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24.01.2009

„Exotische“ Tiere: Geboren in Freiheit – für ein Leben hinter Gitter

„Exotische“ Tiere: Geboren in Freiheit – für ein Leben hinter Gitter
Stand: Februar 2008



Falls Sie jemals in Versuchung geführt werden, ein Wildtier oder einen "Exoten" zu adoptieren, sollten Sie wissen, dass Tiere, die gewöhnlich nicht domestiziert werden, auch wenn sie als Jungtiere noch so süß und knuddelig sind, selten ein glückliches und gesundes Leben in Gefangenschaft führen und im Erwachsenenalter oft gar nicht mehr zu bändigen sind.

Inzwischen gibt es in Deutschland erste Gesetze, die es Privatpersonen verbieten, „gefährliche“ Tiere zu halten. Hessen verbannt als erstes Bundesland Tiere, die Menschen schwer verletzen oder töten können, aus dem Wohnzimmer. So ist seit Oktober 2007 die Haltung von Löwen, Krokodilen, Giftschlangen, Skorpionen und Pfeilgiftfröschen verboten.

(1) Auch Bayern schränkt die Haltung „gefährlicher Tiere wildlebender Art“ in Privathaushalten ein, indem diese unter Genehmigungsvorbehalt gestellt wird. (2) Diese Gesetze zielen darauf ab, sowohl die Menschen wie auch die Tiere zu schützen. Gerade „exotische“ Tiere, die mancher gerne bei sich aufnehmen möchte, sind oft ungeeignet und sogar gefährlich für eine Haltung im Haus oder überhaupt in Gefangenschaft.

Konflikte treten auf, wenn diese Tiere ihre volle Größe oder Geschlechtsreife erreichen und nicht mehr an das Haus gewöhnt werden können oder natürliche Schutzinstinkte oder aggressive Verhaltensweisen zeigen, zu denen auch die Frustration der Gefangenschaft oder zu enge Käfige oder Lebensräume beitragen. Menschen, die wilde Tiere zu halten versuchen, begreifen nicht immer deren Bedürfnisse und Verhaltensweisen. Daraus resultieren möglicherweise eine falsche Ernährung und eine unzulängliche tierärztliche Versorgung, die diese Tiere für den Rest ihres Lebens schädigen können.

Der Mythos des Verlassenseins
Menschen, die junge Wildtiere allein im Wald vorfinden, nehmen manchmal fälschlicherweise an, diese seien verlassen worden; doch oft befinden sich deren Mütter ganz in der Nähe. Man sollte junge Tiere prinzipiell in Ruhe lassen, es sei denn, sie sind offensichtlich verletzt. Man kann ja zu einem späteren Zeitpunkt überprüfen, ob sie noch da sind. Für aus dem Nest gefallene Vogelkinder ist es am sichersten, wenn man sie wieder zurück ins Nest legt. Auch bei anderen Tierkindern besteht nicht die Gefahr, dass die Eltern sie verlassen werden, weil sie vom Menschen berührt wurden.

Zoos können nicht weiterhelfen
Die Amerikanische Vereinigung für Zoologische Gärten und Aquarien vertritt den Standpunkt, dass Zoos und Aquarien es ablehnen sollen, Wildtiere oder Exoten von Personen aufzunehmen, die nicht in der Lage oder willens sind, diese zu versorgen. Leider versuchen einige Menschen, ungewollte Tiere wieder in die Freiheit zu entlassen, jedoch sind solche Tiere ohne eine geeignete Wiedereingliederung nicht auf eine solche Umstellung vorbereitet, wenn sie zuvor in Gefangenschaft aufgewachsen sind, und können daher verhungern oder Opfer von Raubtieren oder Naturgewalten werden.

Der Handel mit „exotischen“ Tieren fordert Millionen Todesopfer
Der Handel mit „exotischen“ Tieren ist extrem grausam. Für jeden Papagei, Kakadu oder anderen Vogel, der in der Wildnis gefangen und dann importiert wird, müssen etwa vier weitere sterben. (3) Nach dem Fang werden die Vögel in enge Röhren gestopft, winzige Boxen, Käfige oder behelfsmäßige Transportbehälter, in denen sie unter der Hitze oder Krankheiten leiden, hungern und verdursten. Diejenigen Tiere, die die barbarischen Fangmethoden und die langen (oft illegalen) Transporte überleben, sehen einem Leben voller Einsamkeit, Langeweile und Frustration entgegen, das sie krank und depressiv machen kann. Vor allem Vögel, die im Erwachsenenalter gefangen wurden, neigen zu diesen Problemen. Vögeln in Gefangenschaft werden die sozialen Kontakte eines Lebens in großen Schwärmen vorenthalten und sie leiden an Vereinsamung und unter Stress, hervorgerufen durch den Mangel an Flugmöglichkeiten.

Pro Wildlife schätzt, dass von den etwa 1,76 Millionen Wildvögeln, die jedes Jahr in die EU importiert werden, noch einmal die gleiche Menge allein auf dem Weg vom Fang bis zum Export verstirbt. Hans-Jürgen Bigos vom Tierschutzverein Limburg geht davon aus, dass in Deutschland allein rund 80 Millionen Zierfische in jedem Jahr „einen völlig sinnlosen Tod“ sterben – Arten wie Muränen, Haie, Rotfeuerfische, Steinfische, „nur weil die Halter nicht befähigt sind“. (4)

Profite und Verluste
Außer mit Vögeln und Fischen handelt man auf den Weltmärkten auch mit anderen „exotischen“ Tieren wie Spinnen, Schlangen und anderen Reptilien. Die einzigen, die von diesem Geschäft profitieren, sind diejenigen, die einen Gewinn durch den Verkauf haben; alle anderen verlieren. Die Ursprungsländer der Tiere verlieren einen Teil ihres Naturerbes und ihrer Schönheit. Jedoch sind es die Tiere, die letztendlich den höchsten Preis zahlen, denn sie verlieren ihr Zuhause, ihre Familie, ihre Freiheit und oft auch ihr Leben.

Quellenangaben

(1) Christian Sartorius, „Haustiere, Gefährliche Exoten im Wohnzimmer verboten“, Artikel in Welt online, 14. 11. 2007.
(2) Landesstraf- und Verordnungsgesetz des Landes Bayern i. d. F. v. 24.4.2001.
(3) Currey, Dave, "Senegal's Wild Bird Trade," Animal Welfare Institute Quarterly, Spring/Summer 1987, Vol. 36, Nos. 1 and 2.
(4) Christian Sartorius, „Haustiere, Gefährliche Exoten im Wohnzimmer verboten“, Artikel in Welt online, 14. 11. 2007.

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