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23.01.2009

Geflügel und Eier: Industrieller Missbrauch von Hühnern

Geflügel und Eier: Industrieller Missbrauch von Hühnern
Stand: 7.11.2007


Einige Menschen, die behaupten, Vegetarier zu sein, essen trotzdem Geflügel. Doch Hühner, Enten und Truthähne sind kein Gemüse; sie sind Tiere. Leider wird ihr Leben als so unbedeutend angesehen, dass in den Statistiken nicht die Zahl der getöteten Tiere auftaucht, sondern das Gesamtschlachtgewicht, das sich allein in Deutschland auf über eine Million Tonnen beläuft. Wie viele Tiere für die Lebensmittelindustrie sterben müssen, kann man diesen Zahlen trotzdem entnehmen. Und die etwa 33 Millionen „Lege“hennen liefern mehr als 9,2 Milliarden Eier, die in der Bundesrepublik jedes Jahr verzehrt werden. Davon werden rund 75 Prozent in winzigen Käfigen gehalten (1).

Doch da nur weibliche Tiere Eier legen können, werden etwa 41 Millionen männliche Küken pro Jahr „entsorgt“, indem man sie vergast, erstickt oder zerhäckselt. Sie können nicht zu „Suppen-“ Hühnern oder „Grill-“ Hähnchen werden, weil sie nicht dahingehend gezüchtet wurden, viel Muskelfleisch anzusetzen. Da das Hauptinteresse der modernen Hühner- Massentierhaltung darin besteht, ein profitables Huhn zu züchten, leiden die „Masthühner“ an zahlreichen gesundheitlichen Problemen, die auch die Knochen und die Beine angreifen, weil die Tiere so schwer und „fleischig“ sind. Hennen, die als „Super-Legehennen“ gezüchtet wurden, stehen so unter Stress, dass ihre extensive Legedauer nur eineinhalb oder allerhöchstens zwei Jahre beträgt, während die normale Lebenserwartung einer Henne, die unter natürlichen Bedingungen Eier legt, immerhin bei 15-20 Jahren liegt. Dank der Massentierhaltung legen die Hennen von heute etwa zweimal soviel Eier wie die Hennen vor einigen Jahrzehnten, nämlich durchschnittlich 290 Eier pro Henne und Jahr. Doch ihre ausgemergelten Körper müssen den Preis dafür zahlen.

„Suppen-“ Hühner und „Grill-“ Hähnchen

Hühner, die für die Fleischindustrie aufgezogen werden, werden gewöhnlich in einer Zahl von mehr als 25.000 Tieren in großen Hallen gehalten (2). Hühner kommen in Gruppen von etwa 90 Tieren gut zurecht, einer Zahl, die es jedem einzelnen Tier erlaubt, seinen Platz in der Hackordnung zu finden. In einer so großen Gruppe von Tausenden von Tieren ist eine soziale Rangordnung allerdings nicht möglich; in ihrer Frustration picken sich die Vögel daher so heftig gegenseitig, dass sie bluten und sich manchmal sogar töten. Genetische Selektion, die Anwendung findet, um mit der Nachfrage Schritt und die Produktionskosten niedrig halten zu können, verursacht extrem schmerzhafte Leiden.

Aber es ist nicht allein die große Zahl, die das Leben der Vögel unnatürlich stressvoll macht. Sie haben keinerlei Zugang zu Frischluft, denn die von dem überwältigenden Ammoniakgestank durchtränkten Hallen werden von Maschinen belüftet. Fällt das Belüftungssystem aus oder erweist es sich für die Milderung extremer Temperaturen als unzureichend, können Tausende von Hühnern binnen weniger Stunden ersticken.

Eine Impfung der Vögel kurz nach dem Schlüpfen und ein Trennen der Tiere nach Altersklassen helfen zwar dabei, die Sterblichkeitsrate zu drosseln. Tierärztliche Hilfe gibt es nur unzureichend oder überhaupt nicht, und Arbeiter müssten tagtäglich die Hallen von den toten Tieren säubern. Damit die Tiere weniger aktiv sind, werden sie zumeist im Dämmerlicht gehalten.

Bisher gibt es in Deutschland keine gesetzlichen Mindeststandards zur Haltung von Masthühnern, es gibt lediglich Eckwerte und freiwillige Verpflichtungen. Zwar gibt es nun von der EU eine Richtlinie, die minimale Standards vorschreibt, jedoch muss diese erst bis spätestens Mitte 2010 in nationales Recht überführt sein (3).

„Lege-“ Hennen

Bei den Legehennen gibt es gesetzliche Vorschriften und ihre Belange wurden sogar vor dem höchsten deutschen Gericht behandelt. Trotz dieser Vorschriften ist das Leben in der industriellen Lebensmittelproduktion noch immer alles andere als tier- oder artgerecht. Denn die Eier-Industrie ist nun schon fast vollständig automatisiert. Fütterung, Beleuchtung, Temperaturregelung und selbst die Mauser werden von Maschinen gesteuert. Nichts wird mehr der Natur überlassen. Die Eier rollen auf ein Fließband, das sie aus der Halle heraustransportiert. Per Fließband werden auch Futter und Wasser in die Käfige geliefert, die in mehreren Reihen übereinander gestapelt sind. Die Käfigböden bestehen aus Maschendraht, so dass der Abfall zum Teil immer in den darunter liegenden Käfig und auf die darin befindlichen Hennen fällt. Ein einziger Käfig, der gerade einmal 550 cm² Bodenfläche misst, fasst vier Hennen, wobei jedes dieser Tiere eine Flügelweite von allein 80 cm hat. Der Käfigboden fällt in Richtung auf die Futter- und Wasserrinnen schräg ab, so dass die schwächeren Hennen oft zu Boden gedrückt werden. Durch den ständigen Kontakt mit dem Maschendraht werden ihnen die Federn abgescheuert, und schließlich tötet man sie.

Das Futter der Hennen ist eine Spezialmischung zur Steigerung der Leistung. Mais wird mit Vitamin A und D angereichert, um den natürlichen Bedarf an Sonnenlicht zu ersetzen, und mit Antibiotika versetzt, um Infektionen zu bekämpfen, die durch den Schmutz in der extrem engen Haltung verursacht werden. Die Industrie hat sogar Wege gefunden, wie sie die von den Hühnern selbst erzeugten Abfälle wieder verwenden kann: sie mengt sie einfach dem Futter nach einer Verarbeitungsprozedur bei.
Zwar gibt es keine einheitlichen Studien über die Mortalität von Legehennen in der Käfighaltung, jedoch kann man von circa 10 Prozent ausgehen (4). PETA's verdeckte Ermittlungen über das „Leben und Sterben in der Eierindustrie“ brachten schreckliche Bilder ans Licht, in denen beispielsweise gezeigt wird, wie sich zwei lebendige Hühner mit zwei toten und verwesenden den Käfig teilen müssen (5). Denn kranke Tiere werden nicht etwa zum Tierarzt gebracht oder eingeschläfert, dies wäre zu teuer. Im besten Fall wird ihnen das Genick gebrochen, im schlimmsten müssen sie qualvoll sterben.

Fällt die Eierausbeute unter ein gewisses, nicht mehr als profitabel angesehenes Limit, wandern alle Hennen ab ins Schlachthaus, wo aus ihren ausgemergelten, geschundenen Körpern „Haustier“-Futter, Hühnersuppe, Futter für die Tiere in den Pelztierfarmen und verschiedene andere Produkte gemacht werden. Die Halle wird dann für die nächste Bataillon unglücklicher Hennen vorbereitet und ausgespritzt.

In der Zwischenzeit wird in der Hühnerverarbeitungsanlage Wasser in einer Menge verschwendet, als gebe es kein Morgen mehr, während die Schlachthausarbeiter an permanenten Schmerzen und selbst bleibenden Schäden der Gliedmaßen (Karpaltunnel- Syndrom) leiden, verursacht von den ständig wiederholten Bewegungsabläufen. Doch Angst vor Arbeitslosigkeit und Armut hält diese Menschen an ihrem grausigen Arbeitsplatz fest.

Das ungesunde Resultat

Viele Menschen, die Angst vor dem hohen Fett- und Cholesterinanteil in Rind- oder anderem „roten“ Fleisch haben, essen mehr Huhn, weil sie annehmen, dass Geflügel eine gesunde Alternative sei. Aber darin könnten sie wohl kaum mehr irren. Hühnerfleisch enthält nicht nur fast den gleichen Cholesteringehalt wie Schweinefleisch, nämlich 60 mg pro 100 g, und Hühnerleber sogar mehr als Rinderleber - auch Eier sind ebenfalls gesundheitsschädigend. Der durchschnittliche Cholesteringehalt eines Hühnereis Klasse M wird derzeit mit 314 mg angeben. Ein Eigelb an sich enthält dabei mehr Cholesterin als die empfohlene Tageshöchstmenge eines Erwachsenen (6).

Außerdem verursachen Eier noch Lebensmittelvergiftungen, insbesondere durch Salmonellenbefall, tragen zu Fettleibigkeit, Herzerkrankungen und anderen wirklich ernsten gesundheitlichen Problemen bei. Da die Symptome einer Salmonellenvergiftung denen einer Grippe ähneln, haben viele Menschen eine Vergiftung, ohne sich dessen bewusst zu sein.

Hühnerfleisch zu essen, ist nicht gesünder oder aus humanitärer Sicht besser als der Verzehr irgendeiner anderen Fleischart, und auch der Verzehr von Eiern ist nicht sicherer. Diese Nahrungsmittel sind gesundheitsgefährdend, und es gibt für sie ausreichenden und guten Ersatz. Versuchen Sie mal Tofu-“Rührei“, Ei-Ersatz in Ihren Backwaren und marinierten Tofu bei Ihrer nächsten Grillparty, dann machen Sie die Hühner-Folterkammern bald arbeitslos.


Quellen:
(1) Statistisches Bundesamt: 2007
(2) Landtag Baden Württemberg, Stellungnahme des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum, Tierschutzgerechte Haltung von Masthühnern: 2007
(3) Landtag Baden-Württemberg, Stellungnahme des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum Neue Haltungsverordnung zur Haltung von Masthühnern: 2007
(4) Internationale Gesellschaft zur Nutztierhaltung 2006
(5) www.peta-tv.de
(6) Lebensmittellexikon 2007; BKK 2007; Deutsches Ernährungsberatungs-und Informationsnetz 2007

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