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15.01.2009

Husky-Skandal: Tierschutzskandal in Hessen und Niedersachsen




Am 15.06.2005 erreichte uns im aktion tier-Tierheim Hopfenberg in Hannoversch Münden ein Anruf. Der Anrufer berichtete, dass auf dem Nachbargrundstück seines Hofes ein geschlossener Hundeanhänger in der Sonne steht, aus dem Gejaule und Gewimmer zu hören ist. Der neu hinzugezogene Nachbar sei seit dem Vortag verschwunden.

Umgehend machte ich mich und die Tierheimleitung von Hannoversch- Münden, Verena Meier, auf den Weg. In dem kleinen Ort nahe Hann. Münden hatte die Anruferfamilie den Hundehänger schon auf ihr Grundstück gezogen und die Türen geöffnet. Den aktion tier Mitarbeitern bot sich ein Bild des Grauens: in dem mit zwölf Boxen ausgestatteten Anhänger befanden sich 30 Hunde (unter ihnen auch eine Mutterhündin mit acht fünf Wochen alten Welpen). Zum Teil waren die Hunde zu dritt in die kleinen Boxen gepfercht. Für elf der Hunde kam jede Hilfe zu spät, sie waren bereits gestorben, ein weiterer wurde von einer hinzu gerufenen Tierärztin sofort euthanasiert. Die noch lebenden Hunde wurden zunächst auf dem Nachbargrundstück untergebracht und von der Tierärztin untersucht. Alle Hunde waren in einem äußerst schlechten Ernährungs- und Allgemeinzustand. Auffällig war die fehlende Muskulatur der Tiere, die darauf schließen ließ, dass es den Hunden schon seit längerer Zeit an artgerechter Bewegung und Unterbringung gefehlt hat. Unverzüglich wurde das für den Landkreis Kassel zuständige Veterinäramt informiert, ebenso wurde die Polizei alarmiert, diese hielt es allerdings nicht für notwendig zum Ort des Geschehens zu kommen. Während Frau Meier und Herr Pyka auf den Amtsveterinär warteten, tauchte der Besitzer der Hunde auf und erzählte, er hätte Stress mit seiner Freundin gehabt und sei deswegen unterwegs gewesen. Auf die Frage wofür er so viele Hunde halten würde, gab er an im Schlittenhunderennsport aktiv zu sein.

Unzureichende Gesetzeslage
Einige Zeit später traf der Amtsveterinär ein. Er schaute sich die lebenden und toten Tiere an und sprach mit dem Besitzer. Ich machte das Angebot die Hunde zunächst auf Kosten des aktion tier-Tierheim Hopfenberg unterzubringen, bis die Situation vor Ort geklärt sei. Obwohl dem Amtsveterinär bekannt war, dass der vermeintliche Tierquäler sich weder ausweisen konnte noch über Geld oder Möbel verfügte, sein Auto keine Zulassung hatte, auf dem Grundstück keine geeignete Möglichkeit zur Unterbringung der überlebenden Hunde vorhanden war und gerade auf schlimmste Weise elf Hunde zu Tode gekommen waren hielt er eine Beschlagnahmung bzw. Wegnahme der Hunde in diesem Fall für nicht angebracht. Erschreckend war für uns hierbei die Aussage, dass er die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine Beschlagnahmung nicht kennen würde und sie deshalb auch nicht durchführen könnte. Da der Amtsveterinär keine weiteren Schritte einleitete, mussten wir uns unverrichteter Dinge auf den Rückweg ins Tierheim machen.

Am nächsten Tag erstattete aktion tier Anzeige gegen den Hundehalter, außerdem nahmen wir Kontakt mit dem Landrat des Kreises Kassel auf. Nach einem längeren Gespräch mit dem ersten Beisitzer des Landrates Herrn Schmidt und dem Pressesprecher einigte man sich darauf, die Hunde am kommenden Morgen zu beschlagnahmen und ins Tierheim Hopfenberg zu bringen. Ich besuchte noch am Abend die Hunde und den Halter, um mich persönlich von dem Zustand der Tiere zu überzeugen. Alle Tiere hatten gefressen und erholten sich langsam von den Strapazen der vorangegangenen Tage. Die toten Hunde befanden sich noch immer im Hänger auf dem Hof des Hauses.

Hunde zwischen Kot und Urin
Am Morgen des darauf folgenden Tages traf ich mit einem aktion tier Team ein, um gemeinsam mit dem Veterinäramt die Hunde zu beschlagnahmen. Der Besitzer war jedoch mit den lebenden und toten Hunden verschwunden. Nun begann die Suche nach dem vermeintlichen Tierquäler. Nach intensiver Recherche von aktion tier wurde er im Landkreis Osnabrück ausfindig gemacht. Sofort machten wir uns auf den Weg dorthin. Die Hunde waren nun in einem ehemaligen Schweinestall untergebracht, der Boden war mit Urin und Durchfall getränkt. Besonders die Mutterhündin befand sich in einem sehr schlechten Zustand. Auf dem Hof stand der Hundeanhänger, in ihm befanden sich noch immer die nunmehr verwesenden Tiere. Ein beißender Gestank lag in der Luft. Der vermeintliche Tierschänder hatte also die lebenden zu den toten Tieren in den Hänger gepfercht und sich damit auf den ca. 300 Kilometer langen Weg von Hessen nach Niedersachsen gemacht. Der Hänger war vollkommen mit Durchfall und Erbrochenem verunreinigt.

Erneut wurde das zuständige Veterinäramt informiert, dieses Mal das des Landkreises Osnabrück. Der zuständige Amtsveterinär traf kurze Zeit später ein. Er begutachtete die Haltung der Hunde und merkte an, dass einige Tiere in einem schlechten Ernährungszustand sind. Wir wiesen insbesondere auf die desolat wirkende Mutterhündin hin und boten an, diese zunächst auf Kosten von aktion tier in der nächstgelegenen Tierklinik unterzubringen, um eine adäquate Versorgung zu gewährleisten. Der Amtsveterinär lehnte dies allerdings ab und erteilte dem Tierquäler die mündliche Auflage bei einer weiteren Verschlechterung des Zustandes der Hündin, diese unverzüglich in eine Tierklinik zu bringen. Er erklärte in einem kurzen Gespräch, dass es Freitag sei und er deswegen keinerlei Informationen von dem Veterinäramt des Landkreises Kassel bekommen könnte und der Fall somit erst am Montag geprüft werden könnte. Erneut konnte somit keine Beschlagnahmung der Hunde erwirkt werden. Am Wochenende führte aktion tier umfangreiche interne Ermittlungen durch. Aufgrund der Berichterstattung in den Medien meldeten sich viele Personen, die Angaben über den Tierquäler und seine Hundehaltung machen konnten. Erschreckend waren für uns die Informationen, dass der Tierquäler schon mehrfach wegen schlechter Haltung und grausamen Umgangs mit seinen Hunden angezeigt worden war. In der Grafschaft Bentheim wurde ihm ein zweijähriges Halteverbot erteilt, weil er seine Hunde nicht adäquat fütterte. So stellte sich heraus, dass der Halter auch beim Veterinäramt Osnabrück kein unbeschriebenes Blatt war. Trotzdem wurde diese nun eindeutige Situation der Hunde nicht genutzt, um dem Elend ein Ende zu machen. Vielmehr wurde sich wieder hinter mangelnden Informationen und angeblich nicht eindeutigen gesetzlichen Bestimmungen versteckt, obwohl die Tatsachen für sich sprachen. Drei Tage später wurden die Hunde dem Landkreis Osnabrück übereignet. Laut des Landkreises sind alle 19 Hunde in privaten Pflegestellen untergebracht worden. Der vermeintliche Tierquäler konnte dem öffentlichen Druck nicht mehr standhalten, den aktion tier - Menschen für Tiere e.V. mit Unterstützung aller Medien erzeugt hatte.

Dienstaufsichtsbeschwerde - Unnötige Quälerei
Wir sind uns darüber im Klaren, dass die Veterinärämter an Gesetze gebunden sind, traurig macht uns nur die Tatsache, dass diese Gesetze noch nicht einmal im Ansatz angewendet werden. Die Vorgehensweise der betroffenen Veterinärämter muss man als unprofessionell bezeichnen und wir fragen uns, was passieren muss, damit diese Veterinärämter im Sinne der Tiere eingreifen. Der Fall dieses Tierquälers zeigt uns, dass der Tierschutz zwar inzwischen Einzug ins Grundgesetz gefunden hat, dies jedoch in der praktischen Umsetzung keine Anwendung zu finden scheint.

Das DTHW steht in intensivem Kontakt mit den Ermittlungsbehörden und arbeitet aktiv bei der Aufklärung dieses Tierschutzfalles mit. So wurde umfangreiches Hintergrundwissen über den vermeintlichen Tierquäler dem Polizeipräsidium Nordhessen zur Verfügung gestellt. Gegen die Amtstierärzte wurde eine Dienstaufsichtsbeschwerde bei der zuständigen Behörde eingelegt.

Der Fall wird von uns weiterhin intensiv verfolgt und es bleibt zu hoffen, dass der Tierschänder eine angemessene Strafe erhält. Das DTHW wird sich dafür aktiv einsetzen.

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