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14.01.2009

EU torpediert Artenschutz

EU torpediert Artenschutz

Artenschutzkonferenz 2004:
EU-Staaten verweigern Unterstützung für Schutz von Löwen und anderen bedrohten Arten

Im Vorfeld der Tagung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (WA* 2.-14. Oktober) zeigt sich erneut eine zwiespältige Haltung der EU zum Schutz gefährdeter Arten. Bei ihrem gestrigen Tref-fen unterstützten Vertreter der EU-Umweltminister zwar einen stärkeren Schutz für manche Arten, wie das Tropenholz Ramin oder den Napoleonsfisch, bei vielen anderen, wie z.B. Löwe, Nashorn, Weißer Hai sowie diversen Reptilien und Vögeln ist die EU Position allerdings kontraproduktiv. Der EU Ministerrat wird kommende Woche über eine entsprechende Vorlage abstimmen. "Die EU ist einer der wichtigsten Absatzmärkte für Luxusgüter aus Wildtieren und -pflanzen und will sich viele Handelswege einfach offen halten - ohne Rücksicht auf die Folgen für bedrohte Arten", kritisiert die Biologin Daniela Freyer von der Artenschutzorganisation PRO WILDLIFE. Das Europaparlament hingegen verabschiedete heute mit großer Mehrheit eine Resolution, in der es die EU Regierungen auffordert, den Schutz bedrohter Arten eindeutig zu unterstützen.

"Die EU ist einer der größten Abnehmer für Jagdtrophäen, exotische Heimtiere oder Souvenirs aus gefährdeten Arten. Offenbar blockieren diese Wirtschaftsinteressen eine konsequente Naturschutzpolitik", so die PRO WILDLIFE Expertin. Hinzu kommt, dass die 25 EU-Mitgliedsstaaten beim WA einheitlich abstimmen. Können sie sich nicht auf eine Position einigen, müssen sich alle EU Länder enthalten. PRO WILDLIFE kritisiert, dass die EU hierdurch bei vielen Themen regelrecht gelähmt ist und wichtige Anträge nicht unterstützt.

AFRIKANISCHER LÖWE: Die Bestände des Löwen sind in den letzten Jahren regelrecht kollabiert, in ganz Afrika soll es nach Expertenmeinung nur noch 10.000 erwachsene Tiere geben. Die EU verweigert bisher ihre Unterstützung für den Versuch Kenias, den Löwen unter strengsten Schutz zu stellen. "Dabei wäre dies dringend nötig, um die in vielen Ländern noch praktizierte Trophäenjagd auf Löwen endlich zu beschränken", so die PRO WILDLIFE Sprecherin. Im-merhin sind Jäger aus der EU nach US-Amerikanern die eifrigsten Löwentöter.

BREITMAULNASHORN: Die EU unterstützt den Antrag Swasilands, den kommerziellen Handel mit den nur 61 Breit-maulnashörnern des Landes freizugeben. Swasiland hofft auf Deviseneinnahmen aus dem Verkauf lebender Tiere und dem Abschuss durch Trophäenjäger. "Das ist völlig absurd, denn bei einem Bestand von nur 61 Nashörnern kommt es auf jedes einzelne Tier an", erläutert Freyer. "Die EU zeigt hier ein falsches Verständnis von Entwicklungshilfe."

REPTILIEN AUS MADAGASKAR: Zehntausende Blattschwanzgeckos sind in den letzten Jahren aus Madagaskar für den internationalen Heimtierhandel exportiert worden. Doch die EU - einer der wichtigsten Importeure - zögert bisher, den Schutz der bizarren Echsen zu unterstützen. Auch für den internationalen Schutz der Spinnenschildkröte, deren Bestände für Terrarien in aller Welt rücksichtslos geplündert wurden, kann sich Brüssel bislang nicht erwärmen, ob-wohl die EU selbst bereits die Einfuhr dieser Art verbietet.

WEISSER HAI: Die EU würde zwar eine Kontrolle des Handels für den Weißen Hai mittragen, nicht jedoch ein vorläu-figes Exportverbot. "Doch genau dieser Handelsstopp würde den völlig überfischten Beständen die erforderliche Ver-schnaufpause verschaffen", so Freyer. Der Bestand des Weißen Hai ist z.B. im Nordwestatlantik um 79% zurückge-gangen, Ursache ist u.a. der Handel mit Flossen, Zähnen und Kiefern des Meeresräubers als Souvenir bzw. Trophäe.

AFRIKANISCHER ELEFANT: Zwar lehnt die EU eine weitere Freigabe des Elfenbeinhandels ab, steht aber gleichzei-tig den Vorhaben Namibias und Südafrikas, mit Elefantenleder zu handeln, positiv gegenüber. "Diese Haltung ist in-konsequent. Die EU darf diese Anträge keineswegs durchgehen lassen" warnt Freyer. Bei der letzten WA-Konferenz hatte sich die EU bei ähnlichen Anträgen enthalten und ließ somit eine partielle Freigabe des Elfenbeinhandels zu. Diese hätte mit den Stimmen der EU verhindert werden können.

PRO WILDLIFE fordert auch von der Bundesregierung, die bislang kritische EU-Positionen z.B. zu Löwen und Nashörnern mitträgt, ihre Haltung zu überdenken und sich für eine deutliche Kurskorrektur innerhalb der EU einzusetzen.

* Alle zwei Jahre tagen die Mitgliedsstaaten des WA, um über Handelsbeschränkungen für bedrohte Arten zu entscheiden. Anhang I enthält Arten, für die ein absolutes kommerzielles Handelsverbot besteht, für Arten in Anhang II ist der internationale Handel beschränkt.

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