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23.01.2009

Honig: von Bienen aus der Massenzucht

Honig: von Bienen aus der Massenzucht
Stand: Januar 2008

Oft wird man ungläubig angeschaut, wenn man sagt, man esse keinen Honig. Denn was ist schon falsch an Honig? Er kommt doch von Bienen, die friedlich über Wiesen und Felder schwirren und dabei quasi nebenher Nektar einsammeln und mühelos Honig produzieren. Doch so idyllisch ist das Leben von Biene Majas Schwestern leider nicht. Aufgrund von Krankheiten, Pestiziden und dem Klimawandel ist der Bestand schon enorm zurückgegangen. Da aber die Nachfrage nach Honig und anderen Produkten weiterhin sehr hoch ist, werden diese winzigen Tiere, genau wie Hühner, Schweine und Kühe, in der Massenzucht gehalten und benutzt.


Das komplexe Leben der Bienen

Ein Bienenstock besteht aus zehntausenden Bienen. Jede von ihnen hat eine ganz eigene Aufgabe, abhängig vom Geschlecht des Tieres, des Alters und der Jahreszeit. Normalerweise hat jeder Bienenstock eine Königin, tausende Arbeiterinnen und hunderte von männlichen Drohnen. Die Königin kann bis zu 6 Jahre alt werden, während die Lebenserwartungen der anderen Bienen von mehreren Wochen bis hin zu sechs Monaten reicht. Arbeiterbienen sind für die Fütterung der Brut zuständig; außerdem kümmern sie sich um die Königin, bauen Waben, gehen auf die Suche nach Futtermitteln wie Nektar und Pollen und säubern, belüften und bewachen den Stock. Die Drohnen dienen der Königin, die für die Reproduktion zuständig ist. An einem Tag kann sie bis zu 2000 Eier legen – und bis zu 2 Million in ihrem ganzen Leben. Wird eine neue Königin geboren, verlassen die alte Königin und die Hälfte der restlichen Bienen des Stocks ihr altes Zuhause und richten sich an einem neuen Ort, den Arbeiterbienen vorher gefunden haben, ein. Sobald die Temperaturen im Winter zu fallen beginnen, scharen sich die Bienen um die Königin und nutzen so ihre Körperwärme, um die Temperatur im Stock konstant bei ca. 35° Celsius zu halten (1).


Eine ganz eigene Sprache

Bienen haben eine einzigartige und komplexe Form der Kommunikation, die auf Sicht, Bewegung und Geruch basiert und die Wissenschaftler und Fachleute noch immer nicht vollkommen verstehen. Bienen informieren andere Mitglieder des Bienenstocks über Futter, neue Stockansiedlungen und andere Vorkommnisse innerhalb des Stocks (wie z.B. die Nektarversorgung) mit Hilfe von komplexen „Tanzbewegungen“. Studien haben bewiesen, dass Bienen in der Lage sind, abstrakt zu denken, ihre Familienmitglieder von anderen Bienen im Stock zu unterscheiden, visuelle Einprägungen während ihrer Reisen zu nutzen und vorher entdeckte Futterquellen wieder zu finden, auch wenn der Bienenstock an einen anderen Ort verlegt wurde. Genau wie bei Menschen ein Geruch eine bestimmte Erinnerung hervorrufen kann, können auch Bienen ihren Geruchssinn dazu verwenden, Erinnerungen an Futterplätze wieder aufzufrischen und haben einen Zeitsinn (1, 2).


Die Bienen und ihr Honig

Pflanzen produzieren Nektar, um Bestäuber (Bienen, Schmetterlinge, Fledermäuse und andere Säugetiere) anzuziehen, die für eine erfolgreiche Reproduktion der Pflanze notwendig sind. Die Bedeutung der Bienen in dieser Hinsicht ist heute wohl unbestritten. Fast pausenlos schwärmen die Bienen eines Volkes aus und bringen es am Tag auf etwa 40 Millionen Blüten. Denn die Bienen benötigen wiederum Pollen und Nektar, um ihr Volk am Leben zu erhalten. Da Nektar viel Wasser enthält, müssen Bienen arbeiten, um ihn auszutrocknen. Außerdem fügen sie ihm körpereigene Enzyme zu, um den Honig in Futter zu verwandeln und zu verhindern, dass er schlecht wird (3).


Honigbienen sind im Bestäuben nicht so erfolgreich wie wilde Bienen

Ungefähr einer von drei Bissen, den ein Mensch an Nahrung zu sich nimmt, wird durch den Einsatz von Bestäubern ermöglicht – Insekten, Vögel und Säugetiere bestäuben ca. 75% aller Anbaupflanzen. Industrielle Bienenzüchter wollen den Konsumenten glauben machen, dass Honig nur ein Nebenprodukt der notwendigen Bestäubung durch Honigbienen ist. Diese sind jedoch dabei nicht so erfolgreich wie ihre wilden Verwandten (z.B. die Hummel oder andere Wildbienen). Wilde Bienen sind im Frühling, mit Männchen und Weibchen, aktiv. Außerdem sind sie weniger anfällig für Krankheiten. Jedoch halten die meisten wilden Bienenarten bis zu 11 Monate im Jahr Winterschlaf und leben nicht in großen Kolonien. Deshalb produzieren sie nur geringe Mengen an Honig, die es, bedenkt man den Aufwand, nicht wert wären, sie ihnen wegzunehmen. Obwohl wilde Bienen also erfolgreicher in der Bestäubung sind, verlassen sich Imker weiterhin auf Honigbienen aus der Massenzucht zur Bestäubung, um der Honigindustrie den enormen Ausstoß an Honig zu gewährleisten (4).


Manipulieren der Natur

Um aus Honig Profit zu schlagen, müssen die Bemühungen der Insekten, zu leben und den Bienenstock zu beschützen, manipuliert und ausgebeutet werden. Daher sind Honigbienen, genau wie andere Tierarten in der Massenzucht, Opfer von unnatürlichen Lebensbedingungen, genetischer Manipulation und stressvollen Transporten. Die so genannten Magazine dienen als künstlicher Bienenstock. Es sind Kästen mit bis zu vier Stockwerken, die an einer Seite zu öffnen sind und einen leicht zugänglichen „Honigraum“ haben. Sie wurden entwickelt, um es Imkern zu ermöglichen, den Stock von Ort zu Ort zu bringen und so wirtschaftlich Honig zu erhalten (3). Die New York Times schrieb, dass Bienen von „ihrer eigenen Geometrie angepassten Stöcken, in Wohnblöcke mit Flachdach verbannt wurden, um dort ein Leben wie im Aktenschrank zu verbringen.“(5)

Da das „Ausschwärmen” (die Aufteilung der Stockbewohner mit der Geburt einer neuen Königin) zu einer geringeren Honigproduktion führen kann, tun Imker alles ihnen mögliche, um das zu verhindern. Beispielsweise werden die Flügel der neuen Königin gekürzt, eine ältere Königin nach nur ein oder zwei Jahren umgebracht und durch eine neue ersetzt oder eine Königin eingesperrt, die beginnt zu schwärmen. Königinnen werden sogar künstlich befruchtet; dabei werden Drohnen benutzt, die während des Prozesses sterben müssen. Kommerzielle Imker täuschen die Königin auch, mehr Eier zu legen, indem sie Wachszellen in den Stock geben, die größer als die sind, die Arbeiterbienen normalerweise bauen würden (5, 6).

Deutsche Imker beklagen immer wieder einen Befall durch die Varroa-Milbe, die dank Wabentausch und lebhaftem Handel mit Bienenvölkern und Königinnen innerhalb von zwei Jahrzehnten fast ganz Europa erobern konnte. Dies hat vernichtende Folgen für die Bienenvölker. Jedoch geschieht in jüngster Vergangenheit etwas, für das Wissenschaftler noch immer keine Erklärung haben: Das größte Bienensterben seit Menschengedenken, als Colony Collapse Disorder (CCD), also Bienenvolk-Kollaps, bezeichnet, begann in den USA und bedroht nun auch Europas Bienen. Das merkwürdigste ist, dass die Tiere scheinbar spurlos verschwinden. Vermutlich kommt vieles zusammen: die Varroa-Milbe, das Kaschmir-Virus, unsachgemäßer Umgang der Imker mit Parasiten und Bienen, Monokulturen, Pestizide, schlechte Wasser- und Futterqualität. Denn die von den Imkern bereitgestellte, künstliche Ersatznahrung (normalerweise würden die Bienen ja den Honig essen), macht die Tiere anfällig für Krankheiten und Angriffe anderer Insekten. Außerdem sind Bienen genetisch sensibel und nicht sehr widerstandsfähig, was durch entsprechende Zucht oder gar Inzucht noch verschlechtert wurde. Dieses schwerwiegende Ereignis zeigt auch klar auf, dass es kein natürliches Gleichgewicht mehr gibt, denn dieses hat der Mensch schon längst in egoistischer Weise zerstört. Die Ausbeutung der Tiere rächt sich, ein Umdenken ist längst überfällig (7, 8, 9, 10).


Was Sie tun können

Vermeiden Sie Honig, Bienenwachs und andere Produkte, die von Bienen stammen. Es gibt bereits eine Auswahl an veganen Lippenpflegeprodukten und Kerzen. Informieren Sie sich unter www.peta.de über Bezugsquellen veganer Produkte und bestellen Sie hier unser kostenloses Veggie Starter Kit unter 07156/178280. Reissirup, Melasse, Hirse, Gerstenmalz, Ahornsirup und getrocknete Früchte oder Fruchtkonzentrate können in Ihren Rezepten den Honig ersetzen. Rein pflanzliche Rezepte erhalten Sie unter GoVeggie.de.


Quellen

(1) Grimeks Tierlexikon Insekten: „Ameisen und Bienen“, 1993, dtv Verlag, S.495-528.
(2) Bee-info.com, 2007
(3) Precht, Kai: „Honig”, 1998, Süd-Nord Verlag, S. 39-44.
(4) Greer, Lane: „Alternative Pollinators: Native Bees,” U.S. Department of Agriculture, Aug. 1999.
(5) Raver, Ann: „Beez Buzz a Path to His Hive“, New York Times, 31. Mai 2001
(6) Schley, Peter: „Künstliche Besamung von Bienenköniginnen“, 2007, unter: http://www.besamungsgeraet.de/__dt/
(7) Irsch, Wilhelm: „Forscher rätseln über Bienensterben“, 2003, unter: http://www.welt.de/print-welt/article690570/Forscher_raetseln_ueber_Bienensterben.html
(8) Der Spiegel: „Bienensterben könnte Lebensmittelkrise auslösen“, 2007, unter: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,480748,00.html
(9) Lachman, Jennifer: „Der Milliardenkollaps“, Die Zeit, 2007, unter: http://www.zeit.de/online/2007/16/bienensterben-usa
(10) Steinberger, Petra: „Das spurlose Sterben“, SZ, 2007, unter: http://www.sueddeutsche.de/wissen/artikel/352/105247/print.html

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