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14.01.2009

Elfenbeinschmuggel eskaliert

Elfenbeinschmuggel eskaliert

Elefantenwilderei auf Höchststand seit fast 20 Jahren - dennoch droht weitere Legalisierung des Handels

Über 20.000 Elefanten werden derzeit jährlich für den internationalen Elfenbein-Schwarzmarkt gewildert - so viele wie seit 20 Jahren nicht mehr. Artenschützer befürchten, dass sich die Massaker der 1970er Jahre wiederholen könnten, wenn nicht sofort die Notbremse gezogen wird: "Erst das Elfenbeinhandelsverbot von 1989 brachte die Elfenbeinwilderei unter Kontrolle. Seit der sukzessiven Lockerung des Handelsverbotes boomt der Schwarzmarkt wieder und die Preise für Elfenbein explodieren" betont Daniela Freyer von PRO WILDLIFE. Dennoch werden derzeit erneut Ausnahmen vom Elfenbeinhandelsverbot diskutiert.

23 Tonnen geschmuggeltes Elfenbein wurden in nur einem Jahr (August 2005 - August 2006) aufgegriffen. Ausgehend von einer Dunkelziffer von 90% gehen Experten davon aus, dass in diesem Zeitraum 23.000 Elefanten wegen ihrer Stoßzähne gewildert wurden. Die Aufgriffe alarmierend großer Schmuggelsendungen haben erschreckend zugenommen: Im Dezember 2006 wurden 1,5 Tonnen Elfenbein in Frankreich konfisziert, im August 3 t in Japan, und im Juli wurden in Taiwan über 5 t beschlagnahmt. Der größte Fall seit dem Verbot des Elfenbeinhandels (1989) flog im Juni 2002 in Singapur auf: Wissenschaftler wiesen durch DNA Untersuchungen nach, dass die mehr als 6,5 t aus Sambia stammten und vermuten, dass bis zu 6.500 Tiere alleine für diese Lieferung starben. Auch die Schwarzmarktpreise für Elfenbein haben sich in den letzten drei Jahren fast vervierfacht und liegen in China, dem Hauptabnehmer für illegales Elfenbein, inzwischen bei Spitzenpreisen von 750 US$ pro kg. "Wir beobachten eine deutliche Eskalation des Elfenbeinschmuggels und eine zunehmend organisierte Kriminalität. Dass gleichzeitig über eine Legalisierung des Elfenbeinhandels diskutiert wird, ist unverantwortlich und riskiert ein weiteres Anheizen der Wilderei" so die PRO WILDLIFE Expertin.

In den 1970er Jahren schreckten die Bilder hunderttausender gewilderter Elefanten die Weltöffentlichkeit auf. In Afrika wurden die Bestände in wenigen Jahrzehnten um 50% dezimiert, mancherorts sogar um bis zu 90%. 1976 beschloss das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA) erstmals eine weltweite Kontrolle des Elfenbeinhandels, die Massaker gingen dennoch nahezu unvermindert weiter. Erst das 1989 verabschiedete absolute Handelsverbot für Elfenbein brachte die Wende: Die internationalen Elfenbeinmärkte kollabierten, Wilderer und Schmuggler fanden keine Abnehmer mehr.

Doch einige wenige südafrikanische Staaten wollen auf das Geschäft mit dem "weißen" Gold nicht verzichten und haben seit 1997 eine schrittweise Lockerung des Handelsverbotes erreicht. 50 Tonnen Elfenbein aus Simbabwe, Botswana und Namibia wurden 1999 nach Japan, einem der größten Absatzmärkte, verkauft. 2002 wurde der Verkauf weiterer 60 Tonnen genehmigt - allerdings unter Voraussetzungen, die bisher nicht erfüllt sind. Dennoch liegen für die WA-Konferenz im Juni 2007 in Den Haag drei Anträge für weitere Lockerungen des Handelsverbotes auf dem Tisch - von jährlichen Exportquoten für Elfenbein aus Lagerbeständen bis hin zu einer völligen Freigabe des Elfenbeinhandels (Antrag von Botswana und Namibia). Dagegen fordert ein vierter Antrag von Kenia und Mali ein 20jähriges Aussetzen legaler Elfenbeinverkäufe, um die Elefantenwilderei wieder unter Kontrolle zu bekommen. "Die meisten afrikanischen Staaten sind dem Ansturm der Wilderer hilflos ausgeliefert. Sie brauchen dringend Zeit und die finanzielle Unterstützung der Industrieländer, um gegen gut bewaffnete Wildererbanden und internationale Schmuggelsyndikate vorgehen zu können", so Freyer.

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