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27.01.2009

Ist-Zustand

Ist-Zustand

Vorbemerkungen

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,


die Rubrik Ist-Zustand stellt eine Situationsbeschreibung dar, in der auf die Folgen des Speziesismus für Tiere, Menschen und das Ökosystem Erde durch interessante und ausführliche Hintergrundinformationen, Grafiken, Statistiken und Fotodokumente aufmerksam gemacht wird. Daneben dient diese Rubrik als Fundus für tierrechtrelevante Recherchen.

Der Begriff Speziesismus (Artegoismus des Menschen) wurde Anfang der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts von dem Philosophen Richard Ryder geprägt. Bei dieser Wortschöpfung handelt es sich um einen Analogiebegriff zum Sexismus und Rassismus.

Ein Rassist missachtet aus Gründen der persönlichen Vorteilnahme oder Abneigung (z.B. Xenophobie, Antisemitismus, etc.) die Bedürfnisse und Interessen anderer Rassen; ein Sexist wertet die weiblichen Bedürfnisse und Interessen gegenüber männlichen Bedürfnissen und Interessen geringschätzig ab. Von Speziesismus kann man dann sprechen, wenn der Herrschaftsanspruch über die Tiere und die übrige Natur durch das Gefühl der Sonderstellung und der Überlegenheit der menschlichen Spezies begründet und zum entscheidenden Kriterium wird, die Bedürfnisse und elementaren Interessen anderer Lebewesen (Tiere und Pflanzen) zu missachten, um eigene Bedürfnisse und Interessen zu befriedigen.

Der Speziesist ist in seiner Abwägung und Beurteilung niemals unparteiisch, sondern befangen. Selbst trivialen Bedürfnissen und Interessen von Mitgliedern der eigenen Spezies werden stets größeres Gewicht beigemessen als den elementaren Bedürfnissen und vitalen Interessen anderer Lebewesen.

Alle Menschen neigen entweder bewusst oder unbewusst zu mehr oder weniger stark ausgeprägtem Speziesismus, der eine Sonderform des angeborenen und durch soziokulturelle Prägung verstärkten Egoismus des Menschen darstellt und der insofern eine natürliche Komponente seines Selbsterhaltungstriebes ist. Dabei sind Artegoismus und Selbsterhaltungstrieb wichtige, genetisch verankerte Überlebensstrategien der Evolution. Speziesismus ist also im Grunde genommen ein natürliches Verhaltensmuster. Auch im Tierreich ist Artegoismus zumindest rudimentär vorhanden. Es ist zwar problematisch von Artegoismus bei Tieren zu sprechen, da sie aus Gründen einer geringeren Kognitionsfähigkeit kein gezieltes Interesse an der Erhaltung ihrer Art per se entwickeln können, aber vor allem bei Herden- und Rudeltieren sind Verhaltensmerkmale zu beobachten, die durchaus dem menschlichen Artegoismus sehr ähnlich sind.

Wenn Speziesismus tatsächlich ein natürliches Verhaltensmuster bei Menschen und Tieren ist, warum ist er dann moralisch verwerflich, und warum sollten wir unsere speziesistischen Tendenzen unterdrücken?

Die einfache Antwort auf diese Frage lautet: Weil Speziesismus, aus einer objektiven Perspektive betrachtet, ungerecht ist, und die Betroffenen - das sind in erster Linie Tiere, aber in zweiter Linie auch Menschen - unter seinen Folgen extrem leiden.

Im Gegensatz zu den Tieren kann der Mensch auch durchaus seine speziesistischen Tendenzen unterdrücken, wenn nicht sogar gänzlich überwinden. Dem Menschen sind die evolutionären und psychologischen Hintergründe, die ihn zum Speziesisten machen, bekannt; ihm ist es möglich, darüber nachzudenken, ob einerseits rationale Rechtfertigungen für sein speziesistisches Handeln tatsächlich existieren und andererseits, ob Speziesismus ethisch zu rechtfertigen ist.

Aber leider gibt es nur wenige Menschen, die den Versuch wagen, gegen ihren Speziesismus anzukämpfen.

Die Menschheit hat zwar nach einer unfassbar langen Entwicklungsphase eingesehen, dass Gerechtigkeit und Gleichberechtigung auf alle Menschen auszudehnen ist. Es ist ihr gelungen, in den meisten Ländern der Erde die Sklaverei, Kinderarbeit und Folter abzuschaffen und Frauen nicht mehr als das Eigentum des Mannes zu betrachten. Aber in Bezug auf den Umgang mit den Tieren befindet sie sich noch immer in der Jungsteinzeit. Die Fortschritte, die in Bezug auf das Verhalten gegenüber dem Mitmenschen gemacht wurden, sind aus speziesistischen Gründen nicht auf nicht-menschliche Lebewesen übertragen worden.

Der Mensch hat im Lauf der Evolution kraft seiner zunehmenden Kognitionsfähigkeit die Spitzenposition in der Nahrungskette eingenommen. Durch den Gebrauch des Feuers, durch die Herstellung primitiver Werkzeuge und Waffen und durch ausgefeilte Jagdmethoden wurde er zur dominierenden Spezies auf diesem Planeten. Über den genauen Zeitpunkt in der menschlichen Entwicklungsgeschichte, ab dem wir von Speziesismus sprechen können, kann nur spekuliert werden. Aber der Beginn des Ackerbaues und die Domestikation von Wildtieren (neolithische Revolution) am Ende der Jungsteinzeit vor rund 10.000 Jahren, die seine Vormachtstellung in der Natur endgültig besiegelte und das gleichzeitige Erstarken komplexer Religionen mit menschenähnlichen Gottheiten könnte als Geburtsstunde des Speziesismus, so wir ihn heute definieren, betrachtet werden. Davor war der Mensch selbst Jäger unter Gejagten, Teil eines Überlebenskampfes, dessen Ausgang meist ungewiss war.

An der Vormachtstellung mit dem gleichzeitigen Herrschaftsanspruch über die Erde und ihre übrigen Bewohner hat sich bis in unsere Tage grundsätzlich nichts geändert.

Aber im Gegensatz zu den prähistorischen Vorfahren sind heute die meisten Menschen nicht mehr auf das Fleisch von Tieren und auf andere Tierprodukte zum Überleben angewiesen, da wohlschmeckende und gesunde pflanzliche Nahrungsmittel über den Bedarf hinaus vorhanden sind. Trotzdem bleiben die meisten Menschen ihrer archaischen Ernährungsweise und ihren speziesistischen Denkmustern verhaftet. Das überreiche Angebot an pflanzlichen Nahrungsmitteln hat nicht zu einer Umstellung der Ernährungsweise geführt. Im Gegenteil, nie zuvor war der Konsum von Fleisch und anderen Tierprodukten so hoch wie in diesem Jahrhundert. Nie zuvor hat die Befriedigung menschlicher Interessen zu so viel Leid und dem Tod so vieler Tiere geführt. Obwohl eine nachhaltige und schonende landwirtschaftliche Nutzung der Erde realisierbar geworden ist, findet verantwortungsloser Raubbau statt, der die Böden auslaugt, das Grundwasser vergiftet und damit Myriaden von Kleinstlebewesen tötet, die für das Funktionieren des Ökosystems Erde eine entscheidende Rolle spielen.

Unter den Folgen des Speziesismus haben in erster Linie die Tiere zu leiden.

In der Bundesrepublik Deutschland fallen pro Jahr rund 450 Millionen so genannter Nutztiere dem Konsumverhalten unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger zum Opfer. Dabei enthält diese erschreckend hohe Zahl nicht einmal Fische, Schalen- und Weichtiere, denn sie werden nur noch in Tonnen gerechnet. 250 Millionen Schlachttiere werden alljährlich Tausende von Kilometern kreuz und quer durch Europa transportiert, wobei sehr viele Tiere den Transport zum Schlachthof nicht überleben.

Zusätzlich leiden und sterben Millionen Tiere (etwa 2.1 Millionen im Jahre 2001) pro Jahr in den Laboren der Pharma-, Kosmetik- und Chemiekonzerne, in unseren Universitäten und Forschungseinrichtungen als anatomische Studienobjekte angehender Mediziner/Innen und für die Grundlagenforschung und darüber hinaus in der Kriegswaffenindustrie als Testobjekte zukünftiger Mordwerkzeuge. Daneben fordert auch die Mode durch die Verarbeitung von Pelzen, Leder und Wolle einen hohen Tribut an Tierleben. Selbst die Jagd, die in unserem Lande schon seit langer Zeit nicht mehr der überlebensnotwendigen Nahrungsbeschaffung dient, sondern vielmehr als fragwürdige, pseudosportliche Freizeitaktivität oder bestenfalls als Pflege einer uralten Tradition interpretiert werden muss, kostet pro Jahr rund 5 Millionen Wildtieren das Leben. Die rigorose Tier- und Naturausbeutung verursacht aber auch beträchtliche negative Sekundärfolgen, denn der anthropogene Faunen- und Florenschnitt, das globale Aussterben von Tier- und Pflanzenarten, das sich mit atemberaubender Geschwindigkeit vollzieht, führt für die verbleibenden Tierarten oft zu massivem Leiden oder zu ihrem Tod, da ihre Lebensgrundlagen in dem empfindlichen Ökosystem Erde zerstört wurden.

All dies geschieht ohne zwingende Notwendigkeit, trotz ausreichendem Angebot an wohlschmeckenden, gesunden pflanzlichen Nahrungsmitteln, trotz alternativer Testmethoden, trotz des Vorhandenseins synthetischer und pflanzlicher Textilstoffe, Webpelzen und Lederimitaten und trotz der Möglichkeit, die Ressourcen der Erde verantwortungsvoll und ohne Leidverursachung für Menschen und Tiere zu nutzen.

Daneben belasten die Sekundärwirkungen des speziesistischen Tierumgangs auch den Menschen und das Ökosystem Erde. Der kausale Zusammenhang zwischen Speziesismus und Welthunger, Armut, Immunschwächen, umweltbedingten Allergien und psychischen Krankheiten lässt sich nicht mehr verleugnen. Ebenso besteht ein kausaler Zusammenhang zwischen den Folgen des Speziesismus und dem Waldsterben, der Meeresverseuchung, dem Flusssterben, dem Klimakollaps und den vergifteten Böden.

Wir glauben, dass durch ausführliche Informationen, die wir nach und nach zusammentragen wollen, ein Gesamtbild entsteht, das den Menschen zumindest zum Nachdenken und zum ernsthaften Hinterfragen seiner Position anregen wird, falls er heute noch nicht von der Notwendigkeit der Einbeziehung der Tiere in unsere Ethik überzeugt ist.

Wir glauben, dass durch eine detaillierte Darstellung des Ist-Zustandes eine gute Grundlage geschaffen wird für die subtileren Themen der Tier-Ethik und Philosophie, denen wir uns in den folgenden Rubriken zuwenden werden.


Fraßstatistik



Zahlen über "Nutztiermord"

Hinter jeder Zahl dieser "Fraßstatistik" verbirgt sich ein Tierschicksal - in der Regel ein Leben voller Angst und Leiden. Hinter jeder Zahl verbirgt sich der gewaltsame, vorzeitige und meist qualvolle Tod eines Tieres.

Wenn ein Mensch seiner Nahrungsaufnahme einen sehr hohen Stellenwert beimisst, liegt meistens ein intellektuelles Defizit vor. Man denke an Kleinkinder und senile Menschen. Oder mit den Worten Mahatma Gandhis gesprochen: "Die Größe einer Nation lässt sich daran ermessen, wie sie ihre Tiere behandelt."

Falls beide Sätze zutreffen sollten, ist es nicht weit her mit der kulturellen Größe unserer Nation, denn für unsere "kannibalische Fraßkultur" sterben täglich Millionen empfindungsfähiger Mitlebewesen.

In der Bundesrepublik Deutschland werden systematisch gequält und ermordet:

Schweine:

Rund 40 Millionen Schweine aus deutschen Ställen sterben jedes Jahr im Schlachthaus. Die Bundesrepublik Deutschland ist damit der größte "Schweine-Erzeuger" in der Europäischen Union.

Rinder:
In der Bundesrepublik Deutschland werden laut offizieller Statistik pro Jahr rund 4 Millionen Rinder geschlachtet. Ein beträchtlicher Teil davon sind selbstverständlich die zuvor geschundenen "Milch-Turbo-Kühe", deren "Produktionsleistung" nachgelassen hat.

Masthähnchen:
Nach einem Leben, das dieses Wort nicht verdient, sterben 332.1 Millionen Jungmasthühner und 24 Millionen Suppenhühner pro Jahr für unser Verlangen nach immer mehr und immer billigerem Fleisch und Eiern.

Enten:
Etwa 14,2 Millionen Enten werden hierzulande jährlich geschlachtet. Tendenz steigend.

Gänse:
Rund 1 Million Gänse enden als Martinsgans, als festliche "canard à l'orange" zu "Whynachten" oder als fernöstliche "Delikatesse süßsauer" zu sonstigen Fraßevents.

Puten:
20,3 Millionen Puten kommen auf den Tisch, davon 8,3 Millionen Puten deutscher Produktion. Im Durchschnitt werden pro Kopf und pro Jahr rund fünf Kilogramm Putenfleisch verzehrt.

Kaninchen:
In Deutschland landen jährlich rund 30 Millionen Kaninchen auf dem Speiseteller. Der größte Teil dieser Tiere stammt aus der Massentierhaltung. Leben wie in der Legebatterie. Die "Ausfallsrate" von bis zu 50 Prozent vor Erreichen des Schalchtgewichtes ist nicht eingerechnet.

Schafe und Ziegen:
900.000 Schafe und Ziegen werden alljährlich Opfer unserer "Fraßkultur" - darunter die des weichen Fleisches wegen besonders begehrten Lämmer und Zicklein. Ein Milchlamm ist ein Lamm, das bis zum Tage der Schlachtung von seiner Mutter gesäugt wird.

Pferde und Fohlen:
17.500 Pferde und Fohlen enden beim Pferdemetzger. Erst Reiten, dann Fressen.

Wildtiere:
Von den insgesamt 5.353.499 geschossenen Wildtieren landet ein großer Teil (geschätzte 3 Millionen) als kulinarische Spezialität mit Rotweinsoße und Wacholder in den Mägen der Deutschen. Doppelgenuss! Lust am Töten und am Fressen!

Fleischkonsum insgesamt:
2001 lag der Fleischkonsum in Deutschland bei rund 60 kg pro Kopf. Ein deutscher Mensch verspeist im Laufe seines Lebens durchschnittlich sieben Rinder, 20 Schafe, 22 Schweine und 600 Hühner. Die zusätzlichen Wildtiere, Fische, Schalentiere und die gequälten und zu Tode gekommenen Kühe und Hühner zwecks Milch, Käse und Frühstücksei sind in dieser Zahl nicht berücksichtigt.



Globale Zahlen unserer "Fraßkultur":



Weltweit werden sechzehn Milliarden Hühner, rund eineinhalb Milliarden Rinder, eine Milliarde Enten und eine Milliarde Schafe, etwa eine Milliarde Schweine, eine dreiviertel Milliarde Ziegen, eine halbe Milliarde Kaninchen, eine viertel Milliarde Truthühner sowie eine viertel Milliarde Gänse zur systematischen Ausbeutung gefangengehalten und ums Leben gebracht. Dazu kommen Myriaden von Insekten (z.B. Abermilliarden Bienen, Seidenraupen) und Fische, deren Zahl nicht zu bestimmen ist, da die Opfer nicht einmal als Individuen angesehen werden, so dass sie nur noch in Tonnen angegeben werden. Ihre Gefangenschaft dient hauptsächlich dazu, ihre Leichen, Drüsensekrete oder Eier zu verzehren, oder aus ihrer Haut Kleidung und andere Gebrauchsgegenstände herzustellen. Niemand kann heute noch seinen Konsum durch das Märchen der permanent milchgebenden, glücklichen Kuh oder der glücklichen Legehennen oder der glücklichen Tiere auf dem Bauernhof legitimieren. Diese Illusion hat mit der Realität nichts - aber auch gar nichts mehr gemeinsam!


Tierversuche - Statistik


Der Tierverbrauch

der Damen und Herren "Mengele und Konsorten"

Im Jahr 2001 wurden in der Bundesrepublik Deutschland 2.127 Millionen Tiere in Versuchen "verbraucht". Das sind 301.346 Tiere mehr als im Vorjahr, ein Anstieg um 16,5 Prozent.

Der Anstieg ist darauf zurückzuführen, dass im Bereich der Grundlagenlagenforschung eine Zunahme von rund 36 Prozent zu verzeichnen ist. Die Zahl der dort "verbrauchten" Tiere stieg von 247.266 auf 926.294 an. Dieser Anstieg ist vor allem auf Forschungen in der Gentechnik zurückzuführen. Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass die Zahl der "verbrauchten" Tiere noch weitaus höher liegt, da rund 70 Prozent aller gentechnisch veränderten Mäuse nicht die gewünschten Veränderungen aufweisen und getötet werden, da sie für die Versuche "unbrauchbar" sind. Diese Tiere werden statistisch nicht erfasst.


Die offiziellen Tierversuchszahlen für Deutschland der Jahre 1996 bis 2000



Mahatma Gandhi: "Vivisektion ist nach meiner Auffassung das schwärzeste von allen schwarzen Verbrechen, deren sich der Mensch heute gegenüber Gott und seiner Schöpfung schuldig macht. Lieber auf das Leben verzichten, als es mit der Qual fühlender Geschöpfe erkaufen."

Luise Rinser: "Wenn wir die Schreie der vom Menschen gequälten Tiere mit unseren Ohren hören müssten, wir ertrügen sie nicht. Wir verstopften unsere Ohren."



Foto: http://www.noah.de/58

Die neuen Zahlen über das größte Verbrechen der Menschheit !
Im Jahr 2004 wurden in Deutschland 2. 265 489 Tiere zu wissenschaftlichen und anderen Zwecken missbraucht. Damit wurden gegenüber dem Vorjahr 153.148 Tiere mehr gemeldet. Dieser Anstieg ist bei den Tierarten insbesondere auf den Anstieg bei Mäusen (+ 136 167) und bei Fischen (+ 29 555) zurückzuführen.

Tierversuchsdaten 2004 - Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: http://www.verbraucherministerium.de/index-000557031A4E1165B4026521C0A8D816.html


Jäger und Gejagte

Jagd - Töten aus Leidenschaft




Laut einer Repräsentativ-Umfrage des GEWIS-Instituts aus dem Jahre 1996 sprechen sich über weit über 70 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger gegen die Jagd aus.

Rund 320.000 deutsche Jägerinnen und Jäger - das sind 0,3 % der Bevölkerung - erlegen jedes Jahr zwischen 5 bis 6 Millionen Wildtiere. Nicht genug, daneben fallen ihnen auch noch rund 400 000 Hauskatzen und 65.000 Hunde zum Opfer, die sich zu weit in Wald und Flur gewagt hatten. Die Tiere werden erschossen, in Fallen gefangen und anschließend erschlagen, von Jagdhunden zu Tode gehetzt und zerrissen oder in ihrem Bau mit Gas vergiftet. In den meisten Fällen ist es ein äußerst qualvoller und langsamer Tod. Es ist erwiesen, dass etwa die Hälfte der Tiere angeschossen und unter großen Schmerzen noch fliehen. Feldhasen, Wildkaninchen, Füchse, Rehe und Wildschweine "verenden" qualvoll mit heraushängenden Eingeweiden oder zertrümmerten Knochen erst Stunden oder Tage später. Die so genannte Nachsuche unterbleibt häufig, weil das angeschossene Tier in ein benachbartes Jagdrevier geflohen ist oder der Jagdhund die Spur verloren hatte. Füchse werden im Bau ausgeräuchert oder vom Jagdhund aus dem Bau vor die Flinte des Jägers getrieben, Jungfüchse werden mit dem Knüppel erschlagen, falls sie nicht vorher von den Hunden zerrissen wurden. In Fallen erleiden unzählige Tiere stunden- und tagelang grausame Qualen bis sie an den Verletzungen sterben, verdursten oder verhungern.



Obwohl Ökologen und Biologen längst beweisen haben, dass sich Natur und Wildtierpopulationen durch natürliche Regulierungsmechanismen selbst im Gleichgewicht halten, wird der legalisierte Tiermord aus Leidenschaft unter dem Deckmantel der Hege und Pflege von Wald und Flur weiterhin betrieben.

In den wenigen Gebieten Europas, in denen die Jagd verboten ist, besteht weder eine Überpopulation, noch kommt es dort zu größeren "Verbissschäden". Der Wald wächst und gedeiht auch ohne Eingriffe der "Grünröcke".

Mittlerweile geben viele Jägerinnen und Jäger auch offen zu, dass die Jagd nichts mit einer Regulierung des Wildes mit der Waffe, als so genannte Hege und Pflege der Natur, zu tun habe, sondern das wahre Motiv des Jagens die Freude am Beutemachen und Nachstellen und ihr angeblich angeborener "Jagdtrieb", sei.

Der Mensch hat den heimischen Wildtierarten den Großteil ihres natürlichen Lebensraumes genommen. Die Natur ist durch Monokulturen und Flurbereinigung, durch Pestizideinsatz und Straßenbau in eine lebensfeindliche Kulturlandschaft verwandelt worden, in der jeder Quadratmeter dem Jagdrecht untersteht.

Jagd zerstört das Gleichgewicht in der Natur. Sie vergiftet mit Tonnen von Bleikugeln die Böden und Gewässer. Sie bringt alljährlich Millionen von heimischen Wildtieren Leiden und Tod ... Jagdausrüstern und Waffenproduzenten das große Geld und einer verschwindend kleinen Minderheit der Bevölkerung die Befriedigung ihrer Perversion - der Lust am Töten.

Schon Prof. Dr. Theodor Heuss, der erste Präsident der Bundesrepublik Deutschland, hat die Jagd als das gebrandmarkt, was sie in Wahrheit ist:

"Jagd ist nur eine feige Umschreibung für besonders feigen Mord am chancenlosen Mitgeschöpf. Die Jagd ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit."


Töten als Hobby - "Tiermord" in Zahlen

Das "Morden" in Wald und Flur unvermindert weiter, wie die offizielle Statistik der Streckenzahlen des DJV belegt.

Jahresjagdstrecken 03/04 und 04/05 in der Bundesrepublik Deutschland laut Angabe des Deutschen Jagdschutz-Verbandes:



Die Anzahl der erschossenen Hunde und Katzen wird aus verständlichen Gründen vom DJV nicht offiziell genannt. Es wurden schätzungsweise 400.000 Katzen und 65.000 Hunde von Jägerinnen und Jägern erschossen.


Jagd - pathologische Auffälligkeiten: "Sex and Crime"

Dass es sich bei der Jägerei um "Sex and Crime" handelt, bekennt der Neurologe und mehrfach ausgezeichnete Psychoanalytiker, Paul Parin, der selbst Jäger ist, in seinem neuesten Buch "Die Leidenschaft des Jägers".

Beitrag hierzu erscheint in Kürze.


Rede unseres Kooperationspartners Rudolf Pohlenz auf 50. ANTI-JAGD-DEMO am 05.November 2005 in Berlin



Es ist festzustellen, dass es in unserem Land noch lange nicht dasselbe ist, wenn zwei das Gleiche tun:

Auch wenn der Artikel 1 der Menschen- u. Bürgerrechte, zum Beispiel besagt, "Die Menschen werden FREI und GLEICH an Rechten geboren und bleiben es. Und der Artikel 3 des Grundgesetzes mit ähnlichem Inhalt lautet: "Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.", so widersprechen die heute gültigen Jagdgesetze diesem Gleichheitsprinzip aber ganz massiv.

1.) Im deutschen Tierschutzgesetz steht geschrieben: "Es ist verboten ein Tier auf ein anderes zu hetzen." Aber genau das passiert täglich bei der Hundeausbildung der Jäger.Hier werden Hunde auf Enten gehetzt, die vorher flugunfähig gemacht wurden, damit der Hund etwas lernt. Auch mit vorher gefangenen Katzen werden diese Hunde ausgebildet. Hier sollen die Hunde das so genannte Todwürgen lernen. Todwürgen bedeutet: der Hund beißt dieser Katze die Kehle durch.

Ich werfe unseren Politikern vor: Sie unterstützen Tierquälerei!

2.) So ist es z.B. auch jedem "Normal-Sterblichen" verboten, seinem Hund vom Tierarzt die "Wolfskralle" entfernen lassen. Dies stellt eine Amputation dar. Bei Jagdhunden allerdings ist das das Abtrennen des Schwanzes erlaubt, weil es angeblich die Brauchbarkeit des Tieres fördert. Man bedenke einmal den Begriff "Brauchbarkeit".

Ich sage unserer Politik dazu: Wieder unterstützen Sie Tierquälerei!

3.) Unsere Grünröcke sehen es nicht gern, wenn Hunde im Wald ohne Leine herumlaufen. Der "Heger und Pfleger" darf dann schießen und tut es auch. Die Jägerschaft hingegen darf ihre Hunde "im Zuge der Jagd", frei und unkontrolliert laufen lassen. Und hier haben wir es mit Hunden zu tun, die auf das Töten andere Tiere abgerichtet sind. Sie reißen alles, was sie bekommen.

Ich sage unseren Politikern dazu : Schafft die Jagd ab!

4.) Aus sinnvollen Umweltschutzgründen verzichten die Autofahrer auf Blei-Gewichte an den Reifen und zahlen den dreifachen Preis für Zink. Nur was passiert hier im Vergleich mit den Jägern? Jährlich werden hier von diesen Killern 1000 Tonnen hochgiftiges Blei in unserer Umwelt verteilt. Die ersten tödlichen Vergiftungen, die auf den Bleimüll der Jäger zurückzuführen sind, finden wir bereits in unserem Seeadlerbestand.

Ich sage unseren Politikern dazu: Verbieten sie diese Umweltsauerei!

5.) Ein weiterer Gedankengang zu der Munition ist der, das zum Beispiel bei Polizei, Grenzschutz sowie Bundeswehr jede Patrone gezählt und registriert wird. Hier wird absolute Rechenschaft über Verbrauch und Verbleib gefordert. Bei der Jägerschaft ist das mal wieder anders. Hier kann jeder Jäger mit seiner Munition umgehen wie er will. Er braucht keine Rechenschaft abzulegen, wie viel er verbraucht hat und wofür. Ist es dann noch verwunderlich das jedes Jahr zahlreiche Gewehre mal eben so als Gestohlen gemeldet werden?

Was hier für eine herrliche Möglichkeit sich seinen Waffenschrank zu füllen.

6.) Was würde Ihr Nachbar sagen, wenn Sie auf seinem Grundstück ein Bauwerk errichten? Zum Beispiel einen Hochsitz? Der Hochsitz ist längst von der Sache zum "Bauwerk" mutiert. Dieses dürfen die Jäger ohne "Baugenehmigung" oder Erlaubnis des Grundeigentümers einfach erstellen. Der Europäische Gerichtshof sprach hierzu bereits ein Urteil gegen diese Regelung aus. Aber unsere Politik übernimmt dieses Urteil nicht.

Ich sage der Politik hierzu: Schluss mit den Privilegien für Jäger!

Man erkennt schon, nur an diesen wenigen Punkten, das hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Dieser Privatclub von schiesswütigen alten Männern hat sich eine Lobby geschaffen, die es zu zerschlagen gilt. Wir brauchen keine vermeintlichen Biotopverbesserer und Nistkastenbauer, die nur aus Heuchelei nach vorne hin öffentlich was errichten, um gut dazustehen und hintenrum heimlich soviel anderes kaputtmachen.

Wir leben nicht mehr unter Göring, und deswegen brauchen wir auch diese alten Gesetze nicht. Was wir brauchen, ist eine Gesetzgebung die sich am Tierschutz orientiert, die Bedürfnisse der Natur erkennt und respektiert.

Wir sind mehr bereit die Alleingänge von diesen bewaffneten Psychopathen, zu akzeptieren, die sich Jäger nennen.

Ich sage unseren Politikern dazu: Schluss mit dem privaten Schützenfest im Wald!


Kaninchen


"Allzwecknutztiere" Kaninchen
Wir lieben sie, wir quälen sie, wir töten sie!


Das Kaninchen (Oryctolagus) zählt zu den hasenartigen Tieren, wie z.B. auch der Feldhase (Lepus europaes), der Schneehase (Lepus timidus) oder der Pfeifhase. (Lepus capensis) Diese Tiere sind äußerst anpassungsfähig. Sie sind in polaren, subpolaren und gemäßigten Zonen genauso anzutreffen wie in trockenen Savannen- und Wüstengebieten. Bei uns sind Wildkaninchen an Wald- und Wiesenrändern, an Bahndämmen und in Parkanlagen und Gärten anzutreffen.

Die ursprüngliche Heimat des Wildkaninchens ist die iberische Halbinsel und Teile Nordafrikas. Spanien verdankt dem Kaninchen sogar seinen Namen. Als die seefahrenden Phönizier im Altertum die Küsten der Iberischen Halbinsel erreichten, fielen ihnen dort die vielen grauen Tiere auf. Sie benannten sie fälschlicherweise nach einer Tierart, den Klippschliefern, die sie aus ihrer Heimat kannten. Deshalb nannten sie auch das neu entdeckte Land "Ishapan", das "Land der Klippschliefer".

Die Römer verballhornten dieses Wort in späteren Zeiten zu "Hispania", und daraus wurde das heutige "Espana" oder Spanien. Die Römer erkannten schnell den Nutzen des Kaninchens als Fell- und Fleischlieferant. Da der Feldhase sich nicht als "Haustier" eignete, weil er zu schreckhaft und seine Geburtenrate zu gering war, ging man auf die Haltung von Wildkaninchen über.

Französische Mönche und Nonnen züchteten im frühen Mittelalter aus besonders ruhigen Wildkaninchen unser heutiges "Hauskaninchen". Durch selektive Züchtung wurden sie im Laufe der Jahrhunderte immer mehr den Vorstellungen der Menschen angepasst, wie zum Beispiel in Größe, Proportionen und Fellfarbe. Aber ihr Verhaltensrepertoire ist weitgehend unverändert geblieben.


"Kuscheltiere" und lebendiges Wegwerfspielzeug



In vielen Märchen und Zeichentrickfilmen sind Kaninchen die cleveren, liebenswerten Helden. Der Hase, ein naher Verwandter des Kaninchens, ist hierzulande zum Inbegriff des Osterfestes geworden, zum Symbol der Fruchtbarkeit, des Lebens und der wiedererwachenden Natur nach den langen, kalten Wintermonaten. Wir verbinden also mit dieser Tierart in aller Regel positive Assoziationen. Kaninchen sind sensible und intelligente Tiere.


Haben sie ihre natürliche Scheu vor dem Menschen einmal verloren, werden sie sehr zutraulich und anhänglich und akzeptieren den Menschen schnell als "Sozialpartner". Sie lieben Körperkontakt, um ihr Bedürfnis nach Geselligkeit und Zärtlichkeit zu stillen. Sie sind verspielt, äußerst neugierig und besitzen Vorlieben und Eigenheiten, die auf eine ausgeprägte Persönlichkeitsstruktur schließen lassen. Kaninchen sind emotionale Wesen, mit einer ausgeprägten Fähigkeit, Freude, Glück, Angst, Trauer, Eifersucht und dergleichen mehr zu empfinden.

Das Kaninchen ist zu einem beliebten "Haustier" in Deutschland geworden. Nach Schätzungen leben 2 bis 2.5 Millionen Kaninchen als "Kuscheltiere" in bundesdeutschen Haushalten. Ob ihre Haltung "artgerecht" ist - wie immer man dieses Wort auch interpretieren mag - darf jedoch bezweifelt werden.



Die Art und Weise, wie Kaninchen leider meistens gehalten werden - also in den handelsüblichen Käfigen im Haus oder in den bei Hobbyzüchtern verwendeten Kaninchenställen - ist nicht im Mindesten geeignet, den angeborenen Bedürfnissen dieser Tiere gerecht zu werden. Ihr Leben in menschlicher "Obhut" entspricht meistens nicht ihren natürlichen Bedürfnissen. Zu diesen Bedürfnissen gehören unter anderem die Möglichkeit zu ausreichender Bewegung, zum Graben und zum Rückzug in einen geschützten Unterschlupf. Nur zu oft werden die in freier Natur sozial lebenden Kolonietiere allein und in viel zu kleinen Käfigen gehalten, haben zu wenig Auslauf im Freien und kaum Abwechselung oder werden von Kindern, denen die notwendige Erfahrung im Umgang mit ihnen fehlt, ein Leben lang drangsaliert.


Kaninchen sind keine geeigneten Tiere für Kinder!

Kaninchen, die als "Kuscheltiere" im Haus gehalten und oft von Kindern betreut werden, werden leider häufig nicht ihren natürlichen Bedürfnissen gemäß versorgt. Dies geschieht zum Teil aus Unkenntnis, aber auch aus Gleichgültigkeit oder Bequemlichkeit. Ihr Leiden bleibt meistens unerkannt, da sie kaum Gegenwehr zu leisten im Stande sind und auch nicht laut schreien, wenn sie drangsaliert werden. Kaninchen können sich ihrem Peiniger kaum entziehen und erwehren. Sie sind "ihren Besitzern" auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Ob sie regelmäßig und auf richtige Weise gefüttert und getränkt werden, ob ihr Käfig sauber gehalten wird, oder ob sie Auslauf bekommen - und im Bedarfsfall tierärztlich versorgt werden - liegt allein in der Hand ihrer "Besitzer".

Eine "artgerechte" Haltung und Pflege von Kaninchen erfordert viel Zeit und viel Platz.

Fehlende Auslaufsmöglichkeit und Abwechselung führen sehr häufig zu ernsthaften Verhaltensstörungen; die Tiere werden apathisch oder neigen zu einem aggressiven Verhalten. Davon zu sprechen, dass alle "Heimkaninchen" ein trauriges, gequältes Dasein fristen, wäre sicherlich auch verfehlt.

Leider kommt es aber häufig vor, dass das geliebte "Kuscheltier" zum Problemfall wird, wenn es Möbelstücke oder Kabel anknabbert, ein "Pfützchen" auf dem Perserteppich hinterlässt, oder wenn der Urlaub naht. Der Problemfall wird dann einfach ins nächste Tierheim abgeschoben. Eine Vermittlung ist oft sehr schwierig, wenn ein ausgewachsenes Kaninchen dort abgegeben wurde. Ältere Tiere sind nicht gefragt, denn Kinder bevorzugen vor allem Jungtiere, weil sie possierlicher aussehen. Auch können nur wenige Tierheime Kaninchen ein "artgerechtes Zuhause" bieten. Die Zahl der in freier Natur ausgesetzten Kaninchen ist zwar nicht bekannt, dass sie aber in Wald und Flur kurzerhand entsorgt werden, ist sicher. Immer wieder werden kranke oder halbverhungerte Kaninchen von Waldspaziergängern gefunden und in Tierheimen abgegeben. In freier Natur ausgesetzte Kaninchen haben kaum eine Chance, lange zu überleben.

Laut Angabe des Zentralverbandes Deutscher Kaninchenzüchter werden derzeit über 70 Kaninchenrassen in insgesamt 365 verschiedenen Farbenschlägen gezüchtet. Darüber hinaus gibt es noch unzählige Zuchtvarianten, die nicht nach dem ZDK-Standard von 1997 als Kaninchenrasse anerkannt werden. Es ist nur wenigen Menschen bekannt, dass unter den verschiedenen Kaninchenrassen, die im Fachhandel angeboten werden, auch so genannte Qualzüchtungen zu finden sind.

Widder z.B. können ihre überlangen Ohren nicht richtig pflegen und neigen zu infektiösen Ohrenkrankheiten, Angorakaninchen mit einem bis zu 30 cm langem Fell leiden unter lebensgefährlichem Hitzestau, und durch die Haare, die ihnen in die Augen hängen, kommt es zu Hornhautreizungen, ganz abgesehen davon, dass sie schlechter sehen können. Bei Kaninchen mit extrem flach gezüchteten Gesichtern treten häufig Zahnfehlstellungen und Beschwerden beim Atmen auf.

Die meisten Eingriffe des Menschen in das natürliche Erbgut durch Überzüchtungen sind mitverantwortlich für die Kurzlebigkeit von Kaninchen. Viele Krankheiten, wie z.B. Diabetes, Nierenerkrankungen, Herzfehler, Störungen des Verdauungstraktes, Zahnfehlstellungen und Augenentzündungen, die den Tieren das Leben zur reinen Qual machen und zu einer geringen Lebenserwartung führen, sind die Folgen dieser unverantwortlichen Zuchtexperimente.

"Mastkaninchen" in KZ-Haltung


Foto: www.tierschutz-medienarchiv.de

Das einerseits geliebte "Kuscheltier" landet andererseits jedoch auch als Braten auf dem Tisch. Allein dies zeugt von Irrsinn! Außerdem ist den meisten Menschen nicht bekannt, unter welch tierquälerischen Bedingungen ihre "Gaumenfreude" produziert wurde. Laut Statistischem Bundesamt werden in der Bundesrepublik Deutschland rund 42.000 Tonnen Kaninchenfleisch pro Jahr konsumiert. Dies bedeutet, dass etwa 30 Millionen Mastkaninchen jährlich geschlachtet werden.

Im Durchschnitt isst jeder Deutsche 0,6 Kilogramm Kaninchenfleisch im Jahr. Durch die "BSE-Krise" hat die Nachfrage deutlich angezogen. Noch Mitte der 90er Jahre waren es gerade einmal 0,3 Kilogramm. Ein kleiner Teil der Produktion (meist "Abfallprodukte") wird zu Hunde- und Katzenfutter verarbeitet.

Kaninchen erreichen innerhalb von nur drei bis vier Monaten durch spezielles Mastfutter ein Schlachtgewicht zwischen 1,3 bis 3,3 Kilogramm.

Rund 80 Prozent dieser Tiere werden in Deutschland gezüchtet, vor allem in Grossbetrieben mit Massenhaltung, die sich auf die Kaninchenmast spezialisiert haben. In Deutschland existieren zwischen 70 und 100 dieser Grossbetriebe, in denen tierquälerische Haltungsbedingungen vorzufinden sind, und die man mit den Legebatterien in der Hennenhaltung vergleichen kann. Bis zu 5.000 Tiere leben in diesen Anlagen auf engstem Raum zusammen. Allein in Nordrhein-Westfalen gibt es ca. 25 Betriebe dieser Art. Die übrigen Tiere werden von sonstigen Züchtern, teils in privater Hobbyzucht, teils in bäuerlichen Kleinbetrieben gehalten, die zum Teil in Kaninchenzuchtverbänden organisiert sind. Die Zahl solcher Privathalter wird auf 400.000 geschätzt.

Die meisten kommerziellen Kaninchenzuchtbetriebe orientieren sich an den unzureichenden Empfehlungen der World Rabbit Science Association. Die empfohlene Käfiggrundfläche wird mit lediglich 0,2 bis 0,4 Quadratmetern bei einer Käfighöhe von bis zu 40 Zentimetern als ausreichend angegeben.

Die engen, niedrigen Käfige sind mit Metall- oder Kunststoff-Rosten versehen. Einstreu fehlt vollkommen. Die Folgen sind eiternde Wunden oder Sickerblutungen (Pododermatitis ulcerosa) an den Läufen durch Aufliegen, weil die Gitterstäbe, auf denen die Kaninchen sitzen oder liegen zu scharfkantig sind. Drei bis sechs Mastkaninchen werden in einem Käfig gehalten, so dass jedem Tier maximal nur eine Fläche von 0,08 Quadratmetern zur Verfügung steht. Bei einer Käfighöhe von rund 40 Zentimetern ist ein Aufrichten zur vollen Größe unmöglich. Verkrümmungen der Wirbelsäule sind deshalb nicht selten.

Bei der üblichen Besatzdichte können sich die Kaninchen in den engen Gitter-Boxen kaum bewegen. Die "tödliche Langeweile" führt zu einem enormen psychischen Stress für die hoch sensiblen Tiere. An den Gitterstäben blutig geknabberte Münder, offene Wunden durch Beißereien oder Prellungen und Schürfwunden durch ihren Bewegungsdrang, der zwangsläufig an den Gitterstäben endet, kommen neben Verhaltensstörungen, wie stereotype Bewegungsabläufe, Selbstverstümmelungen und sogar Kannibalismus, häufig vor.

Die geruchsempfindlichen und äußerst sauberen Tiere sind einem permanenten beißenden Fäkalgestank ausgesetzt. Das laute Geräusch, das von dem stereotypen Springen der Kaninchen in ihren Käfigen herrührt, ist eine zusätzliche Belastung für die lärmempfindlichen Tiere. Knochenbrüche sind nicht selten, weil das Skelettwachstum mit der übermäßigen und unnatürlich schnellen Gewichtszunahme nicht mehr Schritt halten kann. Daneben treten Stoffwechselstörungen und Erkrankungen der Milchdrüsen auf.

Bis zu 50 Prozent der Tiere sterben auf Grund der schlechten Haltungsbedingungen oder an Infektionskrankheiten bevor sie nach etwa 3 bis 4 Monaten das Schlachtgewicht erreicht haben.
Unter optimalen Haltungsbedingungen überleben etwa 70 Prozent der Jungen eines Kaninchenwurfes; in der Massenhaltung überleben dagegen weniger als 40 Prozent.

Bei keiner anderen "Nutztierart" ist die "Ausfallrate" so hoch, weil Kaninchen extrem empfindlich auf schlechte Haltungsbedingungen reagieren.

In der Massenzüchtung bringen Muttertiere etwa alle 45 Tage bis zu neun Junge zur Welt. Um eine so hohe "Produktionsleistung" zu erzielen, werden die Muttertiere oft hormonell behandelt und gewaltsam künstlich besamt. Kurz nach der Geburt werden die Muttertiere erneut "gedeckt".

Die Stillzeit der Kaninchenmutter beträgt 28 Tage; danach werden die Jungtiere von der Mutter getrennt, da diese nur wenige Tage später wieder gebiert. Nach der Trennung werden die jungen Kaninchen entweder selbst zur Gebärmaschine, oder sie werden zur Mast mit mehreren Tieren in noch kleinere Käfige gepfercht. Vor der Geburt wird zusätzlich eine kleine Nistbox meist außen an dem Gitterkäfig angebracht. Nach etwa zwei Wochen verlassen die jungen Kaninchen diese Nistbox und bevorzugen die Nähe ihrer Mutter in dem viel zu engen Käfig. Das Muttertier hat dann keine Möglichkeit mehr, dem ständigen Drängen und Suchen ihrer Jungen nach Milch zu entkommen. Dies führt zu erheblichem Dauerstress. Verletzungen der jungen Kaninchen durch Fluchtversuche der Mutter sind die Folge.

Mit drei bis vier Monaten erreichen weibliche Kaninchen die Geschlechtsreife. Obwohl sie eine Lebenserwartung von über 10 Jahre haben können, werden weibliche Kaninchen in Zuchtbetrieben in der Regel nicht älter als ein Jahr. Durch die vielen Geburten ausgelaugt, sterben sie innerhalb dieses Zeitraumes vor Erschöpfung.

Ein weibliches Kaninchen kann durch ihre Nachkommenschaft bis zu 80 Kilogramm Fleisch pro Jahr erzeugen. Das entspricht dem Vierzigfachen des eigenen Körpergewichtes. Lässt ihre Geburtenrate während dieser Zeit deutlich nach, wird sie aus Produktivitätsgründen geschlachtet.

Das Futter besteht aus so genannten Pellets, die teilweise prophylaktisch mit Medikamenten (Kokzidiostatika, Kokzidiose) versetzt sind, weil das eintönige Kraftfutter oft zu Darmerkrankungen führt. Eine abwechselungsreiche Kost mit vielen Rohfasern wie Heu, Stroh oder frisches Grünfutter und Obst würde die Sterberate zwar deutlich vermindern, unterbleibt jedoch aus Kostengründen. Da die Tiere in ihren engen Zellen keinerlei Ablenkung haben, essen sie aus Langeweile. Zusätzlich werden die Kaninchen zur Stimulation einer vermehrten Nahrungsaufnahme einer schummrigen Dauerbeleuchtung durch Neonröhren ausgesetzt.

Mit der Tierschutz-Transportverordnung vom 25.2.1997 wird der Transport von Tieren zu gewerblichen Zwecken geregelt. Sie fordert unter anderem, dass Kaninchen während eines Transports jederzeit ihren Flüssigkeits- und Nährstoffbedarf decken können. Dies gilt aber nicht, wenn die Transportzeit weniger als 12 Stunden beträgt. Außerdem macht diese Verordnung bezüglich der Größe der Behältnisse, in denen Kaninchen transportiert werden dürfen, Unterschiede zwischen "Mastkaninchen" und "anderen Kaninchen". Bei "Mastkaninchen" handelt es sich laut Verordnung um Tiere im Alter von höchstens 90 Tagen, die zur Weitermast oder zur Schlachtung nicht länger als 12 Stunden transportiert werden. Die Höhe und Fläche der Behältnisse darf für solche Kaninchen deutlich kleiner ausfallen als für "andere Kaninchen". Außerdem gibt es keine Begrenzung der Anzahl der Tiere pro Behältnis.

Behältnisse zum Transport von "Mastkaninchen" mit einem Gewicht bis zu 3 Kilogramm müssen mindestens 20 cm hoch sein, die Fläche pro Tier muss mindestens 500 Quadratzentimeter betragen.

Das ist weniger als die Fläche einer DIN-A4 Seite!

Bei den so genannten "anderen Kaninchen" muss das Behältnis für Tiere, die zwischen 2 und 3 Kilogramm wiegen, mindestens 25 Zentimeter hoch sein, und die Fläche muss mindestens 900 Quadratzentimeter betragen. Maximal 2 Kaninchen pro Behältnis dürfen transportiert werden.

In ihrem kurzen, erbärmlichen Leben sehen sie niemals natürliches Sonnenlicht. Vom Herumhoppeln, Hakenschlagen, Springen oder Höhlengraben wie es ihrer Art entspricht, können die Tiere nicht einmal träumen, denn sie kennen es nicht. Die lebenslange Monotonie endet erst am Tage ihrer Schlachtung, wenn sie brutal aus ihren Käfigen gezerrt werden.

Das Tierschutzgesetz fordert, dass Kaninchen vor ihrer Schlachtung betäubt werden. Die Tierschutz-Schlachtverordnung vom 3.3.1997 gibt als dafür zulässige Verfahren an: Bolzenschuss, Kugelschuss, elektrische Durchströmung, Kopfschlag, Genickschlag oder die Verabreichung eines Stoffes mit Betäubungseffekt. Die am häufigsten angewendeten Betäubungsarten in den größeren Betrieben sind Bolzenschuss und Elektro-Betäubung. Die Elektro-Betäubung findet halbautomatisch statt. An wenig behaarte Stellen am Kopf (Augenlider) werden dabei Elektroden angebracht und Strom durchgeleitet. Danach wird ihnen mit einem automatisch rotierenden Messer die Kehle durchgeschnitten.

Es ist bekannt, dass rund ein Drittel der Kaninchen nur halbbetäubt oder gar nicht betäubt unters Messer gerät, verstümmelt wird und einen langsamen, qualvollen Tod stirbt.

Bei der Hausschlachtung werden die Tiere meist durch Genickschlag betäubt.

Während das Schicksal von Mastschweinen und Rindern ein relative großes Interesse in der Öffentlichkeit findet, spricht von den Mastkaninchen überhaupt niemand. Nach mehr als 50 Jahren hat es die "tierliebe" Bundesrepublik Deutschland nicht geschafft, gesetzliche Vorschriften für die Haltung und die Mast von Kaninchen zu erlassen. Obwohl die tierquälerische Haltungsart in der kommerziellen Kaninchenzucht und Kaninchenmast von Experten als nicht "artgemäß und nicht tiergerecht" beurteilt wird, geht das Leiden und Sterben dieser hochsensiblen Tiere weiter. Biologen und Verhaltensforscher fordern seit vielen Jahren ein Verbot der Batteriehaltung und kritisieren Dauerbeleuchtung, automatisierte Tötungsmethoden, das aus Pellets bestehende Einheitsfutter und viele andere tierquälerische Aspekte der kommerziellen Kaninchenmast.

Da es keine bindenden gesetzlichen Vorschriften zur Haltung von Kaninchen gibt, dient als Grundlage für ihre Haltung und Zucht lediglich das Tierschutzgesetz, das hierfür absolut unzureichend ist. Darüber hinaus existiert in Deutschland und in der Europäischen Union keine Meldepflicht für Kaninchenhalter. Die Anzahl der Betriebe und der dort gehaltenen Tiere kann lediglich geschätzt werden. Außerdem fehlen gesetzliche Vorschriften zum Transport und zur Schlachtung.

Eine bundesweite und einheitliche Kaninchen-Haltungsverordnung, die sich an den Vorgaben der Experten orientiert, steht trotz permanenter Proteste aus der Tierschutz- und Tierrecht-Bewegung bis heute noch aus.

Schätzungen zu Folge stammen 49 Prozent des in Deutschland verzehrten Kaninchenfleisches von Hobbyzüchtern, 15 Prozent von Rassekaninchenzüchtern und weitere 15 Prozent von spezialisierten Mastbetrieben. Rund 20 Prozent des Fleisches wird aus Osteuropa und China importiert. Mit einer Liefermenge von 5.739,9 Tonnen war im Jahre 2001 China der größte Importeur. Seit Anfang 2002 hat die EU ein Importverbot für Kaninchenfleisch aus China, Deutschlands größtem Drittland-Importeur, verhängt, weil Rückstände von dem Antibiotikum Chloramphenicol gefunden wurden, das seit 1994 in der EU-Tierhaltung verboten ist. Es steht im Verdacht, das Knochenmark zu schädigen.

Ein Blick über die Grenzen hinaus:

Laut FAO (UN Food and Agriculture Organization) überstieg die weltweite Produktion an Kaninchenfleisch im Jahre 2001 erstmals eine Million Tonnen. Das bedeutet, dass bei einem Durchschnittsgewicht von 2 Kilogramm 500.000.000 (fünfhundert Millionen) Kaninchen weltweit geschlachtet wurden. Bei einer Sterblichkeitsrate von 50 Prozent, die in der Kaninchenmast nicht selten ist, ergibt dies die unvorstellbare Zahl von einer Milliarde Kaninchen, die für menschliche Interessen zu Tode kamen. Der weltweit größte Produzent an Kaninchenfleisch ist China mit 315.000 Tonnen im Jahr 2000, Italien mit 221.000 Tonnen, gefolgt von Spanien mit 135.000 Tonnen und Frankreich mit 85.000 Tonnen. Ägypten produzierte 69.600 Tonnen, Malta 1.350 Tonnen und Zypern 830 Tonnen. In der EU wurden im Jahr 2000 insgesamt 570.051 Tonnen Kaninchenfleisch produziert, in Afrika 85.782 Tonnen und in Zentralamerika 4.364 Tonnen. In Nordamerika wird nur relativ wenig Kaninchenfleisch konsumiert, rund 35.000 Tonnen. Italien hält den Konsumrekord mit 5,8 Kilogramm Kaninchenfleisch pro Jahr und pro Kopf.


Angora-Kaninchen - Tierquälerei für die menschliche Eitelkeit

Auch für die Mode leiden und sterben Millionen Kaninchen pro Jahr. Angora-Kaninchen stellen eine langhaarige Extrem- bzw. Qualzüchtung dar. Diese Tiere sind ohne spezielle Behandlung und Haltung nicht lebensfähig. Weil das unnatürlich langhaarige Fell bei Verunreinigungen sehr leicht verklebt und verfilzt, werden die Tiere in der Regel einzeln in kleinen "sterilen" Gitterkäfigen gehalten, um die angeborenen Verhaltensweisen wie Scharren, Hoppeln, Springen und Spielen mit Artgenossen auszuschließen.

Die Erzeugung von Angorawolle spielt in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle. Bei etwa 0,1 Prozent der hier gehaltenen Kaninchen handelt es sich um Angorakaninchen; das sind aber immerhin rund 16.000 Tiere.

Angora-Kaninchen werden für den modischen Angora-Pullover vier bis fünfmal pro Jahr kahl geschoren, was etwa 2000 Gramm Wolle ergibt. Bei der Prozedur des Scherens kommt es häufig zu Schnittverletzungen der äußerst empfindlichen Kaninchenhaut.



In manchen Ländern (darunter auch Frankreich und die Schweiz) ist das tierquälerische Rupfen der Wolle noch immer erlaubt. Das Kaninchen wird hierzu auf einem Brett mit Bändern fixiert oder mit der Hand fest niedergedrückt, was zu erheblichem Stress führt. Die weiche Wolle wird betäubungslos aus dem empfindlichen Bauch- und Rückenfell gerupft. Es kommt dabei zu starken Hautrötungen und Hautentzündungen und gelegentlich sogar zu kleinen Wunden. Nicht selten sterben die Tiere nach der Schur oder dem Rupfen an Schock oder an Unterkühlung oder deren Folgen. (Lungenentzündung) Häufig werden Angora-Kaninchen auch in unterkühlten Räumen gehalten, um das Wachstum des Fellkleides zu beschleunigen. Erkältungskrankheiten und Rheuma sind die Folgen.

Die soziale Isolation (Isolationsfolter) führt zu schweren Verhaltensstörungen und macht die Tiere hochgradig apathisch. Diese psychische Störung führt sogar dazu, dass sich Angora-Kaninchen bei der sehr schmerzhaften Prozedur des Rupfens, kaum noch wehren. Die Haltungsbedingungen in Angora-Kaninchen-Farmen sind denen der Mastkaninchenbetriebe recht ähnlich. Das Leben der Angora-Kaninchen besteht aus Monotonie, engen Käfigen, Infektionskrankheiten, schmerzhafter Schur und einem gewaltsamen, vorzeitigen Tod.

Aus China, einem Land, in dem Tierschutzgesetze kaum von Bedeutung sind, stammen rund 80 % der Weltproduktion der Angora-Wolle.

Für die menschliche Eitelkeit wird Kaninchen buchstäblich das Fell über die Ohren gezogen. Speziell gezüchtete Kaninchen mit besonderem Fellkleid erleiden in ähnlichen tierquälerischen Haltungsbedingungen das gleiche Schicksal wie ihre Artgenossen in der Angora- und Mastkaninchenzucht. Die Pelze dienen als Besatz von Schuhen oder von sonstigen Kleidungsstücken oder werden zu modischen Accessoires verarbeitet.


"Versuchskaninchen"

Wir alle kennen den Begriff Versuchskaninchen. Dieses Wort ist uns so geläufig, dass es zu einem feststehenden Ausdruck unserer Alltagssprache geworden ist. Über das Leiden dieser Kaninchen machen sich die wenigsten Menschen Gedanken.



Foto: http://vegetarismus.ch


Nicht selten werden im gleichen Lande, aber von verschiedenen Firmen oder Konzernen die gleichen Grundsubstanzen an ihnen getestet. In allen Industrienationen dieser Erde finden für die gleichen Substanzen und Produkte, die sich meistens nur dem Namen nach von bereits getesteten Substanzen und Produkten unterscheiden, und für die gleichen Untersuchungen der Grundlagenforschung die gleichen Versuche an Kaninchen statt. Die Zahl der Kaninchen, die Jahr für Jahr weltweit diesem fragwürdigen Fortschrittsdrang des Menschen zum Opfer fallen, geht in die Millionen.

1999 wurden in Deutschland etwa 51.000 Kaninchen in Tierversuchen für Pharma- und Grundlagenforschung verbraucht. Rund 12.000 Tiere wurden Mehrfachversuchen unterzogen, und 400 Tiere Versuchen ausgesetzt, die länger als ein Jahr dauerten.

Für einen fehlgeleiteten Wissensdrang, dem keine Grenzen gesetzt sind, weder durch die Justiz noch durch die herkömmliche Moralphilosophie, wird an Versuchskaninchen amputiert, transplantiert und implantiert. Man schneidet sie lebend auf, legt Nieren, Leber oder andere Organe zu Untersuchungen frei, bricht oder zersägt ihre Knochen, verbrüht, verbrennt oder verätzt sie, man trägt das Gehirn schichtweise ab oder führt Messinstrumente ein. Man näht ihnen Augen, After oder Harngang zu, setzt sie unter Strom oder entzieht ihnen den Sauerstoff zum Atmen. Es würde Bände füllen, um alle Versuche detailliert zu beschreiben, die an ihnen vorgenommen wurden und werden. Deshalb sollen nur die bekanntesten und am häufigsten durchgeführten Versuche kurz dargestellt werden.

Der LD50-Test zur Beurteilung der akuten Toxizität:

Der Toxizitätstest wird durchgeführt, um die Giftigkeit einer Chemikalie zu beurteilen, nachdem man dieser ausgesetzt war. Bei dem am häufigsten angewendeten Toxizitätstest, dem so genannten LD-50-Test, wird einer größeren Anzahl von Kaninchen die zu testende Substanz verabreicht, um die Dosis zu heraus zu finden, bei der die Hälfte der Tiere daran stirbt. Den Kaninchen wird der Stoff über die Nahrung, durch Hautpenetration, durch Magensonde, durch Inhalation oder durch Injizieren in Venen oder Bauchhöhle verabreicht.

Oral: Die Testsubstanz wird den Tieren unter ihre Nahrung gemischt oder über eine Sonde direkt in den Magen gepumpt. Je nach Dosierung leiden die Tiere an äußerst schmerzhaften und heftigen Vergiftungserscheinungen. Sie sterben unter Schüttelkrämpfen, Zittern, Übelkeit, Lähmungen, Durchfall, oralen Blutungen oder Blutungen der Augen, Ohren oder Genitalien. Der Tod tritt meistens durch Nierenversagen, cerebrale Funktionsstörungen mit komatösen Zuständen, Herzstillstand oder inneren Blutungen ein.

Intramuskulär: Bei der Injizierung in Venen und Bauchhöhle sind ähnliche Reaktionen zu beobachten. Die Tests werden so lange fortgesetzt, bis die Hälfte der Tiere gestorben ist.

Inhalation: Die Tiere müssen über einen längeren Zeitraum die Dämpfe der zu testenden Substanz einatmen. Dies geschieht entweder mittels Inhalationskammer, in die die Tiere eingesperrt werden, oder sie werden fixiert und mit einer Atemmaske den Dämpfen der zu testenden Substanz ausgesetzt. Die Inhalation von ätzenden Chemikalien verursacht für die betroffenen Tiere, die in Panik zu fliehen versuchen, enormer Stress. Diese Tests, wenn sie nicht tödlich enden, führen zu Schleimhautentzündungen, Lungenverätzungen, Nasenbluten, Schüttelkrämpfen oder zur Bewusstlosigkeit.

Haut:

Während des Hautreizungstests sind die Kaninchen meistens fixiert, damit sie sich nicht kratzen oder lecken können. Ihr Rücken wird kahl geschoren oder das Fell wird durch ein stark klebendes Band, das rasch abgezogen wird, entfernt.



Häufig wird auch die Haut aufgeritzt oder bis auf das rohe Fleisch abgeschält, um dort die Testsubstanz aufzutragen. Bei ätzenden Substanzen bilden sich Blasen, Schwellungen oder offene Wunden. Die Tests dauern in der Regel 14 Tage, um die erforderliche Menge und den Grad der Hautpenetration festzustellen, der zum Tode der Tiere führt. In Langzeittests von 14 bis 90 Tagen wird beobachtet, welche Auswirkungen die zu testende Substanz auf Organe wie Leber, Nieren, Lungen und das Nervensystem haben. Langzeittests werden auch angewendet, um die Auswirkungen der zu testenden Substanz auf die Nachkommenschaft zu untersuchen.

Bei allen Toxizitätsstudien erleiden die Versuchskaninchen extreme Schmerzen, da sie ohne Betäubung vorgenommen werden. In der Regel enden alle Toxizitätstests mit dem Tod der betroffenen Kaninchen, da auch die Tiere, die den Test überlebt haben zwecks weiterer Untersuchungen eventueller Auswirkungen auf die inneren Organe getötet werden.

Draize-Test: Dieses Verfahren ist nach seinem amerikanischen Erfinder benannt. Der Draize-Test wird seit rund 50 Jahren angewendet, um die Schleimhautverträglichkeit der zu testenden Substanzen zu überprüfen.



Während dieser Versuche erfolgt keine lokale Betäubung oder Verabreichung von Schmerzmitteln.

Vor vielen Jahren schon verpflichtete sich die Europäische Kommission, die Zahl der Tierversuche bis zum Jahr 2000 um 50% zu senken. Bis heute wurde von den „Eurokraten“ dieses Versprechen nicht eingehalten. Im Gegenteil, mittlerweile plant die EU ein gigantisches Testprogramm (EU-Altchemikalien-Testprogramm), bei dem bis zu 10 Millionen zusätzlicher Tierversuche durchgeführt werden sollen.

"Flintenmaterial Wildkaninchen"



Neben natürlichen Feinden, Myxomatose und RHD (tödliche Viruserkrankungen) und anderen anthropogenen Einflüssen ist vor allem der Jäger für den Tod von Wildkaninchen in unserem Land verantwortlich zu machen. In der Bundesrepublik Deutschland wurden in der Jagdsaison 2002 laut Angaben des Deutschen Jagdschutz Verbandes 168.825 Wildkaninchen zur Strecke gebracht. Im Jahr zuvor waren es 188.172 Wildkaninchen. Gegenüber präzisen Jagdflinten und dem streuenden Schrot haben die Kaninchen keinerlei Chance. Es kommt aber leider auch vor, dass die Tiere durch die Schrotladungen nur verletzt werden, fliehen können und langsam und qualvoll an ihren Schussverletzungen sterben. Selbst leicht verletzte Wildkaninchen sterben noch nach Stunden an Schock. Da Wildkaninchen das ganze Jahr für Nachkommenschaft sorgen, kommt es zwangsläufig vor, dass auch stillende Kaninchenmütter den Jägern zum Opfer fallen und ihre Jungen verhungern müssen.

Kaninchen fallen auch der Beizjagd (Jagd mit abgerichteten Raubvögeln) zum Opfer. Außerdem werden sie mit Hilfe von Frettchen (abgerichtete, kleine Marderart) bejagt. Bei der Frettchenjagd kommen vor allem die fluchtunfähigen Jungtiere in den unterirdischen Kaninchenbauten ums Leben.


"Zivilisationsopfer und Schädlinge"



Durch menschliche Einflüsse und Eingriffe in die Natur z.B. chemische Düngung, fehlende Rückzugsmöglichkeiten, durch die Flurbereinigung, durch Monokulturen, durch Mähdrescher und durch den Straßenverkehr wird das Leben der Wildkaninchen permanent bedroht. Schätzungen zufolge, kommen pro Jahr im Straßenverkehr weit über 200. 000 Hasen und Wildkaninchen zu Tode. Aber auch mit gezielt verbreiteten Krankheiten geht der Mensch weltweit gegen die Wildkaninchen vor, die vielerorts als Schädlinge betrachtet werden. In Australien z. B. tötete im Jahre 1997 das Calici-Virus, das durch den Menschen freigesetzt wurde, rund zwanzig Millionen Kaninchen innerhalb von nur zwei Monaten. Zusätzlich wird Gift ausgelegt, die Kaninchenbauten werden systematisch mit Giftgas "begast", oder ein explosives Gasgemisch wird in ihre Bauten eingeleitet und zur Explosion gebracht. Die Kaninchen sterben dann entweder an Verbrennungen oder durch die entstehende Explosionsdruckwelle, die ihre Lungen platzen lässt.


Das traurige Fazit:



Das Kaninchen ist das "Allzwecknutztier" des Menschen. Keine andere Tierart wird für menschliche Interessen auf so vielfältige Art und Weise so brutal missbraucht und erfährt durch den Menschen ein auch nur vergleichbares Ausmaß an physischem und psychischem Schmerz. Aber diese Grausamkeiten, die den Kaninchen Stunde für Stunde, Tag für Tag und Jahr für Jahr angetan werden, stellen nur einen winzigen Punkt auf der fast unendlich weiten Skala des Tierleides und des unbeschreiblichen Grauens dar, das durch uns Menschen den Tieren zugefügt wird.


Schweine

Über Schweine, die niemals "Schwein haben"
Nutztier, Wirtschaftsfaktor, Schädling und Ersatzteillager




Schweine bilden die Familie Suidae der Ordnung Artiodactyla (Paarhufer). Sie gehören zu den intelligentesten Säugetieren. Schweine sind neugierig und erstaunlich lernfähig. Unter natürlichen Bedingungen verbringen sie viel Zeit damit, ihre Umgebung zu erkunden. Sie sind von Natur aus sehr reinlich und würden niemals den unmittelbaren Lebensbereich durch Exkremente verunreinigen. Schweine können ein Lebensalter bis zu 30 Jahren erreichen. Als gesellige Rudeltiere leben sie in größeren Gruppen. Nur kurz vor der Geburt sondert die Sau sich ab und baut ihr Nest. Schweinemütter sind fürsorglich und stillen ihre Jungen unter natürlichen Bedingungen rund 15 Wochen.


Wildschweine

Das Wildschwein, Urahn unserer "Hausschweine", heißt zoologisch Sus scrofa. Es war früher über den gesamten europäischen Kontinent, über Nordafrika und Westasien verbreitet. Das erwachsene männliche Tier nennt man Keiler und das weibliche Tier Bache. Ausgewachsen sind Wildschweine grauschwarz, ca. 1,1 bis 1,8 Meter lang und können bis zu 350 Kilogramm wiegen. Ihr Fell besteht aus einem kurzen, flaumigen Haarkleid, das von Borsten durchsetzt ist. Ihre Jungen heißen Frischlinge; sie sind heller gefärbt und haben seitlich helle Längsstreifen. Beim Keiler entwickeln sich die Eckzähne des Unterkiefers zu imposanten Hauern, die sich nach oben biegen und bis zu 30 Zentimeter lang werden können. Sie dienen der Verteidigung und zum Graben bei der Nahrungssuche.

Wildschweine leben bevorzugt in feuchten, morastigen Wäldern und ernähren sich als omnivore Tiere von Wurzeln, Früchten, Pilzen, Würmern, Insekten, Schnecken und Aas. In Großbritannien und Südskandinavien war das Wildschwein ausgestorben, wurde aber in manchen Gebieten als "Jagdbeute" wieder angesiedelt. Wildschweine streifen in kleinen Rotten umher, die aus verwandten Bachen und ihren Nachkommen bestehen.


"Hausschweine"

So genannte "Hausschweine" werden heute fast weltweit als "Nutztiere", vor allem als Fleischlieferanten gehalten. Sie wurden im Mittelmeerraum und in Osteuropa sowie in Südostasien domestiziert. Möglicherweise wurden sie bereits vor 9000 Jahren zuerst in China und später im vorderen Orient und in Europa gehalten. Im alten Ägypten wurden Schweine auch als Zugtiere verwendet, da ihre Hufeindrücke genau die richtige Tiefe zum Säen von Weizen hatte. Außerdem richtete man Schweine als Viehhirten ab, die andere Herdentiere zusammentreiben mussten und trainierte sie auf die Suche nach Wild und Trüffeln. Auf dem amerikanischen Kontinent wurden Schweine erst heimisch, nachdem sie von spanischen Eroberern dort eingeführt wurden.

Ausgewachsene "Hausschweine" haben einen schweren, rundlichen Körper, einen länglichen, weichen Rüssel, kurze Beine mit paarigen Zehen und einen kurzen, oft geringelten Schwanz. Die dicke, aber empfindliche Haut ist teilweise mit kurzen Borsten besetzt und kann sehr unterschiedliche Farben haben. Als Fleischlieferanten sind Schweine deshalb "ideal", weil sie schnell wachsen, eine relativ kurze Schwangerschaftszeit von 16 Wochen haben und bis zu 14 Junge gebären können. Die genügsamen Schweine kann man mit dem unterschiedlichsten Futter mästen. Wohl auch deshalb hat man sie schon sehr früh domestiziert und gezüchtet. Schweine essen u. a. Getreide und Hülsenfrüchte. Sie dienen außer zur Produktion von Fleisch und Fett auch zur Gewinnung von Leder und Borsten (für Bürsten) und sind seit der BSE-Krise wichtige Gelatine-Lieferanten.


Rassen

Etwa 90 Rassen und mehr als 200 Varianten kennt man heute. In den westlichen Ländern gibt es u. a. folgende Rassen:



Die auch in Deutschland verbreitete Landrasse bzw. Deutsche Landrasse, die ursprünglich aus Dänemark stammt. Dies sind weißborstige, lange und breite Tiere mit Schlappohren. Das ebenfalls in Deutschland gehaltene weißborstige Edelschwein lässt sich anhand seiner Stehohren von der Landrasse unterscheiden. Aus England stammen Berkshire (schwarz mit weißen Punkten) und Yorkshire (Vorfahre des Edelschweines). Aus den USA kommen Rassen wie das auch in Europa gehaltene rotbraune Duroc sowie Chester White, Hampshire (schwarz mit weißem Bauch), Poland China (schwarz mit weißen Flecken) und Spotted (schwarz mit weißen Flecken). Die einzelnen Rassen unterscheiden sich auch in ihrer Wachstumsrate, in der Größe ihrer Nachkommenschaft und in der Körpergröße. Die meisten "Hausschweine" stammen aus Rassen-Kreuzungen mit dem Ziel, größere Vitalität bzw. größere Produktionserträge zu erzielen. Dafür werden zwei oder drei Rassen abwechselnd gekreuzt. Dabei wird eine Sau von einem Eber einer anderen Rasse gedeckt. Weibliche Tiere aus dieser Kreuzung werden von einem Eber der mütterlichen Rasse gedeckt; diese Kreuzung wird wiederum mit einem Eber der ersten Rasse gekreuzt.

Außer durch Zucht hat man versucht, durch Gentechnik die Fleischproduktivität bei Schweinen zu steigern. Bereits in den achtziger Jahren fügte man die Gene für die Produktion von menschlichen Wachstumshormonen in das Erbgut von Schweinen ein, weil man sich davon eine erhöhte Fleischproduktion versprach. Viele Tiere überlebten die Genmanipulation nicht. Die Schweine, die den gentechnischen Eingriff überlebten, waren zwar größer als ihre "normalen" Artgenossen, litten aber als Folge dieser Manipulation an Erkrankungen wie Magengeschwüren, Arthritis, Herzvergrößerungen sowie Haut- und Nierenerkrankungen. Die Wachstumshormone hatten massive Störungen im gesamten Stoffwechsel zur Folge gehabt.

Die australische Firma BresaGen zum Beispiel hatte Schweinen ein zusätzliches Schweine-Wachstumshormon-Gen eingefügt, damit die Tiere schneller wachsen, größer werden und einen höheren Anteil an magerem Fleisch haben sollten. Aber auch hier traten "unerwünschte" Effekte auf. Es wurden Ferkel geboren, die - wie bei den Schweinen mit menschlichen Wachstumshormon-Genen - unter Gelenkentzündungen litten, extrem mager und unfruchtbar waren. Während der Versuchsphase starb ein Teil der Tiere, andere mussten getötet werden. (Quelle: Bundesverband der Tierversuchsgegner, Produkt und Realität, "Schweineproduktion")


Haltung

Schweine werden intensiver gehalten als Rinder oder Schafe. Es gibt folgende drei Betriebsformen: Reinzuchtbetriebe, die reinrassige Muttertiere züchten. Betriebe, die nur Jungtiere für die Mast züchten, und Mastbetriebe, die sich auf die eigentliche Schweinemast spezialisiert haben. Manche Betriebe lassen sich allen drei Bereichen zuordnen.



Die Futterkosten machen rund 70 Prozent des Verkaufspreises eines Tieres aus. Bei der Intensiv-Haltung muss beachtet werden, dass Ferkel sehr kälteempfindlich sind. Da Schweine auch keine Schweißdrüsen haben, brauchen größere Tiere Möglichkeiten, um sich abzukühlen. Außerdem müsste eine geeignete Belüftungsanlage die entstehenden giftigen Emissionen wie Wasserstoff und Ammoniak ableiten. Intensive Schweinemast ist wie jede Art der "Nutztierhaltung" legalisierte Tierquälerei, weil die Tiere vor allem viel zu wenig Bewegungsraum haben. Man forscht seit langem an "artgerechten" und Heizenergie sparenden Massenställen, die den Tieren nicht nur ausreichend Auslauf ermöglichen, sondern auch Einrichtungen wie Ruhekisten, Scheuerpfähle und Wühlboxen bieten. Unsere Landwirtschaft ist aber noch sehr weit davon entfernt, aus entsprechenden Forschungsergebnissen nachhaltige Konsequenzen zu ziehen.

Die Tiere werden gegen verschiedene Krankheiten geimpft. Zudem werden Antibiotika eingesetzt, um Infektionen zu verhindern und um ein schnelleres Wachstum zu erzielen. Diese ohnehin fragwürdige Praxis ist zwar gesetzlich geregelt, weil beim Verzehr des Fleisches Rückstände vorhanden sein können, doch immer wieder werden Medikamente auch illegal eingesetzt. Als Folge der "krankmachenden" Intensiv-Zucht tritt mit einer gewissen Regelmäßigkeit in Europa die hoch infektiöse Schweinepest auf und führt zu Massentötungen auch gesunder Schweinebestände. Obwohl es eine sehr effektive Impfung gibt, darf diese nicht eingesetzt werden, denn für den Export bestimmte und geimpfte Schweine können dann bei einem Schnelltest nicht von erkrankten Tieren unterschieden werden.


Schweinebestände

Ende der achtziger Jahre lag der Bestand an "Hausschweinen" weltweit bei über 847 Millionen: China nahezu 349 Millionen, die ehemalige Sowjetunion 78 Millionen, die USA 56 Millionen, Brasilien 32 Millionen und die Bundesrepublik Deutschland 23 Millionen. 1998 gab es in der EU 125 Millionen Scheine. Mit rund 41 Millionen, das entspricht etwa 25 Prozent, ist Deutschland der größte "Schweine-Erzeuger" in der Europäischen Union. Vor allem in Bayern, Niedersachsen und Nordrheinwestfalen werden Schweine zu 98 Prozent in Massentierhaltungsbetrieben "produziert".

Insgesamt 140.000 Schweinehalter gibt es in Deutschland, darunter knapp 20.000 Großbetriebe mit mehr als 400 Tieren. In diesen Anlagen leben mehr als 70 Prozent aller Schweine.


Zuchtsauen - lebenslang eingesperrte Gebärmaschinen

Als reine Gebärmaschinen müssen Zuchtsauen möglichst schnell möglichst viele Jungen gebären. Dies führt zu gravierenden Gesundheitsschäden. Rund 50 Prozent der Muttertiere werden wegen mangelnder Fruchtbarkeit oder gesundheitlichen Störungen vorzeitig geschlachtet. Nach der viel zu frühen Entwöhnung der Jungtiere (nach 21 Tagen) werden die Muttertiere sofort erneut besamt. Eine "gute Zuchtsau" hat durchschnittlich 2,2 "Würfe" mit jeweils 10 Jungen pro Jahr.



Mit sieben Monaten werden die Sauen gewaltsam mit dem Sperma eines "Spitzenvererbers" aus der Besamungsstation besamt. Nach 16 Wochen Schwangerschaft erfolgt das "Abferkeln" in der so genannten "Abferkelbox". Die Fläche, auf der ein Muttertier gehalten wird, entspricht mit 1,3 Quadratmeter gerade einmal ihrem eigenen Körperumfang. Der Boxenboden ist eine mit Spalten versehene Betonfläche, durch die die Exkremente in einen darunter liegenden Kanal ablaufen. Der Gestank aus diesem Kanal belästigt die an sich reinlichen und geruchsempfindlichen Tiere ständig. Die scharfkantigen Betonspalten verursachen häufig schmerzhafte Verletzungen an den Klauen. Zudem sind die Tiere durch Eisenrohre fixiert und können sich kaum bewegen, so dass das permanente Liegen auf dem mit Kot verschmutzten Betonboden zu beträchtlichen Schmerzen führt. Diese tierquälerische "Einzelhaft" der geselligen und neugierigen Tiere führt neben körperlichen Schäden zu einer gravierenden psychischen Belastung.

Auf Grund der permanenten Schmerzzustände und der monotonen Umgebung entwickeln die Schweine in der Regel gravierende Verhaltensstörungen wie Stangen-Beißen und grundlose Kaubewegungen, die im Fachjargon als "Leerkauen" bezeichnet werden.

Neben der Boxenhaltung ist zur Zeit die Anbinde-Haltung für Zuchtsauen noch üblich, die aber seit 1996 mit einer Übergangsfrist bis zum Jahre 2005/6 verboten wurde. In der BRD fristen rund 60 Prozent aller Mutterschweine in einer der beschriebenen Formen ihr Dasein in lebenslanger Einzelhaft.


Ferkelaufzucht

Schon der Start ins Leben ist in unseren Agrarfabriken pure Tierquälerei.

Zunächst wird den Neugeborenen der Schwanz abgeschnitten, um Kannibalismus als Folge der Haltungsbedingungen und des Getrenntseins von der Mutter zu verhindern. Außerdem werden ihre Eckzähne abgekniffen, damit sie beim Säugen die Mutter nicht verletzen. Beides geschieht ohne jegliche Betäubung. In der dritten Lebenswoche werden - wiederum ohne Betäubung - die männlichen Jungtiere kastriert, um den sonst entstehende "Ebergeschmack" zu vermeiden, der bei den Konsumenten nicht erwünscht ist.

Unter natürlichen bzw. naturnahen Bedingungen werden Ferkel von ihrer Mutter zwischen 6 bis 15 Wochen gestillt. In der Intensivhaltung werden sie nach 21 Tagen von ihrer Mutter getrennt und kommen in spezielle Käfige (Flatdecks) mit Spaltenböden. Dort entstehen schnell hospitalismusähnliche Verhaltensstörungen wie monotones Kopfschaukeln und Beißen an den Käfigstangen.



Die Mast beginnt mit speziellem Futter aus Getreide und oft gentechnisch veränderten Sojaprodukten. Es ist bekannt, dass immer wieder Antibiotika und andere Zusatzstoffe prophylaktisch verabreicht werden, obwohl diese verboten sind, um die Gewichtszunahme zu fördern und Krankheiten zu vermeiden, die als Folge der schlechten Haltungsbedingen auftreten können. Mit 10 Wochen wiegen die jungen Schweine bereits rund 25 Kilo. Sie werden dann, oft über lange Strecken, in die eigentlichen Mastbetriebe transportiert. Es folgen 6 Wochen "Vormast" mit 2 Kilogramm Futterzuführung und 600 Gramm Gewichtszunahme pro Tag. In den folgenden Wochen beträgt die Gewichtszunahme rund 800 Gramm pro Tag. In der "Endmast" sitzen die bereits übergewichtigen Schweine apathisch mit hängendem Kopf auf dem Hinterteil, da ihre Füße sie nicht mehr tragen. Im Fachjargon nennt man diese Haltung "trauern". Nach 24 Wochen haben die Schweine mit über 100 Kilogramm ihr Schlachtgewicht erreicht und werden zum Schlachthof gekarrt. Dieser liegt oft hunderte Kilometer weit entfernt, oft im Ausland, wo das Schlachten billiger ist. Die Transporte dauern meist mehrere Tage. Die Schweine stehen im Transporter eng zusammengepfercht und erhalten unterwegs weder Futter noch Wasser. Die "Ausfallrate" durch Stress (Herzinfarkt) ist einkalkuliert.


Mastschweine - Monotonie bis zum Schlachttag

Mastschweine werden in Gruppenbuchten gehalten, meist auf Vollspaltenböden ohne Stroh. Typisch sind dabei die hohen Belegdichten. Nach der bis jetzt gültigen Schweinehaltungsverordnung hat ein bis 110 Kilogramm schweres Schwein gerade einmal 0,65 Quadratmeter Platz zur Verfügung.

Die Tiere haben in diesen Buchten keinerlei Beschäftigungs- und Spielmöglichkeiten, können weder wühlen noch die Umgebung erkunden. Unter natürlichen Bedingungen verbringen Schweine einen großen Teil ihrer Zeit mit der Nahrungssuche. Bei den Mastschweinen erfolgt eine jeweils wenige Minuten dauernde Abfütterung mit hochkonzentriertem Spezialmastfutter. Durch die chronische Langeweile, die monotone Mastfütterung und durch viel zu kurze Säugezeiten kommt es zu den bereits erwähnten Hospitalismusschäden:

Stereotype Bewegungsabläufe und das gegenseitige "Befressen" der Schwänze und Ohren der benachbarten Leidensgenossen sind die Regel. Man versucht zwar die Tiere auf die tierfeindlichen Lebensumstände und -räume zurecht zu stutzen, aber Maßnahmen wie Schwänze und Zähne abkneifen, Verdunkeln der Ställe oder der Einsatz von Psychopharmaka kaschieren das massenhafte Leiden der sensiblen Tiere nur oberflächlich.



Nach etwa 160 bis 180 Lebenstagen ist ein Mastschwein mit 110 Kilogramm schlachtreif und wird auf seine letzte Reise geschickt. Die meisten Schweine sehen anlässlich ihres Todestransportes zum Schlachtort zum ersten und zum letzten Mal das Tageslicht. Laut Bundesverband der Tierversuchsgegner sterben pro Jahr über eine Million Schweine schon während der Mast, etwa 500.000 weitere fallen dem Stress und der Todesangst während des Transportes zum Opfer. Innerhalb der EU werden Schweine über lange Strecken hin- und hertransportiert, um die Kosten für ihre "Produktion" zu minimieren. Ferkel karrt man z. B. von Holland nach Spanien, wo die Schweinemast billiger ist und weniger strengen Umweltauflagen unterliegt als in einigen anderen Ländern, die mittlerweile die enormen ökologischen Schäden durch die in großer Menge anfallende Gülle fürchten. Vom Mastort wiederum geht es zum Schlachtort, der z. B. in Italien liegt, denn dann kann der Schinken als teuerer Parma-Schinken vermarktet werden. Ein hoher Prozentsatz der Schweine überlebt den Stress dieser Transporte trotz medikamentöser "Vorbehandlung" mit Tranquillizern und Betablockern nicht und stirbt im Transportwagen an Herzinfarkt.

In der vorherrschenden Intensivhaltung wird Schweinefleisch durch die Verfütterung von Medikamenten, "Leistungsförderern" sowie von Tiermehl oder gentechnisch veränderten Futtermitteln endgültig zum Gesundheitsrisiko für den Verbraucher.

Die Tiere sind jedoch auf Grund der Haltungsbedingungen gesundheitlich weniger robust, was wiederum zum erhöhten Medikamenteneinsatz führt. Vor allem die vielen antibiotischen Leistungsförderer sind inzwischen mit Rücksicht auf die Gesundheit der Verbraucher verboten worden, da diese die Entwicklung resistenter Krankheitserreger fördern und andere massive Gesundheitsschäden oder gar Erbgutveränderungen auslösen können. Derzeit werden noch drei antibiotische Leistungsförderer in der Mast und Ferkelaufzucht legal eingesetzt. In Schweden sind Leistungsförderer bereits seit 1986 ganz verboten.

Nach dem jüngsten Tierschutz-Bericht der Bundesregierung sind in über 10 Prozent der Schweinehaltungsbetrieben in Deutschland Verstöße gegen das Tierschutz-Gesetz festgestellt worden. Diese Verstöße sind ein sicheres Zeichen, dass in der vorherrschenden industriellen Schweinehaltung eine "tiergerechte Haltung und Betreuung" prinzipiell nicht möglich ist. Auch der vorgelegte Entwurf für eine neue Schweinehaltungsverordnung reicht nicht aus, um diese Mängel zu beseitigen, denn ausschließlicher Zweck dieser Anlagen ist es, möglichst viel Fleisch in kürzester Zeit und so billig wie möglich auf den Markt zu werfen.

Nicht das Wohlsein des Tieres zählt, sondern der schnelle Profit.

Vorgeschlagene Verbesserungen in der EU:

Innerhalb der EU existieren beträchtliche Unterschiede in der Schweinehaltung. Daher plant die Europäische Kommission bis zum Jahr 2012 eine einheitliche Schweinehaltungsverordnung mit " tierschutzgerechten Verbesserungen". Schweine sollen sich frei bewegen und "verschiedene Stellungen" einnehmen können. Sie sollen verschiedene Bereiche für die Nahrungsaufnahme, Liegen, Kot- und Harnabsetzen zur Verfügung haben. Darüber hinaus sollen sie in Gruppen gehalten werden. Die Spaltböden, die in der Regel zu schweren Verletzungen an den Klauen führen, sollen durch wärmegedämmte Einstreuböden ersetzt werden. Außerdem soll "Beschäftigungsmaterial" wie Holz oder dicke Seile zur Verfügung gestellt werden; das Abkneifen der Schwänze und Zähne soll vermieden werden. Die Kastration soll nur noch mit geeigneten Instrumenten und unter Anästhesie erfolgen.

Ein Entwurf der Verbraucherschutz-Ministerin Renate Künast geht über die diskutierten EU-Richtlinienen deutlich hinaus. Er fordert eine Mindestfläche pro ausgewachsenem Tier von 1,10 Quadratmeter, Gruppenhaltung der schwangeren Muttertiere (70 bis 80 Tage) mit einer Grundfläche von 1,5 bis 2,05 Quadratmeter pro Tier, eine bessere Beleuchtung für 8 Stunden pro Tag sowie eine Vorrichtung zum Abkühlen (Schweine-Dusche) bei hohen Stalltemperaturen. Aber selbst dieser Entwurf weist eine Vielzahl von gravierender Mängel auf und kommt mehr den Wünschen der Agrarlobby als den Bedürfnissen der betroffenen Tieren entgegen.



Trotzdem ist dieser Entwurf auf massiven Widerstand des Deutschen Bauernverbandes, der CDU-regierten Bundesländer sowie auch einzelner Koalitionsmitglieder gestoßen, die alle mit der angeblichen Kostenbelastung der Erzeuger und der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Bauern innerhalb der EU argumentieren. Das traurige Fazit zur geplanten Schweinehaltungsverordnung: Wie immer – das Tier wird auf der Strecke bleiben. Auch in dem "Künast-Entwurf" werden die Tiere der Haltungsform angepasst anstatt umgekehrt. Dies bedeutet, dass entgegen der von Künast angekündigten "Agrarwende" auch weiterhin die lebensverachtenden Tierfabriken das Sagen haben. Es wird auch in Zukunft keine "glücklichen Schweine" geben. Solange in unserer "Kannibalen-Gesellschaft" die Nachfrage nach dem hellen, dem Menschenfleisch so ähnlichen Schweinefleisch den Markt und seine Mechanismen diktiert, bleibt "Schweinchen Babe" rechtloses Nutztier und manipulierbarer Wirtschaftsfaktor. Dass mit Schweinebäuchen auch so nebenbei das großes Geld gemacht wird - im Warentermingeschäft - dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben.


Das Schwein - ein multifunktionales Versuchstier

Von Mäusen, Ratten, Kaninchen weiß man, dass sie, leider in Medizin und Wissenschaft beliebte Versuchsobjekte sind und vieles von unserem fragwürdigen Fortschritt ihnen zu verdanken ist. Dass auch das Schwein bzw. kleine Ferkel als Versuchstiere zunehmend beliebter werden, ist kaum bekannt. Liest man nach, in welchen Bereichen und mit welchen Methoden mit Schweinen "wissenschaftliche" und medizinische Versuche gemacht werden, bietet sich ein Panorama kaum fassbaren Grauens.

Zunächst führen Schweinezucht und -mast zu so vielen Problemen, dass für deren Eliminierung immer mehr Versuche an tierärztlichen und landwirtschaftlichen Institutionen unternommen werden. In der Reproduktionsmedizin zur "Optimierung der Schweinezucht" werden Versuche unternommen, bei den Sauen Hormone und andere Substanzen durch schmerzhafte Verweilkatheder zugeführt werden, anschließend diese wiederum durch schmerzhafte Blutentnahmen untersucht, durch Bauchoperationen am Fortpflanzungsapparat die Effekte dieser Substanzen untersucht oder auch nur die Leistungsfähigkeit der Messgeräte zu deren Optimierung überprüft werden.

Zahlreich sind die Versuche, die Futtermittel, Medikamentenzusätze, die Verträglichkeit von Ammoniak und anderen durch die Intensivhaltung entstehenden Schadstoffe in der Atemluft testen. Die Ähnlichkeit des Stoffwechsels mit dem menschlichen Stoffwechsel lässt das Schwein bei vielen Experimenten, die die Humanmedizin optimieren soll, zum "Tiermodell" für den menschlichen Patienten, zum Stellvertreter des Menschen beim Quälen im Dienste des Fortschrittes werden.

Auf den Gebieten Infektions- und Impfforschung, Immunologie, Intensivmedizin, Transplantationsmedizin, Chirurgie, Anästhesie und Pharmakologie sind Schweine die beliebten Testkandidaten. Daneben sind Schweine auch die wesentlichen Lieferanten von Insulin.

Wegen der Unzahl dieser Experimente kann nur ein ganz knapper Einblick geliefert werden. Genaueres bzw. Beschreibungen und Daten von Experimenten findet man unter datenbank-tierversuche.de, der auch diese Informationen entnommen sind.

Schweine, oft Ferkel, werden mit Krankheitserregern infiziert, die z. B. tödliche Lungenentzündungen hervorrufen, die bis zu mehreren Wochen dauern und mit einem tagelangen Todeskampf enden. Oder es werden ihnen durch schmerzhafte Prozeduren (Verweilkatheder oder Schläuche) Bakteriengifte in die Blutbahn geleitet, die eine schwere Sepsis (Blutvergiftung) hervorrufen.

Chirurgie: Innovative Operationsmethoden, neue Narkosemittel, alle möglichen Operationen am Herzen und anderen inneren Organen werden im Hinblick auf Komplikationen an Schweinen getestet. Gesunden Schweinen werden z. B. Nieren transplantiert, um die Abstoßungsreaktionen und die Wirkung von Immunsuppressiva zu untersuchen.

Bei folgendem Versuch wurde anscheinend nur der den Menschen so sehr zugesprochene Erkenntnisdrang junger Zoologen befriedigt:

Für die Untersuchung werden 6 Frischlinge im Alter von 7 Wochen und 2 tragende Bachen vom staatlichen Forstamt "Saupark Springe" zur Verfügung gestellt. Die Bachen wurden mit der Videokamera überwacht, um Anzeichen der Geburt sofort zu erkennen. Die neugeborenen Frischlinge können sofort von der Mutter entfernt werden, ohne vorher Kolostrum (die antikörperhaltige Muttermilch der ersten Tage) aufgenommen zu haben. 12 der neugeborenen Wild- und Hausschweine werden unmittelbar nach der Geburt, die anderen im Alter von 7 Wochen bzw. 5 Monaten durch Entbluten nach Elektrobetäubung getötet. Der Magen-Darm-Trakt wird auf Unterschiede der verschiedenen Schweinegruppen hin untersucht.


Schweine als Ersatzteillager - die Xenotransplantation

"Transgene" Schweine werden im Auftrag des Pharma-Riesen NOVARTIS u. a. in England gezüchtet. Das "Hausschwein" ist seit einigen Jahren das Tier der ersten Wahl, um gentechnisch verändert - d.h. mit einem Human-Gen versehen - in Zukunft als Ersatzteillager für Spenderorgane (Nieren, Herzen, Herzklappen, Lebern….) gezüchtet zu werden. Genügsamkeit in der Aufzucht, gute Reproduktionsfähigkeit, Ähnlichkeit des Stoffwechsels mit dem menschlichen Stoffwechsel sind die Argumente hierfür. Dies ist nicht nur gefährlich (sog. "schlafende Viren"), sondern auch medizintechnisch überholt, da die Stammzellenforschung oder die Entwicklung künstlicher Organe ganz andere Perspektiven eröffnen. Doch die Experimentierfreudigkeit der Wissenschaftler lässt sich hier wohl nicht gern bremsen. Und ein Konzern wie NOVARTIS möchte seine Schweinefarmen sicher nicht als Investitionsruinen sehen.

Tierquälerisch ist nicht so sehr der Umstand, dass die Schweine "transgen" sind, d. h. ein artfremdes, in diesem Fall menschliches Gen besitzen, das die bessere Verträglichkeit seiner Spenderorgane für die Organempfänger gewährleisten soll. Es ist vielmehr die "Herstellung" der transgenen Schweine, bei der die eispendenden und tragenden Sauen gequält werden und eine Unzahl von ihnen "verbraucht" werden.

Zudem werden als "Grundlagenforschung" für die anvisierte Xenotransplantation auf den Menschen Schweineorgane in neugeborene Ziegen und Affen transplantiert, um die Abstoßungsreaktionen zu studieren. Kaum geboren, sterben diese Tiere unter unvorstellbaren Qualen.

Zynischerweise werden bei ethischen Bedenken vor allem menschliche Berührungsängste gegenüber dem "schmutzigen", "unreinen" Tier Schwein diskutiert. Doch siehe - selbst islamische Geistliche, bei denen das Schwein als Nahrungsspender hochgradig tabuisiert ist, haben gegen das Schwein als Organspender keine Bedenken. (vgl. C. Hammer, Tierorgane als Transplantate für den Menschen: C. Hammer, J. Meyer [Hrsg.], Tierversuche im Dienste der Medizin. Pabst Science Publishers Lengerich, Berlin, Riga, Scottsdale AZ [USA], Wien, Zagreb 1995; S. 158)


Wildschweinjagd

Früher wurde das Wildschwein in ganz Europa stark bejagt. Heute wird die Wildschweinjagd vornehmlich in Mittel- und Osteuropa ausgeübt, wo vergleichsweise große Bestände vorhanden sind - teils als Jagdvergnügen, teils weil Wildschweine als Schädlinge bzw. Bedrohung gelten, wenn sie in landwirtschaftliche Flächen oder Wohngebiete "einbrechen". Aus den gleichen Gründen gilt auch bei uns die Bejagung als "notwendig" und das fröhliche "Halali" als eine gelungene Verbindung des Angenehmen mit dem Nützlichen. Es heißt, ihr Bestand müsse kontrolliert werden, da sie sonst die Landwirtschaft schädigen oder sogar Menschen anfallen; also werden sie großzügig bejagt. Zudem gehören diese imposanten Tiere nicht wie Rehe zu den "Niedlich-Tieren"; folglich ist auch der Rechtfertigungsdruck seitens der Jägerlobby gering. Im Jagdjargon sind Wildschweine "Schwarzwild" und als solche auch beliebte Lieferanten von Wildfleisch. Im Jagdjahr 2000/2001 wurden in Deutschland 350.976 Wildschweine geschossen, im folgenden Jagdjahr 531.887 Tiere, also über ein Drittel mehr.

Da Wildschweine sehr große und robuste Tiere sind, werden sie durch einen Schuss oft nicht sofort getötet, sondern laufen schwer verletzt noch sehr lange, oft tagelang herum und sterben schließlich qualvoll. Bei der Nachsuche der Jäger werden abgerichtete Hunde eingesetzt, die - wenn das verwundete Tier "gestellt" ist - auch noch die letzten Augenblicke seines Lebens zur Hölle machen.


Schweine als Schädlinge

Als Schädlinge werden Wildschweine und verwilderte "Hausschweine" bejagt und bekämpft. Beispiel Uruguay, wo 1930 Wildschweine von einem Hobby-Jäger eingeführt wurden. Sie haben sich dann zum Teil mit "Hausschweinen" gepaart. Die nachgeborenen Halbwildschweine bedrohen nun angeblich die Rinder und Schafe der Viehzüchter, töten und essen sie, und wurden deshalb 1982 zum "nationalen Schädling" erklärt. (aus: Südwest Fernsehen, 20.05.03, "Tierische Invasoren - Von Feuerameisen und Wildschweinen").

Weltweit (d. h. überall, wo es Wildschweine gibt, die mit menschlichen Interessen in Konflikt geraten) wird die Wildschweinjagd als Mittel zur "Bestandsregulierung" für notwendig erklärt. Die Medien betreiben dafür eifrig Sympathiewerbung. In einigen ökologisch besonders sensiblen Regionen der Welt - wie den Galapagos-Inseln, Hawaii und Madagaskar - sind die von den Menschen eingeführten und inzwischen verwilderten "Hausschweine" tatsächlich zu einer Bedrohung für die einheimische Fauna und Flora geworden.


Öko-Schäden

Nicht nur in den Regionen, in denen Schweine gemästet werden, stellt die Schweinezucht eine massive ökologische Belastung und Bedrohung dar, sondern weltweit. In Thailand wurde ein Großteil des Regenwaldes zugunsten von Tapioka-Monokulturen gerodet, die Mastfutter liefern. In Brasilien wird zunehmend Soja angebaut; auch hierfür wurden und werden Regenwälder gerodet. Jetzt ist sogar das Pantanal, das als größtes zusammenhängendes Feuchtgebiet der Erde größer ist als Griechenland, von den Begehrlichkeiten der "Soja-Industrie" bedroht. Man muss befürchten, dass die brasilianische Regierung der "Agrar-Mafia" entgegenkommt.
Weitere Informationen hierzu: http://www.regenwald.org


Kultur und Schweine

Das Schwein ist Nutztier, Wirtschaftsfaktor, Versuchstier, Organbank, Maskottchen, originelles Haustier und muss zugleich als übelstes Schimpfwort für das am meisten geächtete menschliche Fehlverhalten dienen: Kinderschänder, Mörder und Vergewaltiger, Nazi- und andere -Verbrecher und Diktatoren sind "Schweine", verhalten sich "säuisch".

Selbst in sonst recht guten, sozialkritischen Kriminalfilmen stellen die guten Ermittler immer wieder fest, dass der Täter "ein Schwein" gewesen sein muss. Diese "faschistoide Semantik" (vgl. George Tabori, Protest einer ewig jungen Sau, abgedruckt in "Tierrechte" Nr. 14, Dezember 2000, übersetzt von Ursula Grützmacher-Tabori) liegt tief in der christlich-abendländischen Kultur begründet.

Das Schwein wird in unserer Kultur zu einer Metapher für die sinnliche, triebhafte Seite des Menschen, die im Prozess der Zivilisation zunehmend verpönt ist:

In Homers Odyssee werden die Gefährten des Odysseus von der Liebesgöttin Kirke in Schweine verwandelt. (vgl. Homer, Odysse)



Horkheimer/Adorno kommentieren dies: Die Gefährten des Odysseus werden nicht wie frühere Gäste zu heiligen Geschöpfen der Wildnis, sondern zu unreinen Haustieren, den Schweinen. Vielleicht spielt in der Geschichte der Kirke das Gedächtnis an den Kult der Demeter hinein, dem das Schwein heilig war. Vielleicht ist es aber auch der Gedanke an die menschenähnliche Anatomie des Schweins und an seine Nacktheit, die das Motiv erklärt. Als läge bei den Ioniern über der Vermischung mit dem Ähnlichen das gleiche Tabu, das bei den Juden sich erhielt. Man mag endlich an das Verbot des Kannibalismus denken, da, wie bei Juvenal, immer wieder der Geschmack von Menschenfleisch als dem der Schweine ähnlich beschrieben wird. Jedenfalls hat späterhin alle Zivilisation mit Vorliebe diejenigen Schweine genannt, deren Trieb auf andere Lust sich besinnt als die von der Gesellschaft für ihre Zwecke sanktionierte. Zauber und Gegenzauber bei der Verwandlung der Gefährten sind an Kraut und Wein gebunden, ans Riechen und an die immer mehr unterdrückten und verdrängten Sinne, die wie dem Geschlecht so dem Eingedenken der Vorzeit am nächsten liegen. Im Bilde des Schweins aber ist jenes Glück des Geruchs entstellt schon zum unfreien Schnüffeln dessen, der die Nase am Boden hat und des aufrechten Ganges sich begibt. (Max Horkheimer/Theodor W. Adorno, Dialktik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, Frankfurt 1986 [Fischer TB 6144] S. 65f)

Das Schwein wird zum unreinen Tier schlechthin und zum strengsten Nahrungstabu im Islam und Judentum; es ist "das sexuelle Tier" in einer Kultur, die triebhafte Sexualität verpönt. So reitet z. B. in Goethes "Faust" die Oberhexe Baubo in der Walpurgisnacht auf einem Schwein. In einer bekannten Operette singt der Protagonist, der offenbar auf diesen Sachverhalt in schmieriger Frivolität anspielt: "Denn schon von Kindesbeinen - beschäftigt' ich mich mit Schweinen. Mein idealer Lebenszweck ist Borstenvieh und Schweinespeck." In George Orwells Klassiker "Animal Farm" stehen die Schweine für eine korrupte Herrscherklasse. Bei George Grosz wird ein dekadenter Bourgeois mit Schweinekopf dargestellt.

Und Martin Luther, als Begründer der deutschen Schimpfkultur betitulierte seinen Intimfeind als "die Papstsau".


Fazit



Das Schwein, unser naher Verwandter, hat niemals "Schwein gehabt" seit seiner Domestizierung durch den Menschen. Sein kurzes Dasein bestand und besteht seither aus Dreck, Gestank, Stress, Monotonie, Schmerz und endet schließlich mit einem gewaltsamen, verfrühten Tod. Der Rückgriff auf das Schimpfwort "Schwein" sei gestattet - und nur deshalb, weil dieser von uns Menschen "besudelte Begriff" sich geradezu aufdrängt und an dieser Stelle einmal zu Gunsten der Schweine verwendet werden soll - und damit abschließend die Frage gestellt wird, wer wohl die "wahren Schweine" dieser Welt sind: die Schweine oder die Menschen. Die Antwort mag sich jeder selbst geben! Damit ist eigentlich alles gesagt!


Schindler's Liste zur Legehennen-Verordnung


Artgerechte Nutztierhaltung
Das Tierschutzgesetz und die Wirklichkeit - eine Bestandsaufnahme

Rechtsanwalt Wolfgang Schindler - 6. November 2004


Seit mehr als 30 Jahren schreibt § 2 des Tierschutzgesetzes eine "verhaltensgerechte Unterbringung" aller Tiere vor. Erst 1999 hat das höchste deutsche Gericht hat die gängige Batteriekäfighaltung von Legehennen für rechtswidrig erklärt. Das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Urteil den Begriff der "verhaltensgerechten Unterbringung" präzisiert und so - eine - Voraussetzung zur Anwendung des Tierschutzgesetzes im Bereich der Nutztierhaltung geschaffen.

I. Der Unterschied zwischen Sein und Sollen ist trotzdem groß geblieben, insbesondere beim Umgang agrarindustrieller Tierhalter mit ihren "älteren Geschwistern". So hat Pfarrer Rohrbach die Tiere genannt - in einem Wort zum Sonntag (am 16. Januar 1999).

Politiker weisen häufig auf die großen Fortschritte hin, die es angeblich im Bereich des Tierschutzes gibt. Man hätte das "beste Tierschutzgesetz der Welt" fabulierte schon der Altagrarminister Kiechle vor Jahrzehnten. Aber selbst die Aufnahme des Tierschutzes in das Grundgesetz ist zunächst - nur ein Lippenbekenntnis mehr. In Wahrheit besteht ein gnadenloses, stabiles Ausbeutungssystem. Das Tier als notwendiges Übel auf dem Weg zum tierischen Produkt. 35 Millionen Legehennen sitzen in den typischen Batteriekäfigen, nunmehr auf je 550 qcm Lebensfläche - das ist immer noch deutlich weniger als ein DIN A4 Blatt. Die meisten der jährlich 44 Millionen geschlachteten Schweine vegetieren je nach Gewicht auf maximal 0,75 qm - Spaltenboden. Ähnlich übel sind die Lebensbedingungen in der Puten- Enten- Masthähnchen- und Kaninchenhaltung - oder kürzer - in so gut wie allen Nutztierhaltungen.

Wer glaubt, Frau Künast hätte es geschafft, ab 1.1.2007 zwei Meter Mindesthöhe für Hühnerställe und im übrigen - erstmals und einmalig in der Geschichte der BRD - eine rechtmäßige Unterbringung wenigstens einer Nutztierart durchzusetzen, wird voraussichtlich enttäuscht werden. Eine starke Lobby, hinter der auch der Bauernverband steht, hat über die Bundesländer erreicht, dass Künast die Vorschriften zur Hennenhaltung wohl revidieren wird. Vorschriften, die erst 2001 mit Zustimmung des Bundesrates, also der Bundesländer, erlassen worden waren. Voraussichtlich wird der sog. ausgestaltete Käfig erlaubt werden. Keinesfalls ein "möbliertes Appartement", wie nteressenvertreter bekunden. Die Einrichtungen des ausgestalteten Käfigs - Einstreu, Sitzstangen, Nest - haben Alibifunktion. Verhaltensgerecht, also gesetzmäßig untergebracht sind die Hennen dort nicht. Ethologische Untersuchungen belegen, dass zwar einige Verhaltensmuster im Ansatz ausgeübt werden können, dies aber nicht zur Triebbefriedigung führt. Möglicherweise ist dies belastender als die völlige Unterdrückung von Bedürfnissen. Auch im ausgestalteten Käfig geht es im übrigen sehr eng zu. Die Hennen, die zu den flugfähigen Tieren gehören, sind zeitlebens nicht nur am Fliegen sondern auch am Flügelschlagen gehindert.

Mit der Änderung der Nutztierhaltungsverordnung wird eine Erpressung erfolgreich sein, die ihresgleichen sucht. Die BRD muss europarechtliche Vorschriften in nationales Recht umsetzen. Dies gilt auch für die Europäische Richtlinie zur Schweinehaltung. Zum Erlass einer deutschen Verordnung braucht Frau Künast, wie für alle entsprechenden Verordnungen, gem. § 2 a Abs. 1 TierSchG die Zustimmung des Bundesrates. Der hat im Wege eines mehrheitlichen sog. "Maßgabebeschlusses" (BR Dr 574/03 vom 28.11.03) seine Zustimmung nicht nur von einer Änderung zu Ungunsten der Schweine, sondern auch zu Ungunsten der Hennen abhängig gemacht. Dabei bleibt die Neigung, rechtswidrige Praktiken zu sanktionieren nicht auf Schweine und Legehennen beschränkt. Auch Kälber sollen keine "weichen" Liegeflächen haben, sondern weiter auf Spaltenböden stehen. Entlarvend und fern jeder Rechtsstaatlichkeit wird diese Forderung vom Bundesrat wie folgt begründet: "Es sind praxistaugliche Gummimatten für die Kälberhaltung, die auf den Balken aufgebracht werden können, noch nicht vorhanden. Die Vorschrift läuft demnach ins Leere."

Fazit: Die Lebensumstände der allermeisten Nutztiere sind - bis zum heutigen Tage - weit von den Vorstellungen des Gesetzgebers entfernt.

II.) Warum ist der Unterschied zwischen der Wirklichkeit und dem Gesetz im Bereich des Tierschutzes so ausgeprägt?

Menschliches Gewinnstreben löst höchst effektiv manches Problem. Selbst flüchtige geschichtliche Rückblicke genügen allerdings, um zu erkennen, dass dieses Gewinnstreben auch zu gnadenloser, moralfreier Rücksichtslosigkeit führen kann. Was Arbeitern, auch Kindern, im Frühkapitalismus angetan wurde, ist unbeschreiblich und gut mit den heutigen Verhältnissen bei der Nutzung von Tieren zu vergleichen: Gewinnmaximierung bis zum biologisch Machbaren.

Im allgemeinen haben erst entsprechende Gesetze für eine Änderung der Verhältnisse im Sinne einer notwendigen Begrenzung des Gewinnstrebens gesorgt. Warum scheint die Begrenzung des Gewinnstrebens bei der Tierhaltung trotz eines - lassen wir es in diesem Zusammenhang so stehen - "guten" Tierschutzgesetzes nicht zu funktionieren?

Die Antwort ist auch eine Kritik an unserem Staat. Gesetze lassen sich nämlich nur schwer durchsetzen, wenn sie finanziellen Gruppeninteressen zuwiderlaufen und diesen Interessen nicht halbwegs machtvolle, nichtstaatliche Kräfte gegenüberstehen. In vielen Bereichen funktioniert gegenseitige Machtbindung, nicht im Bereich des Tierschutzes. Es ist selbstverständlich, dass ein arbeitgeberfreundliches Gesetz von den Gewerkschaften gerichtlich überprüft werden kann, bis hinauf zum Bundesverfassungsgericht. Diese gerichtliche Kontrollmöglichkeit, ein wesentliches Element jeden Rechtsstaates, fehlt für das staatliche Handeln im Bereich des Tierschutzes - mit der Folge, dass der Staat bzw. seine Organe häufig dem ständigen Druck seitens der Agrarlobby nachgeben und deren Ziele fördern.

Dies bestätigen die geschilderten Umstände in den Haltungen. Interessant scheint mir, zu untersuchen, wie es denn im Detail gelingen kann, klar formulierte Vorschriften, wie z.B. § 2 TierSchG, über Jahrzehnte auszuhebeln. Das Zauberwort heißt Relativierung, d.h. das Interesse des Tieres, muss regelmäßig allen anderen - menschlichen - Interessen weichen.

Durchgängig ist in diesem Zusammenhang auch die Praxis, Unwahres als Tatsachen hinzustellen, die BürgerInnen zu täuschen und abzulenken. Derzeit wird in der BILD Zeitung mit halbseitigen Anzeige für die mit einer "3" gekennzeichneten Eiern, also Eier aus Käfighaltung, geworben. Drei Vorteile haben diese Eier - angeblich - gleichbleibende Qualität, günstiger Preis und immer frisch - kein Wort von Käfighaltung. Kein Wort, dass nach herrschender Meinung, einschließlich der des Bundesverfassungsgerichts, herkömmliche Käfighaltung den Tatbestand der Tierquälerei nach § 17 TierSchG erfüllt.

Aber auch die ausgestalteten Käfige sind in den Augen ihrer Erfinder kein Alptraum, sondern der reinste Traum. Sie werden in den Medien, zum Teil widerspruchslos, als "möblierte Appartements" dargestellt (z.B. SPIEGEL TV vom 26.10.2003). Bei derartigen Berichten wirkt sich ungünstig für die Tiere aus, dass die Tiernutzer ungleich höhere finanzielle Mittel zur Verfügung haben, als die altruistischen Kräfte, die die Tiernutzung zumindest tierfreundlich reglementiert sehen wollen.

1) In der Praxis ist mittlerweile das Wort "angemessen" in § 2 Nr. 1 TierSchG ein typischer Anlass, das Gesetz nicht anzuwenden. Gerne verweist man auch auf den "vernünftigen Grund" aus § 1 TierSchG, der scheinbar jede Relativierung des Gesetzes stützt. Im politischen Tagesgeschäft meidet man vielfach überhaupt die Mühe, auf der Basis des Gesetzes zu argumentieren.

a) Ökonomie! Wir brauchen doch preisgünstige Lebensmittel, für alle. Wenn Hennen nicht im Käfig wären, wäre für eine ausreichende Versorgung mit Eiern eine Fläche wie das Saarland nötig. Das Ei würde einen Euro kosten. Alles das wird immer wieder behauptet.

Solche typischen Lügen haben leider nicht die kurzen Beine, die man ihnen wünschen würde, denn die meisten BürgerInnen können mangels genauer Kenntnis derartige Behauptungen nicht als Lügen erkennen, oder ihnen fehlt die Muße, sich mit dergleichen näher zu befassen.

In Wahrheit betragen die Mehrkosten in einer Volière etwa 15 Prozent. Eine solche Volière benötigt nicht mehr Raum als eine 3-stöckige Käfigbatterie.

b) Ökologie! Ganz aktuell, ganz modern. Umweltschutz kontra Tierschutz. Vor allem Niedersachsens Agrarminister Ehlen ist im Fall der Freilandhaltung von Hennen besorgt - um die Bodenqualität. Der Hühnerkot zerstört den Boden, der edle Heimatboden, der - ja zugeben - schon ein wenig unter Hundertausenden von Tonnen Gülle leidet.

c) Arbeitsplätze! Die berechtigte Sorge von Millionen von BürgerInnen. Welche Art von Arbeitsplätzen bietet denn die industrialisierte Tierhaltung? Ein Arbeiter ist in einer Käfigbatterie für etwa 70.000 Hennen zuständig, hauptsächlich damit beschäftigt, kranke und verstorbene Tiere aus den Käfigen zu entfernen. Wesentlich mehr Arbeitskräfte wären nötig, würde man die Tiere gesetzmäßig halten, d.h. verhaltensgerecht unterbringen und - auch eine Verpflichtung aus § 2 TierSchG - angemessen pflegen. Für die Lobby sind das keine Argumente, denn die Betriebe werden angeblich abwandern, statt mehr Arbeitsplätze zu schaffen.

d) Unsere Volkswirtschaft befindet sich im Wettbewerb mit anderen Volkswirtschaften innerhalb und außerhalb der EU. Finden die Erzeuger anderswo bessere Bedingungen werden sie dorthin abwandern. Also darf man das TierSchG nicht anwenden, weil es dann z.B. den Hennen, die nicht mehr in Deutschland sondern in der Ukraine mit schlechteren Tierschutzstandards gehalten werden, noch schlechter ginge.

Wie das Beispiel der Schweiz zeigt, ist dieses Szenario nicht zwingend. Auch in der Schweiz, obwohl kein EU Staat, kann der Bürger sehr wohl billige, importierte Käfigeier kaufen. 75 Prozent der KonsumentInnen kaufen aber das - dreimal teuere - heimatnah erzeugte Ei. In der Schweiz wird heute kein Ei weniger erzeugt als vor 20 Jahren, also vor der Umstellung von Batteriekäfighaltung auf alternative Haltungen.

Sollten unsere Betreiber ihre Produkte nicht ähnlich erfolgreich vermarkten können wie die Schweizer Produzenten? Selbst wenn man dies verneint, ist die Relativierung des Tierschutzgesetzes der falsche Weg. Die Souveränität eines Staates reicht nun einmal nur bis zu den Landesgrenzen. Es wäre ein ethischer Supergau, wenn sittlich fundierte Maßstäbe nur gelten würden, solange sie nicht geschäftsstörend sind. So wenig man bei uns Kinderarbeit - denken sie an 15 Stunden Teppichknüpfen am Tag - und Kinderpornografie duldet, so wenig darf man Tierquälerei tolerieren, auch wenn dies anderswo erlaubt sein sollte.

e) Politiker, die tierquälerischer Haltung das Wort reden, verweisen gerne auf Sachzwänge, auf das angeblich übergeordnete Europäische Recht. "Wir müssen die EU Richtlinie umsetzen" heisst es achselzuckend. Richtig ist, dass alle einschlägigen tierschutzrechtlichen europarechtlichen Vorgaben nur Mindestbedingungen festlegen. Von denen können die Nationalstaaten zu Gunsten der Tiere abweichen. In Deutschland muss wegen § 2 Tierschutzgesetz abgewichen werden (so schon der Europäische Gerichtshof EugH NJW 1996, 113), sofern das Europäische Recht hinter dieser Vorschrift zurückbleibt, was regelmäßig der Fall ist.

f) Dem Vorwurf gesetzwidriger Tierhaltung wird häufig entgegengehalten, den Tieren gehe es doch gut. Das könne man daran sehen, dass sie gesund sind, weil sie sonst nicht die erwarteten Leistungen erbringen würden. Die sog. "Leistung" ist in den meisten Fällen allerdings kein Hinweis für Wohlbefinden. Hennen legen z.B. nur dann keine Eier mehr, wenn ihre entsprechenden Organe schwer verletzt sind. Die verwendeten Schweinerassen sind auf großen Appetit und entsprechende Gewichtszunahme gezüchtet. Auch schwerste Frustrationen ändern daran nichts. Im übrigen werden die meisten Nutztiere nur in jugendlichem Alter, in der Zeit optimaler Lebenskraft, genutzt. Von Gesundheit kann häufig keine Rede sein. So gilt eine Sterblichkeit von 10 Prozent pro Jahr bei Legehennen als tolerabel.

Besonders gesund für Hennen ist, soweit die Käfighalter, natürlich der Käfig, denn nur dort ist der Kot mit den vielen bösen Erregern von den Tieren getrennt. Richtig ist, dass Hennen im Käfig schon als Folge der Immobilität schwer krank sind (Untersuchung von van Niekerk: Häufige Todesfälle infolge von Arthritis, Osteomalazie [Käfiglähme], Fettlebern und Herzversagen/Anämie). In gut geführten alternativen Haltungen leben die Tiere mit mehr Krankheitserregern, aber auf Grund eines besseren Immunsystems, weit gesünder.

2) Die tierfeindliche, unzutreffende Auslegung des § 2 TierSchG ist eine weitere Ursache für die Nichtanwendung des Tierschutzgesetzes.

Ein Blick auf § 2 zeigt, dass nur nach § 2 Nr. 2 eine Beschränkung des Tieres bis zur Schmerz- Leidensgrenze erlaubt ist. Eine verhaltensgerechte Unterbringung iSd § 2 Nr. 1 muss dagegen unabhängig davon gewährt werden, ob andernfalls Schmerzen, Leiden oder Schäden entstehen.

Das ist eine für die Betreiber ungünstige Regelung, denn die Frage, ob Tiere wesentliche Verhaltensbedürfnisse ausleben können oder nicht, ist z.B. im Fall der Batteriekäfighaltung, einfach zu beantworten und hätte seit langem das „Aus“ für solche Haltungen bedeuten müssen.

Es war daher nötig, die Kunst der Auslegung zu bemühen. Hierzu ist es üblich, die amtlichen Begründungen heranzuziehen. Diese Begründungen werden typischerweise in den für die Gesetzesänderungen federführenden Ministerien verfasst und vermitteln ein Bild von der Vorstellung des Gesetzgebers. Zur „verhaltensgerechten Unterbringung“ heißt es in der amtlichen Begründung der Tierschutzgesetzesänderung 1986 (BT-Drucksache 10/3158, S. 18):

Wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse der Verhaltensforschung sollen bei der Unterbringung des Tieres angemessene Berücksichtigung finden. Das ist im allgemeinen der Fall, wenn die angeborenen arteigenen und essentiellen Verhaltensmuster des Tieres durch die Unterbringung nicht so eingeschränkt oder verändert werden, daß dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden an dem Tier selbst oder durch ein so gehaltenes Tier an einem anderen Tier entstehen.

Damit verfälschte das Landwirtschaftsministerium, erkennbar im Interesse der Agrarlobby, das Gesetz in grober Weise.

Konkret: Die Tatsache, dass die Hennen hauptsächlich Scharren und Picken wollen, ist demnach solange irrelevant, solange es hierüber keine wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse der Verhaltensforschung gibt. Gesichert wäre eine Erkenntnis möglicherweise schon dann nicht, wenn auch nur ein Wissenschaftler die Meinung vertritt, Hennen wollten gar nicht Scharren und Picken. Satz 1 der amtlichen Begründung stellt also eine erste Hürde gegen die Anwendung von § 2 Nr. 1 TierSchG dar.

Wesentlich wirksamer ist aber Satz 2 der amtlichen Begründung. Danach kommt es auf Verhaltensbedürfnisse gar nicht mehr an - solange man nur behaupten kann, die untergebrachten Tiere würden nicht leiden. Einfache Antworten zu Verhaltensbedürfnissen werden zu schwierigen Fragen nach "Leiden", die nur Gutachter zu beantworten vermögen. Die Hennen können im Käfig nicht scharren und picken, sie können nicht sandbaden, nicht ihre Eier geschützt ablegen und nicht aufbaumen. Ein eklatanter Verstoß gegen § 2? Nein, denn dazu müsste bewiesen sein, dass die Hennen unter den Entbehrungen leiden. Dieser Beweis ist über Jahrzehnte nicht gelungen, u.a. dank eines Knechtes des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft, ordentlicher C 4 Professor an der Uni Hohenheim, der selbst dem Bundesverfassungsgericht weiszumachen versuchte, dass Hennen in Käfighaltung nicht leiden.

Das höchste deutsche Gericht hat die Dinge richtig- und klargestellt. Danach spiegelt sich in § 2 Nr. 1 und Nr. 2 TierSchG der vom Gesetzgeber gewollte Interessenausgleich zwischen Mensch und Tier wieder. Nach § 2 Nr. 1 ist dem Tier eine verhaltensgerechte Unterbringung zu gewähren, ohne Wenn und Aber und unabhängig davon, ob es andernfalls leiden würde. Nach § Nr. 2 darf zum Ausgleich, zum Vorteil des Halters - so wörtlich das BVerfG - die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung als einziges seiner Bedürfnisse weitergehenden Einschränkungsmöglichkeiten unterworfen werden.

Die Hennenhaltungsverordnung wurde - unabhängig von der Frage, ob die Tiere leiden - vom Bundesverfassungsgericht für nichtig erklärt, weil schon eine numerische Betrachtung zeigte, dass verschiedene Verhaltensbedürfnisse nicht ausgeübt werden können und damit § 2 Nr. 1 TierSchG verletzt werde.

Selbst der gesunde Menschenverstand hat manchmal eine Chance. So schreibt die EU Kommission, immerhin ein Organ der Europäischen Gemeinschaft: "Ist ein Tier nicht in der Lage, ein Bedürfnis zu befriedigen, so wird sein Befinden früher oder später darunter leiden." - S. 6, Mitteilung vom 11.3.98 über den Schutz von Legehennen in verschiedenen Haltungssystemen, KOM (1998) 135 endg. 98/0092 (CNS)

3) Auch die Strafvorschrift des § 17 TierSchG sorgt nicht für artgerechte Nutztierhaltung.

§ 17, der Tierquälerei mit Strafe bedroht, hat in der Praxis der Nutztierhaltung kaum Bedeutung, soweit nicht exzessiv von üblichen Praktiken abgewichen wird, wie z.B. im Fall des Hühnerbarons Pohlmann.

Voraussetzung für eine Verurteilung ist, dass objektiv die Verursachung erheblicher, anhaltender oder sich wiederholender Leiden nachgewiesen wird. Schon hier gibt es Probleme. Keinesfalls reicht, dass Tiere in ihren Verhaltensbedürfnissen beschränkt werden, also gegen § 2 TierSchG verstoßen wird.

Weiter muss dem Angeklagten auch Vorsatz nachgewiesen werden, der regelmäßig schon dadurch entfällt, dass die Haltungen amtlicherseits genehmigt und durch Amtsveterinäre überprüft werden.

4) Die genannten Relativierungen des § 2 TierSchG beruhen auf einer bewussten Fehlinterpretation des Gesetzes.

Den Relativierungen des § 2 Nr. 1 TierSchG durch Hineinlesen einer Schmerz- Leidensgrenze hat das Bundesverfassungsgericht eine klare Absage erteilt, wie ich bereits dargelegt habe.

Das gleiche gilt für den Begriff "angemessen" in Zusammenhang mit "verhaltensgerecht". Das Bundesverfassungsgericht ist trotz ausführlichem Vortrags in Form eines 50-seitigen Wirtschaftsgutachtens zu den angeblich fürchterlichen Gefahren der Abwanderung von Betrieben und dem Verlust von Zehntausenden von Arbeitsplätzen hierauf nicht eingegangen. Nach verbreiteter Ansicht heißt "angemessen", dem Tier angemessen und nicht etwa der Arbeitsmarktsituation, den finanziellen Möglichkeiten des Halters etc. angemessen. Das Wort "angemessen" ist erst mit der Tierschutzgesetznovelle 1986 eingeführt worden, die nach der amtlichen Begründung ausschließlich den Tierschutz verbessern sollte. Eine Auslegung, die zu einer Relativierung der Pflicht zur verhaltensgerechten Unterbringung führte, verbietet sich daher.

Bezüglich des "vernünftigen Grundes" gilt: Eine Rechtfertigung durch einen vernünftigen Grund iSd § 1 TierSchG kommt nur in Betracht, wenn der Gesetzgeber eine Interessenabwägung vorsieht, worauf Wörter wie z.B. "vermeidbar", "zumutbar" oder wie in § 17 "vernünftiger Grund" im Gesetzestext hinweisen. § 2 Nr. 1 TierSchG enthält hingegen eine abschließende Regelung, die eine Relativierung zu Ungunsten des Tieres ausschließt. Im übrigen liegt ein vernünftiger Grund nur vor, wenn es um Erhaltungsinteressen des Menschen geht. Weiter ist ein Grund nur insoweit vernünftig, als er den mehrheitlichen Vorstellungen in unserer Rechtgemeinschaft entspricht. (Näheres s. Hirt/Maisack, TierSchG, Vahlen Verlag. Ein Kommentar, der zudem praxisnah die Verhaltensbedürfnisse der verschiedenen Nutztiere erläutert.)

Trotz all dieser Erkenntnisse bleibt es weitgehend bei gewollten Fehlinterpretationen des Tierschutzgesetzes, denn eine Rechsprechung, die rechtmäßige Interpretationen liefert, gibt es nicht. Auf anderen Rechtsgebieten wird die Anwendung und Auslegung der Gesetze ständig von den Gerichten überwacht, im Rahmen streitiger Verfahren. Solche fehlen in Anwendung des Tierschutzgesetzes. Die Entscheidung der Behörden sind das letzte Wort, solange niemand gerichtlich überprüfen lassen kann, ob im Einzelfall z.B. § 2 TierSchG verletzt ist oder nicht. Es fehlt auch insoweit ein Verbandsklagerecht, als nur so eine rechtmäßige Interpretation des Gesetzes abgesichert wäre.

III.) Wie kann eine breite Anwendung des Gesetzes, eine Änderung der Verhältnisse erreicht werden?

1) Groß sind die Erwartungen nach der Neufassung des Art. 20 a Gundegesetz (GG), demzufolge ethischer Tierschutz, also Tierschutz um der Tiere willen, Staatsziel geworden ist. Das hat zweifelsohne zu einer besseren Rechtsgrundlage geführt. Der unsägliche Zustand hat damit ein Ende, dass das Tierschutzgesetz streng genommen nicht angewendet werden durfte, wenn es um die Begrenzung sogenannter vorbehaltloser Grundrechte - Religions- Kunst- Wissenschafts- und Lehrfreiheit - ging. Die Anwendung des Tierschutzgesetzes ist gleichwohl um kein Jota sicherer geworden. Genehmigt eine Behörde beispielsweise einen Tierversuch - gegen das Tierschutzgesetz und gegen den Geist des Art. 20a GG - bleibt die Situation, wie sie auch vor der Verfassungsänderung war: Gerichtliche Überprüfung gibt es nicht. Das gleiche gilt im Bereich der Nutztierhaltung. Auch hier ändert Art. 20 a GG nichts daran, dass es für staatliche Stellen nach wie vor vorteilhaft ist, nicht gegen Tiernutzer zu entscheiden, denn nur sie können für Unruhe sorgen.

Besser sieht es für die Tiere aus, die nicht auf dem Tisch sondern unter dem Tisch des Menschen gelandet sind. Hier ist nicht nur das Tier betroffen, sondern auch sein Halter und der kann klagen. Gerichte haben dann die Möglichkeit tierfreundlich iSd Art 20a GG zu entscheiden. So gibt es Fortschritte. Ein neu gekaufter Hund muss nicht unter Fristsetzung dem Verkäufer zur Abholung angeboten werden, wenn er krank ist. So wäre das, wenn man die bürgerlich-rechtlichen Vorschriften buchstabengetreu anwenden würde. Nein, der kranke Hund darf - Kaufrecht muss verfassungskonform ausgelegt werden - sofort behandelt werden, auf Kosten des Verkäufers, so das Landgericht Essen (LG Essen NJW 2004, 527).

2) Bedeutsam wird immer sein, inwieweit es gelingt, tierfreundliches Bewusstsein in der Bevölkerung zu verankern. Eine schwierige Aufgabe, Menschen zu überzeugen, dass Gerechtigkeit und Ethik auch unseren Umgang mit den Tieren bestimmen sollte. Überzeugend scheint, sich hier auf ein allgemein akzeptiertes Gerechtigkeitsprinzip, den Gleichheitssatz, zu stützen, der sich häufig in rechtsstaatlichen Verfassungen, wie in Art. 3 des GG findet. Demnach darf man wesentlich gleiches nicht ungleich behandeln, auch wenn irrelevante Unterschiede bestehen. Heute sieht man das im Fall des Geschlechtsunterschiedes von Frauen und Männern durchaus ein. Auch die Hautfarbe eines Menschen führt nicht mehr zur völligen Entrechtung. Heute wird auch nicht mehr bestritten, dass Menschen und zumindest Säugetiere und Vögel eine homologe Schmerz- und Leidensfähigkeit und ein ausgeprägter Überlebensdrang verbindet. Mit welchem Recht setzt man sich weitgehend über die Bedürfnisse unserer "Mitgeschöpfe" (so die Terminologie in § 1 TierSchG)? Faustrecht ist kein Recht. Hierzu ein ordentlicher Philosophieprofessor an der Uni Tübingen (Otfried Höffe, Lexikon der Ethik, Beck’ sche Reihe 92, S. 278):

"Eine säkularisierte Tierethik nimmt Abschied von einem anthropozentrischem Denken, demzufolge es im sittlichen Handeln letztlich lediglich auf Interessen der Menschen ankommt, und tritt einem menschlichem Gattungsegoismus entgegen. Sie wendet die sittlichen Grundsätze a) Gleiches gemäß seiner Gleichheit gleich zu behandeln und b) niemanden zu schädigen, auf jene höherentwickelten Tiere an, die - wie jedermann beobachten kann und die wissenschaftliche Verhaltensforschung seit Darwin vielfach bestätigt - schmerz- angst- und leidensfähig sind, und gebietet, darauf gebührend Rücksicht zu nehmen."

Ähnlich dachte der englische Jurist und Philosoph Jeremy Bentham und der Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer, der Achtung vor allem Leben in einem strengen Sinn forderte.

Ein entsprechender Bewusstseinswandel würde viele Probleme lösen. Die Konsumenten würden tierquälerische Erzeugnisse ignorieren, auch wenn die Präsentation solcher Produkte darauf abzielt, eine bewusste Entscheidung der Käufer zu verhindern. Es bleiben noch drei weitere Gruppen von Verantwortlichen, die sich anders verhalten würden. Ein tierschutzbewusster Handel würde alle entsprechenden Artikel aus dem Sortiment nehmen. Bei einem höheren allgemeinen Bewusstseinsstand würden sich auch keine Agrarunternehmer finden, die Tiere sogenannt konventionell hielten. Es bleibt noch der Staat, bzw. seine beamteten Diener, die für eine nachdrückliche Beachtung tierschutzrechtlicher Vorschriften eintreten würden. Derzeit ist es bei allen Verantwortlichen beliebt, den Schwarzen Peter jeweils anderen zuzuschieben.

3) Ein Verbandsklagerecht könnte eine realistische Chance für zeitnahe Verbesserungen schaffen.

Es ist schlicht ein Unding, dass die Frage, ob tierschutzrechtliche Vorschriften verletzt werden, insbesondere Haltungsvorschriften, abschließend durch halternahe, dem Einfluss der Lobby ausgesetzter Behörden entschieden werden. Hier fehlt ein rechtsstaatliches Element, das man dem Rechtsgut Umweltschutz längst zugestanden hat. Es ist willkürlich, ein Verstoß gegen Art. 3 GG, das zweite durch Art. 20 a GG geschützte Rechtsgut nicht ebenfalls mit einem Verbandsklagerecht zu stärken.

Alle Argumente der Gegner eines Verbandsklagerechtes, die schlicht und einfach den status quo bewahren wollen, sind widerlegt. Es gibt keine Lähmung der Verwaltung. Im Gegenteil, die Verwaltung würde von sich aus sorgfältiger und tierfreundlicher agieren. Es gibt keine Klageflut, wie sich in anderen Bereichen gezeigt hat. Dies leuchtet ja schon deshalb ein, weil jede unbegründete Klage den Kläger Geld kostet. Im übrigen wären klagebefugt nur handverlesene, kompetente Organisationen, vom Staat zugelassen.

Ein besonderer Vorteil: Ein Verbandsklagerecht würde die Amtstierärzte freier machen. Heute können sie sich weder gegen übliche Praktiken noch gegen die „guten Beziehungen“ der Halter zum politischen Establishment wehren. Ganz anders, wenn sie eine für den Halter unangenehme Entscheidung treffen können, mit dem Hinweis, dass anders eine Klage des Tierschutzes zu erwarten wäre.

Warum braucht der Tierschutz ein Verbandsklagerecht, wenn sogar das höchste deutsche Gericht über Legehennen urteilt?

Man kann darüber diskutieren, ob es wirklich einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes bedurfte, über die Ausgestaltung von Hühnerställen zu richten. Frau seinerzeitige Präsidentin, Frau Jutta Limbach hat sich jedenfalls hierüber mokiert. Zwei Tatsachen verdeutlichen in diesem Zusammenhang aber die Notwendigkeit eines Verbandsklagerechtes.

Die Klage vor dem Bundesverfassungsgericht beruht nicht auf einem irgendwie gearteten Klagerecht des Tierschutzes. Es ging um die Rechtmäßigkeit einer Verordnung des Bundes. Solche Verordnungen, unabhängig vom Thema, können die Bundesländer vor dem BVerfG überprüfen lassen. Dass sich ein Bundesland, das Land NRW, gefunden hat, den Weg nach Karlsruhe im Interesse von Legehennen zu gehen, beruhte auf besonderen politischen Umständen, die alles andere als immer gegeben sind.

Den zuständigen Behörden, bis hinauf zu den Ministerien und dem Kanzler, ist es über Jahrzehnte nicht gelungen, für rechtmäßige Verhältnisse im Bereich der Haltung von Legehennen zu sorgen. Schon dies zeigt, wie unverzichtbar notwendig es ist, gerichtliche Überprüfungen bei der Anwendung des Tierschutzgesetzes zu ermöglichen.

IV. Ergebnis: Ein Verbandsklagerecht als zwangläufige Ergänzung des Staatszieles Tierschutz ist notwendige Voraussetzung für eine praktische Anwendung des Tierschutzgesetzes.

Dabei darf aber eines nicht übersehen werden: Auch das beste Instrumentarium zur Durchsetzung des Tierschutzgesetzes ist nur soweit anwendbar als es den mehrheitlichen Gerechtigkeitsvorstellungen entspricht. Es bleibt zu hoffen, dass sich mehr und mehr Menschen das Bewußtsein durchsetzt, wonach Tiere nicht beliebig verfügbare Ressourcen sind, sondern dem Menschen verwandte "Mitgeschöpfe". Hierzu aus dem eingangs erwähnten Wort zum Sonntag:

"Tiere sind unsere älteren Geschwister. Das ist biologisch eine Tatsache. Und auch wir Menschen sind nicht plötzlich von Gott auf diese Erde gesetzt worden, als etwas völlig anderes. Er hat uns nur - wie alles Lebendige - im Laufe von Jahrmillionen entstehen lassen. Diese Erkenntnis entfernt uns nicht von Gott, aber Sie rückt uns den Tieren näher. Viele Tiere freuen sich wie wir, sie können zornig sein wie wir und sie können auch zärtlich sein wie wir."

Zum Verfasser:

Wolfgang Schindler ist Rechtsanwalt in München mit vertieftem Interesse am Tierschutzrecht; im Normenkontrollverfahren über die Gültigkeit der HennenhaltungsVO 1987 hat er vor dem Bundesverfassungsgericht (2 BvF 3/90) das klagende Land NRW vertreten.


Wir danken Wolfgang Schindler ganz herzlich für die Erlaubnis, diese Abhandlung auf unseren Web-Seiten publizieren zu dürfen.


Chronologie der legitimierten Tierquälerei


Wir bedanken uns ganz herzlich bei Prof. Dr. Dr. Sojka, Rechtsanwalt Wolfgang Schindler und der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, diese außergewöhnliche Zusammenfassung auf unseren Web-Seiten publizieren zu dürfen.


Batteriekäfighaltung von Legehennen - Dauererfolg einer Lobby?



Rechtsanwalt Prof. Dr. Dr. Sojka, Hamburg / Rechtsanwalt Wolfgang Schindler, München

15. November 2004

Dokumentation der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt zur Geschichte der Batteriekäfighaltung von Legehennen in Deutschland



Etwa 1950:
Die Batteriekäfighaltung hat sich in den USA durchgesetzt.

Etwa 1960:
Die Agrarwissenschaftlerin Frau Dr. Wegner (mittlerweile mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet) u. a. propagieren die Batteriekäfighaltung in Deutschland.



Das Jahr 1972:
Etwa 80 Prozent der Legehennen werden nun auch in Deutschland - agrarindustriell - in Käfigen gehalten. Das Tierschutzgesetz wird neu, einstimmig, erlassen. Danach sind Tiere "verhaltensgerecht" unterzubringen. Das Verursachen "anhaltender erheblicher Leiden" ist bei Strafe verboten. Bis heute haben gleichwohl etwa eine Milliarde Hennen die Käfighaltung in Deutschland durchlaufen.

Von 1973 - 1976:
Prof. Dr. Bernhard Grzimek nutzt seine Popularität und greift die Käfighaltung kampagnenartig an, als

"grobe Tierquälerei" und "niederträchtige KZ - Käfighaltung".

Der Versuch der Interessenverbände, Grzimek durch Gerichte (1) zu stoppen, scheitert; ebenso aber der Versuch Grzimeks, die Scheinlegitimierung der Käfighaltung durch die Behörden zu beenden.

Am 10. Juli 1974:
Im vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (Ministerium) in Auftrag gegebenen "Gutachten über tierschutzgerechte Haltung von Nutzgeflügel in neuzeitlichen Haltungssystemen" wird u. a. festgestellt:



"Der als nachteilig empfundenen Bewegungseinschränkung der Tiere steht bei diesen Haltungsystemen aber zweifelsohne auch eine Reihe von Vorteilen gegenüber. Ganzjähriger Schutz der Tiere vor den Unbilden der Witterung, ... und Schutz der Tiere vor ihren natürlichen Feinden."

Diese Formulierungen haben wohl schon die Unterzeichner erheitert, die die Käfighaltung - eigeninteressiert - verteidigten. Prof. Dr. Schlütter, seinerzeitiger Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG), durfte ebenso unterschreiben, wie Dr. Schmidt, ein früher "Pohlmann".

Alle drei Ethologen (Verhaltenskundler), Dr. Glarita Martin, Prof. Dr. Leyhausen und Dr. Nicolai, weigerten sich, dieses Gutachten zu unterzeichnen und fertigten ein eigenes ("Teil II"):

"Nahezu alle angeborenen Verhaltensweisen der Legehennen in Käfigen sind beeinträchtigt und verändert. Es kann nicht dem geringsten Zweifel unterliegen, daß die angeführten Verhaltensbeeinträchtigungen und -störungen schwere Belastungen und ein hohes Maß an Streß für die Tiere darstellen und zu erheblichen Leiden Anlaß geben. Die derzeit üblichen Praktiken der Käfighaltung erfüllen den Tatbestand der Tierquälerei in hohem Ausmaß."

Das Ministerium sah keinen Anlass, die offenkundig tierquälerische Käfighaltung zu unterbinden. Vier Jahre geschah nichts, dann wurde ab 1978 weiter geforscht, in der bundeseigenen FAL in Celle, unter der Leitung der käfigbegeisterten Frau Dr. Wegner.

Ab 1979:
Es ergingen Entscheidungen verschiedener Gerichte, die zumindest den Tatbestand der strafbaren Tierquälerei bestätigten, so z.B. Landgericht Düsseldorf. (2)



"Bei der vom Angeklagten betriebenen Batteriekäfighaltung ist das Ausmass der Entbehrungen der Hühner, d.h. der Unterdrückung des artgemässen Normalverhaltens, derart umfangreich gewesen, dass erhebliche seelische Leiden der Hennen gegeben waren. ... Dies alles zeigt, dass nicht nur das artgemässe Bewegungsbedürfnis des Huhnes in Käfigen, wie sie der Angeklagte im Juni 1977 gehabt hat, dauernd eingeschränkt wird. Es können dort auch die weiteren, oben geschilderten, genetisch bedingten Triebe (Eiablage, Nahrungssuche, Komfortverhalten, Schutzbedürfnis) von dem Huhn nicht artgemäss abreagiert werden. Die Entbehrungen sind durch die geschilderte Käfighaltung in allen wichtigen Funktionsbereichen gegeben. Das Huhn empfindet als Lebewesen auch jede dieser Unterdrückungen des artgemässen Verhaltens und leidet damit. Dies zeigt sich insbesondere an seinen atypischen Reaktionen; den Handlungen am Ersatzobjekt (Federausreissen, Futterbaden), seinen Leerlaufhandlungen, Bewegungs-stereotypien, seinem mit Angst einhergehendem Such- und Fluchtverhalten, seinem agressiven Abwehrverhalten." (3)

Das Jahr 1980:
Solche Gerichtsentscheidungen bedrohten die Käfighaltung. Prof. Schlütter, Präsident des ZDG (Geflügelwirtschaft), forderte daher das Ministerium zum Erlass einer Verordnung auf, die dem Schutz der Tiernutzer dienen sollte, gegen das Gesetz. Er schrieb im Jahrbuch der Geflügelwirtschaft 1980:

"Nur so kann verhindert werden, daß aufgrund von Gerichtsurteilen oder Entscheidungen von Verwaltungsbehörden die deutschen Legehennenhalter in persönliche und wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten."

Das Jahr 1981:
Umfangreiche Forschungen waren beendet. Dr. Wegner im Celler Abschlussbericht: (4)

"Es ist festzustellen, daß Legehennen bei Käfighaltung (1) eine deutliche Verringerung des Komfortverhaltens, (2) ein in der Tendenz verringertes Ruheverhalten, (3) Frustrationserscheinungen vor der Eiablage, sowie (4) eine Zunahme sozialer Auseinandersetzungen zeigten. ... Aus ethologischer Sicht wäre eine grundlegende Veränderung der Käfighaltung wegen der festgestellten Beeinträchtigungen, besonders im Bereich des Legeverhaltens, aber auch im Komfort- und Ausruheverhalten, anzustreben."

Der international anerkannte Ethologe Prof. Dr. Tschanz wurde durch das Bundes-ministerium mit der Gesamtbewertung der Celler Untersuchungen betraut.

"Wenn wir alles zusammenfassen, so zeigen die Ergebnisse, daß für die Legehennen in den Batteriekäfigen die Bedarfsdeckung bei der Nahrungsaufnahme, beim Komfortverhalten, beim Reproduktionsverhalten und beim Schutzverhalten andauernd derart eingeschränkt ist, daß ihnen relevante Leiden und Schäden zugefügt werden. ... Das Ungenügen der Umgebung eines Batteriekäfigs ist mit den Ergebnissen der in Celle durchgeführten Untersuchungen so eindeutig nachgewiesen, daß es keiner weiteren Erhebung bedarf, um das Verbot dieses Haltungssystems zu begründen. Wenn die zuständigen Instanzen nicht bereit sind, auf Grund der nun vorliegenden Befunde entsprechende Entscheide zu fällen, dann läßt sich das nicht mehr mit dem Fehlen von sachlichen Grundlagen begründen."

Das Ministerium als eine der "zuständigen Instanzen" war nicht bereit, von seiner gesetzlichen Befugnis, "zum Schutz" der Tiere Verordnungen zu erlassen, Gebrauch zu machen.

Zwischen 1983 - 1985:
Weitere Gerichtsentscheidungen bestätigten die leidensrelevanten Entbehrungen der Tiere und die grundsätzliche Strafbarkeit der Käfighalter. Das Landgericht Darmstadt in einem Beschluss vom 4.10.1983:

"Diese Form der Hühnerhaltung verstösst gegen den Tatbestand des § 17 Nr. 2 b TierSchG. Den Hennen werden länger anhaltende und sich wiederholende erhebliche Leiden zugefügt."

Nicht nachlassende Bemühungen von Verteidigern, die dem Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) nahestehende Gutachter präsentierten, lösten Zweifel an der Erheblichkeit der Leiden der Hennen aus, zumindest bei eben diesem Gericht. Sein Urteil vom 29.4.1985:



"Dass den Batteriehühnern durch die Art der Haltung Leiden zugefügt werden, hält die Kammer nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme zwar für erwiesen. Diese Leiden bestehen darin, dass die Tiere eine Reihe ihnen angeborener Verhaltensweisen - so die natürliche Weise der Nahrungsverschaffung (5), die Gefiederpflege, das Sandbaden, die Eiablage im Nest, das Flügel-Bein-Strecken - nicht oder nur stark eingeschränkt vollziehen können und vor allem auch darin, dass sie in ihrer körperlichen Bewegungsfreiheit durch den Käfig äusserst eingeschränkt sind. ... starke Frustrationen erleben ... Die Kammer ist aber nicht davon überzeugt, dass es sich bei den Leiden der Legehennen um erhebliche Leiden im Sinne des § 17 Nr. 2 b TierSchG handelt."


Mit diesem Urteil bestätigte das LG Darmstadt eine massive Verletzung des Tierschutzgesetzes, wo nach Tiere "verhaltensgerecht" unterzubringen sind. Darüber hinaus mangelte es diesem Landgericht, als einzigem, das sich mit der Käfighaltung zu befassen hatte, an der Überzeugung, Hennen litten in herkömmlichen Käfigen erheblich. Zu diesem Überzeugungsmangel trug wesentlich der Gutachter Prof. Bessei der Universität Stuttgart-Hohenheim bei, der die Betriebe der Angeklagten besichtigt hatte, nachdem diese aus ihren Käfigen jeweils ein Huhn herausgenommen und ausserdem überwiegend für die Einstallung jüngerer, also unverbrauchter Tiere gesorgt hatten.

Prof. Bessei fand demzufolge schon das Gefieder im allgemeinen "in gutem Zustand". Es sei auch "die Annahme der Unterdrückung einer gewollten Bewegungsaktivität nicht aufrechtzuerhalten", denn seine Versuche hätten gezeigt, dass bei etwa 500 qcm Platz je Henne ein "Plateau" erreicht sei, ab dem die Hennen sich nicht mehr verstärkt bewegten.


Das Jahr 1986:



Eine Neufassung des Tierschutzgesetzes wird erlassen, die der amtlichen Begründung zufolge, lediglich zu einer Verbesserung des Tierschutzes führen sollte. Über die amtliche Begründung zum Begriff der "verhaltensgerechten Unterbringung" war es interessierten Kreisen, in höchst raffinierter Weise, gelungen zu einer tierfeindlichen und unzutreffenden Anwendung bzw. Nichtanwendung des § 2 TierSchG beizutragen. Es wurde wider den Gesetzestext die Schmerz- Leidensgrenze aus § 2 Nr. 2 TierSchG in die Nr. 1 hineingelesen (6):

"Wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse der Verhaltensforschung sollen bei der Unterbringung des Tieres angemessene Berücksichtigung finden. Das ist im allgemeinen der Fall, wenn die angeborenen arteigenen und essentiellen Verhaltensmuster des Tieres durch die Unterbringung nicht so eingeschränkt oder verändert werden, daß dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden an dem Tier selbst oder durch ein so gehaltenes Tier an einem anderen Tier entstehen."

Nach Satz 2 der amtlichen Begründung kommt es auf Verhaltensbedürfnisse gar nicht mehr an - solange man nur behaupten kann, die untergebrachten Tiere würden nicht leiden. Einfache Antworten zu Verhaltensbedürfnissen werden zu schwierigen Fragen nach "Leiden". Ok, die Hennen können im Käfig nicht scharren und picken, sie können nicht sandbaden, nicht ihre Eier geschützt ablegen und nicht aufbaumen. Ein eklatanter Verstoß gegen § 2 Nr. 1? Nein, dazu müsste bewiesen sein, dass die Hennen unter den Entbehrungen leiden. Dieser Beweis ist über Jahrzehnte nicht gelungen, u.a. dank des ordentlichen C 4 Professor an der Uni Hohenheim, Bessei.

18. Februar 1987:
Der Bundesgerichtshof (BGH) überprüfte die Entscheidung des LG Darmstadt.(7) Er war als Revisionsgericht daran gehindert, die tatsächlichen Feststellungen des Landgerichts zu korrigieren und hätte nur Rechtsfehler beheben können, die nicht gesehen wurden. Eine Bestätigung der Rechtmäßigkeit der Käfighaltung ist dieser Entscheidung nicht zu entnehmen. Trotzdem wird die Batteriekäfighaltung vielfach mit dieser Entscheidung verteidigt, in der offensichtlichen Absicht, von der Existenz des § 2 TierSchG abzulenken, der eine "verhaltensgerechte" Unterbringung aller Tiere vorschreibt. Aus dem Schriftsatz des Ministeriums vom 26.9.1990, S. 10, im Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht:

Der BGH hat bestätigt, dass die Haltung von Hennen in Käfigen mit dem Tierschutzgesetz vereinbar sei, so daß eine Bestrafung der Hennenhalter nach § 17 Nr. 2b TierSchG wegen fehlender Tatbestandsmäßigkeit im allgemeinen nicht möglich ist.

Die Unvereinbarkeit der Käfighaltung mit dem Tierschutzgesetz ergibt sich schon in aller Deutlichkeit aus den unstreitigen Feststellungen des LG Darmstadt zur Unterdrückung der Verhaltensbedürfnisse der Legehennen (s. S. 3). Zur "Tatbestandsmäßigkeit im allgemeinen" hat der BGH gerade nichts gesagt. Er hat, lediglich im konkreten Einzelfall, die Zweifel des Landgerichtes Darmstadt an erheblichen Leiden (infolge lebenslanger "äußerster" Einschränkungen) für nicht rechtsfehlerhaft gehalten.

10. Dezember 1987:
Wie vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) gewünscht, erging die Hennenhaltungsverordnung (HhVO) und schützte von nun an Halter vor Betriebsschließungen und Kriminalisierung.

Januar 1990:
Umfrage (IfD 5031) des renommierten Allensbacher Institutes für Demoskopie:

"Sollten bestimmte Formen der Massentierhaltung, wie zum Beispiel Hühner-Legebatterien, verboten werden, oder sollte man das nicht verbieten?"

85 Prozent der Befragten befürworten ein Verbot. Solche und ähnliche Ergebnisse werden seitens der Interessenverbände mit der Behauptung entwertet, in Wahrheit kümmere den Konsumenten das Schicksal der Tiere wenig, er kaufe in aller Regel doch Eier aus der Batterie. Dieser Einwand ist falsch,8 wie sich auch am Beispiel der Schweiz zeigt. (9)

24. August 1995:
Als "Sündenfall der Menschheit" charakterisiert der spätere Bundesminister Funke die Käfighaltung in einer Rede vor dem niedersächsischen Landtag.

9. Dezember 1996:
Urteil des Landgericht Oldenburg gegen Pohlmann, der 5,6 Millionen Hennen hielt. Er wurde bestraft, u. a., weil er seinen Tieren ätzende Chemikalien ins Futter gemischt hatte, um Parasiten zu bekämpfen. Pohlmann verteidigte seine kriminellen Methoden als branchenüblich.

März 1998:
Infas - Repräsentative Bevölkerungsbefragung zum Thema "Tierschutz und Legehennenhaltung":



"Stört es ihr Gerechtigkeitsgefühl, wenn in Deutschland wegen eines Kostenvorteils bei der Eierzeugung von 10 bis 20 Prozent ständig etwa 40 Millionen Hennen artwidrig in Käfigen gehalten werden?"

87 Prozent der Befragten sind in ihrem Gerechtigkeitsgefühl gestört, was dem Umfrageergebnis des Allensbacher Institutes für Demoskopie (1990, s. S. 4) entspricht.

"Fühlen Sie sich eigentlich häufig, manchmal oder nie bedrückt, wenn Sie an die Millionen Hennen in Käfigen denken, beispielsweise, wenn die Medien darüber berichten?"


37 Prozent sind häufig, 38 Prozent manchmal bedrückt. Zusammen also 75 Prozent der Deutschen fühlen sich bedrückt angesichts der Käfigbatteriehaltungen. Dies sollte ein positives Signal an die verantwortlichen Politiker sein. Es geht nicht nur um Tierschutz, sondern auch um den Schutz unserer Bürger, die strafwürdiges Unrecht, das "Mitgeschöpfen" (so § 1 TierSchG) geschieht, als unerträglich empfinden. Zum praktischen Wert von Umfrageergebnissen siehe Fußnoten (8) und (9).

6. Juli 1999:
Urteil des Bundesverfassungsgericht, wonach die Hennenhaltungsverordnung von 1987 (HhVO) "nichtig" ist, also von Anfang an unwirksam war. Die Nichtigkeit begründete das höchste deutsche Gericht schon allein damit, dass die Hennen nicht gleichzeitig fressen und nicht ungestört ruhen könnten. Der zum ungestörten Ruhen nötige "Flächenbedarf" ergebe sich "aus dem Produkt von Länge (47,6 cm) und Breite (14,5 cm) der Tiere" ( = 690 qcm).

Im übrigen bestehen folgende Grundbedürfnisse der Hennen "das Scharren und Picken, die ungestörte und geschützte Eiablage, die Eigenkörperpflege, zu der auch das Sandbaden gehört, oder das erhöhte Sitzen auf Stangen."

Das Gericht stellte weiter eine "Rechtsunsicherheit" fest, bzgl. der Frage, ob die Käfighaltung "erhebliche Leiden" bewirke. Das Gericht antwortete darauf mit einem wörtlichen Zitat aus der EU Mitteilung zum Schutz von Legehennen vom 11.3.1998:

"Es ist klar, dass der Batteriekäfig ... das Wohlbefinden der Hennen erheblich beeinträchtigt."

Es ist unstrittig, dass in der deutschen Rechtssprache "Leiden" und "Beeinträchtigung des Wohlbefindens" synonym verwendet werden. Damit hat das höchste deutsche Gericht inzident die grundsätzliche Strafbarkeit der Käfighaltung bejaht. (10)

19. Juli 1999:
Legehennenhaltungsrichtlinie der EU. Sie sieht zwar gewisse Erleichterungen für die Tiere durch modifizierte Käfige vor, setzt entgegen dem Europäischen Tierhaltungsübereinkommen aber keine Unterbringung "entsprechend der ethologischen Bedürfnisse" der Hennen durch. Im Gegensatz zu den öffentlichen Beteuerungen des BM Funke wurde in Wahrheit auch von deutscher Seite mehr eine industriefreundliche, denn eine Europäischem Recht entsprechende Richtlinie angestrebt. Allein der damalige Agrarminister Apotheker der Niederlande versuchte, eine weitergehend tierfreundliche Regelung durchzusetzen. Die Richtlinie lässt nationale Verschärfungen im Interesse der Tiere in vollem Umfang zu. Daraus ergibt sich, dass sie de facto nicht unverändert in nationales Recht umgesetzt werden kann, denn das deutsche Tierschutzgesetz, wie vom Bundesverfassungsgericht ausgelegt, hat Vorrang.

Trotz dieser zwingenden Divergenz - als Ergebnis politischer Ungeschicklichkeit, um es euphemistisch zu formulieren - zwischen EU Recht und deutschem Recht verlangt der Zentralverband der deutschen Geflügelwirtschaft, (11) uneinsichtig bis zum heutigen Tage, "Richtlinienkonformität" oder auch "1:1 Umsetzung", die nur unter Missachtung des Urteils des Bundesverfassungsgerichtes bzw. des Tierschutzgesetzes denkbar wäre.

24. Januar 2000:
Minister Funke stellt eine neue Hennenhaltungsverordnung vor. Sie entspricht den Wünschen der Agrarindustrie nach einer weitgehenden 1:1 Umsetzung der EU Richtlinie. Alibifunktion kommt dem deutschen "Alleingang" bei der Futtertrogbreite zu. 12 cm statt nur 10 sollen die deutsche Hennen bekommen. Damit wird versucht, einen Punkt des 59-Seiten-Urteils des höchsten deutschen Gerichtes zu beachten (Urteil vom 6.7.1999, S. 50):

Ferner zeigt ein Vergleich der Körperbreite von 14,5 cm mit der vorgesehenen Futtertroglänge von 10 cm pro Henne, daß die Hennen nicht - wie es ihrem artgemäßen Bedürfnis entspricht - gleichzeitig ihre Nahrung aufnehmen können.

13. März 2000:
Expertenanhörung zum Verordnungsentwurf vom 24.01.2000 vor dem Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten des Bundestages Prof. Robbers, Universität Trier, verteidigt die Rechtmäßigkeit des Entwurfes nachhaltig. Richtlinienkonform ist die von der Verordnung vorgesehene Fläche von 550 qcm. Dies ist aber nicht der "Flächenbedarf" von 690 qcm, den das höchste deutsche Gericht allein zum ungestörten Ruhen für nötig erachtete.

Hierzu Robbers:

"Damit ist nicht gesagt, dass das Produkt aus durchschnittlicher Länge und Breite einer ausgewachsenen Henne (690,2 qcm) die Mindestgröße der Käfige bestimmen muss, noch die durchschnittliche Breite (14,5) die Mindestlänge des Futtertrogs. Das BVerfG trifft eine solche Aussage weder ausdrücklich noch implizit; die Frage war auch nicht Gegenstand des Verfahrens."

(Robbers, Stellungnahme im Rahmen der Öffentlichen Anhörung des Aussschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ... vom 28.2.2000, S. 4)

Bei der Frage der Rücknehmbarkeit bestehender Genehmigungen lenkt er davon ab, dass solche Genehmigungen eindeutig rechtswidrig sind, weil sie, wie die nichtige HhVO, auf der sie beruhen, signifikant gegen das gesetzliche Gebot einer "verhaltensgerechten" Unterbringung verstoßen (so ausführlichst das Bundesverfassungsgericht). Von dieser massiven Verletzung des Gesetzes wird abgelenkt, durch Hinweis auf Selbstverständliches: "Soweit solche Genehmigungen bisher widerrufbar oder rücknehmbar waren, etwa wegen falscher Angaben bei der Antragstellung, bleibt es grundsätzlich dabei" (S. 9, aaO).

Die Bejahung der "erheblichen Leiden" der Hennen durch das BVerfG leugnet er:

"Die Terminologie des Gemeinschaftsrechtes im Rahmen von Mitteilungen der Kommission kann jedoch nicht in das deutsche Strafrecht übertragen werden. Das tut auch das BVerfG nicht." (aaO, S. 10 u 11).

Bei dieser Anhörung zeigte sich über den Beitrag von Prof. Robbers hinaus, die erfolgreiche Strategie der Interessenverbände:

Wiederhole wahrheitswidrige Argumente, insbesondere wenn deren Unrichtigkeit nur auf der Basis von Fachwissen erkannt werden kann.

Experte Albert Huber, Deutscher Bauernverband, Auszug aus dem amtlichen Protokoll vom 13.3.2000 S. 7/8:

"Offen sei weiterhin die Frage, ob ein Tier bei Fehlen entsprechender Kriterien darunter leide oder ob nicht mehr Krankheit auch zu einem größeren Leiden führe. Auch die Legehennenhalter möchten glückliche Hühner in ihren Ställen haben. Denn nur gesunde glückliche Hühner seien zu hohen Leistungen bereit."

Seit zwei Jahrzehnten ist gründlich untersucht, dass die Legeleistungen von der Gesundheit, dem Befinden oder gar dem Willen der Hennen weitgehend unabhängig sind. Nur schwere Verletzungen des Ei-Legeapparates beeinträchtigen die Legeleistung. (12)



Mit "Fehlen entsprechender Kriterien" wird die Tatsache verniedlicht, dass Hennen bei Käfighaltung lebenslang an der Ausübung ihrer elementarsten Verhaltensbedürfnisse (s. o. Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 6.7.1999) gehindert werden. Huber scheint sich an groben Widersprüchen nicht zu stören. Einerseits bezweifelt er, dass Hennen an diesen massiven Mängeln leiden, andererseits betont er mehrfach ihre Fähigkeit, Glück empfinden zu können (zu dem er als Käfighalter maßgeblich beiträgt). Die Frage der Leiden ist allerdings, im Gegensatz zum Glück in der Käfighaltung, in keiner Weise "offen". Erhebliche Leiden sind nicht nur von der EU Kommission, sondern auch vom Bundesverfassungsgericht, in der juristischen Literatur und von Strafverfolgungsbehörden, u. a. drei Generalstaatsanwaltschaften, bestätigt worden. (13) Selbst, wenn dies nicht so wäre, bliebe die unstreitige Verletzung des Gebotes des Tierschutzgesetzes, Tiere verhaltensgerecht unterzubringen. Davon wird abgelenkt, wenn man gegen alle Erkenntnisse Leiden bezweifelt.

Das Standardrepertoire längst widerlegter Behauptungen findet sich ständig in dgs intern, der Hauspostille des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft. (14)

Eine dem Bundesverfassungsgericht vorgelegte tabellarische Vergleichsuntersuchung zeigte u. a., dass Hennen bei Käfighaltung nicht gesünder, sondern (vor allem wegen des lebenslangen Bewegungsmangels) kränker sind, als Hennen in alternativen Haltungen. (15)

7. Juli 2000:
Dr. Thalheim, Parlamentarischer Staatssekretär von Herrn Funke zur grundsätzlichen Strafbarkeit der Käfighaltung, auf eine Kleine Parlamentarische Anfrage (Drs 14/0 23.5.2000):

"Der Kommentar zum Tierschutzgesetz von Lorz/Metzger, 5. Auflage, ist der Bundesregierung bekannt. Die dort vertretene Auffassung zur Strafbarkeit der herkömmlichen Käfighaltung von Legehennen wird von ihr jedoch nicht geteilt."

Diese Haltung des Ministeriums ist unter der offenkundigen Prämisse des BM Funke, die Käfighaltung möglichst lange zu bewahren, nachvollziehbar. Jegliche Begründung, warum die Meinung des Standard-Kommentars zum Tierschutzgesetz falsch sei, unterlässt man wohlweislich.

10. März 2001:
Neuer Entwurf einer Hennenhaltungsverordnung. Die erste Verordnung in der Geschichte der Bundesrepublik, die grundsätzlich das Tierschutzgesetz konkretisiert, mit dem Ziel, die unbestrittenen Leiden der Hennen im Käfig - gerichtskonform - zu beenden. Danach müssen ... Haltungseinrichtungen so ausgestattet sein, dass alle Legehennen artgemäß fressen, trinken, ruhen, staubbaden sowie zur Eiablage ein Nest aufsuchen können. (16)

Diese Grundsätze entsprechen den gesetzlichen Vorschriften und den Forderungen des höchsten deutschen Gerichtes. Sie erlauben nicht, die Verhaltensbedürfnisse der Hennen lediglich minimalistisch (17) zu berücksichtigen, wie dies in modifizierten Käfigen vorgesehen ist.

Die derzeit in der Verordnung vorgesehenen Übergangsfristen für herkömmliche Käfige sind zu lang. Batteriekäfighaltung ist tatbestandsmäßige Tierquälerei (siehe Fußnote 10), als deren Folge jede Legehenne im Käfig ganztägig und lebenslänglich leidet. Seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes sind fast zwei Jahre vergangen. Etwa 70 Millionen Hennen haben trotz dieses Urteils eine "verhaltensgerechte" Unterbringung nicht erleben dürfen. Diese Zahl steigt jährlich um etwa weitere 35 Millionen Hennen an.

Im Gegensatz hierzu kritisieren die CDU Vorsitzende Merkel, (18) der ehemalige BM Funke,19 der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft und einige Bundesländer, den sogenannten deutschen Alleingang. Diese Kritik ignoriert die rechtlichen Rahmenbedingungen, verlangt von der BM Künast die Förderung millionenfacher, strafwürdiger Tierquälerei und die "ethische Kapitulation", wie es unser Bundespräsident Rau in seiner "Berliner Rede" (SZ vom 18.5.2001) treffend formuliert hat:



"Ich kenne den Satz: "Die anderen tun es doch auch." Aber wir sagen doch schon unseren Kindern, dass sie tun müssen, was richtig ist, ganz gleich, was andere machen. Und wir akzeptieren dieses Argument ja auch nicht im Fall von Kinderarbeit, von Sklaverei oder bei der Todesstrafe. Das gleiche gilt für das ähnliche Argument: "Wenn wir es nicht tun, dann tun es die anderen." Dieses Argument ist Ausdruck ethischer Kapitulation.

Im Fall der Käfighaltung kann darüber hinaus erreicht werden, dass die Tierquälerei nicht teilweise exportiert wird, wie das Beispiel der Schweiz zeigt. Die Situation in der Schweiz ist unabhängig von ihrer besonderen Stellung in Europa durchaus vergleichbar, weil es hier wie dort zur Entscheidung an der Ladentheke kommt (siehe Fußnote 9). Bei der Kennzeichnung wird der durch WTO Vereinbarungen gesetzte Rahmen voll ausgeschöpft. (20)

10. April 2001:
Die Studie von Prof. Robbers "Rechtliche Anforderungen an Übergangsfristen in der Legehennenhaltung" wird vom Ministerium auch an die Bundesländer verteilt, deren Zustimmung zur Verordnung nötig ist.

Kurze Übergangsfristen werden von Robbers zutreffend als rechtmäßig eingestuft. Unter dem Motto "Trojanische Pferde heute" oder "die Lobby ist immer dabei", wird aber die Durchsetzbarkeit solcher Fristen in erheblichem Maße gefährdet, schon weil längere Fristen nicht als rechtswidrig charakterisiert werden. Dem Tierschutzgesetz liegt ein Hauptziel zu Grunde: Minimierung von Leiden unserer Mitgeschöpfe (§ 1 TierSchG). Dieses Ziel versucht die neue Verordnung u. a. mit kurzen Übergangsfristen zu erreichen. Wer reitet Robbers, wenn dieser feststellt, dass von Strafbarkeit der Käfighaltung - also von "erheblichen Leiden" im Sinne der Strafvorschrift des Tierschutzgesetzes - "keine Rede" sein könne. Damit stellt man das Grundanliegen der Verordnung, bzw. den Sinn kurzer Übergangsfristen unnötig - und im übrigen ohne haltbare Begründung - in Frage.

Prof. Robbers teilt offenbar nicht die Kenntnis der Bundesregierung (s. o. 7.7.2000) hinsichtlich der Aussagen des Standard-Kommentars zum Tierschutzgesetz (Lorz/Metzger), jedenfalls setzt er sich mit dieser Meinung, was selbstverständlich sein müsste, mit keinem Wort auseinander. Er ignoriert weiter die herrschende Meinung in der Rechtsliteratur und die aktuellen Meinungen der Strafverfolgungsbehörden. (21) Robbers verkennt im übrigen, dass sich erhebliche Leiden auch völlig unabhängig vom Urteil des Bundesverfassungsgerichtes feststellen lassen. Das Wort "erheblich" dient nach höchstrichterlicher Rechtsprechung lediglich dem Ausschluss von "Bagatellfällen" (BGH NJW 1987, 1833). Nach - vom Bundesverfassungsgericht anerkannten - Dokumenten der EU Kommission,22 leidet ein Tier, sobald ein Verhaltensbedürfnis länger unterdrückt wird (Mitteilung vom 11.3.1998). In der Käfighaltung wird eine Vielzahl der Verhaltensbedürfnisse lebenslang unterdrückt. Allein hieraus ist auf erhebliche Leiden zu schließen.

Das Landgericht Darmstadt hat im Jahre 1985, als einziges Landgericht übrigens, an der Erheblichkeit der Leiden gezweifelt, weil es objektive Leidensanzeichen vermisste. Auch diese Leidensanzeichen werden nun in EU Dokumenten vollständig belegt (siehe Fußnote 22).

Kurze Übergangsfristen lassen sich - überzeugend - vertreten, wenn man einleuchtend begründet, warum Käfighalter nicht auf den Bestand der nichtigen Hennenhaltungsverordnung (HhVO) vertrauen durften. Wer die HhVO bzw. ihre Begründung liest, stellt fest, dass sie der Verordnungsgeber selbst als "Übergangslösung" charakterisierte (BR-Dr 219/87). Auf diesen Übergangscharakter wird auch in der juristischen Literatur hingewiesen. (23) Weiter fehlt in so gut wie keinem Tierschutzbericht der Bundesregierung der Hinweis auf die tierschutzrechtlichen Bedenken gegen die Käfighaltung.

Warum kein Wort von alledem in der Studie?

19. März 2001:

"Thalheim: Kleingruppenhaltung von Legehennen ist tiergerecht."

So die Überschrift in dgs intern vom 19.5.2001, dem Offiziellen Organ des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft e.V. Der positive Eindruck, den Herr Dr. Thalheim (s.o. 7.7.2000), Staatssekretär von Frau Ministerin Künast, nach einem Besuch in der staatlich finanzierten, modifizierten Käfiganlage des Herrn Huber (s.o. 13.3.2000) angeblich hatte, steht im Widerspruch zum Inhalt des Verordnungsentwurfes, dem Augenschein und wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Die Frage, ob die Unterbringung der Hennen in modifizierten Käfigen "verhaltensgerecht" ist, wie vom Gesetz vorgeschrieben, verneinen unabhängige Fachleute. (24) Aber selbst Nicht-Fachleuten fällt auf, dass die Haupttagesaktivität der Hennen - das Scharren und Picken - in modifizierten Käfigen ebenso wenig "angemessen" (25) befriedigt werden kann, wie der starke Drang zum Sandbaden. Flächen und Einstreumenge sind schlicht zu klein. Auch das Bedürfnis der - flugfähigen - Hennen mit den Flügeln zu schlagen, bleibt im modifizierten Käfig lebenslang völlig unterdrückt. (26)

Mit "Kleingruppenhaltung" kreierte der ZDG einen Namen für die modifizierten Käfige, der nur sinnvoll ist, soweit Verbraucher über die wahre Herkunft von Eiern getäuscht werden sollen. Ansonsten ist die kleine Gruppe von Hennen (4 bis 5), die in je einem Käfigabteil ihr Dasein fristet, seit jeher ein Charakteristikum herkömmlicher Käfighaltung. Die Kennzeichnung "Kleingruppenhaltung" ist irreführend und sollte nicht hingenommen werden, um Nachteile bei der Vermarktung von Eiern aus Nicht-Käfighaltung zu vermeiden.

Zutreffend wird der modifizierte Käfig hingegen im SPIEGEL (32/2000, S. 200) als "möblierter" Käfig bezeichnet.

25. Juni 2001:
Es tagt der Agrarausschuss des Bundesrates. Eine Beschlussfassung über den Entwurf einer neuen HhVO wird ausgesetzt, weil einige Bundesländer - allen voran Niedersachsen - anstreben, gegen deutsches Recht, die Europäische Richtlinie vom 19.7.1999 umzusetzen, hinsichtlich der Übergangsfristen ebenso wie hinsichtlich der modifizierten Käfige.

September 2001:
Das BMVEL plant alle Regelungen zur Haltung von Nutztieren für die Vergangenheit und Zukunft in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) zusammen zu fassen. Möglicherweise auch dies eine lobbygesteuerte Aktivität. Muss der Bundesrat künftig zu erlassenden Haltungsvorschriften, egal für welche Tierart, zustimmen, kann er sein Placet wegen Sachzusammenhangs (dieselbe Verordnung) - stets - von Änderungen anderer Teile der TierSchNutztV abhängig machen.


19. Oktober 2001:



Der Bundesrat stimmt den Vorschriften zur Hennenhaltung der Ministerin Künast mehrheitlich im Rahmen einer neuen Gesamtverordnung (TierSchNutztV) zu. Der Tierschutz hatte bis zu dieser Entscheidung größte Anstrengungen unternommen, u. a. Mahnwachen vor dem Bundesrat mit persönlichen Angriffen gegen unwillige Ministerpräsidenten verschiedener Bundesländer. Erstmals in der Geschichte der BRD ist die Grundlage für die verhaltensgerechte, also gesetzmäßige Unterbringung zumindest einer Nutztierart geschaffen. Ab 1.1.2007 muss die Höhe aller verwendeten Hühnerställe mindestens 2 Meter betragen.

Ab 2001:
Der ZDG (Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft) und der Bauernverband setzen sich - gegen nunmehr geltende Recht - nachdrücklich auf Länderebene und in den Medien für den modfizierten Käfig ein. Diese "Kleingruppenhaltung", so wird suggeriert, sind "möblierte Appartements" für die Hennen. Während alternative Haltungen das wahre Unglück für die Tiere seien, mit ständigem Kannibalismus und Dauererkrankungen, weil die "armen" Hennen hier ja nicht einmal von ihrem Kot getrennt leben dürfen.

1.September 2003:
Unter beachtlich breiter Medienbegleitung präsentiert die Tierärztliche Hochschule Hannover die sog. "Epileg" Studie (27), die die Überlegenheit der modifizierten Käfige "wissenschaftlich" belegen soll. Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Ehlen hatte auf Veröffentlichung der, auch von ihm, geförderten Studie gedrängt, obwohl die vollständige Bearbeitung noch ausstand. Durchaus wissenschaftlich klingt der Titel "Orientierende epidemiologische Untersuchung zum Leistungsniveau und Gesundheitsstatus in Legehennenhaltungen verschiedener Haltungssysteme". Ansonsten ist diese Arbeit lediglich die Auswertung einer Fragebogenaktion bei Hennenhaltern (vor allem solchen, die seit Jahren neben einer Vielzahl von Hennen in den "praktischen" herkömmlichen Käfigen, nun einige in "unpraktischen" alternativen Haltungen, versuchsweise, halten). Sie hat zudem, wie die Verfasser selbst einräumen "unter wesentlicher Mitwirkung der Geflügelwirtschaft" stattgefunden.


26. Oktober 2003:


SPIEGEL-TV Sendung zur Hennenhaltung - In dieser Sendung fehlt buchstäblich kein Argument der Agrarindustrie für die modifizierten Batteriekäfige und gegen jede alternative Haltung. Gegenargumente finden, als wäre das Drehbuch von der Lobby selbst verfasst, keine Erwähnung. Der vielfachen Kritik an "unerträglich einseitiger Berichterstattung" (so auch ein Schreiben der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt) begegnet der Chefredakteur des SPIEGEL, Stefan Aust, der diese Sendung lanciert hatte, mit Schweigen. Das mag daran liegen, dass Paul Schockemühle, Großinvestor in Sachen Batteriekäfighaltung, ein Duz-Freund ist.

19. November 2003:
Die Internationale Gesellschaft für Nutztierhaltung (IGN), deren Kompetenz auch von Gegnern nicht angezweifelt wird, belegt ausführlich und einleuchtend die zahlreichen Mängel der Epileg Studie28, deren Ergebnisse damit als irrelevant zu gelten haben.

Am Rande wird erläutert, warum die Beteiligung von Interessenvertretern im konkreten Fall bedenklich ist:

"In die fachliche Beratung waren sowohl die Niedersächsische Geflügelwirtschaft als auch der Bundesverband Deutsches Ei e.V. eingeschaltet. Dieses Vorgehen weckt erhebliche Bedenken, wenn man die einseitige Ausrichtung dieser Verbände gegen die geltenden Regelungen zur Legehennenhaltung und für eine Wiedereinführung der Käfigbatteriehaltung kennt.

Einige Zitate zur Verdeutlichung: "Der Bundesverband Deutsches Ei e.V. (BDE) wurde am 30. Oktober 2001 ... gegründet. Im Mittelpunkt der Arbeit des BDE steht das gemeinsame Vorgehen gegen den wettbewerbsverzerrenden deutschen Alleingang in der Legehennenhaltung" (dgs-intern Woche 18/2002). "Durch meine Tätigkeit im BDE kann ich dazu beitragen, die richtigen Weichenstellungen zu treffen und nicht tatenlos hinzunehmen, dass einige ökoman Obsessive mit Volldampf in eine Richtung galoppieren, aus der es im Jahr 2006 überhaupt kein Zurück mehr geben wird ... Es kann nicht sein, dass die Agrarpolitik allgemein und die Geflügelwirtschaft im Speziellen zum Spielball umweltanschaulicher Heilsprediger werden." (Dr. B. Diekmann, Vorsitzender des BDE in: dgs-magazin, Woche 18/2002). "Weder der Tierschutz noch der Verbraucherschutz werden durch die rein von grüner Ideologie geprägten einseitigen nationalen Verschärfungen zur Legehennenhaltung profitieren." (Dr. B. Diekmann nach dgs-intern, Woche 23/2002). "Folgerichtig ist es, wenn die Legehennenhalter mit Wut und absolutem Unverständnis auf den nationalen Alleingang reagieren. Die Bundesregierung hat in dieser Sache jegliches Augenmaß verloren und sich von rein grüner Ideologie leiten lassen ... Wir werden alle Möglichkeiten ausschöpfen, dies im Dialog auf wissenschaftlich fundierter Basis zu tun." (G. Wagner, Präsident des Zentralverbands der deutschen Geflügelwirtschaft e.V. in: dgs-magazin Woche 1/2003). "Ganz offenbar ist man sich im BMVEL gar nicht darüber im Klaren, was denn die Aufrechterhaltung der jetzigen Regelung bedeutet, nämlich einen kurzfristigen Zusammenbruch der Eierversorgung in Deutschland zum 1. Januar 2007."

28. November 2003:
Ein Maßgabebeschluss des Bundesrates ergeht (29) unter Federführung von Niedersachen und Mecklenburg-Vorpommern. Er belegt, dass wissenschaftliche Erkenntnisse politisches Wollen durchaus nicht immer begrenzen können. (30)



Ausgenutzt wird, dass Frau Bundesministerin Künast bei der Regelung der Schweinehaltung Europäisches Recht umsetzen muss. Der Bundesrat macht seine - nach § 2 a TierSchG notwendige - Zustimmung zu einer entsprechenden Änderung der TierSchNutztV bezüglich der Schweine, von der Änderung der Vorschriften zur Hennenhaltung abhängig, so dass modifizierte Käfigbatterien zulässig würden. Die unredliche Ausdehnung der Änderungswünsche auf die Hennenhaltung wird darauf gestützt, dass eine Änderung der "Nutztierhaltungsverordnung" anstehe und dazu gehörten auch die Regelungen zur Hennenhaltung. Diesbezügliche Änderungen seien auf Grund neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse bezüglich der Mangelhaftigkeit alternativer Haltungen nötig geworden. Durchsichtiger die Begründung von Änderungen zur Kälberhaltung. Kälber sollen weiter auf Spaltenböden leben, weil " ... praxistaugliche Gummimatten für die Kälberhaltung, die auf den Balken aufgebracht werden können, noch nicht vorhanden sind. Die Vorschrift läuft demnach ins Leere."

11. November 2004:
Das Bundesverfassungsgericht entscheidet über die Verfassungsbeschwerden von Hennenhaltern (31), die ihre berufliche Freiheit durch zu kurze Übergangsvorschriften und verbotene modifizierte Batteriekäfige bedroht sahen. Das BVerfG begründet seine Entscheidung damit, dass in aller Regel Verfassungsbeschwerden nur zulässig seien, wenn der Rechtsweg zu den ordentlichen Gerichten erschöpft sei. Zumindest gibt das Gericht damit aber zu erkennen, dass es die gesetzte Übergangsfrist für rechtmäßig hält, denn rechtskräftige Entscheidungen anderer Gerichte könnten bis zum 1.1.2007 nicht erreicht werden.

Die Entscheidung des BVerfG kann für das BMVEL das Signal sein, den Ländern weiter Widerstand zu leisten und auch der angeblichen Gefahr von Strafzahlungen an die EU wegen Nichtumsetzung einer Richtlinie zu trotzen. Im übrigen hat Frau Künast realistische Chancen den Streit auszusitzen. Nach § 21 b TierSchG kann die Ministerin Europäisches Recht für 6 Monate auch ohne die Zustimmung des Bundesrates umsetzen. Verweigert der Bundesrat dann die Zustimmung zur Verlängerung, würde besser erkennbar, wer die Probleme zu verantworten hat.

Das Bundesverwaltungsgericht vertritt im übrigen die Ansicht, dass der Bund die Länder bezüglich etwaiger Strafzahlungen in Regress nehmen könnte. (32)

14. November 2004:
Derzeit und in naher Zukunft besteht die Möglichkeit, dass sich die Bundesministerin Künast dem politischen Druck beugen muss. In diesem Fall wird sich wieder einmal zeigen, dass das Verbandsklagerecht für Tierschutzorganisationen der einzige Weg ist, auch bei Anwendung des Tierschutzgesetzes für Rechtmäßigkeit zu sorgen. Tierschutz ist Staatsziel, wie der Umweltschutz gem. Art. 20a unserer Verfassung. Warum ein Verbandsklagerecht nur für den Tierschutz entbehrlich sein soll, kann schwerlich begründet werden. Ohne ein solches Recht gibt es kein Gericht, das objektiv die Frage prüfen könnte, ob denn die modifizierten Batteriekäfige nicht ebenfalls gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. Eine ähnliche Frage stellte sich vor vier Jahrzehnten in Bezug auf herkömmliche Batteriekäfige. Die Behörden bis hinauf zu den Ministerien und den Bundeskanzlern waren nicht in der Lage für die Anwendung des Tierschutzgesetzes zu sorgen. Eine Antwort hat erst das Bundesverfassungsgericht mit seinem Urteil vom 6.7.1999 gegeben, Jahrzehnte später, nach etwa einer Milliarde in der Käfighaltung verbrauchter Hennen. Dies belegt drastisch die Notwendigkeit eines Verbandsklagerechtes. (33)

gezeichnet:

Prof. Dr. Dr. Sojka
Wolfgang Schindler

Im Auftrag der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt
Wessobrunner Strasse 33,
81377 München
wolf.2000@gmx.net (Anforderung von Exemplaren)


Quellenverzeichnis:

1
LG Düsseldorf, Urteil v. 14.1.1976, Aktenzeichen: 12 O 456/75; OLG Düsseldorf RdL 1977, 428 ff.

2 LG Düsseldorf, Urteil vom 23.11.1979, RdL 1980, 189 ff.

3 Den Hennen standen als Bodenfläche 506 qcm/Tier zur Verfügung, 10 Prozent mehr als nach der nun nichtigen ennenhaltungsverordnung.

4 Auftrag 76 BA 54 Qualitative und quantitative Untersuchungen zum Verhalten ... von Legehennen in unterschiedlichen Haltungssystemen. Im Ergebnis sprach sich Wegner wegen der hygienischen und wirtschaftlichen Vorteile für die Käfighaltung aus - s. Legehennenhaltung, Sonderheft 60, 1981, S. 210, Hrsg. Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft, Braunschweig-Völkenrode

5 Die übliche Bezeichnung "Scharren und Picken", vermied das Gericht. Diese Tätigkeit stellt die Hauptaktivität der Hennen dar.

6 BT-Drucksache 10/3158, S. 18

7 BGH NJW 1987, 1833 ff.

8 Die Erzeuger scheuen keine Mühen, die Verbraucher über die Herkunft der Eier zu täuschen. Mindestens werden Käfigeier als "Frischei" bezeichnet und in Packungen mit dem Bild idyllischer Bauernhöfe angeboten. Einer der größten Erzeuger (Ehlego GmbH) nennt seine Käfigeier "Reformeier".

9 In der Schweiz wurde gezeigt, dass aus 85 Prozent der die Käfighaltung per Abstimmung Ablehnenden 72 Prozent Käufer werden, die das billige, eindeutig gekennzeichnete, Käfigei in den Regalen lassen. 1997 stammten 71,88 Prozent der in der Schweiz vom Privatverbraucher nachgefragten Eier aus (alternativer) Inlandsproduktion - s. Bestätigung des Bundesamtes für Veterinärwesen, Bern, vom 11.2.1999.

10 Dies entspricht der einheitlichen Meinung in der aktuellen Rechtsliteratur, Schindler, NStZ 3/2001, 124 ff, von Loeper, DÖV 9/2001, 370 ff, Maisack, ZRP 5/2001, 198 ff, der aktuellen Kommentarliteratur Lorz/Metzger, TierSchG, 5. Auflage, HhVO, Rn 17 (auch Kluge, Hirthammer-Verlag und Hirt/Maisack, Vahlen) und wird derzeit überwiegend von Strafverfolgungsbehörden (u.a. drei Generalstaatsanwaltschaften) vertreten; anders nur Robbers, Anhörung v. 13.3.2000 - vgl. hierzu die Dokumentation der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt vom 5.7.2001 zu Vorfragen einer neuen Hennenhaltungsverordnung.

11 z.B. dgs intern 2001/17, S. 2. dgs intern ist das Offizielle Organ des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft.

12 Fölsch, Die Legeleistung ..., Tierärztliche Praxis 5, 69 - 73 (1977)

13 siehe Fußnote 10

14 z.B. dgs intern 19/2001, S. 3 u. 4: Käfigeier seien von besserer Qualität, stammten von gesünderen Tieren, die sich im Käfig wohlfühlten. Ruinös wären die Folgen eines deutschen Alleinganges insbesondere für Kleinbetriebe. Dazu, dass dies nicht zutrifft, vgl. Fußnote 9. Zu den angeblichen Vorteilen der Käfighaltung insgesamt, siehe Fußnote 15.

15 Tabellarische Zusammenfassung der gegenüberstehenden Argumente zu Vor- und Nachteilen der Käfighaltung bzw. alternativen Haltungen vom 6.4.1999, herausgegeben von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt.

16 Es war 30 Jahre lang leider nicht selbstverständlich, was man nun in § 3 Abs. 2 Nr. 3 a der neuen Verordnung iest. I.ü.: Artgemässes Fressen umfasst Scharren und Picken, Ruhen umfasst das sogenannte Aufbaumen, also das Sitzen auf Stangen, die in unterschiedlicher Höhe zur Verfügung stehen müssen.

17 "Der Begriff der Mindestanforderungen des Tierschutzes würde jedoch unzulässig verengt, wenn er im Sinne eines tierschutzrechtlichen Minimalprogramms verstanden würde" (BVerfG Urteil, S. 43). Auf S. 47 stellt das BVerfG fest, dass ethischer Tierschutz bis zur Grenze des Übermaßverbotes vom Verordnungsgeber zu fördern sei. Diese Förderungspflicht würde verletzt, ließe der Verordnungsgeber modifizierte Käfige zu, die unstreitig die Hennen erheblich weiter beschränken als z.B. Volièren, bei ungefähr gleichen Kosten. Vergleichbare Kosten werden durch Dokumente der Europäischen Union bestätigt, die das BVerfG als für den Verordnungsgeber verbindlich angesehen hat (Urteil S. 53): "At about 750 - 850 cm2/bird in cages production cost becomes about equal to a high density perchery or aviary system ..." (Bericht des Wissenschaftlichen Veterinärausschusses der EU vom 30.10.1996, S. 94)

18 dgs intern berichtet in Heft 20/2001, S. 2 über den Landwirtschaftskongress der CDU und schreibt: Zugleich bezeichnete Angela Merkel den angekündigten Ausstieg aus der Käfighaltung im deutschen Alleingang als "Irrweg".

19 STERN 17/2001, S. 270: "... halte ich einen Alleingang für falsch, weil keine Henne weniger in diesen Batterien gehalten werden wird. Die Ställe werden in Holland wieder aufgebaut."

20 Selbst auf Speisekarten ist gegebenenfalls folgender Hinweis zwingend: "aus in der Schweiz nicht zugelassener Käfighaltung" (Landwirtschaftliche Deklarationverordnung, geltend ab 1.1.2000)

21 siehe Fußnote 10

22 EU Mitteilung der Kommission an den Rat und das Europäische Parlament vom 11.3.1998, KOM (98) 135endg., 98/0092(CNS) BT-Drs 13/11371, S. 5 ff und der zugrundeliegende Bericht des Wissenschaftlichen Veterinärausschusses der EU vom 30.10.1996. Diese Dokumente sind vom BVerfG als vom Verordnungsgeber zu beachten klassifiziert worden, Urteil vom 6.7.1999, S. 53.

23 Schindler, NStZ 2001, 127 und Müller-Terpitz DVBl 2000, 233 "unbefriedigend und transitorisch".

24 Stellungnahme der IGN - Internationale Gesellschaft für Nutztierhaltung - zum Entwurf einer neuen Hennenhaltungsverordnung vom 9.9.99, http://www.ign-nutztierhaltung.ch

25 Das Tierschutzgesetz schreibt eine "angemessen verhaltensgerechte" Unterbringung vor. Das BVerfG verbietet daher "unangemessene Zurückdrängung" der Verhaltensbedürfnisse. Bei der Auslegung des Wortes "angemessen" ist ein tierfreundlicher Masstab anzulegen. Das ergibt sich schon aus dem Urteil des BVerfG, das eine mindere Störung, nicht gleichzeitig fressen zu können, als schwerwiegend genug bewertete, die Nichtigkeit der HhVO (1987) darauf zu stützen. Dieses Bedürfnis wird bei nur einer Henne (aus einer Gruppe von 4 oder 5) unterdrückt und bleibt auf die Dauer des Fressens beschränkt. Es ergibt sich weiter nach allgemeinen Auslegungsregeln. Das Wort "angemessen" wurde erst mit der Novellierung des TierSchG 1986 auch auf "verhaltensgerecht" bezogen, mit der - so die amtliche Begründung - eine Stärkung des Tierschutzgedankens erreicht werden sollte. Daher ist "angemessen" als "den Bedürfnissen der Tiere angemessen" zu verstehen, nicht als Ansatzpunkt, den gesetzlichen Schutz zu relativieren.

26 Hierzu reichen nicht 750 qcm, die in modifizierten Käfigen vorgesehen sind. 860 bis 1980 qcm sind nötig, vgl. S. 30, Bericht des Wissenschaftlichen Veterinärausschusses der EU vom 30.10.1996

27 www.tiho-hannover.de/einricht/bioepi/forschung/forschungsprojekte/ibei_26.htm

28 www.ign-nutztierhaltung.ch/stellnahm/

29 Bundesratsbeschluss BR Dr 574/03

30 Das Risiko derart ignoranter Politik ist dann nicht hoch, wenn die Sachfragen komplex und der unbedarfte Bürger nicht auf Grund eigener Kenntnis, Sachverhalte Positionen beurteilen kann.

31 Aktenzeichen BVerfG 1 BvR 2057/02

32 BVerwGE 116, 234 (Beschluss vom 08.05.02, BVerwG 3 A 1.01, auf der Website des BVerwG abrufbar) am Ende, zur Frage einer analogen Anwendung des Art. Art. 104 a Abs. 5 Satz 1 Halbs. 2 GG.

33 Die Möglichkeit der Bundesländer Verordnungen des Bundes, egal zu welchem Thema, vor dem Bundesverfassungsgericht anzugreifen, macht ein Verbandsklagerecht in keiner Weise entbehrlich. Dass sich ein Bundesland, das Land NRW, gefunden hatte, den Weg nach Karlsruhe im Interesse von Legehennen zu gehen, beruhte auf besonderen politischen Umständen, die alles andere als immer gegeben sind.


Fundamentalismus

Fundamentalistisches Denken und Tiermisshandlung




Rechtsanwalt Wolfgang Schindler, München, Mai 2005

Wer wäre nicht empört über die Entrechtung der Frauen, wie sie beispielsweise die Taliban praktizierten: Für Mädchen gab es keinen Schulbesuch, keine Bildung, keine normalen sozialen Kontakte, aber reichlich "Hausarrest". Islamistische Fundamentalisten fanden und finden das gerecht - wegen der angeblich fundamentalen Unterschiede zwischen Mann und Frau. Schamlos wird der behauptete Wertunterschied präzise numerisch ausgedrückt. Zwei weibliche Zeuginnen zählen vor Gericht soviel wie ein männlicher. Es erscheint unvorstellbar, dass über Jahrtausende eine offensichtliche Tatsache ignoriert wurde: Menschliche Eigenschaften und Bedürfnisse sind weitgehend unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe und Rasse; hieran anknüpfende Benachteiligungen sind willkürlich. Dies hat man in unserer Gesellschaft nunmehr weitgehend verstanden.

Allgegenwärtig ist allerdings der Missbrauch von Milliarden von Mitgeschöpfen, insbesondere der so genannten Nutztiere (Legehennen, Mast- und Versuchstiere). Ihre Bedürfnisse werden größtenteils lebenslang unterdrückt und sie kommen oft in grauenhafter Weise zu Tode. So ist amtlicherseits festgestellt, dass insbesondere das Schlachten im Akkord zu Fehlbetäubungsraten im oberen einstelligen Prozentbereich führt, d.h. z.B. Hunderttausende von Schweinen pro Jahr erleben ihre Schlachtung weitgehend ohne Betäubung.

Eine Ursache dieser scheinbar unausrottbaren Übel ist ein alltäglicher Fundamentalismus zu Lasten der Tiere. Wie bei jeder Form von Fundamentalismus bilden angeblich fundamentale Unterschiede wie zwischen "Gläubigen und Ungläubigen", "Schwarzen und Weißen" oder "beseelten und unbeseelten Geschöpfen" die Basis solcher Überzeugungen. Der fundamentalistische Dualismus in Bezug auf Tiere wurde seit jeher von Teilen der Kirche gefördert. Anschaulich hierzu Sigmund Freud: "Man sprach ihnen die Vernunft ab und legte sich eine unsterbliche Seele bei, berief sich auf eine hohe göttliche Abkunft, die das Band der Gemeinschaft mit der Tierwelt zu zerreißen gestattete." In dieser Tradition stehen neuerdings gewisse kirchliche Kräfte als Meinungsmittler von Lobbyorganisationen der Agrarwirtschaft. Sie streiten selbst die offensichtlich ähnlichen Empfindungen von Mensch und Tier ab: "Es gilt dies aber genauso für den Alltagsverstand, der sich nicht scheut, einem Meerschweinchen "Angst" zuzuschreiben oder einen Hund sich "freuen" zu lassen - was immer die solcherart gedeuteten Phänomene für Tiere bedeuten mögen."

In Wahrheit ist die Fähigkeit, Schmerz, Leid und Angst zu empfinden bei Mensch und zumindest bei "höheren" Tieren nachweisbar ähnlich. Schon Charles Darwin schrieb: "Da der Mensch dieselben Sinne wie die Tiere besitzt, müssen auch die fundamentalen Empfindungen dieselben sein." Dem Stand heutiger Wissenschaft entspricht der Analogieschluss nach Prof. Dr. Dr. Sambraus, der folgendes besagt: "1. Jeder Mensch kann Leiden und Schmerzen empfinden. 2. Diese subjektiven Empfindungen sind von objektiven Erscheinungen wie Schreien, ... begleitet. 3. Wirbeltiere sind dem Menschen morphologisch, physiologisch und in der Organisation des Nervensystems sehr ähnlich. 4. Tiere zeigen in bestimmten Situationen die gleichen Erscheinungen wie der Mensch, also Schreien, Zittern, abnormales Verhalten, Apathie usw. 5. Daraus darf geschlossen werden, dass analoge Empfindungen vorliegen, dass das Tier also nicht nur Schmerzen empfinden, sondern auch leiden kann."

"Na und" sagt der, der Eier aus Batteriekäfighaltung kauft. Den bringt man mit Jean-Jacques Rousseau zum Staunen, der bereits im Jahre 1755 feststellte: "Da nun Menschen und Tiere das gleiche Empfindungsvermögen haben, kommt ihnen auch das Recht zu, sich vom anderen nicht misshandeln und quälen zu lassen." Die richtigen Schlüsse zieht auch Otfried Höffe, Professor der Philosophie an der Uni Tübingen: "Eine säkularisierte Tierethik tritt einem menschlichem Gattungsegoismus entgegen. Sie wendet die sittlichen Grundsätze a) Gleiches gemäß seiner Gleichheit gleich zu behandeln und b) niemanden zu schädigen, auf jene höher entwickelten Tiere an, die - wie jedermann beobachten kann und die wissenschaftliche Verhaltensforschung seit Darwin vielfach bestätigt - schmerz- angst- und leidensfähig sind, und gebietet, darauf gebührend Rücksicht zu nehmen." Bertrand Russel, Nobelpreisträger für Literatur (1950): "Es gibt keinen triftigen Grund, die Interessen von Menschen für wichtiger zu halten als die von Tieren. Wir können Tiere leichter vernichten als sie uns, das ist die einzige feste Grundlage unseres Anspruchs auf Überlegenheit."

Ohne Bedeutung für diese ethischen Bewertungen ist es, dass sich Menschen und Tiere in vieler Hinsicht unterscheiden, weitgehender noch als Menschen untereinander. Neben äußerlichen Unterschieden ist der Mensch im Vergleich zu Tieren zu differenzierteren Geistesleistungen fähig. Diese Tatsache ist moralisch jedoch irrelevant, was sich beim Umgang mit unseren Mitmenschen wie selbstverständlich zeigt. Wer würde denn Kleinstkindern oder Geistesschwachen die Befriedigung ihrer Bedürfnisse verweigern, nur weil ihre geistige Leistungsfähigkeit hinter dem menschlichen Durchschnitt und der intelligenter Tiere zurückbleibt?

Davon unabhängig ist es jedem unbenommen, stolz auf seine Artzugehörigkeit zu sein. Wer an Goethe und Beethoven denkt, sollte allerdings Goebbels (Meister der Agitation) und Teller (Vater der H-Bombe) nicht vergessen. Die Frage, ob der Mensch im Orchester der Einzigartigkeiten wirklich die erste Geige spielt, muss man nicht zugunsten des Menschen beantworten. Einzigartig erscheinen die Flug- Schwimm- und Tauchleistungen unserer Mitgeschöpfe. Ja selbst das Känguru kann eine einzigartige Fähigkeit für sich in Anspruch nehmen, denn niemand hüpft - auf zwei Beinen - weiter.

Mit der Fähigkeit zu differenzierterem Denken glänzt der Mensch. Sie hat ihn zur erfolgreichsten Art gemacht, mit der Folge, dass wir zur größten Bedrohung für unseren Planeten geworden sind. Die insoweit harmlosen geistigen Leistungen der Tiere reichen an den unteren Rand der Intelligenz gesunder menschlicher Erwachsener heran. Zum Beispiel vermögen Gorillas bis zu 1000 Zeichen einer Zeichensprache zu beherrschen und Orang-Utans betreiben, vor dem Spiegel, Zahnpflege - Jeremy Rifkin, Was wir von Tieren lernen können. Dort liest man: " ... der afrikanische Graupapagei, der Aufgaben bewältigt, die zuvor als die alleinige Domäne des Menschen galten: Alex kann über vierzig verschiedene Gegenstände und sieben Farben identifizieren, und er kann Gegenstände einander sowie bestimmten Kategorien zuordnen. ... Bei IQ-Tests für Menschen erreicht die Gorilladame Koko einen Quotienten von 80. Damit wird sie als langsame Lernerin, aber nicht als zurückgeblieben eingestuft."


Sure 2,282
Bericht des Verbraucherschutzministeriums aus dem Jahre 2002, zitiert nach Hirt/Maisack/Moritz, "Kommentar zum Tierschutzgesetz", Vahlen-Verlag, München, TierSchlV, Einführung Rn 8
Wohltuend hingegen Papst Benedikt XVI.: " ... Diese Degradierung der Lebendigen zur Ware scheint mir tatsächlich dem Zueinander von Mensch und Tier zu widersprechen, das durch die Bibel durchscheint." (Kardinal Ratzinger, "Gott und die Welt", Deutsche Verlagsanstalt
ISBN 3-421-05428-2)
Eine Schwierigkeit der Psychoanalyse, 1916, zitiert n. Linnemann, "Brüder Bestien Automaten", Harald Fischer Verlag, S. 270
Kirchenrat Dr. R. J. Busch und Dr. P. Kunzmann in "Leben mit und von Tieren", S. 53; vgl. hierzu W. Schindler, "Geisteswissenschaft - Wunderwaffe der agrarindustriellen Lobby?", www.kaefig-ade.de

"Die Abstammung des Menschen", Alfred-Kröner-Verlag, Stuttgart, ISBN 3-520-02805-0, 2002, S. 80 zitiert nach Hirt/Maisack/Moritz, a.a.O., § 1 Rn 20
"Über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen", 1755, Reclam Ditzingen, 1998 Lexikon der Ethik, Beck’ sche Reihe 92, S. 278
"Wenn Tiere sprechen könnten", zitiert nach Linnemann, "Brüder-Bestien-Automaten", a.a.O., S. 295
SZ 30./31.08.03, S. 4


Tierrechte und Umweltverschmutzung

"Tödliche Gefängnisse" - unser Wohlstandsmüll


Liebe Leserinnen, liebe Leser,

vor einiger Zeit hatte ich ein Erlebnis, das mich zu sehr zum Nachdenken brachte, und von dem ich Ihnen berichten möchte.



Ich hatte mich auf dem Nachhauseweg über die achtlos weggeworfenen Flaschen und Dosen geärgert, die im Straßengraben lagen. Ich begann die Flaschen und Dosen einzusammeln; ein Straßengraben ist schließlich keine Müllhalde. Meine Aufmerksamkeit wurde dabei auf eine Bierdose gelenkt, die sich leicht zu bewegen schien. Ich hob sie auf und hielt sie gespannt an mein Ohr. Aus dem Inneren der Dose drang ein leises Kratzen. Ich hatte natürlich keine Ahnung, wer oder was das Kratzen verursachen könnte, aber intuitiv musste es meiner Meinung nach etwas "Größeres" sein.

Da ich unter Zeitdruck stand, packte ich ärgerlich, aber zugleich sehr neugierig, die schmutzigen Flaschen in eine Tüte. Mit der "lebendigen Dose" in der anderen Hand eilte ich mit großen Schritten nach Hause. Dort angekommen, zeigte ich meiner Familie den mysteriösen Dosenfund.

Um ins Innere der Dose sehen zu können, mussten wir sie mit einer Blechschere öffnen. Als wir die Dose vorsichtig geöffnet hatten, trauten wir unseren Augen nicht, denn dort saß eine kleine, nasse Spitzmaus. Erleichtert stellten wir fest, dass sie trotz des unfreiwilligen Aufenthalts in ihrem Alugefängnis unversehrt war. Wie lange das Mäuslein in der Dose gefangen war, konnten wir nicht beurteilen. Aber es dürfte nur für kurze Zeit gewesen sein, denn andernfalls wäre sie natürlich verhungert.

Sie hatte Glück im Unglück gehabt. Angezogen vom süßlich-herben Geruch des Bieres, kroch sie durch die Öffnung der Dose, die zur tödlichen Falle wurde. Von dem Rest des Bieres war die Spitzmaus wahrscheinlich ein wenig "benebelt" und ungestüm, so dass die Dose in eine aufrechte Position geraten war; sie war darin gefangen. Ob sie aus eigener Kraft die Dose hätte verlassen können, ist zu bezweifeln. Das spiegelglatte Aluminium im Innenraum ihres Gefängnisses hätte für sie ein unüberwindbares Hindernis dargestellt. Wäre mir die "bewegte Dose" nicht ins Auge gefallen, wäre ihr Schicksal besiegelt gewesen - ein langsamer Tod durch Verhungern und Verdursten.

Nun gut, "unsere" Spitzmaus hatte an diesem Tag durch zufällige Umstände eine riesige Portion Glück gehabt. Sie erhielt ihre Freiheit zurück, und wir alle waren glücklich darüber, dass wir dieses winzige Lebewesen aus seiner Todesfalle befreit hatten.

Leider können wir nicht überall sein, um den Zivilisationsmüll an Wiesen- und Waldrändern, zu entsorgen. Wenn ich die vielen Flaschen und Dosen beim Autofahren in Straßengräben und Trümmergrundstücken liegen sehe, die verantwortungslose Menschen einfach weggeworfen haben, graut es mir, denn dort könnte sich die gleiche Tragödie abspielen. Dort könnten unzählige kleine Tiere elendig zu Grunde gehen, nur weil gedankenlose oder verantwortungslose Mitbürgerinnen und Mitbürger ihren Müll zum Autofenster hinauswerfen. Dass der weggeworfene Müll die Landschaft verschandelt, hat mich schon immer gestört. Dass aber dieser Müll Leben vernichtet und überdies die Artenvielfalt gefährdet, war mir bis zu diesem Tag nicht bewusst geworden.

Todesfallen einer arglosen Wohlstandgesellschaft, die sich zivilisiert nennt. Sinnloses Sterben, das durch gedankenloses Verhalten der Menschen verursacht wird.

Seit diesem Erlebnis ertappe ich mich immer häufiger, dass ich beim Spaziergang mit meiner Hündin Sissi Flaschen und Dosen, die im Straßengraben liegen, aufhebe, und sie mir genauer ansehe, bevor ich sie in der nächsten Mülltonne entsorge.

Wenn wir uns für Tierrechte engagieren, wenn wir die Tiere lieben, dann müssen wir auch liebe- und respektvoll mit Mutter Erde umgehen, denn sie ist die Heimstatt, die allen gehört - uns und den Tieren!

Fakten:

Die Biologin Claudia Schuster veröffentlicht erschreckendes Zahlenmaterial. Im Rahmen einer Untersuchung über die Kanarenspitzmaus stellt sich heraus, dass neben Hunderten Käfern, Ameisen, Asseln, Fliegen und Spitzmäusen auch die kleine, nur auf den Kanaren vorkommende Atlantische Echse betroffen ist. In 35 von 44 untersuchten Glasflaschen fanden sich insgesamt 70 tote Echsen. In einer einzigen Dreiviertelliter-Flasche wurden 22 Echsen gezählt.

Im Südschwarzwald kommen auf eine konventionelle Bierflasche bis zu 70 tote Käfer, darunter besonders geschützte Insekten: Laufkäfer, Totengräber, Waldmistkäfer, Waldgrablaufkäfer, Kurzflügelkäfer und eine Aaskäferart.

In Virginia (USA) geht man von 24 bis 71 Kleinsäugern pro Straßenkilometer aus, die in Flaschen zugrunde gehen, die aus Fahrzeugen geworfen werden.


Hunger und Armut in der Dritten Welt

"Zuerst kommt das Fressen, dann die Moral."

Ausführlicher Artikel in Bearbeitung




Waldsterben

"Mein Freund, der Baum, ist tot.
Er fiel im ersten Morgenrot."


Der Regenwald


Der tropische Regenwald oder die immergrünen oder regengrünen Laubwälder umschließen den Planeten Erde wie ein Gürtel in tropischen Breiten - also zwischen 10 Grad nördlicher und 10 Grad südlicher Breite. Sie bedecken derzeit rund 1.800 Mio. Hektar. Die bekanntesten Regionen sind in Südamerika Amazonasbecken), Afrika (Kongo-Becken, Kamerun) und Südostasien (die größten Regionen liegen derzeit auf Borneo [Kalimantan]. Sumatra). Ein großer Teil der Regenwälder in anderen Regionen Süd- und Südostasiens war früher von Regenwald bedeckt, wie die Halbinsel Malakka, Java, Bali. Sulawesi, Thailand, Philippinen?, Papua-Neuguinea, Indien, Sri Lanka, Polynesien?). All diese Länder sind ehemalige Kolonien, in denen der rapide ansteigende Bedarf der Europäer an Kaffee, Tee, Kakao, Südfrüchten, Tropenholz, Kautschuk gedeckt wurde. Unternehmungslustige Europäer entdeckten das Anlegen entsprechender Plantagen als Möglichkeit fürs schnelle Geld. Inzwischen ist ein Großteil des ehemaligen Dschungels dem Anbau von Kautschuk (z. B. Malaysia) Tee (z. B. Sri Lanka), Kaffee, Reis für die rasant wachsende Bevölkerung und den Export (z. B. Java, Bali) oder dem Straßenbau (z. B. Malaysia) geopfert worden. In Ecuador z. B. wurde ein großer Teil des früher bis zur Küste reichenden Regenwaldes für Bananen- und Palmenplantagen gerodet, ebenfalls in Costa Rica für Bananen.

Auch in Australien gibt es Regenwaldgebiete, die in Gefahr sind, der "Nutzung" für die Schaf- und Rinderzucht zum Opfer zu fallen.

Nach der offiziellen Entkolonialisierung bleiben diese Länder weiterhin in Abhängigkeit von den Industrieländern; sie ermöglichten die billige Versorgung mit Rohstoffen, billige Arbeitskräfte. Konzerne für Früchte (Dole, Monsanto), und Kaffee, Kakao, Tee (Nestle), Baumwollfelder und Viehweiden zerstörten große Teile des zunächst als unnütz geltenden Regenwaldes. Dadurch wurden die tropischen Länder zudem willkommene Absatzmärkte für die Pestizide der sich entwickelnden Chemie-Industrie.

Später suchte und fand man dort Erdölvorkommen, Gold ...

Definition
Unter dem Begriff tropischer Regenwald versteht man: Die Entwicklung dauerfeuchter tropischer Regenwälder kann nur unter bestimmten klimatischen Voraussetzungen stattfinden. Das sind:

• gleichbleibend konstante Temperaturen von 23 Grad C bis 27 Grad C im Jahresmittel
• jährliche Niederschlagsmengen von mindestens 1 500 mm (Höchstwerte bis 10.0000 mm in Kolumbien)
• die relative Luftfeuchtigkeit beträgt mindestens 70% und liegt oft oberhalb des Taupunkts (100%)
• wichtig: die Verdunstungsrate sollte unter der abgegangenen Niederschlagsmenge liegen!
(aus:www.faszination-regenwald.de?info-center/allgemein)

Botanik/Ökosystem,
Das Ökosystem tropischer Regenwald wird von Bäumen dominiert, deren Biomasse immens groß ist. Sträucher und Kräuter findet man so gut wie gar nicht, zumindest nicht am Boden. Weil die Kronen der Bäume unterschiedlich gestaffelt sind, dringt gerade noch ein Prozent der Sonnenstrahlung bis zum Boden.. Um an das lebensnotwendige Licht zu kommen, müssen die Pflanzen nach oben. Sie setzen sich daher auf andere Pflanzen und verwenden Bäume als Träger; daher ihr Name "Aufsitzerpflanzen" oder "Epiphyten". Diese Pflanzen wachsen überall: an Stämmen, auf Zweigen, auf Blättern, und der gesamte Regenwald ist dicht mit ihnen besiedelt. Um an Wasser und Nährstoffe zu gelangen, entwickeln diese Epiphyten originelle botanische Eigenarten wie etwa die Luftwurzeln der Orchideen und die Blatt-Trichter zum Sammmeln von Humus der Bromelien.
(aus: www.faszination-regenwald.de)

Der tropische Regenwald ist der Lebensraum zahlreicher indigener Völker, unzähliger z. T. akut vom Aussterben bedrohter Tierarten und natürlich unzähliger Pflanzenarten, von denen viele eine vermutlich revolutionäre medizinische Bedeutung haben könnten, wenn man sie schonend erforschen würde.

Von den größeren bzw. höher entwickelten Tieren und Pflanzen leben verhältnismäßig wenige Individuen auf sehr großem Raum, dafür unzählige Arten, viele bisher unbekannt.

Die Vernichtung der tropischen Wälder bedroht uns alle, denn sie sind unersetzlich für ein stabiles Weltklima. Allein der Wald im Amazonas speichert 120 Millionen Tonnen Kohlenstoff, weswegen er auch als die "Lungen der Erde" bezeichnet wird. In den weltweiten Regenwäldern leben zudem schätzungsweise 30 Millionen Tier- und Pflanzenarten, die meisten von ihnen bisher unerforscht. Jeder großflächige Eingriff verändert das komplizierte Ökosystem, das unser größtes genetisches Reservoir beherbergt. Nur die Waldvölker kennen bisher die Gesetze dieser Vielfalt, während die Wissenschaft bei der Erforschung der Regenwälder noch am Anfang steht. Über die Hälfte der Tropenwälder sind bereits vernichtet worden. Bereits in einer Generation könnten die tropischen Regenwälder vollständig vernichtet sein, falls nichts entscheidendes geschieht.

Wodurch werden die Regenwälder aktuell bedroht und dezimiert?

1. Fleischkonsum Futtermittelplantagen Weideland für Rinder
2. Holzeinschlag
3. Plantagen für Palmen
4. Tabak
5. Straßenbau
6. Gewinn von Rohstoffen, Erde-, Erdgasbohrungen, Pipelines
7. Staudämme
8. Goldsuche, -abbau
9. Brandrohdung der lokalen Bevölkerung z. Anbau von Gemüse, Getreide

Geschichte der Ausbeutung Amazoniens
Basisdaten: Ursprüngliche. Fläche: 5,2 Millionen Quadratkilometer. Ein Drittel aller weltweiten Tier- und Pflanzenarten leben im Amazonas-Becken. Amazonien wurde von den portugiesischen Kolonisatoren seit dem 17. Jhdt. wirtschaftlich genutzt bzw. ausgebeutet. Die Städte Belém (1616) und Manaus (1669) wurden gegründet. Die indigene Bevölkerung wurde dabei gnadenlos niedergemetzelt oder zur Sklavenarbeit auf den Plantagen verschleppt. Mit diesem Genozid begann die wirtschaftliche Ausbeutung Amazoniens. Die frühen Siedler handelten mit Gewürzen, Heilkräutern, Früchten, Pelzen und Holz. Etwas später drangen Gold- und Diamantensucher nach und nach immer tiefer in das Hinterland des Amazonas vor. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde in Amazonien mit der Landwirtschaft begonnen. Für den Export bestimmter Kaffee, Reis und Baumwolle wurden großflächig in Plantagen angebaut.
(aus: faszination-regenwald.de)

1755 wurde von Europäern, die die Indianer bei dessen Verwertung beobachteten, der Kautschuk entdeckt, Neben vielen anderen Verwendungsmöglichkeiten war die schließlich bedeutendste natürlich die Autoindustrie. Zwischen 1890 und 1912 herrschte in Brasilien, der legendäre Kautschuk-Boom, bis 1912 illegal Kautschuk außer Landes geschmuggelt wurde und in der Folge in Südostasien Kautschuk auf Plantagen angebaut wurde, wofür dann auch Regenwald gerodet wurde.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wird eine Waldvernichtung in dieser Region von größerem Ausmaß beobachtet. Die Zerstörungsrate erreichte Ende der 80er Jahre mit 17 Mio. ha pro Jahr einen Höhepunkt, der Ende der 90er Jahre fast wieder erreicht wird. Noch ist etwa die Hälfte der Tropenwälder in naturnahem oder natürlichem Zustand - doch wenn die Vernichtung ungebremst weitergeht, dann werden in 50 Jahren nur noch 1/3 oder 600 Mio. Hektar der derzeitigen Fläche vorhanden sein.
(aus: www.pro-regenwald.org)

Amazonien wird derzeit bedroht vom Futtermittelanbau (Soja), Holzeinschlag, Bohrungen nach Erdöl und der damit einhergehenden geplanten oder bereits gebauten Infrastruktur: (Straßen, Kanäle, Pipelines). Die indigenen Widerstandskämpfer und ihre Verbündeten, Mitglieder nationaler und internationaler Umweltschutzorganisationen und auch der Kirchen, werden massiv bedroht, einige sind schon ermordet worden.

Flächenverluste
Nach Greenpeace 2003: "Sklaverei, Mord und illegaler Holzeinschlag im großen Stil" - ein heute veröffentlichter Greenpeace-Report beschreibt die Besetzung von bisher unberührten Urwaldgebieten im brasilianischen Bundesstaat Pará durch ein Netzwerk aus internationalen Holzkonzernen, Politikern und lokalen Mafia-Bossen. 25.000 Menschen müssen in Pará als Sklaven arbeiten, viele werden auf der Flucht ermordet. Im Jahr 2003 wurden im Amazonas 25.000 Quadratkilometer Regenwald zerstört - eine Fläche von der Größe Mecklenburg-Vorpommerns. Pará ist die größte Holz exportierende Region des gesamten Amazonas und verkauft tropische Hölzer auch nach Deutschland. Mehr als zwei Drittel des Holzes wird illegal im Urwald eingeschlagen. Auf der Suche nach dem "grünem Gold" Mahagoni dringt die Holzindustrie illegal in Indianerland ein und schlägt Schneisen in den Urwald. Danach werden im industriellen Maßstab auch Soja-Plantagen und Viehweiden angelegt. In entlegenen Gebieten des Urwaldes, in denen die Polizei keine Kontrolle ausübt, wird die Zerstörung des Urwalds oftmals mittels Sklaverei vorangetrieben. Mit falschen Versprechungen werden Arbeiter in die Waldregionen gelockt und geraten in eine Falle aus Schuldverpflichtungen und Arbeit. Die Flucht aus der Sklaverei muss oft mit dem Leben bezahlt werden. 29 Menschen wurden im Jahre 2002 im Zusammenhang mit der Holzmafia ermordet.

Die langfristige Zukunft von Pará sieht Greenpeace in der Kombination aus nachhaltiger Nutzung und der Einrichtung von Schutzgebieten.

Artensterben
Mit dem Verlust tropischer Waldflächen ist ein Artensterben unbekannten Ausmaßes verbunden. Es gäbe viel zu tun für Biologen und Tropenökologen: Entdeckung, Einteilung und Untersuchung neuer Arten. Doch viele Arten werden von der Bildfläche dieses Planeten verschwunden sein, ohne dass die Menschheit jemals Kenntnis von ihrer Existenz gehabt haben wird!

Artenverluste
Viele der heutigen Erkenntnisse zum Thema "Artenverluste" gehen auf den amerikanischen Zoologen Prof. Edward O. Wilson, einem Mitbegründer der Theorie der "Biogeographie von Inseln", zurück. Wilson schätzt, dass... pro Stunde 3 Arten, das sind 70 Arten am Tag und 27.000 Arten jedes Jahr. aussterben. Wilson: "Dabei ist jede Art ein unwiederbringliches, in Jahrhunderten gereiftes Unikat des Lebens". Legt man Erwins Daten (für Arthropoden) zu Grunde und geht davon aus, dass jährlich 300 Baumarten verloren gehen, dann würde dies einen Verlust von 180.000 Arthropodenarten pro Jahr bedeuten. Das wären 500 Arten am Tag! Das "National Science Board" der USA schätzt, dass in 20 Jahren 25 Prozent aller Arten ausgestorben sein werden!
Vergleichsweise bescheiden nehmen sich die natürlichen Artenverluste aus; ohne Einfluss des Menschen gehen - auf natürlichem Wege - schätzungsweise zwischen Artensterben um das 1.000- bis 10.000-fache!
(aus:faszination-regenwald.de)

Ursachen - Fleischkonsum Essen wir Amazonien?
Ein wesentlicher Grund für die Zerstörung großer Regenwaldgebiete ist der immense Fleischkonsum in den Industrieländern. Er führt dazu, dass z. B. die EU inzwischen auf Futtermittelimporte für die Schweinemast angewiesen ist. Soja für die Schweinemast soll mehr und mehr im brasilianischen Amazonasgebiet angebaut werden, und die Bundesregierung bzw. ihre Institutionen sind mitverantwortlich für Projekte, die massive, zerstörerische Eingriffe in der Amazonasregion bewirken.

Brasiliens Sojaproduktion stieg von 15 Millionen Tonnen in 1980 auf über 50 Millionen Tonnen vergangenes Jahr. Die Branche rechnet damit, dass die Menge bis 2007 verdoppelt werden kann. Schon heute ist Brasilien zweitgrößter Sojaexporteur weltweit. Sojaschrot ist bei uns mittlerweile das wichtigste eiweißhaltige Futtermittel in der Massentierhaltung. Seit BSE und dem Verbot, Tiermehl zu verfüttern, steigt der Bedarf, und Brasilien besitzt noch riesige Flächen, auf denen die Produktion ausgeweitet werden kann – die liegen freilich vor allem im Amazonas.

Längst haben Sojafarmer große Teile der Savanne und den Übergangswald im Bundesstaat Mato Grosso im südlichen Amazonas in ein grünes, monokulturelles Meer aus Sojapflanzen verwandelt und rücken nun Richtung Norden vor. Im größten Regenwaldgebiet der Erde beginnt das große Fressen. Soya-Monokulturen breiten sich inzwischen in die Bundesstaaten Amazonas, Rondônia, Acre, Roraima, Maranhão und Tocantins aus.

Flächenverluste genauer
Dass der Soja-Boom Regenwälder zerstört, ist mittlerweile auch in Berlin bekannt. Die Bundesregierung weist darauf in ihren Waldberichten hin. Trotz solcher Einsichten hat ausgerechnet die bundeseigene Deutsche Investitions- und 12-Millionen-US-Dollar-Kredit gegeben. Mit den Mitteln wurden die Lagerkapazitäten des Unternehmens für Soja erweitert. Das Projekt sei an wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Kriterien gemessen unterstützungswürdig, behauptet die DEG.

Die Maggi-Gruppe bildet die Speerspitze beim Vordringen der Sojafront in den Amazonas. Soja ist das meist gehandelte Landwirtschaftsprodukt auf dem Weltmarkt und wird insbesondere als Kraftfutter in der Massentierhaltung eingesetzt. in den letzten Jahrzehnten stieg die Nachfrage jährlich um zehn Prozent. Die Sojaimporte beanspruchen außerhalb der EU große Flächen bester landwirtschaftlicher Nutzfläche. Die Ausweitung der Sojaplantagen hat die Randbezirke des Amazonasbeckens erreicht und beginnt das Herz der Amazonas-Regenwälder zu bedrohen. Mit dem "Soja-Hafen" Itacoatiara wurde das gesamte Amazonas-Wassersystem für den direkten Zugang zu den europäischen Märkten geöffnet.
(aus: Regenwald Report 2, 2003, hrsg. von Reinhard Behrend)

22 Millionen Hektar Regenwald und andere wertvolle Naturräume sind in den nächsten Jahren durch Soja-Anbau in Südamerika bedroht. Die größten deutschen Importeuer - Stand Oktober 2004 unter: http://www.regenwald.org nachzulesen.

In der Folge sind zudem weitere einmalige Landschaften wie das Pantanal bedroht.

Das Pantanal ist mit einer Gesamtfläche von 140 000 qkm größer als Griechenland, liegt im mittleren Westen Brasiliens und reicht bis nach Bolivien und Paraguay. Es besteht aus sehr unterschiedlichen Landschaftsformen, aus Regenwald, unzähligen Seen, Flüssen, Feuchtgebieten und Savannen. Zu den unzähligen dort beheimateten seltenen und bedrohten Tierarten gehören Brillenkaiman, Riesenwaran, Cocoi-Reiher, Schlangenhalsvogel, Jabiru, Waldstorch, Rallenkranich, Flachlandtapir, der Hyazinth-Ara und der Jaguar.

(nach: Stefan Hörmann, Martin Scheuble, DAS PANTANAL, in: UMWELT-magazin BUND, Ausgabe Süd, Mai-Juli 2001, S. S. 18f Hrsg. Gert Möhrle, Freiburg

Wird das Pantanal dem brasilianischen Sojaboom geopfert?
Die Zerstörung der brasilianischen Regenwälder hat 2002 dramatisch zugenommen - um 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Neben Holzfällern, Goldsuchern und Rinderbaronen sind es nun auch die Sojafarmer, die im Amazonas zu einer Zerstörungsorgie antreten. Längst haben sie große Teile der Savanne und den Übergangswald im Bundesstaat Mato Grosso im südlichen Amazonas in ein grünes, monokulturelles Meer aus Sojapflanzen verwandelt und rücken nun Richtung Norden vor. Brasilien ist zweitgrößter Sojaexporteur weltweit und will seine Produktion verdreifachen. Ein Großteil der Sojaernte wird nach Europa exportiert und dort vor allem in der Massentierhaltung verfüttert. Brasilianische Umweltschützer befürchten jetzt einen gigantischen Flussausbau ("Hidrovia") für den Sojatransport im Pantanal, dem größten Feuchtgebiet der Erde.
(nach www.regenwald.org Juli 2003)

Juli, September 2002
Das brasilianische Parlament erarbeitet eine Gesetzesvorlage, die zulässt, das die momentane Fläche des tropischen Regenwaldes um 50% verringert werden soll. Die Fläche, die vernichtet werden soll, entspricht in etwa der vierfachen Fläche Portugals. Daraus soll Acker- und Weideland werden. Was inzwischen mit den schon abgerodeten Flächen geschehen ist, und wie die Flächen zu öden Wüste wurden, ist schon bekannt. Ebenso, wie unsere Atmosphäre leidet, wenn das Kohlendioxyd nicht mehr abgebaut werden kann.

Auch in Thailand ist in den letzten Jahrzehnten ein großer Teil des ehemaligen Regenwaldes dem Futtermittelanbau geopfert worden.

Holzeinschlag
"Im Herzen Afrikas tobt ein Krieg gegen die Schöpfung, abgeschieden und kaum beachtet. Dort beschaffen sich europäische Holzkonzerne für uns Konsumenten in Europa und den USA billiges und hochwertiges Tropenholz."
(aus: Ruedi Suter, Der stille Krieg im Regenwald, in: Regenwald Report Nr. 4/03, hrsg. von Reinhard Behrend)

Im Kongobecken, in den Ländern Kongo, Kamerun, Zentralafrikanische Republik stellt der Holzeinschlag und der damit verbundene Staßenbau die akuteste Bedrohung für den Regenwald und seine Bewohner dar. "Bushmeat", das Fleisch von Schimpansen, Gorillas, Bonobos und anderer Tiere, die in einem unzugänglichen Regenwald kaum bejagt würden, ist inzwischen bei einheimischen wie ausländischen Gourmets beliebt und in Restaurants und auf Märkten "unter dem Ladentisch" zu haben.

Der Schwindel mit den Zertifikaten
Während umweltbewusste Verbraucher vor zehn Jahren noch sicher sein konnten, dass es praktisch kein nachhaltig geschlagenes Tropenholz gab, hat die Branche versucht, ihr Image aufzupolieren. Auf Teakmöbeln kleben plötzlich Ökosiegel, Hölzer aus Ländern wie Kamerun sind mit nationalen Zertifikaten ausgestattet. Dabei belegen verschiedene aktuelle Studien, dass in dem zentralafrikanischen Land ohne Korruption beim Holzhandel wenig läuft und der Raubbau an den dortigen Wäldern dramatische Formen angenommen hat. Und Kamerun ist kein Einzelfall.

Viele Firmen handeln ganz bewusst nach dem Motto "Einschlagen, abkassieren und weg", um den höchstmöglichen Profit zu erwirtschaften. Zudem sind praktisch alle Versuche, die Hölzer der Regenwälder nachhaltig zu nutzen, bisher gescheitert, wie zahlreiche ältere und aktuelle Studien beweisen. Mit den Wäldern gehen auch die Waldvölker zu Grunde. Mit Bulldozern und Kettensägen wird zudem eine einmalige Artenvielfalt für immer ausgerottet.

Tropenholz ist oft preiswerter als qualitativ vergleichbare heimische Arten, weil die Bäume im Regenwald nicht erst angepflanzt wurden, sondern die Natur "kostenlos" geplündert wird. Zudem liegen die Löhne in den Tropenländern viel niedriger als bei uns. Auch gefällt es der Industrie, dass sich die Baumriesen aus den Regenwäldern leichter maschinell verarbeiten lassen. Bis auf wenige Spezialgebiete kann Tropenholz jedoch problemlos durch heimische Hölzer ersetzt werden.

In Asien werden häufig bis zu zwei Drittel der Vegetation zerstört oder geschädigt, nur um einige wenige Baumarten aus dem Wald zu holen. Nach Einschätzung amerikanischer Wissenschaftler könnte allein das Holz, das dabei als "Abfall" im Wald zurückbleibt, den gesamten Weltbedarf decken. In Afrika werden sogar nur ein bis zwei Stämme pro Hektar genutzt. Gefährdet wird dabei der gesamte Wald, weil er von den Holzstraßen "geöffnet" wird. Für den Abtransport des Holzes werden bis zu 70 Meter breiten Straßenschneisen durch den Wald gebaut. Da die vom Holzhandel begehrten uralten Baumriesen fast nur noch in unzugänglich Gebieten wachsen, dringen die Holzkonzerne meist in bisher unberührte Primärwälder ein. Dort schlagen sie die wirtschaftlich lukrativsten Bäume. Auf den Holzfällerstraßen ziehen Wilderer und Farmer in den Wald und zerstören ihn zusätzlich durch Brandrodung und Plantagenanbau. Ein durchforsteter Regenwald ist zudem viel anfälliger für riesige Brände, wie wir sie von der Insel Borneo oder aus dem Amazonasbecken kennen.

Hölzer, die aus den tropischen und subtropischen Wäldern in Asien, Afrika und Lateinamerika stammen. Produkte aus Mahagoni, Teak oder Palisander erwecken den Eindruck von Luxusartikeln. Viele Tropenhölzer wie Meranti, Ramin und Gabun werden aber für Alltagszwecke verwendet: als Sperholz, Besenstiel, Fensterrahmen, Klodeckel und Lärmschutzwand.

Frankfurt a. M., 19. August 2004: Frankfurt Der unkontrollierte Handel mit dem in Asien, Europa und Nordamerika beliebten Tropenholz Ramin bedroht die letzten Sumpf-Wälder in Südostasien. In Indonesien zerstört illegaler Raubbau den Lebensraum der vom Aussterben bedrohten Orang-Utans. Laut einer Studie des WWF klafft eine große Lücke zwischen den gemeldeten Ausfuhrmengen der wichtigsten Raminexporteure Indonesien, Malaysia und Singapur und den Importzahlen der Empfängerstaaten. "Große Mengen illegales Raminholz landen mit gefälschten Papieren und anderen Tricks auf den Weltmärkten. Wie bei der Geldwäsche wird hier illegales Holz rein gewaschen. Seine wahre Herkunft bleibt den Abnehmern verborgen", so WWF-Artenschutzexperte Stefan Ziegler.

Naturschützer fordern eine stärkere Zusammenarbeit der Herkunftsländer. "Die Behörden in Indonesien, Malaysia und Singapur müssen endlich konsequent gegen die Holzmafia vorgehen. Und die Regierungen müssen die zahlreichen Schlupflöcher in ihrer Gesetzgebung schließen", so Ziegler.

Die jetzt vorgelegte Studie berichtet von Beschlagnahmungen illegalen Ramin-Holzes in den Herkunftsländern und den Importstaaten. In den Vereinigten Staaten entdeckte der Zoll eine Ladung von 883.000 Billiardstöcken aus illegal abgeholztem Ramin. Ramin ist ein helles, glattes Tropenholz, aus dem Möbel, Regale, Bilderrahmen, Innenjalousien, Leisten oder Gerätestiele gefertigt werden. Auch auf dem deutschen Markt gibt es zahlreiche Produkte aus Raminholz.

Der Raubbau hat das jährliche Ramin-Handelsvolumen in Indonesien innerhalb von zwanzig Jahren von 1,5 Millionen Kubikmeter auf weniger als ein Zehntel schrumpfen lassen. "Dieser Rückgang ist leider kein Zeichen für einen verbesserten Schutz des Tropenholzes, sondern dokumentiert ganz im Gegenteil den drastischen Waldverlust", erläutert Ziegler. Ein ähnliche Entwicklung findet in Malaysia statt. Dort macht auch die legale Ramin-Abholzung den verbliebenen Sumpf-Wäldern zu schaffen. Die Studie wurde von TRAFFIC, dem Artenschutzprogramm von WWF und der Weltnaturschutzunion IUCN, verfasst.
(nach: WWF)

Die Bundesregierung prüft derzeit, ob eine Papierfabrik in China, in der indonesischer Zellstoff verarbeitet werden soll, mit einer Hermesbürgschaft abgesichert wird. Die indonesische Zellstoff- und Papierindustrie ist für großflächige Regenwaldzerstörungen verantwortlich. aus: Rettett den Regenwald Nov. 2003

Papier
Unsere Zukunft liegt im Klopapier" sagte ein Manager des Zellstoff-Konzerns Aracruz.Eine breite Schneise von Eukalyptus-Plantagen des Zellstoff-Firma Aracruz zieht sich durch den brasilianischen Bundesstaat Espirito Santo. Frueher stand dort der Mata Atlantica, für den mannshohe Baumfarne und Urwaldriesen, Bromelien, Lianen, Moose, Flechten und Orchideen typisch sind.

Seit vielen Jahren kämpfen die indianischen Gemeinden der Tupinikim und Guarani im brasilianischen Bundesland Espírito Santo für die Anerkennung ihrer Landrechte. Aracruz, der größte Zellstoffkonzern des Landes, hält 11.000 Hektar mit seinen Eukalyptusplantagen besetzt, die von offizieller Stelle als indianisches Land anerkannt wurde. Aracruz-Zellstoff gelangt auch auf den deutschen Markt und steckt in Produkten von Kimberly Clarke (Haakle und Kleenex) und Procter&Gamble (Tempo-Taschentücher, Pampers, Bounty-Haushaltsrollen…). Aracruz hat inzwischen Stellung zu den Vorwürfen genommen. Robin Wood hat dazu Kommentare abgegeben:

"Wir" sind mal wieder Weltmeister - diesmal im Papierverbrauch. Jede/r Deutsche konsumiert im durchschnitt ca 230 Kg Papier pro Jahr (Brasilien ca. 40 Kg.). Fast immer könnte dieses Papier durch Recycling-Papier ersetzt werden.
(nach: regenwald.org)

Ölbohrungen
Die unersättliche Gier nach Erdöl macht auch vor den tropischen Regenwäldern nicht halt. Insbesondere im Amazonasbecken wird nach Öl gebohrt und die Wälder mit langen Pipelines durchzogen.

Mitten durch die intakten ecuadorianischen Bergregenwaldregionen Mindo, Nambillo und Cuenca Alta del Rio Guallyabamba will die OCP (Zusammenschluss 6 multinationaler Ölfirmen) eine Ölpipeline bauen, vorbei an 7 aktiven Vulkanen und mitten durch ein Erdbebengebiet. Der Bau selbst schon provoziert Erdrutsche und Bodenerosion, bedroht einzigartige Urwälder, den Lebensraum vieler indigener Völker und die Trinkwasserversorgung zehntausender Menschen in Ecuador. maßgeblich finanziert von der Düsseldorfer Westdeutschen Landesbank (WestLB). Widerständler werden verhaftet, ausgewiesen, bedroht.

Seit Anfang Januar 2002 hatten Umweltschützer und von dem Pipelineprojekt betroffene Anwohner aus Mindo an der geplanten Trasse gegen die drohende Urwaldzerstörung protestiert. Die Anwohner von Mindo, das rund drei Autostunden nordwestlich von Quito liegt, haben sich in der Umweltgruppe 'Accion por la Vida' - Aktion für das Leben - zusammengeschlossen. Sieben unberührten Bergregenwälder des Mindo-Nambillo Schutzgebiets sind aufgrund ihrer weltweit einzigartig hohen Biodiversität und der großen Zahl nur dort vorkommender Tier- und Pflanzenarten international als besonders wertvoll und schützenswert eingestuft worden. Die Bevölkerung des Gebiets lebt überwiegend vom Naturtourismus und befürchtet negative Konsequenzen des Pipelineprojekts für die jahrzehntelangen Umweltschutzbemühungen in dem Gebiet.
(nach: www.regenwald.org)

Das Land NRW als größter Anteilseigner der WestLB plante der Bank 450 Millionen Euro Kapitalerhöhung aus Steuergeldern zu gewähren. Mit dem Geld werden auch so katastrophale Projekte wie die Ölpipeline in Ecuador ermöglicht.

Die Grünen im Januar 2002: "Die Umweltbilanz des Gesamtprojektes der 500 Kilometer langen Erdölleitung durch Ecuador ist verheerend ... Es ist nicht hinzunehmen, dass die West LB ein Projekt mitfinanziert, das zur Zerstörung des Regenwaldes führt und den Lebensraum der dort lebenden Menschen bedroht" Damals lautete eine Forderung der grünen Fraktion: "Grundlegende Neu-Ausrichtung des Auslandsgeschäftes der West LB an ökologischen und sozialen Standards."
(aus: Rettet den Regenwald Juni 2002)

Pipeline-Finanzierung - Italienische Großbank vor dem Absprung?

Die italienische Großbank BNL, die die WestLB-Pipeline in Ecuador mit finanziert, gerät immer stärker unter Druck von Gewerkschaften und Umweltgruppen. Offenbar denkt die Bank über einen Ausstieg aus der Pipeline-Finanzierung nach.
(nach: www.regenwald.org Juli 2002)
AKTION Ölalarm in Ecuador Sarayacu bitten die Welt um Hilfe Oktober 2003:

Sieben Jahre kämpfen die indigenen Amazonasbewohner vom Volk der Sarayacu schon gegen das Eindringen von Ölkonzernen auf ihr traditionelles Stammesgebiet. Jetzt droht ein Militäreinsatz gegen die Ureinwohner.
(nach: http://www.regenwald.org)

Der Yasuni-Nationalpark in Ecuador ist durch eine Ölstraße gefährdet.

Die Shuar und Ashuar, die zu den ältesten Indianervölkern Ecuadors gehören, bitten um Hilfe. Ihr traditionelles Stammesgebiet, intakter Regenwald, wird vom texanischen Ölkonzern Burlington bedroht.
(aus: August 2004 Reinhard Behrend Rettet den Regenwald e. V.)

Staudämme
Die weltweite Gier nach Energie führt zu Staudamm-Projekten. "Was wird vom Rio Xingu übrig bleiben für die Menschen, die am Fluss leben", fragte Ademir Alfeu Federicci immer wieder. Der Brasilianer gehörte zu den schärfsten Kritikern des so genannten Belo Monte Staudamms. Am 25 August diesen Jahres wurde Ademir Alfeu Federicci ermordet. Der Rio Xingu ist ein riesiger Nebenfluss des Amazonas im Bundesstaat Para.. Ende der 80er Jahre gelang es den hier lebenden Kayapo-Indianern, Regierungspläne zum Bau von sechs großen Staudämmen zu verhindern, durch die ihre Stammesgebiete überflutet worden wären. Der internationale Protest, der sich gegen befürchtete Umweltschäden und Verletzung von Menschenrechten richtete, überzeugte sogar die Weltbank, sich aus der Finanzierung der Dämme zurückzuziehen. Jetzt taucht der staatliche Energiekonzern Eletronorte wieder auf und will am Rio Xingu den ersten Damm, den Belo Monte, doch noch bauen. Kritiker des Projektes fürchten, dass flussaufwärts weitere Dämme geplant sind. Dadurch würden große Flächen Regenwald in den Fluten versinken. Während Eletronortes PR-Manager den Xingu-Damm als "Geschenk Gottes" anpreisen, wird der Kampf um die Zukunft des Amazonas immer blutiger. Seit Juli 2001 wurden fünf Mitglieder von Graswurzel-Organisationen getötet, Hunderte landeten im Gefängnis. Der Grund: Die Umweltaktivisten wehren sich verzweifelt gegen einen Regierungsplan, mit dem 40 Milliarden US-Dollar für die weitere "Entwicklung" des Amazonas investiert werden sollen. Geplant sind 6000 Kilometer neue highways, Staudämme, Bergwerke, die Erschließung von Gas- und Ölfeldern und die Ausweisung neuer Konzessionen für Holzkonzerne.Dagegen kämpft eine Koalition aus 113 Organisationen, die sich MDTX nennt (Movimento Pelo Desenvolvimento da Transamazonica e Xingu). Das Bündnis steht für die Vertretung von Bauern, Frauen, indigenen Völkern, Wissenschaftlern und religiösen Gruppen. Sie alle fordern für den Amazonas eine nachhaltige Entwicklung, eine Bodenreform sowie den Schutz indigenerRechte und der einzigartigen Ökosysteme.

MDTX bittet um internationale Hilfe, damit der Druck auf die brasilianische Regierung erhöht wird, die Mörder der getöteten Umweltaktivisten zu bestrafen und die lokale Bevölkerung an der Entwicklung des Amazonas zu beteiligen.
(nach: www.regenwald.ORG November 2001)

Rettet den Regenwald März 2005: Die Weltbank entscheidet über den Nam Theun 2 Damm in Laos. Durch den Stausee würden 450 Quadratkilometer Regenwald überflutet und 100.000 Menschen in ihrer Existenz bedroht.

Gold
Gold ist ein Metall aus der Urgeschichte der Erde. Es findet sich als Goldader an einigen Rissen in der Erdkruste und als Auswaschung aus dem Gestein in Flussablagerungen. Gold kommt in der Erdkruste in extrem geringer Konzentration vor (im Schnitt drei Gramm pro Tonne). Gigantische Berge an Gestein werden durchsiebt, um ein paar Gramm Gold zu erhalten. Das Ausmaß verdeutlicht John E. Young im Magazin Minewatch: "Der Abfall, der pro Jahr im Goldbergbau anfällt, reicht aus, um einen Müllwagen-Konvoi aus 250-Tonnern Stoßstange an Stoßstange rund um den Äquator zu bilden."

Große Konzerne bedienen sich heute zunehmend der Zyanid-Haldenlaugung. Das erfordert große Anlagen und entsprechend riesige Maschinen. Mit Hilfe der Zyanidlauge lösen große Bergbaufirmen auch geringste Mengen Gold aus dem zerkleinerten Gestein. Dabei entstehen hochtoxische Rückstände. Die Zyanidbrühe bleibt in großen Sammelbecken zurück. Häufig laufen diese Giftseen aus und verseuchen ganze Landstriche. Ein anderes Verfahren ist die Gewinnung von Gold aus Flusssand, meist mit Quecksilber. Das Quecksilber zieht den Goldstaub an und wird dann verdampft. Dabei lagern sich giftige Gase ungefiltert in der Luft und in den Flüssen ab. Allein in den Amazonas werden pro Jahr schätzungsweise 100 Tonnen Quecksilber gekippt. Zusätzlich fallen beim Goldabbau Stickstoff, Schwefel, Kupfer, Zink und Arsen an. Goldsucher dringen bis in die abgelegensten Gebiete vor, um die steigende Goldnachfrage zu befriedigen. In Brasilien wurde etwa das Reservat der Yanomani von 90 000 Goldsuchern heimgesucht. Dutzende Indianer wurden dabei von den Eindringlingen getötet oder starben an „weißen“ Krankheiten wie Windpocken und Masern, gegen die die Yanomani keine Immunabwehr besitzen.

Noch wird ein Großteil des Goldes in Südafrika, Sibirien und den USA abgebaut, doch der Trend zeigt in andere Länder. Inzwischen sind auch die Wälder von Venezuela, Ecuador, Indonesien, Ghana und vielen anderen tropischen Ländern durch Goldminen bedroht. Über 70 Staaten, davon 31 in Afrika, haben bereits ihre Minengesetze geändert, um ausländische Firmen anzulocken. Von Ghana bis zu den Philippinen werden Steuern und Abgaben gesenkt sowie Umweltauflagen außer Kraft gesetzt. Der Run auf die letzten Reservate hat begonnen. In zwanzig Jahren, schätzt man, wird die Hälfte des Goldes aus Gebieten kommen, die von indigenen Völkern bewohnt und genutzt werden.

Seit 1980 hat sich die jährliche Goldproduktion von 1200 in etwa verdoppelt. Von dem weltweit geförderten Gold werden rund 85 Prozent zu Schmuck und etwa 12 Prozent in Industrie und Medizin verarbeitet. Gingen 1980 "nur" 513 Tonnen jährlich in die Schmuckproduktion, waren es 1992 schon 2300 Tonnen.

Nach Angaben der "International Labour Organisation" sterben jährlich 15.000 Menschen an den Folgen des Goldabbaus. Umweltverseuchung und Vergiftungen sind beim Goldabbau die Regel. Die giftigen Dämpfe werden von Mensch und Tier inhaliert, gelangen in Seen und Flüsse und landen schließlich auch in der Nahrungskette. Quecksilber schädigt vor allem das zentrale Nervensystem. Die Zyanidlauge ist nicht ungefährlicher. Ein Teelöffel zweiprozentiger Zyanidlauge kann einen Menschen in Sekunden töten. In den Becken verenden zahlreiche Tiere - vor allem Vögel, die durch die glänzende Oberfläche der "Giftteiche" angelockt werden.

Die Masse allen Goldes wird von großen Industriekonzernen produziert, und durch den aggressiven Trend zur Privatisierung steigt die Abhängigkeit von den Firmen stetig. Viele Gebiete, in denen zur Zeit noch Tausende von "kleinen Goldsuchern" aktiv sind, wurden inzwischen an ausländische Unternehmen vergeben. In einigen Ländern gibt es auch die kleinen Goldsucher, die unkontrolliert Gold schürfen. Einige arbeiten auf eigene Faust, andere in Familien oder Kooperativen. Die wenigsten werden davon reich, der Großteil führt ein Leben in Elend, Armut und Krankheit. In einigen Ländern, wie Indonesien, produzieren auch Ureinwohner Gold als Nebenerwerb zum Feldbau oder Früchtesammeln und wenden jahrhundertealte, ungiftige Methoden an. Wenn die großen Unternehmen kommen, werden die kleinen Goldsucher für illegal erklärt und von ihrem Land vertrieben.

Gold ist keine erneuerbare Ressource. Eine Rekultivierung der ausgebeuteten Erde scheint kaum möglich. Selbst im Harz sieht man die "Narben" noch Jahrhunderte nach dem Abbau - auf diesen Stellen wächst nichts mehr außer Flechten. Durch den Goldabbau werden für die Menschen Alternativen vernichtet, die langfristig viel sinnvoller wären und mehr einbringen würden, wie zum Beispiel Landbau oder Ökotourismus.
(aus; www.regenwald.org)

Brennpunkte des Elfenbeinschmuggels
Handel mit dem "weißen Gold" geht weiter. Einzig China verschärft Kontrollen. Die Nachfrage nach Elfenbein in Asien und Afrika lässt den illegalen Handel mit dem "weißen Gold" weiter ansteigen. Einzig in China sind erste Trends zu verzeichnen, dass stärkere Kontrollen greifen.
(nach: http://www.wwf.de/presse/pressearchiv/artikel/02104/index.html)

Südostasien - Kalimantan (Borneo) -Zellstoff-Fabrik bedroht Borneos Regenwälder
Mit finanziellen Garantien will die Weltbank eine 1,2 Milliarden US-Dollar teure Zellstoff-Fabrik in Südkalimantan auf der indonesischen Insel Borneo absichern. Die Zellstoff-Industrie in Indonesien ist für das illegale Abholzen riesiger Regenwaldflächen und die Vergiftung von Flüssen, Böden und Luft verantwortlich. Das geplante Projekt bedroht die ohnehin schon stark degradierten Wälder auf Borneo, Heimat der letzten Orang-Utans. Deutschland ist drittgrößter Geldgeber der Weltbank und hat einen eigenen Exekutivdirektor.
(aus: http://www.regenwald.org; Januar 2004)

Laut Regenwald Report 4/05 und Recherchen von Global 2000 (Wien) ist die Deutsche Bank ueber "United Fiber System" (UFS) in die Zellstoffproduktion in Suedkalimantan und damit die Regenwaldzerstoerung verwickelt.

Tragischer Tiger-Tod auf Sumatra
Sumatra-Tiger stehen durch Wilderei und Raubbau an den Regenwäldern Indonesiens kurz vor dem Aussterben. Gnadenlose Wilderei und der ungezügelte Holzeinschlag in den Regenwäldern Indonesiens haben die Tiger auf der indonesischen Insel Sumatra an den Rand des Aussterbens gebracht. Seit 1998 sind jedes Jahr mindestens 50 Tiger Opfer skrupelloser Wilderer geworden sind. Heute leben nur noch etwa 400 bis 500 der großen Raubkatzen in den letzten Regenwald-"Inseln" auf Sumatra Die Wilderei verstärkt die extreme Bedrohung der Tiger, die seit Jahrzehnten durch den Verlust ihres Lebensraums dezimiert werden: Nirgendwo sonst auf der Welt wird der Regenwald so schnell vernichtet wie auf Sumatra. Die Tigerfelle, -tatzen, -knochen und -zähne landen als Trophäen und Glücksbringer auf dem indonesischen Markt oder werden als Heilmittel in der Traditionellen Asiatischen Medizin verwendet. Der WWF befürchtet, dass die Sumatra-Tiger angesichts der ungezügelten Wilderei und des Regenwaldschwunds bald das gleiche Schicksal erleiden werden wie ihre einstigen Verwandten: Bereits in den 1940er Jahren waren die Bali-Tiger ausgestorben, in den 1970er Jahren folgten ihnen die Kaspischen und in den 1980er Jahren die Java-Tiger nach.

Der Dschungel, in dem die letzten Tiger leben, wird von international tätigen Konzernen wie im Zeitraffer abgeholzt und in riesige Plantagen für den Anbau von billigen Rohstoffen für die Palmöl- und Papierindustrie umgewandelt. Die Folge: Die dort heimischen Tiger finden nicht mehr genügend Beutetiere oder werden bei "Ausflügen" in die umliegenden Siedlungen getötet. Die Tiefland-Regenwälder auf Sumatra werden bald vollständig verschwunden sein, wenn der Raubbau nicht umgehend beendet wird. Der WWF fordert ein sofortiges Ende des industriellen und illegalen Holzeinschlags in den letzten Regenwäldern Sumatras. Als ersten Schritt verlangt der WWF einen Einschlagstopp für die beiden größten Papierkonzerne der Welt, die indonesischen Zellstoff- und Papierproduzenten APP und APRIL, deren Produkte unter anderem als Kartonage und Kopierpapier auch auf dem deutschen Markt landen.

Auf Sumatra wird immer mehr Tropenwald zerstört, jeden Tag 560 Hektar; das entspricht 32 Fußballfelder pro Stunde! - um Platz für Holzplantagen schaffen. Und mit dem Wald stirbt der Tiger Das Papier aus diesen Plantagen verkauft die Papier Union in Hamburg ... An diesem Umwelt- und Sozialverbrechen verdient die Metro in Deutschland.
(nach regenwald.org April und Juni 2004 und WWF)

Der indonesische Konzern APRIL hat für seine Zellstoffproduktion bereits mindestens 300.000 Hektar Regenwald vernichtet und dabei viele Menschen von ihrem angestammten Land vertrieben. Jetzt hat APRIL eine neue Abholz-Konzession in den letzten tropischen Torfwäldern Sumatras beantragt.

Während die Metro (Kaufhof und Real) die Geschäftsbeziehungen zu seinem indonesischen Papierlieferanten APP aus Umweltschutzgründen abgebrochen hat, kauft die Hamburger Papier Union weiter beim indonesischen Regenwald-Abholzer APRIL (Marke "Paper One") Auch Karstadt und die Deutsche Post verzichten längst auf Papier aus Raubbau.
(aus: Rettet den Regenwald )

Hamburg plant den Verbrauch von Tropenholz aus Malaysia auszuweiten. Dabei ist die Situation in dem Tropenland dramatisch: Jedes Jahr werden in Malaysia mehr als 250.000 Hektar Tropenwald hauptsächlich durch den kommerziellen Holzeinschlag zerstört. Große Mengen Tropenholz illegaler Herkunft gelangen von Indonesien nach Malaysia und werden von dort reexportiert.
(nach: www.regenwald.org März 2003)

Die Bundesregierung prüft derzeit, ob eine Papierfabrik in China, in der indonesischer Zellstoff verarbeitet werden soll, mit einer Hermesbürgschaft abgesichert wird. Die indonesische Zellstoff- und Papierindustrie ist für großflächige Regenwaldzerstörungen verantwortlich.
(aus: Rettett den Regenwald Nov. 2003)

Mitschuld deutscher Unternehmen an Regenwald-Zerstörung
Deutsche Banken und Firmen haben nach Ansicht der Umweltstiftung WWF die Zerstörung des indonesischen Regenwaldes mit zu verantworten. "Die Zerstörung des Regenwaldes Tesso Nilo wird maßgeblich durch Kredite deutscher Banken finanziert», sagte der Tropenwaldexperte des WWF, Martin Geiger, bei der Vorstellung einer Studie zur Rolle Europas bei der Regenwald-Vernichtung. Tesso Nilo, ein Regenwald im Zentrum der indonesischen Insel Sumatra, werde gerodet und in Plantagen umgewandelt. Die dabei gewonnenen Rohstoffe kämen als Papier, Margarine oder Süßigkeiten in deutsche Geschäfte.

Um den immensen Hunger nach billigem Holz, Papier und Palmöl zu stillen, werde auf Sumatra ein ökologisches Juwel zerstört. Der Wald von der Fläche der Stadt Berlin sei vor zehn Jahren noch zweieinhalb Mal so groß gewesen. «Wenn die Zerstörung des Regenwaldes nicht gestoppt wird, ist Tesso Nilo innerhalb der nächsten zwei Jahre von der Landkarte verschwunden."

Tesso Nilo gilt als Heimat der letzten Tiger und Elefanten auf Sumatra. Auf der Suche nach Nahrung verlassen die Tiere häufig ihre zerstörten Wälder, richten in den immer weiter vordringenden Plantagen Schäden an und werden deshalb erschossen oder vergiftet. Wenn ihnen der Lebensraum genommen wird, sind sie nach WWF-Angaben zum Aussterben verurteilt.

Die Umweltorganisation fordert von der indonesischen Regierung, Tesso Nilo zum Schutzgebiet zu erklären. Von den Banken verlangen die Umweltschützer, ökologische und soziale Standards zu veröffentlichen, nach denen sie Kredite vergeben. Konsumenten sollten kein Papier und keine Palmöl-Produkte aus Indonesien kaufen. "Der Regenwald kann noch gerettet werden, aber die Zeit ist knapp", sagte Geiger.
(nach dpa WWF 02/2004; vistaverde.de)

Sumatra nach der Tsunami-Katastrophe
In Aceh waren von den knapp 5,7 Millionen Hektar ursprüngl 4,1 Millionen Hektar bewaldet. seit anfang der 90iger Jahre wurden etwa 1,5 Millionen Hektar zerstört. Mittlerweile beträgt die jährliche Entwaldungsrate dort rund 270 000 Hektar. Illegalen Holzeinschlag gibt es vor allem in den Distrkten Southeast Aceh, Singkil, South Aceh und Central Aceh - fast alles Gebiete, die zum Leuser Nationalpark gehören. Der Regenwald Sumatras ist bedroht wie kaum ein anderer: Plantagen für Palmöl und Zellstoff für blütenweißes Papier fressen die Heimat von Waldelefant, Sumatra-Tiger und Nashorn. Dorfbewohner werden von Plantagenkonzernen von ihren Feldern vertrieben und die Flüsse mit Zellstoffabwässern vergiftet. Geschäfte mit den Regenwaldvernichtern machen auch deutsche Unternehmen und Banken, u. a. die Hamburger Paper Union. Deutsche Banken leisten millioneneschwere Kredite, die derzeitige Bundesregierung fördert die Regenwaldzerstörung mit Hermesbürgschaften. Der indonesische Konzern APRIL hat für seine Zellstoffproduktion bereits 300 000 Hektar Regenwald auf Sumatra zerstört und setzt seinen Vernichtungsfeldzug in anderen asiatischen Ländern fort (u. a. Malasya).
(nach Regenwald-Report 1/2005 und regenwald.org April und Juni 2004)

Leuser Nationalpark im Spinnennetz
Das Leuser-Ökosystem in Indonesien ist das letzte noch intakte Rückzugsgebiet für Tiger, Nashörner, Elefanten und Orang-Utans auf Sumatra und beherbergt 26.000 Quadratkilometer tropischen Regenwald: Wegen seiner einzigartigen Biodiversität zählt es zu den hot-spots des internationalen Naturschutzes. Jetzt plant die Provinzregierung ein Straßennetz mitten durch die einmaligen Urwälder. Ein Finanzkonsortium mit der Weltbank an der Spitze will die nötigen Kredite geben.
(nach www.regenwald.org Dezember 2002)

"Ladia Galaska" heißt ein neues Projekt der Provinzregierung mit dem 15000 Kiometer Asphaltpisten gebaut werden sollen. Das umfangreiche Straßennetz soll den Pazifischen Ozean mit der Straße von Malakka und den Norden Acehs mit dem unzugänglichen Süden verbinden. Im Volksmund werden die Pläne "Spinnenetz" genannt. Die Straßen würden kreuz und quer durch Aceh führen und den Leuser Nationalpark durchschneiden.

Das 2,6 Millionen Hektar große Leuder Ökosystem erstreckt sich vom südöstlichen Aceh (80% der Gesamtfläche) bis in die Provinz Nord-Sumatra. Herzstück ist der 800 000 Hektar große Gunung Leuser Nationalpark, der im Juli 2004 zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Der Park gehört zu den artenreichsten Gebieten der Welt. Seine ökologischen "Dienstleistungen" wie der Schutz von Wassereinzugsgebieten oder die Lieferung von Süßwasserfischen haben einen jährlichen Wert von 200 Millionen Dollar. Leuser ist auch Heimat der von Ausrottung bedrohten Orang Utangs und der Sumatra-Tiger und letzter Lebensraum für die Pflanzen mit den größten Blüten der Welt, die Rafflesia.
(aus: Regenwald Report 1/2005, S. 7)

"Zu reich für den Frieden - Raubbau im Kongo".
Der Kongo ist zu reich, um Frieden zu finden. Seine Rohstoffe sind begehrt und mit ein Grund für die schlimmen Kämpfe der vergangenen. Coltan und Niobium sind die heißbegehrten Mineralien, ohne die die Computerindustrie, Mobilfunkhersteller, Weltraumtechnik und Waffenproduzenten ihre Produkte nicht herstellen können. Es sind besonders deutsche Händler und Industrielle, die an den Rohstoffen interessiert sind . Sie nutzen ethnisch motivierten Hassausbrüche und finanzieren die Rebellenarmee, die den Ost-Kongo kontrolliert, damit sie die Reichtümer des Landes ungestört ausführen können. Hartmut Idzko hat für den "Auslandsreporter" des SWR den östlichen Kongo bei Goma und Bukavu bereist, schildert den Konflikt um Rohstoffe und Reichtum, und sprach mit Minenbesitzern, Händlern, Arbeitern und Bauern.
(Auslandsreporter Sendung vom 21.01.2004 um 21:45 im SWR)

Die Axt im Gorilla-Wald - Illegale Arbeiter zerstören eins der letzten Rückzugsgebiete der vom Aussterben bedrohten Berggorillas in Ostafrika.
(WWF: www.wwf.de/presse/pressearchiv/artikel/01973/index.html)

Gefahr im Schimpansen-Wald
Während des Bürgerkrieges in der Republik Elfenbeinküste wurden zahlreiche Dörfer im Umkreis des Parks zerstört. Die Menschen flohen vor den Kämpfen in den Park und richteten dort großen Schaden an. Die Tier- und Pflanzenwelt ist in Gefahr. Der Taï-Nationalpark, die Zuflucht der Schimpansen und Zwergflusspferde braucht, jetzt schnelle Hilfe.

Als größtes zusammenhängendes Waldschutzgebiet kündet der Taï-Nationalpark noch vom Reichtum der westafrikanischen Wälder. Nur in diesem Gebiet gibt es die einzigartigen Nussknacker-Schimpansen. Doch jetzt bedrohen Bürgerkrieg, Wilderei und illegale Abholzung sowie das Ausbleiben internationaler Hilfe den Taï-Nationalpark.
(aus: WWF-Newsletter März 2005)

Bonobos - die "zärtlichen Menschenaffen" - leben ausschließlich in den Tiefland-Regenwäldern der Demokratischen Republik Kongo, in einem schwer zugänglichen Gebiet im Herzen des Zaire-Beckens. Aber im Lebensraum der Bonobos werden immer mehr Wälder abgeholzt und Wilderer machen gnadenlos Jagd auf die Menschenaffen.
(nach WWF)

Kleine "Lichtblicke" und Rückschläge
Die erste Hürde für den Elefantenwald Tesso Nilo ist genommen . Der Regenwald von Tesso Nilo auf der indonesischen Insel Sumatra wird tatsächlich zum Nationalpark. Das erste Stück, eine Fläche von rund 38.000 Hektar, wurde nun von der Regierung unter Schutz gestellt. Ein Erfolg, der unter anderem auf die intensive Lobbyarbeit des WWF zurückzuführen ist - vor Ort und auch von Deutschland aus.

In Indonesien sollen noch in diesem Jahr zwölf Waldgebiete unter Schutz gestellt werden, die insgesamt eine Fläche von rund einer Million Hektar umfassen (das entspricht etwa der Hälfte der Fläche von Rheinland-Pfalz). Der WWF hofft, dass die Initiative der indonesischen Regierung dazu beitragen wird, die letzten Regenwälder auf den Inseln Sumatra und Borneo zu retten.
(nach: www.wwf.de/presse/pressearchiv/artikel/01655/index.html

Der ehemalige Umweltminister Emil Salim aus Indonesien hat einen Bericht über die schädlichen Folgen der Ölförderung für die Weltbank erarbeitet. Nun müssen nur noch die Konsequenzen daraus gezogen werden.
(nach regenwald.org und Reinhard Behrend, Rettet den Regenwald e. V Mai 2004)

Verantwortliche
Für den Raubbau an den Regenwäldern sind keineswegs nur die lokalen Regierungen und Bevölkerungen verantwortlich und die viel geschmähte Korruption vor Ort, er ist eine Folge des weltweiten Profitstrebens großer Konzerne auch aus den Industrienationen, und der Konsumgewohnheiten vor allem in diesen Nationen (Fleisch, Papier, Zellstoffprodukte, Produkte aus Palmöl wie u. a. Margarine, Kosmetika, manche Süßigkeiten, Holz in verschiedenster Form, aber auch Tabak, Kaffee, Tee, Kakao, Südfrüchte, Kautschuk. Darüberhinaus Weltbank (deren drittgrößter Geldgeber Deutschland ist!), IWF, Regierungen und Banken, die die Interessen von Großkonzernen und entsprechenden Lobbies vertreten, in Deutschland die Hermesbürgschaften der Bundesregierung, die aus Steuergeldern finanziert werden.

Gefragt ist allerdings auch "der/die Verbraucherin", der/die kleine Konsumentin, der/die all die Produkte aus Regenwald- und anderer Umweltzerstörung als zu seinem (ihrem) Lebensstandard gehörend betrachtet. Die Verantwortung beginnt also tagtäglich im Supermarkt. Änderungen im Konsumverhalten dürfen nicht auf die kleine Subkultur der "Ökos" (oder wie man sie nun nennen will) beschränkt bleiben. Der massenhafte Konsum von Fleisch muss drastisch reduziert werden. Der Papierbedarf sollte ebenfalls zurückgehen und muss weitestgehend aus Recycling-Papier gedeckt werden. Eine stärkere Nachfrage wird Supermärkte und Kaufhäuser dazu bringen, solche Produkte wieder verstärkt ins Sortiment aufzunehmen und zu bewerben. Oder muss sich bei den anal fixierten Deutschen Lifestyle dadurch zeigen, dass man sich das teuerste Marken-Klopapier leistet? Das würde wahrhaft bedeuten, auf den Regenwald zu scheißen!

Man solte darauf drängen, dass das Problem der Regenwaldzerstörung (natürlich auch alle anderen Formen der Umweltzerstörung, Klimawandel usw.) stärker bei Organisationen wie ATTAC etc.berücksichtigt wird und nicht der tagespolitischen Aktualität zum Opfer fällt. Es geht dabei um die Lebensgrundlagen unzähliger Tiere und Menschen, und zwar nicht nur vor Ort, sondern auch akut in unseren Regionen, wie die jüngsten Klimakatastrophen gezeigt haben. Der Schutz der Regenwälder und anderer Biotope ist kein Luxus für bessere Zeiten!! Gerade für globalisierungskritische Organisationen sollte er absolute Priorität haben.


Einige Adressen für weitere Informationen, zum Unterstützen und Mitarbeiten:

• www.regenwald.org, Rettet den Regenwald e. V., Friedhofsweg 28, D-222337 Hamburg, Tel. 0049(0)40-410 38 04, Fax 0049(0)40-450 01 44
• www.pro-regenwald.org
• www.robinwood.de
• www.treffpunkt-recyclingpapier.de
• www.wwf.de, WWF Deutschland Rebstöcker Str. 55 D-60326 Frankfurt Tel 0049(0)69/79144-142, fax 0049(0)69/79144-112

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