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26.01.2009

Forschung an schmerzfreier Materie

Forschung an schmerzfreier Materie

Eine erfreuliche Anzahl namhafter Forscher wendet sich durch die Erkenntnis einer völlig unbefriedigenden Verwertbarkeit der Tierversuchsergebnisse und deren Risiken für den Menschen in zunehmendem Maße neuen Methoden der Forschung an schmerzfreier Materie zu. Ein solches Umdenken, auch in der Industrie, geschieht zwar nicht vorwiegend aus tierethischen Gründen, sondern weil sich ernsthafte Wissenschaftler der Stagnation ihrer Erfolgsaussichten und der Grenzen ihres bisherigen Vorgehens bewusst sind.

Der tierexperimentelle Forschungsweg ist in Bezug auf die derzeit noch unheilbaren, schwerwiegenden Krankheiten in eine Sackgasse geraten. Auf die zahlreichen, wertvollen tierversuchsfreien Methoden, die Tierexperimente in der Arzneimittel-Entwicklung, Toxizitätsprüfung, im Studium, in der Kosmetik etc. überflüssig machen können, soll hier im letzten Kapitel "Forschung an schmerzfreier Materie" ausführlich eingegangen werden.

Die Mitglieder der Vereinigung "Ärzte gegen Tierversuche" e.V. vermeiden ganz bewusst die gebräuchlichen Begriffe "Alternativmethoden" oder "Ersatz- und Ergänzungsmethoden". Diese Begriffe täuschen vor, dass der Tierversuch eine brauchbare Forschungsmethode darstelle und man ihn lediglich aus ethisch-moralischen Gründen alternativ ersetzen sollte. Die Kritiker der tierexperimentellen Forschung bevorzugen Begriffe wie "Systeme an schmerzfreier Materie", um von vornherein der tierexperimentellen Vorgehensweise eine Absage zu erteilen.

Auf die Frage, warum noch immer viele Forscher und Industriezweige ein Umdenken blockieren, gibt Professor Zbinden von der Universität Zürich eine erstaunlich ehrliche Antwort: "weil viele Wissenschaftler lieber mit der ihnen vertrauten Methode des Tierversuchs arbeiten, als sich mit neuen Methoden herumzuschlagen". Und die Industrie steht auf dem Standpunkt, dass ihr der Staat bei der Anerkennung anderer Methoden nicht die gleichen entlastenden Konsequenzen zugesteht wie beim Tierversuch. Im Klartext heißt das: Bei Durchführung der amtlich vorgeschriebenen Tierexperimente kommen in Schadensfällen keine Regresse auf die Herstellerfirma zu.

Das sind die maßgebenden Gründe dafür, warum die Validierung (gesetzliche Anerkennung) einer Vielzahl bereits zur Verfügung stehender In-vitro Systeme (im Reagenzglas erforscht) so schleppend vorangeht. Die fadenscheinige Erklärung für diese Taktik geht aus einer Bilanz aus Bonn hervor, in der es heißt: " Im Prinzip sind alle entwickelten Alternativmethoden brauchbar, es fehlen jedoch die Richtlinien, die ihren Einsatz legalisieren."

Die Auflistung der bisher wichtigsten tierversuchsfreien Tests erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da erfreulicherweise fast täglich in Fachjournalen weitere Neuentwicklungen vorgestellt werden. Zu den wichtigsten In-vitro-Systemen zählen Zell- und Gewebekulturen. Zellen sind die kleinsten Bausteine eines Organismus von Mensch, Tier und Pflanze. Heute lassen sich viele Arten von Zellen des Körpers für die In-vitro-Forschung züchten.
Auf Computer- und didaktische (lehrhafte) Methoden, die im Begriff In-vitro-System nicht enthalten sind, wird ebenfalls eingegangen.

Zell- und Gewebekulturen:

Besonders wertvoll sind die Multisphäroid-Zellen. Das sind dreidimensional wachsende Kugelzellen, die bereits die Funktion des ausgebildeten Organs aufzeigen.

Herzmuskelzellen kontrahieren sich regelmäßig und synchron, entsprechend der Herztätigkeit. Künstliche Herzklappen werden mit humanen Herzzellen überzogen und werden somit vom Immunsystem akzeptiert.

Leberzellen vollziehen die gleichen Leistungen wie echte Leberzellen im kompletten Organ. Somit können mit diesen Zellen Stoffwechselvorgänge untersucht werden.

Nierenzellen zeigen Blutfluß und Filtrierung wie im intakten Organ. Mit ihrer Hilfe ist die Entwicklung und Testung von wirksamen Nierenmedikamenten möglich.

Gehirnzellen, z.B. aus klinisch notwendigen chirurgischen Eingriffen oder Tumoroperationen, liefern Erkenntnisse über Wirksamkeit von Schlaf- und Beruhigungsmitteln, sowie von krampfhemmenden Substanzen für die Epilepsietherapie.

Lungenzellen dienen der Überprüfung von krebserzeugenden Stoffen (Nikotin, Umweltgifte) und Medikamenten gegen Gefäßerkrankungen.
Muskelzellen geben Aufschluss über Muskelfunktionsstörungen.

Nervenzellen ermöglichen z.B. den Nachweis von Tollwut, wofür früher verdächtiges Material ins Gehirn von Nagern eingespritzt wurde.

Hautzellen verwendet man zur Erzeugung künstlicher Haut, wie sie seit langem in amerikanischen Spezialkliniken bei schweren Verbrennungsfällen
Anwendung findet. Ein Gerüst aus biologisch abbaubarem synthetischen Material dient als stützende Unterlage für Haut- und Zellkulturen.

Magenzellen dienen zur Entwicklung magenverträglicher und magenwirksamer Medikamente.

Blutzellen. An ihnen lassen sich fiebererzeugende Substanzen testen.
Haarzellen. An der Universität Tübingen (Dr. Zenner) misst man der Züchtung von Haarzellen in der Schnecke des Innenohrs größte Bedeutung bei, da diese sowohl auf chemische, als auch auf physikalische Reize reagieren (Hörgerätfunktionen). Außerdem dienen sie der Erforschung von Kopfhauterkrankungen.

Knochen- und Knorpelzellen. Auf Knochen- oder Korallengerüst werden gesunde Knochenzellen im Brutschrank gezüchtet. Das Knochenkonstrukt des Freiburger Arztes Dr. Dirk Schäfer lebt, wächst außerhalb des Körpers und bildet neue robuste Substanzen. Die neue Forschungsbezeichnung Tissue Engineering bedeutet die Kunst, Organe und Gewebe neu züchten. So bedeutet auch "Cell-Engineering" die Neubildung von Zellen, die ihrerseits sogar Hormone ausscheiden. Kleine, so entwickelte Blutgefäße, ja sogar eine Harnblase sind bereits verfügbar. Bei den Zellzüchtungen von Professor Minuth, Anatom an der Universität Regensburg, ist es gelungen, Knorpelzellen und Knochengewebe zu züchten, mit denen Organe wie Nasen und Ohren nachgebildet werden können. Außerdem lassen sie sich zu Implantationen bei Knorpelabsprengungen und Splitterbrüchen verwenden. Da die Zellen vom Patienten selbst stammen, besteht auch keine Abstoßungsgefahr.

Zellen von Meeresalgen erlauben Tests zur Prüfung von Herzklappen, künstlichen Gelenken und Kosmetika.

Hefetest (Professor Koch, Österreich) Dies ist ein Toxizitätstest mittels Bäcker- und Bierhefezellen bei Umweltchemikalien und Arzneimittelsubstanzen. Mit Einzellern wird die akute Toxizität bestimmt. Ist eine Substanz toxisch, sterben die Zellen sofort ab. Dieser Test ist einfach und billig und liefert schnelle Ergebnisse.

Zellkulturen aus Embryonalgewebe, das nach Fehlgeburten zur Verfügung steht, dienen teratogenen (=Missbildungen bewirkenden) Erkenntnissen.

Physio-Controll-Mikrosystem ohne Tierversuche nennt sich der an der Freiburger Universität entwickelte Krebszelltest. Er ist das weltweit erste System, das die Reaktionen lebender Zellen auf Medikamente mittels Sensoren testet, die entsprechende Signale der Zellen auffangen und anzeigen. Ein Mikrochip, beladen mit bösartigen Tumorzellen, bildet den Kernpunkt dieses Systems. Ein Chemotherapeutikum ( krebsbekämpfendes Mittel) nach dem andern wird so lange zugefügt, bis feststeht, welches Medikament in der Lage ist, die Krebszelle zu vernichten. Eine solche individuell gezielte Anwendung eines Chemotherapeutikum war bis jetzt nicht möglich.

Fazit: Alle diese eben genannten Erfolge widerlegen die immer wieder angeführte Behauptung: "....aber eine Zelle hat keinen Herzschlag."


Verfasser: Dr. med Walter Schmidt

Tierversuche

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