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20.01.2009

GEWÜRZINSEL

GEWÜRZINSEL
Grenada kann einem Tränen in die Augen treiben

VON MARKUS ALBERS19. Januar 2009, 17:31 Uhr
Auf Grenada wachsen pro Quadratmeter mehr Gewürze als sonst irgendwo auf der Welt. Die Antillen-Insel ist bekannt für Zimt und Nelken, Ingwer und Kakao. Nur die Muskatnuss, die sogar auf der Landesflagge prangt, ist seit Hurrikan Ivan selten geworden. Doch das soll sich ändern.

Rebecca Thompson will ihren Besuchern unbedingt noch Muskatbäume zeigen, bevor diese wieder ins kalte Deutschland zurückkehren. Das sollte auf Grenada, der selbst ernannten „Insel der Gewürze“, eigentlich kein Problem sein, denn außer Indonesien exportiert kein anderes Land der Welt so viele der wohlriechenden Nüsse. Zumindest war das vor dem Sturm so.

„Ivan“, der neuntstärkste Hurrikan seit Beginn der Wetteraufzeichnung, traf am 7. September 2004 auf Grenada, wo niemand mit ihm gerechnet hatte, weil derartige Unwetter früher immer an der Insel vorbeigezogen waren. Doch „Ivan“ walzte einmal quer über das Eiland, tötete 39 Menschen und zerstörte 85 Prozent der Gebäude und Gewürzpflanzen. Grenada war vorher ein tropisches Paradies, in dem Früchte und Gewürze so reichhaltig wild wuchsen, dass niemand arbeiten musste, wenn er nicht wollte – man konnte einfach die herabgefallenen Muskatnüsse aufsammeln und verkaufen. Oder die Mangos essen, von denen zur Reifezeit so viele auf dem Boden landen, dass sie verfaulen.

Nach „Ivan“ war das anders. Selbst der Regenwald im Inselinneren sah aus wie nach dem Abwurf einer Atombombe. Muskatbäume brauchen jedoch mindestens acht Jahre, bevor sie Früchte tragen. Niemand räumte das Unterholz weg, heute umklammern Ranken die Bananenstauden, Mango-, Brotfrucht-, Zimt- und eben Muskatbäume. Ein Paradox: Auf der Insel der Gewürze werden immer weniger Gewürze produziert.


WIEDERAUFBAU IN EIGENINITIATIVE

Weshalb Rebecca Thompson, eine britische Malerin, die hier seit 20 Jahren lebt und zusammen mit ihrem deutschen Mann Ulrich Kühn das Fünf-Sterne-Ökoresort „Maca Bana Villas“ betreibt, nun selbst Hand anlegt. Die beiden haben ein 18 Hektar großes Stück Regenwald gekauft, roden die Ranken, legen Obstbäume frei und bauen Gemüse für ihr Restaurant „Aquarium“ an. „Finanziell lohnt sich das nicht“, sagt Rebecca, während sie keuchend über die steilen Hänge ihres neuen Anwesens klettert und nach den Nüssen Ausschau hält: „Aber wir wollten unseren Teil dazu beitragen, dass die Insel wieder auf die Beine kommt.“

Auf dem großen Markt in Grenadas Hauptstadt St. George's ist die Stimmung deutlich ausgelassener – Obst, Gemüse, und Gewürze gibt es hier jede Menge. Rundliche Damen bieten Gewürzketten an, Vanilleextrakte und Zimtstangen. Sie verkaufen dem Besucher für 60 Cent eine Kokosnuss, aus der er mit einem Strohhalm erfrischenden Saft trinkt. Auf Nachfrage legen sie auch das lokale Aphrodisiakum Bois Bande – eine getrocknete Baumrinde – in Rum ein; ein Getränk, das sie wortreich mit Verschwörermiene anpreisen und das, in zu hohen Dosen genossen, eine schmerzhafte Dauererektion verursachen soll.

Die lokale Küche ist kreolisch, eine schweißtreibende Mischung aus indianischen, afrikanischen und indischen Einflüssen: viel Fisch, Fleisch, Kokosmilch, dazu Piment, Koriander, Ingwer, Nelken und eben doch auch Muskatnuss. Und alles ist immer sehr, sehr scharf, weshalb man es am besten wie die Einheimischen hält und schon mittags ein lokales „Karib“-Bier dazu trinkt.

PASSEND ZUR TRAININGSHOSE MIT DEN CHILISCHOTEN

Direkt am Hafen hat Brian Benjamin das „BB's Crab Back“ eröffnet. Genauso hieß sein Restaurant in London, die Ausrisse aus Hochglanzmagazinen an der Wand zeugen davon, dass damals die jungen Geschäftsleute aus Notting Hill bei ihm einkehrten. Heute, zurück in seiner Heimat, hat Benjamin seinen Laden erdiger gemacht, ehrlicher. Sein Spezialgericht, der „Crab Back“ – überbackenes Krabbenfleisch, serviert in einem halben Krabbenpanzer –, zeugt noch von urbanem Stilwillen, aber das Lammcurry mit Chutney wirkt bodenständig einheimisch. Und ist – natürlich – extrem scharf, wozu Benjamins Trainingshose passt, auf der feuerrote Chilischoten abgebildet sind.

Lokale Spezialitäten finden sich noch auf den Karten der hochwertigsten Restaurants: Im „Cinnamon Hill“, mit dem der britische Investor Peter de Savary die Insel aus dem touristischen Dornröschenschlaf wecken will, isst man zum Frühstück einen Toast mit Muskat-Marmelade – die die Nuss umgebende Frucht wird vor Ort zu süßer Konfitüre verarbeitet.

Rebecca Thompson hat die Muskatnüsse dann doch noch gefunden. Zwei Bäume verstecken sich auf ihrem neuen Grundstück. Eines Tages will sie mit ihrem Mann hier hinaufziehen, weg vom Strandtrubel. Aber bis dahin ist dieses Gelände für sie das, was ganz Grenada bald wieder sein wird: ein tropischer Garten, der viermal pro Jahr frischen Nachschub für die Küche liefert.

Die Reise wurde unterstützt vom Fremdenverkehrsbüro Grenada.

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