ressourcenverbrauch stärker mindern als die Entwicklungsländer den ihren ausweiten. Die GRÜNE JUGEND setzt sich dafür ein, dass eine faire Verteilung der nachhaltig zu nutzenden Ressourcen gewährleistet bleibt.


Das neue Klimaschutzabkommen

Das Kyotoprotokoll läuft 2012 aus. Die GÜNE JUGEND fordert, umgehend ein Nachfolgeabkommen auf den Weg zu bringen, das den neuen Herausforderungen im Klimaschutz umfassend Rechnung trägt. Damit dürfen wir nicht bis 2012 warten, sondern müssen jetzt internationale Standards vereinbaren und umsetzen. Die Nichtunterzeichnung und Nichtbefolgung des Nachfolgeprotokolls soll mit Sanktionen belegt werden. Das Prinzip der gemeinsamen, aber geteilten Verantwortung muss sich in umfassenden Technologie- und Finanztransfers niederschlagen.



Pro-Kopf-Emissionsrecht

Für die GRÜNE JUGEND hat jeder Mensch das gleiche Recht CO2 auszustoßen. Um einen nachhaltigen CO2-Ausstoß aller BürgerInnen zu gewährleisten dürfte - bei einer zukünftigen ErdeinwohnerInnenzahl von acht Milliarden - jeder pro Kopf und Jahr 5500 Kilogramm Kohlenstoffdioxid oder das entsprechende Wirkungsäquivalent an anderen Treibhausgasen ausstoßen. Die GRÜNE JUGEND fordert einen globalen Zertifikatehandel einzuführen, der nach dem Pro-Kopf-Emissionsrecht ausgestaltet ist. Jeder Staat bekommt entsprechend seiner EinwohnerInnenzahl CO2-Zertifikate. Diese Zertifikate kšnnen an die Industrie weiterversteigert werden. Nicht benötigte Zertifikate kšnnen an andere LŠnder weiterversteigert werden. Damit haben die Schwellen- und Entwicklungsländer die Chance, durch eine sparsame Wirtschaft viele Zertifikate an die emissionsstarken IndustrielŠnder zu verkaufen und diese haben einen stŠrkeren Anreiz Emissionen einzusparen.


Globale Umweltorganisation

Die GRÜNE JUGEND fordert die Einrichtung einer globalen Umweltorganisation (Global Environment Organisation, GEO), die unter anderem für die Durchführung des Pro-Kopf-Emissionsrechts zuständig ist. Als VN-Sonderorganisation, in der nach Vorbild der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) alle VN-Mitgliedstaaten Mitglied sind, vereint sie die bisherigen Umweltschutzprogramme und -abkommen auf Grundlage des United Nations Environment Program (UNEP) unter einem Dach und sorgt für die effektive Durchsetzung der gesetzten Ziele. Maßnahmen internationaler Klimaschutzabkommen und Reduktionsziele können durch eine solche Organisation auch vor den Streitschlichtungsorganen der Welthandelsorganisation (WTO) geschützt und koordiniert werden.


Kompromissloser Schutz der Tropenwälder!

Die GRÜNE JUGEND fordert einen sofortigen Stopp der Abholzung von Tropenwälder. Sie sind als natürliche Kohlenstoffspeicher und als Regionen der höchsten Biodiversitätsdichte unverzichtbar für unsere Erde. 20 bis 30 Prozent des jährlichen globalen CO2-Ausstoßes entstehen durch die Abholzung von Tropenwäldern. Deshalb fordert die GRÜNE JUGEND, dass auf extra abgeholzten Regenwaldflächen angebautes Palmöl und weitere Energiepflanzen nicht mehr als Bioenergie bewertet werden. Es muss jedoch ein Konzept entwickelt werden, um vor allem indigenen Völkern einen finanziellen Anreiz bzw. Entschädigung für die Nichtabholzung der Wälder zu bieten.

Außerdem fordert die GRÜNE JUGEND:

eine stärkere Marktöffnung sowie Wissens- und Technologietransfers der Industriestaaten zu Gunsten der Entwicklungs- und Schwellenländer.
einen weltweiten Atomausstieg.
die Wasserproblematik stärker in die globale Klimaschutzstrategie zu integrieren.



Der persönliche Konsum

In der Klimaschutzdebatte wird meist gefordert, dass sich Industrie, Wirtschaft und Landwirtschaft ändern müssen - der einzelne Mensch wird vergessen. Dabei sind es die VerbraucherInnen, die durch ihr Konsumverhalten eine Menge mitbestimmen können. Klimaschutz ist auch im Kleinen möglich! Wir können unseren Strom aussuchen, wir können biologische Lebensmittel kaufen, wir können das Auto stehen lassen, wir können die Bahn benutzen. Wir können bewusst auf den Konsum von Fleisch und anderen tierischen Produkten verzichten, um uns vegan oder vegetarisch zu ernähren. Um einen VerbraucherInnenaufstand zu erreichen, fordern wir als GRÜNE JUGEND eine breite VerbraucherInneninformationskampagne. Der Staat ist in der Pflicht für umfassende Informationen zu sorgen, damit Menschen nicht auf das Kleingedruckte angewiesen sind. Doch selbst, wenn wir all dies tun und wir weniger CO2 ausstoßen, bleibt die Frage bestehen, ob das für die ganze Welt möglich ist. Oder wird es dabei bleiben, dass Industrieländer einen hohen Lebensstandard haben und Entwicklungsländer weiterhin hinten anstehen?


Umfassender, individueller Klimaschutz funktioniert nur mit sozialer Sicherheit

Viele arme Menschen können sich heutzutage klimafreundlichen Konsum nicht leisten, gerade durch die aktuellen, viel zu niedrigen ALG II-Sätze. Sie haben nicht die Freiheit bewusst einzukaufen, die Freiheit zu entscheiden woher ihre Produkte kommen, unter welchen Umständen sie hergestellt worden sind und welche Lebensdauer diese haben. Umfassende Umweltpolitik von einzelnen Menschen kann nur funktionieren, wenn sie die Freiheit haben nachhaltig zu konsumieren und dies ist eng verknüpft mit einer gerechten Sozialpolitik. Eine zukünftige ökologische Steuerreform muss so gestaltet sein, dass nicht nur wohlhabende Menschen nachhaltig leben können, während ärmeren Menschen dies aufgrund ökonomischer Zwänge versagt bleibt.



Wir brauchen eine neue Verzichtsdebatte

So kann es nicht weitergehen. Die erhältlichen Ressourcen müssen gleichmäßig verteilt werden, damit jeder Mensch, ob heute oder morgen, gleiche Chancen und Teilhabe im Leben erhält. Daher müssen wir als GRÜNE JUGEND über einen Lebenswandel hin zu einem nachhaltigen Konsumverhalten, der auch Verzicht beinhaltet, reden. Wenn wir den Klimawandel stoppen wollen, muss neben einem Wandel in Wirtschaft, Industrie und Landwirtschaft ein neues Lebensverständnis in der Gesellschaft aufgebaut werden. Auch wenn es ein mühsamer Weg ist, muss die GRÜNE JUGEND zeigen, dass das Konsumverhalten jedes einzelnen von großer Bedeutung ist und sich unbedingt verändern und verringern muss. Wir sind uns jedoch bewusst, dass eine Verzichtsdebatte meist als Spaßbremse verstanden wird. Doch davon dürfen wir uns nicht abschrecken lassen. Der derzeitige Überkonsum führt nicht automatisch zu einer besseren Lebensqualität, sondern ist oft ein Zeichen eines sozialen Statusstrebens, das in gewisser Hinsicht sogar einen Zwang darstellt. Wer sich diesem Streben widersetzt wird häufig gesellschaftlich diskriminiert; das muss sich ändern! Als GRÜNE JUGEND stehen wir für einen anderen selbstbewussteren Lebensstil, der nicht auf der Quantität, sondern auf der Qualität des Konsums basiert.


Umweltbildung

Um ein neues Lebensverständnis aufzubauen, ist Umweltbildung in Kindertagesstätten (Kitas) und Schulen ein unverzichtbarer Baustein. Natürlich veranlasst das Wissen über Umweltprobleme nicht gleich ein Handeln, aber je älter ein Mensch ist, desto geringer die Bereitschaft für Veränderung. Was von klein auf als selbstverständlich aufgefasst wird, wird eher beibehalten und weiter verbreitet. Als GRÜNE JUGEND fordern wir daher in Kitas und Schulen ökologische Lebensweisen in allen Bereichen zu integrieren und den Kindern zu erklären, weshalb dies ein wichtiger Bestandteil des Lebens ist. Kinder sollten erfahren, dass biologisches und veganes Essen gut schmecken kann, sie sollen lernen, wie Energie und Wasser zu sparen ist, wie Müll vermieden und getrennt wird und wo von ihnen verwendete Produkte herkommen. Ein wichtiges Projekt für die GRÜNE JUGEND ist die flächendeckende Einführung einer Verpflegung mit biologischen Mahlzeiten. Dies hat neben der ökologischen auch eine soziale Wirkung, da somit allen Kindern - unabhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern - eine vernünftige Ernährung sichergestellt ist. Wissensvermittlung und Handlungsvorschläge für einen ökologisch verträglichen Lebensstil müssen dabei Hand in Hand gehen. Die GRÜNE JUGEND setzt sich für eine umfassende Aufnahme dessen in alle Lehrpläne und verpflichtende Weiterbildungsmaßnahmen für LehrerInnen ein. Für die Ausarbeitung und Umsetzung sollte dabei eng mit bestehenden Umweltbildungseinrichtungen, Waldkitas und weiteren Initiativen zusammengearbeitet werden.

Außerdem fordert die GRÜNE JUGEND:

ein (einheitliches) und hochwertigeres Bio- und Fairhandelssiegel für alle Lebensmittel, Arzneimittel, Kosmetika und Textilien, um der Siegelflut Einhalt zu bieten. Weitere Siegel wie z.B. demeter können natürlich zusätzlich angegeben werden.
eine einheitliche Kennzeichnung von veganen und vegetarischen Produkten.
ein einheitliches Siegel für Spielzeug, Möbel, Holz und weitere Holzprodukte aus ökologischer und nachhaltiger Forstwirtschaft.

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