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20.01.2009

Großschlachthof mehrere Stunden blockiert

Großschlachthof mehrere Stunden blockiert

Erfolgreiche Aktion des zivilen Ungehorsams

„Das könnte Ihnen so schmecken“, lautet der wenig gelungene Werbespruch der Barfuss GmbH im nördlichen Ruhrgebiet, die 2004 in den Unternehmensverbund der WESTFLEISCH-Gruppe integriert wurde und in deren Schlachthof im selben Jahr eine Million Schweine in Akkordarbeit umgebracht wurden. Weniger geschmeckt haben dürfte den Damen und Herren des Unternehmens die Aktion von rund 30 TierrechtlerInnen, die am 10. Oktober den Schlachthof für drei Stunden vollständig blockierten. Einem Journalisten - die Aktion stieß auf reges Interesse bei den Medien - wurde einen Tag später von der Geschäftsleitung der Barfuss GmbH mitgeteilt, dass sie generell keine Interviews zu dem Thema und der Aktion abgeben würden, mit ihnen hätte das ja im Grunde auch gar nichts zu tun. Eine denkbar schlechte Ausrede.

Mit Transparenten und einer Steh- und Sitzblockade wurde am 10.10. von halb elf bis halb zwei die einzige Zu- und Abfahrt des Schlachthofes und „Verarbeitungsbetriebes“ komplett blockiert. Die Einfahrt von Tiertransportern auf das Schlachthofgelände wurde unterbunden. Auch beladene Fleischtransporter konnten nicht passieren und stauten sich auf der Abfahrt des 133.000 qm großen Geländes auf.

Da die Blockade nicht freiwillig beendet wurde, wurde sie schließlich von der Polizei durch Wegtragen der TierrechtlerInnen aufgelöst. Bei den 1.000.000 Schweinen, die 2004 dort getötet wurden, handelt es sich um eine gedanklich kaum zu erfassende Anzahl an Individuen. Bereits bei der Geburt der Schweine auf dem Spaltenboden steht fest, dass sie als reine „Fleischlieferanten“ nach einer entsprechenden Mastperiode im Dunkelstall direkt in den Schlachthof verfrachtet werden. In Schlachthöfen wird im Akkord gearbeitet. Das Individuum Tier - jedes einzelne wollte leben - wird hier zur reinen Ware. Mit dieser Aktion des zivilen Ungehorsams haben die AktivistInnen den reibungslosen Betrieb dieser Massentötungseinrichtung unterbrochen und den Transport von Tieren in den Schlachthof vorübergehend gestoppt. Tiere sind leidensfähige Lebewesen, die Angst und Schmerz empfinden und die leben wollen. Diese grundlegenden Tierrechte werden dort - und an jedem Ort, an dem Tiere zu „Nutztieren“ degradiert werden - eklatant missachtet.


„Von dem Schwein möchte ich erzählen, das nicht mehr laufen konnte, mit gegrätschten Hinterbeinen dasaß. Das sie solange traten und schlugen, bis sie es in die Tötungsbox hineingeprügelt hatten. Das ich mir hinterher ansah, als es zerteilt an mir vorüberpendelte: beidseitiger Muskelabriss an den Innenschenkeln. Schlachtnummer 530 an jenem Tag, nie vergesse ich diese Zahl.“
C.M. Haupt, Schlachthofpraktikum


Schweinehaltung

Hausschweine zeigen in Freiheit das gesamte Verhaltensrepertoire der Wildschweine, von denen sie abstammen. In Deutschland werden mehr als 90 % aller Schweine in Intensivhaltung untergebracht. Die Zuchtsauen werden in engen Kastenständen meist einzeln gehalten, die Mastschweine in Buchten zu Mehreren im dunklen Stall auf Spaltenböden. Die Exkremente werden von den Tieren durch die Spalten getreten. Wie in allen Intensivhaltungen hängen auch hier beißende Ammoniakdämpfe in der Luft. Durch die Enge und Bewegungslosigkeit zeigen die Schweine aggressive Verhaltensstörungen wie Kannibalismus und gegenseitiges Schwanzbeißen. Dem wird - ebenso wie beim Schnabelkürzen der Hühner - dadurch „entgegengewirkt“, indem die Eckzähne der männlichen Schweine abgeschliffen werden und die Schwänze aller Mastschweine „kupiert“, also abgeschnitten werden.

Auch Schweine wurden auf eine schnelle Gewichtszunahme hin gezüchtet. In einem Artikel des amerikanischen Industrie Journals „National Hog Farmer“ von 1993 wird empfohlen, die Fläche, die in einer Schweinehaltung pro Schwein zur Verfügung gestellt wird, von 0,8 auf 0,6 m2 zu reduzieren: „Es zahlt sich aus, Schweine zusammenzudrängen“1. Weil Fleisch von unkastrierten männlichen Schweinen einen für viele Fleischesser unangenehmen Beigeschmack hat, werden fast alle männlichen Mastschweine kastriert. Dies geschieht in den ersten vier Wochen des Lebens der Schweine fast ausnahmslos ohne Narkose. „Eine kräftige Männerhand hat das zartrosa Ferkel fest im Griff. Der Mann setzt ein scharfes Messer im Genitalbereich des Tieres an- zwei gezielte Schnitte, dann dreht er die Hoden aus der Wunde und schneidet sie ab. Das Ferkel quiekt schrill auf. In einem Arbeitsgang werden dem Schweinebaby außerdem das Ringelschwänzchen abgeschnitten und die Eckzähne mit einem Seitenschneider abgekniffen. Alles geschieht ohne Betäubung. Das Ferkelchen ist erst wenige Tage alt. Die Tortur steht am Anfang eines qualvollen Lebens - am Anfang von 180 Tagen Folter. Dann wiegt das Schwein über 100 Kilo und endet auf der Schlachtbank. Die schmerzhafte Prozedur ist nicht strafbar, sondern ganz legaler Alltag in der Schweinezucht.“2


„Vergiss, dass das Schwein ein Tier ist. Behandle es wie eine Maschine in einer Fabrik.“1


Der Transport zum Schlachthof


Die vorletzte Etappe des Leidensweges der Schweine besteht darin, dass sie in Transporter gepfercht werden und zu einem Schlachthof - in diesem Fall dem Barfuss GmbH Schlachthof - gebracht werden. Da auch dies mit einer Kostenrechnung verbunden ist, werden die Schlachthöfe gewählt, die das meiste Geld einbringen. Da durch Zentralisierungen immer mehr Großschlachthöfe entstehen, werden die Tiere oft kreuz und quer durch Deutschland und die EU gekarrt. Die meisten Transporter, die am 10. Oktober blockiert wurden, stammten aus den Niederlanden. Je mehr Tiere pro LKW transportiert werden, desto höher der Gewinn pro Transport. Deshalb versuchen die Unternehmen, so viele Tiere wie möglich in die Transporter zu pferchen. Die Tiere, die oft ihr ganzes Leben lang kein Sonnenlicht zu sehen bekommen haben, sich kaum bewegen konnten, in engen Buchten oder Drahtkäfigen gehalten wurden und dadurch schwere psychische und oft auch physische Schäden davontragen, werden nun auf einmal in LKWs getrieben oder in Akkordarbeit in Transportkäfige gestopft, sind Witterungen, Autobahnfahrten und Straßenlärm ausgesetzt.


Veganismus

Der Verein die tierbefreier e.V tritt für den Veganismus ein, einer rein vegetarischen Lebensweise, die den Tieren ein möglichstes Maß an Respekt zukommen lässt und sie in ein moralisch-bewusstes Denken und Handeln einschließt. Wir rufen dazu auf, nicht länger wegzusehen, und den Tieren mit wirklichem Respekt und Empathie zu begegnen. Tiere sind weder Fleischlieferanten noch Wesen, die man zur Schau stellen kann, weder Sportgeräte noch Milch- oder Eierproduzentinnen. Die Einzigartigkeit und Würde jedes einzelnen Tieres wirklich zu respektieren heißt, nicht länger seine grenzenlose Ausbeutung zu unterstützen, sondern aktiv zu seiner Befreiung beizutragen.

Ulf Naumann


1 National Hog Farmer vom 15.11.1993

2 Bild am Sonntag vom 17.01.99, Tatort Tierfabrik

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