Free counter and web stats

14.01.2009

Giftattacke im Kinderzimmer

Giftattacke im Kinderzimmer

Über 700 Unfälle jährlich mit exotischen Gifttieren - PRO WILDLIFE fordert Halteverbot für gefährliche Tiere

Deutschlands Giftnotrufzentralen verzeichneten im vergangenen Jahr weit über 700 Unfälle mit giftigen Haustieren. Einer Datenerhebung von PRO WILDLIFE zufolge sind in knapp 60 Prozent der Fälle Giftschlangen die Ursache. "Angesichts der ca. 250.000 Riesen-, 100.000 Giftschlangen und einer unbekannten Zahl Krokodilen, Skorpionen und Giftfischen unter deutschen Dächern ist dringend ein Halteverbot für gefährliche Tiere erforderlich", betont PRO WILDLIFE-Sprecherin Dr. Sandra Altherr. Nur sechs Bundesländer haben bislang überhaupt Regelungen zur Haltung gefährlicher Tiere erlassen, Hessen plant derzeit ein weit reichendes Verbot. Am kommenden Wochenende findet in Hamm/Westfalen Europas größte Reptilienbörse statt, auf der auch zahlreiche gefährliche Tiere an jedermann verkauft werden.

Der Markt mit exotischen Tieren boomt in Deutschland: Allein am Frankfurter Flughafen wurden 2006 über 940.000 Reptilien, Amphibien, Skorpione und Spinnen importiert. "Je gefährlicher, desto beliebter: Immer mehr geltungssüchtige Halter wollen sich statt mit Pitbulls nun mit Kobra & Co. aufwerten", so Altherr. Und sie erweisen sich als völlig unverantwortlich: Laut Giftnotrufzentrale Berlin sind bei 30 Prozent der Unfälle Kinder bis 15 Jahre, darunter viele Kleinkinder, betroffen. "Uns sind Fälle bekannt, bei denen sechs Monate alte Babys von Vogelspinnen oder Dreijährige von Schlangen gebissen wurden" berichtet die PRO WILDLIFE-Sprecherin. Giftnotrufzentralen wie Berlin oder Freiburg verzeichnen einen Anstieg der Unfälle um bis zu 61 Prozent innerhalb der letzten Jahre.

"Jedermann kann sich über Börsen, Internet oder Kleinanzeigen die gefährlichsten Tiere besorgen. Selbst Arten, deren Gift binnen weniger Minuten tödlich sein kann - z.B. Schwarze Mamba, Königskobra oder Texas-Klapperschlange - werden in deutschen Wohnungen gehalten", so die Biologin von PRO WILDLIFE. Inzwischen werden an nahezu jedem Wochenende irgendwo in Deutschland Tierbörsen abgehalten. So findet z.B. am 15. September in Hamm (Westfalen) erneut die größte Reptilienbörse Europas statt, auf der zehntausende Tiere an einem Tag den Besitzer wechseln - darunter auch Krokodile, großwüchsige Warane, Giftschlangen und Skorpione.

Die Haltung gefährlicher Tiere ist in Deutschland bislang völlig unzureichend geregelt: Nur sechs* der 16 Bundesländer haben überhaupt Regelungen, die zudem völlig unter-schiedlich sind. Oft handelt es sich hierbei nicht um Verbote, sondern die Haltung von Krokodil & Co. muss den Behörden lediglich gemeldet werden. Immer wieder machen Fälle Schlagzeilen, wo gefährliche Tiere entkommen, ausgesetzt oder in Wohnungen zurückgelassen werden. "In Hessen gab es erst jüngst wieder einen Fall, bei dem in einer Privatwohnung 34 Giftschlangen frei herumkrochen", berichtet Altherr.

Hessen plant jetzt ein Halteverbot für gefährliche Tiere. PRO WILDLIFE präsentierte vergangene Woche auf einer Anhörung im Hessischen Landtag die schockierenden Unfallstatistiken und forderte eine strikte Gesetzesregelung. Unterstützt wird PRO WILDLI-FE dabei u.a. von der Polizeigewerkschaft sowie Regierungspräsidien in Hessen.

PRO WILDLIFE dokumentiert seit Jahren Ausmaß und Anstieg des unkontrollierten Handels mit Wildtieren. "Inzwischen ist nahezu alles auf dem Markt erhältlich - selbst Tiere, die vor wenigen Jahren noch kaum einer kannte", berichtet Altherr. "Es werden sogar Nasenbären angeboten. Die sehen zwar possierlich aus, können aber binnen Sekunden die Halsschlagader eines ausgewachsenen Schäferhundes durchbeißen..."

* Bayern, Berlin, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Saarland und Schleswig-Holstein.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen




Shop Kontakt Newsletter Linkliste Tierfreunde Nord Forum/Community -Tierheim ! Literatur-Tipps Himmlisch-gut.de Tiertafel Global 2000: Die Gebirge Europas + Das Mittelmeerbecken + Die Seen des grossen afrikanischen Grabenbruchs + Die Akaziensavanne Ostafrikas + Das Kongobecken + Die Kappellen + Die Wälder Madagaskars + Die Regenwälder der Malediven, Lakkadiven und Chagos-Inseln + Die Savannen und Grasländer des Terai-Duar + Die Wälder der Sundarbans + Die Sumpfwälder Borneos + Die Daurische Steppe + Die Sibirische Taiga + Das Bering-Meer + Die Wüste im Nordwesten Australiens + Das Great Barrier Reef + Die Wälder Neukaledoniens + Die Wälder der Haweii-Inseln + Die Osterinseln + Die Galapagos-Inseln + Die Prärien Nordamerikas + Die Chihuahua-Wüste + Die grossen Antillen: Kuba + Die Los-Llanos-Savanne in Kolumbien und Venezuela + Das Amazunasbecken + Die Patagonische Steppe + Die antarktische Halbinsel und das Wedell-Meer