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20.01.2009

Harlan undercover: Grausamkeit in großem Maßstab

Harlan undercover: Grausamkeit in großem Maßstab

Suzanne Verbeek (38) arbeitete für einige Wochen bei Harlan in Horst. Sie wurde über einen Infostand in Venary aufmerksam auf das Projekt „Sciencelink“ und sprach mit den AktivistInnen des „Bündnis gegen Tierversuche“. In dem folgenden Interview erzählt sie über ihre Erfahrungen.


Wie bist Du bei Harlan gelandet?

Ich bekam den Job über eine Zeitarbeitsfirma. Sie fragten mich, ob ich mit Tieren arbeiten wolle. Das schien mir eine wunderbare Möglichkeit, weil ich Tiere liebe. Doch dann, als ich erst dort war, sah ich die riesigen Regale an der Wand, mit den zahllosen, weißen Plastikkästen. Ich wurde zur Arbeit in der Meerschweinchenabteilung zugeteilt und da konnte man sie sehen, Tausende dieser kleinen Wesen.


Wusstest Du bis dahin schon, wo Du warst? Wusstest Du bereits, dass Harlan ein Tierzüchter für die Vivisektionsindustrie ist?

Nein. Von der Agentur wurde mir lediglich mitgeteilt, dass ich mich in einer Zuchtstation um Tiere kümmern müsse. Ich fragte meine Kollegen, was mit den Meerschweinchen geschehen werde und so fand ich heraus, dass sie für Tierversuchslabore bestimmt seien. Die Boxen maßen gerade einmal 60x40cm, doch sie waren buchstäblich voll mit Meerschweinchen. 60 junge Meerschweinchen oder 30 größere Tiere waren in einer Box zusammengepfercht. Ich musste die Boxen säubern und die Tiere von einer in die nächste Box schaffen. Ich nahm die trächtigen Muttertiere mit beiden Händen und setzte sie behutsam in eine andere Box. Das war allerdings nicht gut, weil ich dadurch zu langsam war. Meine Kollegen sagten mir, ich solle die Tiere so schnell wie möglich packen. Sie packten drei Meerschweinchen mit einer Hand und warfen sie in die Boxen. Diese schrien.


So ging es also eher darum, den Transport vorzubereiten, als sich um die Tiere zu kümmern. Und dabei war das erst der Anfang deiner Arbeit.

Ich war am Boden zerstört. „Weshalb weinst Du?” fragte ein Kollege. „Ich finde es abscheulich, was hier passiert!” entgegnete ich. „Aber das ist vollkommen normal. So machen wir das immer” sagte er. Ich konnte nicht glauben, was ich da hörte!


Du hast trotzdem weitergemacht. Was war deine schlimmste Erfahrung?

An den Wochenenden gab es kaum Personal. Sie fütterten die Tiere ein oder zwei Mal und schauten nach, ob sie genug Wasser hatten. Wenn ich montags wieder kam, war da dieser überwältigende Ammoniakgestank. Die Boxen waren voll mit Exkrementen und Urin. Alle Tiere waren schmutzig und stanken. Ich musste die toten Tiere aus den Boxen holen; unter ihnen waren auch junge Babies und trächtige Muttertiere. Jeden Tag starben viele Tiere. Aber besonders übers Wochenende. Das war das Schlimmste. Ich musste alles sauber machen. Ich weinte die ganze Zeit, als ich die toten Tiere in den Müll werfen musste. Es ist einfach furchtbar. Ich hatte Albträume von dem, was ich dort sah und erlebte. Die Tiere nagten sich gegenseitig an, Muttertiere bissen ihre Babies zu Tode. Sie bissen die Köpfe anderer Tiere ab oder man fand einzelne Pfoten, die abgerissen waren oder sogar Tiere, die vollständig zerfetzt waren. Der ständige Stress veranlasste diese Tiere, ihre eigenen Kinder zu fressen.


Wie viele Meerschweinchen werden bei Harlan in Horst gehalten?

Die Meerschweinchen befinden sich in Plastikboxen, die in riesigen Regalen stehen; sechs Reihen übereinander. Wir sprechen hier von mindesten 10.000 Tieren.


Hast Du auch mit anderen Tieren gearbeitet?

Ich habe kurz in der Abteilung für Kaninchen gearbeitet. Dort hielten sie 400. Die Tiere waren in Stahlkäfigen ohne Stroh. Die Käfige standen einer über dem anderen. Fäkalien fielen also auf das Tier im Käfig darunter. Hier sah ich eine Frau, die mit einigen Kaninchen sehr beschäftigt war. Ich fragte sie, was sie zu tun habe. Sie entgegnete, dass sie den Tieren Blut abnehme. Sie nahm eine große Injektionsnadel und stach es direkt durch ins Herz eines der Tiere. Ohne Betäubung, direkt in seinen kleinen Körper, mitten ins Herz. „Warum?!” fragte ich. „Kann man das nicht auch an einer der Arterien machen?” Meine Kollegin antwortete „Die Blutprobe muss ausdrücklich direkt aus dem Herzen stammen”. Diese Leute hatten damit kein Problem, sie waren so kalt und unbarmherzig geworden.


Waren die Tiere in einem guten gesundheitlichen Zustand?

Nein. Es gab auch kranke Tiere. Kranke Kaninchen wurden separat von den anderen gehalten. Ich musste Boxen vorbereiten, diese mit Stroh auslegen und den Tieren etwas zu Essen und irgendein Flüssigkeitsgel zum Trinken geben. Die kranken Tiere wurden letztendlich nach England geschickt. Kranke Meerschweinchen wurden dem Siechtod überlassen und anschließend in Müllbehältern entsorgt.


Warum hast Du aufgehört?

Ich habe dort 4 bis 5 Wochen gearbeitet. Ich konnte es einfach nicht länger ertragen. Es hat mich innerlich zerrissen. Ich konnte nachts nicht schlafen. Zu Hause habe ich geweint. Letztendlich hat mein Mann die Entscheidung für mich getroffen. „Du bist weit entfernt von solchen Menschen, um so eine Arbeit zu machen” sagte er. Wie sie die Tiere behandelten. Wie sie die Häschen an ihren Ohren packten und sie zum Transport in die Vivisektionslabore verpackten, das ist unannehmbar.

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