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20.01.2009

Heimtiere

Heimtiere


Ausgangslage

Als Heimtiere gelten Tiere, die nicht aus wirtschaftlichem Interesse, sondern aus purer Freude oder als Gefährten im Haushalt gehalten werden. Oft werden sie als Familienmitglieder, Partner, Therapeuten und mancherorts gar als Kinderersatz empfunden, womit sie auch soziale Bedürfnisse befriedigen. Mehr als 50 Prozent der Schweizer Haushalte beherbergen Heimtiere. Tierschutzrelevante Fragen ergeben sich insbesondere aus dem Umstand, dass Heimtiere im Eigentum des Menschen stehen und innerhalb gewisser minimaler Schranken nach Belieben mit ihnen umgegangen werden kann. Durch diese Rechtslage sind in menschlicher Obhut stehende Tiere einer gewissen Ausbeutungsgefahr ausgesetzt.


Idealbild der Stiftung für das Tier im Recht

Tiere haben Bedürfnisse, denen es kompromisslos gerecht zu werden gilt. Ihre artgerechte Haltung ist daher äusserst anspruchsvoll. Gelingt es nicht, Tiere in menschlicher Obhut art- und tiergerecht unterzubringen, so muss auf die Haltung gänzlich verzichtet werden. Diese Überzeugung resultiert aus folgenden Überlegungen:

Tiere sind Lebewesen mit selbständigem Existenzzweck, ihre alleinige Instrumentalisierung für die Interessen des Menschen entbehrt jeglicher ethischer Grundlage.

Viele Menschen hegen eine instinktive emotionale Beziehung zu Tieren, selbst wenn sie ohne Umgang mit ihnen aufgewachsen sind. Sie empfinden Mitgefühl, wenn sie Tiere leiden sehen. Nicht selten äussert sich dieses Mitleid in körperlichen Reaktionen wie Schlaf- oder Essstörungen. Mitunter können aber auch psychische Depressionen und Hassgefühle bis hin zur Misanthropie schwerwiegende Folgen sein.

Weitgehend unbestritten ist heute die Ansicht, dass in beachtlich vielen Fällen ein Zusammenhang zwischen Gewalt an Menschen und Gewalt an Tieren besteht. Schwere Tierquälereien bilden nicht selten die Vorstufe zu Gewaltdelikten gegen Menschen, was den Verdacht erhärtet, dass Rohheit gegen Tiere natürliche Hemmschwellen abbaut.

Kurzfristig realisierbare Forderungen

Nicht jeder Mensch hat eine persönliche Beziehung zu Tieren. Dies hängt in der Regel vom erzieherischen und sozialen Umfeld ab, kann aber beispielsweise auch in einer persönlichen Abneigung gegen Heimtiere oder einer Tierhaarallergie gründen. Die angestrebte Verbesserung der Mensch-Tier-Beziehung hat nicht zum Ziel, jedem Menschen einen emotionalen Bezug zu Tieren aufzuzwingen, sondern möchte das Verständnis für die tierlichen Bedürfnisse und Anliegen auch bei Nicht-Tierliebhabern fördern. In diesem Sinne wollen folgende Forderungen verstanden werden:

Soziale, pädagogische und therapeutische Wirkungen von Heimtieren auf das körperliche und seelische Wohlbefinden ihrer Halter sind heute unbestritten. Das Halten von Tieren entspricht offenbar einem tiefen menschlichen Bedürfnis und soll daher in Wohnräumen nur aus wichtigen Gründen – namentlich bei unzumutbaren Belästigungen Dritter oder einer nicht tiergerechten Haltung – untersagt werden dürfen.

Hobby-Tierhaltern fehlt mangels vorgeschriebener Ausbildung für den Umgang mit Tieren oft das Bewusstsein für eine artgerechte Haltung ihrer Schützlinge. Viele Tierschutzverstösse, die aus Haltungsfehlern resultieren, sind Folge von Unwissenheit. TierärztInnen, Züchtern, Tierheimen und Zoofachgeschäften kommt daher die Aufgabe zu, Tierhalter entsprechend auf die Bedürfnisse ihrer Tiere aufmerksam zu machen. Dabei soll nicht das gesetzliche Minimum als Massstab gelten, sondern die dem Wohlbefinden des Tieres am besten entsprechende Haltungsform.

Tiere, die sich im Privatbereich des Halters aufhalten, entziehen sich weitgehend einer behördlichen Überwachung. Kontrollfunktion kommt daher in diesem Bereich vermehrt Privatpersonen (Familienmitgliedern, Nachbarn, Passanten) zu. Unverzichtbar ist hierfür die Sensibilisierung der Bevölkerung, allfällige Tiermisshandlungen ernst zu nehmen und der Polizei, den Veterinärbehörden oder einem Tierschutzverein zu melden. Praktische und rechtliche Aspekte des Tierschutzes müssen von Polizei- und Verwaltungsbehörden im Übrigen dringend besser wahrgenommen und in deren Ausbildung integriert werden.

Tierheime erfüllen eine sehr wichtige Aufgabe in unserer Gesellschaft, indem sie dafür sorgen, dass der gesellschaftliche "Ausschuss" resozialisiert werden kann. Viele kleinere Tierheime kämpfen mit finanziellen Problemen. Die dringend erforderliche Unterstützung dieser wichtigen Einrichtungen könnte etwa durch einen Beitrag aus den Einnahmen der obligatorischen Hundesteuer sichergestellt werden.

Unhaltbare Zustände in Haltung und Aufzucht von Rassetieren sind keine Seltenheit und selbst Defektzuchten auch unter anerkannten Züchtern noch immer weit verbreitet. Es gilt, Zuchtverbände, Züchter, Tierärzte, den Zoofachhandel, Preisrichter und die einzelnen Heimtierhalter zu einem Umdenken zu bewegen. Als Zuchtziele müssen Gesundheit und Charakter der Tiere oberste Priorität zukommen. Die Tötung überzähliger oder den Rassestandards nicht entsprechender Tiere ist nicht zu tolerieren und gehört verboten. Entsprechende spezifische Artikel im Tierschutzgesetz bzw. dessen Verordnung könnten Unklarheiten ausräumen.

Exotische Tiere als Heimtiere begründen einen bedeutenden Problembereich. Starke Platzbegrenzung, enorme finanzielle Aufwände, mangelnde Fachkenntnisse sowie kurzlebige Modeerscheinungen sind mögliche Gründe für die oft armseligen Verhältnisse, in denen exotische Tiere als Heimtiere zu leben haben. Hier müssen daher besonders strenge Regeln an Einfuhr, Zucht und Haltung sowie die Kontrolle gestellt werden.

Tier-Therapien erfreuen sich grosser Beliebtheit und können ein geeignetes Mittel zur Behebung oder Minimierung physischen und psychischen menschlichen Leidens darstellen. Es ist allerdings auch auf die Bedürfnisse der tierlichen Therapeuten zu achten. Damit eine Übernutzung der Tiere verhindert werden kann und somit nicht zu psychischem Leiden des einzelnen Tieres führt, sollten tierunterstützte Therapien nur unter Aufsicht tierschutzmässig ausgebildeter Fachleute durchgeführt werden.

Antworten auf gängige Argumente von Kritikern unserer Postulate

Den Tieren geht es hierzulande besser als unzähligen Menschen in anderen Teilen der Welt. Man sollte besser zwischenmenschliche Beziehungen fördern.

Dass unzählige Menschen in anderen Ländern tatsächlich unter unwürdigen Bedingungen leben müssen, ist keine Rechtfertigung für die Schlechtbehandlung von Tieren hierzulande. Auch wenn der Hilfe für notleidende Menschen – hier oder andernorts – Priorität zukommt, darf der Tierschutz nicht ausser Acht gelassen werden. Schicksal von Mensch und Tier sind eng miteinander verknüpft. Eine Verbesserung der Mensch-Tier-Beziehung kann der Beziehung unter Menschen und dem Wohl der Gesellschaft somit nur förderlich sein.

Tierschutzgesetze schränken wichtige Grundrechte wie die persönliche Freiheit (Verfügungsfreiheit), Wirtschaftsfreiheit, Religionsfreiheit etc. massiv ein. Diese Grundrechte sind über den Tierschutz zu stellen.

Tierschutzvorschriften und andere Normen sind dazu da, menschliches Verhalten innerhalb einer Gesellschaft in gewisse Bahnen zu lenken. Sie schränken Grundrechte und insbesondere die persönliche Freiheit zwingendermassen ein. Würde man alle Grundrechte uneingeschränkt gelten lassen, käme dies im Endeffekt einer Anarchie gleich. Einschränkungen von Grund- und anderen Rechten dienen der Freiheit anderer Individuen und ermöglichen es diesen erst, ihre Rechte auszuüben. Tieren werden heute zu Recht gewisse Interessen und Ansprüche zugestanden, die es mittels Einschränkungen anderer Rechte zu schützen gilt.

Man kann die Tierliebe auch übertreiben. Übervolle Tierheime beispielsweise sind teuer – besser wäre es, man würde diese Tiere einschläfern.

Hier stellt sich die generelle Tötungsfrage: ist es legitim, Tieren das höchste Gut – ihr Leben – zu nehmen? Auch unter dem Aspekt der Mensch-Tier-Beziehung ist diese Frage von höchster Relevanz. Mit der Entscheidung zur Tötung sämtlicher "im Wege stehender" Tiere lösen wir nicht die ursächlichen Probleme, sondern betreiben Symptombekämpfung. Hinzu kommt, dass monetäre Interessen nicht allein ausschlaggebend sein dürfen, wenn es um die Wertschätzung von Leben geht. Im Übrigen droht die Gefahr, allfällige Probleme aus Bequemlichkeit durch Tötung aus der Welt zu schaffen. Solche Leichtfertigkeiten können auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen zur Gefahr werden.

Kampfhunde gefährden unsere Kinder. Es sollten endlich Massnahmen wie Maulkorb- und Leinenzwang ergriffen werden.

Als so genannte Kampfhunde werden im Volksmund besonders aggressive Hunde, oftmals mit bestimmter Rassezugehörigkeit, bezeichnet. Dass solche Hunde zwar hohe Ansprüche an Umgang und Erziehung stellen, nicht aber per se gefährlich sind, ist bekannt. Ein gewisses Gefahrenpotential ist grundsätzlich bei jeder (grösseren) Hunderasse vorhanden. Ein genereller Maulkorb- und Leinenzwang stellt indessen keine geeignete Lösung dar, sondern fördert im Gegenteil aggressives Verhalten. Vielmehr sollte von Hundezüchtern und –haltern die Verantwortung wahrgenommen und eine entsprechende Ausbildung absolviert werden. Denkbar wäre eine Verpflichtung für Hundehalter, ab einer bestimmten Grösse des Hundes entsprechende Erziehungskurse zu absolvieren.

Im Normalfall werden die Tierschutzvorschriften eingehalten. Dennoch versuchen Tierschützer immer schärfere Bestimmungen im Gesetz zu verankern. Wozu?

Die Vorgaben von Tierschutzgesetz und -verordnung entsprechen auch im Heimtierbereich überwiegend nur gerade minimalen Haltungsanforderungen und stellen oft die Grenze zur Tierquälerei dar. Dieser Tatsache sind sich viele Halter nicht bewusst. Zudem bestehen viele Unklarheiten in Bezug auf Haltung von und Umgang mit einzelnen Tierarten. Beispielsweise bestehen in der Fachwelt einige Uneinigkeiten im Bereich der Meerschweinchenhaltung, weil diese kaum ausreichend gesetzlich definiert ist. Solche Unklarheiten gilt es unverzüglich aus dem Weg zu schaffen.
[Fassung vom 9.8.2005]

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