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20.01.2009

Giovanni Althoff – der altbekannte Tierausbeuter

Giovanni Althoff – der altbekannte Tierausbeuter

von Viola Kaesmacher


Schon häufig war der Circus Giovanni Althoff ein Thema in der TIERBEFREIUNG. So wurde in Ausgabe 45 der Stand bis November 2004 umrissen: die Jahrzehnte andauernde Tierquälerei, die Beschlagnahmung einzelner Tiere, die Tricks der Zirkusleute und KumpanInnen, die Machtspielchen einzelner LokalpolitikerInnen und die Bemühungen der TierrechtlerInnen. Danach hatte sich einiges getan - viele Ablenkungsmanöver, wenig Durchgreifen der Behörden. Positiv war lediglich das offensichtlich gewandelte Medieninteresse. Positiv insofern, als dass nun die tatsächlichen Hintergründe kritisch beleuchtet wurden und nicht nur Propaganda für Tierzirkus, Verunglimpfung von TierrechtlerInnen und Spendenhascherei betrieben wurde.

Zirkus: kein Platz für Tiere

Ein Zirkusleben ist für die Tiere per se niemals artgerecht, aber was sich rund um Circus Giovanni Althoff in den letzten Jahren zuträgt, ist geradezu unglaublich. Waren es einst über 20 Elefanten, sind lediglich drei verblieben, und die wurden ins Ausland verschleppt. Die anderen Elefanten wurden nach und nach beschlagnahmt, sind elendig gestorben oder eingeschläfert worden bzw. wurden an Zoos abgegeben. Der große „Althoff-Skandal“ birgt viele Unterskandale, sei es die Rolle einiger untätiger AmtsveterinärInnen, seien es die Ordnungsämter, die offensichtlich gern mal die Augen zu drücken, Hauptsache der Zirkus wandere schnell in den nächsten Ort und macht dort die Sorgen, die man hier nicht haben möchte. Seien es die Zirkusleute selbst, die nicht nur ihre Tiere schlecht behandeln, sondern auch TierrechtlerInnen und Beamte bedrohen.

Immer wieder Tierquälerei

Besonders erschreckend innerhalb des letzten Jahres ist das mehrfache Zusammenbrechen der Elefantenkuh Maya und die strikte Weigerung der Zirkusleute, einen Fachtierarzt hinzuzuziehen. Wegen der schweren Erkrankung von Maya hatte die Kreisverwaltung im Juli 2005 eine Verfügung über ein Reise- und Arbeitsverbot für das kranke Tier erlassen und dem Zirkus auferlegt, Maya an eine entsprechende Haltungseinrichtung abzugeben. Wie immer bleibt der Zirkus tatenlos – die Kreisverwaltung wird selbst aktiv und entzieht die Elefantenkuh am 15. November 2005. Seit diesem Zeitpunkt wird wieder einmal festgestellt, dass eine Versorgung der Elefanten völlig ungenügend ist: die Mindest-Temperaturen im Zelt werden wieder unterschritten, die Ernährung der Elefanten ist nicht ausreichend. Der Kreis Kempten muss daher für die Versorgung der Tiere einspringen. Es wird die Wegnahme der Tiere vorbereitet, doch die Zirkusleute verstecken die Elefanten in einer Nacht- und Nebelaktion vor dem Zugriff. „Wir können mit unseren Tieren machen, was wir wollen“, sagt die Zirkusmanagerin Barbara Rothmund.

Verschleppung der Elefanten

Die Zirkusleute schweigen selbst dann noch zum Aufenthalt der Tiere, nachdem die Kreisverwaltung angeordnet hat, Auskunft darüber geben zu müssen. Durch intensive europaweite Recherchen und Zusammenarbeit von TierschützerInnen und TierrechtlerInnen werden die vier Elefanten Anfang Dezember 2005 beim Zirkus Gärtner in Frankreich-Brehemont aufgefunden. Die bereits seit Wochen schwer erkrankte Elefantenkuh Vicky wird allerdings vom Zirkus vor mehreren behördlichen Kontrollen jedes Mal versteckt. Zeugen beobachten, wie Vicky - nicht mehr gehfähig - mit einem Radlader in einen französischen Fleischtransporter geschoben und ins Winterquartier von Cirque Medrano bei Montpellier verbracht wird, von wo aus sie Tage später erneut nach Brehemont zurück verfrachtet wird. Wenige Tage später ist der Zirkus erneut auf der Flucht vor einer richterlichen Durchsuchung. Vicky wird im Zirkus Willy Zavatta bei Paris bei niedrigen Temperaturen tagelang auf dem LKW ausharrend abgeparkt. Dort wird sie von französischen TierschützerInnen (one voice) nach unermüdlichem Einsatz wieder gefunden. Doch bei einer Kontrolle ist Vicky dann wieder verschwunden. Die Hoffnung, die kranke, geschwächte Elefantenkuh noch retten zu können, schwindet dahin. Doch es gelingt den französischen TierschützerInnen, die in ständigem Austausch mit dem Verein „Hand in Hand Glückshof – Initiative Tierschutz für Pferde“ (ITP) und anderen Organisationen in Deutschland stehen, Vicky erneut ausfindig zu machen. Auf der weiteren Flucht wird der Abtransport jetzt von der Polizei und den französischen Behörden in der Nacht vom 21. auf den 22. Januar 2006 endlich gestoppt. Vicky wird beschlagnahmt. Sie wird ihren Lebensabend nun wohl in einem Zoo in Danzig verbringen. Dorthin haben TierschützerInnen das Tier inzwischen auf eigene Kosten gebracht. Der Zirkusdirektor, der die misshandelte Elefantenkuh illegal aufgenommen hatte, ist in Frankreich zu einer Geldstrafe von 1000 Euro verurteilt worden.

Der Sammel-Prozess beginnt endlich

Giovanni Althoff, seine Frau Evelyn und die Zirkusmanagerin Barbara Rothmund müssen sich nun endlich in einer dreitägigen Verhandlung wegen Verdachtes auf Tierquälerei sowie Beleidigung, Bedrohung und Körperverletzung vor dem Landgericht Hanau verantworten. Für den Prozess werden 15 Zeugen und 26 Sachverständige aus Deutschland, Österreich, den USA und Skandinavien geladen. Kurz vor dem dritten und letzten Verhandlungstag ist die Elefantenkuh Maya, die im Herbst 2005 beschlagnahmt wurde, im Heidelberger Zoo gestorben. Das bewegt AktivistInnen der TIRM - TierrechtsInitiative Rhein-Main zu einer Spontandemo vor dem Landgericht Hanau. Viele große Fernsehsender sind präsent, die gefilmt und die TierrechtlerInnen interviewt haben.

Unfertige Beweisaufnahme, unfairer Deal

Es kommt an diesem dritten Prozess-Tag nicht zu einer Fortführung der Beweisaufnahme. Nach über anderthalb Stunden „Dealen“ unter Ausschluss der Öffentlichkeit wird eine „einverständliche Lösung“ gefunden. Da man nach Meinung des Richters sowieso nicht die Fälle endgültig klären könne und sich die weitere Beweisaufnahme wahrscheinlich bis in den Winter hinauszögern würde, sollte der Fall abgeschlossen werden.

Petra Schneider von ITP - Haupt-Belastungszeugin - sieht diese Vorgehensweise wie auch das Urteil (lediglich Geldstrafen) als eine Bankrotterklärung unseres Rechtsstaates: Die Staatskasse bereichere sich mit dem erheblichen Leiden der Tiere, ohne diese zu schützen. Eine Fortsetzung der Straftaten von Circus Giovanni Althoff aus dem benachbarten Stockstadt bei Aschaffenburg ist zu dem Zeitpunkt bekannt gewesen. Dem Gericht seien die Einnahmen aus illegalem Verleih von artengeschützten drei Elefanten bekannt gewesen - die Angeklagten zeigten keinerlei Einsicht. Wiederholt wurden dem Zirkus in den vergangenen zehn Jahren wegen wirtschaftlicher und tierschutzrechtlicher Unzuverlässigkeit die Genehmigungen entzogen und wieder erteilt. Es wurden in der Vergangenheit noch und nöcher Auflagen erteilt; es gab Abgabeverfügungen und Haltungsverbote - kaum etwas davon wurde je eingehalten und es kam nie zum Vollzug durch die Behörden.

Das Urteil: schwach, dennoch einmalig in der deutschen Geschichte

Dennoch: Mit dem Urteil vom 16. Juni 2006 der Kammer des Landgerichts Hanau wird bewiesen, dass die seit Jahren vorgetragenen Vorwürfe von Tierrechtsorganisationen volle Berechtigung haben. Alle drei Verantwortlichen des Zirkus Giovanni Althoff werden rechtskräftig wegen vorsätzlich begangener Tierquälerei verurteilt. Es ist das erste Mal, dass ein Zirkus für Zufügung erheblicher Leiden über einen längeren Zeitraum hinweg zur Rechenschaft gezogen wird. Insofern ist es nicht ganz verständlich, warum dies lediglich als „Ordnungswidrigkeit“ eingestuft wird. Wegen dreifachen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz §18 wird ein Bußgeld von jeweils 1300 Euro pro Verstoß und Person (also insgesamt 11.700 Euro) verhängt . Nicht nur Mitglieder des „Bündnisses für die Befreiung der Althoff-Tiere“ hätten sich ein Tierhalteverbot und die Beschlagnahmung der verbliebenen Tiere gewünscht.

Auffallend beim Urteilsspruch war, dass einige Dinge völlig unter den Teppich gekehrt wurden. So wurde gar nicht mehr über die 23-stündige Kettenhaltung (z.T. absolut rohe Aneinanderkettung von Elefanten!) gesprochen, sondern lediglich von „mangelnder Körperpflege“. Die Hinweise, die durch einen gleichzeitig anstehenden Prozess in Mainz gegen einen ehemaligen Tierpfleger des Circus Giovanni Althoff zutage kamen, wurden überhaupt nicht angesprochen. Doch wenn ein Tierpfleger in einem Zirkus „angetrunken bei der Nachtwache die Elefantenkuh Diana mit einem Axtstiel blutig prügelt, mindestens 20 Mal auf Kopf, Rüssel und Vorderbeine schlägt, sowie die Elefantenkühe Vicky und Maja ebenfalls verprügelt und das angebundene Zwergpony Pluto mit seinen Arbeitsschuhen mehrmals in den Bauch tritt“ (Anklageschrift der Staatsanwaltschaft), dann ist es auch Schuld der Zirkusdirektion, denn die haben dafür zu sorgen, dass so etwas nicht passiert. Der Tierpfleger wurde zu einer Strafe von 900 Euro verurteilt.

Auch weitere Anzeigen, die z.B. in Rheinland-Pfalz nicht weiterverfolgt wurden mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen in Hanau, kamen überhaupt nicht zur Sprache. Immerhin: die Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach kündigt Ende Juli 2006 an, dass nun ein Verfahren wieder aufgenommen wird, das mit Hinweis auf den „Sammelprozess“ in Hanau vorerst eingestellt wurde. Es wird also weiterermittelt werden – eine bloße Ordnungswidrigkeit ist das, was sich in diesem Zirkus abspielt nämlich nicht und so sehen es wohl jetzt endlich auch die Staatsanwaltschaften.

Da für viele der Anklagepunkte eine Verurteilung auf Bewährung von drei Jahren ausgesprochen wurde (Beleidigung, Körperverletzung und Betrug) wird der Zirkus sicherlich jetzt mehr denn je unter Beobachtung von TierschützerInnen und TierrechtlerInnen stehen.

Hessisches Zirkushandbuch
Literaturtipp: Die hessische Landesbeauftragte für den Tierschutz, Madeleine Martin, die zu den Zeuginnen im Althoff-Verfahren gehört, hat im Dezember letzten Jahres ein „hessisches Zirkus-Handbuch“ herausgegeben. Das Handbuch soll den „tierschutzrechtlichen Vollzug“ bei der Überwachung von Zirkusbetrieben vereinheitlichen.

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