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10.01.2009

Elfenbeinhandel: Die Büchse der Pandora geöffnet?

Elfenbeinhandel: Die Büchse der Pandora geöffnet?
Internationaler Verkauf von 60 Tonnen Elfenbein verabschiedet - Auflagen für Handelskontrollen nur eine Farce - Artenschützer befürchten Anstieg der Wilderei

Die Teilnehmer der derzeit in Chile stattfindenden Konferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (WA) genehmigten drei Ländern den Verkauf von insgesamt 60 Tonnen Elfenbein aus Lagerbeständen. Botsuana, Namibia und Südafrika könnten ab Mai 2004 Rohelfenbein exportieren. Ähnliche Anträge Sambias und Simbabwes wurden dagegen abgelehnt. Artenschützer zeigten sich bestürzt über den Ablauf und die Ergebnisse der Debatte: "Die Behauptung, der Elfenbeinhandel sei kontrollierbar, ist schlichtweg falsch. Die Entscheidung des WA gibt ein fatales Signal an Wilderer in Afrika und Asien, die bereits Gewehr bei Fuß stehen!", warnt PRO WILDLIFE Expertin Daniela Freyer, die an der WA-Konferenz teilnimmt. "Die EU enthielt sich bei den Anträgen Namibias, Botsuanas und Südafrikas fatalerweise der Stimme - mit ihren 15 Stimmen hätte sie die Freigabe des Elfenbeinhandels verhindern können, wie sich am Beispiel Sambia und Simbabwe gezeigt hat", betont die PRO WILDLIFE Sprecherin.

Als Folge verheerender Wilderei und des Zusammenbruchs der Elefantenbestände in Afrika wurde 1989 ein absolutes Handelsverbot für Elfenbein beschlossen. Doch bereits 1997 setzten drei südafrikanische Länder (Simbabwe, Namibia und Botsuana) einen einmaligen Verkauf von Elfenbein aus Lagerbeständen durch, der 18 Monate später stattfand. Die heutige Entscheidung sieht ein ähnliches Verfahren vor: Ab Mai 2004 sollen 60 Tonnen Rohelfenbein in derzeit noch unbenannte Absatzländer verkauft werden. Japan ist der wahrscheinlichste Abnehmer. Voraussetzung soll u.a. sein, dass das Kontrollsystem MIKE (Monitoring of Illegal Killing of Elephants) keinen Anstieg der Wilderei verzeichnet. "Doch MIKE hat bis jetzt keine Basisdaten erarbeitet, die als Grundlage für die Abschätzung von Trends dienen könnten. Es ist zu befürchten, dass mit der heutigen Entscheidung die bisherige Arbeit von MIKE zur Festlegung einer Basislinie vernichtet wurde", erläutert Freyer. "Statt abzuwarten, bis MIKE voll einsatzfähig ist und mehr effektive Kontrollen etabliert sind, haben die Vertragsstaaten unter Duldung der EU und nach einer irrational geführten Debatte völlig übereilt dem Verkauf von Elfenbein-Lagerbeständen zugestimmt." Die ebenfalls beantragten jährlichen Exportquoten von Südafrika, Namibia und Botswana fanden bereits im Vorfeld keine Unterstützung und waren nicht mehr Gegenstand der Abstimmung.

Ausschlaggebend bei der Elefantendiskussion waren jeweils die Stimmen der 15 EU-Staaten: Hätten die EU-Länder, die zur einheitlichen Stimmenabgabe verpflichtet sind, sich nicht bei den Anträgen von Botswana, Namibia und Südafrika enthalten, sondern mit nein gestimmt, wären die Anträge abgelehnt worden. Die EU-Staaten lehnten allerdings lediglich die Anträge Simbabwes und Sambias ab - als Konsequenz aus Korruption, Wilderei und gravierenden Vorfällen von Elfenbeinschmuggel. "Die EU verschließt dabei die Augen, dass sich Elfenbeinschmuggel und Wilderei nicht an Ländergrenzen halten. Mögen Management und Vollzug in Ländern wie Botswana besser funktionieren - sie können nicht verhindern, dass Wilderer in anderen Ländern nun versuchen, den neu angeheizten Elfenbeinmarkt zu versorgen", befürchtet die PRO WILDLIFE Expertin.

Die Abstimmungsergebnisse im Einzelnen (erforderlich war jeweils eine 2/3 Mehrheit):

Botsuana (Verkauf von 20 t Elfenbein*): 59 dafür, 26 dagegen, 21 Enthaltungen (darunter die EU)
Namibia (Verkauf von 10 t Elfenbein*): 65 dafür, 28 dagegen, 22 Enthaltungen (darunter die EU)
Südafrika (Verkauf von 30 t Elfenbein*): 65 dafür, 24 dagegen, 25 Enthaltungen (darunter die EU)
Simbabwe (Verkauf von 10 t Elfenbein*): 60 dafür, 45 dagegen (darunter die EU), 10 Enthaltungen
Sambia (Verkauf von 17 t Elfenbein*): 57 dafür, 54 dagegen (darunter die EU), 7 Enthaltungen

"Die aktuelle Entscheidung des WA gaukelt eine nicht vorhandene Sicherheit vor, die fatale Folgen für die Elefantenbestände in Afrika und Asien haben könnte. Für den internationalen Artenschutz und die Elefanten ist dies ein schwarzer Tag", so Freyer. Sambia und Simbabwe haben nun noch die Option, in der Vollversammlung einen weiteren Anlauf für ihre Anträge vorzunehmen.* Verkauf in frühestens 18 Monaten

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