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15.01.2009

Hintergründe zum Naturschutz

Hintergründe zum Naturschutz

Das Copyrightrecht dieses Artikels liegt bei www.tierschutz-schattenseiten.com und www.animal-care-service.de , wir möchten uns an dieser Stelle für die freundliche Unterstützung in Sachen Tierschutz bedanken und auf die Seiten verweisen.

Natur kennt keine Grenzen. Wälder, Seen oder Korallenriffe nehmen keine Rücksicht auf Staaten, Zoll oder Reisepässe. Ein Fluss durchquert Länder ungeachtet politischer Grenzen, verschiedener Wirtschaftssysteme, unterschiedlicher Sprachen und Kulturen. Er macht auch nicht Halt vor dem Ordnungsdrang des. Menschen, der auf der Landkarte die Landschaft klassifiziert, benennt, systematisiert, katalogisiert und in Teile trennt.

Selbst wenn die Natur, die uns umgibt, bis heute im Großen und Ganzen überlebt hat, so leidet sie doch sehr unter der menschlichen Aktivität - manche Pflanzen und Tiere sind gar vom Aussterben bedroht. Zwar bleibt der Lauf eines Flusses unbeeinflusst von Grenzübergängen, doch Staudämme, Kanalisierungen, Begradigungen und die - ausgelöst durch den Klimawandel - immer häufigeren Dürreperioden beeinflussen ihn sehr wohl. Das Wachstum eines Waldes kennt keine Landesgrenzen, doch Waldbrände oder unkontrollierte Abholzungen zur Gewinnung neuer Flächen für die Landwirtschaft reduzieren seinen Umfang drastisch. Zahlreiche Tierarten können sich nicht mehr frei in ihrem natürlichen und gänzlich staatenlosen Habitat bewegen und sind daher gezwungen, in den wenigen verbleibenden natürlichen Lebensräumen oder innerhalb von gut geschützten Naturparks oder Reservaten der jeweiligen Länder zu leben.

Die Erde hat Musik für die, die zuhören", schrieb William Shakespeare. Heutzutage scheint diese Harmonie aus dem Zusammenspiel verschiedener und sich ständig wandelnder Komponenten - vergleichbar den beinahe unendlichen Klangvariationen eines Instruments - sich in eine schwache Hintergrundmelodie ve~..1- -.e, zu haben. Wir hören sie kaum mehr oder wollen sie nicht mehr wahrnehmen. Stattdessen haben wir uns mit Landschaften abgefunden, die immer eintöniger werden. Wir leben in Städten, deren Flächen verplant und zubetoniert sind, und empfinden diese Kunstlandschaft sogar als beruhigend - aufregende Erfahrungen suchen wir im Internet. Ganz offensichtlich ist sich der Mensch der physischen Präsenz der Natur und ihrer Schätze nicht mehr bewusst.

Es ist ein beunruhigender Gedanke, in welch ungeheurem Maße sich die Menschheit bis heute vermehrt hat. Wir leben auf einer Erde mit begrenzten natürlichen Ressourcen. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts betrug die Weltbevölkerung 1,6 Milliarden Menschen, am Ende des Jahrhunderts zählte sie bereits mehr als 6 Milliarden, heute leben mehr als 6,5 Milliarden Menschen auf der Erde. Nach Schätzungen des Population Prospect der Vereinten Nationen werden es im Jahre 2050 mit großer Wahrscheinlichkeit 9,2 Milliarden Menschen sein. Man kann doch nicht ernsthaft glauben, dass die Entscheidungen, die Taten, oder einfach nur die Existenz einer solchen �Unmenge" ohne Auswirkungen auf das Gleichgewicht dieses Planeten bleibt.

Das Aussterben von Arten hat die Evolution des Lebens auf der Erde stets als dunkler Schatten begleitet. Erst in jüngster Zeit jedoch hat sich dieser Prozess zusammen mit dem rasanten Schrumpfen der Lebensräume exponentiell verstärkt. John H. Lawton und Robert M. May, Wissenschaftler an der Oxford University, gehen davon aus, dass das Verschwinden von weit über 99 Prozent der in der Neuzeit ausgestorbenen Arten auf menschlichen Einfluss zurückzuführen ist. Dieser kann vielfältige Formen annehmen:

Er beginnt mit der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen durch eine intensive Landwirtschaft und führt über den Ausbau der Industrie und der Kommunikationsinfrastrukturen bis zu solchen Vorgängen, die sich urmittelbar auf die Umwelt auswirken und bereits in der Vergangenheit ausgewirkt haben, wie beispielsweise der Ausstoß von Gift- und Schadstoffen und der Anstieg des C02-Gehalts in der Atmosphäre, der erheblich zum Klimawandel beiträgt. Diese Faktoren reduzieren die biologische Vielfalt nicht nur unmittelbar, sondern belasten die Ökosysteme auch mittelbar, indem sie ihr Abwehr- und Reaktionsvermögen schwächen. In letzter Konsequenz sind sämtliche Umwelt- und Evolutionsprozesse bedroht. Die Einfuhr von Allochtonen, das heißt in einem Ökosystem fremden Tier- oder Pflanzenarten schwächt de betroffenen Ökosysteme weiter. Dieser �Import" geschieht vielfach ganz bewusst aus kommerziellen Grinden, häufig aber auch unbewusst im Zuge des Welt umspannenden Reise- und Transportverkehrs. h vielen Fällen werden die Ökosysteme dadurch schwerwiegend verändert: Die plötzlich eingedrungenen neuen Arten, wie Raubtiere oder Parasiten, an die sich heimische Arten nicht anpassen können, führen gehr häufig zu einer drastischen Verminderung bestimmter heimischer Arten, einer Ausdünnung oder ein Bruch der Nahrungsketten und zu einem anfangs langsamen, aber unumkehrbaren Verlust der biobgischen Vielfalt. Damit ist vielfach das Todesurteil für ganze Tier- und Pflanzenarten gesprochen - und gegen dieses Urteil gibt es keine Revision.

Ein weiteres gefährliches und immer häufiger auftretendes Phänomen ist der Verlust der Ausbreitungsräume für Tier- und Pflanzenarten. Die Arten unterliegen einem schleichenden Prozess der Zersplitterung im Lebensräume, werden isoliert und spalten sich in unbeständige und schwächere Unterarten auf. Der Vierlust und die Isolation der Habitate gehören zu den Hauptfolgen des rasanten menschlichen Bevöiken,ngszuwrachses und Infrastrukturausbaus. Die natürlichen Lebensräume wandeln sich zunehmend zu von Menschen beherrschten Räumen, die lediglich kommerziellen Zwecken dienen. Im Übrigen wirkt sich das Umwandeln von natürlichen Landschaften in Industriemetropolen auch negativ auf den Menschen aus, denn das konsumorientierte westliche Entwicklungsmodell scheint nicht mehr zu funktionieren. Zum jetzigen Zeitpunkt entnehmen die Wirtschaftssysteme und die Gesellschaft viel mehr aus den Ressourcen als die Ökosysteme nachliefern können. Darüber hinaus ist die Zufuhr an umweltverschmutzenden Stoffen viel höher als die Menge, die von der Umwelt noch gefahrlos aufgenommen und umgewandelt werden könnte. Die Spuren, die der Mensch in der Umwelt hinterlässt, sind überaus gravierend, wenn man bedenkt, dass er mehr als zwanzig Prozent - in Gebieten wie Westeuropa, Nordamerika und Mittel- und Südasien sogar bis zu siebzig Prozent - der von den Ökosystemen bereitgestellten Energie verbraucht. Die .primäre Prodüctivität' - die Sorrxenenergie -. die durch Photosynthese organische Stoffe entstehen NSt, muss veriix,tar sein, um die StabiRät und l~rmer9ei'u der Natw~etten - Pflanzen, Pflanzenkesser. Reischiresser. Saprophyferx und ar~de~e - zu ge+~trieesien. zu denen der Mensch eberfais gehört und auf de er n0t renxMen 1vm Haft wohnen wir jedoch dem traurigen Schauspiel bei, dass die menschliche Gesellschaft, und zwar fast ausschließlich ihr reicher Teil, in schwindelerregend ansteigender Tendenz Ressourcen verbraucht, und damit dem Rest der Welt das Überleben erschwert. Es ist eine schwierige, aber notwendige Aufgabe, auf diesem leichtsinnig eingeschlagenen Weg umzukehren. Die Frauen und Männer des dritten Jahrtausends werden sie mit Bescheidenheit und Entschlossenheit bewältigen müssen.

2002 fand in Johannesburg der Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung statt. Dort bestand Gelegenheit, über den Kurs nachzudenken, den die internationale Gemeinschaft eingeschlagen hat, und zu versuchen, sich den durch Armut und wachsende Ressourcenknappheit bestehenden Herausforderungen zu stellen. Die Regierungen der Welt verabschiedeten einen Aktionsplan, der den Umweltschutz in Einklang mit wirtschaftlichen und sozialen Zielen bringen soll. Bis 2010 - so die Zielsetzung des Plans - sollen die Zerstörungsrate der biologischen Vielfalt auf unserem Planeten in beträchtlichem Maße reduziert und die Lebensbedingungen der Entwicklungsländer verbessert werden. Ziel des Treffens in Johannesburg war es also, die 1993 verabschiedete Biodiversitätskonvention von Rio in die Tat umzusetzen, die in diesem Sinne zum zentralen Instrument der Umsetzung konkreter Schritte in Richtung eines umweltverträglichen Agierens des Menschen auf der Erde wird. Ausgehend von diesen Bemerkungen und der Tatsache, dass die wirtschaftlichen Ressourcen und die Interventionsmöglichkeiten zum Erhalt der biologischen Vielfalt beschränkt sind, hat der WWF International ein großes und ambitioniertes Projekt ins Leben gerufen: die Anwendung von Strategien zum Schutz der Ökosysteme (ERBC - ecoregion-based conservation), um in jeder Hinsicht �eine neue Mentalität", eine neue Denk- und Handlungsweise zu propagieren.

Die Natur selbst soll zum wichtigsten Schauplatz für Interventionen zum Schutz der Natur werden. Natur überschreitet die Grenzen eines einzelnen Landes und erstreckt sich über ein breiter gefasstes geografisches, politisches und gesellschaftliches Feld. Es entsteht somit das Konzept der Ökoregion, einer neuen unpolitischen territorialen Einheit, auf die im folgenden Kapitel näher eingegangen wird.

An zweiter Stelle möchte man eine "proaktive" und nicht ausschließlich �reaktive" Strategie entwickeln: Wir müssen bereits handeln, bevor der Verfall der Umwelt einen Punkt erreicht, an dem jeglicher Eingriff sinnlos wäre. Schließlich muss der Wunsch, die biologische Vielfalt zu bewahren, einen höheren Stellenwert im materiellen Leben aller Gesellschaftsschichten einnehmen. Die Natur darf nicht länger nur eine Sache der Naturschützer sein, sondern gehört auf die Tagesordnung von Politikern, Wirtschaftsexperten, Nachrichtenagenturen, des Bildungswesens und der Arbeitswelt. Die Beteiligung von Menschen aus so unterschiedlichen Welten erfordert beträchtliche kulturelle Bemühungen, sowohl bei der Planung als auch bei der Umsetzung, insbesondere dann, wenn die einzelnen Etappen und wichtigen Ziele dieses bedeutenden Weges noch nicht deutlich zu erkennen sind.

Ein internationales Team von Wissenschaftlern, das vom VWVF koordiniert wird, hat Gebiete der Erde ausfindig gemacht, die sich durch einen großen Reichtum an Lebewesen auszeichnen. Orte, an denen Evolutionsvorgänge bis größte biologische Vielfalt und Anpassung hervorgebracht haben, wie zum Beispiel der Regenwald, die Korallenriffe, die Mündungsgebiete von Flüssen und die Wüsten. Aus diesen Gebieten wurden die wichtigsten Lebensräume bestimmt, die sofortigen Schutz benötigen. 238 Ökoregionen wurden schließlich unter dem Namen Global 200 zusammengefasst. Sie sind in Wälder, Meere und Süßwassergebiete aufgeteilt und umfassen neunzig Prozent der weltweiten biologischen Vielfalt. Wir möchten unseren Lesern eine repräsentative Auswahl von Ökoregionen vorstellen, um sie anhand herausragender Beispiele in die Welt der biologischen Vielfalt einzuführen. So entstand dieser Band, der aus 28 Kapiteln besteht und 53 Ökoregionen vorstellt. In einigen Fällen handelt es sich um Gebiete mit einer sehr hohen Artenvielfalt, andere sind Wüstenlandschaften mit nur wenigen und vereinzelten Lebewesen, denn biologische Vielfalt bedeutet nicht zwangsläufig auch eine große Dichte an Organismen.

Biologische Vielfalt ist die Gabe der Natur, jedes Gebiet der Erde mit Leben zu füllen und dabei - dank der Evolution und der Fähigkeit zur Anpassung - die Energieströme bestmöglich zu nutzen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es zahlreiche oder nur wenige Arten gibt. Wir müssen lernen zu begreifen, dass ein Sonnenstrahl, ein Regentropfen, ein Keim organischen Materials genügt, damit sich das Leben so entfaltet, wie der Zufall und die Zeit es erlauben. Mit dem vorliegenden Buch wird versucht, diese Idee zu vermitteln. In manchen Fällen beschäftigt sich ein Kapitel mit einer einzigen Ökoregion, in anderen, wie beim Beispiel Patagonien, umfasst die Beschreibung mehrere Ökoregionen. Dies hängt von der Größe oder der Vielgestaltigkeit eines Gebiets ab, oder aber von anderen Faktoren, etwa der Anzahl seltener Arten oder der Gesamtheit der zur Verfügung stehenden Informationen. Gerade dieser letzte Punkt sollte zum Nachdenken anregen: Oftmals ist es schwer, über bestimmte Gebiete zu berichten, weil der wissenschaftliche Forschungsstand noch lückenhaft ist. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Informationen im Überfluss verfügbar zu sein scheinen. Da sie allen ohne großen Aufwand zugänglich sind, glauben wir, dass es einfach und unkompliziert sei, dieses. Wissen pur Vierfügung zu stellen. In Wirklichkeit steht jedoch hinter jedem Bild und dem Wissen über jeden Organisrrxus ein engagiertes Team von Frauen und Männern, das mit Leidenschaft, Geduld und Kompetenz dDie hforrnationen, die auch für die Entstehung dieses Bandes von zentraler Bedeutung waren, gesammelt und gedeutet hat. Der Leitgedanke bei der Auswahl dieser Gebiete und Ökoregionen war eine Vorstellung davon, was Vielfalt bedeuten kann. Wir müssen lernen zu erkennen, dass "anders sein" - als Wertvorstellung und als biologisches und ästhetisches Prinzip - ein Antriebsmotor des Lebens und eines der Mittel ist, das uns vor kultureller Gleichmacherei schützt und bewahrt. Nur mit dieser Perspektive kann es gelingen, dass wir in der Zukunft die Natur nicht nur auf den Seiten eines Buches oder im Internet dokumentiert betrachten können.

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